© Schwäbische Zeitung - 29.04.2015

Jürgen Kraft (links) informierte interessierte Bürger.

Jürgen Kraft (links) informierte interessierte Bürger. SZ-Foto: Bölstler

Wei­te­re Eh­ren­amt­li­che drin­gend ge­sucht
Nur zehn Bürger haben sich bereit erklärt, die neuen Flüchtlinge in Schussenried willkommen zu heißen

Von Katrin Bölstler 29. April 2015

Bad Schussenried - Die Bauarbeiten beginnen in Kürze, im Juli sollen die ersten Flüchtlinge in die ehemalige Pension Schellknecht in Bad Schussenried einziehen. Sind dort dann alle Plätze belegt, werden insgesamt 85 Flüchtlinge in Bad Schussenried in einer Gemeinschaftsunterkunft leben. "Und da die Flüchtlingszahlen immer weiter steigen, wird das nicht das Ende sein", vermutet Bürgermeister Achim Deinet. Genau darum hatte die Gemeinde am Montagabend alle Bürger in die Stadthalle eingeladen, die sich vorstellen können, mitzuhelfen, die neuen Asylbewerber in die Gesellschaft zu integrieren.

Ehrenamt wird gebraucht

Gefolgt waren dieser Einladung rund 20 Bürger. Nur zehn davon trugen sich jedoch am Ende der Informationsveranstaltung in die E-Mail-Listen des Landratsamts Biberach zur weiteren Vernetzung ein. Die anderen zehn, die gekommen waren, engagieren sich bereits massiv in der Flüchtlingsarbeit oder in einem anderen Bereich. Jürgen Kraft, neuer Koordinator der Flüchtlingsarbeit beim Landratsamt Biberach, hofft, dass sich in den nächsten Wochen noch weitere Schussenrieder bereit erklären, den Flüchtlingen das Ankommen zu erleichtern. "Wir brauchen diese Ehrenamtlichen, ohne sie geht es nicht", sagt er ganz klar. Den auch wenn der Landkreis für jede Gemeinschaftsunterkunft einen Hausmeister und eine Sozialarbeiterin stellt, richtig integriert werden die Neuankömmlinge nur, wenn es vor Ort aktive Ehrenamtliche gibt.

Diese könnten zahlreiche Aufgaben übernehmen, erklärte Angelika Eyrich von der Diakonie Biberach. Eyrich ist zuständig für die Koordination jeglicher ehrenamtlicher Tätgkeiten im Flüchtlingsbereich. Hausaufgabenbetreuung, zusätzlicher Sprachunterricht, der gemeinsame Gang zu Behörden oder zum Arzt - gerade am Anfang seien die Flüchtlinge sehr dankbar für jede Art von Unterstützung, berichtete Eyrich. Kraft erinnerte daran, dass viele Asylbewerber zwar oft sehr selbstständig und auch gebildet seien. Da sie jedoch erst seit wenigen Wochen in Deutschland lebten, sei es wichtig, ihnen die deutsche Kultur, die Währung, das Essen und eben die Funktionsweise der Bürokratie zu erklären. "Es geht auch darum, sich einfach zu begegnen, miteinander zu reden. Das kann zum Beispiel in einem offenen Asylcafé passieren", ergänzt Eyrich.

Christa Hermann betreut bereits seit Längerem ein ehemaliges Flüchtlingskind. Im Rahmen des Caritasprojekts Kinderchancen sorgt sie dafür, dass die fünfjährige Peace, deren Familie aus Nigeria nach Deutschland floh, die Sprache besser lernt und sich im Kindergarten und in Vereinen integriert. "Es gibt mir ganz viel zurück, zu sehen, wie selbstständig und selbstbewusst dieses Kind geworden ist", erzählt sie. Und obwohl sie sich mit Peace jede Woche trifft, könnte sie sich trotzdem auch noch vorstellen, in einem Asylcafé ab und zu auszuhelfen, denn: "Diesen Menschen zu helfen, bereitet sehr viel Freude."

Pfarrer Matthias Ströhle und Angelika Eyrich, beide Mitglied in der organisierten ökumenischen Flüchtlingsarbeit im Landkreis Biberach, wollen nun in den nächsten Wochen damit beginnen, in Bad Schussenried einen eigenen Asylkreis aufzubauen. Hierzu werden alle, die an diesem Abend ihre Bereitschaft für ein ehrenamtliches Engagement signalisiert haben, angeschrieben und erneut eingeladen. Zu diesem Treffen, erklären beide, können selbstverständlich weitere interessierte Bürger hinzukommen. "Wir können gemeinsam ganz viel machen und verändern, aber wir müssen es jetzt anpacken", betont Ströhle.

Dass die Gemeinde Flüchtlinge gemeinsam mit Obdachlosen unterbringen will, bereitet einigen Bürgern weiterhin Sorgen. Bürgermeister Achim Deinet erklärte, dass die Verwaltung sich mit dem Landratsamt eng abstimmen werde, welche Menschen dann tatsächlich dort zusammen untergebracht würden.

© Schwäbische Zeitung - 27.04.2015

Andreas Winter und 150 Sänger und Musiker in der Stadtpfarrkirche Biberach.

Andreas Winter und 150 Sänger und Musiker haben ein außergewöhnliches Werk zu Gehör gebracht. Sz-Foto: Vogel

"Lie­der des Al­ler­hei­ligs­ten" pa­cken Herz und See­le
150 Mitwirkende führen "Adiemus, Songs of Sanctuary" des walisischen Komponisten Karl Jenkins auf
 
Von Günter Vogel 27. April 2015

Biberach - Unter Leitung von Andreas Winter haben 150 Frauen und Männer in der Stadtpfarrkirche "Adiemus, Songs of Sanctuary" des walisischen Komponisten Karl Jenkins aufgeführt.

In der bis auf den letzten Sitz- und Stehplatz gefüllten Kirche begrüßte Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann die Zuhörer: "Eine dermaßen gefüllte Kirche sieht man sonst nur beim Jahrgänger-Gottesdienst."

"Adiemus" steht für "sich nähern", und der Zuhörer nähert sich in den neun Songs und den beiden Orgelstücken einem ungewohnt direkten musikalisch-verbalen Hör- und Empfindenserlebnis, das zu vielfältigen Assoziationen führt.

Karl Jenkins verbindet harmonischen Chorgesang und Orchester in einer besonderen Art. Die "Sprache", die er dabei verwendet, ist seine eigene Erfindung und besteht aus erdachten Silben und Wörtern, sodass die reale Sprache in den Hintergrund treten kann. Vielfach tauchen Wortbildungen auf, die stark dem Lateinischen oder afrikanischen Sprachen ähneln. Jenkins' Absicht bei der Generierung dieses genialen Werkes war es, die klanglichen Aspekte von Stimmen, Phonetik und Timbre wie auch den Sprachrhythmus mit den Intrumenten zu einem homogenen Gesamtklang zu verschmelzen.

Vom Wieland-Gymnasium kam die Idee zu diesem Großprojekt, das aus drei von Daniel Schreiner und Helmut Schönecker studierten Chören die Frauenstimmen zusammenfasste: Die Chöre des Wieland-Gymnasiums, den Projektchor "Frauenchor Taktvoll Mittelbuch" und "Time-Out-Auszeit" Eberhardzell. Conny Frech und Steffi Miller sangen solistisch. Johanna Glaser mit ihren schön klingenden Blockflötensoli, ein großes achtköpfiges Schlagzeug-ensemble der Bruno-Frey-Musikschule und die Streicher des Sinfonieorchesters hatten den instrumentalen Part.

Ungewöhnlicher Stil


Kantor Ralf Klotz begann an der Orgel mit "Cantilena" mit sehr melodiösen Formen und großräumigen barocken Linien. Mit dem titelgebenden Song "Adiemus" eröffneten die Sängerinnen der vereinigten Chöre, fesselten sofort mit dem ungewöhnlichen Stil dieses Werks. Weiterführend entwickelten weiche lange Streicherromanzen ein schwebendes Klangerlebnis, der Chor nahm die großen lyrischen Bögen auf. Die Stimmen, die Blockflöte und dezentes Schlagwerk gingen in betörenden Klangstrukturen ineinander auf. Riesenlange Crescendi verstärkten die tonalen Farbwolken. Südamerikanische Klang- und Harmoniestrukturen wechselten ab mit afrikanischen Rhythmen und monoton-verbalen Tonfolgen, dazu aufreizend wilde Streicherphrasen.

Im Mittelteil spielte Organist Ralf Klotz "In these stones horizons sing". Zusammen mit den beiden Solistinnen und der Blockflöte entstanden Klangfolgen auf Orgelbett. Und immer wieder nutzt Jenkins das Schlagwerk zu ungewöhnlich Rhythmus-Strukturen, setzt Pauken, Trommel, Bongos, Röhrenglocken, Klangstäbe ein. Abgewechselt werden solche Klänge dann mit reiner Romantik, so im Song "Amaté Adea" und weiter mit "Kayama", sehr afrikanisch mit wunderbaren Steigerungen des Rhythmusgefühls. Den Abschluss bildete ein Hymnus, dessen schlichte und eindringliche Melodik nachdrücklich die Gregorianik assoziiert.

Klangintensive Harmonie


Die ausnahmslos Frauenstimmen, wie auch die Instrumentalisten waren exzellent studiert, harmonierten klangintensiv miteinander. Andreas Winter leitete souverän.

Die Kunstsprache-Vokalisen, zumeist auf den stimmfreundlichen Vokalen a und o, waren ein eigenes Hörerlebnis, schwer zu singen, da reale Worte und Sprache als insgesamt tragende und stilgebende Strukturen nicht vorhanden waren.

"Adiemus" war ein grandioses Hörerlebnis und ganz sicher einer der Höhepunkte eines Biberacher Musikjahres.

© Schwäbische Zeitung - 27.04.2015

An­ge­li­ka Ey­rich un­ter­stützt die Flücht­lings-Hel­fer­krei­se

Laupheim - In ihr Amt als Sozialarbeiterin im evangelischen Kirchenbezirk Biberach ist am Sonntag Angelika Eyrich eingesetzt worden. Im Gottesdienst in der evangelischen Kirche verpflichteten Pfarrer Matthias Ströhle und Dekan Hellger Koepff die Diakonin und Sozialarbeiterin, deren Hauptaufgabe die Betreuung der ehrenamtlichen Flüchtlings-Helferkreise im Raum Laupheim, Ochsenhausen und Bad Schussenried ist. Angelika Eyrich ist Ansprechpartnerin für insgesamt 22 Kommunen. "Gut, dass wir Sie heute einsetzen", sagte Koepff angesichts der jüngsten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer. Beim anschließenden Stehempfang im evangelischen Gemeindehaus bekam Eyrich von Diakoniepfarrer Peter Schmogro, Hermann Kienle vom Kreissozialamt und der Landessynodalen Edeltraut Stetter viele gute Wünsche mit auf ihren beruflichen Weg.

© Schwäbische Zeitung - 25.04.2015

Mensch Nachbar - Sonntagsgespräch um sechs
"Vom Sinn des Unnützen"

Biberach - Bei "Mensch Nachbar - Sonntagsgespräch um sechs" kommt am Sonntag, 26. April, ab 18 Uhr in der evangelischen Spitalkirche Biberach Andreas Winter zu Wort.

Beim Sonntagsgespräch geht es immer um einen Biberacher im Gespräch mit Menschen aus Kirche und Bildungsarbeit. Jenseits vom Tagesgeschehen entwickelt sich ein Gespräch über zentrale Fragen: Was trägt, worauf es ankommt. Andreas Winter ist Leiter der Bruno-Frey-Musikschule und städtischer Musikdirektor. Es geht um das Thema "Vom Sinn des Unnützen". Wie immer ist Musik zu hören, die zu Thema und Gast passt. Im Anschluss können die Gespräche in der evangelischen Spitalkirche fortgesetzt werden. Die Leitung haben Schuldekan Michael Pfeiffer und Brunhilde Raiser, Geschäftsführerin Evangelisches Bildungswerk Oberschwaben.

Veranstalter ist die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Biberach und das Evangelische Bildungswerk Oberschwaben.

© Schwäbische Zeitung - 23.04.2015

29 Ju­gend­li­che fei­ern in Kirch­dorf Kon­fir­ma­ti­on

Erster Termin ist am Sonntag, 26. April - Konfirmanden haben elf Monate Vorbereitungszeit hinter sich

Kirchdorf - Die Evangelischen Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Biberach feiern an den kommenden Sonntagen das Fest der Konfirmation. Auch in der Kirchengemeinde Kirchdorf an der Iller werden 29 Jugendliche aus dem Illertal unter dem Thema "angenommen!" am 26. April, 3. und 10. Mai jeweils um 9.30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Kirchdorf konfirmiert.

Elf Monate Vorbereitungszeit liegen hinter den Konfirmanden. Ein Zeitraum, in dem sich die Jugendlichen mit dem Glauben auseinandergesetzt haben. Und das nicht nur in den wöchentlichen Konfistunden am Mittwochnachmittag oder in den Gottesdiensten am Sonntagvormittag, sondern auch in weiteren Aktionen: Im vergangenen Oktober haben sich die Jugendlichen an der Aktion "5000 Brote - Konfis backen Brot für die Welt" beteiligt. In den Backstuben zweier örtlicher Bäckereien haben sie Brot gebacken und gegen eine Spende abgegeben.

Knapp 400 Euro sind so zusammengekommen und konnten an drei Hilfsprojekte von "Brot für die Welt" zugunsten benachteiligter Jugendlicher in Ghana, Bangladesch und Kolumbien weitergegeben werden.
Die Fußballbegeisterten in der Gruppe haben am "KonfiCup", der bundesweiten Fußballmeisterschaft für Konfirmanden, teilgenommen und sich für das Landesfinale in Stuttgart qualifiziert. Dort hat es am 11. April unter 34 Teams immerhin zu einem Platz im Mittelfeld gereicht. Ein weiteres Highlight war der Rap-Workshop mit dem Hip-Hop-Profi Danny Fresh.

Die Konfirmationen in den kommenden Wochen sind nun der feierliche Höhepunkt und Abschluss dieser Zeit. In diesen Gottesdiensten bekräftigen die Jugendlichen ihren Glauben an Gott und empfangen den Segen Gottes. Als konfirmierte Gemeindeglieder können sie nach ihrer Konfirmation ein Patenamt in der Kirche übernehmen. Außerdem werden die Jugendlichen ermutigt, Kirche weiterhin mitzugestalten, Verantwortung zu übernehmen und sich mit ihren Standpunkten einzubringen.

© Schwäbische Zeitung - 23.04.2015

Viel gelernt haben die Jugendlichen, die sich auf ihre Laufbahn als Jugendleiter vorbereiten. FOTO: PRIVAT

En­ga­gier­te Ju­gend­li­che bil­den sich wei­ter

Fast 90 Jugendliche wollen sich künftig in die Evangelische Jugendarbeit einbringen

Biberach - Jedes Jahr in der Woche nach Ostern findet der Grundkurs zum Erwerb der Jugendgruppenleitercard (Juleica) des Evangelischen Jugendwerks in Stadt und Bezirk Biberach auf der Dobelmühle in Aulendorf statt. Mit fast 90 Teilnehmern konnte der diesjährige Grundkurs einen neuen Teilnehmerrekord verzeichnen. Jeder zukünftige Mitarbeiter in der evangelischen Jugendarbeit beginnt seine Laufbahn mit diesem Grundkurs.

Sechs-Tages-Ausbildung

Unter der Leitung von Johannes Bürker und Steffen Mohr bildete ein engagiertes Mitarbeiterteam die Jugendlichen sechs Tage lang aus. Die Jugendlichen wollen ihr erworbenes Wissen im Anschluss ehrenamtlich im Hölzle, Konficamp, Kidscamp oder in ihrer Gemeinde einbringen.

Mit Helmut Gnann, Schulsozialarbeiter der Friedrich-Adler-Realschule Laupheim, war wieder ein Ansprechpartner für die Schülermentoren am Grundkurs beteiligt. In diesem Jahr waren, nach einigen Jahren Pause, Schülermentoren der Realschule in Aulendorf am Start.

Nicht nur aus dem Kirchenbezirk Biberach kamen die Teilnehmer, auch aus Augsburg, Freiburg oder Mannheim waren zukünftige Hölzle-Mitarbeiter für diesen Grundkurs angereist.

Auch Flüchtlingsarbeit ist Thema

Thematisch setzten sich die Jugendlichen mit den Bereichen Entwicklungspsychologie, Gruppenpädagogik, Recht, verschiedenen Spielarten, dem Umgang mit Konflikten und sexueller Gewalt auseinander. In Workshops konnten die Teilnehmer Kenntnisse in der Flüchtlingsarbeit und interkultureller Kommunikation erwerben, aber auch Klettern, alternative Fußballspiele oder das Malen von Henna-Tattoos standen zur Auswahl. "Hier lernt man nicht nur was für die Arbeit mit Kindern, sondern auch was für das Leben", so ein Teilnehmer zwischendrin.

Ein Höhepunkt war wieder der Werkstattgottesdienst, in dem die Küche die Teilnehmer mit einem besonderen Drei-Gänge-Menü überrascht hat. Als Erinnerung an den Grundkurs hatte jeder Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit Siebdruck ein Grundkurs-T-Shirt zu gestalten. Mit ihrem erworbenen Wissen, neuen Freunden, guter Laune und Sonnenbrand konnten die Teilnehmer am Sonntag wieder nach Hause zurückkehren.

© Schwäbische Zeitung - 22.04.2015

Pfar­rer Hans-Mar­tin Rie­ger

Kir­che: Pfar­rer Hans-Mar­tin Rie­ger ver­lässt Er­tin­gen

Ertingen - Für die evangelische Kirchengemeinde wie auch für die ganze Einwohnerschaft kommt der Wunsch von Pfarrer Hans-Martin Rieger und seiner Familie überraschend, das Pfarramt Ertingen-Dürmentingen zu verlassen.

Anfang August wollen sie in die Schweiz zurückkehren und dort ihrem Beruf nachgehen. "Meine Frau und ich werden eine Pfarrstelle im Emmental übernehmen", erklärte Rieger. Dort habe ihr gemeinsamer Lebensweg begonnen. Als "einen herben Verlust für die ganze Gemeinde", bezeichnete Bürgermeister Jürgen Köhler den überraschenden Entschluss des evangelischen Pfarrers.

© Schwäbische Zeitung - 22.04.2015

Die 150 Mitwirkenden des Konzerts bei der Hauptprobe in der Kirche St. Verena in Rot/Rot. FOTO: PRIVAT

Jenk­ins er­klingt in der Stadt­pfarr­kir­che

Großprojekt mit Schulchören, Sinfonieorchester und Schlagzeugensemble

Biberach - Unter der Gesamtleitung von Musikdirektor Andreas Winter führen mehr als 150 Mitwirkende am Freitag, 24. April, um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Martin die "Songs of Sanctuary" von Karl Jenkins auf. Zum Auftakt der Veranstaltung erklingt von Kantor Ralf Klotz in einer Transkription für Kirchenorgel der Jenkins-Titel "In these stones horizons sing", als Einlage außerdem eine "Cantilena" aus "The Best of Adiemus".

Auf Initiative des Wieland-Gymnasiums haben sich zusammengefunden: zwei Schulchöre unter Leitung von Daniel Schreiner, der Frauenchor "Taktvoll" aus Mittelbuch, ebenfalls unter Schreiners Leitung, die Frauenstimmen von "Time-out - Auszeit" unter Leitung von Helmut Schönecker und ein eigens eingerichteter Projektchor. Weitere musikalische Mitstreiter sind die Streicher des Sinfonieorchesters des Musikvereins.

Stilisierte Kunstsprache


Zu den Mitwirkenden gehören außerdem ein achtköpfiges Schlagzeugensemble des Wieland-Gymnasiums und des Musikvereins Biberach sowie Johanna Glaser von der Bruno-Frey-Musikschule an Blockflöte und ethnischer Flöte, die Vokalsolisten Conny Frech und Stefanie Miller von "Time-out - Auszeit" und an der Kirchenorgel Kantor Ralf Klotz.

Die neun "Songs of Sanctuary" des walisischen Komponisten Karl Jenkins, geboren 1944, für Frauenchor, Schlagzeugensemble und Streichorchester entsprechen dem ersten Album des groß angelegten "Adiemus"-Projektes im sogenannten "Vocalise-Stil": harmonisierte Melodielinien mit orchestralem Hintergrund und rhythmischem Unterbau. Die von Jenkins sorgfältig elaborierten Texte bilden eine stilisierte Kunstsprache, bestehend aus frei erfundenen Silben und Worten irgendwo zwischen Latein und Afrikanisch, mit der Absicht, die klanglichen Aspekte der Stimmen, Phonetik, Timbre, aber auch den Sprachrhythmus in den Vordergrund zu stellen und mit Streichinstrumenten, Blockflöte und großem Schlagzeugensemble zu einem homogenen Gesamtklang zu verschmelzen.

Dies entspricht neueren Strömungen in der sogenannten Weltmusik, etwa im Stile von Vangelis' "Conquest Of Paradise" aus dem Film "1492", mit gewissen Ähnlichkeiten zur Musik von "Enya" beziehungsweise der Filmmusik aus "Herr der Ringe".

Starker afrikanischer Impetus

Die ethnisch gehaltene Flötenstimme und der massive Schlagzeugeinsatz sowie die Vermeidung der geraden europäischen Taktarten unter Bevorzugung von 3/2-, 5/8-, 6/8- oder 9/8-Takten geben der Musik einen starken afrikanischen Impetus, den Charakter von "Tribal-Music". Verstärkt wird dies durch die Forderung von Jenkins, die in der europäischen Klassik wurzelnden Songs vom vorzugsweise vibratolosen Chorklang her eher nach ethnischer oder Weltmusik klingen zu lassen.

Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, es gibt keine Platzreservierungen. Spenden kommen nach Abzug der Unkosten dem Förderverein "Bauhütte Simultaneum" zugute.

© Schwäbische Zeitung - 20.04.2015

Das Flötenensemble Syrinx aus Minsk gibt ein famoses Konzert in der Christuskirche. FOTO: ARTUR K. M. BAY

Flö­ten­en­sem­ble be­geis­tert in der Kir­che

"Syrinx" spielt für die Opfer von Tschernobyl

Bad Saulgau - Die Glocken der evangelischen Christuskirche in Bad Saulgau haben vor diesem Konzert sogar geläutet. Trotz dieser besonderen Einladung an Zuhörer hielt sich das Publikumsinteresse mit dreißig Besuchern in überschaubaren Grenzen. Ohne Eintritt zu erheben, ging es bei diesem Auftritt um einen guten Zweck. Die Musiker werben und sammeln Spenden für den deutschlandweit organisierten Verein "Heim-statt Tschernobyl". Die gemeinnützige Hilfsorganisation kümmert sich um Umsiedlung, Integration und Versöhnung im Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor nunmehr 25 Jahren.

Der überwiegende Teil des Konzertprogramms war deutschen Komponisten gewidmet, vor allem Johann Sebastian Bach. Die sieben Musikerinnen und Musiker gaben in der Christuskirche eine wahre Galavorstellung. Nach einem feierlichen Introitus mit Bachs Choralmusik "Ich rufe zu dir, Herr Jesu Christ" führten die sechs Querflötisten und Vadim Sidorow am Keyboard das Konzert in f-Moll von Johann Sebastian Bach auf. Das selten gespielte "Magnificat" des großen Meisters folgte, quasi als ein Geburtstagsständchen im Bach-Jahr. Franz Schuberts "Abendserenade" drückte die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden aus.

Intensiv und leidenschaftlich wirkte dieses Zusammenspiel von sechs Querflöten. Besonders deutlich wurde das, als ein Stück von Max Bruch mit dem Titel "Allegro moderato" erklang: Wellenartig, hurtig sich vorwärts bewegend, sprudelten die Akkorde und Tonfolgen daher und erfüllten den Raum mit Harmonien.

Feurig wirkte ein etwa 20- bis 30-minütiger Schlussteil, unter anderem mit einer Komposition von Georg Williams zu Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste". Ein rasant beginnendes Potpourri im Swing-Stil mit Georg-Gershwin-Melodien mit Titeln wie "Rhapsody in Blue" und "Summertime" aus der Oper "Porgy und Bess" zählte zu den Höhepunkten des Konzerts.

Das Flötenensemble lässt in der Christuskirche auch Showtalent aufblitzen. Nach zwei Zugaben - einem "Ragtime" und dem superschnell vorgetragenen "Hora staccato" des rumänischen Komponisten Grigoras Dinicu - ist das Konzertpublikum so beeindruckt, dass es stehend applaudiert.

© Schwäbische Zeitung - 18.04.2015

In der Orgelwerkstatt wird ein Blasebalg gebaut FOTO: PRIVAT

Or­gel­werk­statt: Kin­der bau­en Bla­se­balg

Riedlingen - In der Orgelwerkstatt für Kinder am Samstag, 25. April, von 14 bis 17.30 Uhr im Johannes-Zwick-Haus dreht sich alles um die Windversorgung einer Orgel. Maximal 20 Kinder können teilnehmen, eine Anmeldung ist erforderlich.

Angefangen von den frühen Ledersäcken über Froschmaulbälge, die von Balgtretern betätigt wurden, bis hin zu den heute modernen Magazinbälgen, die von einer elektrisch angetriebenen Windschleuder mit frischem Wind versorgt werden. Einige Windmotoren und weiteres Anschauungsmaterial stehen an diesem Tag zur Verfügung.

Die Truhenorgel aus dem Gerhard-Berner-Haus in Ertingen wird wieder eigens für die Orgelwerkstatt in das Johannes-Zwick-Haus transportiert. Nach dieser umfangreichen Einführung dürfen die Kinder selber Hand anlegen. Sie bekommen einen vorbereiteten Bausatz und dürfen damit ihren eigenen "Einfaltenbalg" bauen. Die Kinder, die im Vorjahr ein kleines Orgelmodell mit Stechermechanik gebaut haben, können den Balg an die Rückseite ihres Modells anbauen. Er versorgt das Modell mit Wind, wie bei einer richtigen Orgel. Zu dieser Orgelwerkstatt sind alle Kinder ab acht Jahren eingeladen.

Eine Anmeldung ist erforderlich bis 23. April unter Telefon 07373/921689; per E-Mail: bezirkskantorat.biberach@elk-wue.de. Kosten für Material: fünf Euro.

© Schwäbische Zeitung - 18.04.2015

Dierk Jacob leitet den Posaunenchor seit über zehn Jahren, das Instrument

Wenn Mu­sik und Glau­be eng ver­knüpft sind

Posaunenchor Aulendorf-Bad Schussenried feiert 60-jähriges Bestehen

Aulendorf - 1955 hat sich der Posaunenchor Aulendorf-Bad Schussenried der evangelischen Kirchengemeinde gegründet und feiert heuer 60-jähriges Bestehen. Am Sonntag, 19. April, begehen die 16 aktiven Bläser um Dirigent Dierk Jacob diese Feierlichkeit beim Festgottesdienst und anschließendem Jubiläums-empfang in der evangelischen Thomaskirche in Aulendorf. Für die SZ blickt Jacob auf die Geschichte der Posaunenchöre zurück.

"Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Bläserarbeit auf und war Teil der Jugendarbeit, um Jugendlichen die Kirche und die Verkündung des Glaubens wieder näherzubringen", berichtet der Aulendorfer und ergänzt nach einer kurzen Pause: "und um Kirchenmusik zu spielen." Und so gründete sich im Jahr 1955 der Aulendorfer Posaunenchor; im Jahr 1958 der Chor von Bad Schussenried. Einige Jahre vergingen, bis sich die Musiker aus beiden Städten zusammenschlossen und 1968 eine Chorgemeinschaft gründeten. "Aulendorf hatte zu der Zeit keinen Dirigenten und Bad Schussenried nur noch wenige Bläser", begründet Jacob den musikalischen Zusammenschluss. Seither wirkt der Posaunenchor bei den  evangelischen Gottesdiensten mit und spielt durchschnittlich ein bis zwei Mal pro Monat bei den Gottesdiensten von Pfarrer Gebhardt Gauss in Aulendorf oder Pfarrer Georg Maile in Bad Schussenried. "Das ist unser Hauptwirken. Sporadisch treten wir auch mal in Altenheimen und in losen Abständen bei Abendmusiken auf", zeigt der Dirigent den Schwerpunkt der Chorarbeit auf. Jacob selbst ist zwar seit über zehn Jahren Dirigent des Posaunenchors, hat aber erst vor Kurzem begonnen, das Instrument auch selbst zu spielen. Verwunderlich? "Nein. Ich komme aus der Kirchenmusik und habe Orgel und Chorleitung gelernt. Ich kann Noten lesen und höre, ob ein Ton falsch oder richtig gespielt wird", sagt der Musikliebhaber, der seine externe Stellung sogar als Vorteil sieht. Er verfüge über Kontext-Wissen, angefangen beim Dirigieren bis hin zum Gottesdienstablauf.

Die Arbeit mit den sieben Trompeten, vier Posaunen, zwei Waldhörnern, einem Euphonium, einem Barriton und einer Tuba macht Jacob Spaß - und zwar aus mehreren Gründen. "Dadurch, dass ich gehandicapt bin, handelt es sich auch um eine Form, wie ich weiter Musik machen kann", spielt Jacob auf seine Krankheit an. Der  Aulendorfer leidet an Multipler Sklerose (MS) und kann kaum noch Orgel spielen. "Mit den Füßen kann ich da nichts mehr machen. Und manchmal komme ich zu den Orgeln auch gar nicht mehr hin wie beispielsweise in Altshausen. Da führt der Weg nur über eine Wendeltreppe." Außerdem bereitet dem überzeugten Christen die Verkündung des Glaubens - mithilfe der Musik - Freude.

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums gestaltet der Posaunenchor am Sonntag, 19. April, um 9.45 Uhr den Festgottesdienst in der evangelischen Thomaskirche mit und lädt anschließend zum Jubiläumsempfang. Um 19 Uhr gibt das Bläserteam (ein Auswahl-Ensemble) des Evangelischen Jugendwerks Württemberg (ejw) ein Konzert. Der Eintritt ist frei.

© Schwäbische Zeitung - 17.04.2015

's Fuhr­männ­le: Stör­che füh­len sich auf der evan­ge­li­schen Kir­che wohl

Wer bislang geglaubt hat, Störche würden sich nur auf katholischen Kirchen wohl fühlen, der möge seinen Blick zum Turm der evangelischen Pauluskirche hinaufschweifen lassen. Dort baut sich - erstmal in der Geschichte der Kirche - ein Storchenpaar ein Nest.

Die Storchenpaardichte ist in Mengen auch so schon ziemlich hoch gewesen. Wahrscheinlich spricht sich in Nistkreisen doch herum, welche Städte als storchenfreundlich gelten und welche nicht. Dass Mengen zu den freundlicheren Kommunen zählt, dürfte auch Störchen spätestens seit der Aktion in Ennetach klar sein, bei der nicht nur ein neuer Nistplatz angeboten wurde, sondern den Störchen sogar gleich ein neues Nest gewunden wurde, damit sie nicht noch einmal von vorn anfangen müssen. Das Nest an der evangelischen Kirche haben die Störche übrigens auch nicht gerade an der günstigsten Stelle gebaut. Ganz am Rand des Dachs lässt es sich sicher prima aus der Luft ansteuern und von diesem Punkt aus starten, aber das Abflussrohr für die Regenrinne wird so auf jeden Fall unbrauchbar.

Da werden auch die beiden Störche ziemlich dumm aus der Wäsche gucken, wenn sich das Regenwasser staut oder sich seinen Weg am Nest vorbei Richtung Erde sucht. Nicht, dass die Störche nasse Füsse bekommen.

© Schwäbische Zeitung - 17.04.2015

Vier Tage lang bereiten sich Chöre des Wieland-Gymnasiums in Rot an

Pro­ben für den letz­ten Schliff

Karl-Jenkins-Projekt: Übungstage von Biberacher Gymnasiasten in Rot an der Rot

Rot an der Rot - Die Chöre des Wieland-Gymnasiums Biberach sind zusammen mit dem Schlagzeugensemble und ihren Musiklehrern Daniel Schreiner und Helmut Schönecker für vier Probetage ins Jugendhaus St. Norbert im ehemaligen Prämonstratenserkloster in Rot an der Rot eingezogen. Hier gaben sie dem großen Kooperationsprojekt "Songs of Sanctuary" von Karl Jenkins vor der Aufführung am 24. April in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Biberach (Beginn: 19 Uhr) den letzten Schliff.

Die rund 60 Schüler probten tagsüber getrennt und in verschiedenen Gruppen. An allen Abenden erhielten sie Verstärkung durch die Sängerinnen des Projektchors, die Frauenstimmen von "Time Out-Auszeit" aus Eberhardzell sowie den Frauenchor "Taktvoll" aus Mittelbuch. Am Donnerstagabend gab es sogar eine abschließende Gemeinschaftsprobe mit den Streichern des Symphonieorchesters des Musikvereins Biberach unter Aufführungsbedingungen unter der Gesamtleitung von Musikdirektor Andreas Winter in der Klosterkirche St. Verena.

Während in dem einen Proberaum das achtköpfige Schlagzeugensemble an den teilweise recht vertrackten Rhythmen der Begleitsätze oder an den dynamischen Feinabstimmungen feilte, wurden in anderen Räumen die Singstimmen geschult, an einer möglichst sauberen Intonation und Aussprache gearbeitet, Spannungsbögen und Ausdruck optimiert und immer wieder Texte auswendig gelernt. Was hier schon recht eindrucksvoll klang, soll bis zur Aufführung in Biberach richtig auf Hochglanz poliert sein.

© Schwäbische Zeitung - 17.04.2015

Bei der Scheckübergabe: (von links) Marion Fakler von der Volksbank-Raiffeisenbank, Sigrun Winkler vom Unterstützerkreis

Fi­nanz­sprit­ze für den Un­ter­stüt­zer­kreis

500 Euro für Bastelmaterial, Ausflüge und Unterlagen für den Deutsch-Unterricht

Laupheim - Zum Abschluss der Aktion "Gesund und nah" der Volksbank-Raiffeisenbank Laup-heim-Illertal und der Schwäbischen Zeitung Laupheim hat am 19. März Angelika Pauw aus Ulm zum Thema "Wege aus der Burnout-Falle" referiert. Jetzt wurde der Erlös der Veranstaltung an den "Unterstützerkreis Flüchtlinge - Brücken bilden" übergeben.

Sigrun Winkler, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Unterstützerkreis, und Angelika Eyrich, die als Sozialarbeiterin für die ehrenamtlichen Helfer im östlichen Landkreis zuständig ist, haben einige Ideen, wie die 500 Euro eingesetzt werden können. "Wir brauchen zum Beispiel Unterlagen für den Deutsch-Unterricht", erklärt Sigrund Winkler, und Angelika Eyrich ergänzt: "Außerdem freuen sich die Kinder über Bastelmaterial, und wir könnten mit dem Geld auch Ausflüge finanzieren." Auch ein neues Geschirr steht auf der Wunschliste des Unterstützerkreises.

© Schwäbische Zeitung - 16.04.2015

Re­pa­rie­ren statt weg­wer­fen
In Ummendorf eröffnet am Samstag, 25. April, ein Repair-Café


Von Markus Dreher 16. April 2015

Ummendorf - Was bundesweit vor allem in Städten im Trend liegt, gibt es bald auch in Ummendorf: Michael Schmalz und Wolfgang Horstmann machen unter dem Dach der Versöhnungskirche Ummendorf ein Repair-Café auf. Gemeinsam mit anderen technisch beschlagenen Ehrenamtlichen laden sie die Bürger der ganzen Raumschaft ein, mit ihren kaputten Geräten zum ersten Treffen am Samstag, 25. April, zu kommen.

Die Hilfe zur Selbsthilfe im Repair-Café soll die Ressourcen schonen helfen. Und den Geldbeutel, denn viele kennen das: Leiert beim Bügeleisen über die Jahre das Anschlusskabel aus, landet es häufig im Müll. "Ein neues Kabel würde nur ein paar Euro kosten", sagt Michael Schmalz. Aber im Fachgeschäft werde häufig gleich der Kauf eines neuen Geräts empfohlen, weil das kaum teurer sei als die Reparatur beim Profi. "Und viele Laien haben eben Berührungsängste bei elektrischen Geräten", weiß Schmalz.

Team mit breitem Spektrum

Er selbst kennt sich aufgrund seines beruflichen Werdegangs in der Elektronik- und IT-Branche aus, auch bei Computern. "Das wissen natürlich viele Bekannte und Freunde", weshalb Schmalz nicht erst seit gestern häufig um Rat gefragt wird. So kam die Idee, sein Wissen im Repair-Café auch anderen zugänglich zu machen. Schmalz ist nicht allein: "Wir haben vier bis fünf Leute, die sich mit Elektrogeräten auskennen, einen Feinmechaniker, und einen Schreiner, der einen Stuhl reparieren kann oder das Kinderspielzeug, bei dem das Rad ab ist." Eine Helferin bringt ihre Nähmaschine mit. Erwogen wird, bei entsprechender Nachfrage einen Tag rund um kleine Fahrradreparaturen zu organisieren.

Dabei betont Schmalz: "Wir wollen gewerblichen Händlern keine Konkurrenz machen." Das Repair-Café ist keine Servicewerkstatt zum Abgeben seiner Sachen, vielmehr wollen die Macher die Besucher beim Selbermachen unterstützen. "Die Leute sollen selber mitarbeiten."

Wenn dabei in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen das Bewusstsein für Nachhaltigkeit wächst, umso besser. "Viele meckern, dass die Hersteller geplante Fehler einbauen", sagt Schmalz. Dabei beginne der Kampf gegen Wegwerfmentalität und Ressourcenvergeudung bei der Neuanschaffung: "Viele Geräte kann man gar nicht öffnen", hat er beobachtet. Lässt es sich reparieren, gibt es Ersatzteile? Wer sich solche Fragen im Laden stellt, kann langfristig sparen, selbst wenn der Erstkauf etwas teurer sein sollte. Das Ummendorfer Repair-Café wird denn auch vom Umweltschutzverband BUND Biberach unterstützt.

© Schwäbische Zeitung - 16.04.2015

Ein „Schwätzle“ mit Flüchtlingskindern gehört dazu: Angelika Eyrich in ihrem Büro im Wohnheim des Laupheimer Krankenhauses. FOTO: ROLAND RAY

An­ge­li­ka Ey­rich un­ter­stützt die Hel­fer

Der evangelische Kirchenbezirk Biberach hat eine Stelle für die Flüchtlingsarbeit eingerichtet

Laupheim -
Immer mehr Flüchtlinge kommen in den Landkreis Biberach. Auch die Zahl der Menschen, die sie ehrenamtlich betreuen, ist zuletzt stark gestiegen. "Unsere Aufgabe ist es, die Helfer unterstützend zu begleiten", sagt Pfarrer Matthias Ströhle, Bezirksbeauftragter der Evangelischen Kirche für Migration und Asyl. Eigens dafür wurde jetzt im evangelischen Kirchenbezirk Biberach eine Stelle eingerichtet. Mitte März hat die Sozialarbeiterin und Diakonin Angelika Eyrich die Arbeit aufgenommen.

Ihr Büro liegt im dritten Stock des Krankenhaus-Wohnheims in Laup- heim, Tür an Tür mit Flüchtlingsfamilien, die das Landratsamt dort untergebracht hat. Angelika Eyrich ist den Menschen, die sich gezwungen sahen, ihre Heimat zu verlassen, auch auf diese Weise nahe. Die 25-jährige Pfarrerstochter aus Wain hat an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg studiert, es ist ihre erste Stelle.

Zwölf solcher Stellen hat die Evangelische Landeskirche in Baden-Württemberg geschaffen, um Bürgern, die sich in der Asyl- und Flüchtlingsarbeit engagieren, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Aber nur Angelika Eyrich hat einen Vollzeitvertrag bekommen - weil der Landkreis Biberach die Hälfte der Kosten trägt. Tätig wird sie unter dem Dach der ökumenischen Flüchtlingsarbeit im Kreis, an der sich das katholische Dekanat über die Caritas beteiligt.

Ansprechpartnerin ist Eyrich einstweilen für den Unterstützerkreis "Brücken bilden" in Laupheim und Initiativen in Ochsenhausen und Bad Schussenried. Sie möchte Strukturen schaffen, in denen die Hilfsbereitschaft sich entfalten kann. Da ist zum Beispiel der pensionierte Lehrer, der Unterrichtsmaterialien und einen Raum benötigt, um mit Flüchtlingen Deutsch zu üben. Da gilt es interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln, Kenntnisse im Umgang mit dem Asylrecht, Ämtern und Behörden; Wissen, wie mit von Krieg und Vertreibung traumatisierten Menschen umzugehen ist. Da braucht es Angebote für die Kinder und Jugendlichen, vor allem in Ferienzeiten, um die Eltern ein wenig zu entlasten - in den Gemeinschaftsunterkünften leben die Familien auf engstem Raum. Patenprojekte sind zu begleiten, Sachspenden zu lenken, eine Hausaufgabenbetreuung zu organisieren... Und nicht zuletzt geht es darum, die Willkommenskultur in den Kirchengemeinden und Kommunen zu bestärken und den inter-religiösen Dialog zu fördern. "Ein großes Thema dürfte in Zukunft auch noch die Wohnungs- und Arbeitssuche werden", sagt Matthias Ströhle.

Angelika Eyrich ist dabei, sich ein Bild von den Bedürfnissen der Flüchtlinge und der Hilfswilligen zu machen. Sie absolviert Antrittsbesuche, knüpft Kontakte, etwa beim "Asyl-Kaffee" jeden zweiten Montag im Krankenhaus-Wohnheim.

Auch die Gesellschaft profitiert

Pfarrer Ströhle ist beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Kreisbewohner. Er sagt: "Wir müssen alles dafür tun, diese Einstellung hoch zu halten." Je früher Integrationsarbeit greife und je schneller die Flüchtlinge wieder auf eigenen Füßen stehen könnten, desto besser. "Nicht nur sie profitieren davon, sondern unsere Gesellschaft insgesamt", ist der Seelsorger überzeugt. Die Motivation der Flüchtlinge, sich in der neuen, noch fremden Umgebung zurecht zu finden, und ihre Integrationsbereitschaft sind nach Ströhles Erfahrung "enorm hoch".

Die Kontaktdaten von Angelika Eyrich: Bronner Straße 32, Laup- heim; Telefon: 0157/53654289, oder 07351/527185; eyrich@diakonie-biberach.de

© Schwäbische Zeitung - 16.04.2015

Verängstigt verfolgten die Bewohner des Flüchtlingsheims in der Brandnacht

Bad Buchau ist nicht Trö­g­litz

Buchauer wehren sich gegen Artikel auf "Zeit online" zum Brand des Flüchtlingsheims

Bad Buchau - Als im Juli 2013 das Bad Buchauer Asylbewerberheim brannte, war der Schreck groß. Ziemlich rasch konnten die Ermittler allerdings einen fremdenfeindlichen Hintergrund ausschließen. Für vorsätzliche Brandstiftung, so die Polizei damals, gebe es keinen Anhaltspunkt (SZ berichtete). Nun hat "Zeit online" das Thema erneut aufgegriffen - und zieht Parallelen zwischen Bad Buchau und Tröglitz.

Wer im Internet nach "Bad Buchau" sucht, der landet ganz schnell bei "Flüchtlingsheim: Bad Buchau, die Flüchtlinge und das Feuer". Eine große Suchmaschine listete den Artikel am Mittwoch an siebter Stelle - noch vor dem Internetauftritt des Federseemuseums und des Buchauer Sportvereins. "Ich finde es abenteuerlich, wenn in dem Artikel eine Verbindung zu Tröglitz hergestellt wird. Das stimmt einfach so nicht!", kommentiert Bürgermeister Peter Diesch den Artikel. Der Autor habe "unsauber recherchiert" und berichte fehlerhaft. Der Stadt werfe er Versäumnisse vor, doch mit Diesch als deren Vertreter habe er nie gesprochen. Für Buchau befürchtet Diesch dadurch einen Imageverlust "Klar schadet das der Stadt, in einem Atemzug mit Tröglitz genannt zu werden."

Der Autor des Artikels, der in abgeänderter Form auch in der "Stuttgarter Zeitung" erschienen ist, stellt die These auf, dass es sich um Vorfälle wie dem Brand des geplanten Asylbewerberheims in Tröglitz nicht um ein rein ostdeutsches Phänomen handle. Fremdenhass gebe es auch "im wohlhabenden Baden-Württemberg" - etwa in Bad Buchau, wo es in der Nacht zum 21. Juli in der Flüchtlingsunterkunft zur "Beinahe-Katastrophe" kam. "Die Täter wurden nicht ermittelt", heißt es da auf "Zeit online", "über das Geschehene wurde eilig Schweigen gebreitet".

Tatsache ist: Die genaue Brandursache steht bis heute nicht fest. "Wir wissen aber, das es keine Anhaltspunkte für vorsätzliche Brandstiftung gibt, das haben die Ermittlungen ganz klar ergeben", sagt Polizei-Pressesprecher Uwe Krause. Gegen Brandstiftung spreche etwa, dass keine Brandbeschleuniger eingesetzt wurden. Das Feuer brach in einer leer stehenden Wohnung aus, die gerade renoviert wurde und in der deshalb Baumaterial gelagert wurde. "Wenn jemand einen Brand hätte legen wollen", argumentiert Krause, "hätte er alles vorgefunden: Kartons, Holzbretter, Terpentin - ein Streichholz hätte genügt, um einen großen Brand zu entfachen." Weil das Material aber nicht gezielt eingesetzt wurde, geht die Polizei von Fahrlässigkeit aus. Im Ermittlungsbericht der Staatsanwaltschaft steht, dass die Brandursache nicht festgestellt wurde.

"Vonseiten der Kriminalpolizei wurde aber alles daran gesetzt, die Sache aufzuklären", betont Krause. Eine sechsköpfige Ermittlungsgruppe aus Biberach, die durch weitere Kräfte vor Ort ergänzt wurde, hätte sich über ein Dreivierteljahr mit dem Brand beschäftigt. "Bei den Untersuchungen wurde viel Aufwand betrieben, viel Laborarbeit gemacht und auch im Umfeld viele Vernehmungen durchgeführt." So könne man einen fremdenfeindlichen Hintergrund zweifelsfrei ausschließen, auch eine rechte Szene gebe es in Buchau nicht.

Allerdings: "Dummheit gibt's überall", sagt Markus Lutz - und mit diesen Worten wird der evangelische Pfarrer und Initiator des Freundeskreises Asyl auch in dem "Zeit online"-Artikel zitiert. Lutz steht noch immer zu dieser Aussage. Tatsächlich gebe es auch in Bad Buchau immer wieder Vorurteile gegenüber den Flüchtlingen - etwa, dass alle teure Smartphones besäßen. Solche Probleme stünden aber in gar keinem Verhältnis zu dem, was gut laufe in der Stadt, betont der Pfarrer, der sich in dem Artikel nicht richtig wiedergegeben findet: "Ich habe das Gefühl, dass die Flüchtlinge im Großen und Ganzen in Bad Buchau sehr freundlich aufgenommen werden."

© Schwäbische Zeitung - 16.04.2015

In einigen Städten gibt es bereits Reparatur-Cafés, in Ummendorf geht am 25. April eines an den Start. Dieses Archivbild stammt aus Markdorf im Bodenseekreis. SZ-ARCHIVFOTO: CHRISTINA SCHAFFELKE

Re­pa­rie­ren statt weg­wer­fen

In Ummendorf eröffnet am Samstag, 25. April, ein Repair-Café

Ummendorf - Was bundesweit vor allem in Städten im Trend liegt, gibt es bald auch in Ummendorf: Michael Schmalz und Wolfgang Horstmann machen unter dem Dach der Versöhnungskirche Ummendorf ein Repair-Café auf. Gemeinsam mit anderen technisch beschlagenen Ehrenamtlichen laden sie die Bürger der ganzen Raumschaft ein, mit ihren kaputten Geräten zum ersten Treffen am Samstag, 25. April, zu kommen.


Die Hilfe zur Selbsthilfe im Repair-Café soll die Ressourcen schonen helfen. Und den Geldbeutel, denn viele kennen das: Leiert beim Bügeleisen über die Jahre das Anschlusskabel aus, landet es häufig im Müll. "Ein neues Kabel würde nur ein paar Euro kosten", sagt Michael Schmalz. Aber im Fachgeschäft werde häufig gleich der Kauf eines neuen Geräts empfohlen, weil das kaum teurer sei als die Reparatur beim Profi. "Und viele Laien haben eben Berührungsängste bei elektrischen Geräten", weiß Schmalz.


Team mit breitem Spektrum

Er selbst kennt sich aufgrund seines beruflichen Werdegangs in der Elektronik- und IT-Branche aus, auch bei Computern. "Das wissen natürlich viele Bekannte und Freunde", weshalb Schmalz nicht erst seit gestern häufig um Rat gefragt wird. So kam die Idee, sein Wissen im Repair-Café auch anderen zugänglich zu machen. Schmalz ist nicht allein: "Wir haben vier bis fünf Leute, die sich mit Elektrogeräten auskennen, einen Feinmechaniker, und einen Schreiner, der einen Stuhl reparieren kann oder das Kinderspielzeug, bei dem das Rad ab ist." Eine Helferin bringt ihre Nähmaschine mit. Erwogen wird, bei entsprechender Nachfrage einen Tag rund um kleine Fahrradreparaturen zu organisieren.

Dabei betont Schmalz: "Wir wollen gewerblichen Händlern keine Konkurrenz machen." Das Repair-Café ist keine Servicewerkstatt zum Abgeben seiner Sachen, vielmehr wollen die Macher die Besucher beim Selbermachen unterstützen. "Die Leute sollen selber mitarbeiten."

Wenn dabei in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen das Bewusstsein für Nachhaltigkeit wächst, umso besser. "Viele meckern, dass die Hersteller geplante Fehler einbauen", sagt Schmalz. Dabei beginne der Kampf gegen Wegwerfmentalität und Ressourcenvergeudung bei der Neuanschaffung: "Viele Geräte kann man gar nicht öffnen", hat er beobachtet. Lässt es sich reparieren, gibt es Ersatzteile? Wer sich solche Fragen im Laden stellt, kann langfristig sparen, selbst wenn der Erstkauf etwas teurer sein sollte. Das Ummendorfer Repair-Café wird denn auch vom Umweltschutzverband BUND Biberach unterstützt.

© Schwäbische Zeitung - 04.04.2015

Gruppe setzt sich für Frieden ein auf dem Marktplatz in Biberach

Re­li­gi­ons­ver­tre­ter set­zen sich für den Frie­den ein

Re­li­gi­ons­ver­tre­ter set­zen sich für den Frie­den ein
Mahnwache am Karfreitag ist gut besucht
 
joe 4. April 2015

Biberach - Am Karfreitag haben sich viele Menschen auf dem Marktplatz in Biberach zu einer Mahnwache für den Frieden versammelt. Dazu aufgerufen hatte das Biberacher Friedensbündnis. Es sieht die Mahnwache als ein Element der Begegnung und des Eintretens für Frieden und Gerechtigkeit in interreligiöser Form, gemeinsam mit Christen und Muslimen.

"Juden, Christen und Muslime verstehen sich als Geschöpfe Gottes mit Verantwortung für die Welt", sagt Pfarrer Roland Groner vom Friedensbündnis Biberach. Er fragte: "Kann Religion Frieden machen oder führt sie erst recht zu Gewalt und Krieg? Sind es nicht gerade schwere Zeiten für den Frieden, und glauben nur Gutmenschen und Traumtänzer an Frieden?"

Wie lasse sich auf Frieden hoffen, fragte er, wenn die Bundesregierung Waffen und Militärberater, befreundete Mächte Drohnen und Bomben in Krisengebiete schicken würden? Gewaltlosigkeit sei nur der Verzicht auf eine bestimmte Art von Macht. Daraus entstehe ein Vakuum, das es zu füllen gelte. Es stelle sich die Frage, ob die Religion da etwas zu bieten habe.

Neben den Vertretern der christlichen Kirchen nahm auch der Imam der Biberacher islamischen Gemeinde, Halil Ibrahim Yaylali, an der Mahnwache teil. Er betonte, dass der Islam sich als eine Religion des "Frieden machens" verstehe, mit Gott, mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen. Denn Islam bedeute ins Deutsche übersetzt wortwörtlich "Frieden machen".

Hedwig Krözinger informierte am Infostand unter anderem mit einem Flyer von "Ohne Rüstung leben" zum "Drohnentod aus Stuttgart" und forderte die vielen Interessierten zu Unterschriftenaktionen gegen Drohneneinsätze auf. "Ich bin froh, dass so viele Interesse haben" sagt sie.

© Schwäbische Zeitung - 04.04.2015

Vertreter von evangelischer Kirche, der Einrichtung Mariaberg, der Stadt, des Landkreises und des Architekturbüros trafen sich zum symbolischen Spatenstich auf dem Gelände der Bonhoefferkirche.

Vertreter von evangelischer Kirche, der Einrichtung Mariaberg, der Stadt, des Landkreises und des Architekturbüros trafen sich zum symbolischen Spatenstich auf dem Gelände der Bonhoefferkirche. SZ-Foto: Mägerle

Bon­hoef­fer­ge­mein­de wagt Weg­wei­sen­des
Spatenstich für Inklusionsprojekt der evangelischen Kirche auf dem Mittelberg
Von Gerd Mägerle 4. April 2015

Biberach - Nach mehreren Jahren der Vorbereitung und einigen Rückschlägen ist am Donnerstagabend der Spatenstich für das Inklusionsprojekt Bonhoefferhaus am Biberacher Mittelberg erfolgt. Bis Oktober 2017 entstehen auf dem Areal der evangelischen Bonhoeffergemeinde stationäre und ambulante Wohnplätze sowie Förder- und Betreuungsangebote. Träger ist die diakonische Einrichtung Mariaberg aus Gammertingen.

Den Spatenstich zelebrierte die Bonhoeffergemeinde am Gründonnerstag nicht als bloßen formalen Akt einiger wichtiger Persönlichkeiten, sondern als Empfang für die ganze Kirchengemeinde. "Good news" ("Gute Nachrichten") sangen die Biberacher Gospelfriends zu Beginn in der Bonhoefferkirche und setzten damit das Motto.

Denn gute Nachrichten sind es tatsächlich, dass das Inklusionsprojekt Bonhoefferhaus nach inzwischen sieben Jahren der Beratung und Vorbereitung endlich beginnen kann, wie der evangelische Dekan Hellger Koepff sagte.

Auf der Suche nach einer sinnvollen Nutzung der kirchlichen Immobilien, die die finanzielle Belastung für die Kirchengemeinde reduziert, war das Inklusionsprojekt zunächst mit den Zieglerschen geplant worden. Nachdem das diakonische Unternehmen mit Sitz in Wilhelmsdorf aber im Herbst 2012 aus finanziellen Gründen einen Rückzieher machte, drohte das Projekt zu scheitern.

Der Einstieg von Mariaberg im Frühjahr 2013 hauchte dem Ganzen wieder Leben ein. Es wurde verhandelt, geplant und nun werden die baulichen Pläne des Sigmaringer Architekten Manfred Löffler ab kommender Woche in die Tat umgesetzt. Im Bereich, in dem heute das Glockentürmchen steht, werden zwei Gebäude in Kubenform gebaut, die mit dem bestehenden Gebäudeensemble der Bonhoeffergemeinde einen Platz umschließen. In den neuen Gebäuden sind stationäre (14) und ambulante (9) Wohnungen für Menschen mit Behinderung untergebracht. Die bestehenden Gebäude werden saniert, im Untergeschoss der Bonhoefferkirche wird ein Förder- und Betreuungsbereich untergebracht, in dem die ambulant untergebrachten Menschen einer Beschäftigung nachgehen können. Die Bonhoeffergemeinde nutzt die Räumlichkeiten weiterhin für ihr kirchliches Gemeindeleben, wodurch ein großes Miteinander entstehen soll.

Plätze von Mariaberg verlagert

"Unser Ziel ist es, das Projekt gut abgestimmt in der Stadt Biberach zu verankern", sagte Rüdiger Böhm, Vorstand von Mariaberg. Die Sozialdezernentin des Landkreises, Petra Alger, verhehlte nicht, dass sie das Projekt anfangs skeptisch betrachtete, "weil es schon so viele stationäre Plätze im Kreis gibt und wir eigentlich das Gegenteil erreichen wollen". Nun werden allerdings Plätze von Mariaberg nach Biberach verlagert. Sie sicherte die weitere Unterstützung des Projekts zu.

s Baubürgermeister Christian Kuhlmann sprach von einem wegweisenden Projekt in mehrfacher Hinsicht: für die Inklusion, für die Kirchengemeinde sowie für die Stadtentwicklung und Baukultur. Dekan Hellger Koepff wünschte sich, dass damit ein Ort der Orientierung und der Geborgenheit geschaffen werde. Der katholischen Kirchengemeinde am Mittelberg dankte er für den Unterschlupf, den sie der Bonhoeffergemeinde gewährt, solange die Kirche saniert wird.

© Schwäbische Zeitung - 01.04.2015

"Es genügt nicht, auf den schnellen Witz aus zu sein", sagt Marvin Suckut.

"Es genügt nicht, auf den schnellen Witz aus zu sein": Marvin Suckut. SZ-Foto: Hutzel

In­ter­view: "Das viel­fäl­ti­ge Pu­bli­kum reizt mich"
Marvin Suckut über die zweite Auflage des Poetry-Slams in Erolzheim

Erolzheim - Zum zweiten Mal ist in der Erolzheimer Diasporakirche ein Poetry-Slam ("Dichterwettstreit") ausgetragen worden. Pfarrer Matthias Ströhle von den Organisatoren würdigte den Moderator Marvin Suckut, ohne den die Veranstaltung wohl nicht möglich gewesen wäre. Der 25-Jährige Konstanzer gilt als etablierte Größe der deutschen Poetry-Slam-Szene - und lockte einige hochkarätige Nachwuchsdichter ins Illertal. SZ-Mitarbeiter David Hutzel sprach mit Suckut.

Herr Suckut, wie kamen Sie dazu, den Poetry-Slam gemeinsam mit Pfarrer Ströhle zu organisieren?

Ich richte Veranstaltungen dieser Art in ganz Deutschland aus. Eines Tages sprach mich nach einem Poetry-Slam eine Freundin, die ursprünglich aus Erolzheim kommt, an, ob so was nicht auch dort möglich wäre. Sie erzählte mir, dass Pfarrer Ströhle schon lange überlegt, den Poetry-Slam nach Erolzheim zu bringen. Wir haben telefoniert und schnell beschlossen, das auszuprobieren. Das Experiment ist vollkommen geglückt, denn der Startschuss im letzten Jahr kam richtig gut an. Für dieses Jahr haben wir die Bar nach draußen verfrachtet, um noch mehr Zuschauern Platz zu bieten. Es war schön zu sehen, dass wieder so viele Menschen gekommen sind.

Was hat Sie an der Idee begeistert, dieses "Experiment" in Angriff zu nehmen?


Lange Zeit gab es Poetry-Slams nur in Großstädten wie München, Stuttgart oder Berlin. Da hatten sie sich irgendwann etabliert. Darum war es für mich spannend zu sehen, ob das auch außerhalb dieser Hochburgen funktioniert. Das Schöne daran ist, dass sich Poetry-Slams auf dem Land von denen in der Stadt völlig unterscheiden: Das Publikum setzt sich anders zusammen und findet ganz andere Gedichte gut.

Reizt Sie also im Grunde dieser Überraschungseffekt?

Definitiv. Ich organisiere auch in meiner Heimatstadt Vaihingen an der Enz einmal im Jahr einen Slam. Da ist das Publikum ähnlich gemischt wie in Erolzheim und nimmt es auch gut an.

Was finden Sie an der Kunstform "Poetry-Slam" so spanend?

Das Wettkampfprinzip verleiht dem Ganzen viel Reiz. Ich als Poet finde es aber interessanter, beim Poetry-Slam sofort eine Reaktion vom Publikum zu bekommen. Das erleichtert mir einiges: Ich muss nicht erst ein Buch veröffentlichen, bevor jemand Kritik an meinen Texten üben kann, sondern erhalte auf alles, was ich sage, eine unmittelbare Reaktion.

Wie kamen Sie persönlich zum Poetry-Slam?

Ich habe im Jahr 2009 als Schüler an einem Schreibwettbewerb teilgenommen und einen Auftritt beim Poetry-Slam im Theaterhaus Stuttgart gewonnen. Also wurde ich ins kalte Wasser geworfen - vor ungefähr 800 Leuten. Das Publikum hat mich dort gleich beim ersten Mal zum Sieger erkoren (lacht). Weitere Auftritte folgten automatisch und inzwischen habe ich mein Hobby sozusagen zum Beruf gemacht.

Mir fällt immer wieder auf, dass witzige Texte beim Publikum besser ankommen. Wie erklären Sie sich das?

Tendenziell würde ich Ihnen da zustimmen. Allerdings hat man beim Slam in Erolzheim gesehen, dass es keinesfalls genügt, einzig auf den schnellen Witz aus zu sein. Mit Sira Busch und Stefan Unser standen zwei Poeten im Finale, die Humor intelligent einsetzen. Und das Publikum merkt sofort, wenn sich ein Poet tiefe Gedanken macht. Klar ist die Chance höher, mit einem lustigen Text ins Finale zu kommen. Aber ich wage mal zu sagen, dass das Publikum die Mischung aus ernster Aussage und Augenzwinkern am ehesten schätzt.

© Schwäbische Zeitung - 01.04.2015

Bon­hoef­fer­haus - Spatenstich am Donnerstag

Biberach (sz) - Der erste Spatenstich für das Projekt Bonhoefferhaus in Biberach ist am Gründonnerstag, 2. April, 17 Uhr. Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde und des Diakonischen Trägers Mariaberg aus Gammertingen sowie Vertreter von Landkreis und Stadt heben symbolisch das erste Stück Erde für den Neubau aus. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde und Mariaberg realisieren ein Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung. Gleichzeitig werden Räumlichkeiten des Gemeindezentrums und das dortige Pfarrhaus saniert und umgebaut.Im Anschluss an den Spatenstich beginnt um 18 Uhr der Gründonnerstagsgottesdienst in der Bonhoefferkirche, den Pfarrer Edzard Albers und Dekan Hellger Koepff gestalten.

 

© Schwäbische Zeitung - 01.04.2015

Gerhard Trüg (Violine, von links) Johanna Schurer (Sopran) und Ralf Klotz (Orgel) konzertieren am Karfreitag.

Gerhard Trüg (Violine, von links) Johanna Schurer (Sopran) und Ralf Klotz (Orgel) konzertieren am Karfreitag. Foto: privat

Pas­si­ons­mu­sik in der Hei­lig-Geist-Kir­che
An Karfreitag erklingen Werke von Johann Hermann Schein, Bach und Händel

Biberach - Johanna Schurer (Sopran), Gerhard Trüg (Violine) und Ralf Klotz (Orgel) konzertieren am Karfreitag, 3. April, ab 15 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche in Biberach Zur Sterbestunde Jesu erklingt in diesem Jahr die Passionsmusik "Fürwahr, er trug unsere Krankheit". Der Titel entstammt dem aufgeführten Geistlichen Konzert des Barockmeisters Johann Hermann Schein (1586-1630). Auch "O Lamm Gottes unschuldig" sowie weitere Geistliche Konzerte aus Scheins Sammlung "Opella nova" werden zu Gehör gebracht.

Wie die beiden anderen deutschen großen "Sch" seiner Zeit, Heinrich Schütz und Samuel Scheidt, versteht Schein die kontrapunktische Kunst meisterhaft mit Ausdrucksstärke zu verbinden. Er ist der erste deutsche Musiker, der das klein besetzte Geistliche Konzert mit der damals modernen Generalbassbegleitung verbindet. Seine Geistlichen Konzerte entstanden 1618, zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs und in den darauffolgenden Jahren; Eindrücke dieser schweren Zeit sind deutlich heraushörbar.

In der Programmmitte erklingt ein Ausschnitt aus dem Passionsteil von Georg Friedrich Händels berühmtestem Werk, dem im Jahr 1741 komponierten "Messias", eingerichtet für Trio. Die Arie "Er ward verschmähet, verachtet, ein Mann der Schmerzen" wird umrahmt von den Ariosi "Er ist dahin aus dem Lande der Lebendgen" sowie "Diese Schmach brach ihm sein Herz, aber da war keiner zu trösten ihn". Außerdem erklingen im Konzert Sätze aus G. F. Händels Violinsonaten sowie aus Johann Sebastian Bachs Violinkonzert a-Moll.

Zu den Musikstücken werden Passionstexte aus den Evangelien gelesen - unter anderem die Passionsgeschichte mit den Worten Jesu am Kreuz - und in eine nachvollziehbare chronologische Reihenfolge der Kreuzigungsgeschichte Jesu gebracht.

Veranstalter ist das Evangelische Kantorat. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.