© Schwäbische Zeitung - 27.11.2014

In den Händen von Erwin Gering, Vorsitzender der Münzfreunde (links), und Hans Beck, Vorsitzender der Bauhütte Simultaneum, liegen die Münzen

In den Händen von Erwin Gering, Vorsitzender der Münzfreunde (links), und Hans Beck, Vorsitzender der Bauhütte Simultaneum, liegen die Münzen. SZ-FOTO: GÜNTER VOGE

Es ist al­les Sil­ber, was glänzt

Zugunsten der Bauhütte Simultaneum gibt es eine extra geprägte Münze aus Silber

Biberach - Um die Sanierung der Stadtpfarrkirche zu unterstützen, haben die Münzfreunde und die Mitglieder der Bauhütte Simultaneum nun eine Sonderprägung hergestellt.

Eine erste Prägeaktion mit zwei Münzen fand im Domizil der Münzfreunde in Mettenberg statt. Mit 20 Tonnen Druck aus zwei Metern Fallhöhe krachte das Gewicht auf die Rohlinge aus 999 Silber. Für Münzprägungen werden die Prägestempel der beiden Seiten von einem speziellen Lieferanten für etwa 500 Euro pro Seite hergestellt, die glatten Silberstücke werden auf dem freien Markt gekauft. Sie wiegen zehn Gramm bei einem Durchmesser von 30 Millimetern. Wie der Vorsitzende der Bauhütte Simultaneum, Hans Beck, und der Vorsitzende der Münzfreunde, Erwin Gering, erläuterten, werden die Münzen pro Stück 30 Euro kosten. 15 Euro gehen davon an die Bauhütte, mit dem Restbetrag decken die Münzfreunde die anfallenden Kosten.

Dargestellt wird auf der Münze die Stadtpfarrkirche. In verschiedenen Gesprächen kristallisierten sich drei Motive heraus, von denen dann von beiden Vereinen das endgültige Bild entschieden wurde: Die Vorderseite zeigt eine Abbildung des sieben Meter hohen Brandenburgischen Chorbogenkreuzes in der Kirchenmitte sowie die Wappen Biber und Adler, die neben dem Kreuz zu sehen sind. Die Rückseite zeigt das Stiftungslogo der Bauhütte mit dem Schriftzug "Stiftung Simultaneum - Stadtpfarrkirche St. Martin Biberach".

Die Münzen können wie folgt erworben werden: Im katholischen Pfarrbüro St. Martin, Museumstraße 5, im evangelischen Gemeindebüro, Maliweg 5, beim Weihnachtsmarkt am Stand der Gesellschaft für Heimatpflege und bei den Biberacher Münzfreunden, Telefon 07351/24341.

© Schwäbische Zeitung - 26.11.2014

Dekan Hellger Koepff FOTO: PR

Mehr Bi­ber­a­cher füh­len sich der Kir­che eng ver­bun­den

Delegierten der Bezirksynode Biberach diskutieren Ergebnisse der neuen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung

Biberach - Die Synode des Evangelischen Kirchenbezirks Biberach hat sich am Samstag im Martin-Luther-Gemeindehaus zusammengefunden. Die Delegierten der Bezirkssynode vertreten die rund 45 000 Evangelen im Dekanat Biberach. Neben organisatorischen Aufgaben entscheidet die Kirchenbezirkssynode auch über die Zuweisung der Kirchensteuer an die einzelnen Gemeinden.

Dekan Hellger Koepff stellte die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland vor und setzte sie in Bezug zur kirchlichen Wirklichkeit im Biberacher Kirchenbezirk. Laut Koepff hat sich die Zahl derer, die der Kirche intensiv verbunden sind, erhöht. "Das Engagement wird mehr. Das ist eine Aussage, die viele nicht vermutet hatten." Allerdings gehört der Vollständigkeit halber gesagt, dass auch die mehr würden, "die Kirche und Glauben links liegen lassen". Die Umfrage zeige auch, "dass Erwachsene, die Kinder haben, häufiger in den Gottesdienst gehen als solche ohne Kinder - und die regelmäßige Teilnahme an Gottesdiensten, also die Beteiligung am kirchlichen Leben ist umso höher, je länger man stabil an einem Ort wohnt".

Viele Zugezogene
Für eine Region wie Oberschwaben, in der viele Evangelen berufsbedingt erst zugezogen sind und noch nicht lange hier wohnen, sieht Dekan Koepff hier eine Herausforderung. Mit Sorgen betrachtet er die abnehmende Bereitschaft der jüngeren Gemeindeglieder, ihre Kinder taufen zu lassen. Dazu gehören 20 Prozent der unter 30-Jährigen.

Von besonderem Interesse war der Befund der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung bezüglich der Bedeutung der Pfarrer für die Evangelen: 44 Prozent gaben an, einen persönlichen Kontakt zum Gemeindepfarrer zu haben, 33 Prozent äußerten, dass sie ihn zumindest kennen. Diejenigen, die einen persönlichen Kontakt zu ihrem Pfarrer haben, sind der evangelischen Kirche eher verbunden als andere.

Ganz wesentlich zum Bild der Kirche gehört laut der Untersuchung für viele Evangelische das Engagement der Kirche für Arme, Kranke und Bedürftige. "Diakonie und Nächstenliebe gehören zum Markenkern der Kirche", so Koepff. Und er verwies darauf, dass der Diakonie von den Konfessionslosen mehr Vertrauen entgegengebracht wird als der Institution Kirche. Damit unterstrich Dekan Koepff auch die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts Bonhoefferhaus, das in Kooperation der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde mit der diakonischen Einrichtung "Mariaberg" auf dem Mittelberg geplant ist.

Im Anschluss standen Haushaltsthemen auf der Tagesordnung. Und nach einer ausführlichen Einführung wurde ein geändertes Zuweisungssystem beschlossen, nach dem die Kirchensteuergelder für den Kirchenbezirk Biberach auf die einzelnen Kirchengemeinden verteilt werden. Zuletzt schließlich wurden die Haushaltspläne 2015 für Diakonie und Kirchenbezirk einstimmig genehmigt. Der Biberacher Kirchengemeinderat Roland Koenigsdorff hinterfragte den Umgang mit den gestiegenen Kirchensteuereinnahmen. Antwort: Für schwierige Zeiten müssten Rücklagen gebildet werden.



© Schwäbische Zeitung - 25.11.2014

Grü­nes Licht für In­klu­si­ons­pro­jekt im Bon­hoef­fer­haus
Umbauarbeiten beginnen im nächsten Jahr - Mariaberg steigt als Träger ein

Biberach - Das Bonhoefferhaus der evangelischen Kirche am Biberacher Mittelberg wird zu einem inklusiven Unterstützungszentrum für Menschen mit Behinderung. Dies teilten die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Biberach und die diakonische Einrichtung Mariaberg aus Gammertingen am Montag mit. Der Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) hat der Förderung zugestimmt, Baubeginn soll im kommenden Jahr sein.

Das Angebot im Bonhoefferhaus soll stationäres Wohnen für 14 Menschen ebenso beinhalten wie einen Platz zur Kurzzeitunterbringung sowie neun Plätze für ambulant betreutes Wohnen. Darüber hinaus wird es im Gemeindezentrum Förder- und Betreuungsangebote und eine Beratungsstelle geben.

"Nachdem die Gremien der Partner bereits vor einigen Wochen grünes Licht gegeben hatten, sind nun alle Voraussetzungen erfüllt, um im nächsten Jahr mit dem Bauen zu beginnen", so Dekan Hellger Koepff. "Mit dem neuen Angebot könnten nun die Anforderungen der Sozialplanung für Menschen mit Behinderung im Landkreis Biberach umgesetzt werden", sagt Mariabergs Vorstand Rüdiger Böhm

Die bestehenden Gebäude des Komplexes um die Bonhoefferkirche müssen für die neue Nutzung zum Teil umgebaut und energetisch saniert werden. Die Kirchengemeinde kann den jetzigen Kirchenraum weiterhin für Gottesdienste und Gemeindearbeit nutzen, im Erdgeschoss werden Räume für den Förder- und Betreuungsbereich geschaffen. Die Wohnungen entstehen zum einen im jetzigen Mesnerhaus sowie in einem Neubau, der auf dem vorhandenen Grundstück errichtet werden wird.

"Innovatives Projekt"

Dr. Ulrike Werthmann und Dekan Hellger Koepff als Vorsitzende des evangelischen Gesamtkirchengemeinderats sowie Pfarrer Edzard Albers von der Bonhoefferkirche, die zusammen mit dem Kirchenpfleger Claus Zülzke die mehrjährigen Verhandlungen geführt haben, freuen sich über den positiven Bescheid. "Hier wird ein innovatives Projekt realisiert, das in die ganze Landeskirche strahlt", meint Koepff. Die Idee einer diakonisch integrativen Gemeindearbeit auf dem Mittelberg könne im Rahmen der Gesamtkirchengemeinde Gestalt gewinnen, unterstreicht Werthmann.

Die Verlagerung von stationären Wohnplätzen hinein in die Gemeinden ist das erklärte Ziel von Mariaberg. Seit dem Jahr 2006 ist der diakonische Träger daher bemüht, immer mehr stationäre und ambulant betreute Wohnplätze in den Regionen aufzubauen. Dies entspricht den Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention, die eine vollständige Teilhabe von Menschen mit Behinderung an allen gesellschaftlichen Aspekten festschreibt. Dazu gehören auch die Auflösung von Komplexstandorten und die Schaffung von Wohnangeboten inmitten der Städte und Gemeinden.

Mariaberg ist mit seinen rund 1400 Mitarbeitern ein diakonischer Träger für soziale Dienste im Bereich der Jugend- und Eingliederungshilfe und der beruflichen Bildung mit Angeboten für Menschen mit Behinderung und sozialer Benachteiligung vom Kindes- bis zum Seniorenalter. Angebote und Einrichtungen von Mariaberg gibt es für rund 3000 Menschen in den Landkreisen Sigmaringen, Reutlingen, Zollernalb, Alb-Donau, Ulm und Stuttgart.

Ein zunächst geplantes Inklusionsprojekt mit dem diakonischen Unternehmen "Die Zieglerschen" war im Herbst 2012 aus finanziellen Gründen gescheitert.

© Schwäbische Zeitung - 19.11.2014

Schuldekan Michael Pfeiffer, Gemeinderätin Marlene Goeth, Dekan Hellger Kopeff(von links) im Gespräch. Foto: Müller

Biberach - Die Familienbildungsstätte Biberach (FBS) hat sich und ihre Helfer gefeiert. Der historische Rückblick, vorgetragen von der Vorsitzenden Barbara von Römer, zeigte den erfolgreichen Werdegang dieser zwar evangelischen, aber doch für alle offenen Einrichtung.

Zu Anfang noch belächelt oder ausgebremst ("Welchen Sinn soll denn ein evangelisches Babywickeln haben?"), entwickelte sich das Projekt zu einer Organisation, in der 70 qualifizierte Honorarkräfte mehr als 200 Kurse für mehr als 4000 Teilnehmer anbieten.

Unter der Leiterin Karin Burgmaier-Laengerer ist heute daraus eine Institution geworden, die im Gemeindeleben der Stadt nicht mehr wegzudenken ist. Nicht nur mit dem eigenen Programm, auch durch die Mitwirkung etwa bei der städtischen "Agenda 21" wirkt sie in die Gesellschaft hinein. Mit ihren kirchlichen Wurzeln bietet sie auch für Familien in besonderen Lebenslagen Hilfestellung, zum Beispiel in dem kommunalen Projekt "wellcome" (für junge Familien nach der Geburt).

Anstelle einer Vielzahl von Grußworten bat Karin Burgmaier-Laengerer die Vertreter der Kirche und der Stadt zu einem kleinen Frage-und-Antwort-Spiel, das manche Weisheit freisetzte.

Dekan Hellger Koepf wartete mit einem Rat seines Vaters auf, der beim Autofahren den doppeldeutigen Spruch tat: "Du musst nicht auf das achten, was dir entgegenkommt, sondern auf den Platz, der dir zur Verfügung steht."

Marlene Goeth, die Oberbürgermeister Norbert Zeidler vertrat, lobte das Engagement der FBS, die in einer Zeit großer Freiheit dabei hilft "Orientierung, Werte und Wissen" zu finden und riet dazu, weiter am Ball zu bleiben und "gesellschaftliche Veränderungen zu erkennen und Angebote dafür zu finden".

Neben der hervorragenden musikalischen Begleitung durch Anita Bender war das clowneske Kabarett der Theologin Gisela Matthiae ein Höhepunkt der Veranstaltung für die rund 100 Gäste. Treffsichere Pointen, die die Besucher zum Lachen und Nachdenken anregten, für Insider aber noch viel mehr an Tiefe boten, waren echte Glücksmomente. Seitenhiebe auf kirchliche Dogmen und Lippenbekenntnisse standen neben Banalitäten des Menschseins aus weiblicher Sicht.

© Schwäbische Zeitung - 18.11.2014

De­menz­kran­ke scho­nend pfle­gen
Der Gesprächskreis für pflegende Angehörige trifft sich im Schemmerhofer Rathaus


Biberach - Der Gesprächskreis für pflegende Angehörige Biberach trifft sich am Mittwoch, 19. November, von 14 bis 16 Uhr im ersten Stock des Schemmerhofer Rathauses in der Hauptstraße 25.

Thema des Nachmittags wird die Kinästhetik als Methode zur Pflege von Demenzpatienten sein. Kerstin Dewald, Trainerin für Kinästhetik, wird in die Methode einführen und die Angehörigen über die Anwendung der Methode, insbesondere bei Demenzpatienten, informieren. Gerade beim Anziehen, bei der Zahnpflege oder beim Toilettengang ergeben sich für Angehörige Schwierigkeiten, beispielsweise, dass der Betroffene sich versteift oder sich nicht setzen will. Der Informationsnachmittag soll Anregungen dafür geben, wie man mit der Methode der Kinästhetik im Pflegealltag den Patienten unterstützen kann. Wer das an dem Nachmittag Ausprobierte in der Umsetzung daheim vertiefen möchte, kann mit der Referentin einen Hausbesuch vereinbaren oder an einem Kurs teilnehmen. Am Thema interessierte oder neu betroffene Angehörige sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Anmeldung bei Elke Held-Fischbach, Telefon 07356/9356-24; Karl-Heinrich Gils für Caritas und Diakonie: 07351/1502-50

© Schwäbische Zeitung - 17.11.2014

Sy­ri­sche Künst­ler im Ko­mö­di­en­haus

Biberach - Unter dem Motto "Kunst im Krieg" präsentieren am Dienstag, 18. November, von 19 Uhr an im Komödienhaus Biberach drei syrische Künstler im Exil ihre Werke. Die Heinrich-Böll-Stiftung und andere gehen der Frage nach, was ins Ausland geflohene syrische Künstler machen. Kamal Sido, Nahost-Referent der Gesellschaft für bedrohte Völker, klärt über die aktuelle Lage in der Krisenregion auf. Die bildende Künstlerin Hiba Alansari und der Schriftsteller Dara Nawaf Abdulla sprechen über ihre Flucht, das Leben im Exil und ihr künstlerisches Schaffen im Angesicht des Krieges. Es bleibt nicht bei Worten. Eine Lesung, syrische Musik, künstlerische Exponate und ein Büchertisch laden zum Austausch ein. Der Eintritt ist frei.

 

 

© Schwäbische Zeitung - 14.11.2014

Der neue Beirat des Weltladens (von links): Gisela Oesterlein, Conny Rudischhauser, Marie-Luise Krey, Susanne Barth, Pascale Pouzet und Ralph Lang.

Der neue Beirat des Weltladens (von links): Gisela Oesterlein, Conny Rudischhauser, Marie-Luise Krey, Susanne Barth, Pascale Pouzet und Ralph Lang. Es fehlt Hubert Glaser. Foto: privat

Welt­la­den un­ter­stützt Schul­pro­jekt in In­di­en
Ralph Lang ist neuer Mitvorsitzender

Biberach - Der Verein Weltladen Biberach hat bei seiner Mitgliedersammlung im Gemeindezentrum St. Martin einen Beirat gewählt.

Das siebenköpfige Gremium ist in den nächsten zwei Jahren für das wirtschaftliche Funktionieren des Weltladens und die Einhaltung der Kriterien des fairen Handels verantwortlich. Erst kürzlich wurde die Biberacher Einrichtung von der World Fair Trade Organisation (WFTO) zertifiziert.

Aus der Mitte des Beirats wurden Dr. Susanne Barth und Ralph Lang zu Vorsitzenden bestimmt. Medizinerin Barth nimmt damit wie bisher die Aufgabe der ersten Vorsitzenden wahr, Religionslehrer Lang löst die langjährige Hauptverantwortliche und das Gründungsmitglied Marie-Luise Krey ab. Krey bleibt aber Mitglied im Beirat.

Das neue Gremium muss sich mit den Veranstaltungen befassen, die der Verein mitträgt, so etwa mit dem gestrigen Vortrag "Zukunft statt Zocken" von Wolfgang Kessler über menschen- und umweltgerechtes und damit friedensfördendes Wirtschaften. Zu diesem Vortrag kam während der Versammlung das Freihandelsabkommen mit den USA, TTIP, zur Sprache. Vorgeschlagen wurde, im Weltladen in der Schadenhofstraße eine Informationskampagne zu beginnen. Es gehe darum, ob das Freihandelsabkommen eher den Interessen der Konzerne als den Bedürfnissen der Bürger diene und ob die bäuerliche Landwirtschaft geschwächt werde, weil die Agrarindustrie noch mehr Macht erhalte.

Der neue Mitvorsitzende Lang stellte bei der Versammlung außerdem ein Schulprojekt in Indien vor, für das er die Vereinsmitglieder um Unterstützung bat. Es handelt sich um eine Initiative von Schülern der Biberacher Gebhard-Müller-Schule, wodurch Jugendlichen im indischen Bundesstaat Rajasthan der Besuch einer Schule ermöglicht werden soll. Diese Jugendlichen arbeiten bisher unter unmenschlichen Bedingungen in Steinbrüchen, um ihre Familien zu ernähren. Das Schulprojekt, das nun nach Beschluss des Biberacher Weltladens mit 1000 Euro mitgetragen wird, soll den Schulbetrieb in Indien für drei bis fünf Jahre finanzieren. Anschließend soll die Dorfgemeinschaft die Schule selbst übernehmen.

© Schwäbische Zeitung - 12.11.2014

Foto privat

Bü­cher-Café fei­ert Fünf­jäh­ri­ges

Biberach - Seit fünf Jahren heißt der Bücher-Basar nun Bücher-Café. Zum Bücher-Café wird anlässlich des Fünfjährigen am Freitag, 14. November, 13 bis 18 Uhr, und Samstag, 15. November, 9.30 bis 18 Uhr, ins Martin-Luther-Gemeindehaus eingeladen. Im vergangenen Jahr erreichten die Veranstalter einen Umsatz von etwa 12 000 Büchern aller Art. Der erreichte Betrag von 2000 Euro wurde der Bauhütte gespendet. Heuer soll der erwirtschaftete Betrag dem Hölzle-Verein zugute kommen.

© Schwäbische Zeitung - 12.11.2014

Wolfgang Kessler

Wolfgang Kessler Foto: Kirchgessner

Wolf­gang Kess­ler spricht über Zu­kunft und Zo­cken
Vortrag über nachhaltiges und friedensförderndes Wirtschaften


Biberach - Wie ist ein bewusst menschen- und umweltgerechtes, somit auch besser friedensförderndes Wirtschaften möglich?

Praxisorientierte Antworten darauf verspricht ein Vortrag von Dr. Wolfgang Kessler, Chefredakteur von Publik Forum, am Donnerstag, 13. November, 19.30 Uhr, im großen Saal des Gemeindezentrums St. Martin in Biberach (Kirchplatz 3 - 4) im Rahmen der Biberacher Friedensdekade.

Der Publizist, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler studierte in Konstanz und England, unter anderem an der London School of Economics, übte eine wissenschaftliche Tätigkeit im Rahmen des Internationalen Währungsfonds aus und war als Journalist für verschiedene Tageszeitungen, auch für die Wirtschaftsredaktion der Schwäbischen Zeitung (1985 bis 1990) sowie für Rundfunkanstalten tätig, bevor er 1991 zu Publik Forum wechselte.

Als Autor verschiedener Bücher (zum Beispiel "Geld regiert die Welt. Wer regiert das Geld?" oder "Zukunft statt Zocken") geißelt er Fehlentwicklungen des globalen Finanzsystems und fordert eine zukunftsfähige Wirtschaft auf ethischer Grundlage.

Mit konkreten Vorschlägen (zum Beispiel Ökobonus) präsentiert Kessler, der mit dem Internationalen Bremer Friedenspreis ausgezeichnet wurde, in seinem Vortrag auch persönliche Möglichkeiten zur Förderung notwendiger Veränderungen.

Veranstalter sind der Arbeitskreis Entwicklungspolitik (AKE), das Friedensbündnis, die Lokale Agenda 21 und der Weltladen Biberach. Der Eintritt ist frei.

© Schwäbische Zeitung - 12.11.2014

Dietmar Patent, Ruth Bolz-Kuchelmeister, Karl-Heinrich Gils und Heinz Weiss sowie Pfarrer Ulrich Mack, sprachen über verschiedene Trauerwege

Dietmar Patent von der gastgebenden Volksbank Biberach (v. l.), die Leiter des Gesprächskreises für trauernde Eltern Ruth Bolz-Kuchelmeister, Karl-Heinrich Gils und Heinz Weiss sowie Pfarrer Ulrich Mack, Klinikseelsorger am ZfP in Bad Schussenried, haben die Trauer erklärt. SZ-Foto: Bogenrieder-Kramer

Je­der muss sei­nen ei­ge­nen Trau­er­weg fin­den
Pfarrer Dr. Ulrich Mack spricht über die gemeinsame Trauerarbeit von Mann und Frau

Von Carmen Bogenrieder-Kramer

Biberach - "Frauen sind ihrem Körper näher und damit auch ihren Gefühlen. Männer sind eher emotionale Analphabeten." Provokante und klischeehafte Sätze wie diese gab es beim Vortrag von Pfarrer Ulrich Mack ganz bewusst, wie dieser gleich zu Beginn seiner Ausführungen betonte. Der Geistliche referierte zum Thema "Männer trauern anders", zeigte unterschiedliche Trauerreaktionen auf und gab Impulse für eine gelingende gemeinsame Trauerarbeit von Mann und Frau.

Die Veranstaltung fand auf Einladung des evangelischen Bildungswerks in Oberschwaben und auf Wunsch des Gesprächskreises "Trauernde Eltern" in den Räumen der Volksbank Biberach statt. Einer von Macks Denkanstößen bezog sich auf die Art der Gesprächsführung. "Wenn drängende Forderungen und versteckte Vorwürfe zu deutlichen Wünschen und Bitten umformuliert werden können, dann ist ein großer Schritt in die richtige Richtung erreicht." Er nannte auch Beispiele, etwa "Ich bin traurig, dass du schon wieder gehst. Bitte bleib da und lass mich nicht alleine", oder "Ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen, bitte vertrau mir und bohre nicht weiter nach". Wichtig sei die Akzeptanz unterschiedlicher Trauerwege. Jeder müsse letztlich seinen eigenen Weg finden und alleine gehen. Keiner könne sich der Trauer entziehen und eine Landkarte, auf der der Weg durch die Trauer festgelegt sei, gebe es nicht. Trauer habe etwas mit Gefühlen zu tun. Doch die Tatsache, dass jemand nicht über seine Gefühle spricht, bedeute nicht, dass er keine hat. Im Gegenteil. Oftmals sei dann die Trauer beim Tod eines geliebten Menschen umso schmerzlicher. Hilfreich könne die Teilnahme an Gesprächskreisen wie dem der "Trauernden Eltern" sein.

Das bestätigte auch Pfarrerin Birgit Schmogro in der anschließenden Diskussionsrunde. Sie appellierte an Mann und Frau: "Wir müssen nachsichtiger sein und mit Geduld und Demut auf Vertrauen bauen." Dazu gehöre unter anderem das Überdenken eigener Erwartungshaltungen.

© Schwäbische Zeitung - 11.11.2014

Die Iranierinnen Farzaneh Khamisi, Maryam Esmailzadeh und Afraz Danesh (v.l.) beteiligen sich als freiwillige Spülerinnen.

Die Iranierinnen Farzaneh Khamisi, Maryam Esmailzadeh und Afraz Danesh (v.l.) beteiligen sich als freiwillige Spülerinnen.

Mehr als nur eine Mahl­zeit
In der Spitalkirche in Biberach gibt es die ganze Woche Essen für einen Euro

Von Julia Baumann
   
Biberach - Die Biberacher Vesperkirche findet in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal statt. Eine Woche lang gibt es in der Evangelischen Spitalkirche täglich für einen Euro eine warme Mahlzeit. Und zwar für alle - egal, ob bedürftig oder nicht.

Geschirr klappert, Stühle rutschen hin und her, Menschen unterhalten sich. Es ist laut. Und es riecht nach Spaghetti Bolognese. Viele sind zur Eröffnung der Biberacher Vesperkirche am Montagmittag gekommen, die 95 Sitzplätze sind nahezu vollständig besetzt.

"Dabei geht es den meisten eigentlich gar nicht darum, billig zu essen", sagt Hermann Hagel, der die Vesperkirche hauptsächlich organisiert. Nur etwa 30 Prozent seiner Gäste seien sozial schwach. "Der Rest sind Rentner, deren Armut vor allem darin besteht, dass sie allein sind."

Wer mag, darf mehr geben

Ein Euro ist der Mindestpreis für eine Mahlzeit inklusive Salat. "Wer mag und kann, darf aber natürlich auch mehr geben", sagt Pfarrer Christoph Heinemann in seiner Eröffnungsrede. Sie selbst würden für das Essen, das wie im vergangenen Jahr von der Klosterküche Untermarchtal zubereitet wird, 4,50 Euro pro Portion bezahlen.

Kurz nach dem offiziellen Beginn der Vesperkirche um viertel nach zwölf, betritt eine Gruppe von Menschen den Raum, die wahrscheinlich tatsächlich froh sind, dass sie nicht mehr als einen Euro für das Essen zahlen müssen. Es sind Flüchtlinge, die erst seit Kurzem in Biberach untergebracht sind. Sie setzen sich hinten in den Raum, weit weg von der Essensausgabe, und wirken etwas eingeschüchtert.

"Ich weiß ganz genau, wie sie sich fühlen", sagt Maryam Esmailzadeh. Die junge Frau ist selbst vor drei Jahren aus dem Iran nach Deutschland geflohen. In diesem Jahr hilft sie zum ersten Mal zusammen mit ihren beiden Freundinnen in der Vesperkirche mit. "Ich finde das einfach ein schönes Projekt, gerade weil es auch Menschen wie Asylbewerbern die Gelegenheit gibt, Anschluss zu finden", sagt die Iranerin, die mittlerweile zum Christentum konvertiert ist und bemerkenswert gut deutsch spricht.

Tatsächlich dauert es nicht lange, bis die ersten Kontakte geknüpft werden. "Das liegt auch daran, dass wir hier bedient werden", sagt Andreas Gratz vom Migrationsdienst der Caritas. Seit sechs Jahren bringen ehrenamtliche Helfer den Menschen, die es sich nicht selbst holen können, ihr Essen an den Tisch. In diesem Jahr haben sich Mitglieder des Rotary Clubs Biberach für diesen Dienst gemeldet. "Und wenn die dann eine afrikanische Mutter fragen, was ihre vier Kinder denn essen möchten, senkt das natürlich die Hemmschwelle", sagt Gratz.

Und schon kurze Zeit später wird es stiller in der Biberacher Spitalkirche. Weil alle zufrieden ihre Spaghetti genießen.

© Schwäbische Zeitung - 07.11.2014

Die Schüler der Pflug-Förderschule sangen für die Tagungsteilnehmer.

Die Schüler der Pflug-Förderschule sangen für die Tagungsteilnehmer zur Begrüßung. Über die Zukunft der Schule soll der Gemeinderat in den nächsten Wochen entscheiden. SZ-Foto: Gerd Mägerle

In­klu­si­on bleibt eine gro­ße Her­aus­for­de­rung
Rund 180 Lehrer, Erzieher und Eltern diskutieren beim "Bildungsforum in Oberschwaben" in Biberach


Biberach - Unter dem Motto "Aufgabe Inklusion" haben sich am Donnerstag rund 180 Lehrer, Pfarrer, Erzieher und Eltern zum "Bildungsforum in Oberschwaben" in der Biberacher Stadthalle getroffen. Nach einem Impulsreferat am Vormittag beschäftigten sich die Teilnehmer am Nachmittag in elf Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Aspekten der Inklusion vom Kindergarten über den Konfirmandenunterricht bis hin zum Übergang ins Berufsleben. Veranstalter des Bildungsforums, Nachfolger des mehr als 50 Jahre lang angebotenen "Aulendorfer Erziehertags", war die Evangelische Landeskirche.

"Inklusion ist kein Thema nur für die Schule, sondern für die gesamte Gesellschaft", sagte Oberkirchenrat Werner Baur aus Stuttgart in seiner Begrüßung. "Es ist unsere Aufgabe, Möglichkeiten zu schaffen, dass eine Teilhabe für alle möglich wird", sagte er zu den Teilnehmern. Prälatin Gabriele Wulz schloss sich ihm an: "Zur Inklusion gibt es keine Alternative." Für Lehrer sei sie allerdings eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, räumte sie auch ein. Für das Gelingen der Inklusion, gerade an Schulen, brauche es Zeit, bei den Lehrern brauche es die Liebe zum Beruf.

Hauptreferentin Dr. Anita Müller-Friese von der Evangelischen Landeskirche in Baden betonte im Gespräch mit der SZ, dass es wichtig sei, die entsprechenden Rahmenbedingungen für Inklusion zu schaffen, vor allem was Räumlichkeiten und die Fortbildung der Lehrkräfte betreffe. "Das ist ein schwieriger Prozess."

Wie schwierig er sein kann, zeigt sich in diesen Wochen auch in Biberach, wo der Gemeinderat bis zum Jahresende vor der Entscheidung steht, wie es mit der Pflug-Förderschule weitergeht. Hier geht es auch um die Frage, ob die Schule als Ganzes an einem Ort zusammenbleibt oder es zu einer Aufteilung von jüngeren und älteren Schülern kommt, wobei es auch inklusive Angebote geben soll. Dem entgegen steht der Wunsch von Schulleitung und Eltern, die Schule als "geschützten Raum" für die Kinder zusammen zu belassen.

Anita Müller-Friese sieht das im Pressegespräch eher kritisch. "Wen schützt die Sonderschule? Sie schützt auch ein Stück weit die Gesellschaft und darin sehe ich eine Gefahr", sagt sie. Aufgabe der Kommunen sei es, die allgemeinen Schulen so zu gestalten, dass sich dort alle wohlfühlen. "Mir ist bewusst, dass das Geld kostet."

"Alle müssen dazu stehen"

Etwas anders sieht es Ursula Mittag, bis 2013 Leiterin der Hermann-Gmeiner-Schule, einer Förderschule in Ehingen. "Es ist immer eine Einzelfallentscheidung", sagt sie. Wichtig sei in jedem Fall das Wohl des Kindes, das immer im Mittelpunkt stehen müsse. Es sei für sie immer eine leidvolle Erfahrung gewesen, wenn Kinder aus einer inklusiven Beschulung an einer Regelschule wieder an die Förderschule zurückkommen müssten. "Die Rahmenbedingungen müssen passen, alle müssen dazu stehen und es wollen", ist ihre Meinung zur Inklusion an Schulen.

 

 

© Schwäbische Zeitung - 07.11.2014

Die Ves­per­kir­che er­öff­net ihre Sai­son
Vom 10. bis 15. November gibt es in der evangelischen Spitalkirche warmes Essen


Biberach - Die Biberacher Vesperkirche will ein Ort der Begegnung sein. Vom 10. bis 15. November wird täglich ab 12.15 Uhr in der evangelischen Spitalkirche in Biberach ein warmes Mittagessen (auch vegetarisch) angeboten.

Das teilt die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) mit. In diesem Jahr werden noch mehr Portionen gekocht, sodass Gäste auch nach 12.45 Uhr (zweite Schicht) noch ein Essen bekommen. Jeder ist an diesem Ort der Begegnung willkommen. Hier sitzen Wohlhabende und Wohnungslose an einem Tisch. Lebensgeschichte und Religion spielen keine Rolle. Alt und Jung, Arm und Reich, Alleinstehende und Familien kommen zusammen, um ein Stück ihres Alltags miteinander zu teilen. Ältere Besucher dürfen sich freuen, denn Mitglieder des "Rotary-Club Biberach" werden in diesem Jahr das Essen an den Tisch bringen. Durch gute Gespräche werden alle zugleich Gebende und Nehmende. Die Vesperkirche ist dieses Jahr in die Friedensdekade der ACK eingebunden. Sie ist eine unter 26 Vesperkirchen in Württemberg und ein ökumenischer Mittagstisch, der von Ehrenamtlichen der Biberacher Kirchengemeinden vorbereitet wird. Eingangs genießen die Gäste Orgelmusik und eine kurze Besinnung. Das Essen aus der Klosterküche Untermarchtal wird für einen Euro ausgegeben. Säfte und Wasser sind im Preis enthalten. Wer kann, darf auch einen Solidaritätsbeitrag zur Deckung der Kosten (etwa 4,50 Euro) geben. Durch Spenden ist es möglich, nach dem Essen noch Kaffee und Gebäck anzubieten.

Gemeinsame Mahlfeiern sind im christlichen Glauben das Kennzeichen für die Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft wollen die Organisatoren auch in Biberach anbieten. Die Einsamkeit alleinstehender Menschen sei die eigentliche "Armut".

© Schwäbische Zeitung - 04.11.2014

Zum Ver­ständ­nis von Mann und Frau
"Ma(h)l anders" heißt eine Veranstaltung am 10. November in der Friedenskirche

Biberach - Können Frauen die Männer verstehen und die Männer die Frauen? Dieser Frage nähert sich unkonventionell - unterhaltsam und kulinarisch bei einem mehrgängigen herbstlichen Menü - eine Veranstaltung am Montag, 10. November, 19 Uhr, in der Biberacher Friedenskirche, Krummer Weg 1. Der Titel des Abends lautet "Ma(h)l anders".
In ansprechender Atmosphäre halten Biberacher mit unterschiedlichen beruflichen und privaten Lebenshintergründen zwischen den einzelnen Gängen inspirierende Tischreden, in denen sie ihre Sichtweise zum Ausdruck bringen, worin sie die Kunst sehen, als Frauen und Männer unterwegs zu sein. Auch musikalische Beiträge sind vorgesehen an diesem Abend, an dem es auch genügend Raum für Gespräche geben wird.
Die Veranstaltung findet anlässlich der diesjährigen Friedensdekade der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) unter dem Thema "Befreit zum Widerstehen" statt. In der ACK sind die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden Biberachs zusammen mit der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde verbunden. Eingeladen sind alle interessierten Frauen und Männer.
Für die Teilnahme an der Veranstaltung "Ma(h)l anders" am 10. November in der Biberacher Friedenskirche wird ein Unkostenbeitrag von sechs Euro. erhoben.

© Schwäbische Zeitung - 04.11.2014

Pfarrer Dr. Ulrich Mack

Pfarrer Dr. Ulrich Mack

In­ter­view: "Män­ner trau­ern ver­steckt"
Pfarrer Ulrich Mack hält einen Vortrag über Trauer von Männern und Frauen

Biberach - Männer trauern anders als Frauen. Zu diesem Thema spricht am Donnerstag, 6. November, um 19.30 Uhr in den Räumen der Volksbank Biberach, Bankkolleg, Bismarckring 59 bis 61, Pfarrer Dr. Ulrich Mack. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen. Pfarrer Mack war viele Jahre Seelsorger in der Universitäts-Kinderklinik in Tübingen und arbeitet jetzt als Klinikseelsorger am ZfP in Bad Schussenried. SZ-Mitarbeiterin Carmen Bogenrieder-Kramer hat im Vorfeld des Vortrags mit ihm gesprochen.

Herr Pfarrer Mack, inwiefern trauern Männer anders als Frauen?

Auf ein mögliches Missverständnis möchte ich gleich hinweisen. Hinter dem Wort anders verbirgt sich immer wieder die Kritik, dass die Art und Weise der Trauer von Männern nicht verstanden werden kann. Deshalb ist zunächst die Aussage wichtig: Männer trauern. Sie erfahren den Schmerz der Trauer und trauern oft sehr tief und lange.

Zu Ihrer Frage: Es ist richtig, Männer trauern anders, sie trauern nicht so emotional und sprechen auch nicht gerne darüber. Männer trauern von außen gesehen versteckt. Viele Männer lassen nur begrenzt Gefühle zu, sie versuchen sich denkend einen Trauerweg zu bahnen. Wenn möglich, versuchen sie durch Ablenkungen wie Arbeit oder Sport dem Schmerz der Trauer aus dem Weg zu gehen. Sie haben oft ihren Trauerort und ihre Trauerzeit während der Fahrt im Auto, auf einer Bank im Park. Unbeobachtet lassen sie dann durchaus ihren aufgestauten Gefühlen freien Lauf.

Warum ist das so? Gibt es Gründe für diese Unterschiede?

Mögliche Gründe liegen einmal in der unterschiedlichen Sozialisation. Männer neigen dazu, ihren Gefühlen zu misstrauen und versuchen die Kontrolle zu behalten. Aus verhaltensbiologischer Sicht ist der Mann der Versorger der Familie; er ist darauf programmiert, Probleme zu lösen mithilfe von Verstand und Technik. Der Verlust eines geliebten Menschen ist für den Mann zunächst eine Niederlage, gegen die er sich wehren muss.

Wie können sich Männer und Frauen trotzdem gegenseitig stützen?

Der erste Schritt besteht darin, dass Männer wie Frauen zunächst akzeptieren: Unterschiede in der Trauer gibt es. Wenn jeder dem anderen zugesteht, dass er auf seine Weise trauern darf, und, wenn es dann gelingt, so miteinander ins Gespräch zu kommen, dass der Mann über sein Bild im Kopf sprechen kann, wenn er an Trauer denkt und umgekehrt, der Mann mit den eindringlichen Trauergefühlen der Frau umgehen lernt, dann ist ein wesentlicher Schritt dafür erreicht.

Gibt es so etwas wie ein Erfolgsrezept?


Nein. Nach meiner Erfahrung reicht es auch nicht aus, nur ein besseres psychologisches Verständnis für den anderen zu erwerben. Eine ganz fundamentale Fähigkeit besteht in der Aneignung einer einfühlsamen Gesprächsform, die es den Partnern ermöglicht, eine Basis der Offenheit und des Mitgefühls für den gemeinsamen Austausch zu schaffen.

Was wollen Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?


Mein Anliegen ist es Männern und Frauen Impulse zu vermitteln, damit vorhandene Vorurteile oder festgefahrene Sichtweisen überwunden werden können, um mit Neugierde und Interesse die Trauer des anderen zu sehen und neue Schritte zu wagen.