© Schwäbische Zeitung - 27.12.2014

foto: bernd Baur

Ein Geächteter erzählt dem Mädchen Suleila die Geschichte von Jesu Geburt

Wain - Suleila kommt aus dem Iran. Sie weiß nicht, warum die Menschen in Deutschland Weihnachten feiern - bis der Obdachlose Otto es ihr erzählt. Das Wainer Weihnachtsmusical "Suleilas erste Weihnacht", aus der Feder von Dagmar und Klaus Heizmann, begeisterte mit einer Mischung aus biblischem Geschehen und aktuellen Bezügen. Der Gesamtleiter Jens Christian Geiger und der Helferkreis der Wainer Kinderkirche hatten das moderne Stück ausgewählt. 30 Akteure aus Kinderkirche und Instrumentalkreis spielten im Gottesdienst am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags gekonnt und mit Feuereifer die Geschichte von der kleinen Iranerin, die beim Spaziergang durch die Stadt dem "Penner" Otto begegnet.

Der oft verspottete und verachtete Mann ("Ohne Geld bist du tabu, gerade an Weihnachten") erzählt dem Mädchen und seinen Freunden unter der Brücke nicht nur sein eigenes Schicksal - wie er durch Krankheit Frau und Freunde, Arbeit und Haus verlor. Otto liest den Kindern auch aus der Bibel vor. - Die Geschichte vom römischen Kaiser, von Maria und Josef, vom Viehstall und den Hirten und natürlich vom Kind in der Krippe wurde in farbenprächtigen Kostümen nachgespielt und besungen. Ein neunköpfiges Musikensemble hatte sich eigens für das Musical zusammengefunden. Der Sinn von Weihnachten wurde Suleila deutlich: Gott hat sich zu den Menschen aufgemacht, weil er sie liebt - darin liegt das größte Geschenk überhaupt. Für die Besucher der Michaelskirche war das Weihnachtsmusical ein Geschenk in sich.


© Schwäbische Zeitung - 27.12.2014

Alle dürfen zur Krippe, auch Ochs (rechts) und Esel (links). FOTO: BERND BAUR

Zu diesem Kind dürfen alle kommen

Krippenspiel in Schwendi: Wie Ochs und Esel ihr Zögern überwinden und den Heiland wärmen

Schwendi - - Alle dürfen zur Krippe kommen: Unter diesem Motto stand der evangelische Familiengottesdienst in der Sankt-Anna-Kapelle in Schwendi an Heiligabend. Wieder einmal wurde in dem voll besetzten Gotteshaus kein klassisches Krippenspiel präsentiert, sondern eine Variation zum Weiterdenken.

Pfarrer Ernst Eyrich hatte zusammen mit Sabine Gerner und Ingeborg Neubert mit rund zehn Kindern ein Vorspiel eingeübt, das Klein und Groß gespannt verfolgten. Der Ochse fühlte sich zu groß und zu gewaltig, um das Kind in der Krippe im Stall von Bethlehem zu besuchen. Auch der Esel hielt sich für eine ungeeignete Gesellschaft, weil ihn "alle Menschen für dumm und faul halten".

Da kamen zwei schlaue Mäuschen dahergelaufen. Sie widersprachen den Tieren und machten ihnenMut: Zu diesem Kind dürfen alle kommen - ungehobelte Klötze und solche, die getrieben werden müssen, weil sie aus eigenem Antrieb nicht zu bewegen sind. Dieses Kind freut sich über alle: Starke und Schwache, Weise und Einfache, Große und Kleine, Angesehene und vermeintlich dumme Esel. Daraufhin änderten Ochs und Esel ihre Meinung und stellten sich zum neugeborenen Jesus - sie wärmten ihn mit ihrem Atem.

Nach dem Familiengottesdienst wurden die Kinder für ihren Einsatz mit kleinen Geschenken belohnt, für alle Gottesdienstbesucher gab es Orangen und Hefeteigbrezeln.

© Schwäbische Zeitung - 22.12.2014

Die Akteure freuten sich über eine vollgepackte Kirche und reichlich Beifall von den Zuhörern: Der ökumenische

Mäd­chen und Bu­ben sin­gen en­gels­gleich

Ökumenischer Kinder- und Jugendchor erhält in Ummendorf viel Beifall

Von Josef Aßfalg 22. Dezember 2014

Ummendorf - Vorweihnachtliche Stimmung hat der ökumenische Kinder- und Jugendchor am vierten Adventssonntag in der evangelischen Versöhnungskirche in Ummendorf verbreitet. Die 40 Mädchen und Buben im Alter von fünf bis 15 Jahren trugen im Gottesdienst unter der Leitung von Sabine Götze das Singspiel "Drei Engel auf dem Dach" vor und erhielten viel Applaus.

Das Gotteshaus war prall gefüllt. Sogar im Flur der Kirche waren Stühle aufgestellt und der Gottesdienst wurde über Lautsprecher übertragen. Wer keinen Sitzplatz bekam, begnügte sich mit einem Stehplatz.

Mit glockenklarer Stimme sang Aline Ehrig-Metz mit Begleitung von Sabine Götze am Klavier das Vorspiel zum Einzug. Vor dem Singspiel mit dem Engelschor sagte Pfarrerin Andrea Luiking: "Jetzt schauen wir mal, was sich da so zuträgt im Himmel und auf Erden." Interessiert lauschten die Besucher dem Singspiel "Drei Engel auf dem Dach", das für eine zauberhafte Advents- und Weihnachtsstimmung sorgte.

Kleine Wunder werden wahr

Dem Erzengel Gabriel gelingt es nicht, seinen Engelschor zu zügeln. Die drei ärgsten Störenfriede schickt er fort auf ein angebliches Abenteuer. Ausgestattet mit einem Navigationsgerät sollen sie als Vorboten der Geburt Christi an die Adresse Bethlehem, Feldweg 17, gehen. Sie sollen auf dem Dach eines Stalles warten, wachsam und hilfsbereit sein. Die drei Engel Seraphine, Cherub und Raphael halten sich an das Gesagte und als Josef und Maria im Stall eintreffen, werden kleine Wunder wahr.

Ein reicher Beifall war den sing- und spielfreudigen jungen Akteuren sicher. Sabine Götze leitete den Chor und Claudia Schmidt begleitete das Singspiel am Klavier. Pfarrerin Luiking dankte den Leiterinnen Sabine Götze, Aline Ehrig-Metz, Claudia Schmidt und Renate Schick für die wochenlange Probenarbeit.

Probenarbeit hat sich gelohnt

Für die Kinder, "die in die einzelnen Rollen geschlüpft sind und so schön gesungen haben", habe sie ein kleines Schokopräsent, so die Pfarrerin. "Es war wunderbar", sagte Chorleiterin Sabine Götze im Gespräch. Die Proben seien zwar anstrengend gewesen, aber der Auftritt mit den Kindern entschädige für die Probenarbeit. Wenn sie da die Kinder mit ihren leuchtenden Augen beim Singen sehe und höre, "da geht mir das Herz auf", resümierte Götze schmunzelnd.

© Schwäbische Zeitung - 19.12.2014

Die VoBa Riedlingen spendet der katholischen und der evangelischen Kirche je 2000 Euro (von links): VoBa-Vorstandssprecher Alfred Wormser, Pfarrer Walter Stegmann, VoBa-Marketingleiterin Jutta Springer-Rebstein und Pfarrer Martin Elsässer

Die VoBa Riedlingen spendet der katholischen und der evangelischen Kirche je 2000 Euro (von links): VoBa-Vorstandssprecher Alfred Wormser, Pfarrer Walter Stegmann, VoBa-Marketingleiterin Jutta Springer-Rebstein und Pfarrer Martin Elsässer. sz-Foto: Kerstin Schellhorn

Ein Zei­chen des Ver­trau­ens - VoBa Riedlingen spendet Kirchen 4000 Euro
Von Kerstin Schellhorn

Riedlingen - Die Volksbank-Raiffeisenbank (VoBa) Riedlingen hat der katholischen und der evangelischen Kirche jeweils 2000 Euro gespendet. Vorstandssprecher Alfred Wormser und Marketingleiterin Jutta Springer-Rebstein übergaben die Spendenschecks an Pfarrer Walter Stegmann und seinen evangelischen Kollegen Martin Elsässer. Die können das Geld nach ihrem eigenen Ermessen verwenden und dort einsetzen, wo es gebraucht wird. "Das ist ein großes Zeichen des Vertrauens uns gegenüber", sagte Pfarrer Elsässer.

Seit einigen Jahren schon pflegt die VoBa Riedlingen die Tradition, den Kirchen in der Adventszeit einen gewissen Betrag zur freien Verfügung zukommen zu lassen. "Wir wissen, dass das Geld bei Ihnen in guten Händen ist", sagte Vorstandssprecher Wormser bei der Scheckübergabe. "Denn Sie wissen, wo man unterstützen muss."

Schnell und unbürokratisch

Abseits der Hilfe, die die regulären kirchlichen Initiativen leisten, und die oft eine Antragstellung erfordert, könne mit dem Spendengeld schnell und unbürokratisch geholfen werden, erklärt Stegmann. "Es gibt eben auch kurzfristige Not." Mit dem Geld werde somit Menschen geholfen, die eine Notsituation überbrücken müssen - beispielsweise, wenn jemand unerwartet seinen Arbeitsplatz verliert und die Miete nicht mehr bezahlen kann.

Es werde aber auch verwendet, um Leuten Medikamente zu finanzieren, die die Krankenkasse nicht übernimmt, sagt Stegmann. Oder um einer Familie einen Weihnachtsbraten auf den Tisch zu bringen, die sich das sonst nicht leisten könnte. Manchmal fehlt es aber auch an ganz einfachen Dingen, wie Babywindeln. "Bei größeren Beträgen kontrollieren wir, ob das Geld auch tatsächlich für den gedachten Zweck verwendet wird. Bei kleineren riskieren wir, dass wir auch mal übers Ohr gehauen werden."

Ganz konkret will Pfarrer Elsässer in diesem Jahr etwa einem jungen Mann ermöglichen, über Weihnachten zu seiner Schwester zu fahren, die etwas weiter weg wohnt. Oft sei die finanzielle Unterstützung aber nicht nur eine materielle Hilfe. "Das ist auch ein Stück Entlastung für die Psyche."

Entscheidend ist, dass das Geld anonym verteilt wird. Die Namen der Empfänger tauchen nirgends auf und werden in keiner Liste geführt. Das macht es den Menschen leichter, um Unterstützung zu bitten. Denn: "Die Angst vor dem Gesichtsverlust ist da", sagt Stegmann. Umso dankbarer sind die beiden Pfarrer für das Vertrauen der Riedlinger VoBa. Der katholische Pfarrer betont: "Das ist nicht selbstverständlich."

© Schwäbische Zeitung - 19.12.2014

40 Buben und Mädchen sind in der Versöhnungskirche führen das Singspiel "Drei Engel auf dem Dach" auf.

40 Buben und Mädchen führen am Sonntag das Singspiel "Drei Engel auf dem Dach" auf. sz-foto: Josef Aßfalg

Un­ar­ti­ge En­gel in Um­men­dorf
Ökumenischer Kinder- und Jugendchor führt am Sonntag Krippenspiel auf

Ummendorf - Der ökumenische Kinder- und Jugendchor Ummendorf führt am Sonntag, 21. Dezember, um 10.30 Uhr im Gottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche das Singspiel "Drei Engel auf dem Dach" auf. Die Leitung hat Sabine Götze.

Der Münchner Kirchenmusikdirektor Andreas Hantke hat die Geschichte von den unartigen Engeln vertont. Die drei "Lauseengel" Cherub, Raphael und Seraphine stören permanent die Probe des Engelschors. So schickt Erzengel Gabriel die "Störenfriede" nach Bethlehem, wo die "Lauseengel" bei der Verkündigung von Jesu Geburt einsehen, dass die strenge Probendisziplin ihren Sinn hatte.

Seit Wochen proben die 40 Buben und Mädchen, lernen Texte auswendig, studieren Musikstücke und spielen die Szenen durch. Die Sing- und Spielfreude ist den Akteuren im Alter von fünf bis 15 Jahren anzumerken. Völlig unbefangen "schlüpfen" sie in ihre Rollen und singen mit schönen Kinderstimmen.

"Es ist unser erstes ökumenisches Zielprojekt für Kinder", sagt Pfarrerin Andrea Luiking. Die Kinder seien spontan, "was uns Erwachsenen manchmal fehlt und sie bringen unheimliche Freude mit beim Singen", resümiert Sabine Götze. Für die Dirigentin ist die Arbeit mit dem ökumenischen Kinder- und Jugendchor eine Premiere.

© Schwäbische Zeitung - 16.12.2014

Foto privat

Bä­cker und Kon­fir­man­den ba­cken Brot für die Welt

Biberach - Insgesamt 856 Euro haben drei Biberacher Konfirmandengruppen mit selbst gebackenem Brot für Kinder- und Jugendprojekte erwirtschaftet, die das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" in Bangladesch, Ghana und Kolumbien unterstützt. Sie nahmen damit teil an einer bundesweiten Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks unter dem Motto "5000 Brote - Konfis backen Brot für die Welt". Die Biberacher Bäckereien "Eisinger" und "Keim & Brecht" öffneten ihre Backstuben, damit sich die mehr als 60 Konfirmanden im Brotbacken üben und einen Einblick in den Bäckerberuf bekommen konnten. Bei drei Backaktionen entstanden so 230 Brote, die die Konfirmanden in ihren Kirchengemeinden gegen Spenden anboten. Im Konfirmandenunterricht war die Aktion ein Anlass, dass sich die Jugendlichen mit der Lebenswirklichkeit von jungen Menschen in anderen Teilen der Welt auseinandersetzen.

NEU in Biberach: Gebraucht-Kleiderladen "Trag's Weiter"

Am 14. Dezember 2014 wurde der Gebraucht-Kleiderladen „Trag’s weiter“ eröffnet.

Der erste Tag war ermutigend. Dicht gedrängt standen am gestrigen Samstag interessierte Kunden und Gäste aus den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, Vertreter der Fraktionen des Stadtrats und des Landratsamtes und auch Bundestagsabgeordneter Martin Gerster (Foto re., Mitte) im neuen Gebrauchtkleiderladen, den die Arbeitsgemeinschaft Missions- und Entwicklungshilfe Laupheim e.V., die Katholische Gesamtkirchengemeinde Biberach und die Diakonie des Evangelischen Kirchenbezirks gemeinsam in der Biberacher Bürgerturmstraße 3/5 betreiben.

Künftig soll so genannte Topware aus den Kleidersammlungen, die die Diakonie und die Aktion Hoffnung veranstalten, im neuen Laden verkauft werden. Der Erlös des Ehrenamtsprojekts dient der Finanzierung von Hilfslieferungen der „Arbeitsgemeinschaft Missions- und Entwicklungshilfe Laupheim“ in alle Welt.
(In den nächsten Tagen zum Beispiel verlässt ein großer Transporter mit Hilfslieferungen aus Kleidern die Lagerhalle in Laupheim und macht sich auf den Weg ins irakische Arbil.) Und ebenso fließen paritätisch die Erlöse in die Finanzierung eines Beschäftigungsprojektes der Diakonie zugunsten von Langzeitarbeitslosen im Landkreis Biberach. (Das Diakonie-Lädele in der Wielandstraße 22 wird übrigens künftig als Sozialladen im Rahmen dieses Beschäftigungsprojekts geführt.)

In einer kleinen Eröffnungsfeier wurde das gemeinsame Projekt gestern auf den Weg gebracht. Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, Roman Engelhart, führten Diakoniepfarrer Peter Schmogro und Diakon Damian Walosczyk in die Ladenidee ein, die hinter dem Namen „trag’s weiter“ steckt. Und schließlich brachten die Trägervertreter, Bruno Heiss (Arbeitsgemeinschaft Missions- und Entwicklungshilfe), Pfarrer Kaspar Baumgärtner (Katholische Gesamtkirchengemeinde Biberach) und Dekan Hellger Koepff (Bild li.) (Evangelischer Kirchenbezirk) die guten Wünsche der drei Trägereinrichtungen zum Ausdruck.

Mit Blick auf den 3. Advent, an dem Johannes der Täufer im Vordergrund steht, erinnerte Koepff daran, dass ja der Vetter Jesu gewissermaßen auch gebrauchte Kleider getragen habe und zum Kleiderteilen eingeladen habe („Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat…“ Lk 3,11).
Freilich, so der Dekan, gehe es heute nicht mehr so einfach. Damit Hilfe dort ankommt, wo sie benötigt wird, brauche es ausdifferenzierte Hilfesysteme – national und international. Und um beide Dimensionen geht es auch im neuen Laden „trag’s weiter“.

Vom Adventslied „Tragt in die Welt nun ein Licht“ schlug Dekan Koepff zuletzt nochmals den Bogen zum Laden: Was im Lied besungen wird – die Hinwendung zur Welt – werde im Ladenprojekt von den Ehrenamtlichen gelebt.
Joachim Perratoner sorgte mit Gitarre und Gesang für die musikalische Umrahmung und fand den richtigen Ton, sodass mancher Besucher ins Lied miteinstimmte.

Den ganzen Samstag über fand der Laden großen Zuspruch. Die Kunden gaben sich förmlich die Klinke in die Hand. Und die Reaktionen waren durch die Bank positiv: „So etwas hat in Biberach noch gefehlt“, waren Kommentare, die häufig zu hören waren. Und so manche und mancher outete sich als regelmäßiger second-hand-Kleider-Kunde – und auch Kleiderspender.

Dass das Ladenprojekt fortan gemeinsam, in ökumenischer Trägerschaft betrieben wird, wurde einhellig als wegweisend begrüßt.

Die Öffnungszeiten vom trag’s weiter sind: Mo – Fr: 9.30 – 18.00 Uhr; Sa: 9.30 – 13 Uhr. Kleiderspenden von gut bis sehr gut erhaltenen Kleidern, Schuhen und Accessoires können wochentags abgegeben werden in der Diakonischen Bezirksstelle, Wielandstraße 24

© Schwäbische Zeitung - 12.12.2014

Der Wainer Bürger Markus Schließer hat dieses Haus Auf der Bausch an die Gemeinde vermietet. Für die Familie Ismailovic ist es ein Ort, an dem sie sich in Sicherheit fühlen darf. Foto: ulrike guggenberger

Fast je­den Abend sagt ein Nach­bar Hal­lo
Eine Familie aus Serbien bekommt in Wain Unterstützung vom Arbeitskreis Flüchtlinge

Von Diana Hofmann 12. Dezember 2014

Wain - Niedrige Decke, knarzende Dielenböden, im Wohnzimmer ein bullernder Holzofen - das über hundert Jahre alte Haus Auf der Bausch in Wain strahlt einen gewissen nostalgischen Charme aus. Manche Schwaben würden es als "alte Hugg", also alte Hütte bezeichnen, aber für die Familie Ismailovic ist es vor allem ein Ort der Sicherheit.

Am 17. November ist die Familie nach Wain gekommen, davor hat sie gut ein Jahr in Ochsenhausen gewohnt. Willkommen geheißen wurden Vater Sabria, Mutter Indira und die Kinder Samuel (13) und Alina (12) von den freiwilligen Helfern des Arbeitskreises Flüchtlinge, zu dem sich etwa 20 Wainer Ende Oktober zusammengeschlossen hatten.

Wie viel Hilfe nötig sein würde, war beim ersten Treffen noch unklar. Mittlerweile ist einiges in die Tat umgesetzt worden: Fahrdienste zu den Ämtern wurden geleistet, Möbel und Bettdecken organisiert und Mathe-Nachhilfeunterricht für die Kinder. Ein ortsansässiger Maler hat Wandfarbe gebracht. Samuel hat sein Zimmer mit Hilfe eines Verwandten bereits grün gestrichen, als nächstes ist das Wohnzimmer dran.

"Die Hilfe läuft", sagt der evangelische Pfarrer Ernst Eyrich, der als Sprecher des Arbeitskreises fungiert. Dass die Familie selbst mit anfasst, sieht er als gutes Zeichen für eine gelingende Integration.

"Wir sind sehr dankbar", sagt Sabria Ismailovic. Er habe sich darüber gewundert, wie freundlich sie in Wain aufgenommen worden sind. "Fast jeden Abend kommt ein Nachbar und will uns kennenlernen."

Sabrias Deutsch ist sehr gut, was daran liegt, dass er bereits 1992, während des Bosnienkriegs, mit seinen Eltern zum ersten Mal nach Deutschland kam. Nach dem Kriegsende 1995 kehrte der Roma zurück nach Serbien. Doch es war zu früh: Erneut flackerten die Kämpfe im Jugoslawienkrieg auf, und er wurde zum Kriegsdienst eingezogen.

Als 2001 der serbische Machthaber Milosevic verhaftet wurde, hoffte Ismailovic auf friedliche Zeiten. Doch für Angehörige einer ethnischen Minderheit wie die Roma ist die Situation dort nach wie vor schwierig. Sie sind weiterhin Opfer "institutioneller Diskriminierung im sozialen Bereich", wie es in einem aktuellen Gutachten der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl heißt. Auch die Familie Ismailovic hat Ausgrenzung und Justizwillkür erfahren, als ihr Haus in Serbien abgerissen wurde, weil es angeblich dem Neubau eines Thermalbads im Weg stand. Gebaut wurde es nie.

Arbeit zu haben ist wichtig


Nun sind sie froh, in Deutschland zu sein. Sabria Ismailovic hat sich mit Hilfe des Arbeitskreises bereits erfolgreich um Arbeit bemüht: Seit Anfang Dezember arbeiten beide Eltern in den Heggbacher Einrichtungen. Es ist zwar nur ein Ein-Euro-Job, doch er ist für den 40-Jährigen, der immer gearbeitet hat, wichtig.

Die beiden Kinder besuchen seit einem Jahr die Werkrealschule in Schwendi. Mit dem Umzug von Ochsenhausen nach Wain hat sich ihr Schulweg beträchtlich verkürzt. Beide gehen zur Jungschar, und Alina würde gerne einem Sportverein beitreten - Sport ist neben Kunst ihr Lieblingsfach. Natürlich hat sie manchmal auch Heimweh nach ihren Freunden in Serbien, und auch mit der Sprache kämpft sie noch. Doch insgesamt sind alle froh, hier zu sein.

© Schwäbische Zeitung - 11.12.2014

Freuen sich über die Eröffnung des neuen Sozialladens "Trag's weiter":

Freuen sich über die Eröffnung des neuen Sozialladens "Trag's weiter": (v. l.) Damian Walosczyk, Sabine Neumann (Sammelzentrale in Laupheim), Petra Wolf (Leiterin des Biberacher Sozialladens), Peter Schmogro, Bruno Heiss und Roman Engelhart, beide von der Arbeitsgemeinschaft Missions- und Entwicklungshilfe Laupheim. SZ-Foto: Gerd Mägerle

La­den für Ge­braucht­klei­dung er­öff­net am Sams­tag
Mit dem Geschäft in der Bürgerturmstraße wollen die kirchlichen Träger soziale Projekte fördern


Biberach - Unter dem Motto "Trag's weiter" eröffnet am Samstag, 13. Dezember, ein Laden für Gebrauchtkleidung in der Bürgerturmstraße 3/5 (neben Intersport Heinzel) in Biberach. Träger des Ladens sind die katholische Gesamtkirchengemeinde, die Diakonie Biberach sowie die Arbeitsgemeinschaft Missions- und Entwicklungshilfe Laupheim.

Menschen mit schmalem Geldbeutel oder solche, die aus Überzeugung gebrauchte Kleidung weiter tragen, sollen in dem etwa 240 Quadratmeter großen Laden eine Auswahl an Second-Hand-Bekleidung in bester Qualität vorfinden. Gleichzeitig können Menschen, die sich von einem gut erhaltenen Kleidungsstück trennen wollen, dies im Laden abgeben. Verkauft und angenommen werden neben Kleidungsstücken auch Schuhe, Handtaschen, Gürtel und Accessiores.

"Wir sind eine Alternative zu den Kleidercontainern, wo sich inzwischen auch viele schwarze Schafe tummeln", sagt Pfarrer Peter Schmogro, der die Diakonie vertritt. Angenommen und weiterverkauft werden die Kleidungsstücke von rund 25 ehrenamtlichen Mitarbeitern, von denen sich immer zwei die Arbeitszeiten teilen. "Da würden wir uns noch über weitere Helfer freuen", sagt Diakon Damian Walosczyk für die katholische Seite. Mit dem Erlös des Ladens wird ein Beschäftigungsprojekt der Diakonie für Langzeitarbeitslose im Landkreis Biberach gefördert, außerdem sollen Entwicklungshilfeprojekte der Aktion Hoffnung in aller Welt unterstützt werden.

Für die Aktion Hoffnung betreibt die Arbeitsgemeinschaft Missions- und Entwicklungshilfe bereits seit Jahren eine große Sammelzentrale in Laupheim. Von dort kommt auch sehr viel Unterstützung und Know-how für den neuen Laden in Biberach. "In Laupheim sortieren wir rund 600 Tonnen gebrauchte Kleidung pro Jahr", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Roman Engelhart. Etwa ein bis zwei Prozent davon sei "Topware", die in Sozialläden wie dem in Biberach weiterverkauft werden könne. Der Rest gehe in Entwicklungshilfeprojekte.

Im Gegenzug zur Eröffnung des Ladens in der Bürgerturmstraße wird der bisher bestehende Sozialladen der Diakonie in der Rollinstraße schließen. Weiterhin offen bleiben die Läden von katholischer Gesamtkirchengemeinde in der Schwanengasse und das Diakonielädele in der Wielandstraße.

Öffnungszeiten des Sozialladens sind montags bis freitags von 9.30 bis 18 Uhr sowie samstags von 9.30 bis 13 Uhr.

© Schwäbische Zeitung - 05.12.2014

In den Händen von Erwin Gering, Vorsitzender der Münzfreunde (links), und Hans Beck, Vorsitzender der Bauhütte Simultaneum, liegen die Münzen

In den Händen von Erwin Gering, Vorsitzender der Münzfreunde (links), und Hans Beck, Vorsitzender der Bauhütte Simultaneum, liegen die Münzen. SZ-FOTO: GÜNTER VOGE

Orgel und Trompete erklingen

(sz) - Das zweite Feierabendkonzert ist heute um 18 Uhr in der evangelischen Spitalkirche und wird von Kuno Högerle (Trompete) und Ralf Klotz (Orgel) gestaltet. Es erklingen Werke der Barockmeister Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi, begleitet auf der Barockorgel der Spitalkirche. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

© Schwäbische Zeitung - 05.12.2014

Mar­tin-Lu­ther-Ge­mein­de­haus: Ge­mein­den la­den zum Ad­vents­kaf­fee ein

BIberach - Zum ersten Mal laden die beiden Kirchengemeinden Heilig Geist und Stadtpfarrkirche gemeinsam zu einem festlichen Nachmittag im Advent ins Martin-Luther-Gemeindehaus ein. Am Sonntag, 7. Dezember, findet im Martin-Luther-Gemeindehaus, Waldseer Straße 20, ein gemütlicher Adventskaffee statt. Die Adventsfeier beginnt um 14.30 Uhr und endet gegen 16.30 Uhr. Die beiden Kirchengemeinderatsgremien haben für dieses Jahr die gemeinsame Feier beschlossen, Pfarrerin Daniela Bleher und Pfarrer Ulrich Heinzelmann sorgen für einen geistlichen Impuls. Der große Saal ist festlich dekoriert, die Kinder der Kindergärten Sandberg, Talfeld und Braithweg singen ein Adventslied, Kantor Ralf Klotz musiziert auf dem neuen Flügel und begleitet Adventslieder.

Über die Pfarrämter kann ein Fahrdienst in Anspruch genommen werden, Telefon 07351/9401 oder 07351/9404.

© Schwäbische Zeitung - 05.12.2014

Der Frühgottesdienst wird 20 Jahre.

Tiefe Gedanken zur frühen Stunde: Der Frühgottesdienst wird 20. Foto: lange

Im Sin­ne des Si­mul­ta­ne­ums
Frühgottesdienst lockt viele Menschen freitags um 6 Uhr in die Kirche - auch heute wieder


Biberach - Der Frühgottesdienst in Biberach feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Heutzutage zeichnet ihn aus, dass katholischer und evangelischer Pfarrer gemeinsam zunächst die Kirchenpforten öffnen, anschließend werden alle zum Frühstück eingeladen - ganz im Sinne des Simultaneums.

Ab 1994 waren die Gottesdienste rein katholisch, seit 2003 sind diese ökumenisch geworden. Aktuell gehört dem Vorbereitungsteam der evangelische Pfarrer Ulrich Heinzelmann an, der um 6 Uhr mit der Gitarre am Altar steht und zur Ehre Gottes musiziert.

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von freiwilligen Teams in unterschiedlicher Zusammensetzung. Von Schülern aus den Gymnasien bis zu Pensionären, die den "Frühgo" vorbereiten, aber auch das anschließende gemeinsame Frühstück im Gemeindesaal St. Martin. Zum einem ist das "Frühgo"-Team für den Gottesdienst verantwortlich, zum anderen die Gruppe, die das Frühstück vorbereitet. Zwei Pfarrer öffnen die Pforten der Kirchen: der katholische Pfarrer Kaspar Baumgärtner und der evangelische Pfarrer Ulrich Heinzelmann - ganz im Sinne des Simultaneums.

Die Spenden, die für das Frühstück gegeben werden, werden immer wieder sozialen Projekten zugeführt. Insofern weitet sich dieser Gedanke des "Miteinander" auch über die Besucher aus.

Die Gottesdienste sind freitags um 6 Uhr, heute, am 5. Dezember sowie am 12. Dezember. Der Dank-Gottesdienst ist am 19. Dezember in der evangelischen Spitalkirche. Die Frühgottesdienste für die Fastenzeit beginnen ab Aschermittwoch.