© Schwäbische Zeitung - 26.04.2012

Birgit Jabczynski, Sopran. Foto: pr

Bach-Oratorien erklingen in Ertingen

Evangelische Kantorei Riedlingen konzertiert in der Pfarrkirche St. Georg

Ertingen (sz) - Am Sonntag, 6. Mai, 20 Uhr, führt die Evangelische Kantorei Riedlingen in der Pfarrkirche St. Georg in Ertingen unter der Leitung von Jürgen Berron das Osteroratorium „Kommt eilet und laufet“ BWV 249 und das Himmelfahrtsoratorium „Lobet Gott in seinen Reichen“ BWV 11 von Johann Sebastian Bach auf.

Für beide Oratorien konnten Birgit Jabczynski (Riedlingen), Sopran, Christine Müller (Tübingen), Alt, Dr. Tobias Wall (Stuttgart), Tenor und Steffen Balbach (Stuttgart), Bariton engagiert werden. Etwa 30 Instrumentalisten aus Riedlingen und der Region und zusätzliche Berufsmusiker bilden das barocke Ensemble, mit dem der Chor zusammen musiziert.

Die beiden prachtvollen Oratorien sind selten zu hören und wenig bekannt. Zu Unrecht stehen sie im Schatten des sehr populären Weihnachtsoratoriums und der beiden großen Passionen Bachs. Das Osteroratorium wurde am 1. April 1725, dem ersten Ostertag, zum ersten Mal aufgeführt. Danach hat Bach das Werk den Leipziger Gottesdienstbesuchern noch mindestens dreimal am Ostersonntag zu Gehör gebracht. Es gehört offensichtlich zu den Werken, die Bach ganz besonders schätzte. Darum bearbeitete er seine Komposition immer wieder neu und fertigte sogar 14 Jahre später eigenhändig eine reinschriftliche Partitur an. In dieser neuen Fassung bezeichnet er sein Werk als „Oratorium“.

Für die Festtage des Kirchenjahres 1734/35 entstand neben dem Weihnachtsoratorium BWV 248 ein weiteres repräsentatives Werk: Das Himmelfahrtsoratorium.

Obwohl sich beide Kompositionen in ihrer Dimension und ihrem Charakter von den übrigen Kantaten Johann Sebastian Bachs wenig unterscheiden, nehmen sie durch die epische Textgrundlage, in die ein biblischer Bericht mit einbezogen ist, eine Sonderstellung ein und werden darum auch als „Oratorien“ bezeichnet. Besonders die festliche Anlage und Instrumentation der Eröffnungs- und Schlusschöre (drei Trompeten, Pauken, Flöten und Oboen) geben die triumphale Freude über Christi Auferstehung und Himmelfahrt wieder.

Wie bei vielen Werken Bachs ist nur ein Teil wirklich neu. Viele Kompositionen hat er vorab für andere, meist weltliche Anlässe komponiert. Die Musik des Osteroratoriums entstammt einer Huldigungsmusik, der Schäferkantate „Entfliehet, entweichet, entschwindet, ihr Sorgen“, die Bach für den Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels am 23. Februar 1725 schrieb. Zur Einweihung der umgebauten Thomasschule in Leipzig am 5. Juni 1732 schrieb Bach die Kantate „Froher Tag, verlangte Stunde“ Deren virtuosen Eingangschor verwendete er 1733 noch einmal als Eingangschor der Kantate „Frohes Volk, vergnügte Sachsen“.


Der Eintritt kostet für Erwachsene 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Familien bezahlen 25 Euro. Vorverkauf ist bis 5. Mai bei der Apotheke am Marktplatz Riedlingen und bei Hima Moden Ertingen.

© Schwäbische Zeitung - 25.04.2012

Die Besucher in der Christuskirche zeigten sich beeindruckt von den Szenen aus dem Nordirak. sz-foto: geru

Fotografien machen berührbar

Früherer Schussenrieder Pfarrer Horst Oberkampf stellt Bilder aus dem Nordirak aus

Von Gerhard Rundel

Bad Schussenried - Etwa 50 Besucher sind zur Eröffnung der Fotoausstellung „Unterwegs zu den Christen im Nordirak“ in die evangelische Christuskirche Bad Schussenried gekommen. Der frühere Bad Schussenrieder Pfarrer Horst Oberkampf ist Mitglied der Solidaritätsgruppe Turabdin Nordirak. In seiner Wanderausstellung präsentiert er mit 48 Bildern und zwei Infotafeln das Leben der Christen im Nordirak.

Es freue sie, dass Bad Schussenried als erste Station der Wanderausstellung ausgewählt wurde, sagte Pfarrerin Dorothee Moser bei der Ausstellungseröffnung, die von Musiker Peter Doubeck mit geistlicher und orientalischer Musik umrahmt wurde. Die evangelische Kirchengemeinde und auch die Stadt Bad Schussenried habe ihre Solidarität mit den bedrohten Christen im Nordirak längst durch Spenden zum Ausdruck gebracht. Neben persönlichen Begegnungen gebe es keine anschaulichere Form der Information, als auf Fotos festgehaltene Bilder. „Es sind Momente gelebter Begegnung“, fand Moser. Neben dem Pfarrer und dem Kämpfer um den Frieden, zeigt sich in dieser Ausstellung auch der Fotograf Horst Oberkampf.


Fotos bleiben stehen


Fotos bleiben stehen, sie laufen nicht davon, sie machen aufmerksam, sagte Horst Oberkampf. Sie erinnerten an Menschen, die leiden müssen. Sie machten berührbar und sensibel.

Bad Schussenried und der Nordirak gehören ein Stück weit zusammen, betonte Oberkampf. So sei auch die junge irakische Ärztin Dr. Haifa als Studentin von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Schussenried unterstützt worden. Vergesst uns nicht, mahnt denn auch das erste Bild der Ausstellung. In seinen Fotografien zeigt Oberkampf Flüchtlinge beim Brotbacken, eine Sprechstunde bei einem mobilen Ärzteteam, aber auch den Bau von Flüchtlingsdörfern oder verschiedene Hilfsprojekte.

Die Solidaritätsgruppe Turabdin und Nordirak vermittelt Projekte und weiß, wie und wo vor Ort geholfen werden muss kurz- und langfristig. Gefördert wurden bereits Projekte in der Nahrungsmittelhilfe, Gesundheitsfürsorge Bildungsarbeit und in der Landwirtschaft.

© Schwäbische Zeitung - 24.04.2012

Am Mittelberg entsteht Neues

Teile des Gemeindehauses werden abgerissen -

Zieglersche ziehen in Folgebau ein

Von Constanze Kretzschmar

Biberach - Die evangelische Kirche ist im Umbruch. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und weniger Geld in der Kirchenkasse überlegt die evangelische Gesamtkirchengemeinde in Biberach, was sie mit ihren Gebäuden machen soll. Für eines ist die Entscheidung gefallen. Die Bonhoeffer-Kirchengemeinde am Mittelberg gibt demnächst einen Teil ihres Geländes auf. Teile des Pfarr- und des Gemeindehauses am Köhlesrain werden abgerissen.

Bauausschuss stimmt zu


An ihrer Stelle wird ein neues Bonhoeffer-Haus gebaut. Dieses werden die Zieglerschen mieten: Sie sind ein diakonisches Unternehmen, das Menschen mit unterschiedlichen Problemen Hilfen anbieten. Für Menschen mit Behinderung werden die Zieglerschen im neuen Bonhoeffer-Haus Wohnraum anbieten. Der Bauausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung die Änderung des Bebauungsplanes beschlossen, die die rechtliche Grundlage für den Umbau schafft.

Teilhabe für behinderte Menschen

Der Neubau trägt einer zweiten gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung: dem Willen nach mehr Inklusion. Dieser Begriff bezeichnet es, wenn Menschen mit Behinderungen in der Mitte der Gesellschaft leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Die Menschen am Bonhoeffer-Haus sollen davon nach dem Neubau profitieren. Die Pläne zum Neubau haben einen Monat lang ausgelegen. Proteste oder Einwände der Bevölkerung gab es nicht. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie der Gemeinderat Johannes Walter (CDU) sagte: Vor vielen Jahren habe der Dornahof dort Menschen unterbringen wollen, die vorher keine Wohnung hatten. Die Bevölkerung hat protestiert, sagte Walter. Aus den Plänen wurde nichts.

Der Neubau des Bonhoeffer-Hauses habe Modellcharakter, lobten mehrere Gemeinderäte in der Sitzung. Das ist eine schöne Gelegenheit, Inklusion zu leben, sagte Anton Nuding (SPD).

Die evangelische Kirche wird Büroräume und Versammlungsräume im neuen Gebäude behalten. Im Neubau bekomme sie Raum zurück, sagte Baubürgermeister Christian Kuhlmann im Bauausschuss.

 
 

© Schwäbische Zeitung - 23.04.2012

Das künftige Schülermentorenteam der Friedrich-Adler-Realschule mit Lehrerin Carmen Federle (hinten, 4. v. r.) und Schulsozialarbeiter Helmut Gnann (hinten rechts). (Foto: pr)

Schüler kümmern sich um Schüler


An der Friedrich-Adler-Realschule setzt man auf Schülermentoren

 

Von Reiner Schick

 

Laupheim Die Laupheimer Friedrich-Adler-Realschule (FARS) hat 14 neue Schülermentoren ausgebildet. Die Achtklässler haben vom nächsten Schuljahr an die Aufgabe, unter Aufsicht von Lehrkräften den jüngeren Schülern bei den Hausaufgaben zu helfen, Pausenspiele anzubieten und die Bibliothek zu betreuen.

 

„Das ist unser zweiter Schülermentoren-Jahrgang. Wir haben damit letztes Jahr begonnen und gute Erfahrungen gemacht. Die Mentoren sind gut fürs Klima in der Schule, weil sie eine Verbindung von der neunten bis zur fünften Klasse schaffen“, sagt Schulsozialarbeiter Helmut Gnann. Zusammen mit FARS-Lehrerin Carmen Federle betreut er die Freiwilligen bei ihrer Aufgabe.

 

Zur Ausbildung gehört ein sechstägiger Grundkurs, an dem die 14 Achtklässler in den Osterferien teilgenommen haben. Der Lehrgang in der Dobelmühle bei Aulendorf wurde vom Evangelischen Jugendwerk Biberach (EJB) ausgerichtet, das dort ihre Jugendleiter für die Ferienfreizeiten wie Hölzle oder Kidscamp ausbildet. „Wir haben uns dem Kurs des EJB angeschlossen“, erklärt Gnann.

Bald werde man die Kooperation mit dem EJB vertiefen und eine offizielle Vereinbarung unterzeichnen.

 

Sechs Tage volles Programm

Der Kurs, den die insgesamt 89 Teilnehmer mit einer Prüfung haben abschließen mussten – alle 14 FARS-Schüler haben sie bestanden –, lieferte den 13- und 14-jährigen Realschülern das Grundwissen für die Aufgaben eines Schülermentors. Die sechs Tage waren jeweils vom Wecken um 7.20 Uhr bis zur Nachtruhe ab 24 Uhr vollgepackt mit Programm. Außer trockenem Stoff wie rechtlichen Informationen vermittelte der Kurs auch reichlich Praxis. „Wir haben viele Spiele kennengelernt, erfahren, wie man sie anleitet und zum Teil auch selbst ausprobiert“, erzählt Laura Diener. „Es war immer viel Spaß dabei“, fügt Samuel Wiese an.

 

Die Zeit mit den 75 anderen Teilnehmern und 20 Mitarbeitern haben die Laupheimer Realschüler genossen. „Das Essen, die Mitarbeiter, viele nette Leute, dass wir uns alle duzen durften – das hat uns sehr gut gefallen“, sagt Julian Bott. Von den 79 Euro Lehrgangskosten pro Teilnehmer gab’s jeweils 50 Euro als Zuschuss von der Schule, die restlichen 29 Euro haben die Schüler selbst bezahlt – und jeweils fast eine komplette Ferienwoche geopfert. Bereut haben sie das nicht. „Es war eine super Investition“, sagt Florian Reichl.

 

Jetzt freuen sie sich auf ihre neue Aufgabe, die sie im kommenden Schuljahr, als Neuntklässler, antreten werden. „Normalerweise für ein Jahr, denn in der zehnten Klasse stehen dann die Prüfungen und die Berufsorientierung im Vordergrund“, sagt Helmut Gnann. Die Mentoren werden im neuen Schuljahr nicht nur in der Hausaufgabenhilfe und Pausengestaltung eingesetzt, sondern auch in der Ganztagesbetreuung im neuen Schulgebäude. Man achte aber darauf, dass sich einzelne Schüler nicht übernehmen, sondern die Aufgaben gut auf die 14 Schüler verteilt werden, betont Gnann. Alle drei Wochen trifft sich das Mentorenteam zu einer Besprechung. „Es dürfen auch eigene Ideen, zum Beispiel für Spiele, eingebracht werden“, erklärt Gnann.

 

Obwohl man als Schülermentor auch sein Taschengeld ein bisschen aufbessern kann, ist das nicht die Motivation für die Laupheimer Realschüler. „Das lohnt sich nicht“, sagt Florian Reichl. „Es macht Spaß, etwas mit Kindern zu machen“, erklärt Laura Diener. Und Julian Bott glaubt: Sozialer Einsatz „macht sich später auch bei der Bewerbung gut“.

 

© Schwäbische Zeitung - 20.04.2012

gem/sZ-Foto: Mägerle

Arthur Handtmann übergibt 30000 Euro an die Bauhütte Simultaneum

Bei der Feier seines 85. Geburtstags hatte der Biberacher Ehrenbürger Arthur Handtmann (Mitte), Seniorchef der gleichnamigen Firmengruppe, seine Gratulanten gebeten, ihm nichts zu schenken, sondern für die Bauhütte Simultaneum zu spenden.

 

Dieser Verein hat sich, wie mehrfach berichtet, zum Ziel gesetzt, rund 2,5 Millionen Euro für die dringend anstehenden Sanierungen von Heizung, Elektrik und Außenfassade der Stadtpfarrkirche St. Martin zu sammeln. Rund 15000 Euro kamen auf Handtmanns Aufruf hin zusammen, worauf der Jubilar dieselbe Summe obendrauf legte.

 

Insgesamt 30000 Euro konnte er deshalb gestern an die beiden Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann (evangelisch; l.) und Kaspar Baumgärtner (katholisch; r.) überreichen. Das stockt den Kontostand der Bauhütte auf 70000 Euro auf. Bis zu den angepeilten 2,5 Millionen ist es also noch ein weiter Weg.

 

Kein Wunder, dass die beiden Pfarrer hoffen, dass möglichst viele Geburtstagskinder in Zukunft Arthur Handtmanns Beispiel folgen. Für den ist das Engagement übrigens Ehrensache: „Meine Familie lebt seit 1560 in Biberach. Das ist meine Heimat und dazu gehört vor allem die Stadtpfarrkirche.“ Weitere Infos zur Bauhütte unter www.simultaneum.de.

© Schwäbische Zeitung - 19.04.2012

Pfarrer Ernst Eyrich präsentiert die aufwändig gestaltete Informationsbroschüre zur geplanten Stiftungsgründung. Foto: ray

 

 "Stiften gehen" für ein Stück Heimat

 

Kirchengemeinde ruft dazu auf, sich an der Gründung der „Stiftung Michaelskirche Wain“ zu beteiligen


Von Roland Ray


WAIN - 1800 Postsendungen liegen im Gemeindehaus bereit, fein säuberlich geordnet. 1400 werden in den nächsten beiden Wochen von ehrenamtlichen Helfern ausgetragen, die anderen verschickt. Empfänger sind alle Wainer über 18, die Menschen evangelischer Konfession in der Gesamtgemeinde Schwendi, ortsansässige Firmen sowie ehemalige Wainer, rund 400 an der Zahl. Bis nach Kalifornien, Südafrika und Neuseeland hat ihr Lebensweg sie geführt.


Die Kuverts enthalten Außergewöhnliches: den Aufruf, sich an der geplanten Gründung der „Stiftung Michaelskirche Wain“ zu beteiligen, und eine liebevoll gemachte, informative Broschüre zu diesem Projekt.


Am 28. April 2013, anlässlich des 325-jährigen Bestehens der Michaelskirche in ihrer heutigen Ausprägung, soll die Stiftung mit einem Festgottesdienst aus der Taufe gehoben werden. Die Initiative geht von der Evangelischen Kirchengemeinde Wain aus. Aufgabe und Ziel der Stiftung ist es, mit den Erträgen aus dem Stiftungskapital das sakrale Bauwerk, das als schönste evangelische Dorfkirche Oberschwabens gilt, langfristig zu erhalten und das gottesdienstliche und kirchenmusikalische Leben in Wain nachhaltig zu fördern.


Weiteres finanzielles Standbein


Viele Kirchengemeinden im Land könnten ihre Aufgaben nicht mehr allein aus Steuermitteln finanzieren, sagt Pfarrer Ernst Eyrich. Auch in Wain sei das so. „Mit einer Stiftung wollen wir deshalb – neben Kirchensteuer, Opfern und Spenden – ein weiteres finanzielles Standbein schaffen.“ Die Michaelskirche sei Symbol der christlichen Heimat vieler Menschen aus Wain und Schwendi und weit darüber hinaus.


Der Kirchengemeinderat hat den Boden umsichtig bereitet. Die von der gebürtigen Wainerin Andrea Träger gestaltete Broschüre enthält Auszüge aus der Satzung der geplanten Stiftung, Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Stiftungswesen, einen Leitfaden für angehende Unterstützer, einen Zeichnungsbrief für Gründungsstifter und viel Wissenswertes über die Michaelskirche. Alle Empfänger sind herzlich eingeladen, sich nach ihren Möglichkeiten zu beteiligen. „Unser Ziel ist es, bis April 2013 einen Grundstock von 75 000 Euro zusammenzutragen“, sagt Pfarrer Eyrich. Er ist zuversichtlich, dass dies gelingt, und guter Hoffnung, dass das Stiftungskapital auch in der Folge kontinuierlich wächst.


Als Fürsprecher der „Stiftung Michaelskirche Wain“ haben die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz und die Schwendier Ärzte Uta und Dankwart Kölle die Schirmherrschaft übernommen.

 

Pfarrer Ernst Eyrich präsentiert die aufwändig gestaltete Informationsbroschüre zur geplanten Stiftungsgründung. Er sagt: „Wir haben uns mächtig ins Zeug gelegt und hoffen, dass unsere Broschüre nicht auf dem Wertstoffhof landet, sondern zumindest im Bücherregal.“Foto: ray

 

© Schwäbische Zeitung - 17.04.2012

Katholiken und Protestanten fahren nach Israel

 

Biberach (sz) - Die katholische und evangelische Kirchengemeinde wollen eine ökumenische Reise unternehmen: In Israel wollen sie an den gemeinsamen Quellen und den Orten Jesu entdecken, was sie verbindet. Das schreibt das katholische Pfarramt. Die katholische und die evangelische Martinsgemeinde laden zu der Pilgerreise vom 29. August bis zum 7. September nach Israel ein. Der evangelische Pfarrer Heinzelmann und der katholische Pfarrer Kaspar Baumgärtner werden die Gruppe leiten. Diese soll von Galiläa bis zum Ort der Auferstehung nach Jerusalem reisen. An den verschiedenen Stätten wird zum einen über die Bedeutung in der Bibel und der Geschichte informiert, aber auch Gottesdienst gefeiert. Die Reiseausschreibungen mit dem Programm liegen am Schriftenstand in der Stadtpfarrkirche aus.

Weitere Informationen gibt es bei den Pfarrern selbst, im katholischen Pfarramt St. Martin in der Museumstraße 5 in Biberach und unter der Telefonnummer 07351/ 18140. Dort kann man sich auch anmelden.

 

Programm der ökumenischen Pilgerreise nach Israel

Anmeldeformular zur ökumenischen Pilgerreise nach Israel

© Schwäbische Zeitung - 14.04.2012

Foto privat.

Interview


Christen leiden unter Verfolgung

Früherer Schussenrieder Pfarrer Horst Oberkampf unterstützt Glaubensbrüder im Irak

Der Irak wird meist mit dem Islam und Islamismus in Verbindung gebracht. Der Irak ist aber auch Heimat einiger der ältesten christlichen Gemeinden – deren Mitglieder häufig diskriminiert und verfolgt werden. Das Schicksal der irakischen Christen beschäftigt Horst Oberkampf schon seit mehr als 20 Jahren. Über seine zahlreichen Besuche im Norden des Landes berichtet der frühere Bad Schussenrieder Gemeindepfarrer im Gespräch mit SZ-Redakteurin Annette Grüninger.

Herr Oberkampf, den Irak kennen viele nur aus den Nachrichten – von unzähligen Kriegs- und Krisenberichten. Welche Erfahrungen haben Sie auf Ihren Reisen in die Region gemacht?

Ich habe dort die Menschen besucht, die Menschen in ihren unterschiedlichen Situationen. Sehr viele Flüchtlinge leben dort in der Region Irakisch-Kurdistan, in der die Christen eine kleine, aber wichtige Minderheit sind – und eine der ältesten Minderheiten.

Wie gefährlich ist es, dort zu reisen?

Diese Region ist relativ sicher. Deshalb sind auch so viele Christen dorthin geflohen, etwa 60000 Flüchtlinge halten sich dort auf. Auch einige, die schon einmal fliehen mussten und nun wieder in ihre ehemaligen Dörfer zurückgekommen sind. Flüchtlingsquartiere existieren aber nach wie vor. Einige sind auch in leer stehenden Häusern untergekommen. Wichtig ist, dass sie eine Bleibe fanden – obwohl man in diesen Wohnungen krank werden muss: Sie sind feucht, dunkel und eng. Aber die Leute haben das Beste daraus gemacht.

Wie ist Ihr Kontakt zu den Christen dort zustande gekommen?

Ich bin seit vielen Jahren in der Türkei und kümmere mich um die Syrischen Christen. 1991, am Ende des Zweiten Golfkriegs, habe ich einen Besuch in einem großen Flüchtlingslager an der Grenze Türkei-Irak gemacht. Darunter waren Zehntausende Christen. Als ich das hörte, war mir klar: Wir müssen etwas tun und müssen diese Grenze überschreiten können.

Welche Projekte haben Sie zunächst angestoßen?

Am Anfang stand der Wiederaufbau von Kirchen im Vordergrund. Ich hätte nicht damit angefangen, aber der Wunsch kam von den Leuten selbst. Das Kirchengebäude hat dort eine sehr wichtige Bedeutung. Wir haben auch Schulen unterstützt und Studenten. Im medizinischen Bereich haben wir mit mobilen Kliniken abgelegene Dörfer besucht und mit einem Team von Ärzten Sprechstunden abgehalten.

 

Die „Solidaritätsgruppe Turabdin und Nordirak“, der Sie angehören, wurde bereits Anfang der 90er-Jahre gegründet. Was hat sich seitdem verändert?

Gerade die Fundamentalisten, die teilweise in den Irak eingewandert sind, haben die Region in eine ganz große Unruhe gestürzt. Christen werden nicht akzeptiert, verfolgt. Ihre Kirchen wurden und werden zerstört: seit 2004 über 70 Kirchen. In meinen Augen ist es so: Wenn jemand das Gotteshaus des anderen nicht akzeptiert, akzeptiert er auch den anderen selbst nicht. Da wird etwas zerstört, was ganz tief emotional in den Menschen verankert ist.

Aus den Eindrücken Ihrer Reisen haben Sie eine Wanderausstellung zusammengestellt, die Sie, obwohl Sie nun in Bad Saulgau wohnen, zuerst in Bad Schussenried präsentieren. Warum?

Ich bin nun zwar schon sieben Jahre weg von Bad Schussenried, aber vieles, was ich im Irak gemacht habe, ist mit Bad Schussenried verbunden. Der Name Bad Schussenried ist im Nordirak vielen bekannt. Außerdem unterstützen auch noch etliche Schussenrieder meine Projekte bis zum heutigen Tag.

© Schwäbische Zeitung - 13.04.2012

 

Pflegende Angehörige sprechen mit Politikern

 

Caritas und Diakonie diskutieren mit Rief und Gerster

Landkreis Biberach (sz) - Zu einem Gespräch mit den Bundestagsabgeordneten Josef Rief (CDU) und Martin Gerster (SPD) laden Caritas und Diakonie am Freitag, 20. April, von 15 bis 17 Uhr pflegende Angehörige ins Martin-Luther-Gemeindehaus, Waldseer Straße 20, in Biberach ein. Die Teilnahme ist kostenlos.

Außer den Belastungen durch die Pflege an sich, gibt es Dinge, die unnötig Zeit, Nerven und Kraft kosten. Mit den Angehörigen werden Bausteine für die häusliche Pflege zusammengetragen und zwar anhand der Fragen: 1. Was leisten Angehörige in der häuslichen Pflege? 2. Was stärkt sie in der Pflege? 3. Wo brauchen Angehörige Unterstützung von der Politik? Was sollte verbessert werden? Die Volksvertreter werden nach den Ausführungen der Angehörigen um ein Statement gebeten. Wer seine Erfahrungen zu den drei Fragen einbringen will, auch wenn er sie nicht selbst vortragen möchte, sollte sie vorab zuschicken. Wer Fahrgelegenheit braucht oder anbieten kann, sollte sich ebenfalls melden.

Zur Organisation ist eine Anmeldung bis 17. April erforderlich bei Karl-Heinrich Gils für Caritas und Diakonie, Wielandstraße 24, 88400 Biberach, Telefon 07351/1502-50, Fax 1502-20 oder E-Mail: gils@diakonie-biberach.de.

© Schwäbische Zeitung - 11.04.2012

Der Hölzleverein hilft Familien

 

Biberach (sz) - Auch im wohlhabenden Oberschwaben gibt es Familien, die ihren Kindern nur bedingt ein Ferienprogramm anbieten können. Für einen Aufenthalt im Ferienwaldheim Hölzle gibt es aus diesem Grund seit vielen Jahren den Hölzleförderverein, der Alleinerziehende oder Familien in finanzieller Notsituation unterstützt. 2011 waren es nahezu 8000 Euro, die vom Verein an entsprechende Familien weitergegeben wurden.

Bei der Hölzleanmeldung vergangene Woche hatte der Stand des Hölzlevereins regen Zulauf. Förderanträge können auch nach dem offiziellen Anmeldetermin noch gestellt werden, am einfachsten direkt über das Evangelische Jugendwerk, Telefon 07351/7933. Darüber hinaus sucht der Förderverein neue Mitglieder, die das Engagement für die Kinder finanziell oder ideell unterstützen.

Nähere Informationen im Internet www.hoelzle-online.de/verein

© Schwäbische Zeitung - 05.04.2012

„Aber jetzt singe ich nicht mehr“


Pfarrerin Ines Fischer berichtet über ihre Arbeit mit Flüchtlingsfrauen

Von Silke von Fürich

Mengen: Fünf Jahre lang war Ines Fischer Asylpfarrerin in Reutlingen, bevor sie nach Mengen kam. Im Rahmen des ökumenischen Frauenfrühstücks, das dieses Mal in den Räumen der Paulusgemeinde stattfand, sprach die Pfarrerin über ihre Arbeit im Asylbewerberheim und stellte dabei die Schicksale der Frauen in den Mittelpunkt.

Es war keine leichte Kost, die beim ökumenischen Frauenfrühstück serviert wurde. Doch trotz oder gerade wegen des schwierigen Themas waren viele Frauen der Einladung in den Gemeindesaal der Pauluskirche gefolgt. Bereits die Fakten zum Einstieg machten klar, dass man beim Zuhören einiges würde aushalten müssen.

Rund 250000 Menschen pro Jahr kommen als Flüchtlinge nach Europa, begann Ines Fischer. Dem stünden in etwa ebenso viele gegenüber, die es nicht schaffen und auf der Flucht ihr Leben verlieren. Wer nach Deutschland kommt, erwartet ein entmündigtes, von der Angst vor Abschiebung bestimmtes Leben auf engstem Raum – 4,5 Quadratmeter pro Person sind in den Auffanglagern vorgesehen.

Frauen leiden oft besonders, leben zurückgezogen und versuchen, ihre furchtbaren Erlebnisse mit sich selbst auszumachen, beschreibt die ehemalige Asylpfarrerin die Situation. Hier setzte sie einen ihrer Arbeitsschwerpunkte: Gemeinsam mit einem Team Ehrenamtlicher schuf sie Möglichkeiten für die Frauen, ins Gespräch zu kommen, bot Hilfestellungen und erfuhr von Schicksalen, die „wie ein schwerer Rucksack“ auf den Frauen lasteten.

Die Gründe, warum Frauen aus ihrer Heimat fliehen, unterscheiden sich meist von denen der Männer. Politische Verfolgung (oft stellvertretend für den Ehemann), Genitalverstümmelung, Folter oder Vergewaltigung veranlassen die Frauen zur Flucht. Viele können nicht darüber sprechen, was ihnen widerfahren ist. Der Wunsch nach Vergessen, Scham und auch Angst vor dem Verlust ihrer Ehre zwingt die Frauen zum Schweigen. Ines Fischer weiß zu erzählen, was im Leben nach der Flucht die Frauen bewegt, belastet, manchmal lähmt – aber auch, was sie antreibt weiterzumachen.

Viele der Asylantinnen konnten sich öffnen, erzählten von ihren Fähigkeiten, begannen, auch in der neuen Heimat ihre Fertigkeiten wieder einzusetzen. In dieser Zeit habe sie herausgefunden, dass gerade die Asyl suchenden Frauen bereit wären, sich auf unsere Kultur, ihr neues Leben einzulassen, berichtet Fischer. Manche schenkten ihr etwas von sich. Jedes Stück hat eine Geschichte. Wie die einer jungen Frau, die einst Musiklehrerin war und wunderbar singen konnte – vor ihren traumatischen Erlebnissen im Kosovo. „Aber jetzt singe ich nicht mehr“, sagte sie im Asylbewerberheim. Nach monatelangen Bemühungen und dem Versuch, im fremden Land ein Stück Sicherheit zu schaffen, kam dann der Tag, an dem die Frau wieder singen konnte.

© Schwäbische Zeitung - 05.04.2012

Pfarrer Elsässer erläutert Kreuzweg

herbertingen/ertingen (sz) - Der Ertinger Bildhauer Gerold Jäggle lädt am Karfreitag, 6. April, zu einer gemeinsamen Kreuzwegbegehung mit dem evangelischen Pfarrer Martin Elsässer nach Herbertingen ein. Treffpunkt ist um 17 Uhr am Bahnhof Herbertingen Ort im Denkemerweg. Der Kreuzweg geht dann bis etwa 18.30 Uhr.

Die 15 Stationen des Herbertinger Kreuzwegs werden zum zwölften Mal begangen. Sie wurden 2001 von Lilly Jordans gestiftet im Gedenken an ihre Schwester Hannel Reutter. Der evangelische Pfarrer von Riedlingen, Martin Elsässer, wird sie erläutern. Eine Besonderheit ist die 15. Station, die Himmelfahrt Christi. Sie gibt den auf die oberschwäbische Landschaft vom Donautal bis zum Bussen frei. Die Begehung, die jedes Jahr viele Besucher anzieht, findet bei jedem Wetter statt.

© Schwäbische Zeitung - 05.04.2012

Künstler und Theologe erläutern den Kreuzweg

Gerold Jäggle und Martin Elsässer interpretieren die 15 Stationen

Herbertingen (sz) - Zum 12. Mal findet am Karfreitag, 6. April, die Kreuzwegbegehung statt. Pfarrer Martin Elsässer von der evangelischen Kirche Riedlingen wird mit dem freien Bildhauer Gerold Jäggle aus Ertingen die Stationen des Kreuzwegs erläutern und interpretieren. Treffpunkt ist um 17 Uhr beim kleinen Bahnhof am Denkemerweg.

Die 15 Stationen wurden 2001 von Lilly Jordans gestiftet im Gedenken an ihre Schwester Hannel Reutter. In vielen Gesprächen, auch mit dem damaligen Bürgermeister Siegfried Abt, konnte mit Gerold Jäggle ein namhafter Künstler gefunden und für die 15 Kreuzwegstationen entlang des Weges vom Bahnhof Herbertingen-Ort zum Schandenkreuz ein passender Aufstellungsort von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden. Dieses Werk von Gerold Jäggle ist in Kunstkreisen bekannt und wird auch von Kunstliebhabern sehr gerne besucht.

Als freier Bildhauer hatte Jäggle in der Region schon einige Skulpturen geschaffen. In Herbertingen steht zum Beispiel „Stier mit Mann“ als eines seiner ersten Werke vor der Rinderunion Baden-Württemberg. Eine Besonderheit des Herbertinger Kreuzwegs ist die 15. Station, die Himmelfahrt Christi. Sie ist der Abschluss des Weges, der einen Hang hinaufführt und zunehmend den Blick auf die oberschwäbische Landschaft öffnet. Die herrliche Lage des Kreuzwegs wurde ermöglicht durch ein Grundstück, das die Gemeinde zur Verfügung gestellt hat.

Österliche Eindrücke vermittelt die Führung entlang des Kreuzweges in Herbertingen. Foto: Archiv/daf

© Schwäbische Zeitung - 05.04.2012

Kirchen bitten um sachliche Klinik-Debatte

Dekane schreiben offenen Brief an die Bevölkerung – Tarifabschluss ändert Defizit nicht

Von Constanze Kretzschmar

Biberach - Einige Kreisräte hätten Angst gehabt bei der Kreistagssitzung am Freitagnachmittag, bei der es um die Zukunft der Kliniken im Kreis Biberach ging. Das schildert der evangelische Dekan Hellger Koepff. Die Kreisräte mussten durch eine aufgebrachte Menge von Bürgern ins Landratsamt gehen, Demonstranten pfiffen mit Trillerpfeifen, einige beschimpften die Räte und die Mitarbeiter der Verwaltung. Diese Art, zu protestieren und die Art zu diskutieren hat Koepff und seinen Kollegen von der katholischen Kirche nun bewogen, einen offenen Brief zu schreiben. Darin bitten die Kirchenvertreter darum, die Klinikdiskussion sachlich zu führen. „Protest gehört zur Demokratie“, sagt der katholische Dekan Sigmund Schänzle. „Aber der Ton macht die Musik.“

Die anonymen Anzeigen, Leserbriefe und das Verhalten bei der Kreistagssitzung hätten die Kreisräte und andere Personen verunglimpft, sagt der evangelische Dekan Hellger Koepff. „Es muss zwischen Person und Sache unterschieden werden.“ Er könne nachvollziehen, wenn man inhaltlich unterschiedlicher Ansicht sei. Dabei solle man aber nicht soweit gehen, andere Menschen zu verunglimpfen und zu beschimpfen.

Es ist aus der Sicht der Dekane wichtig, sachlich zu diskutieren und nicht emotional. Schließlich verstellten Emotionen oft den Blick auf eine Sachlage.

Inhaltlich positionieren sich die Dekane nicht. Beide sagen, dass sie sich kein Urteil darüber erlauben, ob es nun sinnvoller sei, eine Klinik in Biberach zu haben oder drei Krankenhäuser im gesamten Kreis. Auch zur Privatisierung äußern sie sich nicht.

Am Sonntag hatte sich der katholische Pfarrer in Riedlingen zur Diskussion geäußert. Damit habe der offene Brief aber nichts zu tun, sagt Schänzle. „Wir haben Meinungsfreiheit auch in der Kirche.“ Es ginge ihm und Koepff nur um die Dialogkultur.

Klinik hatte Tarif erwartet

Unterdessen belastet der Tarifabschluss im öffentlichen Dienst die Kliniken Landkreis Biberach GmbH nicht mehr als erwartet. „Wir haben das in dieser Größenordnung eingeplant“, sagt Ralf Miller, Geschäftsführer der Kliniken Landkreis Biberach GmbH. Die nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes Beschäftigten bekommen zum März 3,5 Prozent mehr, ihre Gehälter werden im kommenden Jahr nochmals erhöht. Insgesamt steigen ihre Löhne um 6,3 Prozent.

Dies sei so ähnlich wie bei den Ärzten, sagt Miller. Deshalb sei man bei den Berechnungen der Lohnkosten von einer ähnlichen Steigerung ausgegangen.

Ihre Kosten deckt die Klinik aus den Fallkostenpauschalen, die jeweils mit dem Landesbasisfallwert multipliziert werden. Dieser Landesbasisfallwert wurde in den vergangen Jahren regelmäßig erhöht, in diesem Jahr um 50 Euro auf 3020 Euro. Das bedeutet eine Steigerung um 1,7 Prozent. „Daran kann man die Diskrepanz sehen“, sagt Miller mit Blick auf steigende Lohnkosten und die nicht genauso stark steigenden Erstattungen durch die Krankenkassen. Schließlich muss die Steigerung des Landesbasisfallwerts auch andere Effekte ausgleichen, zum Beispiel die wegfallende Pflegerate.

Die Kliniken Landkreis Biberach GmbH hat im Jahr 2011 ein Defizit von etwa 9,5 Millionen Euro erwirtschaftet, bei einem Gesamthaushalt von etwa 85 Millionen Euro. Der Kreistag wird voraussichtlich Mitte Mai entscheiden, wie es mit dem kreiseigenen Unternehmen weitergeht. Im Wortlaut / Kreisseite

Ausdruck des Protests: Mehrere Transparente hingen ein Wochenende lang im Eingangsbereich der Laupheimer Kreisklinik.SZ-Foto: Schick

© Schwäbische Zeitung - 04.04.2012

Kinder schauen sich den Friedhof an

In Wain haben Kinder Kirche mal anders erlebt

Wain (sz)
- Ein etwas anderes Programm als sonst, haben 25 Jungen und Mädchen erlebt, die den Kinderkirchgottesdienst in Wain besuchten. Als Einstimmung auf den Karfreitag wurden die überraschten Kinder, nach der gewohnten Liturgie im Gemeindehaus, zum Wainer Friedhof geführt.

Auf dem Friedhof wurde der Kindergottesdienst fortgesetzt. Den Kindern wurde der grundsätzliche Aufbau des Friedhofes erklärt. So ist der Wainer Friedhof, wie viele andere Friedhöfe auch, in rechteckiger Form gehalten. Die zwei Wege darin schneiden sich in der Mitte und bilden so ein Kreuz. Im Zentrum des Kreuzes – genau an der Stelle, an der sich die Wege kreuzen – steht ein hohes Steinkreuz mit einer Inschrift aus Römer 14,8: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“

Es wurde auch auf die Besonderheit aufmerksam gemacht, dass auf dem Wainer Friedhof die meisten Gräber mit dem Fußende nach Osten zeigen. Dies wird so eingerichtet, damit die Verstorbenen bei der Wiederkunft Jesu, die im Osten, in Jerusalem, stattfinden wird, gleich in die entsprechende Richtung schauen können.

Die Kinder durften die Grabsteine betrachten und sollten dabei auf die abgebildeten Symbole achten. So stehen zum Beispiel Getreideähren für ein erfülltes Leben des Verstorbenen und weisen auf das biblische Gleichnis des Sämanns hin.

Auf den Stufen der Aufbahrungshalle hörten die Kinder aus der Kinderbibel die Geschichte von der Verurteilung Jesu. Schneller, als es den meisten lieb war, neigte sich der Gottesdienst dem Ende entgegen. Bevor man sich aber wieder auf den Heimweg machte, wurden die Kinder noch gefragt, warum denn das zentrale Steinkreuz leer sei. Was diese schnell mit dem Symbol für Jesu Auferstehung in Verbindung brachten.

Die Wainer Kinder haben sich während des Kindergottesdienstes die Symbole auf den Grabsteinen genauer angesehen. Foto: pr

© Schwäbische Zeitung - 03.04.2012

Marc Marshall plaudert über seinen Weg zur Religion

Toni Marshalls Sohn zeigt in einem Podiumsgespräch seine offene, ehrliche, aber auch streitbare Seite

Von Wolfgang-Amadeus Müller

Biberach - Das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg hat zusammen mit dem Dekanat Biberach zum Gesprächsabend mit Marc Marshall eingeladen. Innerhalb der Luther Dekade wollte sich der Redakteur Alexander Schweda mit dem Sohn von Toni Marshall über die Verbindung von Glaube und Musik unterhalten.

Rund 130 Gemeindemitglieder erfuhren, wie Marc Marshall seinen Weg in die Musik gefunden hatte. Geistliche Musik führte ihn schließlich zum Thema Glaube. Als er ein Erlebnis wiedergab, in dem er in einer Phase der Schwäche Ruhe und Einkehr in einer Kirche suchte, aber dort vertrieben wurde, weil geschlossen werden sollte, mahnte er die Kirche an, sich mal wieder Gedanken zur Gastfreundschaft zu machen. Im Publikum entstand zustimmendes Raunen.

Marc Marshall vertrat vehement die Meinung, dass Musik für die menschliche Gesellschaft überaus wichtig sei, aber keine Veränderung herbeiführe. Eine Zuhörerin widersprach ihm. Die amerikanische Sängerin Joan Baez meine hierzu: „Mit Musik kann man keine Revolution machen, aber auch nicht ohne sie.“

Dekan Hellger Koepff lud gegen Ende die Anwesenden zum gemeinsamen Singen ein. Ein zentrales Thema des Abends waren Lieder zur Oster- und Passionszeit, über die die Leser der Schwäbischen Zeitung zuvor abgestimmt hatten. Dritter Sieger war „Christ ist erstanden“, zweiter war „Hallelujah“ und den ersten Platz erhielt „O Haupt voll Blut und Wunden“. Der siebenköpfige Projektchor des Dekanats unter der Leitung des Bezirkskantors Jürgen Berron trug die Siegertitel in ergreifender Tiefe vor und führte später die Gemeinde mitsamt dem Hauptgast Marc Marshall in das Abschlusslied.

Marc Marshall im Gespräch mit Alexander Schweda.Foto: Thomas Warnack

© Schwäbische Zeitung - 03.04.2012

Kirchen geht das Geld für St. Martin aus

Beide Konfessionen können nach 2013 keine Mittel zur Sanierung mehr aufbringen

Von Gerd Mägerle

Biberach - Sie ist das Wahrzeichen Biberachs: die Stadtpfarrkirche St. Martin. Wie lange das stolze Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert noch im Herzen der Stadt thront, ist unsicher. Der katholischen und der evangelischen Gemeinde, die in der Gemeinschaftlichen Kirchenpflege für den Unterhalt des Gotteshauses verantwortlich sind, geht das Geld aus. „Die Rücklagen sind mit Abschluss des Projekts ,Sanierung der Elektroanlagen’ Abschluss 2013 ausgeschöpft“, schreibt der evangelische Kirchenpfleger Claus Zülzke im Bericht zum Haushalt 2012 der Gemeinschaftlichen Kirchenpflege, den der Gemeinderat in Stiftungssachen Gemeinschaftliche Kirchenpflege beschlossen hat. Zülzkes katholischer Kollege Thomas Stöhr schildert die Lage ähnlich drastisch: „Der langfristige Erhalt unserer Stadtpfarrkirche (...) wird nur in einem geschlossenen Miteinander realisierbar sein.“

Die Gemeinschaftliche Kirchenpflege steht nach einem längeren Verfahren vor der Anerkennung als Stiftung öffentlichen Rechts durch das Regierungspräsidium Tübingen. Sie ist aber, wie es CDU-Stadtrat Edmund Wiest in der Sitzung formulierte, „eine Stiftung ohne Hemd und ohne Hosen“. Es sei jetzt die große Aufgabe, das nötige Stiftungskapital aufzubringen. „Das bedarf aber eines langen Atems“, so Wiest.

Keine Lösung für Heizung

Fragt sich, wie lange dieser Atem sein darf. Schließlich braucht es in den kommenden Jahren für die Sanierung von Heizung, Elektroanlagen und Arbeiten im Außenbereich der Kirche rund 2,5 Millionen Euro. Der Verein Bauhütte Simultaneum hat im Vorjahr begonnen, für diese Sanierungen Spenden zu sammeln, bis der Rechtscharakter der Stiftung endgültig geklärt ist. Rund 60000 Euro sind nach Auskunft des evangelischen Stadtpfarrers Ulrich Heinzelmann bislang zusammengekommen.

Was die Pläne zur Heizungssanierung betrifft, so konnte Heinzelmann den Räten nichts Positives berichten. Das Denkmalamt habe das Anlegen von Wärmeschächten untersagt, weil dadurch archäologisch wertvolle Erdschichten betroffen sein könnten. Und beim Einbau einer Fußbodenheizung müsse nach Ansicht des Denkmalamts ein Aufbau für das Kirchengestühl eingefügt werden, was zusätzliche Kosten verursachen würde, so Heinzelmann. Im April gebe es einen weiteren Termin mit dem Gebietsreferenten des Landesdenkmalamts. „Ich hoffe, dass eine flächige Beheizung der ganzen Kirche möglich ist.“ Es sei natürlich schwierig, Spenden zu sammeln, wenn das Konzept noch nicht klar ist, so Heinzelmann. „Vielleicht haben wir uns fälschlicherweise auch zu sehr auf das Thema Heizung fokussiert.“

Die Gemeinderatsfraktionen regten an, beim Thema Stadtpfarrkirche nicht nur die Heizungssanierung zu sehen. „Wir müssen die Bedeutung der Stadtpfarrkirche insgesamt stärker in den Mittelpunkt stellen, sagte Friedrich Zügel (Freie Wähler). Dies auch vor dem Hintergrund, dass St. Martin für die Gottesdienste wichtiger werde, weil sich die Kirchen aus Kosten- und Personalgründen immer mehr zentralisieren müssen.

Christoph Funk (FDP) forderte eine langfristige Finanzplanung für die Stadtpfarrkirche, „auch mit Fremdkapital“. Es müsse allen klar sein, dass die Substanzerhaltung künftig zentrale Aufgabe vor dem Bau neuer Gebäude sei.

Postkarten-Idyll – aber wie lange noch? Die beiden großen Konfessionen haben in den kommenden Jahren nicht mehr das Geld, um dringende Sanierungen an der gemeinsam genutzten Stadtpfarrkirche St. Martin zu finanzieren.Foto: arc

Wer die Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Martin unterstützen will, kann dies über den Verein Bauhütte Simultaneum tun. Weitere Infos unter www.simultaneum.de.

© Schwäbische Zeitung - 03.04.2012

„Einfach spitze, dass Du da bist“

Hans-Martin Rieger ist nun ständiger Pfarrer in Ertingen und Dürmentingen

Von Michaela Kegel

ERTINGEN/DÜRMENTINGEN - Sehr gut eingelebt hat sich der evangelische Pfarrer Hans-Martin Rieger mit seiner Familie, nachdem er im September 2010 die Pfarrstelle im Bereich Ertingen-Dürmentingen in der Gesamtkirchengemeinde Riedlingen übernommen hat. Die Pfarrstelle war ihm im Jahr 2010 von der Württembergischen Landeskirche angeboten worden, nachdem seine Beurlaubung zur Ausübung seiner Lehrtätigkeit an der Universität Jena endete.

Nach eineinhalb Jahren hat sich Rieger nun als ständiger Pfarrer auf die Stelle Ertingen-Dürmentingen beworben und wurde am vergangenen Sonntag durch Dekan Hellger Koepff in sein Amt eingeführt. Mit der Investitur ist Hans-Martin Rieger nun auf Lebenszeit bei der evangelischen Landeskirche angestellt. Dieses Ereignis wurde von der ganzen Kirchengemeinde im Beisein vieler Gäste, seiner Amtskollegen, seiner Familie und dem Kirchengemeinderat der Gesamtkirche Riedlingen voller Freude gefeiert. Dekan Hellger Koepff fragte die Mitglieder des Kirchengemeinderats, die Vertreterin des Kirchenbezirks sowie Pfarrerin Helga Steible-Elsässer und Pfarrer Martin Elsässer, ob sie bereit sind, Rieger als Pfarrer in ihrem Kirchengebiet anzunehmen und ihm zur Seite zu stehen. Die gemeinsame Antwort lautete: „Ja, mit Gottes Hilfe.“

Verpflichtung per Handschlag

Die Amtsverpflichtung Riegers erhielt durch Handschlag Gültigkeit und Dekan Hellger Koepff gab ihm seinen Segen. Dass ein Pfarrer die Kraft für sein Amt nicht aus sich selbst schöpfen könne, erklärte Dekan Koepff, daher solle ihm durch den Segen die Lebenskraft Gottes mitgegeben werden. Als Investiturzeugen sprachen der zweite Vorsitzende der Kirchengemeinde, Paul Lenz, und Kirchengemeinderätin Silke Renz. Dass Rieger die Pfarrstelle mit Leben ausfülle und seine Investitur auch ein „Ja zu unserer Kirchengemeinde“ sei, bestätigte Silke Renz und hatte für diesen Anlass den Psalm 92 „Wie schön ist es dem Herren zu danken“ gewählt.

Dass es wichtig ist, sich stets von Gott leiten zu lassen, unterstrich Paul Lenz mit einem irischen Segenswunsch: „Möge das Ziel, das Du anstrebst, nie weiter sein, als der kürzeste Weg zum Himmel.“ Der Chor der Kinderkirche brachte mit dem Lied „Einfach spitze, dass Du da bist“ das zum Ausdruck, was bei der ganzen Kirchengemeinde spürbar war: Die Freude über Riegers Entscheidung, in Ertingen zu bleiben. Der Bläserkreis sowie Bezirkskantor Jürgen Berron an der Orgel sorgten für die feierliche musikalische Umrahmung des Investiturgottesdienstes am Palmsonntag. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es bei einem Ständerling noch Gelegenheit zum Austausch. Dass er von der Kollegialität und Menschlichkeit in Oberschwaben nicht enttäuscht worden sei, betonte Rieger mit den Worten: „Da wo Gott Gott bleibt, da kann der Mensch auch Mensch sein!“

Amtsverpflichtung durch Handschlag zwischen Dekan Hellger Koepff (links) und Hans-Martin Rieger im Beisein des Kirchengemeinderats der Gesamtkirche Riedlingen. SZ-Foto: Michaela Kegel