© Schwäbische Zeitung - 24.05.2014

Matthias Müller, Daniela Eichkorn, Ingo Aker und Martina Schlagenhauf (von links) arbeiten künftig als Vikare im evangelischen Kirchenbezirk. Foto: privat

Matthias Müller, Daniela Eichkorn, Ingo Aker und Martina Schlagenhauf (von links) arbeiten künftig als Vikare im evangelischen Kirchenbezirk. Foto: privat

Vier Vikare erlernen praktische Seite des Pfarrberufs
Der evangelische Kirchenbezirk Biberach bekommt Verstärkung

BIBERACH - Gleich vier examinierte Theologiestudierende treten im evangelischen Kirchenbezirk Biberach ihr Vikariat an. Nachdem sie sich im Studium über mehrere Jahre viel Wissen angeeignet haben, stehen die zwei Vikare und zwei Vikarinnen vor der Herausforderung, sich in den Berufsalltag einer Pfarrerin oder eines Pfarrers einzuüben.

In den kommenden zweieinhalb Jahren werden sie sich der praktischen Seite des Pfarrberufs stellen. Dazu gehört es, Gottesdienste zu gestalten, Religionsunterricht zu erteilen, Beerdigungen zu halten oder Menschen seelsorgerlich zu begleiten.

Martina Schlagenhauf ist Vikarin in Ersingen bei Pfarrer Gunter Wruck. Sie ist verheiratet, ihr Mann wohnt, beruflich bedingt, in ihrem Heimatort Tieringen (Zollernalbkreis). Sie liebt es, Orgel zu spielen. Sie ist die Quereinsteigerin des Teams. Vor ihrem Studium in Tübingen hat sie einige Jahre als Bankkauffrau gearbeitet. Als Frau aus der Praxis interessiert sie nun die Gemeindearbeit an der Basis.

Erfahrung in der Diaspora

Matthias Müller hat in Tübingen und Basel Theologie studiert. Nach seinem Examen hat er ein halbes Jahr in der Altenpflege gearbeitet. Seine Vikarszeit wird er in der Ummendorfer Versöhnungskirchengemeinde bei Pfarrerin Andrea Luiking verbringen. Für den gebürtigen Nagolder ist die Minderheitensituation in Oberschwaben eine neue Erfahrung.

Ingo Aker stammt aus dem Kreis Ludwigsburg und wird sein Vikariat in Laupheim bei Pfarrerin Martina Servatius absolvieren. Studiert hat er in Tübingen und Greifswald. Seinen Weg zum Pfarrberuf fand er über die christliche Jugendarbeit in seiner Heimatgemeinde. Er freut sich darauf, jetzt praktisch tätig zu werden und mit dem Vikariat seinem Ziel näher zu kommen.

Daniela Eichkorn hat schon an vielen Orten gewohnt, darunter auch in der griechischen Hauptstadt Athen. Ihr Studium führte sie nach Greifswald, Heidelberg und Tübingen. In Erolzheim-Rot wird sie von Pfarrerin Dorothee Sauer und Pfarrer Matthias Ströhle ausgebildet werden.

Schuldekan Michael Pfeiffer nahm den jungen Theologinnen und Theologen in der Biberacher Spitalkirche in Vertretung von Dekan Hellger Koepff ihre Verpflichtung zum Beichtgeheimnis ab und gab ihnen den Wunsch mit auf den Weg: "Gott schenke es Ihnen, dass Sie mutig dafür eintreten können, was dem Leben dient, wie Gott es will."

© Schwäbische Zeitung - 17.05.2014

Kinder aus Wain fahren mit dem Öchsle

Foto: Guggenberger

Wainer Kinder dampfen mit dem "Öchsle"

WAIN - Heißa, das hat Spaß gemacht: Mit dem "Öchsle" sind rund 50 Kinder am Sonntag auf Einladung der Wainer Kinderkirche von Warthausen nach Maselheim gedampft. Vor dem Ausflug wurde ein Familiengottesdienst in der Wainer Michaelskirche gefeiert. Von der Zugfahrt zurück, wanderten Kinder und Betreuer ein Stück an der Weihung entlang bis zum Gemeindehaus, wo fleißige Helfer schon mit gegrillten Roten und Brötchen warteten. Zum Nachtisch gab es für jeden noch ein Eis. Danach lauschten die Kinder einer Geschichte über einen Luftballon, vorgelesen von Pfarrer Ernst Eyrich. Jedes Kind bekam ein Kärtchen zum Bemalen. Danach wurden Luftballons mit Helium befüllt und die Kinder durften die Kärtchen daran befestigen. Nachdem Barbara Eyrich den Kindern einen israelischen Tanz beigebracht und alle sich auf der Wiese hinter dem evangelischen Gemeindehaus ausgetobt hatten, bildeten sie einen großen Kreis. Alle ließen gleichzeitig ihren Ballon los und schauten in den Himmel, bis nur noch winzigkleine Farbkleckse zu sehen waren.

© Schwäbische Zeitung - 10.05.2014

Dekan Hellger Koepff, Josef Schneiderhan und Ulrich Heinkele

In die Pedale für St. Martin: Bei der SZ-Benefizaktion für die Bauhütte Simultaneum wird auf dem Kirchplatz zwölf Stunden auf Spinning-Rädern geradelt. Auf das sportliche Event am 24. Mai freuen sich (von links) Dekan Hellger Koepff, Josef Schneiderhan (Volksbank Ulm-Biberach) und Ulrich Heinkele (Bauhütte Simultaneum). SZ-Foto: Klose

Schwitzen fürs Simultaneum
Am 24. Mai heißt's bei der Spinning-Benefizaktion: "Auf den Sattel für St. Martin"

Von Christian Klose 10. Mai 2014

BIBERACH - Radler, Unterstützer, Unternehmen und alle Biberacher aufgepasst: Am Samstag, 24. Mai, geht es in Biberach wieder rund. Auf dem Kirchplatz hinter der Stadtpfarrkirche St. Martin findet die Spinning-Benefizaktion "Auf den Sattel für St. Martin" statt. Zusammen mit Partnern, Unterstützern und Bürgern wird an dem Samstag von 10 bis 22 Uhr auf Spinningbikes nonstop geradelt - die Einnahmen dieses Aktionstages kommen wie im Vorjahr bei der SZ-Haarschneideaktion dem Förderverein Bauhütte Simultaneum zugute.

Am 24. Mai, am Tag vor der Kommunalwahl, treten die Biberacher gemeinsam für das Biberacher Wahrzeichen, die Stadtpfarrkirche St. Martin, an. Nachdem die Schwäbische Zeitung Biberach im vergangenen Jahr bei der Benefizaktion "Biberach hilft - Schnitt für Schnitt" zusammen mit der Biberacher Friseur-Innung mit riesiger Resonanz Spendengelder für den Verein Bauhütte Simultaneum gesammelt hatten, gibt es in diesem Jahr eine ebenso schöne, aber deutlich sportlichere Fortsetzung der Unterstützung für das dringend renovierungsbedürftige Biberacher Wahrzeichen. Um den Fortbestand der viele Jahrhunderte alten und seit 1548 von katholischen und evangelischen Gläubigen gleichberechtigt genutzten Stadtpfarrkirche St. Martin zu sichern, dafür wollen die Teilnehmer der Benefizaktion 2014, "Auf den Sattel für St. Martin", am 24. Mai zwölf Stunden am Stück strampeln und schwitzen.

Ein Zwölf-Stunden-Spinning auf dem Kirchplatz in Biberach: Das hat es - wie die Haarschneideaktion unter freiem Himmel im Vorjahr - so noch nie in Biberach gegeben. Schon gar nicht für ein so ehrgeiziges wie sportliches Projekt wie die aufwendige wie teure Sanierung der Biberacher Stadtpfarrkirche. Auf etwa 30 Spinningrädern sollen die Teilnehmer und Unterstützer nicht nur etwas für ihre Gesundheit und Fitness tun: Sie sammeln durch ihre Teilnahme auch Kilometer, die bares Geld für die Renovierung der Stadtpfarrkirche bringen. Denn die Volksbank Ulm-Biberach wird die gefahrenen Kilometer versilbern und den Betrag als Spende an die Bauhütte übergeben. Auch im vergangenen Jahr hatte sie die Aktion mit einer Schwerpunktspende unterstützt. Wer sich als Team ein Spinningrad an diesem Aktionstag fest sichern will, der kann dies für einen Gesamtbetrag von 350 Euro tun. Auch diese "Startgebühr" fließt eins zu eins in die Spendenaktion für St. Martin. "Wir möchten nach der nicht alltäglichen Haarschneideaktion vom Vorjahr auch mit dieser sicher besonderen Aktion wieder einen guten Spendenbetrag für die Stadtpfarrkirche sammeln und zeigen, dass man in Biberach gemeinsam viel auf die Beine stellen kann", sagt der Geschäftsführer der SZ Biberach, Alexander Schraut.

"Das ist wirklich wieder eine tolle Aktion für unsere Stadtpfarrkirche. Was mir daran besonders gefällt, ist einerseits der sportliche Aspekt daran, weil ich auch Radler bin. Andererseits finde ich daran gut, dass es wieder eine Aktion ist, von der auch die Zuschauer etwas haben, die am Kirchplatz vorbeikommen", freut sich Ulrich Heinkele, stellvertretender Vorsitzender der Bauhütte Simultaneum. Und Josef Schneiderhan, Direktor der Volksbank Biberach, ergänzt: "Wir strengen uns als Bank immer in und für Biberach an, deshalb passt diese Spinningaktion im Wortsinn gut zu unserem Engagement, das wir wieder aus dem VR-Gewinnspartopf finanzieren können. Und natürlich strengen wir uns auch am 24. Mai an, indem wir ein Volksbank-Team stellen werden."

Auch die SZ wird ein Team stellen. Die rund 30 Spinningräder auf dem Kirchplatz werden anteilig zur Verfügung gestellt vom Gesundheitszentrum Impuls, der Sportfabrik aus Mittelbiberach und von Vita Sport aus Warthausen. Auch die Stadt mit Teamkapitän Norbert Zeidler wird bei der Zwölf-Stunden-Spinning-Aktion am Start sein und für St. Martin im Sattel sitzen.

© Schwäbische Zeitung - 09.05.2014

Der christlich-muslimische Frauentreff in der Türkei.

Die Frauen waren auch in Sachen Partnerstadt auf der Suche: Der christlich-muslimische Frauentreff in der Türkei. Foto: privat

Frauentreff besucht Kappadokien
Auf der Suche nach einer türkischen Partnerstadt


BIBERACH - 21 Frauen des christlich-muslimischen Frauentreffs haben auf ihrer sechsten gemeinsamen Reise Kappadokien in der Türkei besucht. Seit 2001 treffen sich unter Leitung von Pfarrerin Birgit Schmogro regelmäßig christliche Frauen aus Biberach mit muslimischen Frauen türkischer Abstammung zum Gedankenaustausch und zur Fortbildung. Gemeinsame Reisen, zum Beispiel nach Berlin, Hamburg, Brüssel und Istanbul tragen dazu bei, die jeweils andere Kultur, Denk- und Lebensweise zu verstehen. Bei ihrer diesjährigen Reise haben die Frauen ihr Augenmerk außerdem darauf gerichtet, eine passende türkische Partnerstadt für Biberach zu finden.

Die Reise führte von der westlich geprägten Touristenstadt Antalya in das eher konservative Konya, wo eine Einführung in die Philosophie des Mevlana-Ordens sowie ein Gottesdienst mit tanzenden Derwischen auf dem Programm standen. In Kappadokien begeisterten die bizarren Tuffsteinformationen, die bis zu acht Stockwerke tiefen unterirdischen Zufluchtsstätten der frühen Christen sowie deren Andachtsräume. Über 400 christliche Sakralräume finden sich in den Felsen Kappadokiens mit zum Teil großartig erhaltenen Fresken, insbesondere in Göreme. Weitere Höhepunkte der Reise waren der Besuch eines türkischen Bades und eine Ballonfahrt über die einzigartige Landschaft Kappadokiens. Die Frauen wollen nun mit einem konkreten Vorschlag auf die Stadtverwaltung zugehen.

© Schwäbische Zeitung - 08.05.2014

Pfarrer Martin Elsässer ist am Montag zum Dekan in Geislingen gewählt worden. Deshalb verlässt die Familie

Elsässer zum Geislinger Dekan gewählt

Familie Steible-Elsässer verlässt Riedlingen zum Ende des Jahres

RIEDLINGEN - 2004 kam die Familie Steible-Elsässer nach Riedlingen. Ende 2014 werden das evangelische Pfarrersehepaar und ihre Kinder die Stadt wieder verlassen. Denn Martin Elsässer ist am Montagabend zum neuen Dekan in Geislingen gewählt worden.

„Wir sind ein wanderndes Völkchen“, sagt Martin Elsässer über den Pfarrerberuf. Es sei üblich, dass man nach zehn Jahren etwa die Stelle wieder verlasse und eine neue Herausforderung annehme. Das ist für das Pfarrerpaar nun der Fall. Denn Martin Elsässer hat sich im Februar auf die Dekan-Stelle in Geislingen an der Steige beworben und hat nun die Zusage erhalten. Der Kirchenbezirksausschuss, als auch die Vertreter des Dekanats und der Kirchengemeinde in Geislingen haben sich für ihn entschieden.

Er freue sich auf die neue Arbeit, sagt er. Ihm sei bewusst, dass es ein neues Leitungsamt sei und ein Amt, in dem er in der Öffentlichkeit stehe. „Ich werde viel lernen müssen“, meint der 55-jährige Pfarrer. Aber in vielen Gesprächen mit den Menschen im Dekanat und mit den Pfarrerkollegen dort, hat er gemerkt, dass das passen könnte. Zudem sei das Dekanat nicht so groß und passt vom Zuschnitt.

Nicht gegen Riedlingen

„Ich hätte mich nicht auf jedes Dekanat beworben“, so Martin Elsässer. Hier schon. „Mich reizt ganz einfach die Vielfalt des Kirchenbezirks Geislingen und ich bin beeindruckt von den Menschen, die sich mit ihrer Arbeit und ihrem Kirchenbezirk sehr identifizieren“, so Elsässer. Deshalb der Schritt, der im Familienrat zusammen mit den beiden Töchtern beschlossen wurde. Seine Frau Helga Steible-Elsässer, die in Riedlingen eine halbe Pfarrerstelle besetzt, hat derzeit noch keine neue Stelle in Geislingen, will aber wieder ein Pfarramt übernehmen, vielleicht auch in angrenzenden Bezirken. „Sie ist bereit ein Stück ins Offene zu gehen“, sagt Martin Elsässer.

Die Entscheidung für Geislingen sei keine Entscheidung gegen Riedlingen oder gegen die evangelische Kirchengemeinde gewesen, sagt der Theologe. Er und seine Familie fühlen sich sehr wohl in Riedlingen. Hier nochmals zehn Jahre zu bleiben, wäre nicht die schlechteste Perspektive gewesen.

Doch nun geht es Anfang 2015 wieder ein Stück näher in Richtung Stuttgart, wo Elsässer her stammt, und wo das Paar vor Riedlingen gewohnt und gearbeitet hat.
Bis zum Ende des Jahres werden Helga Steible-Elsässer und Martin Elsässer wohl noch in Riedlingen wirken und ihre Arbeit in der Stadt und der Umgebung weiterführen. Die Nachfolge auszuschreiben ist Aufgabe der Prälatin Gebriele Wulz und von Dekan Helger Koepff. Bis dahin gebe es noch genügend zu tun, meint Elsässer, der Abschied noch weit. Aber , so der VfB-Fan Elsässer, er halte es mit der Fußball-Weisheit: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“

© Schwäbische Zeitung - 06.05.2014

Birgit Jabczynski (von links), Waltraud Flatscher, Ulrich Müller-Adam und Hermann Locher bildeten das Solistenquartett

Chöre bringen Magnificat und Te Deum zum Leuchten

Sieben Kirchenchöre und Kantoreien jubilieren in einer beeindruckenden Gemeinschaftsleistung

DüRMENTINGEN - Beim Evangelischen Kirchenchortag 2014 des Bezirks Biberach zeigten Solisten, Chöre und Instrumentalisten, welche kostbaren Schätze oberschwäbische Komponisten wie Justinus Knecht aus Biberach und Nikolaus Betscher aus Rot an der Rot der Nachwelt hinterlassen haben. Bezirkskantor Jürgen Berron führte mehr als 200 Ausführende zu einer harmonisch beeindruckenden Gemeinschaft zusammen. Das Konzert hätte allerdings bedeutend mehr Zuhörer verdient.

Der Bezirkschortag in Dürmentingen zeigte erneut, wie ansprechend und musikalisch wertvoll Kompositionen oberschwäbischer Komponisten auf dem Gebiet geistlicher Chormusik sind. Justinus Heinrich Knecht, Musikdirektor und Organist an der Simultankirche St. Martin in Biberach, und Nikolaus Betscher, Abt im Kloster Rot an der Rot, sind Zeitgenossen. Sie schufen ihre eindrucksvollen Werke in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Der Text zu Knechts Magnificat stammt aus der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium. Strahlender Chorklang der vereinigten Chöre zusammen mit dem harmonisch agierenden Orchester und glänzend disponierten Solisten in den verschiedensten Zusammensetzungen jubilierten bei Marias Lobgesang „Meine Seele erhebt den Herrn“. Birgit Jabczynski ließ ihre helle Sopranstimme in die Höhe des Kirchenraums entschweben, Waltraud Flatscher war mit ihrer warmen Altstimme eine ebenso überzeugende Interpretin wie Ulrich Müller-Adam mit seinem hellen Tenor und Hermann Locher als sonorer Bassist mit großem Tonumfang. Zu der orchestral beweglichen Begleitung vor allem der Streicher passte die Arie der Sopranistin, bei der sie in lateinischer Sprache selbst Koloraturen in großer Höhe zum Schwingen bringen konnte. Stimmlich ebenso überzeugend füllte die Altistin den Kirchenraum bei ihrer Arie über das sich mehrfach wiederholende „saecula“. Eine kraftvolle Einleitung der Solisten, im Bass beginnend, nahm der Chor nahtlos auf, beteuerte, wie Gott die Gewalt vom Stuhl stößt und, in zurückgenommener Lautstärke, die Hungrigen mit Gütern füllt. Auf den würdevollen Einstieg des Chors zu „Gloria Patri et Filio“ folgte eine umfangreiche Fuge mit strahlenden Passagen bis zum überzeugend dargestellt Amen als harmonischem Zusammenwirken zwischen Sängern und Orchester.
Höfischer Glanz

Franz Xaver Schnitzer und Carl Philipp Emanuel Bach sind Zeitgenossen von Knecht und Betscher. Michael Bender an der Orgel stellte zunächst eine Sonate von Schnitzer mit perlend hellen Tonfolgen in Verbindung mit gebrochenen Akkorden im Allegro vor. Das Minuetto versprühte in seiner Beschwingtheit etwas von höfischem Glanz, worauf der Organist dem Intermezzo vor allem durch die Zungenregister einen besonderen Charakter verlieh. Das abschließende Presto zeigte sich als Sinnbild barocker Lebensbejahung mit fließenden Passagen und explizit ausgebrachten Einzeltönen. Bach hingegen umrahmt sein Adagio, einfühlsam mit Flötenregistern vorgestellt, mit heiter beschwingten Allegro-Sätzen voll virtuosen Läufen, vom Organisten klanglich durchdacht strukturiert.

Machtvoll lässt der Chor Betschers „Te Deum laudamus“ als Einstieg in ein prachtvoll ausgestattetes und überzeugend dargebotenes Kleinod erklingen. Nach dem beschwingten Lobgesang mit herrlichen Koloraturen der Sopranistin huldigt der Chor zunächst demutsvoll dem „Rex gloriae“, um danach euphorisch den Sieg über den Stachel des Todes zu feiern. Klare orchestrale Vorgaben bilden die Basis, auf der Bassist Hermann Locher den großen Tonumfang seiner voluminösen Stimme voll ausspielen kann. Der demutsvolle Beginn des „Miserere nostri“ als eindrucksvolle Bitte um Milde zeigte das chorisch gläubige Umsetzen des Werks, das in klösterlichem Geist entstanden ist und das der Chor ohne falsches Pathos als beeindruckende Gemeinschaftsleistung interpretierte.

Langanhaltender Beifall lohnte das Geschenk einer harmonisch überzeugenden Aufführung von Sängern und Instrumentalisten.

© Schwäbische Zeitung - 02.05.2014

Zwei Oberschwaben stehen im Mittelpunkt

Evangelischer Bezirkschor führt Musik von Betscher aus Rot und Knecht aus Biberach auf

DüRMENTINGEN - Ein Konzert für Solisten, Chor und Orchester unter der Leitung von Bezirkskantor JÜrgen Berron findet am Sonntag, 4. Mai, ab 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Johannes in Dürmentingen statt. Die Solisten sind Birgit Jabczynski (Sopran), Waltraud Flatscher (Alt), Ulrich Müller-Adam (Tenor) und Hermann Locher (Bass). Ein Projektorchester steht dem großen Kirchenbezirks-chor zur Seite und Kirchenmusikdirektor Michael Bender aus Ravensburg spielt Orgelwerke aus der Region.

Im Mittelpunkt stehen zwei Oberschwaben: Nikolaus Betscher, der 45. und letzten Prämonstratenserabts in Rot an der Rot mit seinem „Te Deum“ in D-Dur und Justinus Heinrich Knecht, seinerzeit Musikdirektor und Organist an der Stadtpfarrkirche in Biberach mit seinem „Magnificat“ in C-Dur. Nikolaus Betscher stammt aus Berkheim, nahe bei Rot. Das einzige Kind eines wohlhabenden Landwirts übernahm nicht den elterlichen Hof, sondern wählte als 20-Jähriger das klösterliche Leben. Mit seinem Ordenseintritt nahm er den Namen Nikolaus an. Im Geburtsjahr Mozarts 1756 legte Betscher das Ordensgelübde ab. Vier Jahre später wurde er zum Priester geweiht. Nach einigen Jahren der Tätigkeit außerhalb des Klosters kehrte er mit dem Amt des Subpriors nach Rot zurück, wurde Prior und zwei Jahre später zum 45. und letzten Abt gewählt. Nach der revolutionsbedingten Aufhebung der Klöster musste er das Amt des Generalvikars übernehmen und durfte bis zu seinem Tod in den Konventsgebäuden wohnen bleiben. Seinen erzwungenen Ruhestand scheint Betscher mit dem Verfassen von Schriften und dem Komponieren ausgefüllt zu haben. Er nannte sich weiterhin selbstbewusst „Abt und Reichsprälat aus Rot“.

Der zwei Jahre später in Biberach geborene Justinus Heinrich Knecht entstammte einer Familie, die im Musik- und Theaterleben der freien Reichsstadt bekannt war. Nach gründlicher Ausbildung in der Biberacher Lateinschule und im Esslinger Kollegiatstift trat Knecht schon sehr früh die Nachfolge seines Lehrers Doll in Biberach an. Hauptamtlich im lutherischen Schul- und Kirchendienst tätig, trug er entscheidend zum reichen Kulturleben Biberachs bei. Als 40-Jähriger gab Knecht sein Lehramt auf und wirkte als Musikdirektor und Organist an der Simultankirche St. Martin. Er schrieb Kirchenmusik, stellte das Biberacher Gesangbuch zusammen und wurde weit bekannt durch seine Lehrwerke und methodischen Schriften.

Die Kirchenmusik ihrer Zeit stand vor einem Umbruch, der in den Kompositionen zum Ausdruck kommt. Sie hielt noch an barocken Prinzipien feste und wies schon auf den galanten Stil klassischer Prägung hin.