© Schwäbische Zeitung - 29.09.2012

Die Theologiestudentin Nadine Quattlender gestaltet den Erntedankgottesdienst. sz-Foto: Dreher

„Schön, wie die Ideen wachsen“

In Ummendorf gestaltet eine Theologiestudentin den evangelischen Erntedankgottesdienst

Von Markus Dreher

Ummendorf - Dass sich der Familiengottesdienst am morgigen Sonntag in der evangelischen Versöhnungskirche Ummendorf um Erntedank dreht, ist keine Überraschung. Das Besondere ist aber dieses Mal, dass die Gottesdienstbesucher außer ihrer Pfarrerin Andrea Luiking ein neues Gesicht zu sehen bekommen – und neue Sichtweisen. Die Theologiestudentin Nadine Quattlender absolviert zurzeit ihr vierwöchiges Pflichtpraktikum in der Kirchengemeinde, sie hat den Gottesdienst vorbereitet und wird ihn zu großen Teilen gestalten. „Da auch eine Taufe ist, kann ich nicht alles selber machen“, sagt die junge Frau. Aber Pfarrerin Luiking hat ihr viel Gestaltungsfreiheit gegeben, worüber die Studentin froh ist.

Mit entsprechendem Ernst und Eifer hat sich Nadine Quattlender der Vorbereitung gewidmet. „Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe“, sagt sie. Nicht nur in die praktischen Arbeiten wie das Gestalten eines Plakats und das Herrichten von Samentütchen hat Quattlender Zeit investiert. Höchst spannend fand die Studentin die Recherchen hier in der Region. Die Aktion „Blühender Landkreis“ symbolisiert für sie gut die doppelte Botschaft: Dankbarkeit für die Ernte und Verantwortung für die Zukunft. „Es geht um Verantwortung für die Schöpfung im Großen und Ganzen, aber auch um die Frage, was wir vor Ort in unserer Nähe tun können – man kann ja schließlich nicht gleich die ganze Welt retten“, sagt Nadine Quattlender. Kinder spüren dem Wachsen nach

Und ein blühender Wegesrand ist eben nicht allein schön fürs Auge, daran hängt anderes Leben. Mehr soll nicht vorab verraten werden, nur noch dies: Außer der Ansprache für die Erwachsenen wird es in dem Gottesdienst viele Elemente für Kinder geben, in denen sie spielerisch dem Wachsen nachspüren. „Sie ist ganz begabt im Umgang mit Kindern, das merkt man gleich“, sagt Pfarrerin Luiking über die Praktikantin.

Das wird Nadine Quattlender zugutekommen, egal für welchen Weg sie sich nach Abschluss des Theologiestudiums entscheiden wird: Pfarramt oder Lehramt in der Schule. „Ich glaube, dass ich bei beidem meine Stärken einbringen kann“, sagt sie. In den ersten zweieinhalb Wochen ihres Praktikums hat sie aber schon gemerkt, dass eine Pfarrstelle „ein erfüllendes Amt ist“, sagt Nadine Quattlender. „Das Schöne an dem Beruf ist, dass man mit vielen Menschen jedes Alters zusammenkommt.“ Selbst die Vorbereitung des Gottesdiensts erfolgt nicht allein am Schreibtisch. Gespräche mit Pfarrerin Luiking, mit dem Landratsamt, mit Kirchengemeinderätinnen – „ich fand es schön, wie die Ideen gewachsen sind“. Was ja zu Erntedank passt.

Für sie als Pfarrerstochter war es nicht ganz neu, aber im Praktikum hat Nadine Quattlender die Vielschichtigkeit des Berufs richtig erlebt. Unterricht in der Schule und für Konfirmanden, Trauer- und Taufgespräche, aber auch die Gremienarbeit wie Sitzungen in Sachen evangelischer Kindergarten mit den katholischen Kollegen und in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Biberach – zu dem Amt gehört viel, „was Außenstehende zum Teil gar nicht so wahrnehmen“. Überall durfte sie die Pfarrerin Luiking begleiten.

Neu war für Quattlender etwas anderes: Sie stammt aus Möckmühl bei Heilbronn, lernt nach einem Semester in Wien jetzt wieder an der Uni Tübingen und „musste Biberach erst mal googeln“, als der Oberkirchenrat sie zum Praktikum ins Oberschwäbische schickte. „Das Spezielle ist hier die Situation der Diaspora“, sagt sie. In Ummendorf selbst ist wegen des starken Zuzugs inzwischen rund ein Viertel evangelisch und Quattlender gefällt gut, dass viele junge Familien darunter sind. Der Sprengel reicht weit

Aber der Sprengel reicht weit über Ummendorf hinaus und ein großer Teil der 2000 evangelischen Christen der Versöhnungskirchen-Gemeinde lebt weit verstreut. Bei den Protestanten sei die Situation, was Pfarrernachwuchs angeht, „weit weniger prekär“ als in der katholischen Kirche – ohne dass Überfluss herrscht. Zu kämpfen habe die Landeskirche mit „Einsparungen, die auch schmerzen“, sagt Quattlender. Kleiner wird der Sprengel der Ummendorfer Pfarrerin wohl eher nicht.

Die Theologiestudentin Nadine Quattlender gestaltet den Erntedankgottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche Ummendorf. Weil vorher noch eine Trauung ist, ist der Altar noch nicht dafür geschmückt. Aber die Sonnenblumen zeigen schon: Es geht ums Wachsen.


© Schwäbische Zeitung - 28.09.2012

Hannelore Winter wird heute als Altenpflegeseelsorgerin eingesetzt. SZ-Foto: bogenrieder-kramer

„Lebengeschichten finde ich spannend“

Hannelore Winter ist die neue Altenpflegeseelsorgerin


Von Carmen Bogenrieder-Kramer

Biberach - In der evangelischen Kirche gibt es eine neue Seelsorgerin für das Bürgerheim und das Kreispflegeheim. Hannelore Winter übernimmt einen Teil des Dienstauftrags, den Friedrich Lechner innehatte. Heute wird ab 15.30 Uhr im Mehrzweckraum des Bürgerheims ihre feierliche Einsetzung gefeiert. Zusammen mit Dekan Hellger Koepff sowie den beiden Zeugen Dr. Elisabeth Schepers und Tobias Schüle soll der Einführungsgottesdienst gefeiert werden. Die Bevölkerung ist hierzu eingeladen.


Hannelore Winter kommt aus der Nähe von Darmstadt und lebt mit ihrer Familie seit 2003 in Biberach. Nach ihrer ersten Ausbildung zur Erzieherin studierte sie Religionspädagogik an der Fachhochschule Darmstadt. Anschließend arbeitete sie in verschiedenen Bereichen, zuletzt in Bad Waldsee im Schuldienst. Diese Aufgabe als Religionslehrerin möchte sie neben ihrer Halbtagsstelle im Kirchenbezirk Biberach weiterhin ausüben. Sie hat deshalb ihre Stundenzahl reduziert. „Ich war und bin gerne mit alten Menschen zusammen“, sagt Hanne Winter mit Blick auf ihr neues Betätigungsfeld.

Projekte für Schüler und Ältere

Lebensgeschichten findet sie spannend, sagt sie, und Dialoge wichtig. Jeder könne aus den Lebenserfahrungen älterer Menschen lernen. Deshalb erklärt sie: „Ich möchte, dass auch und gerade alte Menschen einen Platz in der Gesellschaft haben.“ Wie sie diese Zielsetzung konkret in ihrem neuen Arbeitsfeld umsetzen kann, weiß sie noch nicht. Dazu möchte sie erst alles kennen lernen. Sicher ist, dass Hannelore Winter im Besuchsdienst, in der seelsorgerischen Begleitung und bei den Gottesdiensten tätig sein wird. Darüber hinaus hat sie schon einige weitere Ideen. Etwa könnte sie es sich vorstellen, ihre beiden Arbeitsschwerpunkte Schule und Bürgerheim in einem gemeinsamen Projekt zusammenzubringen und Gesprächskreise anzubieten. Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten möchte Hannelore Winter auch beibehalten. Sie ist Kirchengemeinderätin in der Versöhnungskirche in Ummendorf. Dort leitet sich auch das Kindergottesdienstteam und zusammen mit einer Kollegin den offenen Frauentreff. Zudem organisiert sie zusammen mit dem katholischen Kinderkirchteam die Kinderbibeltage, die am 29. und 30. Oktober in Rißegg stattfinden.

Hannelore Winter wird heute als Altenpflegeseelsorgerin eingesetzt. SZ-Foto: bogenrieder-kramer

© Schwäbische Zeitung - 28.09.2012

Kantorei bietet Ausbildung zum Organisten an

Riedlingen (sz) - Die Evangelische Landeskirche bildet in den Kirchenbezirken durch die Bezirkskantoren geeignete Jugendliche und Erwachsene zu Organisten und Chorleitern aus. Die Ausbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren. In diesem Zeitraum erhalten die Interessenten wöchentlich Orgelunterricht. Neben dem Hauptfach gehören Grundlagen in Musiktheorie, Hymnologie (Kirchenliedkunde), Liturgik und Kirchenmusikgeschichte zur Ausbildung, die mit dem Befähigungsnachweis (Vorspiel und Kolloquium) endet. Der Befähigungsnachweis kann in den Fächern Orgel, Keyboard, Gitarre, Chorleitung, Popchorleitung, Kinderchorleitung, Bläserchorleitung abgelegt werden. Der Orgelunterricht findet in der Christuskirche in Riedlingen und in der Dreifaltigkeitskirche in Biberach statt.

Interessenten wenden sich an Bezirkskantor Jürgen Berron Telefon 07373/921689. Informationen finden sie auch auf der Homepage des Evangelischen Kirchenbezirks Biberach www.kirchenbezirk.biberach.elk-wue.de.

© Schwäbische Zeitung - 27.09.2012

Gottesdienst am Tag der Flucht

Biberach (sz) -
Ein ökumenischer Gottesdienst am Tag des Flüchtlings mit anschließendem Abend der Begegnung wird am Freitag, 28. September, 18 Uhr, in der Evangelischen Spitalkirche Biberach angeboten. Gestaltet wird er vom Freundeskreis Asyl unter Mitwirkung von Pfarrer Matthias Ströhle,  Diakon Damian Walosczyk, dem Migrationsdienst der Caritas, dem Sozialdienst Asyl und Flüchtlingen aus den Asylbewerberunterkünften im Landkreis.

© Schwäbische Zeitung - 20.09.2012

Einen Sack Kartoffeln durften die Kinder bei der Ernte mitnehmen.Foto: privat

Herzen leuchten bei der Kinderwoche

Mitarbeiterteam stemmt das Projekt für 80 Kinder und bereitet ihnen jede Menge Freude

Bad Schussenried (sz) - Die Kinderwoche rund um die evangelische Christuskirche Bad Schussenried hat ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. „25 Jahre Kinderwoche oder die erste ohne Frau Pfarrerin Moser“, so beschrieb es ein Mädchen zu Beginn treffend. Dass die Kinderwoche überhaupt ohne Pfarrer stattfinden konnte, das lag auch an dem bereits im Mai gebildeten Leitungsteam, bestehend aus Beate Walaschek-Leube, Anuschka Kiess und Manuela Weishaupt. Das Team musste im Vorfeld etwa Genehmigungen für die Wanderungen einholen, Sponsoren suchen oder Einsatzpläne erstellen.

Unter dem Motto „Leuchtende Herzen“ war es dann endlich so weit. Nach einem Begrüßungsgottesdienst, der von Pfarrer Dr. Ulrich Mack gehalten wurde, stürzten sich rund 80 Kinder auf die 17 Bastelangebote der Mitarbeiter. Jeder konnte den ganzen Tag von einem Angebot zum anderen gehen. Im Backhäusle konnten die Kinder für 50 Cent ihre eigene Dinnete backen. Den Erlös spendete die Betreiberin der Kirche.


Am Dienstag ging es bei der Wanderung zur oberen Waldhütte, wo eine Waldpädagogin etwas für die Kinder vorbereitet hatte. So durfte jeder Waldutensilien wie Tannenzapfen, Gräser, Moose und Zweige sammeln. Aus denen wurde dann ein Barfußpfad gestaltet. Ehrensache, dass anschließend alle, auch die Erwachsenen, den Pfad mit verbundenen Augen ausprobierten und erraten mussten, worauf sie gingen.

Pfingsten als Theaterstück

Die biblische Pfingstgeschichte als Theaterstück stand im Zentrum des Mittwochs. Im Gottesdienst spielten zehn Kinder die biblische Erzählung, die von der katholischen Gemeindereferentin Elvira Schlichting in Szene gesetzt und von Thomas Bollinger musikalisch begleitet wurde. Als Gemeinschaftsaktion bastelten die Kinder dann Teelichter aus alten Weckgläsern unter dem Motto der Kinderwoche „Leuchtende Herzen“. Am Nachmittag durften sich die Kinder nochmals an die 17 Bastelangebote vom Montag wagen. Freudig überrascht war man über den spontanen Besuch von Pfarrerin Dorothee Moser, die aus Kirchheim unter Teck anreiste und sich für die Mühe aller Mithelfenden bedankte. Abends gab es zwar keine Übernachtung wie in den vergangenen Jahren. Dennoch kamen rund 70 Kinder zum Abendessen undStockbrotgrillen am Lagerfeuer mit Bäckermeister Eugen Weishaupt. Nachdem aus den gebastelten Teelichtern ein großes Herz im Atrium der Kirche gebildet und im Schein der Kerzen gesungen wurde, durften die Kinder dann einen Film im Gemeindesaal anschauen. Bis 22 Uhr lachte und kicherte es aus dem „Kinosaal“, bis die Eltern ihre Kinder abholten.

Am Donnerstagnachmittag begeisterte ein Zauberer die Zuschauer. Am Freitag führte eine Wanderung zum Kartoffelhof Daiber nach Sattenbeuren. Alle hatten viel Spaß bei der Kartoffelernte auf dem Feld und staunten über die Erntemaschinen und die riesige Lagerhalle.

Der Gottesdienst am Sonntag mit dem Theaterstück beendete die diesjährige Kinderwoche. Es gab viel Beifall und Dank für die Helfer, die dafür gesorgt hatten, dass alles reibungslos funktionierte. Beim Mittagessen saß man lange zusammen und genoss das Wetter. Die lachenden Gesichter und die Frage nach der Kinderwoche 2013 sind der größte Dank für die Arbeit rund um die Kinderwoche – da waren sich alle Mitarbeiter einig.


Einen Sack Kartoffeln durften die Kinder bei der Ernte mitnehmen.Foto: privat

© Schwäbische Zeitung - 20.09.2012

Christoph Zehendner moderiert die Diskussion.Foto:

Juden, Christen und Muslimesprechen über das Paradies

Landkreis lädt zu Podiumsgespräch nach Schussenried

Bad Schussenried (sz) - Wie muss sich der Gläubige die Ewigkeit vorstellen? Im 18. Jahrhundert war die katholische Position eindeutig: In Aussicht gestellt wurde ein heiteres, farbenfrohes Paradies – in Form eines farbenfrohen Schauspiels prägt diese Idee etwa das berühmte Deckenfresko des Schussenrieder Bibliothekssaals. Unter diesem Deckengemälde kommen am Donnerstag, 4. Oktober, ab 19 Uhr Vertreter verschiedener Religionen und Konfessionen ins Gespräch. Unter dem Titel „So stell’ ich mir das Paradies vor – Theologisches zur Ewigkeit“ unterhalten sich Dr. Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Dr. Johannes Kreidler, Weihbischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Muhittin Soylu, Vorsitzender der Islamischen Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg, und Netanel Wurmser, Landesrabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. Behandelt werden Fragen wie: Wie stellen sich die Religionen das Paradies vor? Wo liegen Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede zwischen den Ewigkeitserwartungen der drei Religionen? Die Moderation übernimmt der Journalist und Theologe Christoph Zehendner.

„Das Podiumsgespräch richtet sich nicht an Wissenschaftler, sondern an die breite Öffentlichkeit“, lädt Landrat Dr. Heiko Schmid zur Veranstaltung. Der Eintritt ist frei.


Das Podiumsgespräch findet im Rahmen der Ausstellung „Im Zeichen der Ewigkeit“ statt, die der Landkreis Biberach bis 21. Oktober im Kloster Schussenried präsentiert. Partner sind das katholische Dekanat Biberach und der evangelische Kirchenbezirk Biberach.

© Schwäbische Zeitung - 20.09.2012

So halten es die Kandidaten mit der Kirche

Bei der Podiumsdiskussion im Martin-Luther-Haus äußern sich die Bewerber zu Kirche, Kindergärten und Sozialem

Von Gerd Mägerle

Biberach - Wenn das Interesse an den Veranstaltungen zur OB-Wahl auf die Wahlbeteiligung am 30. September schließen lässt, dann sollte Biberach einen guten Wert erreichen können. Denn bei der gemeinsamen Podiumsdiskussion von evangelischer und katholischer Kirche im Martin-Luther-Haus war der Besuch wie schon bei den vorangegangenen Kandidatenvorstellungen in der Stadthalle und den Teilorten hoch. Für 250 Gäste war gestuhlt, rund 300 kamen, um zu erfahren, was die fünf Kandidaten Uli Stöckle, Markus Gensior, Norbert Zeidler, Oliver Reken und Walter Zerb zu kirchlichen und sozialen Themen zu sagen hatten. Moderiert wurde der Abend von Peter Niedergesäss, Diözesansekretär des Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Behandelt wurden an diesem Abend die drei Themenblöcke Kindergartensituation, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und Integrationskonzept sowie die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kirchengemeinden. Der evangelische Dekan Hellger Koepff, der evangelische Pfarrer Peter Schmogro und der katholische Stadtpfarrer Kaspar Baumgärtner führten mit Kurzreferaten in die jeweiligen Themen ein und stellten Fragen an die Kandidaten.

Die SZ stellt im Folgenden zusammengefasst die wichtigsten Positionen der einzelnen Bewerber dar.



Stöckle will mehr Sozialwohnungen

Uli Stöckle ist evangelisch und sagt, dass ihm christliche Werte sehr wichtig sind. Die Kirche, speziell die Pfarrer ermunterte er, kritische Themen anzusprechen – auch beim Schützenfest. Er wünscht sich für die Zusammenarbeit von Stadt und Kirchen eine Koordinationsstelle. Die Kindergartenverwaltung möchte er als OB in seinem Dezernat belassen und Gebühren für Kindergärten am besten komplett abschaffen. Weiterhin befürwortet er Kindergärten in freier Trägerschaft: „Die Stadt darf nicht alles allein bestimmen.“ Im Bereich des sozialen Wohnungsbau müsse die Stadt dringend etwas tun. Konkret schlug er zwei Häuser in der Zwingergasse vor, die sich dafür eigneten. „Warum verpflichten wir Bauträger nicht einfach, dass 20 Prozent der Baumasse Sozialwohnungen werden müssen?“ Die Hospitalstiftung sehe er als ein Unternehmen an, „das man mal kritisch beleuchten müsse.“ (gem)

 


Gensior sieht Stadt als Dienstleister

Markus Gensior ist katholisch, hatte in der Schule den Berufswunsch Pfarrer („bevor die Frauen dazwischen kamen“) und steht zu den christlichen Werten. Auch er möchte die Zuständigkeit für die Kindergärten beim OB belassen und die Gebühren dafür abschaffen. Die Stadt müsse Dienstleister für Eltern und Kinder sein. Er wolle die Stadt so umbauen, dass alle Altersgruppen, Menschen mit Behinderung und Migranten gut zusammenleben können. „Dazu braucht es eine andere Infrastruktur als heute.“ Das Integrationskonzept der Stadt sei hierbei ein wichtiger Punkt. Er strebe eine enge Zusammenarbeit mit den Kirchen an, auch um die Angebote, die vielfach von Ehrenamtlichen getragen werden, weiterführen zu können. Für soziale Härtefälle, die in der Stadt von Obdachlosigkeit bedroht sind, müsse die Stadt kurzfristig entsprechenden Wohnraum anmieten, sagte Gensior. (gem)


Zeidler will sich einbinden lassen

Norbert Zeidler ist katholisch, „das versuche ich auch meinen Kindern zu vermitteln“. Die christliche Symbolik sei für ihn elementar. Im Kindergartenbereich spricht er sich für freie Trägerschaft aus. Die Zuständigkeiten für die Kindergärten wolle er als OB bei sich behalten. Bei den Gebühren sei er „ein Freund familienfreundlicher Lösungen“. Mit den Beiträgen solle Qualität in den Kindergärten geschaffen werden. Was in Sachen Integration in Biberach geschaffen worden ist, sei „klasse“. Die Zusammenarbeit im sozialen Bereich wolle er auf breitere Beine stellen und dazu auch die Fachleute der Kirchen ins Boot holen. Er werde Sonn- und Feiertage im Sinne der Kirchen achten: „Keine kommunale Veranstaltung soll vor 11 Uhr beginnen.“ Er unterstütze das ehrenamtliche Engagement der Kirchen, so Zeidler, und lasse sich gerne in dieses einbinden. Dass die Rolle der Hospitalstiftung rechtlich geprüft werde, halte er für gut. (gem)

 


Reken will kleine Wohnungen schaffen

Oliver Reken ist evangelisch getauft, hat die Kirche aber verlassen, weil er mit einer Personalentscheidung vor Ort nicht einverstanden war. Er wolle im Falle seiner Wahl die Zuständigkeit für die Kindergärten in seinem Dezernat belassen. Reken spricht sich für einkommensabhängige Kindergartengebühren aus, die auch die Zahl der Kinder berücksichtigen müssten. „Sollte es möglich sein, würde ich die Gebühren ganz abschaffen.“ In der Stadt fehle es vor allem an kleinen Wohnungen. Dieses Problem wolle er zusammen mit dem Baubürgermeister und Bauträgern angehen. Das Integrationskonzept der Stadt beinhalte viele Maßnahmen, die mit Leben gefüllt werden müssten. Dabei wolle er auch Caritas und Diakonie mit einbinden. Beim Hospital empfehle er einen Blick in die Stiftungssatzung: „Da finden wir Punkte, die im Moment nicht erfüllt werden“, meint Reken, ohne näher ins Detail zu gehen. (gem)

 


Zerb wünscht sich Aufschrei der Kirchen

Walter Zerb ist katholisch getauft, ist mittlerweile aber ausgetreten, „weil ich Probleme mit der Amtskirche hatte und immer noch habe.“ Christliche Werte seien für ihn aber wichtig. „Leider werden sie allzu oft mit Füßen getreten.“ Auch Zerb will als OB Herr über die Kindergärten bleiben und bekennt sich zur Vielfalt der Trägerschaft. Ihm wäre am liebsten, wenn es keine Kindergartengebühren gäbe. Er werde sich in Zusammenarbeit mit der Baugenossenschaft für sozialen Wohnungsbau stark machen. Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund erachtet er als wichtig, „damit keine Parallelgesellschaften entstehen“. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kirchen funktioniere teilweise nicht gut, „weil die Stadt an der Kirche vorbei agiert“. Er wünsche sich viel öfter einen Aufschrei der Kirchen, wenn es darum gehe, soziale Projekte durchzusetzen, sagt Zerb. (gem)


© Schwäbische Zeitung - 20.09.2012

Schweizer Musiker spielen in der Heilig-Geist-Kirche

Zum 350-jährigen Bestehen der Kirche tritt das Casal-Quartett auf


Biberach (sz) - Eines der erfolgreichsten und international renommiertesten Schweizer Streichquartette konzertiert zum Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 350-jährigen Bestehen am Samstag, 22. September, um 20 Uhr in der Biberacher Heilig-Geist-Kirche. Wie der Veranstalter mitteilt, überzeugte das Quartett in mehr als 1200 Konzerten weltweit in erster Linie durch seine stilistische Vielfalt und emotionale Durchdringung von Musik.

Mittlerweile veranstalten Mitglieder des Ensembles drei eigene Festivals, in denen sie ihre Vision von innovativem, lebendigem und emotionalem Konzertieren umsetzten.

Die Heilig-Geist-Gemeinde hat das hochkarätige Streichquartett für die Feierlichkeiten engagiert. Die vier Musiker sind Daria Zappa (1. Violine), Rachel Späth (2. Violine), Markus Fleck (Viola) und Andreas Fleck (Cello). Die Musiker spielen Henry Purcells Fantasia, Georg Philipp Telemanns Sonata V, Wolfgang Amadeus Mozarts Quartett C-Dur (KV 465) und von Darius Milhaud das Streichquartett Nr. 1 von 1912. Das Programm führt musikalisch durch die Jahrhunderte, die hinter der 350 Jahre alten Heilig-Geist-Kirche liegen.

Renommiertes Streichquartett: Das Casal-Quartett kommt aus der Schweiz nach Biberach. Foto: privat

© Schwäbische Zeitung - 19.09.2012

Besucher strömen zur 350-Jahr-Feier

Zum Festgottesdienst ist die Kapazität der Heilig-Geist-Kirche ausgelastet

Von Wolfgang-Amadeus Müller

Biberach - Die älteste evangelische Kirche Biberachs erfährt in ihrem 350. Jahr wieder einen Teil der Bedeutung, der ihr aufgrund ihrer Historie zusteht. Im Festgottesdienst wurden die Wurzeln der Kirche vor allem in den Texten des Birkendorfer Pfarrers Ulrich Weber einer großen Besucherzahl präsentiert, die sich aus der Bevölkerung und einigen politischen Vertretern zusammensetzte.

Als dann die aus Ulm angereiste Prälatin Gabriele Wulz in ihrer Predigt den Bogen vom gemeinsamen Friedensgedanken der Christen in der alten Reichsstadt zur Bedeutung dieser Kirche im heutigen Gemeindeleben spann, da focht sich zeitgleich sogar die Sonne durch den morgendlichen Nebel und hinterließ ein spannendes Lichterspiel im ebenfalls mit Besuchern prall gefüllten Chorgestühl.

Zum Abschluss ihrer Predigt empfahl sie den Gemeindegliedern die Kirche mit dem Wunsch: „Dass Sie Freude haben an den Gottesdiensten in Ihrer Heilig-Geist-Kirche, die unter ihrem Alter schon etwas ächzt und stöhnt. Die aber gebraucht werden kann und gebraucht werden will. Von Ihnen. Für Ihr Leben.“

Exzellente Liedauswahl

Musikalisch begleitet wurde der Festgottesdienst durch den Ochsenhauser Kammerchor „Tritonus“ unter Leitung von Klaus Brecht und an der Orgel hervorragend unterstützt durch Kantor Ralf Klotz. Der Chor füllte mit seiner exzellenten Liedwahl die kleine Kirche mit einer sangestechnischen Wucht, dass den Besuchern so mancher Schauer über den Rücken lief.

Die Besonderheit dieser Kirche im Leben der Stadt zeigte sich dann wieder, als auf Einladung der Gesamtkirchengemeinde (großzügig gesponsert unter anderem durch den Hospital) eine kostenlose „Speisung“ mit einem leckeren Mahl (zubereitet durch die Dornahof Integrationsbetriebe aus Riedlingen) im Innenhof des Spitals angeboten wurde.

Biberachs Erster Bürgermeister Roland Wersch, gleichzeitig auch Hospitalverwalter, verwies in seiner Rede auf die gemeinsamen Wurzeln (äußeres und inneres Spital) und uneingeschränkte Bereitschaft, gemeinsam im Sinne der Bürger aktiv zu werden: „Unser gemeinsames Handeln ist durch den Geist der Zusammenarbeit geprägt, und auch wenn es manchmal unterschiedliche Meinungen gibt – letztendlich stehen wir doch für eine gemeinsame Kirche.“

Die Heilig-Geist-Kirche platzte beim Gottesdienst vor Besuchern schier aus den Nähten. sz-Foto: müller

© Schwäbische Zeitung - 19.09.2012

Fettback-Verabschiedung
Mehr als 26000 Euro für das Simultaneum

Biberach (gem) - 26264,92 Euro sind bei der Abschiedsfeier für den früheren OB Thomas Fettback am 30. Juni an Spenden für den Verein Bauhütte Simultaneum zusammengekommen. Dies teilte Vorstandsmitglied Hans Beck der SZ gestern mit. „Die Bauhütte ist Herrn Fettback zu großem Dank verpflichtet, weil er zum ersten auf sein Geschenk seitens der Stadt verzichtet hat und zum zweiten alle Besucher seiner Verabschiedung gebeten hat, für die Bauhütte zu spenden“, so Beck. Das Geld kommt der Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Martin zugute

 

© Schwäbische Zeitung - 18.09.2012

Viel Lob für die Integrationsarbeit

25 Jahre Integrationsbetriebe in Bad Buchau – Erfolgreiche Arbeit am Markt

Von Klaus Weiss

Bad Buchau - Mit einen „Tag der offenen Tür“ hat die Dornahof Integrationsbetriebe GmbH am Samstag ihren 25. Geburtstag gefeiert. Zahlreiche Gratulanten, darunter auch die gesamte Belegschaft, nahmen an dem Festakt im Festzelt neben der Betriebsstätte im Bad Buchauer Industriegebiet Kappel teil.

Dornahof-Vorsitzender Albrecht Weil hielt Rückschau über die Gründungszeit und die schwierige Aufbauarbeit. Mit drei Mitarbeitern begann 1987 der Betrieb im ehemaligen Buchauer Bahnhof, der vom Kreis hergerichtet und dem Verein „Vegab“ kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Mit dem Neubau einer Werkhalle in Kappel 1995 verlangte das Wachstum des Integrationbetriebs professionellere Strukturen. Im Dornahof wurde ein geeigneter Kooperationspartner gefunden. Seit 2000 leitet nun Maximilian Pfarr die Bad Buchauer Präzisionstechnik und er verdiene mehr als nur Dank, so Weil. Er habe sowohl das betriebliche Wachstum bestens gemeistert, als auch die Beschäftigten zu einem schlagkräftigen Team geformt. Zum benachbarten Unternehmen Kessler gebe es sowohl geschäftlich als auch persönlich sehr gute Beziehungen, die mit dem Ausbildungsverbund 2007 vertieft wurden. 2007 ist als zweites Standbein die Riedlinger Großküche in Betrieb gegangen.

„Warum baut die Kirche einen Integrationsbetrieb auf ?“, fragte Dekan Hellger Koepff in seiner Festrede. Ob es zum kirchlichen Auftrag gehört, einen Metallbetrieb zu unterhalten, könne einfach beantwortet werden: Diakonie und Kirche, so Koepff, gehören nicht nur zusammen, diakonisches Handeln sei wichtiger Teil des Kirche-Seins. Bürgermeister Peter Diesch hob die Bedeutung des Betriebs hervor. Er sei inzwischen zu einem der größten Arbeitgeber in Bad Buchau geworden. Diesch dankte den Verantwortlichen für das Bekenntnis zum Standort.

Glückwünsche überbrachte auch der Vertreter des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales (KVJS) und Leiter des Referats „Integrationsprojekte für schwerbehinderte Menschen“, Bernhard Pflaum. Menschen, für die aufgrund einer Behinderung die Teilnahme am allgemeinen Arbeitsmarkt nicht selbstverständlich sei, würden hier eine Perspektive finden, so Pflaum. Das vor 25 Jahren begonnene Experiment sei eindeutig gelungen.

Zu einem der Top-Lieferanten bei der Firma Kessler hat sich Dornahof in den letzten Jahren entwickelt. Als Betreuer seines behinderten Bruders sei er durchaus mit den Widrigkeiten einer Integration vertraut, dankte Kessler-Geschäftsführer Markus Rehm dem Dornahof für die geleistete Arbeit. Nicht hoch genug bewerten könne man die Leistungen des Dornahofs, meinte Herrmann Kienle vom Landratsamt Biberach. Immerhin müsse sich der Betrieb unter Marktbedingungen behaupten und dennoch seien 34 Menschen mit Behinderung eingestellt. Auch Klaus Kittler vom Diakonischen Werk Württemberg würdigte die Leistungen in Bad Buchau und Riedlingen. Hier zeige sich, was soziale Arbeit zuwege bringen könne: professionelle Dienstleistungen zu marktüblichen Preisen.

Volker Braun, Geschäftsführer der Dornahof Integrationsbetriebe, gab Einblicke in die Integrationsbetriebe, die zwischenzeitlich 90 Mitarbeiter beschäftigen. Rund 45 Prozent der Mitarbeiter seien behindert. Die vom KVJS bereitgestellten Zuschüsse machen jedoch nur etwa sieben Prozent des Haushaltsvolumens aus. Das bedeute: Rund 90 Prozent der Kosten müssen durch Umsatzerlöse erwirtschaftet werden. Inzwischen liege der Jahresumsatz bei rund fünf Millionen Euro.

Bei der Besichtigung der Betriebsstätte (v.l.): Dekan Hellger Koepff, Bernhard Pflaum, Albrecht Weil, Herrmann Kienle und Volker Braun. SZ-Foto: Weiss

© Schwäbische Zeitung - 15.09.2012

Pilgergruppe folgt den Spuren Jesu

Gemeinden der Biberacher Simultankirche besuchten gemeinsam das Heilige Land

Biberach (sz) - Die evangelische und die katholische Kirchengemeinde der Biberacher Simultankirche begaben sich auf einen Pilgerweg ins Heilige Land und unternahmen erstmals den Versuch, im Geist der Ökumene gemeinsam zu den Ursprungsorten des christlichen Glaubens zu pilgern.

Die Pilgergruppe unter der geistlichen Leitung von Pfarrer Kaspar Baumgärtner und Pfarrer Ulrich Heinzelmann besuchte die Orte, die aus der Bibel, Gottesdiensten und dem Religionsunterricht bekannt sind. Den Spuren Jesu folgend, ging es zuerst nach Galiläa und zum See Genezareth, nach Kapernaum und Nazareth. Danach führte der Weg nach Jerusalem. Die vielen bekannten Stationen in der Stadt entlang des Leidenswegs Jesu, der Tempelberg und die Klagemauer beeindruckten die Pilgergruppe. Allein die Grabeskirche mit dem Gedränge der Besuchermassen war für viele eher enttäuschend. Ein Bad im Toten Meer und ein Besuch in Bethlehem gehörten ebenfalls zum Programm. Auch die Spannungen im Miteinander von Israel mit seinen palästinensischen Nachbarn zeigten sich überdeutlich.

Durch die vielen Gespräche, die gemeinsamen Gottesdienste und die Eindrücke an den biblischen Stätten ist die Biberacher ökumenische Pilgergruppe St. Martin zu einer Gemeinschaft geworden. Foto: privat

© Schwäbische Zeitung - 15.09.2012

Im Alter kommen oft Erinnerungen hoch

Studientag hilft Pflegenden, ihre Angehörigen besser zu verstehen

Biberach (sz) - Einen Studientag für pflegende Angehörige und Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen betreuen, findet am Donnerstag, 27. September, in Biberach statt. Bomben und Beschuss, Hunger, Flucht, Verlust und Tod: Viele, die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, die selbst Flucht und Vertreibung und ihre Begleitumstände erfahren oder gesehen haben, konnten all das oder auch die ersten Nachkriegsjahre und ihre Prägungen später nicht mehr vergessen. Im Alter wirken viele Schutzmechanismen des „Vergessen-Könnens“ nicht mehr so gut oder auch gar nicht mehr. Belastende, nicht verarbeitete Erinnerungen und Erfahrungen steigen auf und machen alten Menschen Angst. Sie werden neu durchlebt und lassen die Menschen in der Alten- und Pflegeheimbegleitung überraschend oder befremdlich reagieren.

Der Studientag will dazu beitragen, dass Pflegende sensibel werden für die Botschaften, die von ihnen ausgehen. Er will dazu beitragen, dass es gelingen kann, Menschen besser zu erreichen.

Der Studientag findet am 27. September im Martin-Luther-Gemeindehaus, Waldseer Straße 20, in Biberach statt. Er gliedert sich in Vorträge verschiedener Fachleute zum Thema sowie Gesprächsrunden und Austausch. Teilnahmegebühr inklusive Essen und Getränke zehn Euro pro Teilnehmer.

Anmeldeschluss ist Donnerstag, 20. September. Anmeldung beim Evangelischen Bildungswerk Oberschwaben, Höhengang 11/1, Ravensburg, Telefon 0751/41041, Fax 0751-41042, E-Mail ebo@evkirche-rv.de oder im Internet unter www.ebo-rv.de. Veranstalter sind das Team Evangelische AltenPflegeHeimSeelsorge (APHS) Biberach und Ravensburg, und das Evangelische Bildungswerk Oberschwaben.

© Schwäbische Zeitung - 10.09.2012

In der Metallwerkstatt der Dornahof-Integrationsbetriebe fertigen behinderte und nichtbehinderte Beschäftigte mit modernsten Maschinen Präzisionsteile. Foto: Ingo Rack

Psychisch Kranke bewähren sich in normalen Jobs

Die Dornahof-Integrationsbetriebe in Bad Buchau und Riedlingen gliedern seit 25 Jahren Schwerbehinderte ein

Von Markus Dreher

Bad Buchau/Riedlingen - Seit 25 Jahren ermöglichen die Dornahof-Integrationsbetriebe mit Standorten in Bad Buchau und Riedlingen Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt schlechte Chancen haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sich im Job zu bewähren. Eigentlich soll jede normale Firma Schwerbehinderte beschäftigen. Doch die meisten Unternehmen der freien Wirtschaft befreien sich von dieser Pflicht, indem sie eine Abgabe bezahlen. Eine Alternative stellen die Werkstätten für behinderte Menschen dar. Sie leiten Schwerbehinderte zur Beschäftigung an und betreuen sie dabei besonders – eine soziale Leistung, die den Werkstätten vergütet wird. Integrationsbetriebe füllen Lücke

Eine Zwischenstellung nehmen nach den Worten des Dornahof-Vorstands Albrecht Weil die Integrationsbetriebe ein. „Dort gibt es keine Sozialarbeiter und keine Streicheleinheiten“, sagt Weil. „Gerade das macht den Charme aus“, denn die Leute seien an einem normalen Job interessiert.

Bei den Dornahof-Integrationsbetrieben sind knapp die Hälfte aller Mitarbeiter behindert, aber auch sie sind ziemlich nah am regulären Arbeitsmarkt und auch sonst selbstständig. Eine Betreuung im Betrieb ist nicht vorgesehen und „alles, was außerhalb des Arbeitsplatzes stattfindet, geht uns nichts an“, sagt Volker Braun, der Geschäftsführer der Dornahof-Integrationsbetriebe.

Bei den Mitarbeitern handelt es sich um sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, auch die behinderten unter ihnen bestreiten ihren Lebensunterhalt idealerweise selbst. Bezahlt wird nach dem Diakonietarif.

In einem gewissen Umfang werde die Eingliederungsleistung der gemeinnützigen Gesellschaft von Staats wegen honoriert. Aber 90 Prozent der Kosten würden am Markt erwirtschaftet, sagt Braun. Überschüsse würden zu 100 Prozent wieder in den Betrieb gesteckt. Denn das Ziel seien nicht Gewinne, „Hauptziel ist die Beschäftigten von Schwerbehinderten und dafür müssen wir Umsätze machen“ – zurzeit rund fünf Millionen Euro. Daher müssen die Anforderungen an die Beschäftigten „ähnlich wie in der freien Wirtschaft“ sein, sagt Weil.

Das Unternehmen beschäftigt 34 Schwerbehinderte, die meisten davon leiden unter einer psychischen Erkrankung. Sie arbeiten Seite an Seite mit nichtbehinderten Facharbeitern, insgesamt zählt die Belegschaft rund 90 Köpfe. In der Produktionsstätte in Bad Buchau fertigen zurzeit circa 40 Mitarbeiter Teile für die Metall-, Auto- und Medizintechnikindustrie. Der wichtigste Auftraggeber ist der Maschinenbauer Kessler in Bad Buchau, daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Kunden.

In Riedlingen betreiben die Dornahof-Integrationsbetriebe eine Großküche, die täglich 1400 Mahlzeiten ausliefert. Verpflegt werden zum Beispiel die Schüler in den Mensen in Biberach und Riedlingen, insgesamt gibt es 70 Kunden im Umkreis von 50 Kilometern. Noch einmal so viele Essen werden vom Dornahof-Hauptstandort Altshausen ausgeliefert. Pioniere ebnen den Weg

Die Integrationsbetriebe gehören zum Dornahof, einem Einrichtungsverbund der Arbeits- und Wohnungslosenhilfe unter dem Dach der Diakonie der evangelischen Kirche. Alleingesellschafter ist ein Verein für soziale Heimstätten. Er zählt zu den Pionieren der beruflichen Eingliederung, denn was vor 25 Jahren der damalige Kreissozialamtsleiter Klaus Teichmann, der damalige AOK-Chef Gerhard Zimmermann und der ärztliche ZfP-Direktor Hans-Otto Dumke initiierten, ist erst seit dem Jahr 2000 ganz offiziell im Sozialgesetzbuch verankert.

Das 25-jährige Bestehen der Dornahof-Integrationsbetriebe wird am Samstag, 15. September, gefeiert. Um 10 Uhr beginnt ein Festakt, danach gibt es beim Tag der offenen Tür bis 14 Uhr Führungen durch die Metallwerkstatt im Gewerbegebiet in Bad Buchau-Kappel (an der Landesstraße). Von 11.30 Uhr an wird Mittagessen angeboten.