© Schwäbische Zeitung - 23.10.2014

Markus Schließer (Mitte) stellt sein Haus für eine Flüchtlingsfamilie zur Verfügung. Fotos: Diana Hofmann


"Wir ha­ben eine be­son­de­re Ver­ant­wor­tung"
In Wain hat sich ein Arbeitskreis gegründet, der Flüchtlingen helfen will
Von Diana Hofmann 23. Oktober 2014

Wain - "Miteinander etwas erreichen und nicht von vorneherein gegeneinander arbeiten", "die Menschen fühlen lassen, dass sie willkommen sind und dazugehören", "nicht nur die Risiken sehen, sondern auch die Möglichkeiten" - die Gründe, beim Wainer Arbeitskreis Flüchtlinge mitzumachen, sind vielfältig. Zum ersten Treffen, das gleichzeitig Gründungstreffen war, sind am Dienstagabend auf Einladung von Bürgermeister Christian Schlenk und Pfarrer Ernst Eyrich zwanzig Wainer ins evangelische Gemeindehaus gekommen.

"Auf Besuch"

"Seit zehn Jahren bin ich hier in der Gegend in der Flüchtlingsarbeit aktiv, aber selten habe ich eine so große Motivation gehört", staunte Matthias Ströhle nach der Vorstellungsrunde. Der evangelische Pfarrer aus Erolzheim-Rot hat das Bezirksamt für Asyl und Flüchtlinge im Kirchenbezirk Biberach inne, begleitet unter anderem die Gründung solcher Arbeitskreise und leitet selbst welche. Er kennt die Familie Ismailovic - Vater, Mutter und zwei Kinder von 12 und 13 Jahren - bereits und ist zuversichtlich, dass sie sich in Wain gut einleben wird. Vor gut einem Jahr ist sie nach Deutschland gekommen, Mitte November wird sie in das Haus von Markus Schließer "Auf der Bausch" einziehen. Momentan wohnt dort noch der Ofenbauer Christoph Ruopp, der Ende November für ein Entwicklungshilfeprojekt nach Äthiopien geht. Er hat in das 1890 erbaute Haus einen Kachelofen eingebaut und wird bis zu seiner Abreise mit der Familie wohnen und ihr den Umgang damit sowie mit den restlichen Haushaltsgeräten, die er hier lässt, erklären. "Er wird also der erste Ansprechpartner sein", erklärte Markus Schließer. Selbst ist er schon "gespannt" darauf, wie die enge Nachbarschaft mit der Roma-Familie sich entwickelt - "das Haus steht fünf Meter von unserem Wohnzimmer weg."

Viele Bürger hätten zugesagt, mit Inventar zu helfen, berichtete Christian Schlenk. Die Aufgabe des Arbeitskreises ist es nun, die Hilfsbereitschaft zu kanalisieren, damit die Familie nicht überfordert wird. "Wichtig ist es, die Familie mit einzubinden, um zu sehen, was sie wirklich brauchen. Sonst kommt es zu Missverständnissen", sagte Ströhle. Trotzdem sei es wichtig, gerade am Anfang intensiv zu betreuen: "Was man am Anfang verpasst, holt man später nicht wieder herein."

Am Ende des erstens Treffens haben sich als erste Ansprechpartner nach Ruopps Abreise Knut Wehr und Jens Rieso bereit erklärt. Für Knut Wehr sind die Flüchtlinge einfach Menschen, die Hilfe brauchen. "Die Religion ist dabei erst einmal egal." Weil es ihm selbst gut gehe und ihm nichts fehle, könne er gut anderen helfen. Jens Rieso, der seit 14 Jahren in Wain lebt und aus Norddeutschland stammt, findet: "Wir können uns dem Problem nicht verschließen. Einfach wird's nicht werden, aber wenn wir es nicht versuchen, haben wir erst recht nichts erreicht."

Er verweist auf die Geschichte vieler Wainer Bürger, deren Vorfahren einst als Glaubensflüchtlinge aus Österreich oder nach den beiden Weltkriegen nach Oberschwaben gekommen waren: "Wenn wir uns die Geschichte anschauen, hätten wir eine noch größere Verpflichtung, als nur vier Personen aufzunehmen." Aus diesem Blickwinkel sah auch Martin Walcher sein Angebot zur praktischen Hilfe: "Wir haben eine besondere Verantwortung."

© Schwäbische Zeitung - 20.10.2014

Grafik Apostel von Buchau

Ohne Strümpf’ und ohne Schuh’: der Apostel von Buchau. sz-: klaus weiss

Wer war der „Apostel von Buchau“

Pfarrer Markus Lutz lüftet die Identität um den geheimnisvollen Besucher des Reichstags von 1542

Bad Buchau (sz) Über den „Apostel von Buchau“ hat der evangelische Pfarrer Markus Lutz beim Seniorennachmittag im evangelischen Gemeindehaus referiert. Er korrigierte die bisherige Ansicht, dass es sich dabei um den Stift’schen Müller und Bürgermeister Daniel Buggenheu gehandelt habe.

Joseph Mohn hatte in seinem Buch „Kappel – das Dorf über dem Federsee“ einen Abschnitt aus der Zimmerschen Chronik zitiert und behauptet, der Apostel von Buchau sei im Jahr 1521 auf dem Reichstag gewesen. Mohn hatte sich hier auf Johann Evangelist Schöttle berufen, der Ende des 18. Jahrhunderts das Standardwerk über die Geschichte Buchaus verfasst und darin einen Abschnitt aus der Zimmerischen Chronik paraphrasiert hat. Dass der fragliche Reichstag 1521 stattfand, scheint seiner Feder entsprungen zu sein. Vermutlich war die Idee, dass der Apostel von Buchau damals den Reformator Martin Luther getroffen hatte, zu verlockend.

„Barschenkelt“ auf Reisen

Die Zimmerische Chronik erzählt von geschichtlichen Ereignissen, aber es werden in ihm auch viele Fabeln und witzige Kurzgeschichten zum Besten gegeben. In vielen Passagen erzählt der Verfasser Froben Christoph von Zimmern über sein eigenes Leben. Dazu gehört auch der Abschnitt über den Reichstag zu Speyer. Froben Christoph von Zimmern lebt von 1519 bis 1566. Zu Beginn des Jahres 1542 fand der Reichstag statt, bei dem der Kaiser die Reichsstände um Unterstützung für den Krieg gegen die Türken bat.

Von Zimmern erzählt von allerhand seltsamen Begebenheiten auf diesem Reichstag. „Neben andern guten Schwänken“ schildert er die Geschichte vom Apostel von Buchau. Dieser sei barschenkelt – Strümpfe und Unterhose hatte er über die Schulter geworfen – nach Buchau zurückgekehrt. Seinen Spitznamen „Apostel“ hatte der Bürgermeister und Fischer bereits zuvor in Speyer bekommen, weil er als Gesandter der Stadt Buchau den ganzen Weg alleine und zu Fuß zurückgelegt hatte. Den Namen des Apostels von Buchau aber nannte von Zimmern nicht.

Von jedem Reichstag gibt es nun einen so genannten Reichstagsabschied, der die gefassten Beschlüsse dokumentiert. Darin sind auch die jeweiligen Reichsstände mit ihren Vertretern genannt. Fast immer wurde dabei Buchau durch andere Städte vertreten: an den Reichstagen von Augsburg zum Beispiel durch Ravensburg, Überlingen und Ulm. Beim Reichstagsabschied von 1542 aber ist das anders. Der letzte reichsständische Eintrag lautet: Bucho am Federsee. Darunter steht der Name des Vertreters: Eustachius Jeger. Damit, so die Schlussfolgerung von Lutz, sei klar: Der Fischer Eustachius Jeger, einer der beiden Bürgermeis

© Schwäbische Zeitung - 14.10.2014

Seinen 500. Vortrag hat der Wetterexperte Roland Roth gehalten - Lotte Obrist vom "Gmoinds-Treff"-Organisationsteam überreichte ihm einen Geschenkkorb.

Seinen 500. Vortrag hat der Wetterexperte Roland Roth gehalten - Lotte Obrist vom "Gmoinds-Treff"-Organisationsteam überreichte ihm einen Geschenkkorb. Foto: Ulrike Guggenberger

"Ma­chen wir aus je­dem Wet­ter das Bes­te"
Der Wetterexperte Roland Roth war beim "Woimer Gmoinds-Treff" zu Gast
Von Ulrike Guggenberger 14. Oktober 2014

Wain - Um das Wetter ist es am vergangenen Freitag beim letzten "Woimer Gmoinds-Treff" 2014 gegangen. Im evangelischen Gemeindehaus referierte Roland Roth, Leiter der Wetterwarte Süd.

"Ich versuche die Informationen über das Wetter möglichst wenig wissenschaftlich vorzutragen, Lachen ist erlaubt", startete Roth in seinen Vortrag. Er erklärte den rund 80 Zuhörern, dass die Bauern die ersten Wetterforscher gewesen seien, bevor man vor 200 Jahren anfing, das Wetter aufzuzeichnen. Aus diesem Grund hätten die sogenannten Bauernregeln durchaus ihre Berechtigung. Jedoch gelten laut Roth nur einige dieser Regeln, wie zum Beispiel die Schafskälte und die Eisheiligen, für ganz Mitteleuropa. Jeder Ort in Oberschwaben habe nämlich sein ganz eigenes Wetter.

Roth ermunterte seine Zuhörer, aufmerksam zu sein, denn am Ende seines Vortrags werde er drei Fragen zu bestimmten Wolkenbildern stellen: "Ich möchte von ihnen den deutschen, schwäbischen und lateinischen Begriff für die gezeigten Wolken hören."

Kurzweilig erzählte Roth einiges aus seiner langjährigen Erfahrung als Wetterforscher und informierte anhand von Bildern über verschiedene Wetterentwicklungen. Auch auf das Biowetter ging er ein und erklärte, dass wir alle bei Fön müder und nicht so konzentriert seien. Durch die deutlich herabgesetzte Reaktionsfähigkeit in dieser Zeit bestünde erhöhte Unfallgefahr. Am Ende seines Vortrags meinte der bekennende Gewitterfan: "Machen wir doch aus jedem Wetter das Beste!"

Beim Wolkenquiz gingen alle Besucher des evangelischen Gemeindehauses als Sieger hervor und klatschten Roland Roth Beifall.

"Luthrische" für Roth

Lotte Obrist und ihr "Gmoinds-Treff"-Team hatten die Tische im Gemeindehaus herbstlich geschmückt und mit vielen Leckereien bestückt. Obrist verriet, dass dies nicht nur der fünfte "Gmoinds-Treff" war, der damit einjähriges Bestehen feierte, sondern auch der 500. Vortrag von Roland Roth. Sie überreichte dem Wetterfachmann einen Geschenkkorb mit oberschwäbischen Köstlichkeiten. Dazu gehörte auch ein Paar "Luthrische", die Roth noch nicht kannte. Das Rezept dieser Würste brachten die Kärntner Glaubensflüchtlinge im 17. Jahrhundert mit nach Wain.

© Schwäbische Zeitung - 13.10.2014

Rund 200 Läufer unterstützten am Samstag die Aktion zugunsten der Versöhnungskirche.

Rund 200 Läufer unterstützten am Samstag die Aktion zugunsten der Versöhnungskirche. sz-Foto: Josef Aßfalg

Spon­so­ren­lauf bringt 17 000 Euro ein
Läufer drehen 3186 Runden für die Ummendorfer Versöhnungskirche
Von Josef Aßfalg 13. Oktober 2014

Ummendorf - 200 Läufer sind am Samstag beim Sponsorenlauf für die Spendenaktion "gut be-Dach-t" zugunsten der Renovierung des Kirchendachs der Versöhnungskirche auf dem Ummendorfer Sportplatz an den Start gegangen. Mit 3186 Runden erliefen sie nach Angaben von Kirchengemeinderat Michael Schmalz einen Sponsorenbetrag in Höhe von 17.016,01 Euro. Der Erlös aus dem Getränke- und Essensverkauf und die Einnahmen aus dem Verkauf von Kaffee und gespendeten Kuchen sind nicht mitgerechnet.

Die älteste Läuferin startete mit 77 Jahren und der älteste Mann war 79 Jahre alt. Zwei Buben mit zwei Jahren waren die jüngsten Teilnehmer. Die neunjährige Emily Warth aus Hochdorf schaffte mit 82 Runden die höchste Rundenzahl und erhielt einen Einkaufsgutschein über 20 Euro bei einem Biberacher Geschäft, den eine Familie aus Biberach für den Schüler mit der Höchstzahl ausgelobt hatte.

Es herrschte eine gute Stimmung auf dem Ummendorfer Sportgelände. Um die Mittagszeit gingen die "Promis" an den Start. Pfarrerin Andrea Luiking und Ulrike Werthmann, Vorsitzende der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Biberach, gaben abwechselnd die Rundenergebnisse bekannt und feuerten die Läufer an, während die Zuschauer mit Zurufen und Klatschen die Teilnehmer anspornten.

"Es ist toll zu spüren, wie viele Menschen im Ort und weit darüber hinaus mit uns verbunden sind und uns unterstützen", lobte Luiking. Sie legte auch Wert darauf, dass zehn Prozent des Erlöses vom Sponsorenlauf an den Evangelischen Verein "Schneller Schulen" im Libanon für die Aufnahme von syrischen Flüchtlingskindern weitergeleitet werden. In der "Prominentenliga" drehte der Bundestagsabgeordnete Josef Rief (CDU) mit Tochter Katharina seine Runden, während Mama am Spielfeldrand die beiden verbal unterstützte. Der Bundestagsabgeordnete Martin Gerster (SPD) hatte sich zehn Runden vorgenommen, am Ende waren es elf. Vorstand Herbert Lang vom Musikverein lief mit ein paar Musikern seine Runden. Der Musikverein habe spontan zugesagt, resümierte Lang, "obwohl wir selbst eine Baustelle haben", bei der der Verein auch auf Spenden angewiesen sei. "Aber jetzt unterstützen wir mal die evangelische Kirche". Musikerin Silvia Bender sagte, dass die Sponsoren für die Läufer des Musikvereins aus den eigenen Reihen kommen. "Viele sind auch da und unterstützen uns mental", so Silvia Bender lächelnd. Chris Cantow mit der Nummer 204 aus Rißegg ist mit Hündin "Tina" 61 Runden gelaufen und Tochter Isabel war bei 40 Runden dabei. "Tina ist gelaufen und ich war der Sponsor", scherzte der Hundeführer.

Die Läufer brauchten Sponsoren oder die Sponsoren mussten sich um Läufer kümmern. Pro Runde setzten die Sponsoren einen freiwilligen Betrag ein. Maßgebend war dann die Zahl der gelaufenen oder gegangenen Runden, die Zeit spielte keine Rolle. Ortsvorsteherin Karin Schraivogel aus Fischbach drehte mit ihrer Bekannten gemächliche Runden. "Wir laufen nicht so schnell und machen weniger Runden, aber dafür haben wir höhere Sponsoreneinsätze", sagte Schraivogel lachend.


 

 

© Schwäbische Zeitung - 13.10.2014

n der "Prominentenliga" starteten: Bundestagsabgeordneter Martin Gerster, Dekan Hellger Koepff, Bürgermeister Klaus B. Reichert, Pfarrer Jürgen Sauter, Bundestagsabgeordneter Josef Rief, Gemeinderat Simon Özkeles, FDP-Kreisvorsitzender Tim Hundertmark, Pfarrer Ulrich Heinzelmann, Pfarrerin Daniela Bleher, Kirchengemeinderat Jörg Koenigsdorff, Herbert Lang, Vorsitzender des Musikvereins, und Michael Luiking von der Gesamtkirchengemeinde Biberach.Der Sponsorenlauf ist ein Baustein der Aktion "gut be-Dach-t", auch Konzerte und manches andere ist geplant. Dach und Turm der 1969 eingeweihten Kirche müssen für 240 000 Euro saniert werden. Die Kirchengemeinde muss davon rund 140 000 Euro aufbringen.

 

 

© Schwäbische Zeitung - 08.10.2014

Die Kirche war schön mit Erntegaben dekoriert. FOTO: GUGGENBERGER

Wain - Die Gemeinde in Wain hat in der Michaelskirche einen Erntedankgottesdienst gefeiert. Der Kindergarten Paulinenpflege und der Kirchenchor haben mitgewirkt.

Die Kindergartenkinder zogen beim Orgelanspiel durch den Mittelgang der Kirche ein, jedes ein prall gefülltes Gabenkörbchen in der Hand. Die Kinder sowie die Kirchengemeinde staunten über die schöne und reichhaltige Dekoration der Kirche mit Erntegaben.

Zuerst erfreute der Kirchenchor unter der Leitung von Sarah Locher, dann die Kindergartenkinder mit ihrem Gesang die Gemeinde. Danach wurde von den Kindern eine Vorführung dargeboten. Die Kinder als Obst verkleidet erzählten, welche Frucht sie sind und woher sie stammen. So gab es zum Beispiel Bananen aus Panama, Orangen aus Spanien und einen Apfel aus Wain. Die Früchte wunderten sich über eine seltsam aussehende Frucht, die sie gar nicht kannten, und taten ihr Misstrauen gegenüber der fremden Frucht kund. Als dann aber die Frucht erzählte, dass sie eine Kiwi sei und aus Australien stamme, lauschten die anderen Früchte gespannt den Erzählungen der Kiwi. Am Ende war die Banane glücklich darüber, mit der Kiwi zusammen in einem Obstsalat sein zu dürfen.

Im Zeichen des Dankes

Der Gottesdienst stand im Zeichen des Dankens, des Lobens und des Teilens. Pfarrer Ernst Eyrich ging auf diese Themen ein: "Einen wunderbaren Dreiklang haben wir heute in der Predigt vernommen. Wir empfangen von Gott - wir loben und danken Gott mit den Lippen - wir loben und danken Gott, indem wir mit den Händen, am besten auch mit den Herzen, teilen, was wir empfangen haben."

Auch regte der Pfarrer an, wie gut es sei, sich anzugewöhnen sich jeden Tag bei Gott zu bedanken, wie etwa mit einem Tischgebet. Hierzu gab er folgenden Impuls "Sie finden im evangelischen Gesangbuch auf Seite 1441 Tischgebete oder suchen danach im Internet."

Der Familiengottesdienst endete mit dem Lied "Danke für diesen guten Morgen". Das Opfer war an diesem Tag für den Kindergarten Paulinenpflege bestimmt.