© Schwäbische Zeitung - 26.06.2014

Der evangelische Wainer Pfarrer Ernst Eyrich hat die Predigt beim Gottesdienst im Freien gehalten.

Vom Säen des Korns bis zum Backen des Brotes

Wainer Gemeinde feiert eine Erntebetstunde auf dem Harberghof


WAIN - Seit vielen Jahren findet immer kurz vor der Ernte in Wain auf dem Harberghof eine Erntebetstunde statt. Ein Gottesdienst im Grünen, gepredigt vom evangelischen Wainer Pfarrer Ernst Eyrich. Musikalisch umrahmt und mitgestaltet wurde die Messe vom Wainer Posaunenchor, dem Flötenkreis der Grundschule Wain und den Schülern der Wainer Grundschule.

Trotz Regen am Morgen konnte pünktlich um 19.30 Uhr bei schönem Sommerwetter die Erntebetstunde in diesem Jahr beginnen. Jung und Alt aus der Wainer Gemeinde hatten auf den Bierbänken, welche auf der Wiese vor dem Hartberghof aufgestellt waren, Platz genommen. Karin und Andreas Frey stellen bereits seit vielen Jahren ihren Hof für die Erntebetstunde zur Verfügung.

Den musikalischen Auftakt machte der Wainer Posaunenchor unter der Leitung von Markus Schließer. Pfarrer Eyrich begrüßte die Gemeinde und verlas den Wochenspruch "Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich."

Zwischen der Predigt sangen die Wainer Grundschüler das Lied "Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr". Begleitet wurden sie von der Flötengruppe der Grundschule, welche von Renate Unterweger geleitet wird.Die Kinder der vierten Klasse trugen Wissenswertes über das Brot vor und beleuchteten dessen Bedeutung in der christlichen Kirche. Auch der Weg des Brotes vom Säen des Korns bis zum Backen im Ofen wurde anhand einer Geschichte erklärt. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass man jeden Tag etwas zu essen hat und schon gar nicht, dass das Brot beim Bäcker im Regal wächst.

Das Opfer des Gottesdienstes ist für die Partnergemeine in Bad Klosterlausnitz bestimmt.

© Schwäbische Zeitung - 18.06.2014

Kirchen zeigen WM-Spiel gegen Ghana

EROLZHEIM -
Anpfiff für Public Viewing in Erolzheim ist am 21. Juni mit dem Spiel Deutschland gegen Ghana. Die evangelische Kirchengemeinde und die katholische Kirchengemeinde übertragen das WM-Spiel im katholischen Gemeindehaus (Marktplatz). Das Haus ist ab 20.30 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Für Verpflegung ist gesorgt. Sollte Deutschland erfolgreich sein, werden zudem folgende weitere Spiele in der Mehrzweckhalle in Erolzheim übertragen: Das Halbfinale beginnt am 9. Juli um 22 Uhr. Das Spiel um den dritten Platz am 12. Juli (Beginn 22 Uhr) oder das Finale am 13. Juli um 21 Uhr wird auch übertragen.

Begleitet wird das Public Viewing von einem Vortrag über das Leben in Brasilien. Der Geschäftsführer des Gustav-Adolf-Werks, Ulrich Hirsch, kommt am 25. Juni nach Erolzheim. Er berichtet unter dem Motto "Brasilien ist mehr als Fußball - Menschen, Partner und Projekte im Land der Fußball-WM 2014" über die Situation der Menschen in Brasilien außerhalb der Fußball-WM. Der Abend beginnt um 19.30 Uhr in der evangelischen Diasporakirche in Erolzheim (Edelbeurer Straße 3).

© Schwäbische Zeitung - 18.06.2014

Der alten Uhr schlägt eine neue Stunde

Walter Wipfler hat das vor langer Zeit ausgemusterte mechanische Uhrwerk aus dem Wainer Kirchturm restauriert

WAIN - Die Kurbel mit dem Holzgriff kennt Walter Wipfler seit Kindertagen. Damals, kurz nach dem Krieg, hat er sie schon gedreht und der Mesnerin Fanny geholfen, die Turmuhr der Wainer Michaelskirche aufzuziehen. Mehr als 100 Jahre ist das Uhrwerk alt, gefertigt hat es die Firma Ph. Hörz in Ulm. Ein Koloss aus Stahl und Eisen, mit Ketten, Seilwinden und Zahnrädern, die den Durchmesser haushaltsüblicher Bratpfannen übertreffen. Ein Gestänge hoch hinauf in den Turm stellte die Verbindung her zu den Zeigern am Zifferblatt.

Irgendwann um 1955 schlug dieser Uhr die Stunde. Sie wurde ausgemustert und die Zeit den Menschen fortan nicht mehr mechanisch, sondern elektrisch angezeigt.

Weggesperrt in einen Schrank, geriet das alte Uhrwerk in Vergessenheit. Bis der Hobbyfilmer Walter Wipfler vor ein paar Jahren den Turm der Michaelskirche bestieg, um die Glocken aufzunehmen. "1949 hat Wain wieder Glocken bekommen", erzählt er. Die alten hatte die Wehrmacht im Krieg konfisziert und eingeschmolzen.

An jenem Tag, als Wipfler im Glockenstuhl filmte, hat Pfarrer Ernst Eyrich ihm den Uhren-"Oldtimer" gezeigt und gemeint, dass es sich wohl lohnen könnte, ihn dem Dornröschenschlaf zu entreißen.

Fast 500 Kilogramm schwer


Für diese Idee war Wipfler, ein Tüftler vor dem Herrn, der leidenschaftlich Filmprojektoren und Dampfmaschinen von anno dazumal restauriert, sogleich gewonnen. Das Uhrwerk, fast 500 Kilogramm schwer, wurde zerlegt und in seine Werkstatt transportiert.

In einem mehrjährigen Prozess - zwischendurch ruhte die Arbeit - hat Walter Wipfler jedes Bauteil, jedes Schräuble entrostet, an der Drehbank mit der Stahlbürste poliert und wieder gängig gemacht - für Gotteslohn. "Kaputt waren lediglich ein paar Federn", erzählt der 73-Jährige. "Das ist eine grundsolide Konstruktion, Wertarbeit, für die Ewigkeit gemacht."

Das Pendel schwingt

Inzwischen ist die Arbeit vollendet. Mithilfe eines kleinen Elektromotors läuft das Uhrwerk wieder. Das Pendel schwingt - ticktack. Auch das Schlagwerk ist funktionstüchtig, in Betrieb nehmen möchte Wipfler es indessen nicht: "Dazu bräuchte es Gewichte, das ist sehr kompliziert und aufwendig."

Mit dem Ergebnis seiner Mühen ist der ehemalige Häwa-Geschäftsführer zufrieden: "Jetzt kann man das Uhrwerk wieder anschauen." Und was heißt hier Mühen! Er habe Freude an solchen Aufgaben, versichert Wipfler, "Pfarrer Eyrich hat mir damit einen Gefallen getan".

Wohin nun mit dem Museumsstück? Walter Wipfler schwebt vor, das Uhrwerk in einer stabilen Vitrine mit Glasscheiben auszustellen. Pfarrer Eyrichs Überlegungen zielen in die gleiche Richtung. Er möchte die Uhr im Foyer des evangelischen Gemeindehauses öffentlich zugänglich machen, als verbindendes Element zum benachbarten Gotteshaus. "Die Uhr steht für ein Kapitel Wainer Kirchengeschichte", sagt Eyrich. Dank Walter Wipfler schlägt ihr jetzt eine neue Stunde.

© Schwäbische Zeitung - 17.06.2014

Sorgten beim Bürgerparkfest für musikalischen Schwung: Die Albflitzer und Frank Miller am Kontrabass.

Bürgerparkfest kommt Seniorenzentrum zugute

Gottesdienst, Musik, Rettungshunde: Der ASB-Freundeskreis hat ein vielfältiges Programm organisiert


SCHWENDI - Die Gelegenheit zur Begegnung haben am Sonntag etliche Menschen beim Bürgerparkfest in Schwendi genutzt. Der ASB-Freundeskreis Seniorenzentrum Sofie Weishaupt hatte dazu eingeladen.

Seit sieben Jahren gibt es das Bürgerparkfest. Erstmals wurde es mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet, den Pfarrer Ernst Eyrich und Diakon Günther Rahn mit den Besuchern feierten. Eine musikalische Gestaltung erfolgte durch den Wainer Posaunenchor.

"Dieser Gottesdienst hat unser Fest bereichert", erklärte die Freundeskreis-Vorsitzende Klara Grimm. Sie und die Mitglieder des Freundeskreises bewirteten die Gäste. Musikalisch sorgten zusätzlich die Albflitzer (verstärkt durch Frank Miller am Kontrabass) für einen unterhaltsamen Ton. Wie Hilfe auf vier Pfoten organisiert werden kann, zeigten neun Hundeführer des ASB-Rettungshundezugs mit ihren Tieren, kommentiert vom Leiter Paul Sontheimer.

"Mit dem Erlös des Bürgerparkfests finanzieren wir Aktivitäten mit den Bewohnern des Seniorenzentrums", informierte Klara Grimm. 31 ehrenamtliche Mitglieder zählt der Freundeskreis; zehn bis zwölf sind regelmäßig am Dienstag im Seniorenzentrum und kümmern sich um die Bewohner. Das Bürgerparkfest, so der Freundeskreis, soll aber auch dazu beitragen, dass Menschen ihre Berührungsängste verlieren und in das Seniorenzentrum kommen.

© Schwäbische Zeitung - 11.06.2014

Marlis Glaser, Pfarrer Wolfgang Raiser, Monika Hapke (von links) und die Musiker von Fermin Abanto beeindrucken

Vernissage vereint Kunst, Musik und Texte zum gelungenen Ausstellungsauftakt

Malerin Marlis Glaser wird in der Mengener Pauluskirche vielseitig unterstützt

MENGEN -
Bilder an den Wänden, Bilder in Gedichten, Bilder in der Bibel und auch Klangbilder: Es war wie eine reiche Ernte, was die Malerin Marlis Glaser, Musiker Fermin Abanto, Monika Hapke in der Rezitation von lyrischen Texten und Pfarrer Wolfgang Raiser mit geistlicher Meditation während der Vernissage zu Glasers Ausstellung zusammentrugen. So entfaltete sich am Samstagabend in der Mengener Pauluskirche alsbald eine Stimmung des Nachdenkens über Frieden, Heimat und Gastfreundschaft.

Was Marlis Glasers Hand lenkt, wenn sie malt: Die schwierige Begegnung zwischen Kindern von Tätern aus dem Dritten Reich und Kinder von jüdischen Opfern, die rechtzeitig nach Israel emigrieren konnten. Glaser war dort, hat mit den Menschen intensive Gespräche geführt und daheim aus der starken Erinnerung der Begegnung, auf der Grundlage von schnell angefertigten Skizzen Portraits gezeichnet und gemalt. Was ist mit den Menschen, die in Deutschland geboren sind und nach Israel flüchteten? Was ist mit ihren Kindern? - das sind die Fragen, die sich Glaser beim Malen stellt. Vier Motive haben sich in ihrer Arbeit herauskristallisiert: Das Antlitz, der Baum, der Name und Gegenstände.


Baum als wesentliches Motiv


Glaser malt viele Bäume. Dazu erklärt sie: "In der Bibel heißt es: Abraham aber pflanzte einen Tamariskenbaum. Einen Streit um einen Brunnen löste Abraham mit Verhandlungen, nicht mit Gewalt. Wie wäre es gewesen, wenn unsere Eltern und Großeltern so gehandelt hätten?", fragt Glaser und überlegt, wie eine Welt ohne den Abgrund des Holocaust heute wohl sein könnte.

So vermitteln die Bilder in der Pauluskirche weitaus mehr als eine künstlerische Position. Sie sind aber auch einfach ästhetisches Vergnügen: Es geht um Menschsein, um Frieden. Diese Themen griffen Hapke, Raiser und Fermin Abanto später wieder auf. Eindringlich trug Hapke eine Auswahl von anspruchsvollen Gedichten vor. "Manchmal spricht ein Baum durch das Fenster mir Mut zu, manchmal ein Mensch, den ich nicht kenne, der meine Worte erkennt", sprach sie Rose Ausländer nach. "Bäume sind außergewöhnliche Mitgeschöpfe", meditierte Pfarrer Raiser später.

In der Bibel ist der Baum das Symbol für Heimat, Gastfreundschaft und Freigiebigkeit. Es gibt Menschen, an die man sich anlehnen kann wie an einen Baum. Unter der Baumkrone sollen Menschen aufatmen, Frieden finden. "Unser Lebensraum ist nicht unser Besitz. Wir sind Gast in fremdem Land, seitdem wir aus dem Paradies ausgewiesen wurden", ermahnte Pfarrer Raiser.

Das große Gitarrenensemble von Fermin Abanto brachte Stimmung in die Kirche. In der Ruhe der Klänge schufen die Musiker den Freiraum um Worte, Gedanken und Bilder in Einklang zu bringen.

© Schwäbische Zeitung - 11.06.2014

Schlüsselübergabe: Dekan Hellger Koepff (l.), Vorsitzender des evangelischen

Diakonie-Sozialstation erhält neues Auto

Evangelischer Krankenpflegeverein unterstützt damit die Arbeit der Pflegekräfte

BIBERACH - Über ein neues Auto kann sich die Diakonie-Sozialstation in Biberach freuen. Finanziert wurde es vom evangelischen Krankenpflegeverein Biberach, der damit die Arbeit der Pflegekräfte unterstützt. Diesen steht damit ein weiteres Auto zur Verfügung, um Hausbesuche bei pflegebedürftigen Menschen absolvieren zu können. Es ersetzt ein Fahrzeug, das vor Kurzem kaputtgegangen ist.

Der evangelische Krankenpflegeverein wurde in Biberach bereits 1868 gegründet. Diakonissen kümmerten sich damals um die Pflege von alten und kranken Menschen. Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte entwickelte sich daraus die Diakonie-Sozialstation. Zunächst befand sich diese in der Trägerschaft des evangelischen Kirchenbezirks, seit 2007 sind die Zieglerschen Träger der Einrichtung. Mit der Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes habe man darauf gehofft, dann keine finanziellen Sorgen mehr zu haben, sagt Dekan Hellger Koepff, Vorsitzender des evangelischen Krankenpflegevereins, "dem war dann aber leider nicht so".

Deswegen ist der Verein als Förderer tätig und hat es sich mit seinen aktuell rund 550 Mitgliedern zur Aufgabe gemacht, die Mitarbeiter der Diakonie-Sozialstation, aber auch die Menschen, die auf sie angewiesen sind, zu unterstützen. Dabei geht es hauptsächlich um Leistungen, die nicht durch Kranken- oder Pflegeversicherung abgedeckt sind. Mit den Beiträgen werden unter anderem folgende Projekte gefördert: Betreuungstag mit Fahrdienst, Sturzprophylaxe, Urlaub ohne Koffer, Nachtrufbereitschaft, unterstützende Maßnahmen für pflegende Angehörige und umsorgtes Wohnen daheim. "Offiziell sind die Zieglerschen zwar der Träger, wir tun dies aber in dem Bewusstsein, dass es immer noch ,unsere' Sozialstation ist", sagt Koepff. Die Bindung an den Kirchenbezirk sei immer noch sehr stark, bestätigt auch Annette Ege, die die Station leitet. Ihr unterstehen insgesamt 23 Mitarbeiter, weitere 65 arbeiten in der Nachbarschaftshilfe, beim Betreuungstag und beim umsorgten Wohnen daheim mit.

Das Einzugsgebiet der Diakonie-Sozialstation umfasst die evangelische Gesamtkirchengemeinde Biberach sowie die Kirchengemeinden Attenweiler und Bad Schussenried.

© Schwäbische Zeitung - 6.6.2014

Helfer qualifizieren sich in der Flüchtlingsarbeit

80 Ehrenamtliche kommen zum Asyl-Fachtag

BIBERACH - 80 Teilnehmer sind zum ersten Asyl-Fachtag von Caritas, Evangelischer Kirche und Flüchtlingsrat in das Martin-Luther-Gemeindehaus in Biberach gekommen. Derzeit werden verstärkt Flüchtlinge und Asylbewerber in den Städten und Gemeinden der Landkreise untergebracht. Ohne die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern wäre eine Begleitung und Integration dieser Menschen nicht möglich.

Beim Asyl-Fachtag wollten die Initiatoren unter dem Titel "Beratung und Qualifizierung in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit" den ehrenamtlich Engagierten etwas "Handwerkszeug" mit auf den nicht immer einfachen Weg geben. Dass das Organisationsteam, bestehend aus Pfarrer Matthias Ströhle, zuständig für das Thema Migration im Evangelischen Kirchenbezirk Biberach und Andreas Gratz vom Migrationsdienst der Caritas Biberach zusammen mit Pfarrerin Ines Fischer vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg mit den Inhalten des Fachtages absolut richtig lag, zeigte die hohe Anzahl an Teilnehmern.

Was ist eine Duldung, wie läuft ein Asylverfahren ab, was versteht man unter Dublin II? - diese Fragen stellen sich schnell, wenn man sich mit der komplizierten Materie des Ausländer- und Asylrechts auseinandersetzt. Und so sollte der erste Teil des Fachtags mit Rechtsanwalt Manfred Waidmann, Mitglied der Rechtsberaterkonferenz des Flüchtlingsrats, als kompetenter Referent einen fundierten Überblick schaffen. Als weiterer Gesprächspartner konnte Ottmar Schickle, Referent Flüchtlingshilfen bei der Diakonie Württemberg, gewonnen werden, um auf die Sondersituation der seit Kurzem in Oggelsbeuren untergebrachten syrischen Kontingentflüchtlinge einzugehen.

Eine Sensibilisierung im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen vermittelte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Katharina Corrinth vom Verein zur Unterstützung traumatisierter Migranten in Karlsruhe mit ihrem ergreifenden Referat.

Infos zur ehrenamtlichen Asylarbeit gibt es bei Andreas Gratz, Caritas-Region Biberach-Saulgau, Migrationsdienst unter Telefon 07351/5005134 und bei Pfarrer Matthias Ströhle, Beauftragter des evangelischen Kirchenbezirks für Migration und Flüchtlinge, unter Telefon 08395/9369380.

© Schwäbische Zeitung - 5.6.2014

Wolfgang Raiser FOTO: VERA ROMEAU

"Hinter dem Visuellen lassen sich anspruchsvolle Aussagen erkennen"

Pfarrer Wolfgang Raiser spricht über die kommende Ausstellung in der Pauluskirche

MENGEN - Am kommenden Samstag, um 19 Uhr, werden in der Pauluskirche Gemälde und Gedichte im Mittelpunkt stehen. Die evangelische Kirchengemeinde hat die Künstlerin Marlis Glaser eingeladen, in der Kirche ihre Gemälde zu zeigen. Dazu werden Pfarrer Wolfgang Raiser und Monika Hapke Texte lesen. SZ-Mitarbeiterin Vera Romeu sprach mit Pfarrer Raiser vorher über die Hintergründe und das Ansinnen dieser Ausstellung.

Kann man wirklich von Ausstellung sprechen, wenn Sie in der Pauluskirche Gemälde aufhängen?

Eine Kirche ist keine Galerie, insofern ist es keine Ausstellung im klassischen Sinn. Aber die Sprache des Glaubens ist auch eine Sprache der Bilder. Kunst hat eine besondere Aussagekraft. Und ich denke, wie das Wort und die Musik so hat auch die Bildende Kunst einen weiteren Zugang zu Religion und der Begegnung mit Gott. Bildende Kunst erreicht den Menschen in einer tieferen Schicht und trifft auf spirituelle Grunderfahrungen.


Es gab aber einen Bildersturm im Zuge der Reformation. Ist es dann kein Widerspruch, bildende Kunst als Mittel der Verkündigung zu nehmen?

Der Bildersturm war damals eine überzogene Reaktion, die übrigens Luther nicht gutgeheißen hat. Der Grundgedanke des Bildersturms lag in der Erkenntnis, dass Gott in keinem Bild verfügbar ist. Ein Abbild Gottes darf nicht seine Unbegreifbarkeit ersetzen. Gott ist in keinem Bild fassbar. Jedes Bild ist ein menschlicher Versuch, Gott zu erfassen, aber muss sich dem Vorwurf, eine menschliche Projektion zu sein, stellen. Ein Bild Gottes kann immer nur unvollständig sein. Trotzdem brauchen wir Bilder, um zu verstehen. Zum ersten Mal haben wir in unserer Reihe "Kunst in der Pauluskirche" eine Künstlerin, die sich mit biblischen Themen auseinandersetzt.

Wer ist denn Marlis Glaser?

Sie ist eine rennomierte freischaffende Künstlerin aus Attenweiler bei Biberach. Werke von ihr hängen zum Beispiel in der Kreisgalerie in Meßkirch und der Mengener Unternehmer Gerhard König hat sie auch schon ausgestellt. In der Begegnung mit den Bildern bin ich auf die Persönlichkeit der Künstlerin aufmerksam geworden. Sie arbeitet an biblischen Themen, die Versöhnungsarbeit mit jüdischen Menschen ist eines ihrer Projekte.

Was für Bilder werden in der Pauluskirche zu sehen sein?

Glaser malt gegenständlich: Bäume, Früchte, Landschaften, Portraits. Die Bilder sind unmittelbar ansprechend. Die Leuchtkraft der Farbe ist betörend. Hinter dem Visuellen lassen sich aber anspruchsvolle Aussagen erkennen. So ist der Baum ein Symbol für Schutz, Lebensraum und Geborgenheit. Mit dem Baum verbindet sich die Vorstellung, dass der Mensch darunter in Frieden von den Früchten leben kann. Das ist ein biblischer Traum, eine biblische Verheißung.
Die Ausstellung in der Pauluskirche ist dienstags, donnerstags und samstags von 9 bis 12 Uhr, mittwochs und freitags von 16 bis 18 Uhr und auf Anfrage im Pfarramt zu sehen


Dann könnten aber diese Bilder einen ganz aktuellen Bezug zu den Entwicklungen in der Stadt haben?

Ja, wir haben jüngst erst Flüchtlinge willkommen geheißen: Wir bieten ihnen einen neuen Lebensraum, nachdem ihnen ihr ursprünglicher Lebensraum genommen worden ist. Auch heißt unser Jahresthema in der Kirchengemeinde "Willkommen", die Bilder wurden bewusst dazu ausgewählt. Die Bilder haben in der Tat einen starken Bezug zu dem, was in unserem Umfeld gerade stattfindet.

Was findet am Samstag konkret statt?

Die Bilder werden in der Pauluskirche hängen. Es werden dazu Gedichte und biblische Texte vorgetragen. Von der Jugendmusikschule spielt das Gitarrenensemble von Fermin Abanto. Nach einem kleinen Sektempfang wird Marlis Glaser aus künstlerischer Sicht über die Bilder sprechen. Die Bilder werden bis zum Sonntag, 6. Juli zu sehen sein. Jeder kann sich in den kommenden vier Wochen noch die Zeit nehmen, die Bilder und ihre Aussagekraft in der Stille auf sich wirken zu lassen.