© Schwäbische Zeitung - 31.12.2015

Pfarrer Markus Lutz (hinten von links), Dekan Sigmund Schänzle, Kerstin Leitschuh und Dekan Hans-Jürgen Hirschle mit den neuen Notfallseelsorgerinnen Helene Glass-Neumann (vorne von links), Brunhilde Koch und Maria Bedau. FOTO: PRIVAT

Neue Not­fall­seel­sor­ge­rin­nen be­auf­tragt

Drei Damen leisten nun "Erste Hilfe für die Seele" im Landkreis Biberach

Landkreis Biberach - In einem ökumenischen Gottesdienst in Rottum sind drei Frauen für den ehrenamtlichen Dienst in der Notfallseelsorge im Landkreis Biberach beauftragt worden: Maria Bedau (Ochsenhausen), Helene Glass-Neumann (Wain) und Brunhilde Koch (Eberhardzell). Sie erklärten sich bereit, den Dienst der Notfallseelsorge im Vertrauen auf Gottes Hilfe und in Verantwortung vor Gott und den Menschen auszuüben. Diakon Hans-Jürgen Hirschle, Pfarrer Markus Lutz und Dekan Sigmund Schänzle sprachen ihnen den Segen zu.

Die Leitung der Notfallseelsorge, Dekanatsreferentin Kerstin Leitschuh und Pfarrer Markus Lutz, freuten sich über den Zuwachs. Gleichzeitig dankten sie allen Notfallseelsorgern im Landkreis für ihr Engagement, das sie das gesamte Jahr und rund um die Uhr leisten. Dekan Schänzle sprach den Notfallseelsorgern ebenso seine Anerkennung für die geleisteten Bereitschaftsdienste aus. Sie seien ein sichtbares Zeichen der Kirchen. "Danke für ihren wichtigen Dienst der Nächstenliebe", so Schänzle weiter.

Lutz beleuchtete in seiner Predigt die Aufforderung aus dem Philipperbrief "Freuet euch!". Freude könne man nicht befehlen. "Entweder es kommt von innen heraus, aus dem Herzen, oder es kommt nichts", so Lutz. Grund zur Freude sei, dass Gott sich den Menschen zugewandt habe und es auch immer wieder tue. Lutz: "In aller Not, in aller Angst und Verzweiflung gilt das: Ich bin da!" Als Notfallseelsorger könne man seine Arbeit nur schwer machen, wenn man nicht immer wieder aufs Neue erfahre, dass Gott uns nicht alleine lässt. Das "Freuet euch" sei hineingesagt in unsere eigenen Lebenssituationen. Es heiße nicht, dass alles gut ist, aber Gott sage, dass es gut werden wird.

Die Notfallseelsorge im Landkreis sucht immer Frauen und Männer, die ehrenamtlich "Erste Hilfe für die Seele" leisten. Über die Leitstelle werden die Notfallseelsorger zu Menschen gerufen, die plötzlich und unerwartet mit Tod und Trauer konfrontiert sind. Sie sind da, hören zu, schweigen mit, beten und helfen ganz praktisch weiter. Eine qualifizierte Ausbildung bereitet auf den Dienst vor. Nach der Aussendung sind Weiterbildung und ständige Reflexion der eigenen Arbeit nötig, um den Aufgaben gerecht zu werden.

Kontakt bei Interesse: Notfallseelsorge im Landkreis Biberach, Kolpingstraße 43, 88400 Biberach, Telefon 07351/182130,

© Schwäbische Zeitung - 30.12.2015

Ingo Huchler (l.) und Axel Fischer sind die Initiatoren des „United Colors“-Festivals. SZ-FOTO: GERD MÄGERLE

"Wir wol­len, dass die Hal­le voll wird"

Ingo Huchler und Axel Fischer organisieren das "United Colors"-Festival am 9. Januar

Biberach
- Aus einer kleinen Idee soll etwas Großes werden: Ingo Huchler und Axel Fischer aus Biberach organisieren das "United Colors"-Festival, das am 9. Januar in der Biberacher Gigelberghalle stattfindet (siehe Kasten). Der Erlös des Festivals soll der Arbeit mit Flüchtlingskindern zugutekommen. "Dafür wünschen wir uns, dass die Halle, in der 1000 Besucher Platz finden, auch wirklich voll wird", sagt Fischer.

"Was kann ich für die Flüchtlinge tun?" - dieser Gedanke trieb Ingo Huchler im Sommer um. Als der passionierte Hobbymusiker und Vorsitzende des Musikvereins Bergerhausen in Konstanz bei "Rock am See" war, kam ihm die Idee: ein Musikfestival.

Sein Kumpel Axel Fischer war sofort mit dabei und auch Pfarrer Matthias Ströhle von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit half den beiden tatkräftig bei der Organisation. Sponsoren wurden gesucht und gefunden und Musiker mussten angefragt werden, die bei dem Festival spielen. "Uns war es wichtig, dass es Bands aus der Region sind, die man kennt", sagt Huchler. Keiner der Musiker hat gezögert. "Alle waren sofort dabei und spielen an diesem Abend ohne Gage", so Fischer. Auch der Biberacher Oberbürgermeister Norbert Zeidler und Landrat Dr. Heiko Schmid unterstützen das "United Colors"-Festival als Schirmherren.

Durch Sponsorengelder sind die Fixkosten von rund 6000 Euro bereits gedeckt, sodass alles, was nun über Eintrittsgelder eingenommen wird, direkt der Flüchtlingsarbeit zugutekommt. "Uns ist wichtig, dass das Geld in ganz konkrete Projekte fließt", sagt Huchler. In Absprache mit Pfarrer Ströhle werden deshalb drei Bereiche mit dem Erlös gefördert: einzelfallbezogene Sprachkurse und Nachhilfe für Flüchtlingskinder, ein Patenprogramm für traumatisierte Kinder und ihre Eltern sowie die Unterstützung von Vereinen, die Flüchtlingskinder in ihre Jugendgruppen und -abteilungen aufnehmen.

Auch für das Konzert werden 100 Freikarten an junge Flüchtlinge verteilt. "Musik verbindet junge Menschen, egal, ob sie aus Deutschland stammen oder aus einem anderen Land kommen", sagt Fischer. Es gehe bei dem Festival nicht um große politische Botschaften, sondern darum, dass zum einen ein möglichst großer Betrag für die Arbeit mit Flüchtlingskindern zusammenkomme, zum anderen, dass Deutsche und Flüchtlinge zusammen feiern. "Wenn sie dabei miteinander in Kontakt und ins Gespräch kommen, umso besser", sagt Axel Fischer.

© Schwäbische Zeitung - 29.12.2015

Ein „Findelkind“ lag plötzlich an Heiligabend in der Krippe der evangelischen Kirche. SZ-FOTO: KLAUS WEISS

Schö­ne Be­sche­rung bei der Krip­pen­fei­er

Evangelische Kirchengemeinde Bad Buchau erlebt ein kleines Weihnachtswunder

Bad Buchau - Eine schöne Bescherung haben die Kirchgänger in der evangelischen Kirche Bad Buchau an Heiligabend miterleben dürfen. Bei der Krippenfeier liegt normalerweise symbolisch eine Puppe als Ersatz für das Jesuskind in der mit Stroh gefüllten Krippe. Nicht schlecht staunte die Mesnerin Galina Müller, als sie in der Krippe ein holzgeschnitztes, lebensgroßes Jesuskind vorfand. Dazu ein handgeschriebener Zettel: "Bitte, lasst mich in eurer Krippe wohnen." Ebenfalls beigegeben war ein Druck des Gedichts "Weihnachtsabend" von Theodor Storm.

Gar von einem Weihnachtswunder spricht Pfarrer Markus Lutz. "Wir wissen nicht, von wem das Jesuskind ist", meint Lutz. So möchte er wenigstens auf diesem Weg seinen herzlichen Dank für die hochwertige Schnitzarbeit aussprechen.

© Schwäbische Zeitung - 24.12.2015

Für Anne und Theo Mielitz ist Weihnachten dieses Jahr besonders spannend:das erste Weihnachtsfest in ihrer neuen Gemeinde. SZ-FOTO: BRUNO JUNGWIRTH

"An Weih­nach­ten bricht es auf"

Das Pfarrersehepaar Anne und Theo Mielitz spricht über Erwartungen an Weihnachten und die eigene Familientradition

Riedlingen - Weihnachten ist ein Hochfest für die Christen und damit "Hauptsaison" für die Pfarrer. Gleichzeitig ist Weihnachten auch das Fest der Familie. Auch für eine Pfarrersfamilie, wie die Familie Mielitz. Ein Spagat, wenn man beidem gerecht werden will. Und dass es zudem für die evangelischen Pfarrer Anne und Theo Mielitz das erste Weihnachtsfest in Riedlingen ist, macht es für sie nochmals besonders.

"An Weihnachten sind wahnsinnig viele Erwartungen im Raum", sagt Theo Mielitz. Da werden Erinnerungen an die Kindheit wach. Aber es geht auch um grundsätzliche Überlegungen. "Weihnachten ist ein Termin im Jahr, an dem die großen Fragen gestellt werden: Dass das Leben aus mehr bestehen muss als aus Arbeiten und Geldverdienen", sagt der Pfarrer. Und dass es da noch diese weitere Dimension gibt, diese spirituelle, die Verbindung zu Gott. "Im Alltag kommt das zu kurz, an Weihnachten bricht es auf", ergänzt Anne Mielitz.

Dabei konzentriert sich inzwischen vieles auf den Heiligabend. Am 24. Dezember sind die Kirchen voll. An Heiligabend sitzen die Familien zusammen, werden Geschenke getauscht, ist der "emotionale Höhepunkt". "Der Schwerpunkt liegt auf Heiligabend", sagt die Pfarrerin.

Es soll besonders sein

Dementsprechend sind auch für sie die Gottesdienste am 24. Dezember besonders. In Heidenheim, an ihrer alten Pfarrstelle, gab es dafür ein eingespieltes Team, das diese vorbereitet hat. Irgendwann ab Oktober wurde nach Ideen für Inhalt und Gestaltung gesucht. Mal gab es ein Schattenspiel, mal eine Bildmeditation. Abwechslungsreich sollte er sein. Denn dieser Gottesdienst ist besonders. Er soll auch die mitnehmen und berühren, die sonst im Jahreslauf kaum in die Kirche gehen. Ob dies gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Ob man das richtige Wort trifft, wie die Stimmung im Raum ist. Und natürlich von der Musik, von den gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern. "Die Musik ist wahnsinnig wichtig", sagt Theo Mielitz.

So ist Weihnachten für das Pfarrerspaar eben nicht nur Glaubensfest, sondern auch jede Menge Arbeit. Drei Gottesdienste haben Anne und Theo Mielitz an Heiligabend in Riedlingen. Um 15, um 17 Uhr und um 22 Uhr. Dann noch Gottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen. Und davor steht noch die Vorbereitung. Auch wenn die Mitglieder der Kirchengemeinde bereits vieles übernommen haben, wie etwa das Krippenspiel; auch wenn sie sich um die Musik an diesen Tagen nicht kümmern müssen, weil dies Aufgabe des Bezirkskantors Jürgen Berron ist: Es bleibt eine arbeitsreiche Zeit in einer neuen Gemeinde. "Wir haben noch keine gemeinsame Geschichte mit den Mitgliedern der Gemeinde", sagen sie. Das macht es nochmals spannend. Und an solchen Tagen vorne zu stehen, den Gottesdienst zu halten, sei auch trotz aller Erfahrung keine Kleinigkeit. Sich über die ganze Dauer des Gottesdiensts zu konzentrieren, "das strengt an".

Und die Ruhe und Besinnung dieser Tage? Auch das ist im Hause Mielitz nicht gänzlich anders wie in vielen Familien vor allem in der Adventszeit. Die Zeit ist voller Termine, voller Stress, ist hektisch. "Das ist viel, manchmal zu viel", sagt sie. Ein Adventskalender mit Impulsen lässt sie immer wieder innehalten im Alltag. Und für sie ist die Zeit zur Vorbereitung von Adventsbesinnungen auch Zeit für die persönliche Besinnung.

Doch dass Weihnachten für die Pfarrers Hochsaison ist, hat sich im Familienritus niedergeschlagen. "Das Baumschmücken haben immer die Kinder übernommen", sagen sie. Dass alles vorbereitet, das Zimmer geschlossen war, mit dem Glöckchen geklingelt wurde und die Kinder vor den Baum mit den Geschenken traten - "das gab es bei uns nie", sagen sie. Auch weil die drei Kinder, als sie etwas älter waren, in das Geschehen voll einbezogen waren, etwa beim Krippenspiel. So fand der Familienteil dieses Familienfests für sie erst nach 20 Uhr, nach dem Gottesdienst statt. Traditionell gab es Raclette. Heiligabend sei für sie in der Familie "nicht sehr besinnlich", sagen sie.

Dieses Jahr wird es nochmals ein bisschen anders. Dieses Jahr erstmals in Riedlingen. Und dieses Jahr wird nur der Sohn kommen, ihre beiden Töchter sind im Ausland. So müssen sie für sich neue Traditionen oder Abläufe finden, an diesem so traditionsreichen Fest. Doch eine Tradition werden sie beibehalten: Den Familienurlaub nach Weihnachten im Bregenzerwald. Da wird dann "Familie" nachgeholt.

© Schwäbische Zeitung - 24.12.2015

Die Biberacher Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann (l.) und Kaspar Baumgärtner wünschen sich an Weihnachten volle Kirchen. SZ-FOTO: GERD MÄGERLE

"Weih­nachts­bot­schaft ist ele­men­tar ein­fach"

Die beiden Biberacher Stadtpfarrer erzählen, wie sie die Weihnachtszeit erleben

Biberach - Pfarrer, ob katholisch oder evangelisch, gehören in der Advents- und Weihnachtszeit zu einer vielbeschäftigten Bevölkerungsgruppe. Trotzdem finden die Biberacher Stadtpfarrer Kaspar Baumgärtner (katholisch) und Ulrich Heinzelmann (evangelisch) für sich auch in dieser scheinbar hektischen Zeit Momente, um sich zu besinnen.

"Trotz der vielen Gottesdienste, Adventsfeiern und Krippenspielen, die ich mit vorbereite, schätze ich diese Zeit sehr", sagt Heinzelmann. Allerdings bemerke er auch, dass vielen Menschen der Ablauf des Kirchenjahrs fremd geworden sei. "Dass der Advent eigentlich eine Buß- und Fastenzeit ist, geht im Getümmel unter."

In der katholischen Kirche sei der Ablauf durch die verschiedenen liturgischen Farben im Gottesdienst zwar stärker im Bewusstsein, sagt Baumgärtner, "viele unterscheiden aber nicht mehr zwischen Advents- und Weihnachtszeit. Auf dem Marktplatz steht ein Christbaum, es gibt den Christkindles-Markt und jede Menge Weihnachtskonzerte schon vor Weihnachten."

Trotzdem machen beide Pfarrer die Erfahrung, dass vor allem die kirchenmusikalischen Angebote, wie zum Beispiel die Feierabendmusik, stark besucht wurden. "Das Bedürfnis der Menschen, zu reflektieren und zur Ruhe zu kommen, ist vielleicht gerade wegen der herrschenden Hektik da", so Heinzelmann. Mehr Menschen suchten in diesen Tagen das Gespräch mit den Seelsorgern.

"Die Einsamkeit oder ein schwelender Streit wird an Weihnachten stärker erfahren als an den restlichen Tagen des Jahres", weiß Baumgärtner. Er ermutigt einsame Menschen, gerade in den Weihnachtstagen auf andere zuzugehen, die sich vielleicht auch alleine fühlen: "Das können ganz kleine Gesten sein."

Schwierig ist es für beide Pfarrer, wenn in der Zeit vor Weihnachten Beerdigungen anstehen: "Von vielen Angehörigen wird der Abschied eines lieben Menschen in dieser Zeit stärker empfunden", sagt Baumgärtner. "Es ist meist ein Abschied mit der Vorstellung, dass man Weihnachten doch zusammen verbringen wollte", sagt Heinzelmann.


"Bin Theologe, kein Baumeister"


Weil die Pfarrer in der Zeit um Weihnachten keine Sitzungen mehr haben, können sie sich stärker als im Rest des Jahres auf ihre seelsorgerische Tätigkeit konzentrieren. "Das ist die Arbeit, die ich eigentlich gelernt habe", sagt Baumgärtner, "ich bin Theologe und kein Verwaltungswissenschaftler, Baumeister oder Finanzexperte." Insofern sehe man die Pfarrer zurzeit mehr in der Kirche, "und die Leute denken deshalb, der Pfarrer schafft mehr", meint Baumgärtner schmunzelnd.

Bei den Predigtthemen, die sich er und Heinzelmann für die Gottesdienste an Weihnachten überlegt haben, gibt es durchaus Übereinstimmungen. "Ich werde auf den Gegensatz zwischen unserer hektischen und vollgepackten Weihnachtszeit und der eigentlichen Botschaft der Weihnachtsgeschichte eingehen. Denn die ist elementar einfach", sagt Heinzelmann. "Wir machen darum inzwischen ein Riesen-Brimborium."

Baumgärtner zielt in eine ähnliche Richtung: "Ich werde darüber predigen, dass wir uns benehmen wie die Leute in Bethlehem zu Christi Geburt. In dieser Stadt war damals wegen der Volkszählung sicher wahnsinnig viel los. Aber das eigentlich Wichtige, was passierte, das haben diese Leute verpasst. Es ereignete sich ganz klein und abseits in einem Stall."

Dass sich die beiden Pfarrer, trotz ihrer unterschiedlicher Konfessionen, über solche Themen immer wieder austauschen können, schätzen beide sehr. "Das Simultaneum hier in Biberach empfinden wir als ein Bereicherungsmodell", sagt Heinzelmann.

Beide hoffen in den kommenden Tagen auf volle Kirchen, und dass sich die Menschen auf die Weihnachtsbotschaft einlassen. Die sei eigentlich sehr einfach, meint der evangelische Pfarrer Heinzelmann und zitiert den katholischen Bischof Franz Kamphaus: "Mach's wie Gott: werde Mensch!"

© Schwäbische Zeitung - 24.12.2015

Bürger aus Biberach beteiligten sich an der Demonstration. FOTO: PRIVAT

Frie­dens­bünd­nis warnt vor Be­tei­li­gung am Krieg

Aktivisten halten Einsatz in Syrien für falsch und protestieren in Ravensburg dagegen

Biberach - Das Biberacher Friedensbündnis hat vor Kurzem zur Teilnahme an der Ravensburger Friedensdemonstration aufgerufen. Ein Bündnis aus unterschiedlichen Parteien und Gruppierungen veranstaltete eine Demonstration mit Kundgebung gegen die militärische Beteiligung Deutschlands am Krieg in Syrien.

Unter dem Beifall der versammelten Friedensaktivisten wurden Argumente gegen einen Kriegseinsatz benannt: Aus falsch verstandener Solidarität mit den EU-Partnern werde Deutschland zur Kriegspartei, ohne fundiert über das Für und Wider einer deutschen Kriegsbeteiligung im Bundestag und in der Öffentlichkeit diskutiert zu haben. "Der Einsatz der Bundeswehr ist politisch falsch, moralisch unverantwortlich, verfassungs- und zudem völkerrechtswidrig", mahnte Franz Weber von der ÖDP an. Die Koalitionspartner im Krieg gegen den IS verfolgen sehr unterschiedliche Ziele. Ein gemeinsames Konzept für den Frieden in Syrien ist nicht zu erkennen.
Das Erstarken des IS sei auch eine Folge deutscher und internationaler Waffenexporte in die Region. Es sei eine Schande, dass Deutschland als drittgrößter Waffenexporteur der Welt am Krieg im Nahen Osten mitverdiene. Die Redner forderten deshalb ein eindeutiges Nein zur deutschen Kriegsbeteiligung in Syrien. Der Zustrom von Geld und Waffen an den IS müsse gestoppt werden.

© Schwäbische Zeitung - 24.12.2015

Die Flüchtlingskinder kommen gern zu ihr: Angelika Eyrich in ihrem Büro im Wohnheim des Laupheimer Krankenhauses. FOTO: ROLAND RAY

Ei­nen Ort fin­den, der Her­ber­ge ist


Angelika Eyrich über Weihnachten und Menschen, die fliehen mussten

Weihnachten - ein Fest, das man eigentlich mit seinen Liebsten verbringt. Eigentlich. Einige von uns mussten sich dieses Jahr von ihren Lieben trennen. Der Tod hinterlässt eine Lücke, die nicht wieder gefüllt werden kann. Trotzdem feiern wir in Deutschland Weihnachten, die Geburt von Jesus.

Viele nennen Weihnachten nur noch das "Fest der Liebe". Jesu Geburt spielt dabei fast keine Rolle mehr. Viele werden Weihnachten trotz Verlusten so feiern wie jedes Jahr.

Für mich ist Weihnachten dieses Jahr anders. Durch meine Arbeit bei der Diakonie und als Teil der ökumenischen Flüchtlingsarbeit im Landkreis Biberach habe ich einige Flüchtlinge kennen gelernt. Menschen aus dem Kosovo, aus Gambia, Syrien, Eritrea und vielen anderen Ländern. Einige Christen sind darunter und viele Moslems. Ich frage mich, wie Weihnachten für sie wird. Neu? Traurig? Schön? Anders? Einsam? Ein Tag von vielen?

Ich entdecke immer mehr Parallelen zwischen der Bibel und den hier lebenden Flüchtlingen. Auch Jesus war ein Flüchtling. Maria und Josef sind mit ihm nach Ägypten geflohen, weil Jesus sonst getötet worden wäre. Doch es gibt eine Parallele, die noch vor Jesu Geburt besteht: die Suche nach einer Herberge, nach einer Unterkunft, einem Platz zum Schlafen, einem Dach über dem Kopf, nicht immer nur weitergeleitet zu werden. Mit dem Stall, in dem Maria und Josef dann untergekommen sind, hatten sie keine komfortable Unterkunft - aber eine Unterkunft, in der etwas Wunderbares geschehen sollte: die Geburt des Heilands Jesus Christus.

Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, verlassen ihre Heimat wegen Krieg, Terror, Verfolgung, Armut, Folter. Oft sind sie mehrere Monate unterwegs, ohne Obdach. Viele kommen in Deutschland an. Sie kommen in große Unterkünfte mit vielen anderen Flüchtlingen und wenig Platz. Oft dauert es lange, bis sie an einen Ort kommen, an dem sie sich wohl fühlen können, ein Ort, der ihre Herberge ist. An dem sie das Wunder erleben dürfen, dass es hier Menschen gibt, die sich um sie kümmern, die sie vielleicht sogar zu Weihnachten zu sich nach Hause einladen. In diesem Sinn ist die Bezeichnung "Fest der Liebe" doch wieder passend.

Es ist toll zu sehen, wie in vielen Gemeinden des Landkreises ein großes Engagement für Flüchtlinge da ist. Für Menschen, die eine lange Zeit auf der Suche nach einer sicheren Herberge waren. Lasst uns hoffen, dass alle Menschen - Menschen, die dieses Jahr einen ihrer Lieben gehen lassen mussten, Menschen, die fliehen mussten, und wir alle - besinnliche und besondere Weihnachten haben können.

© Schwäbische Zeitung - 23.12.2015

sz-Foto: Klaus Weiss

Strümp­fe für die Hos­piz­grup­pe

BAD BUCHAU - Die "Hospizgruppe Federsee", die von Ehrenamtlichen betreut wird, freut sich über jede Zuwendung. Eine gute Idee dazu hatte Monika Ronneburg, die das Jahr über 60 Paar wollene Strümpfe strickte. Der Getränkemarkt "Federsee" erklärte sich bereit, den Verkauf der Strümpfe, natürlich provisionsfrei, zu übernehmen. Dieser Tage nun konnte Pfarrer Markus Lutz die Zuwendung im Namen der Hospizgruppe in Empfang nehmen und sprach der Initiatorin und den Verkäufern Dank aus. Die restlichen Strümpfe werden noch im Bad Buchauer Diakonieladen in der Schussenrieder Straße zum Kauf angeboten. sz-Foto: Klaus Weiss

© Schwäbische Zeitung - 19.12.2015

Der Kirchengemeinderat kann bald die Dachdecker kommen lassen.

Foto H.J. Schepers

Dach­de­cker kom­men viel­leicht schon bald
Der Versöhnungskirche Ummendorf fehlen nur noch 22 000 Euro für die Sanierung


mad 19. Dezember 2015

Ummendorf - Nur noch 22 000 Euro an Spenden fehlen, dann hat die evangelische Kirchengemeinde ihren Eigenanteil für die Sanierung des Dachs der Versöhnungskirche in Ummendorf zusammen. "Mit Gottes Hilfe beginnen wir schon im kommenden Jahr", sagt Pfarrerin Andrea Luiking beim Blick aufs Spendenbarometer hoffnungsvoll.

Das war nicht unbedingt zu erwarten, als sich der Kirchengemeinderat im Frühjahr 2014 auf den Weg machte und die Aktion "gut be-Dach-t" ins Leben rief. Denn es ist eine gewaltige Aufgabe: Das Dach ist so undicht, dass bei starkem Regen manchmal Schüsseln aufgestellt werden. Der Turm weist Risse auf, an der 46 Jahre alten Kirche ist manches marode. Mittlerweile haben sich die Verantwortlichen für eine günstigere Dacheindeckung entschieden, "weil es nicht gut ist, zuzugucken, wie Wasser ins Gebälk läuft". Dadurch wurden die geschätzten Kosten auf circa 220 000 Euro gedrückt.

60 Prozent muss die Versöhnungskirchengemeinde selbst aufbringen, selbst bei reduzierten Kosten immer noch mehr als 130 000 Euro. Eine Summe, bei der eine kleine evangelische Gemeinde in der Diaspora durchaus hätte verzagen können. Aber die Kirchengemeinderäte gingen es beherzt an und Pfarrerin Luiking sagt: "Wir sind überrascht und dankbar, dass so schnell so viel zusammengekommen ist." Fast 47 000 Euro wurden bis jetzt gesammelt. Da die Gemeinde auch etwas ihrer Sparbüchse entnehmen kann, fehlen jetzt nur noch 22 000 Euro. "Eigentlich müsste nun jedes Gemeindeglied, vom Kleinkind bis zum Senior, circa elf Euro geben, dann können die Zimmerleute und Dachdecker kommen", rechnet Luiking vor.

Benefizaktionen stiften zugleich Gemeinschaft

Die Pfarrerin und ihre vielen engagierten Mitstreiter aus der Gemeinde fühlen sich aber nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten reich bedacht. So unverzichtbar das Geld ist, um das Kirchengebäude für die nächsten zwei Generationen zu erhalten, so wertvoll sei, was die Aktionen unter dem Motto "gut be-Dach-t" daneben bewirkt habe: "Viele haben sich noch einmal ganz neu mit Kirche identifiziert, Kirche ist noch mal ein lebendigerer Ort geworden."

Die evangelische Pfarrerin freut sich dabei "über viele schöne ökumenische Zeichen" und wertet das vielfältige Engagement als Indiz, dass Kirche "den Leuten wichtig ist" - als Gebäude und als Gemeinschaft, die in ihren Räumen viele Angebote für Menschen macht: nicht nur Gottesdienste, etwa auch ein wöchentliches Begegnungscafé für Flüchtlinge zusammen mit dem ehrenamtlichen Unterstützerkreis.

Ein Spendenlauf auf dem Sportplatz war die größte Veranstaltung und brachte viele Bürger zusammen. Daneben sind "viele Leute von sich aus gekommen und wollten etwas machen" - etwa das Repair-Café, in Erinnerung bleibende Konzerte und vieles mehr. "Das sind alles Geschenke", sagt Luiking und erzählt von einer Konzertbesucherin: Eigentlich müsste man sich wünschen, habe diese gesagt, dass das Spendenziel nicht so schnell erreicht wird - damit sie noch viele solch schöne Veranstaltungen erleben dürfe.

Aber das ist ja auch in einer sanierten Kirche mit dichtem Dach nicht ausgeschlossen und es wird angefangen, wenn die Versöhnungskirche ihren Anteil zusammen hat. Die evangelische Landeskirche hat 66 000 Euro bereits zugesagt und grünes Licht für einen Start gegeben, der Kirchenbezirk Biberach gibt 22 000 Euro.

Spenden sind mit dem Stichwort "Dachsanierung" auf das Konto der Versöhnungskirche bei der Raiffeisenbank Riss-Umlach möglich: IBAN DE25 654 618 78 0060 585005.

Für Beträge bis 200 Euro gilt der Überweisungsbeleg fürs Finanzamt. Ab 200 Euro erhalten Gönner automatisch eine Spendenbescheinigung (bitte Adresse angeben).

© Schwäbische Zeitung - 10.12.2015

Das Team vom Diakonielädele freut sich, dass auch ohne Aktion "Sternenfunkeln" Kinder beschenkt werden können.

Das Team vom Diakonielädele freut sich, dass auch ohne Aktion "Sternenfunkeln" Kinder beschenkt werden können. Foto: Privat

Kin­der sol­len nicht leer aus­ge­hen
Auch ohne Aktion "Sternenfunkeln" können Geschenke an Bedürftige weitergegeben werden

 
Mengen - Das Team im Diakonielädele ist in den vergangenen Monaten fleißig gewesen. Viel Ware wurde im evangelischen Pfarrhaus bereits angenommen, sodass es auch schon einen Sonderverkauf Ende November gab, bei dem ein ansehnlicher Betrag eingenommen werden konnte. Da die Neueröffnung des Diakonielädeles erst im kommenden Jahr stattfinden kann, war es in dieser Adventszeit nicht möglich, die Aktion "Sternenfunkeln" anzubieten.

"Gerne hätten wir die Aktion wieder gemacht, aber es wäre infrastrukturell ohne das Diakonielädele sehr schwierig gewesen. Gleichwohl haben viele bei uns gefragt, ob die Aktion wieder stattfindet und manche Menschen haben bei uns als Kirchengemeinde einfach auch Geschenke vorbeigebracht oder Geld gespendet, das wir nun weitergeben können," freut sich Pfarrerin Ines Fischer. So soll auch dieses Jahr an Weihnachten kein Kind leer ausgehen. Pfarrer Wolfgang Raiser dazu: "Wir unterstützen mit dem Sonderverkauf in diesem Jahr in der Advents- und Weihnachtszeit bedürftige Familien und sind froh, wenn wir an der einen oder anderen Stelle dazu beitragen können, dass es so in jeder Familie ein wenig Weihnachtsfreude gibt."

Die Frauen, die sich ehrenamtlich im Diakonielädele engagieren, freuen sich über das schöne Ergebnis des Verkaufes und auch darüber, dass der Erlös gerade denen zugutekommt, die ansonsten zu wenig haben.

© Schwäbische Zeitung - 09.12.2015

Ein An­trag und vie­le kri­ti­sche Nach­fra­gen
Christliche Gemeinde Erolzheim will als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt werden

Von Tanja Bosch 9. Dezember 2015

Biberach/Erolzheim - Kritisch hinterfragt haben einige Kreisräte und Vertreter verschiedener Einrichtungen in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses einen Antrag der Christlichen Gemeinde Erolzheim. Dabei geht es um die Anerkennung des Vereins als Träger der freien Jugendhilfe. Vereinsvorsitzender Johannes Stasius war zu Gast im Landratsamt Biberach und stellte sich den Fragen der Ausschussmitglieder. Eine Entscheidung soll aber erst in der nächsten Ausschusssitzung fallen.

Anerkannte Träger der freien Jugendhilfe können grundsätzlich von Trägern der öffentlichen Jugendhilfe gefördert werden, ein Anspruch auf Förderung besteht allerdings nicht. Wenn aber die Christliche Gemeinde Erolzheim anerkannt wird, hätte der Verein ein Vorschlagsrecht im Jugendhilfeausschuss und wäre auch an der Jugendhilfeplanung im Kreis beteiligt.

Die gesetzlichen Voraussetzungen, um Träger der freien Jugendhilfe zu sein, habe der Verein laut dem Ersten Landesbeamte Walter Holderried bereits erbracht: "Nach Prüfung der Unterlagen liegen die formellen Anerkennungsvoraussetzungen vor." Zusätzlich habe die Verwaltung eine schriftliche Einschätzung der Weltanschauungsbeauftragten der evangelischen Landeskirche angefragt. Direkte Erkenntnisse über den Verein würden dort nicht vorliegen. Allerdings gebe es zwei Organisationen, mit denen der Verein verbunden ist, die "deutlich von den in unserer Gesellschaft anerkannten Grundsätzen einer Erziehung abweicht", heißt es im Schreiben der Weltanschauungsbeauftragten. Beide Organisationen, die Arbeitsgemeinschaft für bibeltreue Gemeinden und die Plattform KfG, seien von einem "ausgesprochenen Bibelfundamentalismus" geprägt.

Ähnlich kritisch sahen das auch einige Mitglieder des Jugendhilfeausschusses. "Ich habe große Sorge, dass hier fundamentalistisch geprägte Werte an Kinder und Jugendliche vermittelt werden", sagte Peter Grundler, Leiter der Caritasregion Biberach-Saulgau. Unklar ist für Grundler auch die Stellung der Frau in der Anschauungsweise des Vereins. "Mann und Frau sind bei uns gleichwertig", sagte Johannes Stasius. "Aber die Verantwortung liegt bei uns klar auf dem Mann. Der Mann ist verantwortlich für die Familie und übernimmt bei uns auch die Leitung der Gemeinde." Der erste Ansprechpartner in Glaubensfragen sei ebenfalls der Mann, dieser könne dann mit seiner Frau Rücksprache halten.

"Ich glaube, Sie reden Dinge schön"

Franz Lemli (SPD) gefiel diese Antwort nicht: "Ich glaube, Sie reden hier Dinge schön. Auf den beiden Plattformen, mit denen Sie verbunden sind, spielt die Frau eindeutig eine untergeordnete Rolle." Er wisse auch nicht, ob das wirklich Jugendhilfe sei, was der Verein mache.

Auf die Frage von Andreas Heinzel, Vorsitzender des Kreisjugendrings, warum der Erolzheimer Verein auf diesen Plattformen gelistet sei, hatte Johannes Stasius keine Antwort: "Ich weiß es nicht." Die Gemeinde würde nicht alle Ansichten der Organisationen vertreten. Zum Thema Prügelstrafe, die auf der Plattform KfG durchaus ein Thema ist, sagte er: "Das geht überhaupt nicht, da kann ich nicht dahinterstehen." Doch warum der Verein sich nicht einfach von diesen Organisationen distanziert, darauf hat der Vorsitzende ebenfalls keine Antwort.

Heinz Scheffold (CDU) fragte, ob der Verein ökumenische Kontakte ablehne. "Wir haben einfach unterschiedliche Auffassungen. Es gibt keinen Weg, wie wir mit Katholiken und Evangelen zusammenkommen. Wir stehen aber für das Wort Gottes, die Bibel gilt für uns." Genau da schaltete sich der evangelische Jugendpfarrer Matthias Ströhle ein: "Kontakte zu anderen Organisationen sind aber gerade in der Jugendarbeit wichtig", so Ströhle. "Wenn man Gelder aus der Jugendhilfe beziehen möchte, bedeutet das auch, offen zu sein, auch für Menschen anderen Glaubens."

"Wir schimpfen nicht gegen andere Kirchen", betonte Stasius. "Wir haben kein Problem mit anderen zusammenzuarbeiten, vor allem beim Thema Flüchtlinge ist das eine christliche Verpflichtung." Bei den Jugendlagern und Freizeiten seien von jährlich rund 250 Kindern ebenfalls 40 bis 50 Prozent "gemeindefremd". "Wir sind eine Gruppierung, die erhebliche Jugendarbeit macht. Deshalb wünsche ich mir eine Zusammenarbeit", sagte Stasius abschließend. Er selbst habe gemeinsam mit seiner Frau sechs Kinder, zwei davon seien nicht in der Gemeinde: "Es ist ihre freie Entscheidung." Bei Klagen und Bedenken könne der Landkreis die Anerkennung ja zurücknehmen.

Insgesamt habe der Verein 17 bis 18 Mitglieder, alle sind männlich. Zu den Gottesdiensten kommen laut Stasius immer rund 200 bis 250 Gläubige.

© Schwäbische Zeitung - 08.12.2015

Unser Bild bei der Spendenübergabe zeigt (von links): Vorstandssprecher Alfred Wormser, Pfarrerin Anne Mielitz, Pfarrer Walter Stegmann und Voba-Raiba Marketingleiterin Jutta Springer-Rebstein.

Unser Bild bei der Spendenübergabe zeigt (von links): Vorstandssprecher Alfred Wormser, Pfarrerin Anne Mielitz, Pfarrer Walter Stegmann und Voba-Raiba Marketingleiterin Jutta Springer-Rebstein. SZ-Foto: Jungwirth

4000 Euro-Spen­de für Men­schen in Not

uno 8. Dezember 2015

Riedlingen - 4000 Euro hat die Volksbank-Raiffeisenbank Riedlingen den beiden Kirchengemeinden in Riedlingen als Spende übergeben. Die Spende ist für Menschen in sozialer Not, wie der Vorstandssprecher Alfred Wormser bei der Übergabe verdeutlichte. Die Spendenschecks wurden von der evangelischen Pfarrerin Anne Mielitz und vom katholischen Pfarrer Walter Stegmann entgegengenommen. Mit dem Geld soll konkrete Hilfe geleistet und Not gelindert werden, betonten die Geistlichen. "Es gibt Menschen in der Gemeinde, die Unterstützung brauchen", sagte Stegmann. Diese kenne man aus persönlichen Kontakten, so dass die Anonymität gewahrt bleibe. Die Zuwendung erfolgt, wo möglich auch als Sachspende. Die Spendenempfänger sollen nicht den Eindruck haben ein Almosen zu bekommen. Pfarrerin Mielitz dankte ebenso wie ihr katholischer Amtskollege für die Zuwendung. "Armut macht einsam", sagte die Pfarrerin. Auch von daher sei diese Unterstützung sehr wertvoll.

© Schwäbische Zeitung - 08.12.2015

Im Stall tref­fen Arm und Reich auf­ein­an­der
Im evangelischen Gemeindesaal ist an Heiligabend jeder gern gesehen - Jetzt zum Begegnungsabend anmelden


Von Jennifer Kuhlmann 8. Dezember 2015

Mengen - "Wie offen sind wir an Heiligabend für andere und mit wem wollen wir diesen Tag feiern?" Diese Fragen sollten sich in der Vorweihnachtszeit alle stellen, findet Pfarrerin Ines Fischer. Wer sich die Geschichte der Christnacht ansehe, müsse erkennen, dass an diesem Abend ganz unterschiedliche Menschen gemeinsam die Geburt von Jesus Christus gefeiert hätten. Eine solche Gemeinschaft soll am Heilig-abend, 24. Dezember, im Gemeindesaal der evangelischen Kirche entstehen. Bereits zum vierten Mal organisiert eine ökumenische Initiative einen Begegnungsabend für alle, die nicht allein oder nur im engsten Familienkreis feiern wollen.

In den vergangenen Jahren hat das Treffen an Heiligabend immer mehr Zuspruch bekommen. "Wir haben jedes Jahr mehr Besucher bekommen", erzählt Elke Reinauer. Erst seien es 30, dann 60 und im vergangenen Jahr sogar 90 Personen gewesen. Das Konzept ist einfach, aber überzeugend: Zwischen 19 und 22 Uhr sollen im Gemeindesaal beim gemeinsamen Essen Kontakte geknüpft werden, Gespräche ins Rollen kommen und Lieder gesungen werden. Jeder ist eingeladen, egal welcher Religion er angehört, welchen Beruf er ausübt, wie viel Geld er auf dem Konto hat und ob er eine Familie hat oder nicht.

Themen sind aktuell

"So war das doch im Stall in Bethlehem auch", sagt Ines Fischer. "Da waren die Hirten, die nicht viel hatten, und die drei Könige, die wertvolle Geschenke mitbrachten." Niemand hatte Josef und Maria einen Platz in seinem Haus angeboten, kurze Zeit später musste Jesus fliehen, weil er verfolgt wurde. "In dieser Geschichte finden sich so viele gesellschaftspolitische Themen, die immer noch aktuell sind", so Fischer. Deshalb stellt sie die Fragen: Wen nehmen wir auf? Wie offen sind wir? Als Menschen und als Kirche? "Die Botschaft aus der Bibel ist: Alle haben im kleinsten Stall Platz und was wir haben reicht auch für die, die nichts mitgebracht haben."

Bereit sein, zu teilen

So haben es die Organisatoren in den vergangenen Jahren auch erlebt. "Manche haben etwas von sich mitgebracht, um es zu teilen", so Elke Reinauer. "Andere haben sich mitgebracht und dafür vielleicht besonders schön gesungen." Nicht nur Alleinstehende hatten den Weg in den Gemeindesaal gefunden, sondern auch ganze Familien oder Einzelpersonen, die sich bei ihrer Familie in diesem Jahr nicht wohlgefühlt hätten.

Die Vorbereitung des Abends ist bereits aufgeteilt: Horst Reinauer wird mit der Familie Biselli-Veeser vom Adler in Leibertingen ein Drei-Gänge-Menü zaubern, bei dem auch Vegetarier oder Muslime auf ihre Kosten kommen. "Die Zutaten werden frisch sein und aus der Region kommen", so Reinauer. Der Saal wird von Flüchtlingen aus der Mengener Gemeinschaftsunterkunft vorbereitet. Sie stellen Tische und Stühle auf, decken ein und werden den Raum außerdem weihnachtlich dekorieren. Auch beim Einpacken der Geschenke werden sie helfen. "Das gehört auch dazu: Jeder darf am Ende des Abends ein Geschenk mit nach Hause nehmen", sagt Ines Fischer.

Die Pfarrerin selbst wird eine Geschichte beisteuern, die genau über die gesellschaftlichen Themen zum Nachdenken anregen soll, die ihr selbst im Kopf herumgehen. "Es wäre schön, wenn auch die Menschen zu uns kommen, die sich einen Heilig-abend nie anders vorstellen konnten, als in der eigenen Familie zu feiern", sagt sie. Auch das sei schließlich eine Form der Offenheit für Neues und Anderes.

In die Weihnachtsgottesdienste der evangelischen und katholischen Kirche könnten Interessierte ja wie gewohnt gehen, dazu bleibt vor und nach dem Begegnungsabend noch ausreichend Zeit.

© Schwäbische Zeitung - 08.12.2015

Der Wainer Kirchengemeinderat ist wieder vollzählig: (von links) Frieder Wegmann, Michael Unterweger, Markus Schließer, Monika Böhringer, Pfarrer Ernst Eyrich, Melanie Springer, Andrea Schließer, Martin Walcher und Hans Schließer.

Der Wainer Kirchengemeinderat ist wieder vollzählig: (von links) Frieder Wegmann, Michael Unterweger, Markus Schließer, Monika Böhringer, Pfarrer Ernst Eyrich, Melanie Springer, Andrea Schließer, Martin Walcher und Hans Schließer. Foto: Manuel Mussotter

Me­la­nie Sprin­ger neu im Amt
Evangelischer Kirchengemeinderat Wain ist wieder komplett


mu 8. Dezember 2015

Wain - Der evangelische Kirchengemeinderat Wain ist wieder komplett. Am zweiten Adventssonntag wurde Melanie Springer aus Hörenhausen von Pfarrer Ernst Eyrich feierlich in das Amt eingeführt.

Mit ihr gewinne die Wainer Kirchengemeinde eine engagierte, fröhliche und freundliche Rätin, die schon seit Jahren ihre Gaben einbringe, vor allem in der Kinderarbeit, sagte Eyrich. Bei der Einsetzung zitierte er aus dem Römerbrief: Stehe jemand der Gemeinde vor, so übe er Sorgfalt. Vertrauen sei wichtig und die froh machende Botschaft des Evangeliums zu verkünden die vornehmste Aufgabe des Kirchengemeinderats.

Zur Kirchengemeinde Wain gehören auch die evangelischen Gläubigen in Schwendi, Schönebürg, Dietenbronn, Huggenlaubach, Kleinschafhausen, Großschafhausen, Bußmannshausen, Orsenhausen, Hörenhausen, Weihungszell, Sießen im Wald sowie von einigen Höfen um Wain herum. Deshalb sind immer zwei der insgesamt neun wählbaren Ratssitze mit Vertretern der Teilgemeinden zu besetzen. Seit einigen Wochen war eine dieser beiden Stimmen vakant gewesen.

© Schwäbische Zeitung - 08.12.2015

Lisa Wegmann kümmert sich um Kinder in Südafrika

Foto privat

Lisa Weg­mann küm­mert sich in Süd­afri­ka um Kin­der aus den Slums

mu 8. Dezember 2015

Wain - Über ihren dreimonatigen Aufenthalt in Südafrika hat Lisa Wegmann aus Wain am Samstag im Wainer Gemeindehaus berichtet. Nach dem Abitur machte sie sich im August auf den Weg, um nahe der Großstadt Durban in einem Hilfsprojekt mitzuarbeiten. Sie lebte dort in dem Dorf Lily of the Valley, das gegründet wurde, um Kindern und Jugendlichen aus den Slums der Stadt ein Zuhause zu geben.

Mehr als 70 Prozent dieser Kinder seien HIV-positiv, viele Waisen. Lily of the Valley will dafür sorgen, dass die Kinder medizinisch versorgt werden, Schulbildung erhalten und ordentlich mit Essen und Trinken versorgt sind. Wichtig ist zugleich, dass die Kinder und Jugendlichen durch die Unterbringung in kleinen betreuten Wohneinheiten Geborgenheit, Liebe und Familie erfahren.

Lisa Wegmann arbeitete ehrenamtlich, gestaltete Freizeitangebote für die Kinder und Jugendlichen und half in der Schule mit. In ihrem Vortrag am Samstag führte sie den Besuchern eindrücklich die Kultur Südafrikas, vor allem der Zulu, vor Augen. Zum Abschluss ihres Vortrags äußerte sie den Wunsch, wieder einmal dorthin reisen zu können.

© Schwäbische Zeitung - 07.12.2015

Ge­plan­te Pro­jekt­grup­pen im "Hel­fer­kreis Asyl"

Deutschkurse: Um den Flüchtlingen eine gute und schnelle Integration zu ermöglichen, sollen mehrmals wöchentliche Deutschkurse angeboten werden.

Patenschaften: Mit einer Patenschaft soll den Flüchtlingen eine Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden. Die Aufgaben können zwischen Behördengängen, Deutschunterstützung oder nur einem gemeinsamen Zusammensein von ein bis zwei Stunden in der Woche variieren.

Jugendpatenschaften:
Die Jugendpatenschaften beziehen sich gezielt auf jugendliche Flüchtlinge.

Hausaufgabenbetreuung:
Das Angebot der Hausaufgabenbetreuung richtet sich an Schulkinder, die eine Lernhilfe und Unterstützung benötigen.

Kochen:
Beim Projekt Kochen kochen Ehrenamtliche und Flüchtlinge zusammen verschiedene Gerichte. Wie auch bei uns, nimmt das gemeinsame Essen in den Kulturen der Flüchtlinge einen hohen sozialen Stellenwert ein.

Kinderbetreuung:
Mit der Kinderbetreuung soll sowohl den Eltern wie auch den geflüchteten Kindern die Möglichkeit gegeben werden, Zeit für sich zu haben.

Sport: Die Projektgruppe organisiert und kümmert sich um den Kontakt zu Vereinen.

Nähkurs:
Mit dem Projekt soll eine Begegnungsstätte für Frauen verschiedener Nationen geschaffen werden, an dem sie an den verschiedenen Nähmaschinen nähen können und ein kultureller Austausch möglich gemacht werden soll.

Fahrradkurse: In den Kursen wird den Flüchtlingen das Fahrradfahren beigebracht, da sie sich so am besten durch den Ort bewegen können.

Fahrrad-Werkstatt: Das Fahrrad ist für Flüchtlinge ein wichtiges Fortbewegungsmittel. Damit dieses immer funktionsfähig ist, soll eine Fahrradwerkstatt ihnen die Möglichkeit geben, ihre Räder mit der Unterstützung der Ehrenamtlichen selbst zu reparieren.

Helferstammtisch:
Die Helfer erhalten die Möglichkeit sich auszutauschen.

Behördengänge:
Unterstützung bei verschiedenen Behördengängen.

Handwerkliches Arbeiten: In Zusammenarbeit mit Helfenden soll Handwerkliches bis hin zu Gesellschaftsspielen gefertigt werden.

Ortsführung:
Alle Neuankömmlinge sollen eine Führung durch den Ort erhalten.

Räume/Treffpunkte: Aufgabe der Projektgruppe ist primär die Organisation neuer Räume und Treffpunkte sowie die Koordinierung der Nutzung.

© Schwäbische Zeitung - 07.12.2015

Erolz­heim will Hel­fer­kreis Asyl grün­den
Da die Gemeinde im nächsten Jahr deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen wird, wollen viele Bürger sich einbringen


Von Johann Willburger 7. Dezember 2015

Erolzheim - Im Schülercafé der Realschule Erolzheim kamen Ende vergangener Woche mehrere interessierte Bürger zusammen, um sich über die Situation der Asylbewerber in ihrer Kommune zu informieren.

Eingeladen hatten Bürgermeister Jochen Ackermann, Pfarrer Matthias Ströhle und Pfarrer Walkler Caxile. Jürgen Kraft, Sachgebietsleiter beim Landratsamt Biberach, berichtete über die aktuelle Situation im Landkreis.

Bürgermeister Jochen Ackermann erläuterte anschließend die momentane Situation in Erolzheim. "Derzeit sind 17 Flüchtlinge in drei Wohnungen untergebracht", erklärte Ackermann, zwei weitere Unterkünfte stünden zur Verfügung für weitere Zuweisungen im kommenden Jahr. Diese werden aber nicht ausreichen, befürchtete er, deshalb sei die Gemeinde weiter auf der Suche nach Unterkünften.

Die Miete für die Wohnungen würde Erolzheim vom Kreis erstattet bekommen. "Wir werden sehr wahrscheinlich eine Kleiderkammer einrichten, die aber auch anderen Bedürftigen zur Verfügung stehen wird", schildert Ackermann. Auch Sachspenden wie Möbel und Gegenstände für den täglichen Gebrauch seien willkommen. Das Spektrum möglicher Hilfestellungen sei sehr groß, sagte Pfarrer Ströhle. Es reiche von ersten Kontakten und Gesprächen zum Kennenlernen über Begleitungen bei Behördengängen oder bei der Anmeldung von Kindern in Kindergärten und Schulen. Wer wolle, könne den Flüchtlingen helfen, Deutsch zu lernen oder die Kinder bei ihren Hausaufgaben betreuen. Wichtig sei dabei: Jeder Helfer könne entscheiden, wie und wie oft er sich einbringe. Jeder auch noch so kleine Beitrag sei wichtig und willkommen, betonte Ströhle.

Um die Hilfestellungen zu koordinieren, wurde am Informationsabend ein Formular verteilt, in dem interessierte Helfer ihre Kontaktdaten und auch erste Hinweise auf ihre Unterstützungsmöglichkeiten notieren konnten. Gleichzeitig wird ein "Helferkreis Asyl" ins Leben gerufen, der regelmäßig zusammenkommen wird und bei dem Helfer ihre Erfahrungen austauschen können. Der erste Termin hierfür ist der 13. Januar 2016 um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.


© Schwäbische Zeitung - 05.12.2015

Der Rasierapparat erwacht zum Leben, fragt sich, ob er auch funktioniert: Das testet Pfarrerin Andrea Luiking gleich bei Albert Kehrle, der hat so einen schönen Bart. Foto: Markus Sorge

Han­deln ge­gen die Weg­werf­men­ta­li­tät

Die Schöpfung zu bewahren, ist das Leitbild des Repair-Cafés der Versöhnungskirche Ummendorf - Viele Spenden für "gut be-Dach-t"

Ummendorf -
Einmal im Monat wird im Gemeindesaal der Versöhnungskirche Ummendorf repariert, was zu schade zum Wegwerfen ist. Ganz unterschiedliche Dinge werden da gebracht, von der Hose, die einen Flicken auf das durchgescheuerte Knie benötigt, bis zum Flachbildschirm, der kein Bild mehr zeigt. Mit kundigen Händen und nahezu Erfindergeist sind Tüftler und Bastler beim Repair-Café zugange.

Am Eingang des Gemeindesaals der Versöhnungskirche sitzt die elfjährige Emma Scheffold aus Ummendorf. Sie fragt nach, was kaputt ist, und trägt es sorgfältig in ein Formular. "Ich guck', was Sie zu reparieren haben", sagt sie und kümmert sich um die Statistik. Denn auf jedem Formular wird vermerkt, ob die Reparatur gelungen ist, und jedes Formular trägt eine Nummer.

Der Andrang ist groß, an allen Arbeitsplätzen wird fleißig gewerkelt. Markus Sorge und Albert Kehrle blicken hochkonzentriert auf einen Rasierapparat. Der Rasierkopf will nicht mehr. Gemeinsam bauen sie das zehn Jahre alte Gerät auseinander, reinigen es und begeben sich auf Fehlersuche. Die beiden sind Fachmänner, Sorge ist Klavierstimmer, Kehrle hatte früher das örtliche Elektrogeschäft in Ummendorf inne. Während der kurzen Wartezeit, bis er mit seiner Reparatur an der Reihe war, hat sich Sorge in der Versöhnungskirche nützlich gemacht und mal eben das Klavier gestimmt.

Gesellig geht es zu, denn neben der Reparatur gibt es auch Kaffee, Kuchen und viel Zeit für Gespräche. Pfarrerin Andrea Luiking ist begeistert, dass sich seit Beginn des Repair-Cafés im April bis jetzt das Interesse nicht verringert habe. "Uns kommt es viel länger vor, weil es von Anfang an so eingeschlagen hat", sagt die Pfarrerin.

In der Gemeinde gebe es viele Ehrenamtliche, die sich und ihre Talente einbringen, und ein gutes Team, das die Leute begeistert, damit sie mitmachen. So auch Michael Schmalz, der ständig neue Leute dazuholt und das Ganze organisiert. Dabei sei es auch keine Verpflichtung, jedes Mal zu helfen.

Jede gelungene Reparatur hilft Ressourcen schonen


Inzwischen summt es am Tisch von Kehrle und Sorge. Die Reparatur ist geglückt und Markus Sorge freut sich. Weil er es bisher nicht zum Repair-Café geschafft hatte, habe er sich ein neues Gerät angeschafft, aber das sei lange nicht so gut. "Da hätte ich Ressourcen geschont und meinen eigenen Geldbeutel, wenn ich es gleich hätte reparieren lassen", sagt er. Es ist dieser Umweltgedanke, der die Gemeinde umtreibt und der sich nicht nur auf die Fürbitten beim Gottesdienst beschränken soll. Er soll gelebt werden, denn das Leitbild der Versöhnungskirche sei, Schöpfung zu bewahren.

Die Leute sollen damit auch für bewusstes Einkaufen sensibilisiert werden, sagt Kehrle: "Ist ein Gerät reparabel oder ist es ein Plunder?" Wer zum Repair-Café kommt, erhält Hilfe zur Selbsthilfe, es wird gemeinsam repariert, gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Das sei dann auch ein Erfolgserlebnis für die Helfer. Soeben wurde an einem anderen Tisch ein Smartphone repariert, "das bringt die beiden auch weiter. Man lernt, auch wenn etwas nicht geht", sagt Michael Schmalz

Die "Kunden" seien größtenteils Biberacher, aber auch aus Laupheim oder Bad Schussenried kommen Menschen ins Repair-Café nach Ummendorf, die etwas zu reparieren haben und die Begegnung mit anderen suchen. Es sei ja so nett, hier zu sitzen und Kaffee und Kuchen zu genießen. Die Reparaturen seien kostenlos, ein freiwilliger Betrag sei aber sehr willkommen.

Manche sehen den Idealismus, der dahintersteckt, und unterstützen das auch großzügig, so Pfarrerin Luiking und so kämen jedes Mal ungefähr 300 Euro zusammen Das Geld ist für die Aktion "gut be-Dach-t": "Für den Eigenanteil fehlen noch 22 000 Euro", sagt die Pfarrerin, "dafür, dass wir fast mit nichts angefangen haben, haben wir in zweieinhalb Jahren viel erreicht."

Die nächsten Termine sind am 30. Januar, am 27. Februar und am 19. März.

Experten, die gerne an einem Samstag mithelfen möchten, wenden sich an die Leitung des Repair-Cafés unter Telefon 07351/31233

Auch beim Wohltätigkeitskonzert "Auf den Flügeln des Gesangs" am heutigen Samstag werden Spenden für die Aktion "gut be-Dach-t" gesammelt. Die Gemeinde muss 60 Prozent der auf rund 240 000 Euro geschätzten Sanierungskosten fürs Kirchendach aufbringen, also circa 144 000 Euro. Das Konzert mit dem Quartett Vierologiker sowie mit Sahra Baranja (Geige), Robert Stolz (Klarinette), Manuela Stolz (Oboe) und Matthias Wolf (Orgel) beginnt heute um 19 Uhr in der Versöhnungskirche.

© Schwäbische Zeitung - 05.12.2015

Kebbeh Njobbo (links) und Musa Njai befestigen die Sattelstütze. Fotos: Barbara Baur

Alte Fahr­rä­der be­kom­men neu­en Zweck

Herbert Pfeiffer repariert auf dem Dornahof mit Flüchtlingen Fahrräder


Altshausen -
Herbert Pfeiffer vom Helferkreis Asyl Altshausen repariert mit Flüchtlingen auf dem Dornahof alte Fahrräder. Die Idee hatte er vor knapp drei Monaten, als er gesehen hat, dass manche Flüchtlinge mit alten Fahrrädern herumgefahren sind, die nicht verkehrssicher waren. Für den gelernten Maschinenbaumeister und leidenschaftlichen Fahrradfahrer war klar, dass er dagegen etwas tun wollte.

Inzwischen hat sich ein fester Stamm von vier bis sechs Flüchtlingen gebildet, der regelmäßig kommt. Treffpunkt ist die Werkstatt von KFZ-Meister Karl-Heinz Jergens auf dem Dornahof. Wo er sich sonst um den Fuhrpark des Dornahofs kümmert, treffen sich jetzt immer dienstags und donnerstags junge Männer aus Syrien und Gambia mit ihm und Herbert Pfeiffer. Jergens und Pfeiffer zeigen den Flüchtlingen, was an den Fahrrädern kaputt ist und wie sie es reparieren können. "Wir machen hauptsächlich gebrauchte Räder fahrtüchtig, reparieren aber auch Fahrräder, die bereits in Gebrauch sind", sagt Pfeiffer. Hauptsächlich arbeiten die Flüchtlinge selbstständig, doch bei technisch anspruchsvolleren Reparaturen, wie zum Beispiel bei den Schaltungen, helfen die Jergens und Pfeiffer mit.

Männer werden beschäftigt

Für die Flüchtlinge sei die Arbeit in der Werkstatt eine Abwechslung zum Alltag und eine Art Beschäftigungstherapie. Andererseits sind sie dank der Fahrräder mobiler. Mohamed Mirey kommt regelmäßig in die Werkstatt. Er hat inzwischen ein eigenes Fahrrad, ein Mountainbike. Damit fährt der 26-Jährige, der im Haus am Weiher wohnt, zum Dornahof, um in der Werkstatt zu arbeiten und am Fußballtraining teilzunehmen. Ihm macht die Arbeit in der Werkstatt Spaß. "Es ist eine gute Arbeit", sagt er. Er kann zwar erst ein paar Brocken Deutsch, doch das hält ihn nicht davon ab, tatkräftig anzupacken. "Vieles funktioniert ohne Worte. Und die Flüchtlinge lernen nebenbei neue Wörter", sagt Herbert Pfeiffer.

Auch Jaamel Keshren kommt regelmäßig in die Werkstatt. Der 14-Jährige hat ein blaues Mountainbike bekommen, mit dem er jetzt in die Schule, zum Fußball oder zum Einkaufen fährt. "Er hat geholfen, es zu reparieren und schaut jetzt regelmäßig danach. Er hütet es wie einen Schatz", sagt Herbert Pfeiffer. Diesmal bessert Jaamel die Bremsen aus. Mohamed Mirey, Karl-Heinz Jergens und Herbert Pfeiffer helfen ihm dabei.

Testfahrt auf dem Hof

Kebbeh Njobbo freut sich, dass er jetzt auch ein Fahrrad hat, und zwar ein blaues Herrenrad. Er hat das Rücklicht, den Dynamo und die Stütze repariert. Der 18-jährige Gambier arbeitet im Haus am Weiher in der Wäscherei mit. Das Fahrrad ist eine Belohnung für seinen Einsatz. Und auch für Musa Njai ist der Tag gekommen, an dem er endlich schneller beim Fußballtrainig sein kann. Er hat bei einem roten Fahrrad den Hinterreifen geflickt, das Rücklicht repariert und es blitzeblank geputzt. "Jetzt ist es okay", stellt der 21-Jährige zufrieden fest und dreht eine Runde auf dem Hof vor der Werkstatt.

Bevor Herbert Pfeiffer die Flüchtlinge mit ihren Fahrrädern verabschiedet, schaut er noch einmal nach, ob Bremsen und Licht funktionieren. Anfangs gab der Helferkreis die Fahrräder kostenlos ab. Inzwischen hat er aber eine kleine Gebühr eingeführt. "Dann haben die Fahrräder gleich eine höhere Wertigkeit und die Besitzer passen besser drauf auf. Das Geld kommt der Fahrradwerkstatt zugute. Es soll in Ersatzteile investiert werden. "Vielleicht gibt es auch mal ein kleines Fest für die, die hier regelmäßig arbeiten", sagt Pfeiffer.

Die Fahrräder werden von Bürgern aus Altshausen und Umgebung gespendet, einen großen Teil steuert die Firma Prausmüller bei. "Die Spendenbereitschaft ist groß. Jeden Tag rufen Leute an, die gerne ein gebrauchtes Fahrrad abgegeben wollen. Mit einem Autohänger hole ich die dann ab", berichtet Pfeiffer.

Wer dem Helferkreis ein gebrauchtes Fahrrad zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei Herbert Pfeiffer melden. Er holt die Fahrräder ab. Telefon: 07584/18 82

© Schwäbische Zeitung - 04.12.2015

SZ-Foto:gem

Den Flücht­lin­gen eine Chan­ce ge­ben

SPD-Diskussionsabend zeigt gelungene Beispiele von Integration, aber auch Hürden auf

Biberach -
Integration ist ein Prozess, an dem sich Flüchtlinge und Einheimische beteiligen müssen. Diese Aussage wurde mehrfach betont bei der Diskussion des SPD-Kreisverbands zum Thema Flüchtlinge. Rund zweieinhalb Stunden diskutierten rund 80 Einheimische, Flüchtlinge, Ehrenamtliche sowie Vertreter von Schule und Wirtschaft viele Facetten. Grundtenor: Gemeinsam lässt sich Integration bewältigen, sofern man auch Ängste in der Bevölkerung ernst nimmt und sich von manchen bürokratischen Hürden nicht entmutigen lässt.

Kawsu Drammeh, der vor einigen Jahren aus Gambia nach Biberach kam, ist ein schönes Beispiel, wie es gelingen kann. Der junge Mann ist inzwischen Mechatroniker und sowohl im Deutschen als auch im Schwäbischen überaus eloquent. "Man muss den Flüchtlingen eine Chance geben, dann werden sie diese Chance auch nutzen", sagt er. Um Deutsch lernen zu können und einen Ausbildungsplatz zu erhalten, musste er allerdings kämpfen und hat sich auch von Absagen nicht entmutigen lassen. "In der Industrie fehlt oft der Wille, Flüchtlingen eine Chance zu geben. Aber es ist nicht so, dass derjenige, der noch nicht so gut Deutsch spricht, vom Fachlichen keine Ahnung hat", sagt er selbstbewusst. Flüchtlinge und Einheimische müssten sich aufeinander einlassen. "Wenn wir parallel zueinander leben, werden wir uns nie begegnen." Dies führe am Ende zu Gettos wie in Paris oder Brüssel. "Biberach ist so eine schöne Stadt, lasst uns so etwas hier nicht erleben", sagt Drammeh.
Schwieriger Berufseinstieg

Für Flüchtlinge sei es erst mal schwer, ihren Platz hier zu finden, schildert Sherzaj Gul, der vor einigen Jahren aus Afghanistan nach Biberach kam. Der Spracherwerb stehe an erster Stelle, sagt er. Nur dann sei es möglich, eine Ausbildung zu machen. "Die meisten wollen hier arbeiten, weil sie sich schämen, Sozialhilfe zu beziehen." Das dies nicht so einfach ist, zeigt das Beispiel von Maryam Esmailzadeh. Sie ist studierte Chemikerin und vor einigen Jahren aus dem Iran nach Biberach gekommen. Mit Putz- und Aushilfsjobs schlug sie sich durch, die Tür in den erlernten Beruf blieb ihr aber bis heute verschlossen - obwohl ihr Studium in Deutschland anerkannt ist. Auch die deutsche Sprache beherrscht sie. "Ich kann es nicht verstehen, dass sie in ihrem Beruf keine Stelle findet. Ich kenne hier ausländische Akademiker in der Forschung, die sprechen kaum Deutsch und haben eine Stelle", wunderte sich eine Besucherin.

"Eine gigantische Chance"


SPD-Kreisrat Thomas Fettback ist sich sicher, dass der Landkreis solche Fachkräfte braucht. Dies sei durch eine aktuelle Untersuchung belegt. "Dass die Flüchtlinge kommen, ist für uns eine gigantische Chance", findet er. Herbert Kasperek, Betriebsratsvorsitzender des Liebherr-Werks Biberach, sieht das nicht ganz so euphorisch. Er bezweifle, dass der Fachkräftemangel in der Industrie wirklich da sei, "möglicherweise eher beim Handwerk". In seinem Unternehmen gebe es momentan keinen Bedarf. So gern er es wollte, könne er auch keine Praktikumsplätze für Flüchtlinge schaffen. Etwas anders sieht es Thomas Wolter-Roessler von den Wirtschaftsjunioren Biberach: "Gerade viele jüngere Unternehmer in kleineren Firmen wären bereit, Flüchtlingen eine Chance zu geben, wenn nicht so viele rechtliche Hürden im Weg stünden", ist er überzeugt.

Nicht genügend Berufsschulplätze


An den Schulen sei die Integration der Flüchtlingskinder zwar eine Riesenaufgabe, sagte Karl Schley, der Sprecher der Biberacher Schulen. "Schüler und Lehrer kommen dabei manchmal in Grenzbereiche, aber wir sehen das nicht als die viel zitierte Flüchtlingskrise. Diese Jugendlichen bereichern uns, es ist schön mit ihnen zu arbeiten." Mit Schul- und Landratsamt arbeite man gut zusammen, um alle Kinder an den Schulen unterzubringen. Problematisch sehe er die Situation einer großen Zahl älterer Jugendlicher und junger Erwachsener, die eigentlich an eine berufliche Schule müssten, wo es aber nicht genügend Plätze gebe.

Man müsse die Integration der Flüchtlinge realistisch angehen, sagte Pfarrer Matthias Ströhle vom Ökumenischen Arbeitskreis Asyl. "Wir dürfen Probleme und Ängste nicht beschönigen, wir dürfen die Flüchtlinge aber nicht kollektiv in eine Art Sippenhaft nehmen, sondern müssen immer auf den Einzelnen schauen." Die Bevölkerung solle von den Flüchtlingen nicht mehr verlangen als von den Deutschen, sagt Dagmar Rüdenburg vom Interkulturellen Forum für Flüchtlingsarbeit (IFF). Generell müsse die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland professioneller werden, sagt Fettback: "Ich bin enttäuscht, wie wenig professionell wir darauf vorbereitet waren."

"Wir sollten das nicht den Politikern überlassen", appelliert Kawsu Drammeh an die Biberacher: "Es ist schaffbar, wenn beide Seiten anpacken und aufeinander zugehen."

© Schwäbische Zeitung - 04.12.2015

Rudolf Allgaier (von links), Margarete Streib, Hans Ruckh, Albrecht Weil (Vorstand), Martina Hempel und Volker Braun (kaufmännischer Geschäftsführer) bei der Ehrung am Dornahof. Foto: Privat

Dor­nahof ehrt sei­ne Mit­ar­bei­ter für 90 Jah­re Dienst

Beim adventlichen Mitarbeiterkaffee gibt es von Vorstand Albrecht Weil ein Dankeschön

Altshausen -
Der Dornahof hat Mitarbeiter für ihre langjährige Betriebszugehörigkeit geehrt. Im Rahmen des adventlichen Mitarbeiterkaffees dankte Vorstand Albrecht Weil den Jubilaren Rudolf Allgaier, Martina Hempel, Hans Ruckh und Margarete Streib für insgesamt 90 Jahre Engagement für den Dornahof und die Diakonie.

30 Jahre lang war Hans Ruckh als Sozialarbeiter am Dornahof beschäftigt. Zunächst baute er die Sozialberatung am Hauptstandort in Altshausen mit auf und wechselte dann im Jahr 1991 an den Württemberger Hof in Ravensburg. Dort bildete er, gemeinsam mit Abteilungsleiter Meinhard Amann, das sozialarbeiterische Rückgrat der Fachberatungsstelle. Zusätzlich hob Vorstand Albrecht Weil seinen langjährigen Einsatz für die Belange aller Mitarbeitenden als Mitglied der Mitarbeitervertretung hervor und bedauerte es sehr, ihn in den Ruhestand verabschieden zu müssen: "Ich wünsche Ihnen bereits in der Freizeitphase und vor allem im anschließenden Ruhestand viel Gesundheit und dass Sie all die Dinge die jetzt kommen und die Sie sich vorgenommen haben weiterhin in Ruhe bewältigen können", sagte Weil.

Das Kronenkreuz mit Ehrung von Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, dem Vorstandsvorsitzenden des Diakonischen Werks Württemberg, für 25 Jahre Dienst konnte Albrecht Weil an Rudolf Allgaier und Martina Hempel überreichen. Oberkirchenrat Kaufmann schreibt dazu: "Zur Ehre Gottes haben Sie sich in den Dienst am Menschen nehmen lassen, die Diakonie dankt für allen Einsatz in der Diakonie der Kirche mit dem Kronenkreuz in Gold." Rudolf Allgaier engagiert sich als Sozialarbeiter fast von Beginn seiner Tätigkeit an für die stationär am Dornahof wohnenden Bewohner. Seit 15 Jahren gestaltet Rudolf Allgaier außerdem als Abteilungsleiter die Weiterentwicklung des stationären Bereichs am Dornahof.

Eine feste Größe in der Verwaltung des Dornahofs ist Martina Hempel. Von Anfang an war sie im Personalbüro für sämtliche Personalangelegenheiten zuständig - von der Gehaltsabrechnung über die Pflege der Personalakten bis hin zur Abrechnung von Dienstreisen und vielem mehr. "Neben vielen weiteren Aufgaben, haben Sie dafür gesorgt, dass wir alle in den letzten 25 Jahren immer pünktlich und zuverlässig das richtige Gehalt bezogen haben", sagte Albrecht Weil.

Auf insgesamt zehn Jahre am Dornahof kann Margarete Streib zurückblicken. Als gelernte Krankenschwester begleitet und unterstützt sie von Beginn an ältere Bewohner im Altenheim am Dornahof.

Zusammenfassend stellte Vorstand Albrecht Weil fest: "Die Jubilare haben mit ihrem engagierten Einsatz und ihrer Persönlichkeit viel zur Weiterentwicklung des Dornahofs beigetragen. Die Erfahrungen, die Sie in den Jahren sammeln konnten, sind für uns von großem Wert."

© Schwäbische Zeitung - 04.12.2015

Wie sich An­woh­ner eh­ren­amt­lich en­ga­gie­ren kön­nen

Ehrenamtliche gründen eine Initiative, die die Flüchtlinge in der Waldseer Straße unterstützt

Biberach - Rund 40 Flüchtlinge sind am Mittwoch neu in die Gemeinschaftsunterkunft in der Waldseer Straße eingezogen, jede Woche kommen derzeit 100 Menschen neu im Landkreis Biberach an. Um diese Menschen ins Gemeinwesen zu integrieren, braucht es viele ehrenamtliche Helfer. Deshalb haben Jürgen Kraft, Sachgebietsleiter Flüchtlinge im Landratsamt, und Marion Martin vom Migrationsdienst der Caritas Biberach-Saulgau am Mittwochabend 40 Anwohner und Interessierte informiert, wie sie sich speziell für die Menschen, die in der Gemeinschaftsunterkunft Waldseer Straße wohnen, engagieren können.

Kraft berichtet zu Beginn von der Situation im Landkreis, erklärt, aus welchen Gründen Menschen flüchten und nach welchem Schlüssel die Flüchtlinge in Deutschland verteilt werden. Er geht auch darauf ein, wann ein Flüchtling arbeiten darf, wie viel Geld er zur Verfügung hat und wann eine Aufenthaltserlaubnis ausgestellt wird.

Hinsichtlich des ehrenamtlichen Engagements in der Waldseer Straße wünscht er sich, "dass die Flüchtlinge vom ersten Tag an mit in den Verein genommen werden, am besten von den Nachbarn". Die Bewohner dort, hauptsächlich Familien mit Kindern aus Syrien, bräuchten nicht - wie von vielen Leuten angenommen - generell Kleider. "Am besten ist es, man fragt bei den Ehrenamtlichen nach, was benötigt wird und gibt Dinge differenziert weiter", sagt Kraft.

Marion Martin vom Migrationsdienst der Caritas Biberach-Saulgau hat schon vor dem Treffen rund 15 Helfer von einer Initiative für die Gemeinschaftsunterkunft Waldseer Straße überzeugt, weitere können sich gern anschließen. Die Gründung soll in knapp zwei Wochen stattfinden. In Arbeitsgruppen organisiert soll sich die Gruppe dann selbst verwalten, sie steht allerdings unter dem Deckmantel der ökumenischen Flüchtlingsarbeit im Landkreis Biberach. "Die Ehrenamtlichen sind dann auch versichert", so Martin. Einbringen können sich Interessierte unter anderem in den Arbeitsgruppen Kinder- und Hausaufgabenbetreuung, Kunst und Musik, Sprachtraining oder beim Patenschaftsprogramm. Wichtig ist Martin, dass den Besuchern der Infoveranstaltung klar wird, dass nicht immer viel Zeit investiert werden muss. "Einige Stunden im Monat, das hilft auch schon", sagt sie. Ebenso gibt es die Möglichkeit, nur einmalig aktiv zu werden.

"Wir sind zu alt, um uns zu engagieren", sagen zwei Anwohnerinnen, beide über 70 Jahre alt. "Wer weiß was morgen mit uns ist? Eine regelmäßige Hilfe können wir nicht leisten." Ab und an einen Gutschein verschenken, dazu wären sie aber bereit. "Ich wohne nicht in der Waldseer Straße, aber ich wollte mir das mal anschauen", sagt die 23-jährige Jennifer Moser. Sie hat sich noch nicht entschieden, ob sie sich einbringen möchte - kann es sich aber durchaus vorstellen.

Die ehrenamtliche Initiative zur Gemeinschaftsunterkunft in der Waldseer Straße gründet sich am Mittwoch, 16. Dezember, um 19 Uhr im Adolf-Kolping-Saal des Alfons-Auer-Hauses.

© Schwäbische Zeitung - 02.12.2015

Not­fall­seel­sor­ge be­kommt Zu­schuss vom Kreis

Biberach - Die Notfallseelsorge im Landkreis Biberach hat einen Antrag auf Mitfinanzierung einer Leitungsstelle gestellt. Der Zuschuss ist befristet auf fünf Jahre, jährlich soll sich der Landkreis mit maximal 10000 Euro beteiligen. Um die Arbeit der 46 ehrenamtlichen Notfallseelsorgern zu fördern und zu begleiten, ist eine 50-Prozent-Leitungsstelle notwendig, die von einer sozialpädagogischen Fachkraft besetzt ist. Diesem Antrag stimmten die Kreisräte einstimmig zu und empfehlen diese Entscheidung auch dem Kreistag. Für Thomas Fettback (SPD) ist das Thema eine klare Sache: "Das Ehrenamt braucht mehr Akzeptanz in der Gesellschaft und auch in der Wirtschaft. Da gibt es eine gewisse Verantwortung, die übernommen werden muss."
Im Jahr 2014 hatte die Notfallseelsorge insgesamt 90 Einsätze. Die häufigsten Einsätze der Mitarbeiter: Betreuung nach einem Verkehrsunfall, einem plötzlichen Tod oder einem Suizidversuch sowie die Überbringung einer Todesnachricht. Mit ihren 46 Seelsorgern hat sich die Notfallseelsorge zu einer festen Einrichtung im Landkreis entwickelt. Träger sind die evangelische und die katholische Kirche.

© Schwäbische Zeitung - 02.12.2015

Trau­er­fall Jo­hann Späh: 3100 Euro für die Flücht­lings­ar­beit

Biberach - Die ökumenische Flüchtlingsarbeit im Landkreis Biberach und das Interkulturelle Forum für Flüchtlingsarbeit Biberach erhalten jeweils eine Spende in Höhe von 1550 Euro. Das Geld stammt aus Spenden der Trauergäste anlässlich des Todes des Grünen-Stadt- und Kreisrats Johann Späh, der im September verstorben ist. "Das Flüchtlingsthema hat ihn auch noch kurz vor seinem Tod sehr beschäftigt und berührt, deshalb ist die finanzielle Unterstützung dieser Arbeit ganz in seinem Sinne", sagt seine Witwe, Martina Späh. Sie sei überwältigt gewesen von der Spendenbereitschaft der Trauernden und werde das Geld in den kommenden Tagen an die beiden Organisationen überweisen, kündigt sie an.

© Schwäbische Zeitung - 02.12.2015

Foto: privat/Nadja Gnann

Biberach - Die Feierabendkonzerte der Bruno-Frey-Musikschule in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Kantorat in der Vorweihnachtszeit haben wieder begonnen. Sie finden jeweils freitags von 18 bis 18.30 Uhr in der evangelischen Spitalkirche statt. Am Freitag, 4. Dezember, spielt Nadja Gnann (Violoncello) das "Capricci" von G. M. Dall'Abaco. Die musikalischen Beiträge werden durch Texte, die Pfarrer Ulrich Heinzelmann jeweils passend auswählt und vorliest, bereichert. Der Eintritt ist frei. Foto: privat/Nadja Gnann

© Schwäbische Zeitung - 02.12.2015

Neue Pfar­re­rin für Bon­hoef­fer­ge­mein­de

Biberach - Birgit Bohl heißt die neue Pfarrerin für die evangelische Bonhoeffergemeinde in Biberach. Sie tritt ihre Stelle zum 1. April 2016 an. Das teilte die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Angelika Schuck, den Gemeindegliedern im Gottesdienst am ersten Advent mit.

Birgit Bohl lebt und wirkt derzeit in Frankfurt am Main. Sie sei gerne Pfarrerin in der Großstadt, betont Bohl, der Abschied werde sicher nicht leicht. Sie habe allerdings Oberschwaben lieb gewonnen und sich daher für einen Wechsel nach Biberach entschieden.

Derzeit wird die Bonhoefferkirche zum Bonhoefferhaus umgebaut (SZ berichtete), auch das Pfarrhaus wird in den nächsten Monaten renoviert. Die Gemeindearbeit wird Pfarrerin Bohl zusammen mit den Menschen mit Behinderung gestalten, diese Herausforderung reizt die künftige Pfarrerin besonders.

© Schwäbische Zeitung - 01.12.2015

Arthur Böhler, Betriebsleiter und leitender Küchenchef in Riedlingen, erläutert den Besuchern aus der Politik die Abläufe der Riedlinger Großküche. FOTO: JUNGWIRTH

Ar­beit als ge­leb­te In­te­gra­ti­on

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Claus Schmiedel besucht die Großküche des Dornahofs

Riedlingen - Am Montag hat der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag, Claus Schmiedel, die Großküche des Dornahofs in Riedlingen besucht. Die Küche beschäftigt als Integrationsbetrieb etliche Mitarbeiter mit Behinderungen. Beim Besuch warben die Verantwortlichen dafür, dass die Finanzierung für "inklusive Arbeitsplätze" nicht nur über die Ausgleichsabgabe erfolgt, sondern auch steuerfinanziert wird. Und sie wünschen sich, dass sich Vergaben auch an sozialen Komponenten orientieren.

Als Schmiedel gegen 10.30 Uhr in Riedlingen eintrifft, ist es schon wieder ruhig in der Großküche. Das Mittagessen ist bereits gekocht und unterwegs zu Schulen und Betriebskantinen in der Region. Die letzten Arbeiten sind noch zu erledigen, ehe die Vorbereitungen für den nächsten Tag beginnen. Arthur Böhler, Betriebsleiter und leitender Küchenchef in Riedlingen, führt Schmiedel, den SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Gerster, Bürgermeister Marcus Schafft, den SPD-Landtagskandidaten Stefan Gretzinger und den SPD-Gemeinderat Josef Martin durch den Betrieb, erläutert Abläufe der konkreten Arbeit.

Nach der praktischen Besichtigung folgte das Hintergrundgespräch mit dem Vorstand des Dornahofs, Albrecht Weil, und Geschäftsführer Volker Braun. Weil und Braun erläuterten, dass mit den Dornahof-Integrationsbetrieben versucht werde, Menschen mit Behinderungen in Lohn und Brot zu bekommen, die sonst wenig Chancen auf einen Job hätten: Integration durch Arbeit, so das Ziel. Dafür erhielten sie auch Lob. "Ein Vorzeigeprojekt", so Schafft, es bringe "Teilhabe am gesellschaftlichen Leben", so Gerster.

Dabei muss sich der Betrieb auf dem Markt gegen Konkurrenz behaupten. 90 bis 95 Prozent der Erlöse werden über Marktpreise erzielt, fünf bis zehn Prozent über Zuschüsse. "Diese Zuschüsse brauchen wir, um am Markt bestehen zu können", betonte Braun. Denn die Integrationsbetriebe haben einen etwas höheren Personalschlüssel als die Mitbewerber.
Derzeit fließt die Unterstützung vor allem aus der Schwerbehinderten-Abgabe, die Betriebe zahlen müssen. Doch die Abgaben-Gesamtsumme ist seit Jahren gleich, die Zahl der Integrationsbetriebe aber gestiegen. Daher erhofft sich Braun, dass neue Finanzierungsmodelle für inklusive Arbeitsplätze überlegt werden. Gerster erwiderte, dass der Bundestag für die nächsten drei Jahre zusätzliche 50 Millionen Euro für Integrationsbetriebe in Deutschland bewilligt habe.

Ein Wunsch der Integrationsbetriebe ist auch, dass die Beschäftigungsmöglichkeiten für schwerbehinderte Menschen durch neue Modelle ausgebaut werden. Das stieß bei Schmiedel auf Zustimmung. Er erinnerte an ein Modellprojekt im Ländle, das sehr erfolgreich gewesen sei: Statt Hartz IV-Empfängern die Leistungen für Miete oder den Lebensunterhalt zu bezahlen, wurde das Geld genommen und als Zuschuss an Arbeitgeber gegeben, die einen Langzeitarbeitslosen einstellen. "Das ist ein belastbares Modell", so Schmiedel und nicht wettbewerbsverzerrend. Aber die CDU im Bund sei dafür noch nicht zu gewinnen.
Soziales als Kriterium

Als drittes Thema sprach Braun die Vergaben öffentlicher Aufträge an. Diese orientieren sich in erster Linie am Preis und nicht an sozialen Kriterien, so Braun. Schmiedel erinnerte daran, dass dies in der Hand der jeweiligen Kommune liege. Das Vergaberecht gibt die Möglichkeit, dass soziale Gesichtspunkte in der Ausschreibung als ein Kriterium formuliert werden könne: "Aber es machen zu wenig davon Gebrauch."

© Schwäbische Zeitung - 01.12.2015

Haupt- und Eh­ren­amt­li­che be­fas­sen sich mit Ster­be­be­glei­tung

Studientag von Altenpflegeheimseelsorge und Erwachsenenbildung Oberschwaben in Biberach

Biberach -
"Ich will sterben!" Immer wieder werden Mitarbeiter in der Seelsorge sowie in der Pflege mit diesem Wunsch konfrontiert. Wie reagieren? Eine Antwort darauf suchten 60 Haupt- und Ehrenamtliche. Sie hatten sich dazu zum Studientag des Erwachsenenbildungswerks Oberschwaben und des Arbeitskreises Altenpflegeheimseelsorge der evangelischen Kirchenbezirke Biberach und Ravensburg im Martin-Luther-Gemeindehaus getroffen.

"Sterbebegleitung bedeutet, den inneren Weg zu finden - ohne Gewalt, das heißt: nicht mit einer Spritze", sagte Prälat i. R. Martin Klumpp aus Stuttgart. Er beschreibt das Sterben als einen Prozess und die Begleitung bedeute "dorthin zu gehen, wo der Andere ist, auch in die Verzweiflung". Der Wille zum Sterben sei nicht nur Kopfsache, sondern habe auch mit Gefühlen, dem Körper und dem Geist zu tun, die es miteinander in Einklang zu bringen gelte. Zum Sterbeprozess gehöre das Herholen des Erlebten, denn, so Klumpp, "wenn ein Mensch sein Leben hergeben muss, dann muss er es vorher noch einmal in die Hände nehmen".

"Altersbilder spiegeln die Wirklichkeit und sie beeinflussen sie". So lautete der Titel des zweiten Vortrags von Dr. Marion Bär vom Kompetenzzentrum Alter am Institut für Gerontologie Heidelberg. Sie stellte die Bilder vom Lebensgefühl alter Menschen und deren Wirkung vor. Im Gegensatz zum defizitären Bild vom alten Menschen laute das gesellschaftliche Leitbild heute: "aktives Alter, möglichst bis zum Schluss". Am Ende ihrer Ausführungen gab sie ihren Zuhörern aus der Pflege und Seelsorge die Frage mit: "Sprechen wir mit den Menschen oder nur über sie?"

Im Anschluss diskutierten und informierten sich die Teilnehmer in Workshops über Sterbehilfe, Schmerztherapie, Palliativmedizin und Altersbilder.

Eine zweite Auflage des Studientags "Leben(s)satt" wird es am 28. April 2016 in Ravensburg geben.

© Schwäbische Zeitung - 01.12.2015

Kantor Ralf Klotz (rechts) dirigierte die Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium in der Biberacher Stadtpfarrkirche. SZ-FOTO: GÜNTER VOGEL

Bachs Ora­to­ri­um klingt hin­rei­ßend schön

Evangelische Kantorei und die Capella Novanta haben in der Stadtpfarrkirche musiziert

Biberach -
Die Evangelische Kantorei hat unter der Leitung von Ralf Klotz mit der Capella Novanta Bachs "Weihnachtsoratorium" in der Stadtpfarrkirche St. Martin aufgeführt. Diesen musikalischen Hochgenuss am Nachmittag des ersten Advents ließen sich viele Musikliebhaber nicht entgehen.

Ralf Klotz hatte das im Original drei Stunden lange Werk klug aufgeteilt. Auszüge aus den Teilen eins bis drei wurden zusammen mit einem szenischen Spiel der Jugendkunstschule bereits am Samstag aufgeführt. Am Sonntag folgten die Kantaten eins, fünf und sechs.

Insgesamt besteht Bachs berühmteste und feierlichste Komposition "Oratorium Tempore Nativitatis Christi", so der Originaltitel von 1734, aus sechs Kantaten, die durch das Band der biblischen Weihnachtsgeschichte nach dem Lukas-Evangelium zusammengehalten werden. Auch Bach hat diese Kantaten seinerzeit nicht alle an einem Tag aufgeführt, sondern sogar auf die Gottesdienste zwischen dem ersten Weihnachtstag und dem Dreikönigsfest verteilt.
Der hochfestliche Chor "Jauchzet, frohlocket" ist voller Vorfreude auf das Kommen des Erlösers. Diese Eröffnungsmusik entstammt Bachs Glückwunschkantate für die sächsische Kurfürstin Maria Josepha. Die königlichen Instrumente, Pauken und Trompeten, stehen im Weihnachtsoratorium als Symbol für die Macht des Gottessohns, der auf die Erde gekommen ist, um die Menschheit zu erlösen und sie mit dem himmlischen Vater zu versöhnen.

Wahl der schönsten Kompositionen

Mit dem sich an den Eingangschor anschließenden Rezitativ "Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet würde", beginnt die populäre biblische Erzählung der Weihnachtsgeschichte. Johann Sebastian Bach griff beim Zusammenstellen des Weihnachtsoratoriums auf die schönsten und qualitätsvollsten seiner schon vorhandenen Kompositionen zurück, die nach Meinung des Komponisten viel zu schade für einen nur einmaligen Anlass waren. Wie wahr!

Als tatsächliche Neukompositionen verbleiben im Wesentlichen die Rezitative mit dem biblischen Erzähltext, die Choräle und ein Instrumentalstück. Durch die Auswahl sowie die bis ins kleinste Detail akribisch ausgeführte Einpassung des Vorhandenen schafft Bach eine authentische, geniale Schöpfung des Großwerks "Weihnachtsoratorium".

Die Kantaten fünf und sechs behandeln die Ankunft der drei Weisen aus dem Morgenland, ihre Suche nach dem Neugeborenen, dem Finden und Anbeten des Jesuskinds, aber auch die Heimtücke des Königs Herodes. Die sechste Kantate nimmt die große festliche Besetzung der Eingangskantate auf. So bilden Wiederaufnahme der gleichen Melodie sowie der Orchesterbesetzung eine große Klammer um das weihnachtliche Gesamtwerk und fassen es zu einem tatsächlichen Oratorium zusammen
Klotz hatte ein schön klingendes Solistenquartett aufgeboten. Gertrud Hiemer-Haslach (Sopran), Christine Otey (Alt), Alexander Efanov (Tenor) und Simon Tischler (Bass) interpretierten mit präzise geführten und weit schwingenden Oratorienstimmen die Rezitative und Arien. Die Chorsätze sangen die Mitglieder der Evangelischen Kantorei sehr dynamisch und mit präziser Registerabstufung. Die Capella Novanta brachte die barocke Klangvielfalt von musikdramatischer Verdichtung und musikalisch individueller Überhöhung in fein abgestufter Balance zu Gehör.

In der Begleitung der Sänger unterstrichen einige der Musiker ihr solistisches Können - so etwa der Trompeter Michael Bischof, die Oboisten Anselm Wohlfahrt und Carolina Nees und der Konzertmeister Günther Luderer mit seiner Violine.

Dirigent Ralf Klotz brachte die dramatische Ästhetik des großen Werks mit allen Beteiligten zu eindrucksvoller Klangentfaltung - eine großartige Einstimmung auf die Advents- und Weihnachtszeit.

© Schwäbische Zeitung - 01.12.2015

Dekan Hellger Koepff spricht von einer „Mammutaufgabe“, vor der die

Bi­berach sen­det ein Si­gnal nach Pa­ris

Fürbittgebet und Glockenläuten soll an die Verantwortlichen des UN-Klimagipfels appellieren

Biberach - Sie hoffen, dass die 21. UN-Klimakonferenz in Paris Ergebnisse bringt, die verbindlich sind: Knapp 20 Menschen sind am Montagmorgen der Einladung von Dekan Hellger Koepff gefolgt und haben in der evangelischen Spitalkirche am Fürbittgebet für die Konferenz teilgenommen. 15 Minuten haben die Glocken der Biberacher Kirchen geläutet, um zum Gebet zu laden und "um ein Zeichen zu setzen", sagt Koepff.

Viele Menschen, so der Pfarrer, würden den Klimawandel immer noch leugnen - und das in einer Zeit, in der die Gletscher schmelzen und die Landwirte die Konsequenzen des sich ändernden Klimas direkt zu spüren bekommen. Es gebe weltweit mehr Menschen, die wegen klimatischer Veränderungen flüchten als vor Krieg. Der Westen, so Koepff, habe durch die hohen Emissionen an Treibhausgasen eine große Schuld daran. Deshalb, so glaubt er, sei es essenziell, dass die Menschen Verantwortung übernehmen.
Zwischen Gebet und Gesang zitiert Koepff auch aus der gemeinsamen Erklärung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. In der Erklärung zur Konferenz hoffen die Kirchenvertreter, dass "effektive Maßnahmen gegen die Erderwärmung getroffen werden" und fordern die Verantwortlichen auf, "eine völkerrechtlich bindende Begrenzung der Erderwärmung zu verankern und den Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien voranzutreiben".

Das ist auch ein Anliegen der Kirchenbesucher. "Zurzeit spüre ich eine große Ohnmacht", sagt Marie-Luise Krey aus Biberach. "Mehr denn je vertraue ich nun aufs Gebet." Deshalb will sie in diesen Tagen "mit den Gedanken bei denen sein, die bei der Pariser Konferenz die Entscheidungen treffen". Dennoch habe sie keine allzu großen Hoffnungen. "Es gab schon so viele Konferenzen", sagt sie. Die Ergebnisse jedoch würden ihrer Meinung nach nicht immer konsequent umgesetzt werden. Auch Klaus Dollak erhofft sich eine konsequente Umsetzung der Beschlüsse. "Die Menschheit sollte mit Gesetzen gezwungen werden, die Treibhausgase zu verringern", sagt er. Dazu gehöre auch, dass manche Produkte unter Umständen teurer werden.

Pfarrer Koepff fordert am Ende des Gebets auf, die Verhandlungen in Paris mit Hoffnung zu begleiten. "Und", so Koepff, "lasset uns beten, dass die Tage friedlich verlaufen."