© Schwäbische Zeitung - 28.03.2013

Hochschulseelsorger Albrecht Schmieg und Pastoralreferentin Stefanie Brüggemann verteilten die Fastensuppe, u.a. an Bischof Singh aus Indien/Foto: HBC (Foto: Hochschule)

Biberach / szon.de


Den Bischof des indischen Hilfswerks Nethanja haben die Studierenden der Fakultät Biotechnologie an der Hochschule Biberach anlässlich ihrer Fastenaktion in der Karwoche eingeladen. Körbeweise frisches Gemüse hatten die rund 30 Studierenden des vierten Semesters „Industrielle Biotechnologie“ gemeinsam mit dem Hochschulseelsorger, Pfarrer Albrecht Schmieg, und ihrer Professorin Dr. Heike Frühwirth geschnippelt, bevor der indische Gast in Begleitung von Rektor Professor Vogel an der Hochschule Biberach eintraf. Rund 100 Gäste – neben Bischof Singh und Rektor Vogel waren es Studierende, Mitarbeiter und Professoren der Fakultät Biotechnologie – folgten in der Karwoche der Einladung zur Fastensuppe.

Professor Vogel ist Mitglied des Missionsvorstands des Kinderheimes Nethanja Narsapur des Vereins „Christliche Mission Indien“. Als die Idee der Fastenaktion an den Rektor herangetragen wurde, stellte er den Kontakt zu Bischof Dr. K.R. Singh Komapapalli her, der sich bis Ende März auf einer Reise durch Deutschland befindet.

Professor Heike Frühwirth freute sich über den Zuspruch, den die Fastenaktion gefunden hat. In den Vordergrund ihrer kurzen Ansprache stellte sie die Bedeutung der Gemeinschaft sowie der gesellschaftlichen Verantwortung. „Gemeinschaft“, so Heike Frühwirth, „mache Hochschule aus“. Pfarrer Schmieg nahm noch einmal die Botschaft seines Semestereröffnungsgottesdienstes auf: „Riskier ’was“ hatte das Motto gelautet. Prof. Frühwirth hatte dies aufgegriffen und ihre Fakultät wie die Hochschule spontan für die Idee einer Fastenaktion begeistern können. Rektor Vogel dankte allen Beteiligten für ihre Bereitschaft, die Spenden der Fastenaktion dem indischen Hilfswerk zur Verfügung zu stellen. Bevor die Suppe durch die Hochschulseelsorger Pfarrer Schmieg und Pastoralreferentin Stefanie Brüggemann ausgeteilt wurde, berichtete Bischof Singh von seiner Arbeit in Indien. Insbesondere Mädchen und junge Frauen würden in Indien keine Wertschätzung erfahren. „Sie erhalten ein Minus“, so der Bischof, und würden von Geburt an stigmatisiert. Das Hilfswerk Nethanja versuche vor allem ihnen eine Perspektive auf Bildung und Beruf zu geben. „Ich bin Papa von 150 Kindern und Jugendlichen. Ich gebe ihnen einen Namen und ein Geburtsdatum“, erklärte der Bischof, der seine Rede auf Deutsch hielt und die Studierenden der Biotechnologie für sich gewinnen konnte. „Wir wollen, dass alle Menschen ein Plus bekommen – egal ob Junge oder Mädchen“,

(Erschienen: 28.03.2013 17:50)

© Schwäbische Zeitung - 26.03.2013

20 Frauen nehmen sich Zeitfür das Thema Zeit

Die Wainer Gruppe „Nur für Dich“ trifft sich zum Gedankenaustausch im evangelischen Gemeindehaus

Wain (sz) - 20 Frauen haben sich am vergangenen Freitag im evangelischen Gemeindehaus in Wain versammelt, um gemeinsam über das Thema Zeit nachzudenken. „Nur für Dich“ lautet der Name der Gruppe, die sich in regelmäßigen Abständen unter der Leitung von drei engagierten Wainer Frauen – Magdalene Geiger, Anja Huber und Karin Walcher – und Vikarin Rahel Kießecker trifft.

Wann haben wir schon einmal Zeit geschenkt bekommen? Wann haben wir Zeit vergeudet? Womit verbringe ich am liebsten meine Zeit? Mit diesen Fragen wurden die teilnehmenden Frauen auf den Abend eingestimmt. Im zweiten Teil des Abends erzählte Magdalene Geiger in einer Kurzfassung das Erfolgsmusical „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“ nach und spielte auch einige Lieder daraus vor. In dem Musical geht es darum, dass die Hauptfigur, Tabaluga, nachdem er seinen Wecker aus Versehen zerstört hat, zuerst meint, die Zeit wäre nun stehengeblieben. Dass dem nicht so ist, findet er schnell heraus. Außerdem lernt er viele Leute kennen und deren Umgang mit der Zeit: vom sehr alten Stein bis zur Eintagesfliege, von der langsamen Schnecke bis zu der Person, die nach dem Motto lebt: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe gleich auf morgen“. Zum Schluss kommt Tabaluga zu der Erkenntnis, dass alles im Leben seine Zeit hat.

Im dritten Teil des Abends konnten die Teilnehmerinnen eine Kerze ganz nach ihrem Geschmack gestalten. Dabei sind viele einzigarte Kunstwerke in einer entspannten und geselligen Atmosphäre entstanden. Zu später Stunde war der gelungene Abend zu Ende und Vikarin Rahel Kiesecker las zum Abschluss eine an die Speisung der 5000 angelehnte biblische Geschichte über die Zeit vor und sprach den Segen als offiziellen Abschluss des Abends.

© Schwäbische Zeitung - 23.03.2013

Teilnehmer erörtern Rolle der Kirchengemeinde


Besuch von Dekan Koepff und Schuldekan Pfeifferist Anlass für ein Gemeindeforum gewesen


Wain (sz) - Ein Gemeindeforum hat am vergangenen Mittwoch im Wainer Gemeindehaus anlässlich des Besuchs von Dekan Hellger Koepff und Schuldekan Michael Pfeiffer in der Evangelischen Kirchengemeinde Wain stattgefunden. Ziel war es, sowohl die Innen- als auch die Außensicht der evangelischen Kirchengemeinde Wain zur Sprache zu bringen.


Ziel der Vorstellung der verschiedenen Kreise war unter anderem darzulegen, wo genau die Rolle der Kirchengemeinde liegt und in welche Richtung die weitere Entwicklung der Arbeit gehen soll. So kam zum Beispiel bei den Jungscharen immer wieder zum Ausdruck, dass dort auch viele Kinder aus eher kirchenfremden Familien ihren festen Platz gefunden hätten und so viel über den christlichen Glauben lernen würden. Auch die musischen Angebote – die Jungbläser, der Posaunenchor, der Flötenkreis und der Kinderchor – betonten ebendies.


Bei den Präsentationen kam auch zum Ausdruck, dass es noch viel Potenzial und viele Ideen gibt, die die Gruppenleiter in der nahen Zukunft umsetzen möchten. So können es sich die Leiterinnen der kleinen Mädchenjungschar gut vorstellen, ab und zu einen Gottesdienst mitzugestalten oder Programmpunkte in einem Pflegeheim zu übernehmen.


Auch die Außensicht kam nicht zu kurz. So legten die Schulleiterin der Max-Weishaupt-Realschule Schwendi, Helga Stetter, und der Schulleiter der Grundschule Wain, Gottfried Haf sowie die Leiterin des Wainer Kindergartens Paulinenpflege, Carina Peppelenbos, ihre Sicht der Kirchengemeinde dar, ebenso der Wainer Bürgermeister Christian Schlenk und der stellvertretende Bürgermeister von Schwendi, Gerhard Maurer und der Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Schwendi, Marin Ziellenbach.


Gute Zusammenarbeit


Alle betonten, wie reibungslos die Zusammenarbeit funktionieren würde und selbstverständlich jeder den anderen bei seinen Vorhaben unterstütze. So wurde das zweijährlich in Wain stattfindende Brunnenfest als vorbildliche Gemeinschaftsarbeit von Schule, Gemeinde und Kirchengemeinde erwähnt. Ebenfalls lobend genannt wurden die Schulgottesdienste sowohl in Wain als auch in Schwendi. Helga Stetter regte als Schulleiterin der Max-Weishaupt-Realschule Schwendi an, in Zukunft mehr Schulgottesdienste durchzuführen. So schlug sie unter anderem einen Gottesdienst für die zehnten Klassen vor den Abschlussprüfungen und einen weiteren für die Fünftklässler kurz nach Eintritt in die Schule vor.


Über die Ergebnisse des Gemeindeforums wird nun der Kirchengemeinderat – der vollzählig erschienen war – beraten.

 

© Schwäbische Zeitung - 21.03.2013

Sabine Götze leitet das Musical in Ummendorf

Ummendorf (sz) - In der Versöhnungskirche Ummendorf haben Konfirmanden und ein ökumenischer Projektchor in der Aufführung des Musicals „Vom Teilen und anderen Grundrechenarten“ die ungerechte Verteilung des Reichtums auf der Welt angeprangert (SZ vom Dienstag). In dem Bericht ist der Hinweis untergegangen, dass Sabine Götze dieses aufwendige Projekt musikalisch geleitet hat. Sabine Götze ist als Aushilfsorganistin in der Gesamtkirchengemeinde tätig, aber wie Pfarrerin Andrea Luiking lobend erwähnte, hat Götze die musikalische Leitung bei dem Musical als Gemeindemitglied ehrenamtlich übernommen und viel Arbeit investiert.

© Schwäbische Zeitung - 19.03.2013

SZ-Foto: Mathias Kirchenmajer

Ökumenischer Projektchor wünscht sich gerechtes Teilen

 

Ein Musical mit nachdenklichen Texten erklingt in der Ummendorfer Versöhnungskirche

Von Mathias Kirchenmajer

UMMENDORF - Für diesen Ort eigentlich ungewöhnliche Musik ist am Sonntag in der evangelischen Versöhnungskirche in Ummendorf erklungen. Im Gottesdienst trug ein Projektchor aus 14 Konfirmanden, verstärkt durch Gemeindemitglieder und Sänger des katholischen Kirchenchors, das Musical „Vom Teilen und anderen Grundrechenarten“ vor. Als Solistin trat die Leiterin des katholischen Kirchenchors, Aline Ehrig, auf. Sie begeisterte die Zuhörer mit ihrer eindrucksvollen und starken Stimme.

Simon Föhr (Klavier), Markus Krattenmacher (Schlagzeug) und Hans Marjies (E-Bass) begleiteten die Sänger instrumental. Die Initiatorin des Musical-Projekts, Pfarrerin Andrea Luiking, erklärte, für die Konfirmanden, die allesamt erstmals in einem Chor singen, sei dies eine Erfahrung und eine echte Herausforderung. „Mit 14 sind sie in einem Alter, in dem Singen nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung ist“, sagte Pfarrerin Luikung. „In diesem Projekt sehen sie aber, dass sie miteinander etwas auf die Beine stellen können.“

In dem Stück machten ein Professor (Gunnar Schreiner) und seine Assistentin (Amelie Wolber) in eindrucksvollen Wortspielereien deutlich, dass Teilen mehr ist als eine Grundrechenart. Es ist auch eine christliche Botschaft. Auf humorvolle Art, aber durchaus ernst gemeint und nachdenklich machend, zeigten der Professor und die Assistentin, dass man durch 0 nicht teilen kann. Eine Million geteilt durch 0 ist gleich 0, erläuterte der Professor und sagte dazu: „Die Werte verschwinden im Nichts. Mit niemandem zu teilen verstößt gegen die Regel.“ Ungerechtigkeit angeprangert

Tiefsinnig und hintergründig brachten die beiden „Wissenschaftler“ Wortspiele mit den mathematischen Begriffen Produkte, Faktoren, Dividenden und Quotienten und zeigten beispielhaft, wie durch Multiplikation Verlust entsteht, und wie die Mathematik Vermehren durch Teilen lehrt. Der Projektchor unterstrich mit seinen Beiträgen diese Ausführungen. Sehr deutlich wurden das Unrecht und die Ungerechtigkeit in der Welt und der Gegensatz zwischen Armut und Überfluss angeprangert.

Ein ökumenischer Projektchor aus Ummendorfer Konfirmanden, Gemeindemitgliedern und dem katholischen Kirchenchor sang vom „Teilen und anderen Grundrechenarten“. SZ-Foto: Mathias Kirchenmajer

© Schwäbische Zeitung - 19.03.2013

„Ein Original – von Gott geliebt“ lautete das Motto, das die Jugendlichen über ihr Konfirmandenjahr gestellt hatten. Nun wurden sie in Wain konfirmiert. Foto: privat

20 Konfirmanden feiern Gottesdienst

Neben der Orgel erfreuten der Posaunenchor Wain und die Jungendkreis-Band die Festgemeinde

Wain (sz) - 20 Jugendliche der Kirchengemeinde Wain sind konfirmiert worden. Feierlich und ein wenig aufgeregt zogen die Konfirmandinnen und Konfirmanden hinter Pfarrer Ernst Eyrich und Vikarin Rahel Kießecker in die festlich geschmückte Michaelskirche ein.

„Ein Original – von Gott geliebt“ lautete das Motto, das die Jugendlichen über ihr Konfirmandenjahr gestellt hatten. Fast ein Jahr lang trafen sie sich zum Unterricht, der von Pfarrer Eyrich und Vikarin Kießecker vorbereitet wurde.

In ihrer Predigt über Matthäus 6,21 ging die Vikarin auf das Motto ein. Zuerst erzählte sie den Anfang des Kinderbuches „Frederick“ von Leo Lionni nach. Darin geht es um eine Maus, die sich nicht damit beschäftigt, Vorräte für den Winter zu sammeln, sondern Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt. Auch die Bibel unterscheidet zwischen den Schätzen der Erde und denen des Himmels, so die Vikarin. Daher sollen wir unser Herz nicht zu sehr an die irdischen Güter hängen.

Neben der Orgel erfreuten der Posaunenchor Wain und die Jungendkreis-Band die Festgemeinde. Konfirmiert wurden: Cathleen Arnold, Celine Flader, Hannah Kurz, Jennifer Ruge, Elena Ruopp, Sophie Schlaich, Katja Stock, Rebecca Unterweger, Anna Wegmann, Johannes Baur, Johannes Gerner, Kai Halfbrodt, Frederik Hochdorfer, Alexander Ril, Matthias Ruf, Silas Schäfer, Domenic Schuler, Valentin Springer, Johannes Schließer und Timo Walcher.


© Schwäbische Zeitung - 13.03.2013

„Warum lässt Gott Leid zu“: Der katholische Pfarrer Dr. Peter Häring (links) und der evangelische Pfarrer Dr. Hans-Martin Rieger (rechts) versuchten Antworten zu geben SZ-Foto: Michaela Kegel

Wenn Gott auf der Anklagebank sitzt

Pfarrer Dr. Häring und Pfarrer Dr. Rieger versuchten Antworten auf das schwierige Thema von Glaube und Leid

Von Michael Kegel

Ertingen - „Wie soll man angesichts des Bösen in der Welt an einen guten Gott glauben?“ Dass diese Frage schon viele große Philosophen seit Jahrtausenden beschäftigt, erfuhren die zahlreich erschienenen Zuhörer beim fesselnden Vortrag des evangelischen Pfarrers Dr. Hans-Martin Rieger im Abt-Bischof-Spies-Haus. Rieger sprach dort auf Einladung des Erwachsenenbildungsausschusses der katholischen Seelsorgeeinheit Ertingen zum Thema „Warum lässt Gott Leid zu“ und lud ein, durch Überlegung und Betrachtung verschiedener Thesen sich dem anzunähern.

Häufig würden Menschen angesichts großer Katastrophen und persönlicher Schicksalsschläge Gott auf die Anklagebank setzen. „Offenbar hat er die Sache nicht im Griff“, sei dann häufig der Schluss, der daraus gezogen wird. Ist es schon für die Gläubigen schwierig zu begreifen, weshalb so viel Leid auf der Welt geschieht, so sei dieses Thema auch „außerhalb des Glaubens“ von Bedeutung und oft ein „Vorwand, nicht glauben zu müssen“.

Während es im Mittelalter undenkbar gewesen wäre, dass die Menschen überhaupt daran zweifelten, „dass Gott seine Sache nicht recht macht“, sei dies heute anders. „Wir leben in einem neuzeitlichen Horizont, der Ewigkeitshorizont und der heilsgeschichtliche Horizont ist verloren gegangen“, erklärte Rieger. Dass Gott existiert und es gleichzeitig auch das Übel gibt, könnte leicht nachvollzogen werden.

Problematisch würde es dann, wenn man sich die Eigenschaften anschaut, die Gott zugeschrieben werden: gut, allmächtig und allwissend. Dass so der „Schemel mit den drei Beinen“ ins Wackeln käme und schon viele große Denker versucht hätten, an diesen drei Beinen zu feilen, verdeutlichte Rieger. So etwa der griechische Philosoph Epikur, der der Frage nachgegangen war, ob Gott das Übel besiegen will und nicht kann – oder kann und nicht will. Auch unter Einbeziehung der Weltgeschichte sei die Frage nach der Allmacht Gottes gestellt worden: „Nach Auschwitz kann Gott nicht mehr allmächtig und die Liebe sein.“

Rieger zitierte den deutschen Philosophen Odo Marquard. Die Menschen stünden heute unter einem enormen „Gottwerdungsdruck“. So etwa die Ärzte, von denen erwartet würde, dass ihnen alles gelingt. Die von Rieger angeführte Theorie des deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), dass Gott die bestmögliche Welt geschaffen hat, konnten viele nachvollziehen. Denn hätte Gott eine vollkommene Welt geschaffen, so wäre sie ihm gleich gekommen.

Nach diesem „Grundkurs in Philosophie in aller Schnelle“ wurde im zweiten Teil der persönliche Umgang mit dem Leid betrachtet. So sei im oberschwäbischen Raum häufig zu hören „man muss sein Päckchen tragen“.

Das Lob Gottes und der Dank würde großgeschrieben – dabei sei die Klage „die tiefste Form des Glaubens“. Die Klage ehre Gott, weil sie ein „radikales Vertrauen und ein Ringen mit Gott“ sei. „Wir dürfen uns damit trösten, dass Gott uns hält, wenn wir nicht mehr können“, gab Dr. Hans-Martin Rieger seinen Zuhörern mit auf den Weg.

Am dritten Fastensonntag dann hatte Pfarrer Dr. Peter Häring die Fortsetzung des Themas in seiner Fastenpredigt aufgegriffen. Auch hierzu waren viele Menschen in die Ertinger Kirche gekommen. In „Wie kann ich als Glaubender mit Leid umgehen“ gab Häring einige Denkanstöße. „Leiden bedeutet nichts im Vergleich zu der Zeit, in der wir bei Gott sind“, hatte Paulus an die Römer geschrieben. Wichtig sei die Größe und Andersartigkeit Gottes zu erkennen, denn manchmal erhelle sich im Nachhinein noch etwas, doch vieles bleibe uns verborgen.

Auf keinen Fall dürfe erlittenes Leid als Strafe Gottes angesehen werden und in einen „Tun-Ergehens-Zusammenhang“ gebracht werden. Oft würden die Menschen glauben, dass es guten und frommen Menschen besser gehen müsse als anderen. Doch gelte: „Wenn ich vom Unglück nicht getroffen werde, so heißt das nicht, dass ich besser bin.“

Welche Ansätze für den Einzelnen in Zeiten des Leids Bestand haben, könne nicht gesagt werden. „Wenn aber eine Sache in besseren Zeiten klar war, sind die Chancen größer, im Leid bei Gott Halt zu finden“, erklärte Pfarrer Häring.

„Warum lässt Gott Leid zu“: Der katholische Pfarrer Dr. Peter Häring (links) und der evangelische Pfarrer Dr. Hans-Martin Rieger (rechts) versuchten Antworten zu geben SZ-Foto: Michaela Kegel

„Wenn ich vom Unglück nicht getroffen werde, so heißt das nicht, dass ich besser bin.“

© Schwäbische Zeitung - 13.03.2013

SZ-Foto: Jungwirth

Er sucht den Kontakt auf der Straße

Im Januar hat der Streetworker Roman Huber in Riedlingen die Arbeit aufgenommen

Von Bruno Jungwirth

Riedlingen - Seit fast drei Monaten ist Roman Huber als Sozialarbeiter in Riedlingen im Einsatz. Der 39-jährige Jugend- und Heimerzieher aus Offingen hat im Januar die 50 Prozent-Stelle angetreten und hat am Montagabend sich, seine Aktivitäten und seine Planungen im Gemeinderat vorgestellt. Huber ist bei der St. Fidelis Jugendhilfe in Heudorf angestellt. Die Kosten für die 50 Prozentstelle werden von der Stadt Riedlingen übernommen.

Der 39-jährige Huber hat zunächst eine Ausbildung zum technischen Zeichner absolviert. Doch schon sein damaliger Arbeitgeber habe ihm geraten: „Machet Se doch was Soziales.“ Das hat Huber beherzigt. Als Zivi kam er ins Heim St. Josef nach Heudorf – und blieb: „Das ist mein Job, ich arbeite gerne mit Jugendlichen.“ So schloss er eine Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher an. Seit 2004 arbeitet er nun in Heudorf, zunächst in der „Finka“ und die vergangenen vier Jahre als Wohngruppenleiter. Er bildete sich zudem zum systemischen Familienberater weiter. Seit Januar ist er nun Streetworker.

Huber hat bereits erste Kontakte geknüpft und die Jugendlichen an ihren Treffpunkten aufgesucht. Mit der Breakdance-Gruppe hat er Pläne geschmiedet, wie die Gruppe verstärkt öffentlich auftreten kann. Auch Übungsräume werden gesucht. Eine Facebook-Seite hat er eingerichtet, auf der die Jugendlichen ihm Nachrichten zukommen lassen können.

In den Räumlichkeiten des „Mediums“ wurde bereits mit der Sanierung begonnen. Die Räume waren in keinem guten Zustand mehr. „Die Jugendlichen fühlen sich derzeit dort nicht mehr wohl“, berichtete Huber dem Rat. Seit drei Freitagen werden die Räume auf Vordermann gebracht, die Wände gestrichen.

Auch mit dem geplanten Projekt „Tune it“ hat sich Huber schon beschäftigt. In dem Projekt sollten die Jugendlichen gemeinsam ein Auto aufpeppen und einen Simulator bauen. Die beantragten Fördergelder beim Land wurden allerdings abgelehnt. Dennoch will Huber das Projekt in kleinerem Ausmaß angehen oder noch andere Fördertöpfe auftun. An den Simulator knüpfen er und die Jugendlichen Hoffnungen: „Das könnte ein Magnet sein.“

Huber richtete auch den Blick nach vorne und stellte konkrete Anliegen in naher Zukunft vor. Mit Abschluss der Renovierungsarbeiten wäre der Treffpunkt für die Jugendlichen geschaffen. Doch passen nach Ansicht des Sozialarbeiters und der Jugendlichen die Öffnungszeiten noch nicht. Die sind derzeit nachmittags und sollen in den Abend verlegt werden. Mit einer Disco einmal im Monat will er weitere junge Leute ansprechen. Auch ein neuer Name muss her. Zudem würde Huber gerne ein Jugendbistro einrichten, wo sich die jungen Leute treffen können.

Für seinen Bericht erhielt Huber positive Rückmeldungen aus dem Rat. „Mir gefällt, was Sie vorgetragen haben. Das hört sich sehr konkret an“, so Roland Uhl. Lob kam auch von Gabriele Stümke (CDU: „Das ist eine wichtige Arbeit. Ich bin froh, dass sie weitergeht.“ Allerdings hoffe sie, dass Huber länger als ein Jahr bleibe – und spielte damit auf den regen Wechsel in der Vergangenheit an. Gudrun Liebhart (SPD) bot dem Sozialarbeiter Unterstützung an.

Ansprüche nicht zu hoch setzen

Pfarrer Martin Elsässer von der evangelischen Kirche, die die Arbeit des Streetworkers finanziell unterstützt, wünschte sich Kontinuität. Die evangelische Kirche lege Wert auf regen Kontakt mit dem ökumenischen Freundeskreis Aussiedler. Ansonsten wies er darauf hin, dass man mit einer 50-Prozent-Stelle nicht alles umsetzen könne: „Das bleibt ein Spagat.“ Auch Manfred Goller warnte davor, die Ansprüche zu hoch zu setzen: „Aufsuchende Jugendarbeit ist nicht so einfach.“

Roman Huber. SZ-Foto: Jungwirth

© Schwäbische Zeitung - 12.03.2013

Stefan Schmitz bot in der evangelischen Kirche Bad Buchau ein ansprechendes Gitarrenkonzert. SZ-Foto: Sebastian Weber

Meistergitarrist begeistert mit warmem Gitarrenklang

 

Stefan Schmitz gibt eine Kostprobe seines Könnens in der evangelischen Kirche in Bad Buchau

 

Von Sebastian WeberBad Buchau - Bereits zum dritten Mal konnte man den klassischen Gitarristen Stefan Schmitz in Bad Buchau bei einem Konzert willkommen heißen. Der raumfüllende Hörgenuss war Teil einer weltweiten Tournee, die den in Neu-Ulm lehrenden Gitarristen im November bis nach Japan führen wird.Mit Auszügen aus seiner neuen Solo-CD „Etarna Saudate“ entführte Stefan Schmitz zu Beginn die Zuhörer und Zuhörerinnen mit brasilianischem Ausdruck für kurze Zeit in eine Welt aus südamerikanischen und spanischen Gitarrenklängen. Mit viel Leidenschaft und großer Überzeugung verkörperte der Musiker eine Mischung aus brasilianischen Tänzen, aber auch aus Enttäuschung oder einer Romanze. Die gekonnte Spielweise umfasste ein volles Repertoire aus teils sehr anspruchsvollen Läufen im fortissimo, wie aber auch sehr ruhigen Passagen im pianissimo. Doch auch „kriegerische Umgangsformen“ machte der Meistergitarrist in einem abwechslungsreichen Programm mit oft geschlossenen Augen und vielen Emotionen für die Zuhörer greifbar.Mit „Giulio Regondi“, einer Variation einer Oper von Bellini, zeigte der Künstler in beeindruckender Weise zweifellos eine der am schwersten spielbaren Gitarrenstücke mit einer enormen Fingerfertigkeit. Mit einer russischen Romanze „Old Lime Tree“ von Sergei Rudnev und „Un dia de Novembre“ - „einem Tag im November“ von Leo Brouwer kamen aber auch bekannte Melodien zum Vorschein. Der berechtigt langanhaltende Applaus veranlasste den Gitarristen noch zu einer sehr feinfühligen Zugabe, „Ragtime“ von Sergei Rudnev.Pfarrer Markus Lutz dankte dem Künstler für seinen Auftritt „an diesem Abend der ewigen Sehnsucht“.www.gitarrenzauber.de

© Schwäbische Zeitung - 12.03.2013

Alfred Peter Wolf interpretierte in seinem Ein -Mann-Theater den Propheten Elija. SZ-Foto: Kurt Zieger

Wolf verbindet das alte Testament mit moderner Lyrik

 

Ein-Mann-Theater interpretiert den Propheten Elija und nimmt die Zuhörer in Bad Buchau gefangen


Bad Buchau (tz) - In einer ökumenischen Veranstaltung der beiden Kirchengemeinden Bad Buchaus stellte Alfred Peter Wolf mit seinem Ein-Mann-Theater „Die Stimme“ den alttestamentlichen Propheten Elija vor. Im Buch der Könige ist beschrieben, wie Elija unter einem Ginsterstrauch das Ende seines Lebens herbeisehnt. Doch Gott schickt in seine Lebenskrise einen Engel: „Steh auf und iss!“ Elijas Wanderung bis zum Gottesberg Horeb hat Felix Mendelssohn-Bartholdy in seinem gleichnamigen Oratorium musikalisch verarbeitet. Instrumentale Auszüge mit linearen und aufrüttelnden Passagen galten als Einstimmung in einen bedeutsamen tiefschürfenden Abend.

Leider hatte sich zusammen mit den Pfarrern Markus Lutz und Karl Erzberger nur ein kleiner Kreis von Interessenten im Evangelischen Gemeindehaus zusammengefunden. Doch wer kam, war äußerst beeindruckt von der Sprachkunst des Schauspielers Alfred Peter Wolf, durch den Worte zu Gesten wurden. „Wer die Bibel liest, wird sich in ihr selbst entdecken“, galt als eine der Maximen des Interpreten. Dies erläuterte er vor allem an der Gestalt der Engel, die wie zu Elija in das Leben vieler Zeitgenossen traten und treten. Die Verbindung von alttestamentlichem Bericht und moderner Lyrik zeigte den Spannungsbogen, in dem Wolf seine Zuhörer durch Sprache und Mimik mit nur äußerst wenigen Requsiten einfing.

„Wenn die Propheten aufbrächen“, fragte die jüdische Dichterin Nelly Sachs, „würdest du ein Herz haben, um zu vergeben?“ Für Wolf ist Elija der größte Prophet des Alten Testaments, der auch im Neuen Testament von allen Propheten am meisten genannt wird. Seine Worte sind wie ein brennender Ofen, begeisterte Pfingstmenschen gäbe es auch heute noch. Vor allem bei der Interpretation der Predigt des Elija auf dem Berge Karmel, wo 450 Baals-Priester vergeblich Feuer vom Himmel erflehen und Elijas Gott sich als der allein Wahre erweist, zeigte Wolf seine sprachlich und mimisch beeindruckende Kunst: Kein Wort zuviel, jede Geste überlegt, zwingend und zielgerichtet. Mehr als Wolfs Darstellung brauchte man nicht. Daran anschließend gab Wolf den Zuhörern Zeit, sich in eigene Lebenssituationen in Zusammenhang mit Angst, Engel oder Höhle zu vertiefen. „Wenn wir die Bibel richtig lesen, lesen wir uns selbst“, betonte Alfred Peter Wolf und leitete damit über zu Rainer Maria Rilke und seiner „Tröstung des Elija“. In ihrem Lied vom Menschenleben berichtet Marie Luise Kaschnitz vom steten Kommen und Gehen, von Hören und Sehen und dem Aufschrei: „Zeig mir deinen Stab, der mich trösten soll“.

Bilder und Musik

Im Gleichklang mit Wilhelm Willms übermittelt Wolf dessen Botschaft: „Sag nicht, es gibt keine Engel mehr.“ In seinem sehr persönlichen Bekenntnis stellt der Gestalter des Abends klar, dass man Engel nicht sehen kann, man muss sich vielmehr von ihnen führen lassen. Elija fragt: „Was wäre aus mir geworden, wenn nicht der Engel gekommen wäre?“ Wolf berichtet von Notsituationen, in denen auch ihm ein Engel erschien: „Steh auf, iss und trink, du hast noch einen weiten Weg vor dir.“ „Wirst du für mich Engel sein“, fragt Wilhelm Willms. Wolf antwortet, dass Menschen sehr wohl Engel sein können, dass Bilder und Musik sich auch als Kraftquellen erweisen, dass Ginsterstrauch und Ölberg zusammengehören, um das Lauschen wieder zu lernen. „Immer noch ist Mitternacht“, meint Nelly Sachs, doch nur, wenn man das Lauschen nicht verlernt hat, kann man aufstehen und aufs Neue zu leuchten beginnen.

Alfred Peter Wolf gestaltete mit Stimme, Mimik und Bewegung einen intensiven, ganz nach innen gerichteten Abend, der die Zuhörer gefangen nahm und einen weitaus größeren Kreis von Interessenten verdient gehabt hätte.


 

© Schwäbische Zeitung - 12.03.2013

Leute

Die Vorbereitungen für die Kirchenwahlen am 1.Dezember in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg laufenbereits an: So hat der Gesprächskreis Offene Kirche Oberschwaben bereits seine Kandidaten für die Landessynode gewählt. Es sind der Biberacher Dekan Hellger Koepff und Jutta Henrich, Bibliothekarin aus Laupheim.

Der 59-jährige Hellger Koepff, Vater von drei erwachsenen Söhnen, war unter anderem von 1990 bis 2003 Gemeindepfarrer in Bad Boll und Pressepfarrer des Kirchenbezirks, ehe er das Amt des Dekans in Biberach übernahm.

Jutta Henrich, 58 Jahre alt, Mutter von vier Kindern, ist bereits Mitglied der Landessynode. Sie wurde vor sechs Jahren vom Bezirk Ulm/Blaubeuren gewählt. Durch den Umzug nach Oberschwaben steht sie nun für diese Region auf der Kandidatenliste. In der Synode war sie Mitglied im Theologischen Ausschuss, im Protokollausschuss und im Pfarrplanausschuss.

© Schwäbische Zeitung - 04.03.2013

Foto: Silke von Fürich

Bedrückendes Thema vermittelt auch positive Gedanken

Gottesdienst zum Weltgebetstag beschäftigt sich mit Fremdsein und Schicksalen von Flüchtlingen

Von Silke von Fürich

Mengen - Einen außergewöhnlichen Gottesdienst feierten die Teilnehmer des Weltgebetstags in der Mengener Liebfrauenkirche. Menschen unterschiedlicher Konfessionen, Frauen, Männer und Kinder kamen zusammen, um sich in Gesang, Gebet und durch Texte mit der Thematik auseinanderzusetzen, die das Vorbereitungskomitee aus Frankreich erarbeitet hatte: Ich war fremd – ihr habt mich aufgenommen. Ein Thema, das nicht nur in unserem Nachbarland, sondern auch in unserem Alltag präsent ist.

Pfarrerin Ines Fischer, die als Mitglied im Vorstand des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg erst vor wenigen Wochen an einer Konferenz zum Thema in Paris teilgenommen hatte, gab in einer knappen, aber eindringlichen Zusammenfassung einen Überblick über die Situation von Flüchtlingen. So seien weltweit 42 Millionen Menschen auf der Flucht, durch Krieg, Hunger, politische Verfolgung oder andere Gewalt. Die meisten dieser Menschen sind sogenannte Binnenvertriebene, die innerhalb des eigenen Landes auf einen Neuanfang hoffen, oder sie finden Zuflucht in ihren ebenso armen Nachbarstaaten. Nur rund 300000 Menschen nehmen pro Jahr die Strapazen einer Flucht nach Europa auf sich, wo sie von Stacheldrahtzäunen und Mauern empfangen werden. „Sie sind so hoch, dass eine legale Einreise nach Europa für Flüchtlinge mittlerweile nicht mehr möglich ist“, verbildlichte Ines Fischer..

Die Frauen des ökumenischen Teams lasen die Texte der Autorinnen aus Frankreich, die von persönlichen Erfahrungen mit ihrer Flucht berichten. Traumatische, aber auch ermutigende Lebensgeschichten, stell-vertretend erzählt für unzählige Menschen mit vergleichbaren Erlebnissen, Geschichten von fremd sein und angenommen werden.

Verlust der Vertrautheit

Die angehende Theologiestudentin Katharina Leis spannte in ihren einnehmend klar formulierten Predigtgedanken den Bogen vom Fremdsein im Alltag bis hin zum Verlust der Heimat. Die Vertrautheit der gewählten Beispiele, wie der Antritt einer neuen Arbeitsstelle, der erste Schultag oder der Umzug in eine fremde Stadt ließen spürbar werden, wie verlassen und einsam der Verlust der Heimat macht. Eigene Wünsche in Situationen des Fremdseins bei anderen zu erkennen und auf sie zuzugehen sei eigentlich ganz einfach, oft genüge es schon, eine ausgestreckte Hand zu ergreifen, so die junge Frau in ihrer Predigt.

Der Gottesdienst zur Feier des Weltgebetstages der Frauen vermittelte – dem durchaus bedrückenden Thema zum Trotz – positive Gedanken. Angeregt durch die Texte, Gebete und Fürbitten entstand eine ermutigende Atmosphäre, aber auch die Einsicht, wie wichtig kritisches Hinterfragen und informiertes Handeln gerade in der oft polemisch und medienwirksam geführten „Flüchtlingsdebatte“ ist. Ausgehend von den Worten aus dem Matthäus-Evangelium „Was ihr getan habt einem von diesen geringsten meiner Brüder und Schwestern, das habt ihr mir getan“ nahmen die Teilnehmer jedoch vor allem ein gutes Gefühl mit in ihren Alltag.

Im Anschluss an den Gottesdienst fand eine fröhliche Feier im katholischen Gemeindehaus statt, wo mit französischen Köstlichkeiten und liebevoller Dekoration aufgewartet wurde. Rege Gespräche und viel Begeisterung füllten den Saal. „Es ist jedes Jahr ein wunderbarer Gottesdienst, ich verpasse ihn nie“, schwärmt eine Besucherin. Besonders das gemeinsam gesprochene Vaterunser, bei dem alle sich über die Reihen hinweg an den Händen halten, sei „ein erhebendes Erlebnis von Gemeinschaft“. Ein zu Recht zufriedenes Vorbereitungsteam hörte mit Freude das Ergebnis der Kollekte in Höhe von fast 800 Euro. Das Deutsche Weltgebetstags-Komitee verwendet den Großteil der Kollekte für die Unterstützung von Frauen- und Mädchenprojekten in aller Welt.

Bei französischen Köstlichkeiten entwickeln sich nach dem Gottesdienst im Gemeindehaus rege Gespräche. Foto: Silke von Fürich

© Schwäbische Zeitung - 04.03.2013

Pfarrstellen-Kürzung beunruhigt Gläubige

Bei der Vollversammlung der evangelischen Gesamtkirchengemeinde werden Bedenken laut

Von Gerd Mägerle

Biberach - Der Wegfall einer 0,5-Pfarrstelle in der evangelischen Kirchengemeinde Friedenskirche bis 2018 wirkt bei den Gemeindemitgliedern noch immer nach. Dies zeigte sich erneut bei der Vollversammlung der evangelischen Gesamtkirchengemeinde im Biberacher Martin-Luther-Haus.

Dekan Hellger Koepff und die stellvertretende Vorsitzende des Gesamtkirchen-Gemeinderats, Dr. Ulrike Werthmann, erläuterten noch einmal die Zwänge, die bei der Bezirkssynode im vergangenen November zu den Sparplänen führten (die SZ berichtete). Hauptgründe sind die sinkende Zahl der Gemeindemitglieder, was weniger Einnahmen aus der Kirchensteuer bedeutet, sowie die abnehmende Zahl an Pfarrern. Deswegen werden nun 25 Prozent der Pfarrstelle Heilig-Geist Kirche in Biberach gekürzt (diese wird im Gegenzug aber durch 25 Prozent Jugendseelsorge wieder auf 100 Prozent aufgestockt), ebenso die 50-Prozent-Stelle in der Friedenskirche.

Hierzu hatten sich direkt nach der Entscheidung im November mehrere Bürger per Leserbrief in der SZ geäußert und die Wortmeldungen bei der Vollversammlung zeigten, dass die Diskussionen in der rund 3100 Gemeindemitglieder umfassenden Friedenskirche (Biberach-West, Stafflangen, Mittelbiberach und Reute) andauern.

Warum man denn gerade dort Stellen abbaue, wo besonders gute Arbeit geleistet werde und die Pfarrer beliebt seien, wollte ein Versammlungsteilnehmer wissen, und weiter: „Wenn man in der Wirtschaft Stellen abbauen muss, nimmt man doch auch nicht zuerst die besonders guten Mitarbeiter.“

Sorge um gute Jugendarbeit

Ein anderer Besucher meinte, man solle doch warten, ob bis 2018 nicht durch Fluktuation woanders eine Stelle frei werde, die dann eingespart werden könne. Wie denn eine 3000-Seelen-Kirchengemeinde von nur einem Pfarrer versorgt werden solle, wollte ein weiterer Versammlungsteilnehmer wissen. Und eine Frau äußerte die Befürchtung, dass darunter auch die gut funktionierende kirchliche Jugendarbeit in Mittelbiberach leide.

Man habe bei den Kürzungsplänen keine leistungsbezogene Bewertung der Pfarrer gemacht, sagte Werthmann, „jeder Pfarrer hat seine besonderen Stärken in ganz verschiedenen Bereichen“. Zu warten, bis irgendwo im Kirchenbezirk eine Stelle aufgrund von Fluktuation frei werde und diese dann nicht mehr zu besetzen, gehe nach landeskirchlichem Recht nicht, so Koepff. Es gehe um Planungssicherheit und nicht um ein „negatives Windhundprinzip“.

Die Gesamtkirchengemeinde stehe am Anfang eines Prozesses, so der Dekan weiter. „Wir haben eine große Fläche zu bedienen und müssen schauen, wie wir, trotz sinkender Personalzahlen, in der Fläche präsent sind – gerade da, wo wir keine eigenen Räumlichkeiten haben.“ Das müsse möglichst fair passieren.

© Schwäbische Zeitung - 02.03.2013

Foto: Betzelt

Hospizgruppe feiert ökumenischen Gottesdienst

Bad schussenried (sz) - Unter dem Thema „Spuren im Sand“ lädt die örtliche Hospizgruppe am Sonntag, 9.30 Uhr, zu einem ökumenischen Gottesdienst in die Christuskirche nach Bad Schussenried ein. Dasein, Zuhören, Erinnerungen und Spuren erhalten, manchmal auch Kraft geben. Oder einfach gesagt, Menschen an ihrem Lebensende zu begleiten und ihnen hilfreich zur Seite zu stehen ist Ziel und Mittelpunkt der Hospizarbeit. Die ehrenamtlichen Mitglieder der Hospizgruppe Bad Schussenried sind seit 1999 im Einsatz. Die Träger der „Arbeitsgemeinschaft Hospiz“ sind: evangelische und katholische Kirchengemeinde, Johanniter, Seniorenzentrum Haus Regenta und das ZfP, Abt-Siard-Haus. Von den Helfern der Hospizgruppe wurden im vergangenen Jahr 61 Begleitungen geleistet. Um diesen Dienst am Nächsten auch künftig leisten zu können, sucht die Hospizgruppe dringend Frauen und Männer, die sich engagieren wollen. Nach dem Gottesdienst ist im evangelischen Gemeindezentrum Gelegenheit zum Gespräch. Informationen unter Telefon 07583/19214 und 0174/4074383. Foto: Betzelt

© Schwäbische Zeitung - 01.03.2013

Foto: privat

Renate Unterweger lehrte Kinder die Liebe zur Musik

WAIN (sz) - Eine Ära in der Arbeit mit Kindern geht in Wain zu Ende. Am vergangenen Sonntag wurde Renate Unterweger, Gründerin und Leiterin des Flötenkreises der Evangelischen Kirchengemeinde, im Rahmen des Gottesdienstes in der Michaelskirche für ihre Arbeit geehrt und als Leiterin des Kinderflötenkreises verabschiedet.

Vor 27 Jahren hat Unterweger den Flötenkreis gegründet, wenig später wurde der Kinderflötenkreis ins Leben gerufen. Mehr als 200 Kinder führte sie in die Kunst des Blockflötens ein, lehrte sie die Liebe zur Musik, brachte ihnen das Notenlesen bei und führte sie durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit in die Nähe der Gemeinde. Gottesdienste, Erntebetstunden und Altennachmittage bereicherte sie zusammen mit ihren Flötenkreisen, mit liebevoll ausgesuchten und einstudierten Stücken. Regelmäßig fanden auch kleine Konzerte in der Neurologischen Klinik in Dietenbronn und in anderen Kliniken sowie Alten- und Pflegeheimen statt.

Pfarrer Ernst Eyrich überreichte Renate Unterweger als kleine Anerkennung für ihren aufopferungsvollen Dienst je zwei Eintrittskarten für das Historienspiel in Balzheim und ein Weihnachtskonzert im kommenden Dezember im Ulmer Münster.

Geehrt wurde Renate Unterweger auch von David Dehn, dem Vorsitzenden im Bereich Chöre der evangelischen Kirchenmusik in Württemberg. Er würdigte in einem Brief ihr ehrenamtliches Engagement und betonte, wie wichtig es sei, gerade Kindern eine musikalische Ausbildung zukommen zu lassen.

Hoffen auf baldige Nachfolge

Auch Christian Finke vom Verband evangelischer Kinderchöre Deutschland gratulierte Renate Unterweger schriftlich zu ihrem 27. Dienstjubi-läum und wünschte ihr alles Gute für ihren weiteren Weg. Den Flötenkreis für Erwachsene wird sie auch künftig leiten. Die Kirchengemeinde hofft, bald auch einen Nachfolger für den Kinderflötenkreis zu fin-den.

Pfarrer Ernst Eyrich hat Renate Unterweger als Leiterin des Kinderflötenkreises verabschiedet.Foto: privat

© Schwäbische Zeitung - 01.03.2013

Die Evangelische Kirchengemeinde Mengen hat die leer stehende Wohnung im Stock über dem Kindergarten für die Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Foto: Volker Knab

Flüchtlinge wollen arbeiten dürfen

Evangelische Kirchengemeinde bemüht sich um Integration

Von Volker Knab

Mengen - Die Stadt Mengen hat fünf Flüchtlinge vom Landkreis zugeteilt bekommen. Die jungen Männer leben seit Ende Januar in einer Wohnung, die von der Evangelischen Kirchengemeinde Mengen gestellt wurde. Zuvor waren die fünf im Asylheim in Sigmaringen-Laiz untergebracht. Anschlussunterbringung nennt sich das. Vier der Männer stammen aus Pakistan, einer aus Indien. Die Anträge auf politisches Asyl in der Bundesrepublik wurden bei allen zunächst abgelehnt, alle befinden sich jetzt im Status einer Duldung. Ihre Verfahren gehen weiter. Denn zurück will keiner. Ihre Flucht hatte gute Gründe.

„Probleme mit der Polizei in Pakistan“, sagt einer. Ihre Namen möchten sie nicht in der Zeitung lesen. Drei der Flüchtlinge haben sich für ein Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung bereit erklärt. Die Nacken anfangs noch leicht eingezogen, tauen sie während des Gesprächs langsam auf, fassen Vertrauen. Das Gespräch wird von Pfarrerin Ines Fischer von der Evangelischen Kirchengemeinde begleitet. Apropos Dialog: Das Gespräch kommt nur deshalb zustande, weil die drei Männer – alle Mitte 20 – seit Januar an einem Deutsch-Sprachkurs teilnehmen. Gemessen an dieser kurzen Zeitspanne klappt der Dialog erstaunlich gut. Den Sprachkurs möglich gemacht hat die Evangelische Kirchengemeinde. Sie finanziert ihn aus dafür deklarierten Spenden. Und das aus gutem Grund: Sprachkenntnisse sind ein Dreh- und Angelpunkt, damit die jungen Männer ein Bleiberecht in Deutschland erlangen können. Der Alltag der Flüchtlinge ist trotz Sprachkurs, gelinde gesagt, trostlos. „Wir wollen arbeiten“, der Satz fällt im Gespräch immer wieder aufs Neue. Eine Arbeitsgenehmigung erhalten sie aber in ihrem Status nicht oder wenn, dann nur gezielt für eine Stelle. Das Antragsverfahren zieht sich aber über Wochen hin. Inzwischen ist dann aber der Job weg. So zumindest ging es einem der drei Männer. Die Flüchtlinge werden zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen, die dann mit 1,05 Euro vergütet wird. Die gemeinnützige Arbeit können die von der evangelischen Kirchengemeinde untergebrachten Flüchtlinge bei der Gemeinde leisten.

Im Gespräch platzt es dann aus einem der drei förmlich heraus. „Ich darf eine Privatwohnung mieten, ohne Arbeitserlaubnis kann ich sie aber nicht bezahlen. Warum kriege ich keine Arbeitserlaubnis und muss rumhängen?“

Dann blickt er in die Runde: „Keiner von uns hat hier jemals Probleme gemacht“, sagt er. Dabei sind alle schon einige Jahre in Deutschland und leben in diesem Zustand nach gelungener Flucht aus ihrem Heimatland und erzwungenem Nichtstun in Deutschland.

Die Evangelische Kirchengemeinde bemüht sich jetzt um mehr Integration. Kontakte zu den Vereinen will Ines Fischer knüpfen. Ein guter Volleyball-Spieler sucht da beispielsweise ein Team. So kann Integration gelingen, Stück für Stück.


Kontakt über Ines Fischer, Telefon 07572/76 52 00.

Die Evangelische Kirchengemeinde Mengen hat die leer stehende Wohnung im Stock über dem Kindergarten für die Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Foto: Volker Knab


Kommentar
Almosen will kein Mensch

Von Volker Knab

Beim Thema Flüchtlinge ist immer ein Stück Falschheit im Spiel. Denn Willkommen sind Flüchtlinge selten. Opfer werden dann zu Tätern, weil sie vermeintlich anderen die Arbeit wegnehmen. Deshalb sind Flüchtlinge in der Regel zum Nichtstun verdammt. Das macht krank. Dass die Evangelische Kirchengemeinde für die geduldeten Menschen einen Sprachkurs ermöglicht hat, ist deshalb eine sehr gute Sache. Arbeitsmöglichkeiten sind aber der Dreh- und Angelpunkt eines menschenwürdigen Lebens. Niemand will von Almosen leben. Geduldeten Flüchtlingen bei einer Arbeitslosenrate von um die fünf Prozent in der Raumschaft Steine bei der Arbeitssuche in den Weg zu legen ist menschenverachtend.


v.knab@schwaebische.de

© Schwäbische Zeitung - 01.03.2013

Mariaberg hat Interesse am Bonhoefferhaus

Diakonie-Einrichtung und evangelische Kirche verhandeln über neue Nutzung

Von Gerd Mägerle

Biberach - Das Bonhoefferhaus der evangelischen Kirchengemeinde auf dem Mittelberg steht nun möglicherweise doch vor einer neuen Nutzung. Nachdem die Umsetzung eines Inklusionsprojekts mit den Zieglerschen im September vergangenen Jahres am Geld gescheitert war, ist die evangelische Gesamtkirchengemeinde jetzt in Gesprächen mit der diakonischen Einrichtung Mariaberg mit Sitz in Gammertingen (Landkreis Sigmaringen). Dies gab der Biberacher Dekan Hellger Koepff am Mittwochabend bei der Vollversammlung der Gesamtkirchengemeinde im Biberacher Martin-Luther-Haus bekannt.

Entstehen soll dabei ein inklusives Unterstützungszentrum für Menschen mit Behinderung. Neben 14 stationären Wohnplätzen sollen im Gebäudekomplex der Bonhoeffergemeinde am Mittelberg auch ein Platz zur Kurzzeitunterbringung sowie neun Plätze für ambulant betreutes Wohnen entstehen. Darüber hinaus soll es Förder- und Betreuungsangebote sowie eine Beratungsstelle geben. Weitere Kooperationspartner sollen mit einbezogen werden. Auch die evangelische Bonhoeffergemeinde soll dort weiterhin Räume haben oder sie mit Mariaberg gemeinsam nutzen. Weil die steigenden Kosten einen künftigen Unterhalt nicht mehr zulassen, ist die evangelische Gesamtkirchengemeinde schon seit Längerem auf der Suche nach einem Partner, der das Bonhoefferareal übernimmt und einer neuen Nutzung zuführt, der Kirche aber die Möglichkeit zur Mitnutzung ermöglicht.

Für die ganz große Freude und Erleichterung ist es aber noch zu früh, „denn noch ist nichts entschieden“, sagte Dr. Ulrike Werthmann, Vorsitzende der evangelischen Gesamtkirchengemeinde. In Zusammenarbeit mit zwei Architekturbüros werden ab diesem Monat die Realisierungsmöglichkeiten geprüft. Geplant ist, den vorhandenen Gebäudekomplex teilweise umzubauen und energetisch zu sanieren, außerdem soll ein ergänzender Neubau erstellt werden. Seien die Verhandlungen erfolgreich, rechne man mit einem Baubeginn im Herbst dieses Jahres, teilten evangelische Gesamtkirchengemeinde und Mariaberg gestern in einer Presseerklärung mit. Die Kosten für die vorbereitenden Studien, so Dr. Ulrike Werthmann, trägt Mariaberg.

Ziel von Mariaberg als diakonischem Träger sei es, stationäre Wohnplätze in die Gemeinden hinein zu verlagern, heißt es weiter. Dies ermögliche eine vollständige Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Interesse an ZfP-Projekt

Gleichzeitig verfolgt man bei der evangelischen Gesamtkirchengemeinde auch aufmerksam die Pläne des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) Bad Schussenried, das am Berliner Platz in Biberach, also unweit der Bonhoeffergemeinde, den Bau einer Tagesklinik plant. Auch dort sei eine Nutzung der Räume durch die Bonhoeffergemeinde, beispielsweise am Wochenende, „grundsätzlich denkbar“, sagte der ärztliche Direktor des ZfP, Dr. Rudi Metzger, der in der Vollversammlung am Mittwoch anwesend war.

© Schwäbische Zeitung - 01.03.2013

Danny Fresh Foto privat.

Danny Fresh sorgt für „fette Beats“


Rapper erläutert den Konfirmanden, wie er zum Studium an die Popakademie nach Mannheim kam

 

Ochsenhausen (sz) - Einen der Höhepunkte ihrer Konfirmandenzeit haben 45 Jugendliche der drei Kirchengemeinden Ochsenhausen, Kirchdorf und Erolzheim-Rot am vergangenen Mittwoch erlebt. Statt des gewöhnlichen Konfirmandenunterrichts gab es fette Beats und schnelle Reime mit dem Heidelberger Rapper Danny Fresh. Er ist in der deutschen Musikszene unter anderem durch die Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo und Cassandra Steen bekannt.

Fasziniert lauschten die Jugendlichen der Erzählung, wie Danny Fresh als 15-jähriger selbst zur Rap-Musik kam, wie er mit der christlichen Band „W4C“ die erste Platte produzierte und danach sein Studium an der Popakademie in Mannheim begann, um seine Passion zum Beruf zu machen. Sie erfuhren aber auch, dass Rap ursprünglich Respekt und Toleranz bedeutet und eigentlich nichts mit Gewalt und Sexismus zu tun hat, wie es heute in vielen Texten oft zum Ausdruck kommt.

Doch auch mit dem christlichen Glauben hatte der Rap-Workshop viel zu tun. Im kreativen Teil des Workshops sollten die Konfirmanden selbst Texte zum Thema Gott und Hoffnung schreiben. Dafür hatten sich die Konfirmanden vor dem Workshop mit einer Einheit zum Thema Gottesbilder vorbereitet. Alle waren erstaunt, was dabei herauskam, vor allem, als die Texte von Danny Fresh professionell zur Musik gerappt wurden.

Der Rap-Workshop wurde von den Gemeinden gemeinsam mit dem evangelischen Bezirksjugendwerk veranstaltet. Als nächste große Veranstaltung plant das Jugendwerk die Fahrt zum Kirchentag nach Hamburg vom 1. bis 5. Mai.

Danny Fresh

Anmeldungen für den Hamburger Kirchentag sind noch über das Jugendpfarramt (Telefon 08395/9369380) möglich.