© Schwäbische Zeitung - 27.08.2013

Foto: privat

Leute

Wain (sz) - Carmen Unterweger ist im Gottesdienst in der Wainer Michaelskirche aus ihrem Dienst als Mesnerin der evangelischen Kirchengemeinde Wain verabschiedet worden. Acht Jahre lang übte sie diese Arbeit fröhlich, freundlich, zuversichtlich und oft im Verborgenen aus.

Die meisten Kirchenbesucher sehen es als selbstverständlich an, dass sie allsonntäglich eine saubere, wohltemperierte und offene Kirche vorfinden. Das Aufgabenfeld einer Mesnerin ist weitläufig – dies betonte auch Pfarrer Ernst Eyrich während der Verabschiedungszeremonie. Angefangen vom Läuten der Glocken zum richtigen Zeitpunkt über das Aufhängen des richtigen Paraments bis hin zum Begrüßen der Gottesdienstbesucher und Kehren des Kirchhofes reichen die verschiedenen Pflichten der Mesnerin.

Wie in vielen Ämtern hat sich auch das Amt der Mesnerin über die Jahrhunderte gewandelt und an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst. So diente ein Mesner bis ins 17. Jahrhundert hinein in kleinen Dorfkirchen ohne eigene Orgel auch noch als Vorsänger. Hierfür saß der Mesner auf einem besonderen Stuhl. Ein solcher, Vorsängerstuhl, ist in der Michaelskirche Wain noch erhalten. Ebenso war es bis zur Aufklärung Sache des Mesners, die Lieder für den Gottesdienst auszuwählen. Heute ist es Aufgabe des Pfarrers.

Auch die Predigt über einen Text aus der Bergpredigt im Matthäusevangelium passte gut zur feierlichen Verabschiedung der Mesnerin. Es ging darum, dass man nichts Gutes tun soll, um vor anderen Menschen gut dazustehen, sondern aus Überzeugung heraus ein Opfer bringen soll. Vor Gott muss man sich nicht beweisen, sondern wir sollen in Demut zu ihm kommen, so der Pfarrer. Und genauso versteht sich auch der Mesnerdienst in Wain.

Auch in Zukunft wird das Amt der Mesnerin in Wain ausgeführt werden. Alexandra Unterweger ist aus dem Mutterschutz zurückgekehrt und übernimmt das Amt wieder zusammen mit Karin Walcher, der anderen Mesnerin der Kirchengemeinde.

Im Anschluss an den Gottesdienst fand im Gemeindehaus noch ein gut besuchter Kirchenkaffee statt: auf Wunsch der scheidenden Mesnerin.

Carmen Unterweger ist von Pfarrer Ernst Eyrich verabschiedet worden. Foto: privat

© Schwäbische Zeitung - 05.08.2013

Gespannt verfolgten die Kinder die Herstellung der Pfeifen. Foto: privat

Orgelclub besucht die Orgelpfeifenfabrik

 

In Freiberg bekamen die Riedlinger Kinder einen Führung durch das Unternehmen Killinger

Riedlingen (sz) - Für 18 Kinder und fünf Erwachsene öffneten sich unter der Leitung von Bezirkskantor und Orgelsachverstäniger Jürgen Berron die Tore der Süddeutschen Orgelpfeifenfabrik Roland Killinger GmbH in Freiberg am Neckar. Nachdem die Orgelclub-Kinder im vergangenen Jahr Orgelpfeifen intoniert hatten, machten sie sich heuer mit dem Bus auf den Weg um zu erfahren, wie Orgelpfeifen aller Art und Größe hergestellt werden.

Auf der Fahrt wurden Fachbegriffe gelernt und Jürgen Berron zeigte den Kindern die verschiedenen Orgelpfeifen aus seinem Fundus.

Geschaftsführer Christoph Ulmer nahm die Gruppe in Empfang und geleitete sie fachlich anspruchsvoll und doch sehr kindgerecht Schritt für Schritt durch die Produktionsräume.

Besonders spannend war der Einblick in die Gießerei, wo das Orgelmetall mit sehr hoher Temperatur zu Platten gegossen wird. Aber auch das Rondieren und Zusammenlöten der Pfeifenkörper erregte große Aufmerksamkeit.

© Schwäbische Zeitung - 02.08.2013

Kleinkind macht sich unbemerkt aus Biberacher Kindergarten davon


Mutter entdeckt ihr Kind auf der Straße – Kindergartenträger räumt Versäumnis ein


Von Gerd Mägerle


Biberach Ein zweieinhalbjähriger Junge entwischt unbemerkt aus einem Biberacher Kindergarten. Durch Zufall entdeckt die Mutter ihr Kind einige Zeit später allein auf der Straße vor ihrem Haus und ist geschockt und wütend. Auf Kindergartenseite wird der Vorfall zutiefst bedauert.


Passiert ist das Ganze am Montag im evangelischen Kindergarten Neusatzweg. Gülcan Bulut bringt ihren zweieinhalbjährigen Sohn Savas-Idris mit dem Auto von ihrer Wohnung im Weißen Bild gegen 8.30 Uhr in den einige Hundert Meter entfernten Kindergarten und fährt wieder nach Hause. Es ist gegen 11 Uhr, als sie an diesem regnerischen Vormittag auf dem Balkon steht. „Durch die Äste des Baums, der vor dem Haus steht, habe ich ein kleines Kind an der Straße entlanggehen sehen und erst gedacht, es sei das Nachbarskind“, sagt sie. Anhand der Kleidung bemerkt sie aber plötzlich, dass es ihr eigener Sohn ist, den sie eigentlich gut aufgehoben im Kindergarten wähnt. „Ich bin völlig schockiert runter gerannt, und habe unseren Sohn, der bis auf die Socken durchnässt war, in die Wohnung geholt“, sagt Gülcan Bulut.


Als ihr Mann daraufhin im Kindergarten anruft, und nach seinem Jungen fragt, bekommt er die Auskunft, dass man diesen gerade suche. „Er muss eine halbe bis dreiviertel Stunde allein draußen herumgelaufen sein“, vermutet Gülcan Bulut. Wütend wird sie vor allem, wenn sie daran denkt, was in dieser Zeit alles hätte passieren können. „Zwischen dem Kindergarten und unserer Wohnung ist auch eine Baustelle, da sind Lastwagen unterwegs. Der Junge muss alleine die Straße überquert haben.“


Ihr Mann erstattet am gleichen Tag Anzeige bei der Polizei. Diese stellt fest, dass der kleine Savas-Idris durch eine geschlossene, aber eben nicht abgeschlossene Tür des Kindergartens in einem unbeaufsichtigten Moment entwischt ist, sagt Polizeisprecher Helmut Stuhler. Kurz bevor der Kindergarten die Eltern über das Verschwinden habe verständigen wollen, sei der Junge aber zu Hause aufgetaucht. Die inzwischen eingeschaltete Staatsanwaltschaft habe aber keine weiteren strafrechtlichen Ermittlungen aufgenommen, nachdem klar gewesen sei, dass dem Kind nichts passiert ist, so Stuhler. „Ob eine Dienstpflichtverletzung vorliegt, muss der Arbeitgeber entscheiden“, sagt er.


„Entschuldigen uns in aller Form“


Der Arbeitgeber ist in diesem Fall die evangelische Gesamtkirchengemeinde Biberach. „Ja, es ist passiert“, bestätigt Dekan Hellger Koepff der SZ den Vorfall, „es ist uns absolut peinlich und wir entschuldigen uns dafür in aller Form.“ Die Kindergartenleitung habe dieses Bedauern beim Vater des Kindes mehrfach zum Ausdruck gebracht. „Wir sind dankbar, dass dem Kind nichts passiert ist, aber die ganze Sache hätte natürlich nicht passieren dürfen“, so Koepff. Es liege aus seiner Sicht aber keine grobe Fahrlässigkeit vor. Trotzdem werde man zusammen mit der Stadt das Thema Sicherheitstechnik gerade bei den Türen des Kindergartens nochmal überprüfen und gegebenenfalls Veränderungen vornehmen. Hier gelte es aber viele Regelungen zu beachten, unter anderem auch brandschutzrechtliche. „Die Frage ist immer: Inwieweit darf ich ein öffentliches Gebäude abschließen, wenn Menschen darin sind.“