© Schwäbische Zeitung - 30.08.2011

Simultaneum-Bauhütte an der Stadtpfarrkirche St. Martin

Kalt: Ein Konzept für die St.-Martin-Heizung fehlt

Der Verein Bauhütte Simultaneum hat bisher nur wenig Geld für die Sanierung der Stadtpfarrkirche bekommen

Von Constanze Kretzschmar

Biberach - Etwa 18000 Euro hat der Verein Bauhütte Simultaneum knapp fünf Monate nach seiner Wiederbelebung gesammelt. Das ist wenig, schließlich wollte der Verein ursprünglich schon bis zum Winter 2012 das Geld zusammenhaben, das für die Sanierung der Heizung in der Stadtpfarrkirche nötig ist. Innen- und Außensanierung der Kirche werden zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Euro kosten, die Heizung wird wohl der teuerste Posten hiervon sein.

„Wir haben uns noch nicht für ein Konzept für eine Heizung entschieden. Das macht es schwierig, Spenden zu sammeln, weil man den Leuten nicht sagen kann, wofür genau es verwendet wird“, sagt der Evangelische Pfarrer Ulrich Heinzelmann.

Die gemeinschaftliche Kirchenpflege steckt in einem Dilemma: Sie muss entscheiden, ob sie eine teure aber umweltfreundliche Heizung einbauen soll, oder eine günstige herkömmliche. „Finanziell gibt es zwischen den unterschiedlichen Konzepten große Differenzen“, sagt Heinzelmann. „Wir wissen aber, dass die Kirchengemeinden keins der Konzepte selbst stemmen können.“

Das Spendensammeln geht auch langsam voran, weil die Bauhütte Simultaneum wenig aktive Mitglieder hat. 35 Menschen sind dem Verein beigetreten. So steht die Infobox meist verwaist neben der Kirchentür. Und das Schützenfest, gedacht als Auftakt zum Spendenlauf, war für den Verein ein Reinfall: „Wir hatten eine Bewirtungsaktion beim Tanz auf dem Marktplatz angedacht. Dann hat es geregnet und er wurde abgesagt, wir sind auf unseren Ausgaben sitzen geblieben“, sagt der Pfarrer.

Demnächst will der Verein seinen ersten Vorsitzenden bestimmen, der noch nicht feststeht. Entschieden hat die Bauhütte bereits, dass sie nur den Bau der teuren, aber umweltfreundlichen Heizung unterstützen will: eine Ziehschluckbrunnenanlage. Sie zieht Grundwasser, das über eine Fußbodenheizung die Kirche wärmt. Dann wird das Wasser gereinigt und wieder ins Grundwasser zurückgeleitet. „Das System heizt sehr langsam, was für eine denkmalgeschützte Kirche ideal ist“, sagt der Gesamtkirchenpfleger Thomas Stöhr. Die Klosterkirche in Ochsenhausen wärmt seit mehreren Jahrhunderten eine ähnliche Heizung. Allerdings kostet eine solche Heizung etwa 300000 Euro mehr als die günstigste Variante – Heinzelmann sagt, dass die Mehrkosten laut Finanzexperten kaum eingespielt werden könnten.

Verein hofft auf Konzept

Die Kirche könnte auch elektrisch geheizt werden, das bestehende System würde verbessert. „Dann investiert man allerdings in ein veraltetes System“, sagt Heinzelmann.

Bei einem dritten Konzept würden Wärmeschächte in den Kirchenboden eingebaut. Diese Art Heizung wärmt seit kurzem die Dreifaltigkeitskirche. „Es funktioniert ganz gut“, sagt Heinzelmann. Die Schächte würden mit Warmwasser geheizt – wie dieses aufgewärmt würde, müsste aber noch entschieden werden. In Frage kommen Gas oder Öl.

Der Verein hofft, dass Kirchenpflege und Stadt bald ein Konzept beschließen. Ab dem Wochenende wollen zudem die beiden Pfarrer Wein, Öl und Essig an Markttagen in der Infobox verkaufen.

Allerdings wolle die Kirchenpflege diesmal gründlich alle Vor- und Nachteile der Systeme abwägen – schließlich soll nicht noch einmal eine Heizung in die Stadtpfarrkirche gebaut werden, die nach zehn Jahren nicht mehr funktioniert. Im vergangenen Winter war es in der Stadtpfarrkirche zeitweise so kalt, dass Gottesdienstbesucher fürchteten, sich zu erkälten, sagten die Pfarrer.

Bisher steht die Informationsbox zur Bauhütte Simultaneum meist unbeachtet vor der Stadtpfarrkirche. Doch ab diesem Wochenende will der Verein dort an Markttagen Essig, Öl und Wein verkaufen.

Der Verein hat eine Homepage: www.bauhuette.simultaneum.de

© Schwäbische Zeitung - 22.08.2011

Helfer in Stunden, in denen die Not am größten ist: die Notfallseelsorger Monika Fischer (v.l.), Heinz Weiss sowie Kerstin Held vom katholischen Dekanat Biberach. Foto: gem

Trost: Sie sind die Ersthelfer für die Seele

 

Seit fast zehn Jahren gibt es die

Notfallseelsorge im Kreis -

Nachwuchs ist dringend gesucht

 

Von Gerd Mägerle

 

Biberach - Notfallseelsorger – sie gehören im Landkreis seit fast zehn Jahren zum Bild bei schweren Unfällen oder anderen Unglücken. Während über die Arbeit der Rettungskräfte von DRK und Feuerwehr oft groß in den Medien berichtet wird, leisten sie ihren wichtigen Dienst im Stillen.

So, wie sich Sanitäter um die körperlichen Verletzungen kümmern, kümmern sich die Notfallseelsorger um die seelischen Verletzungen der Betroffenen am Unfallort. Sie haben auch die schwere Aufgabe, zusammen mit der Polizei Todesnachrichten an Familien und Angehörige zu überbringen.

„Man muss dem Tod ins Auge sehen können“, sagt Monika Fischer aus Biberach. „Und zwar nicht dem sanften Tod, sondern dem plötzlichen und brutalen.“ Die sechsfache Mutter gehört seit 2005 zum derzeit etwa 50-köpfigen Notfallseelsorger-Team im Landkreis, das dringend Verstärkung sucht. „Ich habe eine wunderbare Familie, 15 Enkel, alle sind gesund. Das war für mich die Motivation zu sagen: Ich habe Kapazitäten, um das Leid anderer ein Stück weit mitzutragen“, sagt Monika Fischer darüber, wie sie zur Notfallseelsorge gekommen ist.

Für Heinz Weiss aus Ochsenhausen, der seit 2002 zu den Notfallseelsorgern im Kreis gehört, war es der Tod seiner Tochter, die den Religionspädagogen zu dieser Aufgabe brachte. Sie starb 1998 bei einem Verkehrsunfall. „Ich wollte das Leid, das ich selbst empfunden habe, bei anderen Leuten in ähnlichen Situationen etwas lindern“, sagt er. „Ich gebe zu, das ist ein hoher Anspruch, der kaum zu erfüllen ist.“

Kreis setzt auf Ehrenamtliche


Im Gegensatz zu vielen anderen Landkreisen, wo die Notfallseelsorge von Priestern wahrgenommen wird, sind es im Landkreis Biberach bis auf einige Ausnahmen hauptsächlich Ehrenamtliche ohne theologischen Hintergrund – mit guten Erfahrungen. „Wir setzen zwar die Zugehörigkeit zu einer der großen Kirchen voraus“, sagt Kerstin Held, die die Notfallseelsorger von katholischer Seite aus betreut, „aber die Lebenserfahrung ist in der Notfallseelsorge manchmal mehr wert als ein Theologiestudium.“

In der Regel haben die Notfallseelsorger im Wechsel immer eine Woche lang Bereitschaft. Sie haben einen Piepser der Rettungsleitstelle bei sich, mit dem sie Tag und Nacht alarmiert werden können. „Wenn ich den Piepser den ersten Tag wieder habe, schlafe ich meistens nicht so gut“, sagt Weiss. Schließlich wisse man nie wann und zu welchem Einsatz man gerufen werde.

Am Schlimmsten seien für sie Unfälle, bei denen Kinder oder junge Eltern ums Leben kommen, sagen Weiss und Fischer. „Nach so einem Einsatz brauche ich dann erst einmal Zeit für mich“, sagt Weiss. „Manchmal staune ich bei so einem Einsatz über mich selbst, wie sehr ich andere Dinge ausblenden kann“, fügt Monika Fischer hinzu. Man müsse bei solchen Unglücksfällen Distanz wahren können. „Was aber nicht immer gelingt.“

Ausdrücklich verstehen sich die Notfallseelsorger nicht als Begleiter für eine längere Zeit nach dem Unglücksfall, sondern als Helfer im ersten Moment. Sie hören zu, sie reden, sie haben in ihrem Koffer Papiertaschentücher, Rettungsdecken, aber auch Stofftiere, Zigaretten oder einen Flachmann. Und sie haben Zeit.

Ein Danke gegen die Hilflosigkeit

„Viele der Menschen, die wir in den ersten Minuten betreuen, registrieren das gar nicht wirklich“, sagt Monika Fischer. Oftmals hören die Notfallseelsorger aber auch den Satz: „Danke, dass Sie da waren.“ Dieses Danke nehme einem ein Stück weit die Hilflosigkeit die man in einer solchen Situation aushalten müsse.

„Wir sind eine Art Rettungsschwimmer, die die Leute im ersten Strudel über Wasser halten und sie an Land bringen, wo weitere Helfer warten“, fasst Monika Fischer die Rolle der Notfallseelsorger zusammen. Um die Bereitschaftsdienste in Zukunft wieder besser auf mehreren Schultern verteilen zu können, wünschen sie sich engagierte Menschen, die zu diesem ehrenamtlichen Dienst bereit sind.

© Schwäbische Zeitung - 22.08.2011

Rund 90 Einsätze gibt es pro Jahr

Die Notfallseelsorge im Kreis Biberach gibt es seit dem Jahr 2002. Träger sind das katholische Dekanat Biberach und der evangelische Kirchenbezirk Biberach. Im Schnitt werden die Notfallseelsorger rund 90 Mal von der Rettungsleitstelle zu Einsätzen gerufen. Dabei kann es sich um Verkehrsunfälle, häusliche Unfälle oder auch Fälle von Suizid handeln.

Der häufigste Anlass der Alarmierung ist die Überbringung einer Todesnachricht. Die häufigste Aufgabe ist die Begleitung der Angehörigen nach einem plötzlichen Todesfall. Um sich als Notfallseelsorger zu qualifizieren, dauert es etwa ein Jahr. Nach einem Aufnahmegespräch gibt es monatliche Fortbildungen zu verschiedenen Themen. Nach etwa einem Jahr gibt es ein zweites Aufnahmegespräch und eine Aussendungsfeier. Ab diesem Zeitpunkt ist man Notfallseelsorger. Die Tätigkeit ist rein ehrenamtlich.

Weitere Infos zum Thema Notfallseelsorge gibt es im Internet unter www.notfallseelsorge-bc.de oder bei Kerstin Held vom katholischen Dekanat unter der Telefonnummer 07351/182130. (gem)