© Schwäbische Zeitung - 31.01.2015

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, Kirchtagspräsident Andreas Barner und die Generalsekretärin des Kirchentags, Ellen Ueberschär

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, Kirchtagspräsident Andreas Barner und die Generalsekretärin des Kirchentags, Ellen Ueberschär, präsentieren das Plakat des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2015. Der Evangelische Kirchentag findet vom 3. Juni bis 7. Juni in Stuttgart statt. Dieses Wochenende bereitet man sich in Biberach schon darauf vor. Foto: DPA/Kraufmann

Bi­berach macht sich schlau für Stutt­gart
Am Kirchentagssonntag geht es bereits um das Motto "damit wir klug werden"
 
Biberach - Der bundesweite Kirchentagssonntag ist für Sonntag, 1. Februar, geplant. Dann stimmen sich Kirchengemeinden auf den 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart (3. bis 7. Juni) ein. Darunter auch Biberach. Der Kirchentagssonntag soll Lust auf den Kirchentag machen. In Biberach ist bereits auf dem Wochenmarkt am Samstag viel über den Kirchentag zu hören.

"Ich wünsche mir, dass mit dem Kirchentagssonntag die Vorfreude und Neugierde auf die besondere Atmosphäre des Kirchentags in die Gemeinden einziehen", sagt Landesbischof Frank Otfried July in einer Mitteilung an die Medien. Es zeuge von Klugheit, schon jetzt über die Kirchentagslosung "damit wir klug werden" aus Psalm 90 nachzudenken. "Außerdem bitte ich die Gemeinden um ihre Fürbitte für dieses Großereignis, für Gelingen und Bewahrung", sagt July.

Wie Schule klug macht

In Biberach wird Pfarrer Edzard Albers ab 10.30 Uhr in der Bonhoefferkirche in Biberach an der Riß einen Gottesdienst zum Kirchentag gestalten. Das Motto "damit wir klug werden" steht auch hier im Mittelpunkt. Mit dabei ist Sabine Imlau, Schulleiterin des Pestalozzi-Gymnasiums Biberach, die zusammen mit einem Schüler im Rahmen der Predigt Impulse zum Kirchentag gibt. Dabei wird es um die Frage gehen, welche Voraussetzungen für das "Klugwerden" geschaffen werden müssen und welche Rolle die Schulen einnehmen können. Pfarrer Albers beleuchtet die Thematik von theologischer Seite.

In der Stadtpfarrkirche wird die Kantorei der Stadtpfarrkirche im Gottesdienst um 9.30 Uhr viele neue Kirchentagslieder vorstellen und mit der Gemeinde singen.

In Ummendorf wird Dekan Hellger Koepff die Gemeinde ab 10.30 Uhr auf das Kirchentagsmotto einstimmen. In der Friedenskirche wird Pfarrerin Schmogro um 9.30 Uhr in ihrer Predigt überlegen, was es heißt, das Leben in kluger Weise zu gestalten.

Bereits am Samstag, 31. Januar, können die Marktbesucher auf dem Wochenmarkt viel über den Kirchentag erfahren. Der Stand wird direkt vor dem Biberacher Rathaus aufgebaut.

Ab 9 Uhr sind neue und bekannte Kirchentagslieder vom Biberacher Posaunenchor zu hören. Oberbürgermeister Norbert Zeidler und später auch Dekan Hellger Koepff werden Interviews aus Anlass des Kirchentages geben. Am Stand warten einige spannende Mitmachaktionen für Interessierte.

Der 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart dauert vom 3. bis 7. Juni. Der Evangelische Kirchenbezirk Biberach bietet eine Gruppenreise zum Kirchentag an. Die Veranstalter rechnen mit über 200 Mitreisenden aus der Region.

© Schwäbische Zeitung - 31.01.2015

Rund um die Uhr 1 Uhr ist es derzeit auf der Wainer Kirchturmuhr.

Rund um die Uhr 1 Uhr ist es derzeit auf der Wainer Kirchturmuhr. Die Zeiger stehen still, die Steuerung muss erneuert werden. Foto: roland ray

In­ter­view: Bald dre­hen sich die Zei­ger wie­der
Pfarrer Ernst Eyrich über die künftige Steuerung der Wainer Kirchturmuhr und der Glocken

Wain (ry) - Seit Ende Dezember steht die Wainer Kirchturmuhr, das Glockengeläut muss von Hand gesteuert werden. Roland Ray hat Pfarrer Ernst Eyrich gefragt, woran das liegt und bis wann der Schaden behoben ist.

SZ: Herr Eyrich, die Turmuhr der Michaelskirche streikt. Was ist passiert?

Eyrich: Die in der Sakristei eingebaute elektrische Zentraluhr hat in einer kalten Nacht nach Weihnachten den Dienst quittiert. Sie stammt aus den 1970er-Jahren, eine Reparatur ist nicht mehr möglich.

Werden Sie im Ort darauf angesprochen?


Dass die Zeiger der Kirchturmuhr sich nicht mehr drehen und damit etwas Verlässliches fehlt, wurde sofort bemerkt. Es haben ganz viele Wainer bei mir nachgefragt. Das freut einen als Pfarrer natürlich sehr. Ich schaue von meinem Arbeitszimmer täglich ein paar Mal zum Kirchturm hinüber und musste mir zuletzt selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen: Die angezeigte Zeit kann nicht stimmen, die Uhr ist ja außer Betrieb.

Wie steht es um das Geläut der Michaelskirche?

Die Zentraluhr hat auch zwei der vier Glocken automatisch geläutet. Dieses Läutwerk müssen unsere Mesnerinnen zurzeit manuell ein- und ausschalten, für das morgendliche und abendliche Betgeläut, das 11-Uhr-Läuten und eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst.

Was soll nun werden?

Die Michaelskirche bekommt eine neue, digital gesteuerte Hauptuhr.

Wie teuer kommt der Austausch die evangelische Kirchengemeinde zu stehen?

Die Uhr kostet etwa 2500 Euro, dazu kommen noch Kosten für den Elektriker. Wir können das finanziell bewältigen, entweder aus dem laufenden Etat oder aus Rücklagen. Zudem übernimmt die bürgerliche Gemeinde bei allen Arbeiten, die den Kirchturm betreffen, ein Drittel der Kosten. Das ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts vertraglich so geregelt. Damals alarmierten die Kirchenglocken noch die Dorfbewohner, wenn es brannte oder ein Unwetter heraufzog.

Wann drehen sich die Uhrzeiger wieder?

Spätestens Mitte Februar sollte die neue Hauptuhr eingebaut sein. Dann werden wir in der Lage sein, drei Glocken automatisch zu steuern. Darüber hinaus können wir mit der digitalen Technik das gesamte Kirchenjahr programmieren. Das erleichtert manches, denn das Morgen- und das Abendläuten verschieben sich im Jahreslauf; überdies wird im März auf Sommer- und im Oktober auf Winterzeit umgestellt. Nur unsere kleinste und älteste Glocke, die den Evangelisten geweiht ist und aus dem 13. Jahrhundert stammt, wird auch künftig von Hand bedient. Sie erklingt um 12 Uhr mittags, wenn in Wain jemand gestorben ist, und bei Tauffeiern.

© Schwäbische Zeitung - 31.01.2015

Die Evan­ge­lis­ten-Glo­cke über­dau­ert den Krieg

(ry) Nur eine Glocke durften die Wainer im Zweiten Weltkrieg behalten, die anderen wurden zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Die Dorfbewohner retteten die 120 Kilogramm schwere Vier-Evangelisten-Glocke. Sie wurde im 13. Jahrhundert gegossen und läutete zuerst in der Kirche in Oberbuch.

Im Dezember 1949 war das Geläut der Michaelskirche wieder komplett. Außer der Evangelisten-Glocke sind dies die Betglocke (F-Dur, 401 Kilogramm) mit der Umschrift "Sei getreu bis in den Tod" (zu Ehren der Gefallenen); die Kreuzglocke (As-Dur, 561 Kilogramm) mit der Umschrift "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir"; und die Zeichenglocke (B-Dur, 922 Kilogramm) mit der Umschrift "Ehre sei Gott in der Höhe".

Als die Glocken im Zweiten Weltkrieg fehlten, befestigte der Wainer Willi Härdtle ein Gerüst am Turm der Michaelskirche und hängte eine Lastwagenfelge daran. Mit einem Metallstab wurde dagegen geschlagen, als Ersatz für das Geläut.

© Schwäbische Zeitung - 30.01.2015

Die Partner des Projekts „Mittendrin – voll inklusiv“ stärken Landrat Heiko Schmid und Karin Kiessling vom Verein fiB den Rücken. SZ-FOTO: TANJA BOSCH

Inklusionsprojekt geht an den Start

"Mittendrin - voll inklusiv": Kooperationspartner unterzeichnen Erklärung

Biberach - Zur Unterzeichnung der Absichtserklärung zum Projekt "Mittendrin - voll inklusiv" haben sich die Kooperationspartner im Landratsamt Biberach getroffen. Beim Projekt geht es um die Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Initiiert wurde es von den Vereinen fiB (familienunterstützende, integrative Behindertenarbeit), Mariaberg, Lebenshilfe und der St.-Elisabeth-Stiftung.

"Es ist sehr wichtig das Thema Inklusion mit all seinen Facetten nach außen zu tragen", sagte Landrat Heiko Schmid. Als die Verantwortlichen vom Verein fiB (familienunterstützende, integrative Behindertenarbeit) auf das Sozialdezernat zugekommen seien, war für ihn eines klar: "Wir haben gespürt, hier soll etwas bewegt werden. Das wollen wir nicht nur planerisch unterstützen, sondern wir als Landkreis möchten auch mitmachen."

Weitere Kooperationspartner sind außerdem die Stadtwerke Biberach, der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (DING), der Integrationsfachdienst Biberach, die Familienbildungsstätte (FBS) der Evangelischen Kirche, die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) der Dekanate Biberach und Saulgau, die Turngemeinde Biberach und die Volkshochschule Biberach.

Barrierefreiheit steht im Fokus

Drei Projektideen haben die Partner bereits gemeinsam herausgearbeitet. Sie lauten "Leicht unterwegs", dabei geht es um Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr, "Leicht durchs Amt", das betrifft die Barrierefreiheit bei Behörden und Ämtern und "Leicht dabei", dieser Punkt befasst sich mit der Förderung von Teilhabe in den Bereichen Freizeit und Bildung. Durch den Folgeantrag "Inklusion" bei der Aktion Mensch ist geplant, die Projektideen mit der Unterstützung aller Partner schnellstmöglich in die Tat umzusetzen.

Und das haben die Beteiligten auch vor. "Das Projekt soll für einen Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe sorgen", sagt Karin Kiessling von der fiB. "Wir wollen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit geben, mitzubestimmen, sich zu beteiligen und ihre Wünsche zu äußern." Bisher habe es eine engagierte, konstruktive und kreative Zusammenarbeit gegeben: "Wir freuen uns über unser stetig wachsendes Netzwerk", sagt Kiessling.
"Das Schöne am Projekt ist auch, dass wir landkreisübergreifend anpacken können", sagt Manfred Mergl von der St.-Elisabeth-Stiftung. "Denn, Inklusion ist eine Vision und keine Utopie." Auch Martina Lovercic vom Verein Mariaberg weiß: "Wir müssen auf dem bereits vorhandenen Bewusstsein der Bürger aufbauen, wir sind bei diesem Thema noch lange nicht am Ende." Werner Szollar von der Volkshochschule Biberach freut sich dennoch über die Fortschritte, die bereits gemacht wurden: "Das beflügelt einen, verstärkt weiterzumachen."

"Quote lässt zu wünschen übrig"

Nicht ganz so positiv eingestellt ist Peter Reeß-Hall vom Integrationsfachdienst, wenn es um das Thema Berufsleben für Menschen mit Behinderung geht: "Da müssen wir im Landkreis Biberach noch sehr viel tun." Gerade was die Zahlen in den Großbetrieben angehe, "da lässt die Quote zu wünschen übrig". Auch beim Thema Busfahren sind sich Dietmar Geier von den Stadtwerken und Ralf Löwrigkeit vom DING-Verbund einig, dass mehr getan werden muss.

Karin Burgmaier-Laengerer von der FBS hofft, durch dieses Projekt das Selbstbewusstsein der betroffenen Familien zu stärken. Und Edeltraud Wiedmann von der KEB möchte die Menschen noch weiter für das Thema sensibilisieren. So sieht das auch Andreas Mahle von der Lebenshilfe: "Wir sprechen viel über Inklusion und es wird auch viel berichtet, aber Inklusion braucht Initiative und deshalb wollen wir gemeinsam an einem Strang ziehen." Das will auch die TG Biberach: "Das Thema Bewegung kann ein guter Einstieg in die Inklusion sein", sagt Steffi Etzinger. "Denn Bewegung tut allen Menschen gleichermaßen gut."

© Schwäbische Zeitung - 29.01.2015

Liedermacher Thomas Felder war in Riedlingen zu Gast. SZ-FOTO: JUNGWIRTH

Schwäbischer Dichter der Schlichtheit

Liedermacher Thomas Felder war in Riedlingen zu Gast

Riedlingen - Als Dichtersänger war er angekündigt. Als schwäbischer Liedermacher, dem auch eine derbe Wortwahl nicht fremd ist, entpuppte sich Thomas Felder bei seinem Auftritt vor rund 100 Zuschauern im vollen Johannes-Zwick-Haus.

Thomas Felder hat einen eigenen Stil. Ein schwäbischer Sänger, einer von der "Alb 'ra", was sich auch in seinen Texten wiederfand. Denn Felder sang vornehmlich schwäbisch. Breites schwäbisch. Und hatte auch seinen Spaß daran, mit der Mundart zu spielen. Etwa in einem Gedicht zum Wort "frau" - was auf der Alb sowohl "Frau" als auch "froh" heißen konnte.

Musikalisch zeigte der 61-Jährige die ganze Bandbreite seine Könnens. Virtuos am Klavier, ruhig und beherrscht an der Gitarre, gekonnt an der Leier, die er immer wieder einsetzte. Sogar die Posaune packte er für ein Lied in seinem Programm aus, als er an der Leier drehend gleichzeitig noch mit der Posaune hantierte.

Balladen und Folksongs


Der Mann ist vielseitig, auch in der Art seiner Lieder. An den Beginn setzte er passenderweise - die Einladung zum Konzert war über die Kantorei erfolgt - ein Lied von Johannes Zwick, das im Chor gesungen wurde. Dann wechselten ruhige Balladen, wie "Ich bin die Mutter Kugel", in dem er die Umweltzerstörung anprangert, mit schottischen Weisen ab oder mit fröhlich anmutenden Liedern ab.
Doch Felder ist selten uneingeschränkt lustig oder fröhlich. Er verpackt seine Botschaften in eine ganz eigene Form von Humor, die nicht jedem eingängig ist. Sehr schwäbisch und mitunter auch derb. Mehr als einmal war das "Sch..."-Wort an diesem Abend zu hören. Die ruhige, melancholische Seite, die Felder auch auszeichnet, bliebt an diesem Abend eher verborgen.

Viele seiner Lieder handeln von einer Sehnsucht nach dem einfachen Leben. Er ist ein schwäbischer Poet der Schlichtheit: Lieber Schwarzbrot statt Luxus; lieber Sitzen und Musikhören statt sich durch Arbeit kaputt machen lassen. Häufig war ein Lobgesang auf das Naturidyll zu hören - von klaren Quellen, fliegenden Vögeln, schönen Wäldern in unserer Heimat ("lieber ein rauschender Wildbach als ein Ozean").

Doch irgendwie schien er mit seinen Themen auch aus der Zeit gefallen. Wenn ein 61-Jähriger davon singt, wie er als Jugendlicher seinen Weg und seine Persönlichkeit sucht und seine ersten Erfahrungen mit Frauen macht ("Bin au der Rois.."), dann passt das nicht mehr. Dieses Lied hat er bereits vor 25 Jahren gesungen. Auch Umweltzerstörung oder Selbstfindung sind nicht gerade die aktuellen Themen auf der Agenda. Felder hat in den 80er-Jahren gegen den Natodoppelbeschluss gesungen, hat vor Mutlangen  demonstriert und später vor Gericht die Anklageschrift mit einer Leier vorgetragen. Und dass er immer noch politisch ist, zeigte er in seinem Lied "Sodom und Gomorrah" über das Bahnprojekt über "Stuttgart 21"- ein Lied voller Hintersinn.

Das Publikum in Riedlingen hatte seinen Spaß an diesem rund zweistündigen, wenig gekünstelten Auftritt. Erst nach Zugaben ging er von der Bühne.

© Schwäbische Zeitung - 28.01.2015

Foto: privat

Evangelische Kirchengemeinde ehrt treue Helfer

Laupheim - Die Mitarbeitenden der evangelischen Kirchengemeinde Laupheim haben sich zum Neujahrsempfang im Gemeindehaus getroffen. Verantwortliche aus der Jugendarbeit, dem Seniorenkreis und der Musikarbeit nahmen ebenso teil wie die Erzieherinnen des Kindergartens Arche Noah und Vertreter der Diakonie und anderer Aufgabenbereiche. Kreise und Gruppen berichteten über ihre Aktivitäten im zurückliegenden Jahr. Ein Höhepunkt waren die Ehrungen. Seit 20 Jahren versieht der Kirchenpfleger Gerald Wery (vorne, Vierter von links) in der Kirchengemeinde seinen Dienst. Ein kleiner Chor sang ihm dafür ein fröhliches Dankeslied. Treue Besuchsdienstmitarbeiter wurden geehrt, ebenso die Leiterinnen der Nachbarschaftshilfe, Doris Wery und Marianne Geiß. Für das Engagement im Seniorenkreis und bei der Senioren-Freizeit konnten Helga Krämer und Christa Schmidt ein Dankeschön der Gemeinde entgegennehmen. Helmut Rodloff und Ursula Haffner bekamen für jahrzehntelanges Mitwirken im Kirchenchor vom Landesverband für Kirchenmusik eine Urkunde und die entsprechende Würdigung durch Pfarrerin Martina Servatius und Kirchenchorleiter Stefan Hofmann.

© Schwäbische Zeitung - 28.01.2015

Die 1+1 Mentoren feiern 2015 Jubiläum. PRIVATFOTO

Zehn Jah­re Ein­satz für Integration

1+1 Mentoren starten ins Jubiläumsjahr 2015

Bad Buchau - Die 1+1 Mentoren haben sich zu ihrer Neujahrsversammlung in Bad Buchau getroffen. Als besonderer Gast nahm Dietmar Oppermann vom Flüchtlingsdiakonat in der Prälatur Ulm am teil. Er berichtete über seine Arbeit und gab darüber hinaus viele Anregungen für die Jahresplanung.

2015 kann die Gruppe 1+1 Mentoren auf zehn Jahre erfolgreiche Tätigkeit in der ehrenamtlichen Integrationsbegleitung zurückblicken. Am Donnerstag, 24. September, findet die Jubiläumsveranstaltung im Evangelischen Gemeindehaus Bad Buchau statt. Als Referentin hat Birgit Dinzinger, die Landeskirchliche Beauftragte für den Migrationsdienst der Diakonie Württemberg, zugesagt. Sie war bereits 2005 maßgeblich an der Gründung der 1+1 Mentoren beteiligt.

Über das Jahr hinweg haben sich zwölf Mentoren wöchentlich jeweils mit einem Mentorenkind getroffen, um zuzuhören, zu spielen und zu lernen. Die betreuten Kinder kamen aus Ländern wie Syrien, Serbien und Italien. Die Treffen fanden meist bei der Mentorin zu Hause statt. So lernten die zugewanderten Kinder die einheimische Lebenswelt kennen.

An sieben Spiel-Spaß-Sprechen-Nachmittagen begegneten sich Kinder, Mentoren, Eltern und Helfer im großen Kreis. So gehörten 2014 ein Rollenspielnachmittag mit Verkleidungskiste, ein Nachmittag mit dem Nabu im Wackelwald, ein erlebnispägagogischer Nachmittag in der Dobelmühle in Aulendorf, ein Besuch des Kreisfreilichtmuseums in Kürnbach, ein Besuch des Puppentheaters Ostrach sowie ein Adventsnachmittag im Evangelischen Gemeindehaus Bad Buchau zum Programm.

Die 1+1 Mentoren organisierten darüber hinaus für weitere sechs Kinder Nachhilfe im Einzelunterricht. Dabei unterstützten sie die Eltern bei der Antragstellung für die Finanzierung, trafen Absprachen mit den Lehrern und suchten geeignete Nachhilfekräfte.

Im Gemeinschaftsraum der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Bad Buchau fanden - initiiert und organisiert von den 1+1 Mentoren - wöchentlich zwei Nachmittage Hausaufgabenbetreuung sowie zwei Stunden Sprachunterricht für Erwachsene statt. Ab August 2014 übernahm der Arbeitskreis Asyl die Verantwortung für diese Angebote. Außerdem haben Bettina Schneider und Christa Klan dienstags einen niederschwelligen Sprachkurs angeboten.

Die 1+1 Mentoren werden unterstützt und finanziell gefördert von der Stadt Bad Buchau, der Gemeinde Oggelshausen, dem Landratsamt Biberach, der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde Bad Buchau, der Franz-Kessler-Stiftung, dem Lions Club und Einzelpersonen.

© Schwäbische Zeitung - 27.01.2015

Renate Schick-Vierkorn, Gertraud Seifert, Cilli Dorner und Andreas Hall

Viel mehr als eine Tasse Kaffe

Gertraud Seifert aus Riedlingen leitet einen Kaffee-Treff für psychisch kranke Menschen

Riedlingen - Gertraud Seifert aus Riedlingen ist eine von acht "besonderen Menschen", die bei der Aktion der Schwäbischen Zeitung und der Kreissparkasse Biberach von einer Jury ausgewählt wurden. SZ-Leser konnten bis Ende Oktober einen stillen Helden des Alltags vorschlagen. Es geht um Menschen aus dem ganzen Landkreis, die im Hintergrund Gutes leisten. Sie machen unsere Gesellschaft menschlicher und zeigen Zivilcourage, wenn es notwendig ist.

"Ohne das Engagement von Gertraud Seifert hätte ich keinen einzigen Freund. Und mein Leben wäre sinnlos ohne den Kaffee-Treff." Was der Riedlinger Andreas Hall da erzählt, klingt zunächst traurig. Und vielleicht auch ein wenig übertrieben. Doch Andreas Hall meint ernst, was er sagt. Und wenn er über Gertraud Seifert spricht, klingt seine Stimme nicht traurig, sondern glücklich.

Andreas Hall ist psychisch krank. Einmal in der Woche, immer donnerstags, trifft er sich zusammen mit anderen Betroffenen im Johannes-Zwick-Haus in Riedlingen zum Kaffeetrinken. Gertraud Seifert betreut die Gruppe.

"Der Kaffee-Treff bedeutet mir sehr viel. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich her kommen kann", sagt Gertraud Seifert, während sie Wasser für Tee aufsetzt. Dabei sind die Umstände, durch die sie zum Kaffee-Treff gekommen ist, alles andere als schön: Ihr Mann war psychisch krank. Ein Arzt aus dem Zentrum für Psychiatrie in Weißenau hat ihm den Kaffee-Treff in Riedlingen empfohlen. "Und weil mein Mann da nicht allein hingehen wollte, bin ich eben mit gegangen", erzählt Seifert.

Das war vor 22 Jahren. Und wenn man Gertraud Seifert heute gut gelaunt im Kaffee-Treff Tee- und Kaffeekochen und Plaudern sieht, kann man kaum glauben, wie viele Schicksalsschläge sie in der Zwischenzeit hinnehmen musste: Ihr Mann ist mittlerweile verstorben, ihr Sohn ebenfalls. Die Tochter ist schwer krank. Trotzdem ist Gertraud Seifert Woche für Woche für Andreas Hall und die anderen psychisch kranken Menschen da. "Ich glaube, dadurch, dass ich wegen meines Mannes selbst betroffen war, kann ich mich gut in andere Betroffene hinein versetzen", sagt sie. Und das spüren die Gäste im Kaffee-Treff. "Sie ist immer gut drauf und immer für uns da", sagt Andreas Hall.

Denn Gertraud Seifert hat trotz all der Tiefen, die sie in den vergangenen Jahre durchwandern musste, ihre Lebensfreude nicht verloren. "Sie ist eine richtige Stimmungskanone. Wenn sie gut drauf ist, sprudelt sie regelrecht über", sagt Renate Schick-Vierkorn vom Gemeindepsychiatrischen Zentrum Riedlingen, zu dem der Kaffee-Treff gehört. Die Diplompädagogin hält während der Zeit des Treffs Sprechstunden für die Gruppenmitglieder, die das Bedürfnis nach einer professionellen Beratung haben, ab. Um den Treff selbst, so sagt sie, muss sie sich kaum kümmern. "Das hat Frau Seifert mit ihren Kolleginnen ganz gut im Griff."

Doch Gertraud Seifert macht noch viel mehr: Einmal im Monat geht sie mit zum "Aktiv-Abend" für psychisch Kranke, macht Krankenhausbesuchsdienste und Kurierfahrten. Die Menschen, die sie betreut, danken es ihr. "Für mich ist sie wie eine Mutter", sagt Andreas Hall und schenkt gertraud Seifert ein Lächeln.

© Schwäbische Zeitung - 26.01.2015

Die Schauspielerin Donata Höffer (links) und die Künstlerin Marlis Glaser haben Besuchern im evangelischen Gemeindehaus das Werk der deutschen Avantgardistin und Expressionistin Else Lasker-Schüler näher gebracht. FOTOS: DIANA HOFMANN

Die Sehn­sucht nach Liebe hält ein Leben lang

Donata Höffer und Marlis Glaser gewähren einen Blick in das Werk von Else Lasker-Schüler

Laupheim - "Ich bin unglücklich - weißt du niemanden, in den ich mich verlieben könnte?" schrieb Else Lasker-Schüler an ihren Freund Franz Marc. Ihre zeitlebens ungestillte Sehnsucht nach Liebe hat die Dichterin auch in zahlreichen Gedichten verarbeitet. Einen Überblick über Leben und Werk der deutschen Avantgardistin und Expressionistin haben am Samstagabend die Schauspielerin Donata Höffer und die Künstlerin Marlis Glaser im evangelischen Gemeindehaus in Laupheim gegeben. Anlass war der 70. Todestag der Dichterin. Sie starb am 22. Januar 1945 im Exil in Jerusalem.

Der Lesung schickte Donata Höffer einen biografischen Abriss voraus. Eines der prägendsten Ereignisse im Leben der jüdischen Bankierstochter war der Tod ihrer Mutter, als sie 21 Jahre alt war, und der sie den Halt verlieren ließ. "Wenn du leben würdest, dann möchte ich spielen in deinem Schoß" heißt es in dem Gedicht "Mutter". Die Vernunftehe mit dem Arzt Berthold Lasker zerbricht 1903 nach neun Jahren, auch die Ehe mit dem Schriftsteller Georg Lewin ist nicht von Dauer.

Ein weiterer Schicksalsschlag lässt die meist mittellose, fantasiebegabte Frau fast verzweifeln: der Tod ihres einzigen Sohnes Paul, der 1927 mit 28 Jahren an Tuberkulose stirbt. "Meine Augen wenden sich nicht mehr der Welt zu", schreibt sie in "An mein Kind" im August 1928. Sie schafft sich ihr eigenes Fabelreich, in dem sie "Prinzessin Tino von Bagdad" oder "Yussuf von Theben" ist.

Klein, knabenhaft schlank und Hosen tragend ist sie in Berlin eine stadtbekannte Erscheinung. Auch im Exil in Jerusalem, wo sie ab 1939 lebt, scheint sie unangepasst und zeitweise nahe am Wahnsinn zu leben: wie eine wahrsagende Zigeunerin sei sie ihm vorgekommen, schreibt Schalom Ben-Chorin 1945 über ihre Begegnung.

Donata Höffer legte in ihre Stimme den Gedichten entsprechend Ratlosigkeit und Trauer, Leidenschaft und Flehen, aber auch Übermut und Schalk. Die rasche Folge der Gedichte ließ allerdings nur wenig Zeit, dem einzelnen weiter nachzuspüren.

Bilder sind zu Gedichten entstanden

Lasker-Schülers Metaphern eins zu eins umzusetzen, berge die Gefahr, zu platt zu wirken, erläuterte Marlis Glaser anschließend einige ihrer im Gemeindesaal ausgestellten Bilder, die sie zu den Gedichten geschaffen hat. Farbige Flächen, die an abstrahierte Landschaften erinnern, stellen die Seelenlandschaften Else Lasker-Schülers dar. Viel Rot für ihre Leidenschaft, aber auch Orange und Gelb für die innige Liebe sind vorherrschend. Eines der Bilder wird im Gemeindehaus bleiben: "Genesis" hat die Kirchengemeinde vor zwei Wochen erworben.

© Schwäbische Zeitung - 24.01.2015

Schweigeminute für Holocaust Opfer

Bad Saulgau - Da das Kauflandgelände in Bad Saulgau am offiziellen Holocaust-Gedenktag, am 27. Januar, schwierig für ein Gedenken zu nutzen ist, besteht schon morgen die Möglichkeit, gemeinsam mit Schweigeminuten und einem Gebet und Gedenkworten an die Opfer des Nationalsozialismuses zu erinnern. Nach dem Gottesdienst in der Christurkirche um 11.30 Uhr wird ein gemeinsamer Gang mit Pfarrerin Dorothee Schieber zum Gedenkstein auf dem Kauflandareal angeboten. Dort befand sich von August 1943 bis April 45 ein KZ-Arbeitslager, ein Außenlager von Dachau , in dem bis zu 400 Häftlinge gefangen gehalten wurden, die in der konfiszierten Binderhalle der Firma Bautz an der sogenannten "V2 Wunderwaffe" schuften mussten.

© Schwäbische Zeitung - 20.01.2015

Der Liedermacher Thomas Felder kommt am Sonntag nach Riedlingen.

Schwäbischer Dichtersänger kommt nach Riedlingen

Thomas Felder tritt am Sonntag, 25. Januar, im Johannes-Zwick-Haus auf

Riedlingen - Der Liedermacher und schwäbische "Dichtersänger" Thomas Felder kommt nach Riedlingen. Er ist am Sonntag, 25. Januar, ab 17 Uhr im Johannes-Zwick-Haus zu hören. Felder kommt auf Einladung der evangelischen Kirchengemeinde nach Riedlingen und präsentiert sein Programm "Von Wegen".

Thomas Felder zeichnet sich mit einer Sprachsouveränität der besonderen Klasse aus, heißt es in einer Ankündigung. Bereits 1977 mit drei Kleinkunstpreisen ausgezeichnet, erhielt Thomas Felder für mehrere seiner vierzehn Alben den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und erschien regelmäßig auf den obersten Plätzen der Lieder-Bestenliste. Werke von ihm finden sich in Schul- und Volksliederbüchern. Über tausend Konzerte gab er an den unterschiedlichsten Orten in Europa und wurde von internationalen Kulturinstituten bis nach Chile engagiert. Am besten kennt man ihn aber im Schwabenland, dessen Mundart viele seiner Lieder prägen. Thomas Felder erhielt den Sebastian-Blau-Preis für Liedermacher 2004 (Publikum) und 2012 (Jury).

Auch in Riedlingen war Felder bereits zu hören. Hier war er 2010 in Riedlingen im Kino zu Gast.

Eintritt ist frei - um Spenden wird gebeten.

© Schwäbische Zeitung - 17.01.2015

Die Lesung wird begleitet von Bildern von Marlis Glaser.

Die Lesung wird begleitet von Bildern von Marlis Glaser. Foto privat.

Bil­der er­gän­zen die Le­sung
Evangelische Kirchengemeinde lädt anlässlich des 70. Todestags von Else Lasker-Schüler ein

Laupheim - Die evangelische Kirchengemeinde Laupheim lädt anlässlich des 70. Todestags der Dichterin Else Lasker-Schüler zu einer Lesung ein. Lesen wird Schauspielerin Donata Höffer zum Thema "Dass wir das Herz des Himmels ganz erfassen …", begleitet durch Bilder von Marlis Glaser. Beginn am Samstag, 24. Januar, ist um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Schillerstraße 9. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Else Lasker-Schüler geboren 1869 (Elberfeld bei Wuppertal) in eine gutbürgerliche jüdische Familie. Als junge Frau zog sie nach Berlin, schrieb Gedichte, Romane, Theaterstücke und erhielt 1932 den Kleist-Preis. 1933 emigrierte sie in die Schweiz und 1939 schließlich nach Palästina. In Jerusalem entstand ihr letzter Gedichtband "Mein blaues Klavier". Sie starb dort am 22. Januar 1945.

Donata Höffer, deutsche Schauspielerin und Sängerin, arbeitete an verschiedenen namhaften Theatern in Berlin, Hamburg und Bremen. Außerdem wirkte sie in etwa 50 Fernsehfilmen mit. Seit 2010 hat sie ihren zweiten Wohnsitz in Jerusalem und arbeitet dort auch mit dem israelischen Pianisten Yarden Lapid an Liedern von Beethoven, Antonin Dvorák und Johannes Brahms für Konzerte in Jerusalem und Deutschland.

Zum 70. Todestag von Else Lasker-Schüler macht sie eine Lesereise, die mit Bildern von Marlis Glaser begleitet wird. Marlis Glaser ist eine Künstlerin aus Attenweiler. Sie ist durch ihre Ausstellungen in Laup-heim, Mochental, Tübingen, Biberach bekannt. Ihre langjährige Zusammenarbeit mit Donata Höffer gestaltet sich als eine Art Dialog von Text und Bild. So wie Else Lasker-Schüler ihre Liebe und ihre Liebessehnsucht in Naturmetaphern kleidete, so spielen in Marlis Glasers Bildern die "Szenarien" ebenfalls in der Natur; die Bilder leuchten zum Beispiel in goldener Heiterkeit und Farbenfreude.

© Schwäbische Zeitung - 17.01.2015

Anna Semenov hilft Kunden in der Kleiderkammer Riedlingen.

Artikelbild

Ried­lin­gens kleins­tes Kauf­haus
Mirta Zielke ist seit 15 Jahren Kopf und Herz der Kleiderkammer

 
Von Kerstin Schellhorn 17. Januar 2015

Riedlingen - Es hat zu regnen begonnen. Einige ältere Frauen drängen sich unter das kleine Plastik-Welldach, das die Eingangstür überragt. Allzu lange in der Kälte warten müssen sie nicht - Mirta Zielke öffnet die Riedlinger Kleiderkammer schon ein paar Minuten vor 15 Uhr.

Kaum dass die Tür offen steht, sind die Frauen auch schon im Inneren verschwunden. Der einzige Mann unter ihnen macht sich gleich auf den Weg ins obere Stockwerk, denn dort ist die Herrenabteilung.

Im Schnitt hat die Kleiderkammer einmal pro Monat für drei Stunden geöffnet. Zehn Frauen sind für den reibungslosen Betrieb verantwortlich - ehrenamtlich. Sie sind in zwei Gruppen aufgeteilt: Während die eine mittwochs für den Verkauf zuständig ist, nimmt die andere freitags die Spenden aus der Bevölkerung an. Mirta Zielke ist an beiden Tagen im Einsatz, denn sie hat den Überblick und ist deshalb hauptsächlich für die Organisation verantwortlich.

Drei kleine Räume stehen den Kunden im Erdgeschoss zur Verfügung, doch beliebt sind vor allem die beiden Zimmer mit Damen- und Kinderkleidung. Zu den Frauen, die schon vor der Tür gewartet hatten, sind inzwischen noch einige weitere hinzugestoßen. Junge Mütter suchen nach Babystramplern, Teenager nach trendigen Schuhen und Frauen im besten Alter nach einer neuen Bluse. Die Szene erinnert an den Trubel, der noch kurz vor Weihnachten in den Kaufhäusern in ganz Deutschland herrschte.

Anna Semenov steht hinter der Ladentheke und bemüht sich nach Kräften, Ordnung ins Chaos zu bringen. Die 60-Jährige gehört seit etwa acht Jahren zum Kleiderkammer-Team. Sie berät und hilft beim Aussuchen - gerne auch auf Russisch.

"Die Sprache hilft schon", sagt Zielke, die sich als Spätaussiedlerin auch selbst bestens in russischer Sprache unterhalten kann. Denn wer in der Kleiderkammer etwas Vertrautes hört, fühlt sich gleich wohler. Den Allermeisten ist es unangenehm, dort einzukaufen. Eine Jeans oder eine Handtasche, die aus einem Verkauf für sozial benachteiligte Menschen stammt, präsentiert keiner gern der Freundin oder der Arbeitskollegin. "Meinen Kindern wäre es peinlich, wenn sie wüssten, dass ich hierher komme", sagt eine Frau.

"Dabei gibt es gar keinen Grund, sich unwohl zu fühlen", sagt Zielke. Vor 17 Jahren kam die heute 73-Jährige mit ihrer Tochter aus Kasachstan nach Riedlingen. Inzwischen hat sie eine Enkeltochter und sogar eine drei Monate alte Urenkelin.

Ein älterer Herr kommt zu dem kleinen Tisch am Eingang, auf dem die Kasse steht. Er möchte bezahlen. "Zwei, vier - fünf Euro bekomme ich von Dir", sagt Zielke. "Die Schuhe kriegst Du so!" Mittlerweile hat der Andrang etwas nachgelassen. Die Räume sind nicht mehr ganz so überfüllt, aber die Regale dafür nahezu leergeräumt.

Den Erlös aus dem Verkauf zahlt Zielke gleich am nächsten Tag auf das Konto ein, das Inge Reichelt für den Ökumenischen Freundeskreis verwaltet. "Das Geld kommt den Nachhilfelehrern an den Riedlinger Schulen zugute."

Eine Frau kommt mit ihrer sechs Jahre alten Tochter zur Tür herein. Unter dem Arm trägt sie einen großen Wäschekorb voller Kinderkleidung, die sie spenden möchte. Alles ist ordentlich nach Größen sortiert und in Bündel geschnürt. Bei diesem Anblick kommen Mirta Zielke beinahe die Tränen. "Schauen Sie, wie das aussieht, so toll! Das Menschen noch so helfen!"

Die Riedlinger Kleiderkammer hat etwa einmal im Monat jeweils mittwochs von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der genaue Tag wird kurzfristig bekannt gegeben.

© Schwäbische Zeitung - 17.01.2015

Das Be­dürf­nis nach Trost stil­len
Trauerbegleiterin hält am Mittwoch Vortrag


Biberach - Die Pflegebegleiter-Initiative lädt ein zu einer öffentlichen Informations- und Fortbildungsveranstaltung am Mittwoch, 21. Januar, 14 Uhr, im Martin-Luther-Gemeindehaus Biberach, Waldseer Straße 18.

Magdalena Ruf, Diplom-Sozialpädagogin und Trauerbegleiterin bei der Kontaktstelle Trauer Biberach, spricht zum Thema "Vom guten Trost". Nach einer Einführung in das Wesen des Trostes sowie die Beschreibung von Not und Erfahrungen mit Trost in der Bibel liegt der Schwerpunkt auf dem Bedürfnis nach Trost in schwierigen Lebenssituationen. Ausgehend von ihrer Erfahrung in der Begleitung von pflegenden Angehörigen, in der Hospizarbeit und Trauerbegleitung zeigt Ruf Möglichkeiten auf, wie in guter Weise Trost gespendet werden kann.

Die Teilnahme ist ohne Vorkenntnisse und kostenlos möglich. Um Anmeldung bis Montag, 19. Januar, wird gebeten bei der Pflegebegleiter-Initiative, Telefon 07351/ 150251

© Schwäbische Zeitung - 16.01.2015

Anne und Theo Mielitz sind die neuen evangelischen Pfarrer in Riedlingen.

Anne und Theo Mielitz sind die neuen evangelischen Pfarrer. Voraussichtlich im August werden sie nach Riedlingen ziehen. Foto: privat

Neue Pfar­rer kom­men aus Hei­den­heim
Nachfolger für Steible-Elsässers stehen fest - Anne und Theo Mielitz treten im Sommer ihre Ämter an

Von Bruno Jungwirth 16. Januar 2015

Riedlingen - Die Nachfolger des Pfarrer-Ehepaars Steible-Elsässer stehen fest: Anne und Theo Mielitz werden im Sommer nach Riedlingen kommen und die evangelischen Pfarrstellen übernehmen. Die beiden Pfarrer kommen aus Heidenheim, wo sie in der Kirchengemeinden Zinzendorf tätig sind.

Es gab mehrere Interessenten für die beiden Pfarrstellen in Riedlingen, bestätigen der Laienvorsitzende des Kirchengemeinderats Paul Lenz und der Kirchenpfleger Matthias Reichelt. Doch letztlich wurden vom Oberkirchenrat in einem Benennungsverfahren das Pfarrerpaar Mielitz vorgeschlagen. Und diese sind einstimmig im Riedlinger Kirchengemeinderat bestätigt worden, sagt Lenz.

Die beiden Theologen haben die Riedlinger überzeugt. Es habe mehrere Gespräche gegeben, so Reichelt und Lenz. Die Kirchengemeinderatsmitglieder haben aber auch die Familie Mielitz in Heidenheim besucht. Sie waren in Gottesdiensten und haben sich hernach zum Austausch mit den Theologen getroffen. Die Besetzungssitzung im Gremium, bei der Anne und Theodor Mielitz nochmals Rede und Antwort standen, verlief kurz, das Ergebnis war eindeutig.

Aber auch Riedlingen hat wohl die beiden Theologen überzeugt. Nach der Stellenausschreibung waren sie in Riedlingen und haben sich das Städtchen angesehen. "Wenn man so durchfährt, erkennt man den Charme des Städtchens gar nicht", sagen sie. Beim Info-Schalter des Rathauses seien sie sehr freundlich informiert worden, sagt Anne Mielitz: "Das war gleich ein guter Anfang". Riedlingen sei zwar eine kleine Stadt, hat aber an Infrastruktur dafür einiges zu bieten.

Seit 1994 arbeitet das Pfarrer-Ehepaar in Heidenheim. Die beiden haben drei Kinder, die jüngste Tochter macht im Sommer ihr Abitur. Daher auch der Zeitpunkt des Wechsels: "Es war klar, danach sind wir frei'". Dass Riedlingen in ihr Blickfeld gefallen sei, mag auch mit einem weiteren Pfarrer-Ehepaar in Heidenheim zu tun haben: Die Familie Schwarz, die Vorgänger von Elsässers, sind in einer Nachbargemeinde tätig.

Er hat Oberschwabenerfahrung

Oberschwaben ist zumindest für sie kein vertrautes Terrain. Die 51-Jährige stammt aus Laichingen, ist aber in Weil im Dorf aufgewachsen. Ihr 55-jähriger Mann ist in Sigmaringen aufgewachsen und hat damit "Oberschwabenerfahrung". Auch die Fasnet ist ihm nicht fremd, wie er erzählt. Auch wenn es in Sigmaringen eine andere Tradition gibt.

Sie freuen sich auf Oberschwaben, auf die Menschen, auf das Radfahren in der Natur: Er freue sich auch auf den "Blick vom Bussen" in die Bergwelt, sagt er. Und auch auf die Arbeit in einer Region, in der die Kirchen noch einen festen Platz im gesellschaftlichen Leben haben. Dass sie aus einer evangelisch dominierten Gegend in eine katholisch geprägte Raumschaft unter dem Bussen kommen, ist ihnen sehr sowohl bewusst. Dass hier die Ökumene eine wichtige Rolle spielt, "kommt uns entgegen", sagt Anne Mielitz.

Im August oder September werden sie ihre Arbeit bei der evangelischen Kirchengemeinde in Riedlingen aufnehmen. Sie besetzen 1,5 Stellen, wobei sie die geschäftsführende Stelle übernehmen wird und damit auch die Personalleitung für die Mitarbeiter des Pfarrbüros und der Kindergärten. Aber die genaue Stellenabgrenzung wird im Gespräch mit dem KGR und mit dem Ertinger Pfarrer Hans-Martin Rieger festgelegt, so Lenz.

Für die Vakanzzeit bis in den Frühherbst wird die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt. Hauptansprechpartner sind in derzeit der Ertinger Pfarrer als auch Lenz und Reichelt. Wobei erschwerend hinzukommt, dass auch die Pflummerer Pfarrstelle derzeit unbesetzt ist und mitvertreten werden muss. Doch die seelsorgerischen Dienste sind organisiert und auch die Gottesdienste seien bis in den Sommer gesichert, sagt Reichelt. Diese werden nur etwas ausgedünnt, können aber ansonsten dank der Hilfe von weiteren Pfarrern der Region stattfinden. So wird etwa am kommenden Sonntag der Biberacher Dekan Helger Koepff den Gottesdienst in Riedlingen halten.


© Schwäbische Zeitung - 15.01.2015

Haben auf das Jahr beim Evangelischen Jugendwerk zurückgeblickt: (von links) Pfarrerin Martina Servatius, Ursula Wittekind, Philipp Bodenstein, Nicole Kauer, Thomas Kauer, Benjamin Kampf, Nadine Heinzel, Ullrich Höchsmann, Yvonne Hertenberger und Paul Jun

Haben auf das Jahr beim Evangelischen Jugendwerk zurückgeblickt: (von links) Pfarrerin Martina Servatius, Ursula Wittekind, Philipp Bodenstein, Nicole Kauer, Thomas Kauer, Benjamin Kampf, Nadine Heinzel, Ullrich Höchsmann, Yvonne Hertenberger und Paul Jung. Foto privat

Evan­ge­li­sches Ju­gend­werk be­setzt Ämter neu
Die Mitglieder lassen das Jahr Revue passieren und wählen

Laupheim - Die Gruppenleiter und -warte des Evangelischen Jugendwerks Laupheim haben sich zur großen Leiterrunde getroffen. Diese begann nach einem Gottesdienstbesuch und anschließendem kleinen Frühstück. Bisherige Vorstandsmitglieder sind verabschiedet und neue gewählt worden.

Paul Jung, der erste Vorsitzende, und Anika Strobel, ehemals zweite Vorsitzende, ließen das Jahr 2014 mit einem kurzen Vortrag und Bildern Revue passieren. Es folgten die Berichte des Kassenwarts und -prüfers.

Thomas Kauer ist Stellvertreter

Anika Strobel wurde aus ihrem Amt als zweite Vorsitzende verabschiedet. Adina Hofmann als Pressewart sowie Anika Stooß als Beisitzer sind ebenfalls nicht mehr im Amt. Es galt nun, diese Ämter neu zu besetzen: Thomas Kauer wurde zum zweiten Vorsitzenden gewählt, sein bisheriges Amt als Materialwart übernimmt Benjamin Kampf. Das Amt des Pressewarts wurde mit Nicole Kauer neu besetzt. Ebenfalls neu in den Vorstand gewählt sind Ursula Wittekind und Philipp Bodenstein als Beisitzer.

Mit der Bestellung des Kassenprüfers und der Delegierten für das Evangelische Jugendwerk Biberach schloss Paul Jung die zweistündige Sitzung. Neben größeren Aktionen wie der Kinder-Bibel-Woche im Herbst und dem Sommerzeltlager bietet das Jugendwerk auch wöchentliche Gruppenstunden an.


© Schwäbische Zeitung - 14.01.2015

Zwei Pfar­rer spre­chen über Öku­me­ne
Kaspar Baumgärtner und Ulrich Heinzelmann veranstalten drei Abende


Biberach - Im Herbst des vergangenen Jahres wurde in der katholischen Kirche an den Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren erinnert. Ein Konzil, einberufen vom charismatischen Papst Johannes XXIII., das in vielerlei Hinsicht die katholische Kirche verändert hat und für das Verhältnis zu den christlichen Konfessionen und anderen Religionen von größter Bedeutung war.

An drei Abenden bieten Pfarrer Kaspar Baumgärtner und Pfarrer Ulrich Heinzelmann die Gelegenheit, über drei Themenkreise ins Gespräch zu kommen, die bis heute für die Ökumene und den interreligiösen Dialog wichtig sind.

Ziel der Abende ist ein möglichst offener Austausch über die Grundgedanken des Konzils. Die besondere Situation der Ökumene am Simultaneum wird dabei mit im Blick sein, ebenso wie das Reformationsjubiläum, auf das sich die evangelische Kirche mit Blick auf das Jahr 2017 vorbereitet. Die aktuellen Ereignisse in Frankreich führen zusätzlich vor Augen, wie wichtig es ist, sich für das Verständnis zwischen den Konfessionen und Religionen aktiv einzusetzen. Die Themen der drei Abende sind Folgende:

Das christliche Menschenbild, die Frage der Freiheit des Gewissens und der Religionsfreiheit

Die Bedeutung der Heiligen Schrift, das Verhältnis von Bibel und Tradition

Das Verständnis von Kirche als wanderndes Volk Gottes

Alle drei Abende finden im Gemeindezentrum St. Martin statt, am 15., 22. und 29. Januar. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

© Schwäbische Zeitung - 13.01.2015

Thea­ter: Man­kell-Stück in Och­sen­hau­sen

Ochsenhausen - Die Schauspieler Günther Treptow (Wien) und Birgit Schuck (Eislingen) führen in Kooperation des Amateurtheaters Ochsenhausen mit der evangelischen Kirchengemeinde am Donnerstag, 22. Januar, das Schauspiel "Zeit im Dunkeln" des schwedischen Autors Henning Mankell auf. Die Vorstellung im evangelischen Gemeindehaus Ochsenhausen beginnt um 20 Uhr.

Das Stück handelt von zwei illegalen Flüchtlingen in Schweden, Vater und Tochter, die dem sicheren Tod in ihrer afrikanischen Heimat entronnen sind, aber nun in einer fast unlösbaren Zwangslage stecken. Ohne eine neue Identität scheint das Überleben in einem fremden Land nahezu unmöglich. Besonders für den Vater ist die anonyme Außenwelt eine Bedrohung, der er sich nicht stellen will. Seine Unfähigkeit, der Rolle als Beschützer der Familie nachzukommen, macht ihn zunehmend aggressiver und spitzt die Situation weiter zu. Die Tochter sieht sich damit konfrontiert, Verantwortung für sich und ihren Vater übernehmen zu müssen, überlebenswichtige Entscheidungen zu treffen und der Ersatz für die auf der Flucht umgekommene Mutter zu sein. Aus der Vater-Tochter-Beziehung entwickelt sich ein spannendes Psychogramm der Hilflosigkeit und des Schmerzes, das den Zuschauer eintauchen lässt in die innere Zerrissenheit der Protagonisten.

Henning Mankell, dem deutschen Publikum vor allem durch seine Wallander-Romane ein Begriff, lebt und arbeitet überwiegend in Afrika. Er verarbeitete seine Erfahrungen in mehreren Theaterstücken. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

© Schwäbische Zeitung - 13.01.2015

Walter Blum lässt sich für seine großformatigen Bleistiftzeichnungen von der Natur, der Schöpfung, anregen

Walter Blum lässt sich für seine großformatigen Bleistiftzeichnungen von der Natur, der Schöpfung, anregen. sz-foto: KLAUS WEISS

Die knor­ri­ge Schön­heit der Schöp­fung
Von der Natur inspiriert: Walter Blum stellt im evangelischen Gemeindehaus Bad Buchau aus


Von Klaus Weiss 13. Januar 2015

Bad Buchau - / Unteressendorf - Neuland betritt die evangelische Kirchengemeinde Bad Buchau mit einer Ausstellung "Bäume - Räume" im Gemeindehaus. Walter Blum, Künstler aus Unteressendorf, zeigt großformatige Zeichnungen aus seiner Arbeitsserie "Schöpfung".

Nicht zu übersehen sind die metergroßen Zeichnungen mit filigranem Bleistiftstrich, die Bäume und Äste darstellen. Wohl nicht umsonst hat der Künstler diese Serie "Schöpfung" genannt. Einige der Zeichnungen sind zudem mit biblischen Schöpfungstexten versehen und öffnen so auf ihre eigene Weise den Weg zur Schönheit der Schöpfung. Eine Schönheit, die nicht makellos ist, sondern die gerade im Besonderen, in den Prägungen des Lebens liegt. Deutlich wird in diesen Bildern, wie die menschliche Wahrnehmung beschaffen ist: Wir sehen nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Manchmal skizziert der Künstler eine Fortsetzung, lässt aber seine aufwendigen Zeichnungen vor dem Bildrand enden. Der Betrachter kann hier seine Fantasie ins Spiel bringen, indem er Äste und Stämme gedanklich beliebig verlängert.

Walter Blum erklärte, momentan bevorzuge er die Arbeit an groß angelegten Zeichnungen, deren Anregungen aus seiner unmittelbaren Umgebung kommen.

Die Ausstellung im evangelischen Gemeindehaus Bad Buchau in der Karlstraße ist noch bis Mittwoch, 28. Januar, zu sehen: Montag bis Freitag zu den Öffnungszeiten des Gemeindehauses und sonntags von 11 Uhr bis 17 Uhr.


© Schwäbische Zeitung - 12.01.2015

Das Johannes Zwick-Haus platzte bei der Verabschiedung von Pfarrerehepaar Steible-Elsässer fast aus allen Nähten.

Das Johannes Zwick-Haus platzte bei der Verabschiedung von Pfarrerehepaar Steible-Elsässer fast aus allen Nähten. SZ-Foto: Jungwirth

"Geis­lin­gen kann sich glück­lich schät­zen"
Das Pfarrer-Ehepaar Steible-Elsässer erfährt bei der offiziellen Verabschiedung viel Wertschätzung

Von Bruno Jungwirth 12. Januar 2015

Riedlingen - "Muss i denn, muss i denn..." intonierte der Riedlinger Posaunenchor am Sonntag im vollbesetzten Johannes Zwick-Haus bei der Verabschiedung der Pfarrersfamilie Steible-Elsässer. Die zieht es ab 19. Januar nach Geislingen fort, wo Martin Elsässer künftig als Dekan arbeitet und Helga Steible-Elsässer zunächst als Mutterschaftsvertretung. "Geislingen kann sich glücklich schätzen solch einen Dekan und solch eine Pfarrerin zu erhalten", sagte der Kirchengemeinderatsvorsitzende Paul Lenz bei der Verabschiedung.

Lenz war einer von etlichen Rednern, die bei dieser Abschiedsveranstaltung, die von Matthias Reichelt moderiert wurde, Dank sagten und ihr Bedauern über den Weggang ausdrückten. Vertreter der Schulen, der katholischen Kirche, der Stadt, des Krankenhauses und des Konrad-Manopp-Stifts blickten in der Feier im Zwick-Haus, die sich an den Abschiedsgottesdienst anschloss, auf die Arbeit und die gemeinsamen Zeit zurück.

"Euch ging es immer um die Menschen in der Gemeinde und in der Region", sagte Paul Lenz, der als Vorsitzender des KGR die Zeit seit 2004 Revue passieren ließ. Die Elsässers hätten es nicht einfach gehabt, sagte Lenz. Denn ihre Vorgänger, die Familie Schwarz, hatte große Fußspuren hinterlassen. "Wir haben damals gedacht, besser geht es nicht." Doch schnell sei klar geworden, dass die Elsässers diese Fußspuren sehr wohl ausfüllen können.

Mit Fingerspitzengefühl, Geschick und manchmal auch mit einer spitzen Zunge haben die Pfarrers der Gemeinde ihren Stempel aufgedrückt. "Ihr habt schnell kapiert, wie wir Oberschwaben ticken", sagte Lenz. Er erinnerte an das vielfältige soziale Engagement: Tafelladen, Aussiedlerarbeit, Kino-Rettung, Hospizarbeit oder Altenarbeit. Das seit natürlich auch Teil ihres Arbeitsfelds gewesen, aber darüber hinaus sei auch viel privates Engagement spürbar gewesen.

115 Kirchengemeinderatssitzungen hätten in den zehn Jahren unter der Leitung von Martin Elsässer stattgefunden, blickte Lenz zurück. Sitzungen, in denen viel diskutiert und viel entschieden worden sei. Als positiv merkte er an, dass dabei auch das Pfarrers-Ehepaar nicht immer einer Meinung gewesen sei.

Worte des Abschieds kamen auch von Riedlingens Bürgermeister Marcus Schafft. Er gratulierte zur neuen Herausforderung in Geislingen, aber verhehlte auch sein Bedauern nicht. Er betonte den stets wertschätzenden Umgang der beiden Pfarrer und erinnerte auch an die klaren Worte, die Helga Steible-Elsässer beim Thema "Silit" gefunden habe. "Wir verlieren zwei wertvolle Menschen", so Schafft, der sich auch persönlich für die Begleitung seiner Familie in seinen ersten Tagen in Riedlingen bedankte.

Lob kam auch von Seiten der Schulen. Im Namen seiner Schulleiterkollegen dankte der Rektor der Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule, Markus Bichler, den scheidenden Pfarrern. Die haben in etlichen Schulen der Raumschaft als Teil ihres Arbeitsfeldes Religion unterrichtet. Und das hätten sie "vorbildlich gemacht", betonte Bichler in einer humorvoll gehaltenen Rede.

Von Seiten der katholischen Kirchengemeinde waren Pfarrvikar Uwe Grau und die Pastoralreferentin Dr. Ulrike Hudelmaier gekommen. Sie überbrachten auch Grüße von Pfarrer Walter Stegmann, der nicht in Riedlingen weilte. In Anlehnung an die für Oberschwaben typische Fasnet erinnerte Ulrike Hudelmaier in wohlgesetzten Reimen an die gemeinsame Arbeit in der Kinderkirche, der ökumenischen Erwachsenenbildung oder der Sozialstation.

Dank kam auch von Thomas Sauter, Verwaltungsdirektor der Sana-Klinik, für die Krankenhausseelsorge von Helga Steible-Elsässer. Und Ludwig Geißinger vom Konrad-Manopp-Stift dankte dem Pfarrersehepaar für die Begleitung der Bewohner des Stifts und für die "Verbundenheit mit dem Haus".

"Zu Tränen gerührt"

Ein besonderen Höhepunkt hatte die Kantorei unter der Leitung von Jürgen Berron vorbereitet. Eigens zum Abschied wurde von Berron ein Lied komponiert, getextet und in Bach'scher Manier arrangiert, das die Kantorei mit Streicherbegleitung vortrug. "Ihr habt unsere Pfarrer zu Tränen gerührt", kommentierte dies hernach Matthias Reichelt.

Selbst das Essen bei der Verabschiedung war eine besondere Geste: Für die Pfarrersfamilie hatte der Aussiedlerkreis ein spezielles Gericht gekocht: Borscht, ein Gericht, das vor allem in Osteuropa sehr verbreitet ist. Sieben Stunden haben die Vorbereitung und das Kochen erfordert, so Reichelt: Auch eine Geste der Wertschätzung zum Abschied.

Weitere Bilder finden Sie nachfolgend.


© Schwäbische Zeitung - 12.01.2015

Aufmerksam lauschten Helga Steible-Elsässer und Martin Elsässer (linkes Bild - daneben sind der Kirchengemeinderatsvorsitzende Paul Lenz und Bürgermeister Marcus Schafft zu sehen) den Rednern bei der Verabschiedungsfeier.

© Schwäbische Zeitung - 10.01.2015

Auszug aus dem Pfarrhaus: Helga Steible-Elsässer und Martin Elsässer verlassen die evangelische Kirchengemeinde

"Man soll ge­hen, wenn es gut ist"

Am Sonntag wird die Pfarrersfamilie Steible-Elsässer verabschiedet



Riedlingen - Noch quellen die Bücherregale im Pfarrbüro von Helga Steible-Elsässer und Martin Elsässer über. Noch ist nicht viel eingepackt. Doch die Umzugskartons sind inzwischen eingetroffen. 400 Stück. Am 19. Januar ziehen die evangelische Pfarrersfamilie von Riedlingen weg. Am Sonntag, 11. Januar, werden sie von der Gemeinde verabschiedet.

2004 sind sie nach Riedlingen gekommen, 2015 zieht es sie wieder weg. Die Stimmungslage beim Pfarrer-Ehepaar ist gemischt. "Es fällt mir schon schwer", sagt Martin Elsässer und seine Frau Helga Steible-Elsässer ergänzt es mit dem Wort "wehmütig". Aber, fügt sie hinzu: "Man soll ja gehen, wenn es gut ist."

Ihre Bilanz der zehn Jahre in Riedlingen fällt gut aus. Vom sozialen Brennpunkt im Stuttgarter Osten haben sie sich damals bewusst für diese Pfarrstellen im Oberschwäbischen entschieden. Ein Schritt in eine ganz andere Welt: Aus dem säkularisierten Stuttgart ins katholisch dominierte Oberland, wo die Kirchen noch ihren festen Platz im öffentlichen Leben haben. Und hinein in eine Kleinstadt, in der ihre beiden Töchter gut aufwachsen können.
Sie haben den Schritt nicht bereut, sagen sie. Auch wenn es arbeitsintensive Pfarrstellen seien. Die Gemeinde hat sich in den vergangenen zehn Jahren durch den Zuzug der Aussiedler deutlich vergrößert. Rund 4100 Mitglieder hat die Gemeinde Riedlingen-Ertingen, die von den Elsässers und Pfarrer Hans-Martin Rieger in Ertingen betreut werden. 60 Konfirmanden waren es im vergangenen Jahr, in manchen Jahren waren es bis zu 50 Beerdigungen und 65 Taufen.

Die Gemeinde hat sich entwickelt und mit ihr die Aufgaben und das Personal - gerade im Bereich der Kleinkind-Betreuung. Ein Höhepunkt war dabei sicherlich die Einrichtung der ersten Kinderkrippe in der Stadt durch die evangelische Kirchengemeinde.

Auch wenn Riedlingen beileibe kein sozialer Brennpunkt wie der Stuttgarter Osten ist, so gibt und gab es soziale Aspekte, um die sich die evangelische Kirchengemeinde und insbesondere Helga Steible Elässer gekümmert haben. Stichworte: die Einrichtung des Runden Tischs "Palliativ Care", die Einrichtung des Riedlinger Tafelladens, die damalige finanzielle Beteiligung an der Sozialarbeiterstelle und vor allem die Arbeit mit den Aussiedlerfamilien, die Krankenhausseelsorge, das Klingefest.
Die Aussiedlerarbeit hat die Elsässers über die Jahre begleitet. Und vieles habe sich seither verändert. Die Sprachbarriere ist - vor allem bei den Kindern- und Jugendlichen - kleiner geworden. Viele Familien sind hier heimsch geworden und engagieren sich. Ein Beispiel: der Tafelladen wurde früher für die Aussiedler betrieben, nun wird die Arbeit vornehmlich von Aussiedlerfrauen geleistet.

Die Elsässers sind von dem großen Engagement der Menschen hier sehr angetan. Was im Ehrenamt in vielfältigsten Bereichen geleistet werde, finden sie beeindruckend. Von Sport über Musik, von VHS und JMS, wo noch vieles über Ehrenamt läuft, bis hin zu dem sehr großen Engagement für Flüchtlinge. "30 bis 40 Personen engagieren sich hier im Kreis 'Freunde für Fremde'", sagt sie.

Riedlingen ist kein "evangelisches Pflaster". Die Region rund um den Bussen ist katholisch geprägt. Doch sie haben das Verhältnis zur Schwesterkirche und zu den Katholiken zumeist als sehr entspannt empfunden. "Uns wurde auch von katholischen Gläubigen Wertschätzung entgegengebracht", sagt Martin Elsässer und sie ergänzt: "Die Ökumene hier ist klasse - mit Tücken im Detail." In der ökumenischen Erwachsenenbildung wurden viele, auch kontroverse Themen durch Vorträge angesprochen. Auch bei offiziellen Anlässen, bei Schulentlassungen war die evangelische Kirche stets eingeladen. Das bringt zwar jede Menge repräsentativer Pflichten mit sich, aber die haben sie gerne übernommen. "Da war zum Teil eine wohlwollende Erwartungshaltung, wir hatten nie das Gefühl zweite Wahl zu sein."

Zehn Jahre waren sie in Riedlingen. Sie haben sich als Familie sehr wohl gefühlt, ihre beiden Töchter Sophia (19) und Barbara (14) waren hier vielfältig aktiv. Sogar die Fasnet, die am Anfang für die beiden Pfarrer - seit 2012 gewaschene Mohren - noch fremd war, ist ihnen vertraut.

Neue Herausforderung

Und doch zieht es sie nun weg. Mit 56 Jahren war die Zeit reif für eine neue Herausforderung. Von der Silit-Stadt Riedlingen geht es in die WMF-Stadt Geislingen. "Ihr zieht überall hin, wo es Töpfe gibt", habe seine Mutter diesen Schritt kommentiert, erzählt Elsässer. In Geislingen wird er als Dekan arbeiten. Seine Frau wird zunächst für ein Jahr als Mutterschaftsvertretung arbeiten. Doch zuvor steht die Verabschiedung am Sonntag in der Kirche und hernach im Zwick-Haus an. Dann wird gepackt, ehe am 19. Januar der Umzugslaster vor dem Pfarrhaus steht. Und bis dahin sind dann auch die 400 Kisten gepackt.

© Schwäbische Zeitung - 10.01.2015

Vom christ­li­chen Um­gang mit dem Kör­per

Bad Saulgau - Die evangelische Erwachsenenbildung Bad Saulgau beginnt das neue Jahr mit dem Vortrag "Vom christlichen Umgang mit dem Körper". Referent ist Dr. Hans-Martin Rieger, Pfarrer in Ertingen. Das Christentum erscheint zuweilen als Religion des Leidens und als Religion für die Seele. In diesem Vortrag geht es darum zu entdecken, welche Perspektive der christliche Glaube für den Körper hat: Körper wird als Gabe und Aufgabe gesehen. Weitere Informationen erteilt Marika Marsovszki, Telefon 07581/53 72 74. Termin ist Freitag, 16.Januar, 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus.


© Schwäbische Zeitung - 10.01.2015

Ökumene: Und sie bewegt mich doch

(sz) - Ausgehend von Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils laden Pfarrer Ulrich Heinzelmann und Pfarrer Kaspar Baumgärtner jeweils am Donnerstagabend um 19.30 Uhr (am 15., 22. und 29. Januar) zu einem offenen Gesprächsabend ein. Die Texte sind sicher Ausgangspunkt des Gespräches, gefragt ist aber auch mehr die persönliche Meinung und Einschätzung. Es ist der Wille Jesu, "Ich will, dass wir eins sind", wie kommen wir diesem Wunsch näher? Darum geht es in den Gesprächen.


© Schwäbische Zeitung - 10.01.2015

AKE gibt Aus­blick auf sei­ne Schwer­punk­te
Arbeitskreis Entwicklungspolitik lädt 2015 auch Prominente aus Biberach ein


Biberach - Der Arbeitskreis Entwicklungspolitik (AKE) hat für diverse Veranstaltungen im neuen Jahr mehrere prominente Biberacher Persönlichkeiten eingeladen. So wird am Freitag, 10. April, um 19.30 Uhr Klaus Rudischhauser, stellvertretender Generaldirektor bei der EU-Kommission in Brüssel, einen Vortrag über europäische Entwicklungspolitik halten.

Gemeinsam mit dem Friedensbündnis, der lokalen Agenda 21 und der VHS feiert der AKE mit einer Veranstaltung den 75. Geburtstag von Professor Dieter Senghaas, der einst wie Rudischhauser sein Abitur am Biberacher Wieland-Gymnasium ablegte. Beide Veranstaltungen sind in der Stadthalle. Über den international renommierten Friedensforscher Senghaas und sein Werk referiert dabei zunächst der Frankfurter Politikwissenschaftler Professor Dr. Lothar Brock. Anschließend werden Einzelaspekte daraus in einem Podiumsgespräch mit weiteren Fachleuten vertieft.

Mit einem besonderen Angebot verdeutlicht der AKE am Freitag, 6. März, um 19.30 Uhr im katholischen Gemeindezentrum Laupheim sein landkreisweites Selbstverständnis: Es wird ein Film über Zusammenhänge des Rohstoffabbaus in Lateinamerika mit dem Lebensstil in Industriestaaten samt Recherchen der Misereor-Expertin Susanne Friess gezeigt, die anwesend sein wird und dem Publikum für Fragen zur Verfügung steht.

"Monatstreffs am Zehnten" als kleinere Gesprächsrunden werden unter anderem in Biberach am Samstag, 10. Januar, im "Pflugkeller" und am Dienstag, 10. Februar, im "Grünen Baum" jeweils ab 19.30 Uhr angeboten. Schwerpunktmäßig geht es beim Januartermin um eine Zwischenbilanz zur Arbeit von Entwicklungsminister Gerd Müller nach seinem ersten Amtsjahr. Beim Februartreff steht die seit dem vergangenen Jahr noch drängender gewordene Flüchtlingsproblematik auf der Tagesordnung.

Neben Perspektiven zum neuen Jahresprogramm hat das Leitungsteam des AKE bei seiner jüngsten Sitzung auch einen Pressespiegel ("AKE im Jahr 2014") zu Aktivitäten des zurückliegenden Jahres herausgegeben, die großteils mit Lokaler Agenda 21, Friedensbündnis und Weltladen Biberach durchgeführt wurden. Dort kann die anschauliche und lesenswerte Dokumentation für zwei Euro zugunsten der Projektkasse erworben werden.


© Schwäbische Zeitung - 10.01.2015

Of­fe­ner Abend für Frau­en: Die Kunst, El­tern zu sein

Der "offene Abend für Frauen" lädt am Montag, 12. Januar, 20 Uhr, zu einem Gesprächs- und Vortragsabend ins Gemeindehaus der Friedenskirche, Krummer Weg 1, in Biberach ein. Zu Gast sind die Kinder- und Jugendpsychotherapeuten Marion Wurdak-Swenson und Bertram Reichel, die einen Einblick in das vielschichtige Gefühlsleben im Zusammenleben von Eltern und Kindern geben. "Die Kunst, Eltern zu sein - auf der Spur starker Gefühle" lautet das Thema des Abends. Der Vortrag will zeigen, welchen Einfluss starke Gefühle auf die Entwicklung eines Menschen nehmen und was sie für das Zusammenleben in der Familie bedeuten. Wie gehen wir mit dem eigenen Gefühlsleben und dessen Wandlungen im Laufe des Lebens um, wie sorgen wir für uns selbst, damit wir Kinder und Jugendliche gut begleiten und erziehen können? Diese und andere Fragen sollen an diesem Abend beantwortet werden.

© Schwäbische Zeitung - 09.01.2015

Diasporakirche in Erolzheim

Artikelbild

Sel­te­nes Fest in der Dia­spora­kir­che
Das 1951 gebaute Gotteshaus erhält neuen Altar, neue Kanzel und neuen Taufstein

Erolzheim - Nach mehr als 60 Jahren erhält die 1951 erbaute evangelische Diasporakirche in Erolzheim einen neuen Altar, eine neue Kanzel und einen neuen Taufstein. Feierlich in Dienst genommen werden die Prinzipalstücke am Sonntag, 11. Januar, bei einem Festgottesdienst mit Abendmahl. Der Gottesdienst beginnt um 9 Uhr.

Die Diasporakirche ist eine Besonderheit in der Region. Sie entstand kurz nach dem Zweiten Weltkrieg beim von der Evangelischen Kirche Deutschlands entwickelten Notkirchenprogramm - gedacht als Ersatz für im Krieg zerstörte Gotteshäuser oder durch den Bedarf der vielen Menschen, die ihre Heimat im Osten verloren und nach Süd- und Westdeutschland strömten. "Es gab nach dem Krieg große Verschiebungen durch die Flüchtlinge", sagt Pfarrer Matthias Ströhle von der Kirchengemeinde Erolzheim-Rot. Aber in der neuen Heimat, gerade in den überwiegend katholischen Gegenden wie im Illertal, fanden sich zu wenige Versammlungsorte für die evangelischen Flüchtlinge. So wurden Kirchen in Serie errichtet, Fertigbauten, von denen einige Jahrzehnte später nicht mehr alle erhalten sind. "Etwa 20 von unserem Modell gibt es noch", sagt Pfarrer Ströhle.

Alte Rechnung gefunden

Die Serienkirchen sind mit dem Namen Otto Bartning (1883-1959) verbunden. Der Architekt gilt als wichtiger deutscher Kirchenbaumeister, war Begründer des modernen evangelischen Kirchenbaus sowie, neben Walter Gropius, der Mitbegründer der Bauhausidee. Bartning habe den Auftrag erhalten, das Notkirchenprogramm zu entwickeln", so Ströhle. Gebaut wurde möglichst kostensparend, was auch für die Prinzipalien wie Altar, Taufstein und Kanzel galt. "Wir haben eine alte Rechnung gefunden und demnach kostete der Taufstein 50 D-Mark", erzählt Ströhle. "Den Betrag muss man aber übersetzen in die damalige Zeit." Das heißt: In den ersten Jahren der Deutschen Mark waren 50 DM keine Kleinigkeit, aber auch kein Vermögen.

Dem Werk des Kirchenbaumeisters Bartning folgte die Kirchengemeinde Erolzheim-Rot auch bei den neu angeschafften Prinzipalien, die der Roter Schreiner Klaus Nobis nach Entwürfen von Pfarrer Ströhle gefertigt hat. "Wir haben gesagt, wir ersetzen sie, weil klar ist, dass wir diese Kirche erhalten wollen", sagt Ströhle. "Allerdings werden wir nicht alles ersetzen. Die Taufschale, ein silberner Teller, den uns damals die evangelische Kirchengemeinde Bad Schussenried stiftete, werden wir erhalten." Wichtig war auch die Verwendung von heimischem Baumaterial für Altar, Taufstein und Kanzel. "Wir wollten bewusst kein Holz aus Übersee, sondern aus der Region", so Pfarrer Ströhle über die Prinzipalien aus Birnbaumholz. "Wir haben auch klar gesagt, dass der Nutzen die Form bestimmt. Es sind relativ einfache Prinzipalstücke. Sie sind von der Struktur her klar, nichts an ihnen lenkt ab und daher passen sie zum Notkirchenprogramm. Trotzdem sehen sie gut aus."

Zu Gesicht bekommen die Gemeindemitglieder die neuen Gegenstände am Sonntag. "Der Wechsel geschieht während des Gottesdiensts", sagt Pfarrer Ströhle. Die bisherigen Prinzipalien werden herausgetragen und an ihrer Stelle die neuen platziert. "Das ist auch ein emotionaler Moment, weil es Gemeindemitglieder gibt, die bei der Entstehung und Einweihung der Kirche dabei waren."

Während des Gottesdiensts am Sonntag, 11. Januar, wird Pfarrer Matthias Ströhle über die Konzeption der Prinzipalien berichten. Im Anschluss an den Gottesdienst lädt der Förderverein der Diasporakirche die Besucher zu einem Stehempfang ein.


© Schwäbische Zeitung - 09.01.2015

Der oberschwäbische Genremaler Johann Baptist Pflug aus Biberach schuf das Bild der "Taufvisite im evangelischen Pfarrhaus"

Der große oberschwäbische Genremaler Johann Baptist Pflug aus Biberach schuf mit der "Taufvisite im evangelischen Pfarrhaus" 1828 eine köstliche Studie, die heute in der Stuttgarter Staatsgalerie aufbewahrt wird. Foto: Staatsgalerie Stuttgart

Das Pfarr­haus als Spie­gel der Ge­sell­schaft Wanderausstellung "Leben nach Luther" des Deutschen Historischen Museums skizziert evangelisches Leben durch die Jahrhunderte

Von Barbara Waldvogel

Ravensburg - "Pfarrhaus zu kaufen". Bundesweit finden sich solche Anzeigen - bei schrumpfenden Gemeinden und abnehmenden Pfarrerzahlen auch kein Wunder. Damit rückt eine Institution ins Blickfeld, deren geistlich-geistige, aber auch wissenschaftlich-kulturelle Ausstrahlung unser Land über Jahrhunderte nachhaltig geprägt hat. Sie war nun auch Thema der Ausstellung "Leben nach Luther. Eine Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses" zum 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag 2017. Gezeigt hat sie das Deutsche Historische Museum in Berlin in Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Internationalen Martin Luther Stiftung im letzten Jahr. Derzeit ist die verschlankte Wanderversion noch im Spital von Crailsheim zu sehen, demnächst kommt sie ins Ravensburger Heilig-Geist-Spital.

Martin Luther gab die Richtung vor. Von der ersten Einrichtung eines Pfarrhauses an war geboten, dass die Bewohner gottgefällig, vorbildlich, tugendhaft und genügsam zu leben hätten, zugleich aber auch offen für die Nöte der Gemeinde sein sollten. Das Pfarrhaus hatte außerdem Gemeindezentrum zu sein sowie Bildungsstätte und Veranstaltungsraum. Ein Rückzug ins Private war kaum möglich. Mit der Neuordnung des geistlichen Standes hatte Luther die Einführung der Studienpflicht erwirkt - Geistliche sollten als Lehrer des Christentums nun selbst Gelehrte sein. Noch wichtiger war allerdings die Abschaffung des Zölibats. "Um die Pfaffenhurerei zu beenden", sollten Pfarrer verheiratet sein, schrieb 1522 der schwäbische Reformator Johann Eberlin von Günzburg.

Überlieferung und Wahrheit


Luther sah den Zölibat nur als Ausnahme an. So wurde sein Ehe- und Familienleben im Schwarzen Kloster von Wittenberg als erster Pfarrhaushalt zum Modell. Doch Überlieferung und historische Wahrheit sind nicht immer deckungsgleich, wie die Ausstellung dokumentiert. Denn Luther bekleidete nie ein Gemeindepfarramt. Stadtpfarrer in Wittenberg war damals Johannes Bugenhagen. Luthers Ehe mit Katharina von Bora wiederum war auch nicht die erste Ehe eines Geistlichen. Zahlreiche Ex-Priester hatten schon von 1521 an geheiratet, während sich der Reformator erst 1525 als 41-Jähriger entschloss, mit der 25 Jahre jungen ehemaligen Nonne den Bund fürs Leben zu schließen. Dennoch galt Luther als das erste große Vorbild für das Zusammenleben im Pfarrhaus, was vor allem im 19. Jahrhundert geradezu verklärt wurde. So geriet der Stahlstich von Carl August Schwerdgeburth von 1843 zur wahren Ikone. Er zeigte den musizierenden Vater mit Frau Käthe, Kindern und Gästen unterm Christbaum und beförderte die Idealisierung der bürgerlichen Lebensführung im Pfarrhaus.

Diese Vorstellung hielt sich lange. Allerdings stand der Pfarrhaushalt von Anfang an auch unter Druck, wofür die Wanderschau viel Material liefert. So hatten schon die ersten Pfarrersehepaare den Beweis anzutreten, dass diese neue Lebensform des Priesters - Sexualität inbegriffen - durchaus gottgefällig war. Mit ihren vielen Kindern hausten sie zudem in viel zu kleinen Pfarrhäusern, die ja ursprünglich nur einem kleinen Priesterhaushalt hatten genügen müssen. Später wurden dann stattliche Häuser neben der Kirche erbaut, denn der Nachwuchs war meist sehr zahlreich. Rund 20 Prozent der Pfarrfamilien hatten fünf und mehr Kinder. Geld war knapp, und sparsames Haushalten wurde zur Tugend.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte die sozialrechtliche Angleichung an höhere Staatsbeamte dann aber eine materielle Aufwertung. Gleichzeitig bedeutete die Zivilgesetzgebung aber auch einen Statusverlust: Pfarrer waren nicht mehr Standesbeamte, außerdem ging die Schulaufsicht und die Armenfürsorge auf den Staat über.

Trotz alledem veränderten sich die Erwartungen an das Pfarrhaus wenig, wie etwa dem Text des Dresdners Reinhold Braun zum 400. Jubiläum des Lutherischen Ehestandes 1925 zu entnehmen ist: Das Pfarrhaus sei "voll Heimeligkeit und Stärke, voll Süßigkeit der Liebe, voll Gottesfrieden und Freude, voll Schönheit und Güte! Ein echtes Lichthaus …" Dass unter diesem Dach auch Menschen wohnten, die diesem Anspruch nicht immer gerecht werden konnten und teilweise darunter litten, ist kein Geheimnis. Evangelische Pfarrer hatten studiert und sorgten neben der Lektüre der Bibel auch für Bildung. Das machte die Prediger unter anderem auch zu Pionieren des Fortschritts. So setzten sie zum Beispiel auf dem Land den Kartoffelanbau durch und entwickelten landwirtschaftliche Maschinen zur Erleichterung der Arbeit. Der Theologe Johann Friedrich Mayer aus dem Hohenlohischen war sich sogar nicht zu schade, einen Jauchewagen zur Felddüngung zu entwickeln. Die Skizze ist bei der Ausstellung zu sehen.

Erfolgreiche Pfarrerskinder

Auch für ihre Kinder waren die Pfarrer in der Regel die Lehrmeister, und im Gegensatz zum viel zitierten Sprichwort "Pfarrers Kinder, Müllers Vieh, gedeihen selten oder nie" blieb der Erfolg ihrer Erziehung nicht aus. So galt der Gegensatz zwischen dem evangelischen Pfarrerssohn aus der Stadt und dem katholischen Landarbeitermädchen bis in die 1980er-Jahre als sinnbildlich für das Bildungsgefälle in der Bundesrepublik. Viele Pfarrerskinder machten ihren Weg, ob als Theologen, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Politiker: Barockdichter Andreas Gryphius, Historiker Theodor Mommsen, Schriftsteller Christoph Martin Wieland, Wirtschaftspolitiker Ferdinand von Steinbeis, Philosoph Friedrich Nietzsche, Dichter Hermann Hesse, Grünen-Politiker Rezzo Schlauch, Moderator Benjamin von Stuckrad-Barre, Literatin Gabriele Wohmann und nicht zuletzt Kanzlerin Angela Merkel - sie und viele weitere Promis wuchsen im Pfarrhaus auf. Allerdings auch die RAF-Terroristin Gudrun Ensslin.

Erfüllung als Pfarrfrau

Als selbstverständlich wurde bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Mitarbeit der Pfarrfrau vorausgesetzt - natürlich um den Gotteslohn. Um hier ein konkretes Beispiel aus der Region zu nennen: Auch die ehemalige Sekretärin Maria Döffinger wusste, was sie erwartete, als sie den Pfarrer und späteren Ravensburger Dekan Gerhard Döffinger (1929-2001) heiratete. Gegenüber der "Schwäbischen Zeitung" erzählt die heute 80-Jährige, dass sie deshalb noch die Ausbildung zur Gemeindediakonin absolvierte, um gut gerüstet für die künftigen Aufgaben zu sein. Doch wie auch ihre Vorgängerin im Dekanatsamt, Waltraud Maisch, berichtet sie heute noch vom Glück, Erfüllung in ihrer Tätigkeit gefunden zu haben. Aber wenn es hier schon um Frauen geht: Bis Theologinnen ein Pfarramt übernehmen durften, mussten sie lange warten. Die ersten Pfarrerinnen wurden erst in den 1960er-Jahren eingesetzt.

Die Ausstellung ist naturgemäß eher historisch akzentuiert. Aber die jüngere Vergangenheit wird durchaus in den Blick genommen, und das kritisch - etwa die sehr bedenkliche Haltung mancher Pfarrer während der NS-Zeit.

Und dokumentiert wird schließlich, wie nachhaltig die Umwälzungen nach 1945 Kirche und Leben im Pfarrhaus beeinflusst haben. Seine Rolle während der friedlichen Revolution in der DDR gilt als ein Höhepunkt des politischen Engagements der letzten Jahrzehnte.

Das Pfarrhaus war immer ein Spiegel seiner Zeit - so lässt sich das Fazit dieser Wanderschau ziehen. Und das wird so bleiben, auch wenn es etwas weniger Pfarrhäuser gibt.

"Leben nach Luther". Wanderausstellung mit 30 Bild- und Texttafeln, Medienstationen und museumspädagogischen Elementen. Noch bis Sonntag, 11. Januar, im Spital von Crailsheim. Mittwoch 9 bis 19 Uhr, Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Im Ravensburger Heilig-Geist-Spital wird die Ausstellung am Freitag, 16. Januar, 18 Uhr, eröffnet von Dekan Friedrich Langsam und Brunhilde Raiser, Geschäftsführerin des Bildungswerks Oberschwaben. Bis 11. Februar täglich von 8 bis 19 Uhr zu besichtigen. Weitere Infos im Internet: www.ebo-rv.de

© Schwäbische Zeitung - 07.01.2015

Mitarbeiter-Team Jürgen Weyen, dem Vorsitzenden des Hölzle-Vereins und Pfarrer Ulrich Heinzelmann

Im Rahmen einer Feier überreichte das Mitarbeiter-Team Jürgen Weyen, dem Vorsitzenden des Hölzle-Vereins, und Pfarrer Ulrich Heinzelmann den Spendenscheck. Foto: privat

Er­lös aus dem Bü­cher-Café geht an den Hölz­le-Ver­ein
Mit 2829 Euro sollen Hölzle-Veranstaltungen und Ausstattung unterstützt werden

Biberach - Bereits zum fünften Mal ist zum Biberacher Bücher-Café eingeladen worden, eine Veranstaltung der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde. An den zwei Tagen gingen viele Bücher, die gespendet wurden, über den Verkaufstisch. Der Erlös in Höhe von 2829 Euro kommt dem Hölzle-Verein zugute.

Der Hölzle-Verein ermöglicht Kindern aus Familien mit wenig Einkommen die Teilnahme an Hölzle-Veranstaltungen. Ebenso unterstützt er die Ausbildung der Hölzle-Mitarbeiter und die Ausstattung der Anlagen in der Biberacher Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung.

© Schwäbische Zeitung - 05.01.2015

Die Leitung des Konzerts hat Musikdirektor Andreas Winter

Die Leitung des Konzerts hat Musikdirektor Andreas Winter. Foto: privat

Stadt­ka­pel­le Bi­berach spielt an Drei­kö­nig
Festliche Weihnachtsmusik erklingt in der St.-Martins-Kirche
 
Biberach - Zum festen Jahresprogramm der Stadtkapelle Biberach gehört das festliche Dreikönigskonzert am 6. Januar um 17 Uhr in der St.-Martins-Kirche.

Gleich zwei Stücke sind dieses Mal von Camille Saint-Saëns, dem Meister der französischen Romantik. Zum einen erklingen vier Sätze aus dem Weihnachtsoratorium, das er 1858 im Alter von 23 Jahren komponierte und das im Original aus zehn Sätzen besteht. Zum anderen werden zwei Sätze aus der "Orgelsinfonie" op. 78 mit Ralf Klotz an der Orgel aufgeführt. Saint-Saëns widmete das 1886 fertiggestellte Werk Franz Liszt und meinte selbst dazu, in dieser Sinfonie habe er alles gegeben, was er geben könne - so etwas werde er nie wieder schreiben.

Ein Holzbläserquintett des Musikvereins wird die sechs "Bagatellen" des dänischen Komponisten Carl Nielsen spielen. Und schließlich darf beim Dreikönigskonzert in der festlich geschmückten Kirche auch der "Weihnachtsblock" mit vielen schönen, traditionellen Weihnachtsliedern und dem Biberacher Pastorale nicht fehlen. Die Leitung des Konzerts hat Musikdirektor Andreas Winter.

Der Eintritt kostet einheitlich fünf Euro.

© Schwäbische Zeitung - 05.01.2015

Gottesdienst im Johannes-Zwick-Haus
Traditionell lädt die evangelische Kirchengemeinde am Dreikönigstag um 9.30 Uhr für alle Gemeindeteile zum Gottesdienst ins Johannes-Zwick-Haus ein, zur Neujahrsbegrüßung mit Frühstück. Diesmal heißt das Motto "Auf die Plätzchen fertig los": es wird über die symbolischen Bedeutung des Weihnachtsgebäcks nachgedacht und es darf gerne welches mitgebracht werden.



 

 

© Schwäbische Zeitung - 02.01.2015

"Ein Koffer voller Leben" enthält Informationen und wichtige Hilfen zum Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen. sz-Foto: Eva Winkhart

"Im Prin­zip je­der"
Netzwerk Demenz stellt Riedlingen zwei "Koffer voller Leben" zur Verfügung

Von Eva Winkhart

Riedlingen - Zwei von insgesamt 50 Demenzkoffern des Landkreises Biberach stehen nun ganz neu in Riedlingen: einer in der Demenz-Tagespflege in der Rösslegasse und der zweite in der Praxis von Dr. Christa Enderle. Eine interessante Neuerung des Netzwerkes Demenz mit umfassenden Informationen ist somit hier vorhanden, "ein Koffer voller Leben".

Ausleihen kann diese Alu-Koffer mit beachtenswertem Inhalt jeder - vom Angehörigen, der sich informieren will, über die aktivierende Betreuungsgruppe bis zu Vereinen und Jugendgruppen zur Fortbildung im Thema Demenz. "Im Prinzip jeder, dem bewusst wird, dass in naher Zukunft auch im eigenen Umfeld ein an Demenz erkrankter Mensch leben kann", sagt Michael Wissussek über die Zielgruppe. Der ist Leiter der Demenzpflege der Seniorengenossenschaft in Riedlingen und sieht es aus seiner langen Erfahrung so: "Trotz der steigenden Zahl demenzkranker Menschen ist das Hindernis immer noch sehr hoch, sich zur benötigten Hilfe zu bekennen." Er spricht sogar von einem Tabu bei dieser Krankheit; Menschen müssten lernen, Hilfen anzunehmen.

Daher habe das Netzwerk Demenz "einen Koffer voller Informationen" erarbeitet. Der Landkreisführer "Älterwerden im Landkreis Biberach" ist als DinA5-Heft dabei. Darin sind alle wichtigen Adressen zu finden, die Senioren betreffen - mit und ohne dementielle Erkrankungen. Wo sind Beratungsstellen? Wie finde ich Betreuungsgruppen? Diese Fragen werden hier beantwortet, auch die niederschwelligen Angebote verschiedener bürgerschaftlicher Hilfen sind verzeichnet. "Wichtige und umfassende Informationen über Angebote der Hilfsmodelle im Landkreis Biberach", nennt das Wissussek. Ein weiteres Heft heißt "Wissen, das weiterhilft". Hier verzeichnet die Kreismedienstelle einen gesamten Überblick über alle Medien zum Thema Demenz: Filme, CDs, Ratgeber, Erfahrungsberichte, Romane. Für jeden. Zum Ausleihen.

Vollmachten und Verfügungen


Das dritte Heft ist ein Musterexemplar der Vorsorgemappe des Kreisseniorenrates. Diese Mappe - erhältlich in allen Gemeindeverwaltungen zum Preis von 1 Euro - ist ein Gesamtwerk über betreuungsrelevante Entscheidungen im eigenen Interesse. Sie enthält neben allen persönlichen Daten über Angehörige, Ärzte, Medikamente, Versicherungen auch Musterformulare für Vollmachten und Verfügungen, Nachlassregelungen und Bestattungswünsche.

Zwei kleine Stapel Notfall- und Merkkarten sind in einem Fach mit Gummis zusammengehalten. Für den eigenen Geldbeutel oder die Brieftasche ist die ausgefüllte Notfallkarte gedacht. Sie enthält alle wichtigen Daten, wenn der Patient selbst sich nicht äußern kann. Auf der Merkkarte ist eine kleine aber hilfreiche Zusammenstellung zum Begriff Demenz abgedruckt; was getan und was nicht getan werden sollte ist in mehreren Punkten aufgeführt.

Ausführlicher an das Thema heran führt die Broschüre "Das Verstehen um das Vergessen", die ebenfalls im Koffer ist, neben einem Beispiel eines Info-Bogens. Hierbei geht es um Detailfragen bei einer notwendigen Aufnahme ins Krankenhaus. Dem medizinischen Personal soll mit diesem Bogen die Information über den Erkrankten erleichtert werden, die Betreuung der Angehörigen eingeschlossen. Zur Aufnahme dementiell Erkrankter ins Krankenhaus hat Michael Wissussek noch einen ergänzenden Tipp: "Geben Sie dem Kranken bezugsorientierte Gegenstände mit, etwa ein Kuschelkissen oder Familienfotos. Sie erleichtern dem betreuenden Personal den Umgang und verweisen auf Gewohnheiten und die Biografie des Patienten."

Die Arbeit ergänzen sollen die beiden CDs mit Begleitheften im Demenzkoffer. "Das Vöglein - eine Geschichte der Demenz" ist die eine. "Wer die Geschichte hört, versetzt sich in die Lage eines an Demenz Erkrankten", sagt Wissussek zu der von ihm verfassten Geschichte. Auf der CD ist sie als Hörspiel von der Schauspielerin Kornelia Sikora zu hören, im Begleitheft nachzulesen. Die andere CD - "Klingende Erinnerungen" - soll Ausgangspunkt sein für Gespräche, die das Begleitheft kommunikativ-therapeutisch unterstützt. Allgemeines Liedgut, das den Impuls zum Mitsingen und zum Erinnern geben soll, ist vom Musiktherapeuten Martin Kaiser und Michael Wissussek aufgenommen.

In Deutschland leben zurzeit etwa 1,4 Millionen an Demenz Erkrankte. Jährlich kommen 300 000 dazu. Bis 2050 werden drei Millionen Patienten prognostiziert, von denen ungefähr ein Drittel älter als 90 Jahre sein wird. Laut verschiedener Umfragen ist für viele Menschen eine der größten Zukunftsängste, im Alter an Demenz zu erkranken.