© Schwäbische Zeitung - 26.07.2011

Betroffene schildern das Leben mit Depression und Burn-out
Pfarrer Jörg Schwarz kritisiert bei Gottesdienst einseitige Leistungsorientierung in der Gesellschaft

Ochsenhausen (sz) -

 

Einblick in das Leben von Menschen mit psychischen Erkrankungen haben die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde bei einem Gottesdienst bekommen. Betroffene, die am Kaffee- und Frühstückstreff sowie an der Kochgruppe der Kirchengemeinde teilnehmen, berichteten über ihre Erfahrungen mit Psychose, Depression, Schmerzen und Burn-out.

 

Pfarrer Jörg Schwarz gab in seiner Predigt zu bedenken, dass Menschen mit psychischer Erkrankung oder Behinderung „in unserer einseitig an Leistung orientierten Gesellschaft oft völlig ausgegrenzt werden“. „Wir denken in Kategorien von gesund-krank, normal-behindert, leistungsfähig-unbrauchbar“, sagte Schwarz. „In diesem Sinne versuchen wir Menschen, die an hohen Leistungsanforderungen gescheitert sind, unreflektiert wieder für dieses System fit zu machen. Wenn das nicht klappt, erleben betroffene Menschen sich als totale Verlierer oder als Opfer.“

 

Dagegen stellte Pfarrer Schwarz den Gedanken der Inklusion, dass eine Gesellschaft gewinnt, in der Menschen sich in ihrer Vielfalt selbstverständlich begegnen und jeder das einbringt, das ihm zur Verfügung steht. Hier gebe es „für alle viel Lernbedarf“, lautete das Fazit des Pfarrers.

Beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst gab es einen regen Austausch. Die Kirchenbesucher zeigten sich beeindruckt vom Mut und der Offenheit, mit der die Betroffenen berichteten.

 

In Gesprächen wurde deutlich, wie viel Normalität und reiches Leben neben einer psychischen Erkrankung stattfinden kann, berichten Pfarrer Schwarz und Bettina Oswald vom Gemeindepsychiatrischen Zentrum. „Alle waren sich abschließend einig, dass ein offensiver Umgang mit der Erkrankung nicht nur die Betroffenen stärkt, sondern auch allen anderen Mut macht für die eigene Zukunft.“

 
Nach den Treffen gibt es bei Bedarf Beratung
Den Frühstücks- und Kaffeetreff bietet die evangelische Kirchengemeinde seit zehn Jahren an. Durch das ehrenamtliches Engagement vor allem von Helma Sydow konnten die beiden Treffs zusammen mit Pfarrer Jörg Schwarz ins Leben gerufen werden. Unterstützt werden die Treffs durch das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GPZ) der Caritas und Diakonie in Biberach. Bettina Oswald vom GPZ steht immer im Anschluss an den Kaffeetreff für persönliche Beratung zur Verfügung. Seit einigen Jahren ist auch noch die Kochgruppe „Peterling“ dazugekommen, die freitags im Gemeindezentrum ein Mittagessen zubereitet.

 

Alle Treffs freuen sich auch über Besucher und Menschen, die bereit sind mitzumachen und mitzuhelfen.

 

Das sind die Termine: im wöchentlichen Wechsel finden der Frühstückstreff montags von 10 bis 12 Uhr und der Kaffeetreff von 14- 16 Uhr statt. Die Kochgruppe „Peterling“ trifft sich freitags ab 10.30 Uhr, zuerst wird gemeinsam auf dem Wochenmarkt eingekauft, dann gekocht. Alle Treffen sind im Evangelischen Gemeindezentrum Ochsenhausen in der Poststraße 48. (sz)

 

© Schwäbische Zeitung - 23.07.2011

Foto: pr

Kinderkirche eifertFußball-Profis nach
Das Projekt „Wash united“ setzt sich für das Menschenrecht auf Wasser in Afrika ein

OCHSENHAUSEN (sz) -

 

Die Ochsenhauser Kinderkirche hat im evangelischen Gemeindezentrum den Fußballstars des FC Bayern und ihrem Frauenteam nachgeeifert. Sie wollen Champions werden für das Projekt „Wash“.

 

Was ist „Wash“? Beim Fußball geht es darum, Tore zu schießen. Beim Projekt „Wash United“ geht es um mehr: Es ist ein Spiel mit ernstem Hintergrund. Der besondere Fußballverein, den Brot für die Welt mit initiiert hat, setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Afrikaner Zugang zu frischem Wasser und Sanitäreinrichtungen erhalten. Dabei hat „Wash“ eine doppelte Bedeutung: Es ist das englische Wort für „Waschen“ und steht als Abkürzung für „water sanitation and hygiene“ (Wasser, sanitäre Grundversorgung und Hygiene).

Bastian Schweinsteiger, Michael Ballack, Arjen Robben und Ghanas Mittelfeldzauberer Michael Essien setzen sich durch öffentliche Aktionen dafür ein, dass das Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung auch in Afrika Wirklichkeit wird.

 

Wetter und Frauenfußball-WM ließen die Herzen beim Umgang mit Wasser, reinigenden Ölen aus Lavendel und selbst gebastelten kleinen Bällen höher schlagen. Die biblische Geschichte von Jesus, der auch ein Team von Mitstreitern für seine Sache berief, machte klar, dass nur eine Gemeinschaft mit einem festen Ziel sich gegenseitig darin stärken kann, die Güter der Schöpfung Gottes untereinander zu teilen, in Fairness, und dafür auch Gott zu danken.

Zum Abschluss gab es noch ein Spiel ganz ohne Verlierer als Sinnbild eines „fair play for fair life“, so wie auch Jesus Christus Menschen immer wieder ermutigt hat, Grenzen zu überwinden und sich gegenseitig zu ermutigen.

Die Ochsenhauser evangelische Kinderkirche eifert den Fußballprofis nach und setzt sich für das „Wash“-Wasserprojekt ein.

 

© Schwäbische Zeitung - 14.07.2011

SZ-Foto: ck

Pfarrer weihen Sturm-Wagen

Jetzt kann das Schützenfest losgehen: Pfarrer Ulrich Heinzelmann (links) und Pfarrer Kaspar Baumgärtner haben den neuen Wagen für den historischen Festzug geweiht. Den Wagen ziert ein Schiffswrack, das daran erinnert, dass Shakespeares Stück „Der Sturm“ in Biberach zum ersten Mal auf Deutsch aufgeführt wurde.

 

Im „Sturm“ geht es um einen König und seine Tochter, die Schiffbruch erleiden und auf einer einsamen Insel stranden.

 

Die Weihe des neuen Sturm-Wagens soll dafür sorgen, dass ein solcher Schiffbruch nicht denen passiert, die auf dem Wagen mitfahren. Ck

© Schwäbische Zeitung - 14.07.2011

Evangelische Bonhoefferkirche
Die Gemeinde informiert

Biberach (sz) -

 

Eine Informationsveranstaltung gibt es am heutigen Donnerstag um 20 Uhr in der evangelischen Bonhoefferkirche, Köhlesrain 10, 88400 Biberach. Die Gemeinde beschäftigt sich seit zwei Jahren mit einer veränderten Immobiliennutzung. Auf dem Prüfstand steht ein Kooperationsprojekt mit einem Träger der Behindertenhilfe. Unter dem Arbeitstitel „Projekt Bonhoefferhaus“ hat eine Kommission eine gemeinsame Projektstudie für eine vernetzte Zukunft von Gemeindearbeit und Diakonie in der Gesamtkirchengemeinde entwickelt. Als Gesprächspartner stehen Dr. Ulrike Werthmann, Vorsitzende im evangelischen Gesamtkirchengemeinderat Biberach, Pfarrer Edzard Albers und Mitglieder aus dem Bonhoeffer-Kirchengemeinderat zur Verfügung.

© Schwäbische Zeitung - 08.07.2011

Der Bezirkskantor Jürgen Berron demonstriert an der reparierten Orgel die Wirkung der verschiedenen Register. Foto: Hofmann

Jetzt bekommen die Pfeifen wieder Luft
Mehr als 15 000 Euro an Spenden ermöglichen die Reparatur und Reinigung der Bornefeld-Orgel in der Laupheimer evangelischen Kirche

 

Von Diana Hofmann

 

LAUPHEIM -

 

Eines darf einer Orgel nicht passieren: dass ihr buchstäblich die Luft ausgeht. Dann wäre Stille im Gottesdienst. Viele Spender haben dazu beigetragen, dass dieses Schicksal die Bornefeld-Orgel der evangelischen Kirche nicht ereilt. Mehr als 15 000 Euro hatten sich in den vergangenen zwei Jahren angesammelt, um zusammen mit den eigens dafür gebildeten Rücklagen die Reparatur und Reinigung des Instruments zu ermöglichen, die mit rund 18 000 Euro zu Buche schlug.

 

Am Mittwoch hat die Evangelische Kirchengemeinde zu einem Orgel-Dankabend geladen. Etwa 30 Interessierte überzeugten sich vom Ergebnis der Generalüberholung. Pfarrerin Martina Servatius-Koch dankte den Spendern für ihre großzügige Unterstützung. „Der selbstbewusste Gemeindegesang unmittelbar zu Gott stand von Anfang an im Zentrum des evangelischen Gottesdienstes“, hob sie die Bedeutung der Kirchenmusik hervor. Diese Tradition könne nun weiter aufrecht erhalten werden. Gesungen wurde denn auch kräftig zum Klang der renovierten Orgel; es spielten die Organistin Heidrun Reichart-Müller und Bezirkskantor Jürgen Berron.

 

Auf der Empore erläuterten Berron und Orgelbaumeister Thomas Wohlleb von der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link, wie eine Orgel funktioniert und warum eine so umfangreiche Reparatur des 1965 gebauten Instruments notwendig geworden war. Tatsächlich war es die Windversorgung, an der der Zahn der Zeit genagt hatte. Die Bälge waren aus dem damals innovativen Material Gummituch hergestellt worden, das das althergebrachte Leder ersetzte, und die Ventile hatten Beläge aus Kunststoff erhalten, erklärte Berron. Was man nicht wissen konnte: Die darin enthaltenen Weichmacher verflüchtigten sich, die Ventilbeläge bröselten und das Gummituch wurde hart und drohte zu brechen.

 

Von Staub und Schmutz befreit

Nun wurden wieder Lederbälge eingesetzt, wozu allerdings alle Pfeifen ausgebaut werden mussten. Bei der Gelegenheit wurden sie von Staub und Schmutz befreit, eine Arbeit, die regelmäßig alle 20 Jahre erledigt werden sollte, wie Wohlleb ergänzte. Auch einer der Motoren, die die Schleifen (zuständig für die Registersteuerung) bewegten, musste ausgetauscht werden. Beim Wiedereinbau wurden die Pfeifen neu intoniert, das heißt die Klangcharakteristik harmonisiert.

 

Nach der fünfwöchigen grundlegenden Sanierung können Laupheims Protestanten nun die nächsten 20 Jahre unbesorgt ihre Gottesdienste mit würdiger Orgelmusik feiern.

 

 

 

© Schwäbische Zeitung - 08.07.2011

sz-Foto: grüninger

Kirche: Gemeinde baut an der Zukunft
Stiftung für Christuskirche soll kommende Generationen von Sanierungskosten entlasten

 

Von Annette Grüninger

Bad Schussenried -

 

In ihrem schlichten schwarz-weißen Gewand, das ganz ohne Girlanden, Kartuschen oder barocke Schnörkel auskommt, unterscheidet sie sich deutlich von ihren katholischen Schwestern in der Nachbarschaft: Die evangelische Christuskirche in Bad Schussenried ist jung; sie ist modern und mit ihren gerade mal 40 Jahren noch im besten Schwabenalter. Dennoch machen sich bereits jetzt die ersten Zeichen des Alters bemerkbar. Die Christusgemeinde möchte deshalb frühzeitig Vorkehrungen treffen: Eine Stiftung soll dafür Sorge tragen, dass in den nächsten Jahrzehnten Geld für anstehende Renovierungen zur Verfügung steht.

 

„Ich bin von der Architektur der Kirche sehr überzeugt“, erklärt Pfarrerin Dorothee Moser und schwärmt von den farbenprächtigen Medaillons des bekannten Glasmalers Hans Gottfried von Stockhausen oder von dem lichten, großen Saal. Hier finden am Sonntag Gottesdienste statt, werden aber auch Feste gefeiert und bei der Kinderwoche wird hier auch schon mal übernachtet – kein Kirchenschiff im klassischen Sinne also, sondern ein „Wohnraum“, der die ganze Mannschaft aufnimmt.

 

Auch deshalb, wegen des rührigen Gemeindelebens mit seinen zahlreichen Gruppen, Kreisen und Veranstaltungen wolle man mit der „Stiftung Christuskirche“ ein zweites finanzielles Standbein schaffen: „Die Mittel der Kirchengemeinde sollen nicht in den Bau fließen“, findet Moser, „sondern in eine lebendige Gemeindearbeit.“

 

Denn wie kostspielig eine Instandhaltung ist, das bekommt die Christuskirche derzeit deutlich zu spüren. Neben der energetischen Sanierung der Fenster steht in diesem Jahr auch eine neue Dachisolierung des Gemeindezentrums an. Kosten: 160000 Euro. 40 Prozent davon werden zwar Landeskirche und Kirchenbezirk übernehmen, den Rest davon aber wird die Gemeinde selbst aus ihren Rücklagen finanzieren müssen.

 

Als im vergangenen Advent das 40-jährige Bestehen der Kirche mit Gemeindezentrum gefeiert wurde, richtete sich der Blick deshalb auch in die Zukunft. Auch vor dem Hintergrund, dass die Kosten für Bauvorhaben steigen, die Landeskirchen tendenziell aber immer weniger Einnahmen über die Kirchensteuer erhalten. „Unser Anliegen ist es eben, dass wir Menschen heute für die Zukunft und die nächsten Generationen sorgen.“

 

Eine Stiftung greift diesen Gedanken auf: Denn anders als bei Spenden, die für einen bestimmten Anlass gesammelt werden, bleibt hier das Vermögen unangetastet – lediglich die Zinsen fließen in aktuelle Bauvorhaben. Lohnenswert ist eine Stiftung deshalb erst ab einer bestimmten Kapitalhöhe. Damit stand für die Gemeinde am Jubiläumsfest ein ehrgeiziges Ziel fest: Innerhalb eines Jahres sollten 100000 Euro zusammen getragen werden – um am 1. Advent 2011 die „Stiftung Christuskirche“ zu gründen.

Nur noch fünf Stifter fehlen

 

Seither werben die Kirchengemeinderäte unermüdlich für ihre Idee. Und immerhin: Um den Stiftungsgründerkreis zu vervollständigen, fehlten lediglich fünf Stifter, rechnet Moser vor. In der Summe seien bereits 90000 Euro zusammen gekommen, auch dank der Unterstützung der Stadt Bad Schussenried.

 

Daneben seien es aber vor allem Privatpersonen, die sich für diesen Gedanken begeistern. Dabei leben die 1400 Gemeindemitglieder über 20 Ortschaften verstreut. „Die hohe Resonanz ist auch ein Zeichen der inneren Verbundenheit mit der Kirche“, freut sich die Pfarrerin. Dies stimme hoffnungsvoll, dass das Vorhaben tatsächlich gelingt – und das vielfältige Gemeindeleben rund um die Christuskirche auch in Zukunft erhalten bleibt: „Die Stiftung ist dann wie eine Herberge für das lebendige Gemeindeleben.“

Die Glasfenster in der Bad Schussenrieder Christuskirche gefallen Pfarrerin Dorothee Moser besonders gut. Um den Unterhalt des Gotteshauses auch in Zukunft zu sichern, möchte die evangelische Gemeinde eine Stiftung gründen.

© Schwäbische Zeitung - 07.07.2011

Foto: deborah hofmann

Sanierung der Wainer Michaelskirche stößt auf großes Interesse
Informationsveranstaltung der Kirchengemeinde lockt mehr als 80 Bürger ins Gemeindehaus

Wain (dh) -

 

„Eigentlich sollten nur die veralteten elektrischen Leitungen ausgetauscht werden, und jetzt wird die Kirche grundsaniert“ – diese Worte sprach Pfarrer Ernst Eyrich am vergangenen Sonntag bei einer Informationsveranstaltung zur Sanierung der Wainer Michaelskirche.

 

Mehr als 80 Leute haben sich nach dem gut besuchten Gottesdienst im Wainer Gemeindehaus eingefunden – fast doppelt so viele wie man erwartet hatte. Man musste noch kräftig nachstuhlen.

 

Nach der Begrüßung durch Pfarrer Eyrich ergriff Architekt Dirk Hübner aus Dietenheim das Wort. Mit einfachen, für jedermann verständlichen Worten erläuterte er, worum es bei den umfassenden Sanierungsarbeiten geht, warum sie notwendig sind und was es ungefähr kosten wird.

 

Im Jahr 2008 fand eine Begehung der Kirche mit der Architektin des Oberkirchenamtes statt. Zu diesem Zeitpunkt ging es nur darum, die veralteten elektrischen Anlagen zu modernisieren. Bei ihrem Besuch in Wain viel der Fachfrau jedoch auf, dass im Dachstuhl etwas nicht stimmte. Daraufhin wurden weitere Untersuchungen vorgenommen, bei denen festgestellt wurde, dass viele tragende Holzbalken im Laufe der Zeit und durch Feuchtigkeit angefangen hatten, sich zu zersetzen. Dadurch konnten sie ihre Aufgabe, das Kirchendach zu tragen, nicht mehr ausreichend ausfüllen. Daher ist die Kirchengemeinde jetzt sehr froh, dass der Schaden erkannt wurde und ist bestrebt, die nötigen Reparaturen so schnell wie möglich vorzunehmen, auch wenn sich die Instandsetzungskosten für die denkmalgeschützte Kirche auf knapp 300 000 Euro belaufen.

 

Im Anschluss an den verantwortlichen Architekten erläuterte ein Vertreter der Zimmerei das Vorgehen bei den vor kurzem begonnenen Zimmermannsarbeiten am Dachstuhl. Diese Ausführungen wurden von einem von Walter Wipfler aufgenommenen Film ergänzt. Er zeigt die Baustelle, und Pfarrer Ernst Eyrich kommentiert die bereits vorgenommenen Instandsetzungsarbeiten sowie die noch ausstehenden Arbeiten.

 

Experten beantworten Fragen

Zum Schluss der fast einstündigen Informationsveranstaltung hatten die Zuhörer die Möglichkeit, Fragen zu stellen, was sie auch eifrig taten. So wurde unter anderem gefragt, ob in dem aus dem Dachstuhl ausgeräumten Schutt interessante Dokumente gefunden wurden, was vom Zimmermann jedoch verneint werden musste. Außerdem kam die Frage auf, ob bei der letzten Renovierung im Jahr 1986 die Schäden noch nicht da gewesen seien oder ob sie damals unentdeckt geblieben seien. Die Sachverständigen erklärten, dass die Schäden wohl schon bestanden hätten, man aber wohl gar nicht an so eine Möglichkeit der Sanierung gedacht und deshalb auch nicht darauf geachtet hätte.

 

Beim Verlassen des Raumes hatte jeder Zuhörer die Möglichkeit, ein klein gesägtes Stück eines Balken aus dem Jahr 1688 mitzunehmen, damit man auch zuhause immer wieder an das Projekt erinnert wird.

Walter Wipfler zeigte seinen selbstgedrehten Film.

© Schwäbische Zeitung - 07.07.2011

Foto: deborah hofmann

Einmalig: 70 Frauen lauschen am Dorfbrunnen
Elisabeth Eberles Lesung aus ihrem Roman „Paulina“ erfährt starke Resonanz

 

Wain (deh) -

 

Mancher Autofahrer staunte nicht schlecht, als er am vergangenen Montag abends am Gemeindehaus in Wain vorbeifuhr. Mehr als 70 Frauen, junge wie ältere, saßen um den Dorfbrunnen herum und hörten gespannt Elisabeth Eberle aus Winterbach zu, die aus ihrem Roman „Paulina“ vorlas. Die Lesung wurde vom Flötenkreis Wain mit Klezmer-Musik von Uwe Heger musikalisch untermauert.

 

Da die Resonanz auf die Einladung des Frauenkreises Wain so groß war, musste noch kräftig nachgestuhlt werden und die Veranstaltung begann mit etwa zehn Minuten Verspätung. Während dieser Zeit konnten sich die Frauen gemülich unterhalten oder einfach die malerische Kulisse des Dorfbrunnens genießen. Um die Geräuschkulisse so gering wie möglich zu halten, war der Brunnen für die Autorenlesung extra abgeschaltet worden.

 

Nach der Begrüßung nahm die Schriftstellerin ihre interessierten Zuhörerinnen direkt mit hinein in die Welt des Romans, in das Jahr 1934. Pauline ist zehn Jahre alt und wächst bei ihren Großeltern in Dresden auf, die Mutter arbeitet als Schauspielerin in Berlin. Pauline darf alleine mit der Bahn nach Berlin reisen. Während dieser Zugfahrt lernt sie eine junge Frau kennen, Thea. Auch wenn sich die beiden zunächst wieder aus den Augen verlieren, erweist sich diese Begegnung als sehr wichtig fü Paulines weiteres Leben. Als Kind mit jüischen Wurzeln lernt sie nämlich bald die Auswirkungen der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland kennen. Auch wenn sie nicht deportiert wird, lebt sie doch in ständiger Angst. Ihre Schlagfertigkeit und ihren Optimismus verliert sie dabei aber nicht.

 

Fast wie ein Film

Mit der sehr blumigen Erzählweise begeisterte die Schriftstellerin ihr Publikum von Anfang an. „Man sieht das Buch fast wie einen Film an sich vorbeiziehen“, meinte eine der Zuhörerinnen am Ende.

 

Nach etwa eineinhalb Stunden folgte eine kurze Pause, in der die Möglichkeit bestand, das Buch zu erwerben und sich bei Eierschnecke, Schokoladenkuchen (im Buch geht es unter anderem um eine Schokoladenfabrik) und Schinkenhörnchen sowie kalten Getränken – passend zum Hintergrund des Romans – zu stärken.

 

Die Frauen waren sich einig, dass diese in zweifacher Hinsicht einmalige Frauenstunde wirklich gelungen war. Zweifach einmalig nämlich deshalb: Noch nie zuvor hatte eine Frauenstunde rund um den Dorfbrunnen stattgefunden, und noch nie hatte es in Wain eine Autorenlesung speziell für Frauen gegeben.

Die erste Wainer Autorenlesung nur für Frauen kam gut an.

 

© Schwäbische Zeitung - 07.07.2011

Nachgefragt
„Die Menschen können richtig auf der Straße sitzen“


Auf dem Mittelberg in Biberach soll es jetzt eine ökumenische Kaffeetafel geben. Das Besondere daran ist: Den Kaffee gibt es auf der Mittelbergstraße. Auf der Straße wird ein Band die Altäre beider Gemeinden verbinden. Stühle, Tisch, Kaffee und Kuchen müssen die Menschen selbst mitbringen. Mark Hildebrandt sprach mit der Mitorganisatorin Andrea Kern von der Dreifaltigkeitsgemeinde.

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Kaffeetrinken auf die Straße zu verlegen?

Die Idee selbst kam eigentlich vom evangelischen Pfarrer Edzart Albers. Im Norden gibt es das vereinzelt schon, dass sich kleinere Ortschaften so mit anderen verbinden. Wir machen auf dem Mittelberg schon viel ökumenisch, zum Beispiel den Adventskalender. Da haben wir die Idee gehabt, die Kaffeetafel hier auch zu verwirklichen. Im letzten Jahr haben wir das schon mal versucht, aber da ist das leider am Wetter gescheitert. Allerdings sind trotzdem Leute gekommen.

 

Haben Sie schon viele Rückmeldungen von Gemeindemitgliedern?

Eigentlich ja. Auch außerhalb von unserer Kirchengemeinde, etwa aus der Stadt, hört man immer wieder: Hoffentlich habt ihr in diesem Jahr mehr Glück, wir möchten auch vorbeikommen. Die Rückmeldungen sind da sehr positiv. Das sagt auch Ingrid Sproll von der Bonhoeffer-Kirchengemeinde.

 

Wird die Straße für Autofahrer passierbar bleiben?

Nein. Die Straße wird gesperrt. Die Anwohner sollten die Straße in den zwei Stunden auch frei halten. Die Menschen können im abgesperrten Bereich richtig mitten auf der Straße sitzen und dort ihre Tische und Stühle aufstellen. Vielleicht funktioniert das ja sogar Tisch an Tisch.

 

Was können Interessierte machen, die keinen tragbaren Tisch besitzen?

Jeder kann einfach auch ohne Tisch und Stuhl vorbeikommen. Irgendwo gibt es immer ein Plätzchen, wo man sich dazusetzen kann.

 

© Schwäbische Zeitung - 06.07.2011

Barbara John, Matthias Wolf (r.) und Ulrich Mack sehen die Seelsorge im ZfP auf einem sehr guten Weg.sz-Foto: grü

Andacht: Wo Seelen zur Ruhe kommen

Benediktinermönch gestaltet „Raum der Mitte“ am ZfP – Klinikseelsorger sammeln Spenden

 

Von Annette Grüninger

 

Bad Schussenried -

 

Die Sonne beleuchtet die gelben, roten und orangen Stoffbahnen an der Fensterfront. Auf der gegenüberliegenden Seite wölbt sich schützend eine halbrunde Lehmwand, in dessen Form sich die im Kreis aufgestellten Stühle schmiegen.

 

Alles im Andachtsraum des Bad Schussenrieder Zentrums für Psychiatrie (ZfP) vermittelt Licht, Wärme, Geborgenheit – und dieses Gefühl soll nun auch nach außen getragen werden. Die ZfP-Klinikseelsorger Barbara John und ihr evangelischer Kollege Dr. Ulrich Mack wollen die Außenwände des Gebäudes mit Fresken verschönern lassen. Als „zusätzliches Aushängeschild“, wie Mack hofft. Denn so soll auf dem Areal des ZfP schon weithin sichtbar werden: „Hier ist die Seelsorge zu Hause.“

 

So richtig zu Hause fühlt sich die Klinikseelsorge seit knapp drei Jahren. Damals wurde der neue „Raum der Mitte“ eingeweiht. Davor habe man die wöchentlichen Gottesdienste in einem angrenzenden „dunklen, kleinen Raum“ feiern müssen, erinnert sich John. Dann jedoch habe das ZfP Abhilfe geschaffen, den ehemaligen Tagungsraum zur Verfügung gestellt und mit Beteiligung der beiden Dekanate für rund 30000 Euro neu gestaltet.

„Schon damals hatten wir vor, Fresken an die Außenwände aufzubringen“, blickt die Pastoralreferentin zurück. Gescheitert sei das Vorhaben allerdings an den finanziellen Mitteln. Nach fast drei Jahren wagen die beiden Klinikseelsorger einen zweiten Anlauf. Rund 10000 Euro werden die Arbeiten voraussichtlich kosten. Das ZfP wird die Vorbereitungen des Außenputzes für 3000 Euro übernehmen, der die Grundlage für die Fresken bildet. Den Rest wolle man durch Spenden, etwa mit einem Benefizkonzert des Kirchenchors St. Magnus (siehe Kasten) finanzieren. „Die Hälfte haben wir ungefähr zusammen“, freut sich John.

 

Aufgetragen werden die Fresken von Thomas Hessler, der den Andachtsraum auch innnen gestaltet hat. Hessler lebt als Benediktinermönch im Kloster Gut Aich am Wolfgangsee, wo er sich 1996 auch ein Kunstatelier eingerichtet hat. Seither hat er sich auf die Gestaltung sakraler Räume spezialisiert. Daneben ist der freischaffende Künstler und Kunsttherapeut auch als geistlicher Begleiter tätig. „Dieser spiritiuelle Hintergrund ist uns auch sehr wichtig“, betont John, die den Benediktiner bei Exerzitien im Kloster Gut Aich kennengelernt hat.

 

Wohnen bei sich selbst

 

So sprachen Künstler und Klinikseelsorger eine gemeinsame Sprache, als sie sich über die Motive verständigten. Mit „habitare secum“, auf Deutsch „Wohnen bei sich selbst“, werde ein Leitspruch der benediktinischen Spiritualität aufgegriffen. „Das ist auch ein wichtiges Thema für die Patienten“, schlägt John den Bogen zur Klinikseelsorge: „Wir wollen ihnen einen Raum geben, in dem sie es mit sich selbst aushalten und zur Ruhe kommen können.“ Verbildlicht werde dieser Gedanke durch die Darstellung einer abstrahierten Person in Meditationshaltung. Auf der gegenüberliegenden Wand wird Hessler in durchscheinenden Rottönen die Umrisse einer Frau auftragen, die auf die biblische Geschichte von der Heilung der gekrümmten Frau anspielt.

 

Dass das Original dann so feinsinnig ist wie der Entwuf, daran haben John und Mack keine Zweifel. Schließlich verfehle auch die Gestaltung des Innenraums seine Wirkung nicht. „Die Patienten setzen sich gerne auch einfach so hier rein, um zur Ruhe zu kommen“, hat Mack beobachtet. Und seine katholische Kollegin ist sich sicher: „Schönheit wirkt heilsam auf die Seele.“

 

 

© Schwäbische Zeitung - 06.07.2011

sz/Foto: privat

„Crescendo“ hilft Kinderhospiz
Drei Mitglieder der Singgruppe „Crescendo“ – Claudia Wern, Elke Demuth und Margit Schmid (im Bild von links) – haben anlässlich des Tages der offenen Tür im Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach einen Scheck über 1500 Euro übergeben. Das Geld stammt aus dem Erlös des Bonhoeffer-Konzertes am 9. April in der Oberholzheimer Kirche.

 

„Wir sind sehr stolz auf diesen Betrag und danken allen Konzertbesuchern, die dazu beigetragen. Wir konnten uns beim Rundgang durch das Hospiz und im Gespräch vergewissern, dass das Geld dort sinnvoll verwendet wird. Es ist ein Ort, an dem Lebensfreude, Geborgenheit und Gemeinschaft genauso ihren Platz finden wie Trauer und Schmerz“, so Margit Schmid.

 

Simone Pschorn (rechts im Bild) vom Förderverein des Kinderhospizes hat sich über den Scheck sehr gefreut. Die Einrichtung in der Nähe von Memmingen ist eine Anlauf- und Erholungsstätte für Familien mit unheilbar und lebensbegrenzt erkrankten Kindern. Der Besuch hat den Leitspruch dieser Einrichtung bestätigt: „Jede Begegnung, die unsere Seele berührt, hinterlässt in uns eine Spur, die nie ganz verweht.“

© Schwäbische Zeitung - 01.07.2011

Foto: SZ

Bildungshaus stellt sich vor

 

ERSINGEN / sz

 

Zum ersten Mal seit der Benennung zum „Bildungshaus" haben sich die Grundschule und der Kindergarten Ersingen nach einer einwöchigen Projektzeit den Eltern mit einem großen Programm vorgestellt.

 

Neun Projekte wurden mit den Grundschülern und den Kindergartenkindern ins Auge gefasst und zusammen mit den Lehrerinnen und Erzieherinnen und mit Hilfe der Eltern verwirklicht.