© Schwäbische Zeitung - 31.12.2011

In IHM sei‘s begonnen

von Pfarrer Stephan Günzler, Bad Saulgau

Noch ganz ohne Eselsohren und Tintenkleckse liegt sie vor einem:
Die erste Seite im neuen Heft. Dieses Mal will man sich mehr Mühe geben: Schöner soll alles werden, sauberer in der Gliederung, auch auf Linien und Rand will man künftig besser achten.


Vielleicht erinnern Sie sich noch an diese Momente in Ihrer Schulzeit.
Mit Sorgfalt, ja einer gewissen Ehrfurcht, schrieb man das erste Wort auf die noch jungfräuliche Seite im neuen Heft.


Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.


Wir kennen aber auch das andere: Die Angst vor dem weißen Papier.
Endlich habe ich mich mal hingesetzt, um dem Freund, dem´s nicht gut geht, einen Brief zu schreiben. Aber wie fange ich an? Wie finde ich die rechten Worte? Bringen sie zum Ausdruck, was ich sagen will? Klingen sie nicht allzu banal? Oder verletzen sie den anderen womöglich? Und doch will ich´s wagen, will die Leere auf dem Blatt füllen mit Worten. Es sind meine Worte. Ich kann nicht alles sagen. Ich muss mich entscheiden, was mir jetzt wichtig ist. Muss auch den angefangenen Satz, mit dem ich nicht zufrieden bin, irgendwie zu Ende führen.


Die meisten Texte schreiben wir heute am Bildschirm. Da kommt’s nicht sofort aufs Papier, was ich eintippe. Da kann ich´s beliebig oft überschreiben und korrigieren, bis ich’s ausdrucke.


Aber das Leben ist anders. Ich kann nicht erst einen Entwurf machen, bevor ich´s lebe. Es gibt kein Leben auf Probe. Die Worte, die ich sage, muss ich verantworten. Ich muss mich entscheiden, was ich tun will. Und das bedeutet zugleich auch den Verzicht auf manches was ich eben nicht tun kann oder will.

 

Ein neues Jahr liegt vor uns wie ein noch ungeschriebener Brief, wie ein neues Heft in der Schule. Und doch sind wir längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Wir bringen das Alte mit ins Neue. Wir können nicht aus unserer Haut schlüpfen. Wir müssen weiterschreiben an unserer Lebensgeschichte. Die besten Vorsätze lösen sich schnell in Luft auf, wenn sie eingeholt werden von den alten, lästigen Gewohnheiten. Und es wird auch im neuen Jahr manches auf uns zukommen, was uns einen Strich durch die Rechnung macht. Es wird nicht alles nach unseren Plänen laufen. Wir sind eben nicht der alleinige Autor unserer Lebensgeschichte. Da schreiben viele andere mit.

 

Von Null anfangen, kann im Grunde nur einer, nämlich Gott selbst.
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde!“ mit diesen Worten beginnt die Bibel.  Und lässt Gott es damit nicht genug sein. Auf jeder Seite lässt die Bibel uns teilhaben an Gottes erstaunlichen Anfängen. „Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!“ (2.Kor 5,17). Gott ist bereit, eine neue Seite im Buch des Lebens mit uns aufzuschlagen. Er nimmt unsere kleinen Anfänge mit in seinen großen Anfang hinein. Auch auf dem Beginn eines neuen Jahres liegt deshalb der Glanz des ersten Schöpfungstags, die Verheißung, dass Gott mit uns geht.

 

Gott segne unsere Anfänge im neuen Jahr!

 

In IHM sei’s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt.
Du Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!
(Eduard Mörike)

© Schwäbische Zeitung - 27.12.2011

Die Männer beraten über die Volkszählung, die Frauen hören zu. Eine Szene aus dem Wainer Krippenspiel. Foto: dh

Hirten und Könige beten den Heiland an

Kinder führen in der Wainer Michaelskirche das Singspiel „Auf dem Weg nach Bethlehem“ auf


WAIN (dh) - Fünf Frauen (Sarah Frey, Katja Stock, Anna Wegmann, Senta Schäfer, Lena Wegmann) stehen zu Beginn des Krippenspiels (Autor: Markus Hottiger) zusammen mit Maria (Rebekka Unterweger) am Brunnen. Maria bleibt allein zurück und der Engel Gabriel (Sarah Unterweger), gefolgt von einer Engelschar (Vanessa Unterweger, Marita Walcher, Stefanie Unterweger, Laura Lein, Tim Guggenberger), verkündigt ihr dass sie einen Sohn bekommen wird, den sie Jesus nennen soll.


Als nächstes treten ein paar Männer (Lukas Wegmann, Johannes Schließer, Silas Schäfer, Gereon Höfner) aus Nazareth auf, der Stadt, in der Maria und Josef (Emil Höfner) wohnen. Sie unterhalten sich darüber, dass der Kaiser Augustus das Volk zählen lassen will und deshalb jeder Mann mit seiner Familie in seine Heimatstadt gehen müsse.


In der nächsten Szene befinden sich Maria und Josef auf dem Weg in Josefs Geburtsstadt Bethlehem. Weil so viele Leute unterwegs sind, finden sie nirgends eine Bleibe. Bei vier Gasthäusern klopfen sie an, doch die Wirte (Ann-Kathrin Frey, Jonas Fromm, Gereon Höfner und Stefanie Bühler) winken ab. Auch verschiedene Gäste (Ann-Kathrin Unterweger, Katharina Unterweger, Julia Kuchelmeister, Marie Frey, Jule Fromm, Salome Frey) kommen zu Wort. Sie sind nicht begeistert von der Aussicht, dass sich ein armes Paar mit einem Esel einquartieren möchte.


Der vierte Wirt bietet dem jungen Paar schließlich an, in seinem Stall zu übernachten, wo auch das Kind zur Welt kommt. Währenddessen sind die Hirten (Anna Wegmann, Hanna Frey, Senta Schäfer, Lena Wegmann, Josia Frey und Noah Frey) bei ihren Schafen auf dem Feld. Dort erscheint ihnen die Engelschar und erzählt, dass im Stall in Bethlehem der Heiland geboren wurde. Daraufhin machen sich die Hirten auf den Weg dorthin.


Die drei Weisen aus dem Morgenland (Lukas Wegmann, Linus Habdank und Silas Schäfer) sind derweil in Jerusalem bei König Herodes (Johannes Schließer) angelangt und fragen ihn, ob er wisse, wo sie den neugeborenen König finden können. Herodes gibt sich interessiert, doch sobald die Weisen weitergezogen sind, gibt er seinen Dienern (Julius Bühler, Katja Stock und Amos Frey) den Auftrag, alle Kinder unter zwei Jahren zu töten.


Das Singspiel endet damit, dass auch die drei Weisen das Jesuskind in der Krippe finden und es anbeten. Die einzelnen Szenen wurden mit Liedern überbrückt. Die drei Solisten Rebekka Unterweger, Ann-Kathrin Frey und Johannes Schließer überzeugten die Zuhörer in der vollen Michaelskirche mit ihrem Können, genauso wie die übrigen Kinder. Begleitet wurden die Buben und Mädchen von einer zwölfköpfigen Instrumentalgruppe, die sich extra für dieses Singspiel formiert hatte.


Kreuze aus historischen Balken


Im Anschluss an die Feier erhielt jedes Kind ein kleines Weihnachtsgeschenk: eine Orange, eine süße Brezel und ein Holzkreuz. Die Kreuze hatten Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Wain in mühe-voller Arbeit angefertigt. Das Holz ist von Balken, die während der Kirchensanierung aus dem Dachstuhl der Michaelskirche entfernt werden mussten; sie stammen aus dem Jahr 1688.



© Schwäbische Zeitung - 22.12.2011

Jonathan Schließer aus Wain hat sechs Monate lang in Afrika gelebt und gearbeitet. Foto: pr

Im Restaurant gibt’s Hähnchen frisch vom Hof

 

Jonathan Schließer schildert seine Erlebnisse aus Afrika

 

Wain (sz) - Student Jonathan Schließer (21) aus Wain hat etwa 100 Interessierte im Wainer Gemeindehaus mit auf eine Reise nach Afrika genommen. Dort arbeitete er zusammen mit seinem Cousin Jan Handel Anfang des Jahres sechs Monate lang mit der Missionsgesellschaft „Diguna“ (Die gute Nachricht für Afrika) – zuerst in Kenia und dann im Südsudan.


Spannend, ausführlich und mit viel Enthusiasmus berichtete Jonathan von seinem Alltag in den Tropen, von Unternehmungen und von den größeren und kleineren Schwierigkeiten des Alltags. Obwohl der Vortrag fast zwei Stunden dauerte, wurde er von den zahlreichen Interessierten nicht als langatmig empfunden, da er dank der vielen Bilder anschaulich war.


Aufgrund der angespannten politischen Lage im Sudan Anfang des Jahres verbrachten die zwei jungen Männer die ersten beiden Monate ihres Einsatzes auf der Hauptstation der Missionsgesellschaft, Mbagathi, in Kenia. Dort erledigten sie viele kleinere Arbeiten. Unter anderem halfen sie mit, eine Lagerhalle aufzuräumen und verhalfen den Stühlen im Speisesaal zu neuem Glanz, indem sie das Holz abschliffen und neu lackierten. Außerdem begleiteten die Kurzzeitmitarbeiter die dort stationierten Missionare bei unterschiedlichen Projekten, darunter auch verschiedene Einsätze in Schulen der Umgebung. „Die unterschiedliche Ausstattung der Schulen, je nachdem wie reich das Einzugsgebiet der Schule war, fand ich beeindruckend“, sagt Jonathan Schließer.


Umweg über Uganda


Nach zirka zwei Monaten hatten die jungen Männer ihre Visa für den Südsudan erhalten. „Leider konnten wir nicht, wie geplant zu unserem neuen Einsatzort in Lohutok fliegen, sondern wir unternahmen eine abenteuerliche Autofahrt dorthin“, erzählt Jonathan. „Da die direkte Route aufgrund von Unruhen gesperrt war, mussten wir einen Umweg über Uganda machen.“ An eine Episode erinnert sich Jonathan besonders gut: Kurz vor einem Grenzübergang machten die beiden Freunde Halt in einem Restaurant, um dort Hähnchen zu essen. Kurz nachdem sie bestellt hatten, sahen sie den Wirt mit einem scharfen Beil die Küche verlassen und kurz darauf mit einem frisch geschlachteten Huhn zurückkehren. Dass das Essen noch eine ganze Weile auf sich warten ließ, versteht sich von selbst.


Auch an ihrem neuen Wirkungsplatz erwartete Jonathan Schließer, seinen Cousin und noch einen weiteren Kurzzeitmitarbeiter ein breites Spektrum an Aufgaben. Da beide gute Blechmusiker sind – Schließer spielt Posaune, Handel Trompete – war eine ihrer Hauptaufgaben, die bestehende Bläsergruppe zu fördern und auszubilden. Um den Zuhörern einen Eindruck von der dort gespielten Musik zu geben, spielten Schließer und Handel, der extra nach Wain gekommen war, ein Stück vor.


Als eine „Diguna“-Missionarin ein neues Visum beantragen und deshalb für zwei Monate nach Deutschland reisen musste, übernahmen die jungen Männer vertretungsweise ihren Englisch- und Religionsunterricht an der weiterführenden Schule in Lohutok. Dies war eine neue Erfahrung für die jungen Männer, hatten sie doch erst ein halbes Jahr zuvor selbst Abitur geschrieben. Während eines Medizineinsatzes mit einem Team aus den USA übernahm der Wainer, zusammen mit seinen Kollegen, die „Apotheke“. Sie gaben Medikamente aus und erklärten den Kranken, wie sie einzunehmen seien. Auch handwerklich waren die drei jungen Männer tätig. Sie halfen mit, einen Wassertank bei der Schule zu installieren und ein großes Gewächshaus aufzubauen.


Ein besonderer Höhepunkt ihres Aufenthaltes war die Feier des „Independence Days“, der Unabhängigkeit des Südsudans. „Es war schon etwas ganz Besonderes, eine Zeitlang in der jüngsten Nation der Welt gelebt zu haben“, meinte Jonathan Schließer in seinem Vortrag. Auf die Frage, ob er noch einmal nach Afrika gehen würde antwortete er: „Auf jeden Fall. Ich habe in der Zeit dort viel lernen dürfen und viele interessante Erlebnisse gehabt.“



© Schwäbische Zeitung - 22.12.2011

Kirche lädt auf die Biberacher Alm

 

Biberach (sz) - Einen originellen Ort wählt die evangelische Heilig-Geist-Gemeinde für ihren Gottesdienst an Heiligabend. Sie feiert ihn am Samstag ab 17 Uhr auf der Biberacher Alm. Als einzige Alm in Biberach, die nur während des Sommers als Kuhstall genutzt wird, bietet sie sich an, um die Feier der Geburt Jesu am ursprünglichen Ort, einem Stall, zu begehen. „Wir wollen einen Gottesdienst feiern, der viele Sinne anspricht und der Menschen jeden Alters etwas gibt“, sagt Pfarrer Ulrich Weber. Nase, Ohren und Augen nehmen wahr und nehmen so die Weihnachtsgeschichte auf.

Herzstück des Gottesdiensts ist ein Krippenspiel, das vom Team der Kinderkirche mit den Kindern eingeübt wurde. Dazu wird viel gesungen. Bekannte Weihnachtslieder werden vom Posaunenchor angestimmt und begleitet. Nach dem Gottesdienst gibt es vor der Alm die Möglichkeit, zu reden oder einen Glühwein oder Punsch zu trinken.

Die Biberacher Alm liegt am Verbindungsweg am Kreisel beim Ortsausgang Biberach (Mozartstraße) Richtung Mettenberg und dem Biberacher Tierheim.

© Schwäbische Zeitung - 22.12.2011

sz-Foto: Kaltenthaler

Powerfrau erhält Bundesverdienstkreuz

Landrat Dr. Heiko Schmid zeichnet in der Erolzheimer Realschulaula Christa Gruber aus

Von Uwe Kaltenthaler

EROLZHEIM - „Heut kommen Engerl auf Urlaub nach Wien“ hat die Berkheimer Salonmusik zum Festakt für Christa Gruber gespielt, die aus der Hand von Landrat Dr. Heiko Schmid das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam. Der Landrat nahm den Musiktitel zum Anlass, einem „Engel“ zu danken, der aus vielerlei Gründen einen solchen Orden verdient hat.

Ihr ganzes Leben lang hat Christa Gruber „die Ärmel aufgekrempelt“ im Engagement für Menschen jeglicher Couleur. Harte Arbeit war zunächst das Leben auf dem erworbenen Bauernhof in Berkheim, wo sie als Meisterin der Landwirtschaft auch Auszubildende lehrte. Nicht lange nach dem Einzug dort trat sie mit dem schlagkräftigen Slogan WIR (Weiber ins Rathaus) dem Gemeinderat bei, „ 24 Jahre musste mich der Bürgermeister aushalten“ und blieb bis heute der politischen Arbeit, besonders der Frauenarbeit treu. Drei Frauen schafften es auf ihre Initiative hin in den Kreistag.

Ebenfalls 24 Jahre kämpfte sie in Elterngremien bis hin zum Landeselternbeirat für die Rechte der Kinder in der Schule. Mit der Gründung der offenen Jugendarbeit und der Initiative des Café 7 in Berkheim dehnte sie diese Arbeit auf die außerschulische Zeit aus.

Als weltoffener Mensch unterstützte sie die Partnerschaft mit Coubron in Frankreich. Ihr politisches Wirken in der Gemeinde wurde in origineller Weise von den beiden Bürgermeistern im Ruhestand, Mattheis und Ruß, in launigen Versen bedacht.

Auch in der Diasporagemeinde ihrer Kirche diente sie als Kirchengemeinderätin, Vertrauensfrau, Ansprechpartnerin der evangelischen Frauenarbeit. Sie legt trotz Krankheit die Hände nicht in den Schoß, sondern engagiert sich weiter im Seniorenheim ihres jetzigen Wohnortes Erolzheim, wo sie mit den Bewohnern des Seniorenheims singt, lacht, betet und schwätzt und auch noch zum „Flädle schneiden“ zu gebrauchen ist. All das tut sie, so der Landrat, als „warmherziger Engel, der nicht nach Anerkennung lechzt, aber auch als Mensch, der Rückgrat hat und sich Respekt verschaffen kann, selbst in überzähliger Männergesellschaft und auch gegen Widerspruch.

Unentwegt positiv

Viele Schicksalsschläge musste sie annehmen, hat dabei aber den Mut nicht verloren und immer wieder „den Regenbogen im Dunkeln“ gesehen, so Pfarrerin Sauer, die vor allem ihr kirchliches Engagement in zahlreichen Diensten für andere hervorhob. Die Präsidentin des Dachverbandes der Frauenlisten Baden-Württemberg Susanne Berger erinnerte an Christa Grubers Herzensangelegenheit, das Ungleichgewicht der Geschlechter zu überwinden und an ihre wichtige Rolle in der Frauenarbeit, wo sie als „Mutter des Dachverbandes für Frauenlisten“ manches ausbremsen, zusammenfassen, aber auch auf den Kopf stellen konnte.

In bewegenden Worten dankte Gruber allen, die sie geehrt und weite Wege zu ihrem Festtag auf sich genommen hatten, ihrer Familie, die „ihren unruhigen Geist ertragen musste“, den Frauen des Dachverbandes der Frauenliste für eine gemeinsame Busreise nach Dresden, der evangelischen Kirchengemeinde für Kalb und Ziege, die afrikanischen Familien Nahrung geben sollen und besonders ihrer Enkelin Liane Häfele, die der Feier mit ihrem Musikantenfreund mit Posaunenspiel eine besondere Note gab.

Ein Wunsch an die Bürgermeister blieb Christa Gruber (l.), nachdem sie das Bundesverdienstkreuz in Empfang genommen hatte, noch unerfüllt: Bei der nächsten Straßennamenfindung einmal eine Frau zu ehren. Als hätten ihre Frauenlistendamen diesen Wunsch erahnt, hatten sie bereits ein Schild mit der Aufschrift „Christa-Gruber-Platz“ vorbereitet. Bleibt den Bürgermeistern zu suchen, wo man es aufstellen kann. sz-Foto: Kaltenthaler

© Schwäbische Zeitung - 21.12.2011

Pfarrer Ulrich Heinzelmann

Der fleißige Heinzelmann

Für Pfarrer Ulrich Heinzelmann wird die besinnliche Zeit manchmal zur besinnungslosen

Von Constanze Kretzschmar

Biberach - Manchmal fragt seine Familie Pfarrer Ulrich Heinzelmann, ob ihm klar sei, dass sie auch noch da sei. Schließlich arbeitet er oft 14, 15 Stunden am Tag, gerade im Advent. „Ich versuche, mir einen Abend in der Woche freizuhalten“, sagt er. Doch neben seien üblichen Aufgaben hat er nun Weihnachtliches zu tun: die Proben für das Krippenspiel mit den Konfirmanden, die Heinzelmann Spaß machen, weil die Konfirmanden dazu Lust haben – „und sonst hat man in dem Alter doch zu nichts Lust, oder?“ Die Weihnachtsfeiern, in diesem Jahr sind es acht. Die Feierabendkonzerte. Sie sind für Heinzelmann zwar dienstlicher Termin, aber auch Gelegenheit, sich zu entspannen. Die Frühgottesdienste, immer freitags um 6 Uhr am Morgen in der Spitalkirche.

An diesem Freitag, dem vorletzten vor Weihnachten, ist die kleine Spitalkirche voll. Menschen jeden Alters sind zu dem ruhigen Gottesdienst gekommen. Ein Mitglied der Gemeinde liest die Worte eines Bischofs vor, der sich entschuldigt, die Zeit anderer ohne wichtigen Grund beansprucht und sie so von ihrer Familie ferngehalten zu haben. Die Gemeinde schweigt einige Augenblicke gemeinsam. Leise hört man Regen an die dunklen Fensterscheiben tropfen. Heinzelmann spricht wenig in diesem Gottesdienst, aber er spielt Gitarre, begleitet die Flötistin Marion Martin. Tochter Zion ist das letzte Lied. Alle singen mit.

Später sitzt Heinzelmann an einem weißen Tisch im Gemeindehaus St. Martin. Es gibt Frühstück aus Weiß- und Graubrot, zwei Sorten Marmelade, Butter, Kaffee und Tee. Die Stimmung ist fröhlich, Menschen schwätzen, bevor der Tag losgeht. Nach dem Frühstück wird sich Heinzelmann an seinen Schreibtisch setzen und seine Predigt für den Sonntag vorbereiten. „Ich habe morgens immer die besten Ideen“, sagt er. Meist schreibt er die Predigten erst am Samstag. In dieser Woche geht das nicht – Termine.

„Man erwartet von einem Pfarrer, dass er Besinnlichkeit verbreitet. Aber ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich in Gedanken schon beim nächsten Termin bin“, sagt er. Er är-gert sich, wie kommerziell Weihnachten und die Weihnachtszeit geworden sind. „Das mit der Kommerzialisierung ist aber ein alter Hut“, sagt er dann entschuldigend. Längst sei bekannt, wie sich die Kirche über zu viel Lichter, Glitzer und Geschenke ärgert. Er will nicht auch in diese altbekannte Kerbe hauen.

Eine Kerze auf dem Schreibtisch

Heinzelmann selbst genießt den Advent aber auch. Am Morgen zündet er eine einzige Kerze auf seinem Schreibtisch an. „Ich habe eine Lampe, die nur einen kleinen Lichtkegel verbreitet. Zusammen mit der Kerze entsteht eine sehr schöne Stimmung.“

An den Advent in seiner Kindheit kann sich Heinzelmann gut erinnern. Seine Mutter las der Familie vor, Geschichten begeistern ihn bis heute. Außerdem habe die Familie viel miteinander musiziert. „Ich bin wirklich zur Ruhe gekommen und habe die Zeit sehr genossen“, sagt er.

Trotz aller Beschäftigung, allem Stress, genießt er die Zeit auch heute. Im Advent wenden sich viele Menschen nach innen und denken über ihr Leben nach. „Vielen graut auch vor dieser Zeit, gerade älteren Menschen, die einsam sind.“ Heinzelmann trifft sie auf den Weihnachtsfeiern und hat dort Zeit für Gespräche. „Manche Menschen kann man in dieser Zeit besser erreichen als sonst“, sagt er. Er hört zu. Spendet Trost. Zuversicht.

Solche Gespräche bauen den Pfarrer der Stadtpfarrkirche St. Martin auf. „Wenn ich ein gutes Gespräch hatte, bin ich wirklich froh. Dann denke ich: Den Rest schaffe ich auch.“ Er lacht.

Versucht, den Advent trotz vieler Termine zu genießen: der evangelische Pfarrer Ulrich Heinzelmann.SZ-Foto: Constanze Kretzschmar

Mit diesem Beitrag endet unsere kleine Reihe über gestresste Menschen in der Weihnachtszeit.

© Schwäbische Zeitung - 17.12.2011

Die Aktion „Kinder beschenken Kinder“ fand zum zweiten Mal in Mengen statt.

Kinder beschenken Kinder

Diakonieladen lädt die Kindergärten ein

Von Silke von Fürich

Mengen - Eine erfreuliche Fortsetzung fand die vom Diakonielädele durchgeführte Aktion „Kinder beschenken Kinder“. Am 10. Dezember hatten Gerda Knoch und ihr Team ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer zu einer Nikolausfeier ins Diakonielädele in der Mittleren Straße eingeladen, wo unzählige hübsch verpackte Geschenke die strahlenden Kinder erwarteten (die SZ berichtete). So viele gut erhaltene Spielsachen und Bücher waren gespendet worden, dass am Ende der Nikolausfeier noch viele übrig blieben. Kurzerhand organisierte das Team des Diakonielädeles eine weitere Feier, zu der am Dienstag, dem 13. Dezember, Kindergärten aus Mengen und Umgebung erwartet wurden.

„Wir haben alle Kindergärten der städtischen Gemeinde sowie aus dem Einzugsbereich der evangelischen Kirchengemeinde Mengen eingeladen“, erzählt Hildegard Schönenberger vom Diakonielädele. Kleine Delegationen von Kindern, Erzieherinnen und Eltern der Kindergärten wurden im Gemeindesaal der Pauluskirche erwartet. Zur großen Überraschung der Kinder erwartete sie auch im Paulussaal der Nikolaus. Anschließend durften sie an einem langen, dicht bestückten Gabentisch aus den vielen gespendeten Geschenken Schönes für ihre Kindergarten- und Krippengruppen aussuchen. „Das ist eine tolle Idee und eine wirklich nette Geste, die Kindergärten zu bedenken“, sagte eine Mutte.

Die Aktion „Kinder beschenken Kinder“ fand zum zweiten Mal in Mengen statt.

© Schwäbische Zeitung - 14.12.2011

Die neuen Notfallseelsorger (v. l.): Eugen Haas, Karin Heinemann, Silvia Zech, Ulrich Burgmayer und Ralf Klemm. Foto: pr

Notfallseelsorge hat fünf neue Mitstreiter

Ehrenamtliche Helfer sind rund 90 Mal pro Jahr im Einsatz

KANZACH (sz) - In der Notfallseelsorge im Landkreis Biberach haben fünf neue ehrenamtliche Mitarbeiter ihre Ausbildung abgeschlossen. Sie wurden im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes in der katholischen Kirche in Kanzach von den beiden Leitern der Notfallseelsorge, Kerstin Held und Markus Lutz sowie Hans-Jürgen Hirschle beauftragt und ausgesendet.

In seiner Predigt verdeutlichte Markus Lutz, dass es oft kaum auszuhalten sei, dass Gott ein Unglück nicht verhindert habe. Er erinnerte daran, dass Advent auch heiße, dass Gott die Not der Menschen sehe und ihnen zu Hilfe komme. Als Christen vertrauen wir darauf, dass Gott am Ende alles gut machen wird. Christen und Notfallseelsorger seien Boten Gottes. Durch Schweigen, Zuhören und Mitaushalten können sie Menschen in Not Hilfe sein.

Die neuen Notfallseelsorger sind Ulrich Burgmayer (Reichenbach), Eugen Haas (Bußmannshausen), Karin Heinemann (Langenenslingen), Ralf Klemm (Warthausen) und Silvia Zech (Biberach). Sie erklärten sich mit einem „Ja – mit Gottes Hilfe“ bereit, das Amt des Notfallseelsorgers zu übernehmen und dieses in Verantwortung vor Gott und dem Nächsten auszuüben. Die Notfallseelsorge wird von der katholischen und evangelischen Kirche getragen. Die ehrenamtlichen Frauen und Männer werden rund 90 Mal pro Jahr von den Rettungskräften alarmiert und stehen Menschen in der akuten Zeit nach einem Unglück bei.

Die neuen Notfallseelsorger (v. l.): Eugen Haas, Karin Heinemann, Silvia Zech, Ulrich Burgmayer und Ralf Klemm. Foto: pr

Nähere Informationen unter www.notfallseelsorge-bc.de.

© Schwäbische Zeitung - 12.12.2011

SZ-Foto: Gerd Mägerle

Kleine Schützenmusik erwärmt die Herzen in der kalten Kirche

Junge Musiker geben Benefizkonzert für die „Bauhütte Simultaneum“ – Viele Besucher spenden für eine neue Kirchenheizung

Biberach (gem) - Weihnachtliche Stimmung hat die Kleine Schützenmusik samt Spielmannszug bei ihrem Konzert in der rappelvollen Stadtpfarrkirche St. Martin verbreitet. Es war das erste Weihnachtskonzert überhaupt, das die jungen Musiker unter der Leitung von Berthold Schick gegeben haben.

Das Publikum werde eine „ganz neue Seite“ der Kleinen Schützenmusik erleben, hatte Hans Beck, Vorstandsmitglied der Bauhütte, angekündigt – und nicht zuviel versprochen. Wer die jungen Musiker nur vom Schützenfest kennt, bei dem sie hauptsächlich mit schmissigen Märschen auftreten, hörte in St. Martin ein hervorragend abgestimmtes sinfonisches Blasorchester, das das kalte Kirchenschiff mit warmen, festlichenn Klängen erfüllte.

Gekonnt mischten die Musiker in ihrem etwa einstündigen Programm Modernes wie „Highland Cathedral“ oder „Concerto d’Amore“ mit Klassischem wie „Joy to the world“ von Händel, „Little Drummer Boy“, „Arioso“ oder „O du fröhliche“.

Lang anhaltender Beifall der vielen Besucher war am Ende der verdiente Lohn für die Kleine Schützenmusik, die zu Gunsten der „Bauhütte Simultaneum“ auf eine Gage verzichtet hatte und den Zuhörern am Ende noch eine Zugabe spielte.

Der Vorsitzende der Schützendirektion, Klaus Bott, hatte in seiner kurzen Ansprache bereits angedeutet, dass es im kommenden Jahr eine Neuauflage des Konzerts geben könnte. Dann auch irgendwann in einer Kirche mit funktionierender Heizung, für die die Bauhütte Spenden sammelt. Ein bisschen was dürfte gestern dazu gekommen sein, denn die Besucher spendeten beim Verlassen der Kirche reichlich und gerne. „Die Sankt-Martins-Kirche hat es verdient, dass wir uns für sie einsetzen“, appellierte Hans Beck, mit dem Spenden nicht nachzulassen.

 

Festliche Klänge spielte die Kleine Schützenmusik gestern Abend bei ihrem Weihnachtskonzert in der Stadtpfarrkirche St. Martin

 

© Schwäbische Zeitung - 09.12.2011

Viele Kerzen werden am Sonntagabend weltweit an verstorbene Kinder erinnern. Foto: dp

Für jedes Kind leuchtet eine Kerze

In Biberach gibt es am Sonntag einen Gottesdienst für Angehörige, die um ein Kind trauern

Von Gerd Mägerle

Biberach - Für trauernde Angehörige, die ein Kind verloren haben, ist die Advents- und Weihnachtszeit eine besonders schwierige. Viele Erinnerungen an gemeinsame Weihnachten verbinden sich schmerzlich mit dem Verstorbenen. Um diesen Gedanken und der Trauer Raum zu geben, gibt es in Biberach seit 2004 den ökumenischen Gottesdienst für Menschen, die um ein Kind trauern. Er findet am Sonntag, 11. Dezember, ab 18.30 Uhr in der Bonhoefferkirche auf dem Mittelberg statt.

Entstanden ist er aus dem „Worldwide Candle Lightning“, bei dem immer am zweiten Sonntag im Dezember um 19 Uhr weltweit Kerzen im Gedenken an die verstorbenen Kinder entzündet werden. So entsteht vor dem inneren Auge ein Lichtband, das sich - den Zeitzonen folgend - um den Erdball zieht.

„Von einer betroffenen Mutter kam seinerzeit die Anregung, diese Aktion mit einem Gottesdienst zu verbinden“, sagt Karl-Heinrich Gils von der Diakonie Biberach, der den Gottesdienst zusammen mit Betroffenen und der Kontaktstelle Trauer des katholischen Dekanats organisiert. In diesem Jahr wird er sich mit dem Thema „Spuren“ befassen, „den Spuren, die die Kinder im Leben hinterlassen haben“, sagt Gils. Dass dabei auch Tränen fließen, sei kein Makel. Jeder Besucher wisse, dass die anderen von einem ähnlichen Schicksal betroffen sind. „Es gibt Situationen, in denen diese Tränen auch wichtig sind“, so Gils. Der Gottesdienst biete ein Stück Solidarität und Ermutigung für diese Zeit. „Das hat alles einen sehr familiären Rahmen“, sagt Gils. Wichtig ist das Entzünden von Kerzen für die verstorbenen Kinder. „Viele Angehörige bringen die Kerzen selbst mit, die sie individuell gestaltet haben - so individuell, wie jedes der verstorbenen Kinder ist. Wenn man die vielen Lichter sieht, spürt man wie viel Liebe die Kinder in das Leben ihrer Angehörigen gebracht haben.“

Neuer Gesprächskreis im März

Rund 50 bis 80 Menschen besuchen den Gottesdienst. „Viele kommen bereits seit einigen Jahren und kennen sich schon“, sagt Karl-Heinrich Gils. Immer wieder kämen aber auch Neubetroffene. Ihnen bietet die Diakonie auch über den Gottesdienst hinaus Hilfe an. Es beginnt am 16. März 2012 wieder ein Gesprächskreis für trauernde Eltern. „So bleiben die Menschen, sofern sie das wollen, auch über das Jahr hinweg in Verbindung.“

Nach dem Gottesdienst besteht die Möglichkeit, bei einer Tasse Tee ins Gespräch zu kommen. Trauernde, die die Kraft zum Gottesdienstbesuch nicht haben, sind eingeladen, um 19 Uhr daheim eine Gedenkkerze ins Fenster zu stellen.


Der ökumenische Gottesdienst für Menschen, die um ein Kind trauern, beginnt am Sonntag, 11. Dezember, um 18.30 Uhr in der Bonhoefferkirche, Köhlesrain 10, in Biberach. Weitere Auskünfte erteilen Karl-Heinrich Gils (Diakonie), Telefon 07351/150250, und Wolfgang Preiss-John (Kath. Dekanat), Telefon 07351/182130.

© Schwäbische Zeitung - 08.12.2011

Scheckübergabe: Die Volksbank Laupheim spendet für Projekte in Laupheim und den Nachbargemeinden. Foto: Hofmannfmann

Volksbank Laupheim spendet 39 000 Euro


Das Geld wird in kulturelle und gesellschaftliche Projekte investiert

 

Von Diana Hofmann

 

Laupheim - Er sei zwar nicht der Nikolaus, scherzte der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Laupheim, Hans Fleschhut, einen Tag nach dem Gedenktag des großzügigen Heiligen, aber zu verteilen habe auch er etwas. Anlässlich ihrer Adventsaktion hat die Volksbank Laupheim gestern 39 000 Euro an kulturelle und gesellschaftliche Projekte in Laupheim und Umgebung ausgeschüttet.


Die Summe kommt aus dem Fonds des Gewinnsparvereins. Als Genossenschaftsbank sehe man sich verpflichtet, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, erklärte Fleschhut bei der Scheckübergabe.

10 000 Euro erhält die Evangelische Kirchengemeinde Wain für die Sanierung des Dachstuhls der Michaelskirche.

Auch die Katholische Kirchen-gemeinde Laupheim wird mit 10 000 Euro bei der Renovierung der Außenfassade von Sankt Peter und Paul unterstützt.

Der Förderverein der Vinzenz-von-Paul-Schule Schönebürg verwendet die gespendeten 5000 Euro zur Anschaffung eines Kleinbusses. Mit diesem werden die Schüler aus dem ganzen Landkreis zum Unterricht abgeholt und wieder nach Hause gebracht.

Ebenfalls mit 5000 Euro unterstützt die Volksbank den Umbau des Foyers im Museum Villa Rot.

60 Uniformen hat der Musikverein Baustetten dieses Jahr zum Kreismusikfest angeschafft, mit 3000 Euro beteiligt sich die Volksbank an dieser Investition.

Der Musikverein Schönebürg hat 2010 sechzehn Jungmusiker in die Stammkapelle integriert und mit neuen Uniformen ausgestattet. Dafür erhält der Verein 2000 Euro.

Ebenfalls 2000 Euro gehen an die Musiker des Musikvereins Achstetten. Sie haben dieses Jahr ihr Probenheim komplett saniert.

Der Kinderschutzbund Laupheim darf sich über eine Finanzspritze in Höhe von 2000 Euro freuen. Damit finanziert er die kleinkindgerechte Neugestaltung der Gartenanlage.

Scheckübergabe: Die Volksbank Laupheim spendet für Projekte in Laupheim und den Nachbargemeinden.Foto: Hofmannfmann

© Schwäbische Zeitung - 07.12.2011

„Siyou & Joe“, Siyou Isabelle Ngnoubamdjum und Joe Fessele machen seit vielen Jahren gemeinsam Musik. sz-Foto: Manecke

Siyous gefühlvolle Kraft bewegt die Zuhörer


Sängerin und Jazzpianist Joe Fessele tragen in der Heilig-Geist-Kirche Gospels vor


Von Wolfgang Manecke


Biberach - Mit ansteckender Lust am Musizieren haben die Gospelsängerin Siyou Isabelle Ngnoubamdjum und der Jazzpianist Joe Fessele („Siyou & Joe“) am vergangenen Sonntag einen Konzertgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche gestaltet. Pfarrer Ulrich Weber freute sich über voll besetzte Bänke.


Die Tochter eines kamerunischen evangelischen Pfarrers, die seit ihrem zweiten Lebensjahr im Ulmer Raum lebt, ist ein stimmliches Naturereignis. Ohne jegliche technische Hilfe reicht die Bandbreite ihres Organs vom ungebärdig-voluminösen Fortissimo über eine warme Mittellage bis zum samtig-weichen Schmeicheln ihrer Altstimme. Wenn sie mit ausdrucksvoller Gestik und Mimik von ihren Träumen – etwa im Gospelklassiker „I have a dream“ – sang, dann ließ das keinen der rund 200 Gottesdienstbesucher kalt. Es dauerte auch gar nicht lang, bis sich die Menschen von Siyous gefühlvoller Kraft anregen ließen, mitklatschten und die Refrains, etwa von „Let my people go“ mitsangen.


Joe Fessele, Jazzpianist und Musiklehrer aus Laupheim, ist seit vielen Jahren ihr kongenialer Begleiter. Die beiden verstehen sich ohne Worte. In einer anrührenden, Deutsch gesungenen Schlusssequenz – die Gospelliteratur wurde in Englisch dargeboten – sang Siyou zunächst von ihrem Glauben und bedankte sich schließlich vokal bei ihrem Partner Joe.


Ohne Träume und Glauben gebe es keinen Weg zum Frieden, erklärte Pfarrer Weber in seinem Wortbeitrag. Es folgten herzlicher, lang anhaltender Schlussbeifall und viele fröhliche Gesichter.

© Schwäbische Zeitung - 06.12.2011

Schüler der Mali-Werkrealschule spielen die Hirten in der Weihnachtsgeschichte. sz-Foto: Eileen Kircheis

Maria und Josef sprechen Schwäbisch


Der Dramatische Verein bringt die Weihnachtsgeschichte in die Stadtpfarrkirche


Von Eileen Kircheis


Biberach - Die St.-Martins-Kirche in Biberach wird zu Bethlehem. Morgen, Mittwoch, um 18.30 Uhr spielt der Dramatische Verein in der Stadtpfarrkirche die Weihnachtsgeschichte.


Noch sitzt der Text bei den rund 20 Darstellern nicht ganz perfekt. Da verpasst der Geschichtenerzähler schon mal seinen Einsatz und die Hirten lesen manche Passagen noch vom Zettel ab. Dafür, dass bei der Premiere alles rund läuft, ist Edeltraud Garlin zuständig.


Sie möchte, dass alle Schauspieler möglichst authentisch wirken, sie sollten also keine Brillen oder auffälligen Schmuck tragen und auch keine T-Shirts in grellen Farben unter den Kutten anhaben. Aufgeführt wird die Weihnachtsgeschichte in schwäbischer Mundart. So bringen die Mägde dem Jesuskind zum Beispiel „a Krettle Eier“ und „weiße Weckle“. „Das Stück hat Otto Herzog schon in Mundart geschrieben“, sagt Edeltraud Garlin. Sie habe es lediglich um die Hälfte gekürzt. „Wir wollten es nicht so lang haben, damit die Zuschauer in der Kirche nicht anfangen zu frieren.“ Etwa 45 Minuten dauert die Vorführung.


Die Mitglieder des Dramatischen Vereins werden bei der Weihnachtsgeschichte von Schülern der Mali-Werkrealschule unterstützt. „Unsere Hirten und Mägde werden von den Schülern gespielt“, erzählt Garlin. Musikalisch wird die Geschichte der heiligen Familie vom Akkordeon-Orchester um Ursula Glöggler-Sproll untermalt. „Wir haben auch bekannte Weihnachtslieder, wie „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Ihr Kinderlein kommet“ eingebaut, da können die Besucher dann kräftig mitsingen, damit ihnen warm wird“, sagt Edeltraud Garlin.


Zuschauer mitten im Geschehen


Auch die Besucher in den hinteren Reihen der Kirche brauchen keine Angst haben, dass sie vielleicht nichts sehen können, denn die Schauspieler nutzen das ganze Kirchenschiff als Bühne. Die Zuschauer sitzen also mittendrin in der Weihnachtsgeschichte.


Schon früher hat der Dramatische Verein die Weihnachtsgeschichte in der Adventszeit aufgeführt, das war in den vergangenen Jahren nicht mehr möglich. „Jetzt haben wir einen neuen katholischen Pfarrer, und so können wir sie wieder zeigen“, sagt Garlin.


Seit Oktober proben die Schauspieler das Stück bereits. Zuerst haben sie im Komödienhaus geübt und dann in der eigentlichen Spielstätte, der St. Martinskirche.


Die Aufführung ist eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der „Bauhütte Simultaneum“. „Wir verlangen keinen Eintritt, aber bitten die Gäste nach der Vorstellung um eine Spende für die St. Martinskirche“, sagt Edeltraud Garlin.


© Schwäbische Zeitung - 06.12.2011

beb/Foto: Baur

Der Nikolaus verteilt in Wain kleine Geschenke

 

Im charmanten Ambiente von Schäfers Kultur-Stadel in Wain haben zahlreiche Besucher am Wochenende einen Gang durch die Nikolausverkaufsausstellung genossen.

 

Auf zwei Etagen hatten fast zehn überwiegend örtliche Anbieter ihre Waren und Produkte präsentiert. Während sich die Erwachsenen bei Schmuck, gedrechselten Holzartikeln, Patchwork-Arbeiten und weihnachtlichen Gestecken umschauten, konnten die kleinen Gäste einer Märchenerzählerin lauschen.

 

Hannelore Drost-Irion aus Munderkingen fesselte mit ihren spannenden Erzählungen. Eine elfköpfige Jugendgruppe des Wainer Posaunenchores unter der Leitung von Simon Böhringer stimmte weihnachtliche Musik an. Und offenbar hat Theo Gerhard Kobler, Vereinsvorsitzender des Kultur-Stadels, einen guten Kontakt zum Nikolaus. Denn dieser schaute im Stadel, zwar ohne Knecht Ruprecht, vorbei, und verteilte aus seinem prall gefüllten Sack kleine Geschenke zur Freude der Kinder.

© Schwäbische Zeitung - 05.12.2011

Hildegard Bosch bedankt sich bei Dr. Hans-Martin Rieger für den Vortrag zum Thema „Hauptsache gesund”. sz-Foto: Michaela Kegel

Gesundheit ist als Gabe und Aufgabe zu verstehen

 

Pfarrer Dr. Hans-Martin Rieger referierte über das Thema „Hauptsache gesund“

 

Riedlingen (mike) - Zum Vortrag „Hauptsache gesund“ hatte die Lima-Gruppe der Katholischen Erwachsenenbildung ins Johannes-Zwick-Haus eingeladen. Als Referenten konnten Hildegard Bosch und Adelheid Heil den evangelischen Pfarrer Dr. Hans-Martin Rieger gewinnen. Rieger beleuchtete ein die Gesellschaft beherrschendes Thema. „Früher hatte der Mensch ein gesundes Verhältnis zur Krankheit und heute ein krankes Verhältnis zur Gesundheit“ – mit diesem Zitat des Philosophen Heinrich Rombach brachte Rieger die Probleme unserer „Gesundheitsgesellschaft“ auf den Punkt.

 

Gesundheit ist zum „höchsten Gut“ geworden und durch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) sei hierfür ein hohes Ideal vorgegeben worden. Im positiven Sinne – denn durch die Impfprogramme konnten viele Krankheiten eingedämmt werden, doch sei durch das hohe Gesundheitsideal ein Idol entstanden und habe zu einem „Gesundheitswahn“ geführt. Mit den Worten des Theologen und Arztes Manfred Lütz, der von „schweißtreibenden Sühneopfern auf dem Altar der Gesundheit“ spricht, verdeutlichte Rieger diese Entwicklung: „Früher bauten die Menschen Kathedralen, heute bauen sie Kliniken – unsere Vorfahren retteten ihre Seelen und wir unsere Figur.“

 

Doch birgt diese „extreme Gesundheitsreligion“ neben einem positiven Bewusstsein auch Gefahren in sich. Rieger veranschaulichte, dass der Gedanke „Gesundheit ist machbar und herstellbar“ in den Köpfen vorherrsche. Erste körperliche Veränderungen würden in der Pubertät erfahren, doch auch das Alter bringe Veränderungen: Man müsse annehmen, dass beispielsweise das Hüftgelenk nicht mehr mitmache. Gesundheit sei als Gabe und Aufgabe zu verstehen und beinhalte auch die Fähigkeit mit Behinderungen und Störungen zu leben. Dass der Umgang mit einer Krankheit entscheidend ist, veranschaulichte Rieger an dem Modell der drei Ebenen, das die Veränderung durch die Krankheit unter körperlichen, seelischen und sozialen Aspekten betrachtet. Dadurch gebe es „gesunde Kranke“ und „kranke Gesunde“.

 

Die anschließende Diskussionsrunde beleuchtete noch verschiedene Aspekte wie die Angst, der Gesellschaft zur Last zu fallen oder das Unverständnis in der Arbeitswelt, wenn Menschen nicht wie gewohnt funktionieren. Dass jeder in seinem Umfeld die Möglichkeit hat, etwas zu ändern und wir in der alternden Gesellschaft die Aufgabe haben, mit Krankheiten wie Demenz umzugehen, brachte Rieger zum Ausdruck. Obwohl die Gesellschaft härter würde, bestünde doch die Chance, dass die Menschen sich wieder auf soziales Handeln besinnen: „Als Christ möchte ich die Hoffnung nicht aufgeben und erinnere an die Worte Martin Luthers, der auch noch ein Apfelbäumchen gepflanzt hätte, wenn morgen die Welt unterginge.“

 

© Schwäbische Zeitung - 03.12.2011

Zeitzeugin Christa Burger, die einst beim Bau der Erolzheimer Diasporakirche mithalf, interessierte sich besonders für das ausgestellte Modell im Foyer.

Erolzheim feiert 60. Geburtstag der Diasporakirche mit Ausstellung

Festvortrag erläutert die Arbeiten des Kirchenbaumeisters Otto Bartning, der 33 baugleiche Montagekirchen plante und erbaute

EROLZHEIM (sz) - Mit einem Festvortrag in der voll besetzten Erolzheimer Diasporakirche ist die Ausstellung „Raum ist Spannung“ über den Architekten und Kirchenbaumeister Otto Bartning eröffnet worden. Besonderer Gast des Abends war Frieda Burger. Die Zeitzeugin hat vor 60 Jahren selbst an der Kirche mitgebaut. Sie habe geholfen den Sockel der Kirche zu gießen. Oft sei sie mit schwieligen Händen heimgekommen.

Bürgermeister Jochen Ackermann stellte in seinem Grußwort fest, dass es vor 60 Jahren gar nicht einfach gewesen sei, eine dieser Diasporakapellen nach Erolzheim zu holen. Zu den Bedingungen gehörten unter anderem, dass die bürgerliche Gemeinde ein Grundstück zur Verfügung stelle und dass im Umfeld mindestens 500 evangelische Flüchtlinge wohnten. Zudem musste ein Pfarrer nach Erolzheim ziehen.

Die Erolzheimer Diasporakirche ist eine von 33 baugleichen Montagekirchen, die nach Ende des 2. Weltkriegs vom Architekten Otto Bartning konzipiert und gebaut wurden.

Otto Bartning (1883-1959) gilt als bedeutender Architekt der klassischen Moderne und Mitbegründer der Idee für das weltberühmte Bauhaus. Welch ein architektonisches Kunstwerk die Erolzheimer Gemeinde in Händen hält, wurde vielen Besuchern wohl erst während des Festvortrags bewusstArchitektur der Schlichtheit

Hochschuldozent Kutzner erläuterte in einem Durchgang durch das Gesamtwerk Otto Bartnings, wie der Architekt kreativ und produktiv mit den großen architekturgeschichtlichen Epochen umgegangen sei und diese weiterentwickelt habe. In seinen 150 Kirchenbauten habe er eine Architektur der Schlichtheit geschaffen.

Auf diese theologische Dimension wies auch Pfarrer Matthias Ströhle von der evangelischen Kirchengemeinde Erolzheim-Rot hin. Otto Bartning sei mit seinem Ansatz, die Gemeinde ins Zentrum des Geschehens zu stellen, hochmodern, und habe mit seiner Entscheidung, ökologische Materialien aus der Gegend zu benutzen, auch politisch Zeichen gesetzt. Immo Wittig ergänzte, dass er sich vorstellen könne, dass in 20 oder 30 Jahren Bartnings „Notkirchen“ in ihrer Gesamtheit zum Unesco-Weltkulturerbe erhoben würden: Sie bildeten ein deutschlandweites sakrales Flächendenkmal.

Die Bezeichnung „Notkirche“ habe Bartning nicht in der herkömmlichen Bedeutung eines Provisoriums verwendet, sondern viel mehr im Sinne von „entstanden aus der Kraft der Not“.

Die Ausstellung in der Diasporakirche und im Foyer der Festhalle Erolzheim ist noch am 2. und 3. Adventswochenende jeweils von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Dabei ist eine von Falk Zenker komponierte Raum-Klang-Installation zu hören.

© Schwäbische Zeitung - 01.12.2011

„Wellcome Biberach“ wird ein Jahr alt

Verband bietet praktische Hilfe nach der Geburt

Biberach (sz) - Das „Wellcome“-Team im Landkreis Biberach feiert in diesem Monat seinen ersten Jahrestag. Die Koordinatorin Andrea Kattanek hatte die aktiv mitarbeitenden Ehrenamtlichen zum ersten Geburtstagsfest in die Evangelische Familien-Bildungsstätte eingeladen. Dekan Hellger Koepff gratulierte dem Team zum Engagement für junge Familien. „Das Angebot von „Wellcome“ wurde von Beginn an gut angenommen und hat sich innerhalb von einem Jahr zu einer festen Institution im Landkreis Biberach entwickelt“, freut sich Andrea Kattanek.

Das „Wellcome“-Team Biberach besteht aus der Koordinatorin Andrea Kattanek, der Leiterin der Familien-Bildungsstätte, Karin Burgmaier-Laengerer, und 15 Ehrenamtlichen im Alter von 30 bis 64 Jahren. Sie betreuten in ihrem ersten Jahr 20 Familien mit 49 Kindern und unterstützten die Familien mit insgesamt mehr als 400 Stunden bei der Betreuung ihrer Babys. „Die Familien melden uns zurück, dass sie die Ehrenamtlichen als bereichernde Persönlichkeiten erleben, die ihnen Mut geben, neue Aspekte im Familienalltag aufzeigen und sie konkret bei der Betreuung ihrer Kinder unterstützen“, sagt Burgmaier-Laengerer.

„Wellcome“ bietet praktische Hilfe für Familien nach der Geburt. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin kommt ein bis zwei Mal pro Woche für einige Stunden in die Familie und entlastet die junge Mutter. Kontakt zu Andrea Kattanek, Telefon 01578/ 7512312, E-Mail an biberach@wellcome-online.de.

© Schwäbische Zeitung - 01.12.2011

Gisela Mayer

Zur Person Gisela Mayer

 

Der 11. März 2009 ist wohl der schwerste Tag im Leben von Gisela Mayer gewesen. An diesem Tag hat sie ihre Tochter Nina beim Amoklauf an der Albertville Realschule in Winnenden verloren. Aber die Mutter versinkt nicht in ihrer Trauer. Sie hat das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ gegründet und kämpft gegen die Gleichgültigkeit in der Gesellschaft und auch an Schulen.

© Schwäbische Zeitung - 01.12.2011

Interview
Mayer: „Es ist nicht mehr das selbe Leben“

Gisela Mayers Tochter wurde in Winnenden getötet – Nun kämpft sie gegen Gewalt

Gisela Mayer hat ihre Tochter Nina beim Amoklauf in Winnenden verloren. Die 24-Jährige war Referendarin an der Albertville-Realschule, an der am 11. März 2009 ein ehemaliger Schüler 15 Menschen getötet hat. Gisela Mayer spricht heute um 19.30 Uhr in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Schussenried über ihr Buch „Die Kälte darf nicht siegen“, Gegen Gewalt, auch an Schulen. Im Vorfeld der Veranstaltung hat Eileen Kircheis mit der Autorin gesprochen.

Als Sie von dem Amoklauf in der Albertville-Realschule erfahren haben, haben Sie Ihrer Tochter noch eine SMS mit dem Inhalt „Alles ok?“ geschickt. Wann haben Sie erfahren, dass nicht alles in Ordnung ist?

Ich habe, bevor ich hingefahren bin, vom Regierungspräsidium gehört, dass Lehrern nichts passiert ist. Ich kam also an der Schule an mit dem Bewusstsein, sie ist ok. Ich muss sie nur dort abholen. Dort vor Ort, mitten im Chaos, wurde mir dann gesagt, dass meine Tochter erschossen wurde. Ich hatte meine jüngere Tochter dabei, sie hat es zuerst erfahren.

Was hat sich in Ihrem Leben verändert seit diesem 11. März?

Es hat sich nicht verändert. Es ist nicht mehr das selbe Leben. Ich sehe heute die Dinge viel klarer als damals. Ich bin nicht mehr bereit, Kompromisse zu machen, nur um des lieben Friedens willen.

Hätte es für Sie einen Unterschied gemacht, wenn Ihre Tochter bei einem Unfall gestorben wäre und nicht bei diesem Gewaltverbrechen?

Das ist der entscheidende Unterschied. Wenn es ein Unfall gewesen wäre, hätte ich ihren Tod einfach akzeptieren können. Aber so kann ich ihn nicht einfach akzeptieren, ihn nicht einfach hinnehmen wie eine Naturkatastrophe.

Glauben Sie, dass solche Gewalttaten verhindert werden können?

Bei allem, was ich in den vergangenen Jahren gelernt habe, glaube ich das umso mehr. Vielleicht sind nicht 100 Prozent dieser Tat vermeidbar, aber doch ein großer Teil. Ich habe in meinem Buch geschrieben, dass dieser Amoklauf eine Menschenkatastrophe, keine Naturkatastrophe ist. Die Menschen in Japan konnten gegen das Unglück nichts tun. Aber bei einem Amoklauf gibt es Vorzeichen und Warnhinweise, die nicht ignoriert werden dürfen.

Worum genau geht es in Ihrem Buch „Die Kälte darf nicht siegen“?

Das ist schwer zu sagen. Es hat zwei Seiten – zum einen das Aufarbeiten dessen, was meiner Tochter geschehen ist und zum anderen die Arbeit, die ich seit 30 Jahren mache. Meine Erfahrungen als Ethiklehrerin im Umgang mit jungen Menschen und den Überlegungen, worin die Faktoren liegen, die im Extremfall zu einem Amoklauf führen können.

Warum haben Sie das Buch geschrieben?

Meine Tochter war auch Lehrerin. Ich habe mit ihr immer in einem regen Dialog über die pädagogischen Dinge gestanden. Im Prinzip ist das Buch eine Fortsetzung dieser intensiven Gespräche mit ihr.

Ist das Buch vielleicht auch ein Versuch, den Tod Ihrer Tochter nicht sinnlos gewesen sein zu lassen?

Nein, es ist nicht an mir, dem Tod einen Sinn zu geben. Ich möchte die Menschen warnen, damit nicht noch andere sterben müssen. Nennen Sie es meinetwegen allgemeine Menschenliebe. Wenn ich mich an einer heißen Herdplatte verbrenne, möchte ich auch andere Menschen davor warnen. Das ist es, was ich tue.

Sie sagen, der Amoklauf sei nicht die Schuld des Einzelnen gewesen. Wer war Ihrer Meinung nach Schuld an der Tat in Winnenden?

Das nahe Umfeld dieses jungen Mannes, die Schule, die Freunde und Bekannten. Sicher war das keine Absicht, aber sie haben zu oft weggesehen. Sie haben Warnhinweise ignoriert. Der Täter hat das ja nicht getan, weil er sich wohl gefühlt hat und glücklich war. Aber auch unsere gesellschaftliche Grundhaltung ist Schuld. Der Druck, den wir heute auf die jungen Menschen ausüben, ist für manche einfach zu viel.

Warum haben Sie das Buch geschrieben?

Meine Tochter war auch Lehrerin. Ich habe mit ihr immer in einem regen Dialog über die pädagogischen Dinge gestanden. Im Prinzip ist das Buch eine Fortsetzung dieser intensiven Gespräche mit ihr.

Ist das Buch vielleicht auch ein Versuch, den Tod Ihrer Tochter nicht sinnlos gewesen sein zu lassen?

Nein, es ist nicht an mir, dem Tod einen Sinn zu geben. Ich möchte die Menschen warnen, damit nicht noch andere sterben müssen. Nennen Sie es meinetwegen allgemeine Menschenliebe. Wenn ich mich an einer heißen Herdplatte verbrenne, möchte ich auch andere Menschen davor warnen. Das ist es, was ich tue.

Sie sagen, der Amoklauf sei nicht die Schuld des Einzelnen gewesen. Wer war Ihrer Meinung nach Schuld an der Tat in Winnenden?

Das nahe Umfeld dieses jungen Mannes, die Schule, die Freunde und Bekannten. Sicher war das keine Absicht, aber sie haben zu oft weggesehen. Sie haben Warnhinweise ignoriert. Der Täter hat das ja nicht getan, weil er sich wohl gefühlt hat und glücklich war. Aber auch unsere gesellschaftliche Grundhaltung ist Schuld. Der Druck, den wir heute auf die jungen Menschen ausüben, ist für manche einfach zu viel.

© Schwäbische Zeitung - 01.12.2011

Gerd Stiefel sz-Foto: Schwarz

Autor schildert Frauenschicksal von der Alb

Gerd Stiefel liest in Bad Buchau aus „Stiefels Stein“

Von Michael A. E. Schwarz

Bad Buchau - Ein kleiner Junge hört von einer Geschichte aus der Vergangenheit seiner Familie. Die Geschichte berührt ihn und sie lässt ihn nicht mehr los. Es geht um Mord und um ein Schicksal, das die Linie seiner Familie beinahe ausgelöscht hätte. Er begreift, dass es ihn heute nicht gäbe, wenn seine Urgroßmutter damals aufgegeben hätte.

Er wächst heran und trägt die Geschichte mit sich herum. Ob sie für seine Berufswahl zum Polizisten mit entscheidend war, will er so nicht sagen. Aber eines Tages geht er es an und recherchiert mit der Ermittlungserfahrung, die er in langen Dienstjahren entwickelte. Und was er entdeckt, ist „ein Frauenschicksal von der schwäbischen Alb“, so der Untertitel seines Bericht-Romans.

Gerd Stiefel aus Sigmaringen hat am Freitag im Goldenen Saal des Schlosses Bad Buchau sein Buch „Stiefels Stein“ vorgestellt. Die Lesung wurde veranstaltet von der Buchhandlung Lutz in Bad Buchau und der evangelischen Klinikseelsorge, insbesondere von Pfarrerin Annette Roser-Koepff. Markus Lutz, Bad Buchaus evangelischer Pfarrer, begleitete die Lesung musikalisch und versetzte das Publikum mit Lautenklängen aus dem 18. und 19. Jahrhundert in nachdenkliche Stimmung.

Bemerkenswerte Frau

Pfarrerin Roser-Koepff interviewte den Autor gleich zu Beginn: „Haben Sie von Anfang an gewusst, wer die Hauptperson in diesem Buch sein wird?“

Gerd Stiefel: „Nein überhaupt nicht. Im Laufe meiner Recherchen und Nachforschungen um den oder die Morde hat sich eine Tür aufgemacht zum Leben einer bemerkenswerten Frau und es hat sich herausgestellt, dass ihr Mann, mein Urgroßvater, ermordet wurde. Daraufhin wurde sie mit zwölf Kindern unbarmherzig aus dem verschuldeten Hof gegantet (zwangsversteigert, Anm. d. Red.), und sie hat ihre Familie, ihre Kinder, trotz widrigster Umstände durchgebracht.“

Gerd Stiefel hatte sich überlegt, einen Kriminalroman daraus zu machen. Das wäre naheliegend gewesen, da er Polizist ist. Aber die Sozialgeschichte der Urgroßmutter war für ihn faszinierend, weil es ein Beispiel ist für viele Frauen auf dieser Welt, die für ihn Heldinnen des Alltags sind, weil sie in großer Not das Leben und die Schicksale bewahren und nicht untergehen lassen. Die Trümmerfrauen seien hier genannt oder die Frauen der Vertriebenen. Mit seiner Geschichte will er seinen Teil dazu beitragen, die Erinnerung an diese Schicksale zu bewahren.

Pfarrerin Roser-Koepff: „Was glauben Sie oder was hoffen Sie, würde ihre Urgroßmutter sagen, wenn sie ihr Buch lesen könnte?“

Gerd Stiefel: „Das ist eine interessante Frage von einer Pfarrerin, denn ich glaube, dass mich meine Urgroßmutter von oben begleitet hat in meinen Recherchen. Ich würde sie fragen: Findest du dich in meiner Erzählung wieder? Bist du mit mir und meiner Arbeit zufrieden?“