© Schwäbische Zeitung - 31.03.2014

Evangelische Kirche: Hintergründe zum Abendmahl
 
RIEDLINGEN/ERTINGEN - (sz) - Die evangelische Kirchengemeinde Riedlingen lädt am kommenden Mittwoch ein zu einem Abendvortrag mit dem Titel: „Die Feier des heiligen Abendmahls: woher – warum – wie – wozu?“ Das Thema nimmt Fragen zum Abendmahl auf, die selten ausführlich behandelt werden. Die Veranstaltung findet statt am Mittwoch, 2. April, ab 19.30 Uhr im Johannes-Zwick-Haus. Der Ertinger Pfarrer Prof. Hans-Martin Rieger beleuchtet viele Aspekte des Abendmahls – im Referat und dann im Gespräch. Eingeladen sind alle Interessierten.

In Riedlingen verbindet sich mit dieser Veranstaltung ein „Feier-Abendmahl“, das am Gründonnerstag, 17. April, um 19 Uhr im Johannes-Zwick-Haus gefeiert wird. In Ertingen verbindet sich mit ihr der Familiengottesdienst zum Abschluss des Konfirmationsunterrichts der dritten Klasse am Sonntag, 6. April. um 10.45 Uhr im Gerhard-Berner-Haus

© Schwäbische Zeitung - 28.03.2014

Das Informationsangebot will Menschen helfen, neue Hoffnung für ihre Zukunft nach der Flucht zu finden.

Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde Erolzheim-Rot mit Pfarrer Matthias Ströhle (rechts) und dem Missio-Betreuertrio beim Einstieg in den Info-Truck. Das Informationsangebot will Menschen helfen, neue Hoffnung für ihre Zukunft nach der Flucht zu finden. SZ-Foto: Michael Hänssle

Missio-Projekt lässt in die Fluchtrolle schlüpfen
Sechs Stationen machen die Geschichte eines Flüchtlings an Spiel- und Hörstationen hautnah nacherlebbar

Von Michael Hänssle 28. März 2014

Erolzheim - Der Missio-Truck „Menschen auf der Flucht“ hat am Mittwoch an der Erolzheimer Mehrzweckhalle Station gemacht und Realschüler sowie Konfirmanden von Pfarrer Matthias Ströhle von der evangelischen Kirchengemeinde Erolzheim-Rot über das Thema Flüchtlinge informiert. Der besondere Laster beschäftigt sich mit der Situation von Flüchtlingen, die weltweit vor Krieg, Verfolgung und Hunger fliehen und als Asylbewerber nach Deutschland kommen. Nach einem weiteren Stopp in Ochsenhausen kommt das Infomobil am heutigen Freitag auf den Biberacher Viehmarktplatz.

Erstmals war der Missio-Truck auf dem Katholikentag 2012 in Mannheim vorgestellt worden, erklärt die Missio-Bildungsreferentin Ann-Christine Verholen. Auf Anforderung reist der Truck mit Mitarbeitern durch die Diözesen und Bistümer und kommt an die Schulen, um die Menschen für die Ausnahmesituation Flucht und Vertreibung zu sensibilisieren. Exemplarisch am Beispiel Ostkongo will das Infomobil den Besuchern im Landkreis die Botschaft übermitteln, dass die Flüchtlinge hier menschenwürdig aufgenommen und behandelt werden sollten.

Hierfür dürfen Groß und Klein paarweise kurz in die Rolle eines Flüchtlings schlüpfen. Anhand von acht Biografien durchlaufen die Besucher sechs thematische Stationen, um dem Leben der Flüchtlinge nahezukommen. SZ-Redakteur Michael Hänssle entschied sich für die Rolle des 28-jährigen Taxibusfahrers Christian.

Schüsse unweit der Kirche

Zuerst geht es im Infomobil bei einem virtuellen Rundgang in eine kleine Holzkirche. Plötzlich fallen, zu sehen in einem Seitenfenster, Schüsse von marodierenden Milizionären. Wegducken ist angesagt. Weiter führt das Computerspiel auf eine Busfahrt durch den Ostkongo. Beim Stopp erhält Christian den Tipp, nur bei Nacht die Flucht fortzusetzen, da es am Tage viel zu gefährlich sei.

Mit eingescanntem QR-Code gilt es dann Fragen zu beantworten: Was nehme ich mit auf die Flucht? Den Ausweis, Zeugnisse, eine Wasserflasche oder ein Messer? Ich erziele bei diesem Spiel zwar 1500 Punkte, doch leider habe ich mich nicht für die Zeugnisse entschieden. Im Dorf der Tante bekommt mein anderes Ich deshalb keinen festen Job, sondern ich kann mich nur in einem Lebensmittelladen nützlich machen. Und ich bin in meiner Freizeit alleingelassen mit meinen Sorgen. Später erhalte ich Hilfe in einer Trauma-Station. Alles endet, ohne Frau und den beiden Kindern, am Zoll ...

Sinn dieses Angebots, so Pfarrer Matthias Ströhle, ist es, die Mitmenschen beim Fluchtphänomen in einer globalisierten Welt für bewussteres Handeln zu gewinnen. Und die Bürger zu naheliegenden Patenschaftshilfen zu ermuntern.

Handy-Alternative Fair-Phone

Ann-Christine Verholen und die beiden Missio-Mitarbeiter Pia Ebbers und Andreas Zimmermann verdeutlichen Alternativen zu Kassiterit und Coltan, Erze, die fürs Handy Verwendung finden. Allerdings unter unwürdigen Bedingungen im Kongo geschürft – laut einem „Zeit“-Artikel „Blutmineralien“. Verdienen würden andere, etwa Rebellen. Das Missio-Trio schlägt als Alternative das sogenannte Fair-Phone einer holländischen Firma vor.

Afrika und Asien sind zwar Schwerpunkte, doch die Schüler sprechen das Missio-Team auch auf die aktuelle Flucht syrischer Kinder an. Matthias Ströhle fügte hinzu, dass die globale Problematik von den Jugendlichen erkannt wird. Einige Schüler kamen sogar auf die Flucht ihrer Familien aus Ex-Jugoslawien beziehungsweise Osteuropa zu sprechen. Generell wünsche er sich, dass gerade hier in der ländlichen Region so etwas wie ehrenamtliche Hilfestellungen bei der Suche nach Ausildungsplätzen, der Wohnungssuche gegeben werden, oder ganz profan, dass Jugendliche die Gleichaltrigen mitnehmen zum Sportunterricht. Ein gutes Zeichen sei jedenfalls, dass beim nächsten Confi-Camp auch Flüchtlinge dabei sind und Musik machen. „Das ist die wahre Form von Völkerverständigung.“

Heute macht der Missio-Truck „Menschen auf der Flucht“ Station auf dem Biberacher Viehmarktplatz. Vormittags sind Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums und der Mali-Hauptschule gebucht, nachmittags zwischen 14 und 15.30 Uhr besteht, so Andreas Gratz vom Arbeitskreis Asyl, auch für Erwachsene die Möglichkeit zur Führung durch die multimediale Ausstellung, ehe der Truck dann Biberacher Konfirmanden die Gelegenheit gibt, die Fluchtweg-Stationen zu nutzen.

© Schwäbische Zeitung - 18.03.2014

Ein Bild aus Asche gemalt von Beate Bitterwolf hängt in der Passionszeit in der Versöhnungskirche Ummendorf

Fasziniert stehen diese Besucher vor einem der Werke von Petra Bitterwolf in der Ummendorfer Versöhnungskirche. Dieses Bild bestehe aus Asche, erzählte die Künstlerin. SZ-Foto: Diana Ezerex

„Die Idee hat sofort bei mir eingeschlagen“
Künstlerische Aufarbeitung der Ostergeschichte in Ummendorf – Ausstellung in der Versöhnungskirche
Von Diana Ezerex 18.03.2014

UMMENDORF - Die Wände der Ummendorfer Versöhnungskirche werden in der Passionszeit Ausstellungsraum für die künstlerische Aufarbeitung der Ostergeschichte. „Als ich von der Idee gehört habe, diese Geschichte in Kunst darzustellen, hat das sofort bei mir eingeschlagen, es hat mich geistlich gereizt“, erzählt Beate Bitterwolf von ihren ersten Gedanken zu dem Projekt, bei dem Kunst und Kirche verbunden werden sollten.

„Die Kunst schafft einen Zugang zur Innerlichkeit, ich mag das Versinken in Kunst, und den Bezug von Innerlichkeit auf Kunst“, erzählt die Künstlerin davon, wie Kirche und Kunst für sie zusammengehören. „Einen Abstand zwischen religiösen, spirituellen Dingen und Kunst gibt es für mich nicht, das gehört für mich zusammen.“ Sie sei als Kind sehr viel in die Kirche gegangen und schon in jungen Jahren von der Kunst in den Kirchengebäuden beeindruckt gewesen.

Das Kunstwerk in seiner Gänze zu sehen, erfülle die Künstlerin mit Freude. „Ich habe die Kunstwerke konkret für diesen Raum hergestellt, dass die Aschebilder zum Beispiel direkt am Fenster sein werden, war geplant. Dass der Kontrast zwischen dem Schwarz und dem hellen Tageslicht aber so stark wirkt, berührt mich sehr.“ Auch die Besucher in dem Kirchenraum täten ihren Teil zu dem Kunstwerk, „sie machen das Ganze erst komplett“.

Was der Unterschied zwischen einer Ausstellung auf einem Kunstmarkt und der Ausstellung in einem Kirchengebäude sei, erkundigt sich Pfarrerin Andrea Luiking bei der Künstlerin. Bitterwolf antwortete, sie genieße die positive Stimmung unter den Helfern, die sie bei beidem, bei Kunstmärkten und hier in der Gemeinde, erfahren habe dürfen. Der selbstlose Einsatz der freiwilligen Unterstützer spiegele das Vertrauen in Andrea Luiking wider, da sie, im Gegensatz zu einer ausstellenden Galerie, die Kunst Bitterwolfs von vornherein nicht kannten.

Für Luiking ist es ein spannendes Projekt, sie fordert die Besucher auf, ihre Eindrücke mitzuteilen. „Aus der protestantischen Tradition gehen Bilder kaum hervor, bis man gemerkt hat, dass Bilder verändern, dass Kirchenbesucher davon bewegt werden. Erzählen Sie von ihren Eindrücken, von den Veränderungen, die Sie erfahren!“ Worauf die Pfarrerin sich auch freue, seien die Veränderungen durch das Umhängen der Bilder im Laufe der Osterzeit im Kirchenraum. „Ich bin gespannt, wie und ob die Wirkung sich ändert.“

Die vielen Besucher der Ausstellung, ein vollbesetzter Kirchenraum beim Musikgottesdienst, „die Gesangbücher waren aus“, zeigen Luiking, dass ein Bedürfnis in und auch außerhalb der Gemeinde besteht, sich mit dem Thema Kunst in der Kirche auseinanderzusetzen. Auch die Jugend der Gemeinde, die rund 20 Konfirmanden, dürfen sich persönlich in die Kunstwerke hineindenken. Sie haben die Aufgabe, zu einem der Bilder einen eigenen Text zu verfassen, ihre Eindrücke und Emotionen lyrisch zu verarbeiten. „Uns ist es wichtig, alle Ebenen zu erreichen, die Jugendlichen sowie die älteren Kirchenmitglieder.“ Auch für Schulklassen werden nach Absprache die Räume der Versöhnungskirche geöffnet.

Ein Workshop zu Kunst und Kirche, bei dem Beate Bitterwolf unter anderem vom Entstehungsprozess der Bilder erzählt, ist am Samstag, 5. April, von 14 bis 18 Uhr.

© Evangelisches Gemeindeblatt - 16.03.2014

Das Lichtbild - Symbolik der Auferstehung, davor Künstlerin Beate Bitterwolf und Pfarrerin Andrea Luiking.

Künstlerin Beate Bitterwolf und Pfarrerin Andrea Luiking - Foto Inge Veil-Köberle

Der Kirchenraum verändert sich

UMMENDORF (Dekanat Biberach) – Ein ungewöhnliches Kunstprojekt wird während der Passionszeit in der Versöhnungskirche in Ummendorf gezeigt. Ein Bilderzyklus von Beate Bitterwolf mit dem Thema „Farbe zwischen Finsternis und Licht“ wird von Pfarrerin Andrea Luiking in verschiedenen Gottesdiensten zur Passion miteinbezogen und lädt die Besucher zu Interpretationen ein.

vollständige Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt (Link)

 

© Schwäbische Zeitung - 18.03.2014

Peter Schaal-Ahlers (links) und Søren Schwesig bringen als Kabarettisten die Menschen zum Lachen.

Wer sagt denn, dass Pfarrer immer ernst sein müssen? Peter Schaal-Ahlers (links) und Søren Schwesig bringen als Kabarettisten die Menschen zum Lachen. Foto: Ulrike Guggenberger

Wäre da nicht der Schlangerich ...
Das Kirchenkabarett „Die Vorletzten“ begeistert mit Wortwitz und tiefgründigem Humor
gug 18.03.2014


WAIN - Kein Auge ist trocken geblieben beim Gastspiel des Kirchenkabaretts „Die Vorletzten“ vor zweieinhalb Jahren in Wain. Am Freitag waren die beiden Seelsorger Søren Schwesig und Peter Schaal-Ahlers erneut im evangelischen Gemeindehaus zu Gast. In bewährter Manier nahmen sie manche menschliche Schwäche und auch die Amtskirchen aufs Korn.

70 Eintrittskarten hat der Obst- und Gartenbauverein Wain bereits im Vorfeld verkauft. „Jetzt hoffen wir, dass sich die letzten 30 Plätze auch noch füllen“, sagt Volkmar Held, in Tracht gewandet, sichtlich voller Vorfreude auf einen heiteren Abend. Zu den „Vorletzten“ pflegt man seit 2011 Kontakt. Ihr damaliger Auftritt in Wain begeisterte das Publikum; immer wieder wurde Held seither angesprochen und gefragt: „Wann kommen die denn mal wieder zu uns?“

Kurz nach 20 Uhr wird die voll bestuhlte Gemeindehalle abgedunkelt, und Volkmar Held kündigt das Pfarrer-Duo Søren Schwesig und Peter Schaal-Ahlers an. Gut gelaunt betreten die beiden Seelsorger die Bühne und legen los. Sie vergleichen das Paradies mit einem FKK Obst- und Gartenbauverein – alles in Hülle und Fülle vorhanden. Wäre da nur nicht der Schlangerich – ja, richtig gelesen, im Hebräischen gilt die Schlange nämlich als männlich, „hier haben sich bereits die ersten Fehler in der Geschichte eingeschlichen“, doziert Schaal-Ahlers.

Mit viel Wortwitz und tiefgründigem Humor werden ernste Themen wie die sieben Todsünden Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Maßlosigkeit und Trägheit abgehandelt. Die Kabarettisten fragen ins Publikum, ob denn auch Katholiken anwesend seien, und fragen augenzwinkernd nach, ob sie tatsächlich zu Gast im evangelischen Gemeindehaus sind, als doch etliche Finger nach oben gehen. Apropos: Die katholische Kirche kommt nicht schlecht weg, zumindest die Namen ihrer Oberhäupter. „Haben Sie es gut, dass Sie katholisch sind“, beneiden Schwesig und Schaal-Ahlers die Mitchristen der anderen Konfession. „Allein schon, welche Namen Sie haben: Karol Wojtyla, Papst Franziskus – die kennt die ganze Welt. Und wen haben wir? Den EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und Bischof Frank Otfried July. Wer kennt die denn schon?“ Und weiter: „Römisch-katholisch – das klingt nach Weite; aber Schaumburg-Lippe, Kurhessen-Waldeck, Braunschweigische Landeskirche? Klingt doch provinziell.“

Zitate zum Lachen

Schwesig und Schaal-Ahlers sparen auch nicht mit Zitaten. Bonmots wie „Vom Geizhals und dem Schwein hat man nur nach dem Tode Nutzen“ und „Wer schläft, sündigt nicht, wer vorher miteinander schläft, schläft besser“ bringen die Leute zum Lachen.

Ein heiterer, kurzweiliger Abend unter dem Motto „Und nimm mein Herz mit“ neigt sich nach zwei Stunden dem Ende zu. Vier Empfehlungen gibt Peter Schaal-Ahlers den Zuhörern noch mit auf den Weg: Erstens: Man möge sich einmal besinnen, wer einem gut tut, das Adressbuch zur Hand nehmen und alle streichen, mit denen sich der Kontakt schwierig gestaltet, die einen „runterziehen“. Zweitens: Psalm 103. Drittens: dreimal am Tag eine Pause machen zum Beten oder Meditieren. Und viertens: andere Leute glücklich machen.

Den Hut zieht Søren Schwesig vor seinem Kollegen, der tatsächlich mit einer gebrochenen Schulter den Abend durchzieht und sich nichts anmerken lässt. Und so verabschiedet sich das Duo, und das Publikum hat nun allerhand zu reflektieren und in gemütlicher Runde zu besprechen. Ein Wiedersehen ist nicht ausgeschlossen.

Der Erlös des Abends ist je zur Hälfe für eine gemeinnützige Organisation und für den Obst- und Gartenbauverein Wain bestimmt.



© Schwäbische Zeitung - 14.03.2014

Künsterlin Beate Bitterwolf und Pfarrerin Andrea Luiking vor einem Auferstehungs-Doppelbild

Wollen einen Dialog zwischen Kunst und Kirche: Die Künstlerin Beate Bitterwolf (links) und Pfarrerin Andrea Luiking vor dem Auferstehungs-Doppelbild in der Ummendorfer Versöhnungskirche. SZ-Foto: Markus Dreher

Farbe zwischen Finsternis und Licht
Die Ummendorfer Versöhnungskirche wird in der Passionszeit zum Ausstellungsraum für Kunst
Von Markus Dreher 2014-03-14

UMMENDORF - In der evangelischen Versöhnungskirche in Ummendorf offenbart sich die Ostergeschichte in den nächsten Wochen nicht allein im Wort. Ein eigens für diesen Kirchenraum geschaffener Bilderzyklus eröffnet den Gottesdienstbesuchern daneben einen sinnlichen Zugang zur Passionszeit. Die Pfarrerin Andrea Luiking und die Künstlerin Beate Bitterwolf regen zum Dialog zwischen Kirche und Kunst an. Eröffnet wird das Projekt „Farbe zwischen Finsternis und Licht“ mit einem Musikgottesdienst am Sonntag.

Bis 11. Mai sind die durchweg abstrakten Bilder in bewusster Anordnung so um das Altarkreuz gruppiert, dass das christliche Symbol auch in diesem Gesamtkunstwerk den Mittelpunkt bildet. Sieben kleinere Arbeiten symbolisieren das Leben in seiner Vielfarbigkeit. Auf zwei mit Asche und Ruß gefertigten Bildern spiegeln amorphe Strukturen die Auflösung des Todes wider.

Das Auferstehungs-Doppelbild mit klaren Kreisformen und Schriftfragmenten hängt momentan an der Wand genau gegenüber vom Kreuz. Der Clou besteht darin, dass die Positionen zu Ostern wechseln werden: Das leuchtende Rot der Auferstehung rückt nach vorn, dafür wird das finstere Schwarz im Rücken der Gottesdienstbesucher aufgehängt – die Christen lassen den Tod buchstäblich hinter sich.

Mehr als diese Ideenskizze muss vorab gar nicht sein, denn Pfarrerin Luiking hat sich vorgenommen, die Bilder nicht zu erklären. Wer sich in Konzept und Entstehung vertiefen will, hat dazu bei einem Workshop Gelegenheit. In den Gottesdiensten indes liegt Andrea Luiking vielmehr daran, biblische und poetische Texte sowie Musik zu diesen Bilder zu stellen und so einen Raum für eigene Interpretationen der Besucher zu schaffen.

Es handelt sich insofern um keine klassische Ausstellung: „Die Besucher sitzen in den Gottesdiensten ja eine ganze Stunde in der Kirche, so lange betrachtet man im Museum kein Bild“, sagt die Pfarrerin. Oder wie die Künstlerin Beate Bitterwolf es ausdrückt: „Die Kirchenbesucher sollen den ganzen Raum auf sich wirken lassen.“

Die Pfarrerin der Versöhnungskirche meint, dieses Projekt sei „ein Experiment für die Gemeinde, wir hatten noch nie moderne Kunst hier in der Kirche“. Sie weiß: „Die protestantische Tradition ist sehr bilderarm, sehr aufs Wort ausgerichtet.“ Doch Andrea Luiking und Beate Bitterwolf eint die Überzeugung, dass es sich lohnt, diese Nachwirkung des Bilderverbots der Reformationszeit zu überwinden, Kirche und Kunst in einen Dialog zu bringen.

Wenn man so will, ist dies bereits ein Stück weit gelungen – indem Andrea Luiking die ihr bekannte Künstlerin angesprochen hat und Beate Bitterwolf zugesagt hat, sich deswegen der Passionsgeschichte anzunehmen und eigens für die Ummendorfer Versöhnungskirche einen Bilderzyklus anzufertigen. „Ich bin keine Theologin, ich habe mich auf meine Art damit beschäftigt“, sagt die professionelle Künstlerin vom Bodensee. Mitglieder des Kirchengemeinderats wiederum haben, um Geld zu sparen, die Schienen zum Aufhängen der Bilder montiert und sich so schon damit auseinandergesetzt, bevor diese hingen.

Geeignete Passionszeit

Die beiden Frauen sind zuversichtlich, dass viele Gemeindemitglieder ebenfalls offen dafür sind. In Ummendorf genauso wie im Hospitalhof in Stuttgart, der wohl führenden religiösen Ausstellungsstätte im Land. Zum Abschied von deren Leiter Helmut A. Müller fasste die Stuttgarter Zeitung dessen Credo in die Schlagzeile: „Ein Bild sagt mehr als Worte.“ Jedenfalls spricht ein Bild auf andere Weise, und die Passionszeit ist vielleicht mit am geeignetsten, mit der Ergänzung des Worts durch Bilder zu experimentieren. Schließlich ist das ungeheuerliche Ostergeschehen mit dem Verstand allein kaum zu fassen.

© Schwäbische Zeitung - 14.03.2014

Beate Bitterwolf arbeitet gerne für einen bestimmten Raum

mad 2014-03-14

Die Künstlerin Beate Bitterwolf stammt aus Wangen im Allgäu und lebt seit 2006 am Bodensee in Gaienhofen-Horn (Kreis Konstanz). Eine dort von ihr mitgegründete Akademie für zeitgenössiche Kunst erhielt 2013 die staatliche Anerkennung. Beate Bitterwolf hat an der Alanus-Kunsthochschule in Alfter/Bonn sowie der Freien Hochschule und am Seminar für Bildtechnik in Stuttgart studiert und ist seit 1989 freischaffende Künstlerin. Zahlreiche ihrer Werke sind durch öffentliche Sammlungen angekauft worden, zum Beispiel durch das Landratsamt Ravensburg, das Marienhospital Stuttgart oder das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Forschung.

Ihr Bilderzyklus für die Versöhnungskirche Ummendorf geht auf ihre Bekanntschaft mit Pfarrerin Andrea Luiking zurück. „Ich habe mich über die Anfrage gefreut“, sagt sie. Es reize sie, für einen bestimmten Raum zu arbeiten, ihre Kunst auf die Wechselwirkung mit dem Raum abzustimmen. „Dass es ein Kirchenraum ist, ist mir nicht fremd.“ Hierher kämen Menschen mit einem anderen Hintergrund als in ein Museum oder auf eine Kunstmesse. „Auch der religiös-spirituelle Aspekt hat mich gelockt“, das Projekt habe sie zur Auseinandesetzung mit den Inhalten der Passion gebracht.

Wichtig sei ihr, dass der angestrebte Dialog zwischen Kirche und Kunst mit professionellem Anspruch erfolge. Informationen unter www.b-bitterwolf.de.