© Schwäbische Zeitung - 31.07.2015

Als fleißige Helfer mit flinken Fingern entpuppten sich die Flüchtlinge in der Sammelzentrale. Foto: Diana Hofmann

Will­kom­me­ne Ab­wechs­lung im All­tag
Flüchtlinge helfen beim Kleidersortieren in der Sammelzentrale der "Aktion Hoffnung"

Von Diana Hofmann

Laupheim - Über zusätzliche Kräfte freut man sich seit einigen Monaten in der Laupheimer Sammelzentrale der "Aktion Hoffnung": Mitglieder aus Flüchtlingsfamilien, die in Laup-heim untergekommen sind, helfen seit März alle zwei Wochen beim Kleidersortieren.

Neuerdings muss Roman Engelhart seine Französischkenntnisse ausgraben, wenn er in der Sammelzentrale tätig ist. "Nous envoyons les vêtements à la Caritas - wir schicken die Kleider der Caritas", erklärt der Vorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft Missions- und Entwicklungshilfe" den Helferinnen an diesem Mittwochabend. Bella aus Togo, Latifa aus Kamerun und Hiwan aus Eritrea legen die Kleider flink in die dafür vorgesehenen Kästen, Engelhart verschnürt sie zu flachen Bündeln. Mit dabei sind auch Oata und ihre Tochter Hiba aus Syrien und ein Ehepaar aus dem Kosovo; sie alle sind aus ihrer Heimat geflohen und in den Flüchtlingsunterkünften in Laupheim untergebracht.

Engelhart schätzt die Menschen und ihre Hilfe sehr: "Das ist meine fleißigste Gruppe." Die Frauen hätten eine unglaubliche Fingerfertigkeit im Umgang mit den Kleidern, meint er. Der Kontakt kam durch den Unterstützerkreis "Brücken bilden" zustande. "Die Leute machen das ehrenamtlich", erklärt Angelika Eyrich, die als Sozialarbeiterin der Diakonie Flüchtlingshilfe Unterstützerkreise und die Flüchtlinge im Landkreis betreut. Offiziell arbeiten dürfen sie noch nicht, deshalb ist die Tätigkeit in der Sammelzentrale eine willkommene Abwechslung im Alltag. "Neben dem Deutschunterricht und dem Asylcafé ist das nochmal ein Ort, wo sie etwas Sinnvolles zu tun haben", sagt Eyrich.

Die Beteiligung ist unterschiedlich, mal sind es nur drei, mal zwanzig Helfer. Eine Herausforderung für Engelhart und sein Team ist die wechselnde Besetzung der Gruppe: "Wir spüren, dass die Asylbewerber ständig am Umziehen sind." Hier den Überblick zu behalten, falle manchmal nicht leicht, "im großen Ganzen klappt es aber".

Genauso wie die Kommunikation: neben Französisch sind oft Englisch, Spanisch oder Portugiesisch gefragt - oder auch Hände und Füße. Engelhart erklärt den neuen Helfern, dass Kleiderspenden auch in die Länder verschickt werden, aus denen sie gekommen sind.

Aus dem Kleidersortieren hat sich ein weiteres kleines Projekt ergeben: Ein Stockwerk höher sitzen zwei Männer aus Gambia an Nähmaschinen und reparieren Kleidungsstücke, die unten wegen eines fehlenden Knopfes oder Reißverschlusses aussortiert werden. "Als wir herausgefunden haben, dass die beiden eine Schneiderlehre gemacht haben, haben wir ihnen Nähmaschinen organisiert", erzählt Angelika Eyrich. "Seither blühen sie richtig auf."


© Schwäbische Zeitung - 31.07.2015

Ihre Exkursion zum Thema Religion führte die Achtklässlerinnen des Gymnasiums Ochsenhausen auch in die Ehinger Moschee.

Ihre Exkursion zum Thema Religion führte die Achtklässlerinnen des Gymnasiums Ochsenhausen auch in die Ehinger Moschee. Foto: privat

Gym­na­si­um Och­sen­hau­sen: Schü­ler ver­tie­fen ihr Re­li­gi­ons­wis­sen

Ochsenhausen - Anlässlich der "Korridorwoche" am Gymnasium Ochsenhausen haben Schüler der Klasse acht zusammen mit den Religionslehrerinnen Tanja Maier-Klein und Dorothee Sauer bei ihrer Exkursion ihre Kenntnisse der Jahrgangsthemen "Reformation" und "Islam" vertieft.

Die Exkursion führte zuerst nach Biberach in die Stadtpfarrkirche St. Martin, die seit 1548 von beiden Konfessionen friedlich als Simultaneum genutzt wird. Der evangelische Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann brachte der Gruppe die Reformationszeit in Biberach nahe und verwies auf zahlreiche bauliche Details. Er zeigte in der Ausgestaltung der gemeinsamen Kirche auf, wie auch in den folgenden Jahren Protestanten und Katholiken immer wieder um einen guten Umgang bemüht waren und um das Verbindende rangen. Der katholische Mesner Herbert Wohnhas erzählte über das sehr gut funktionierende tägliche Miteinander in der heutigen Praxis, das von Fairness, Respekt und gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist.

Beeindruckt waren die Schüler auch von der 2003 erbauten Moschee mit Kuppel und Minarett in Ehingen, die anschließend Ziel der Ochsenhauser Schüler war. Der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Fatih Mahir und ein muslimischer Theologe führten die Schüler durch die Räume und beantworteten interessierte Fragen. Zum Abschluss schaute die Klasse beim Mittagsgebet mit dem Imam zu.

© Schwäbische Zeitung - 31.07.2015

Kletterturm im Hölzle

sz-foto: Jasmin Amend

Letz­te Ar­bei­ten am Klet­ter­turm

Biberach - Der neue Kletterturm des Ferienwaldheims Hölzle ist fast fertig. Am Turm des Fördervereins Hölzle wird gerade letzte Hand angelegt, damit er am Sonntag, 2. August, eingeweiht werden kann. Vor der offiziellen Übergabe an das Evangelische Jugendwerk als Betreiber findet um 10 Uhr ein Gottesdienst statt. Zwischen 50 000 und 100 000 Euro hat der Turm laut Hansjörg Steinhorst, Vorstandsmitglied des Fördervereins, gekostet. Finanziert wurde der Bau aus Spendengeldern. "Es sind außerdem viele ehrenamtliche Stunden reingeflossen", so Steinhorst. Liebherr und andere lokale Unternehmen haben den Bau unterstützt. Der Turm hat eine Grundfläche von fünf Mal fünf Metern, ist zwölf Meter hoch und kann an zwei Seiten beklettert werden. Auf einer Seite gibt es zudem einen Überhang. Auf den anderen Seiten befinden sich eine Himmelsleiter und eine Vorrichtung zum Bauen und Erklettern von Kistenstapeln. Auch örtliche Schulen, Einrichtungen, Vereine und Unternehmen sollen die Möglichkeit bekommen Teamtrainings durchzuführen. Für Fragen ist das Evangelische Jugendwerk unter Telefon 07351/7933 zu erreichen.


© Schwäbische Zeitung - 30.07.2015

So­li­da­ri­tät für die Bau­hüt­te

Biberach - Dekan Hellger Koepff vom Evangelischen Dekanat Biberach hat sich begeistert über viel Solidarität für die Bauhütte Simultaneum geäußert. "So viel Solidarität gab es noch nie", freut sich Hellger Koepff zusammen mit den beiden Stadtpfarrern Kaspar Baumgärtner und Ulrich Heinzelmann. Die Besucher der beiden großen Gottesdienste im Rahmen des Schützenfests legten mehr als 6000 Euro zusammen. Für die Bauhütte Simultaneum konnten nach dem Jahrgängergottesdienst 3222,01 Euro überwiesen werden. An Bauernschützen wurden auf dem Marktplatz 3000 Euro für die Flüchtlingshilfe im Nordirak eingesammelt.

Ein Ziehwagen mit einem Holzmodell der Stadtpfarrkirche St. Martin, wie sie vor dem Kirchenbrand 1584 ausgesehen haben soll, erinnerte am Schützenfest die Festbesucher an das seit 1548 bestehende Simultaneum, also die gemeinsame Nutzung der Kirche durch Protestanten und Katholiken.

© Schwäbische Zeitung - 29.07.2015

Sind glücklich über den neuen Flüchtlingstreff mitten in Biberach: (v. l.) die Pfarrer Kaspar Baumgärtner und Matthias Ströhle, Andreas Gratz und Marion Martin (beide Caritas), Helga Kamprath (Freundeskreis Asyl), Diakon Damian Walosczyk und Barbara Marti

Sind glücklich über den neuen Flüchtlingstreff mitten in Biberach: (v. l.) die Pfarrer Kaspar Baumgärtner und Matthias Ströhle, Andreas Gratz und Marion Martin (beide Caritas), Helga Kamprath (Freundeskreis Asyl), Diakon Damian Walosczyk und Barbara Martin (Diakonie). SZ-Foto: Gerd Mägerle

Flücht­lings­treff ent­steht im Her­zen der Stadt
Ökumenische Flüchtlingsarbeit will Anlaufstelle in der Waaghausstraße Ende September eröffnen

Von Gerd Mägerle 29. Juli 2015

Biberach - Ein Treff für Flüchtlinge soll ab Ende September im Erdgeschoss des Hauses Waaghausstraße 6 direkt neben dem Biberacher Rathaus entstehen. Die Räume eines früheren Modegeschäfts sollen künftig als Lernräume für Flüchtlinge, als Begegnungsstätte für ehrenamtliche Mitarbeiter und Flüchtlinge sowie als Seminarraum für Schulungen und Besprechungen genutzt werden. Träger der Einrichtung sind die katholische Kirchengemeinde Sankt Martin als Hauseigentümerin sowie der Migrationsdienst der Caritas-Region Biberach-Saulgau. Betrieben wird die Einrichtung von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit im Landkreis.

Schon seit Längerem sind die Mitarbeiter der ökumenischen Flüchtlingsarbeit händeringend auf der Suche nach geeigneten Räumen, um Kurse und Beratungen anzubieten und um einen Treffpunkt für Flüchtlinge zu schaffen. In der Gemeinschaftsunterkunft in der Bleicherstraße sind die Kapazitäten dafür wegen der steigenden Flüchtlingszahlen inzwischen ausgeschöpft.

"Wir sind deshalb froh, dass uns die katholische Kirchengemeinde mit den Räumen in der Waaghausstraße unterstützt", sagte Andreas Gratz vom Migrationsdienst der Caritas. Nach der Renovierung sollen dort ab Ende September zwei Beratungs- und Besprechungsräume, ein größerer Lernraum sowie Büro, Teeküche und Toiletten zur Verfügung stehen.

Geöffnet soll der Flüchtlingstreff immer dann sein, wenn Ehrenamtliche aus der Flüchtlingsarbeit dort Angebote machen können. Dies können Sprechstunden für Behördengänge, für die Anschlussunterbringung oder andere Themen des täglichen Lebens sein. Außerdem ist daran gedacht, dort eine Hausaufgabenhilfe und Unterstützung von Bewerbungen für jüngere Flüchtlinge anzubieten. Aber auch der Austausch zwischen Ehrenamtlichen oder Treffen im Rahmen des Flüchtlingspaten-Projekts sollen in den neuen Räumen möglich sein.

Dieses Haus mitten in der Stadt sei eine Chance, dass Flüchtlinge und Biberacher Bürger miteinander in Kontakt kommen, finden der evangelische Pfarrer Matthias Ströhle, der sich für die Flüchtlingsarbeit im Kreis engagiert, sowie der katholische Stadtpfarrer Kaspar Baumgärtner aus Biberach. "Die großen Schaufenster sind ideal, sie signalisieren Offenheit und Transparenz", so Ströhle.

Kosten trägt die Kirchengemeinde


Den Umbau und die laufenden Kosten trägt die Kirchengemeinde Sankt Martin, die inhaltliche Arbeit übernehmen die zuständigen Stellen Caritas und Diakonie. "Ich könnte mir hier langfristig auch eine hauptamtliche Stelle vorstellen, die den Betrieb koordiniert", sagt Gratz.

Die Wohnung im ersten Obergeschoss ist nicht Bestandteil des Treffs. Sie soll unabhängig davon an eine Flüchtlingsfamilie vermietet werden.

Dankbar sind die Initiatoren des Treffs, dass die Stadt die Nutzungsänderung genehmigt hat und auch von Anwohnerseite keine Widersprüche kamen.

© Schwäbische Zeitung - 29.07.2015

Pfarrer Peter Rieger wird verabschiedet

Viele Bürger und Gemeindemitglieder nutzen die Chance, sich vom Pfarrer persönlich zu verabschieden. SZ-Foto: Radulescu

"...ein­fach Spit­ze, dass Du da warst!"
Pfarrer Dr. Hans-Martin Rieger wurde am Sonntag in Ertingen verabschiedet

Von Alexander Radulescu 27. Juli 2015

Ertingen - Im vollbesetzten Gerhard-Berner-Haus in Ertingen ist Pfarrer. Dr. Hans Martin Rieger am Sonntagmorgen in einem Abschlussgottesdienst verabschiedet worden. Viele Redner lobten in ihren Abschiedsworten seine offene Art und seine Fähigkeit, komplexe Dinge einfach auszudrücken.

Der Bläserkreis der evangelischen Kirchengemeinde Riedlingen und Ertingen sowie Bezirkskantor Jürgen Berron stimmten musikalisch auf diesen Gottesdienst ein. Und die Kinderkirche verabschiedete ihn mit dem Lied: "Einfach spitze, dass Du da warst".

Mit einem Paket Salz in der Hand und dem Bibelspruch "Ihr seid das Salz der Erde" sprach Pfarrer Rieger in seiner Predigt die erfolgreiche Tätigkeit in der evangelischen Kirchengemeinde an. Aber nicht ihm, sondern der Gemeinde gebühre Lob und Anerkennung für diese Arbeit und den Erfolg. Ein einzelnes Salzkorn könne nicht für die Würze sorgen. "Nicht Rückzug ist angesagt, sondern Weltoffenheit" - mit diesen Worten bedankte er sich bei allen, die mit ihm an einem Strang gezogen hätten. "Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist", zitierte er Dietrich Bonhoeffer und unterstrich damit nochmals die Bedeutung einer funktionierenden Gesamtheit einer Kirchengemeinde.

Sein "letzter Gottesdienst" sei jedoch nur ortsbezogen, so Rieger. Er geht nicht in den Ruhestand, sondern mit seienr Frau und seinen drei Kindern in die Schweiz, wo seine dort gebürtige Frau auch in den kirchlichen Dienst könne. In Deutschland sei dies leider nicht möglich gewesen. Gerne hätte er den "Stab" an einen Nachfolger übergeben, leider bleibe seine Stelle aber bis zum 20.September unbesetzt. Die Pfarrer der Umlandgemeinden betreuen solange die Gemeinde.

Nach dem Gottesdienst folgte die Verabschiedung. Bürgermeister Jürgen Köhler sprach für die Gemeinde die Dankesworte. Hierbei erwähnte er lobend die gute Zusammenarbeit und die offene Art des "Pfarrers zum Anfassen". Mit seinem jugendlichen Schwung habe er Akzente gesetzt sowohl in der Kinder- und Jugendarbeit als auch in der Seniorenarbeit im Altersheim. Für seine Zukunft in Emmental wünschte er ihm "göttlichen Rückenwind".

Silke Renz, die die Dankesworte für den Kirchengemeinderat sprach lobte besonders Pfarrer Riegers Fähigkeit, schwierigste Sachverhalte einfach zu erklären. Beeindruckend fand sie deshalb auch, dass die Kirchengemeinde in den Predigten vor Weihnachten sämtliche Spielsachen seiner Kinder zu Gesicht bekam, mit denen biblische Geschichten veranschaulicht wurden.

Heinz Renz bedankte sich stellvertretend für die Gottesdienstbesucher.

Schuldekan Michael Pfeiffer aus Biberach bedauerte in seiner Rede den Weggang Riegers, da man ungern gute Leute gehen lassen. Mit einem kritischen Blick auf die fehlende Flexibilität der Kirche und einem Vergleich mit der Fußballbundesliga regte er an, dass auch bei Pfarrern eine "ordentliche Ablösesumme" eingeführt werden könnte. Dann wären auch genügend Eigenmittel vorhanden. "Ich werd' Sie vermissen!", so Pfeiffer.

Rektor Markus Geiselhart von der Michel-Buck-Gemeinschaftsschule Ertingen stellte Riegers Fähigkeit auf Schüler einzugehen in den Mittelpunkt seiner Dankesworte. Drei jugendliche Vertreter überbrachten Erinnerungen und eine Reisekarte einer gemeinsamen Weltreise mit Rieger.

Hymne gewöhnungsbedürftig

Die Grußworte der katholischen Kirche überbrachte Alwin Käser. Auch er erwähnte das gute Verhältnis und die Zusammenarbeit der beiden Kirchen und Pfarrer. Pfarrerin Ines Fischer aus Mengen brachte das gute Verhältnis zu Rieger - auch zu den anderen Pfarrern -mit den Worten: "Es ist Käse, dass du gehst; aber wenigstens nach Emmental!" treffend zum Ausdruck.

Pfarrer Markus Lutz aus Bad Buchau brachte Bewegung in die Kirchengemeinde, indem er gemeinsam mit Rieger aus einer früheren gemeinsamen Veranstaltung körperlich Dankesgesten vortrug.

Abschließend bedankte sich Pfarrer Rieger bei allen Rednern und Gottesdienstbesuchern für diesen überwältigenden und emotionalen Abschied.

An die vom Bläserkreis abschließend gespielte schweizerische Nationalhymne wolle er sich noch gewöhnen, so Rieger. Der Stehempfang wurde von vielen Bürgern genutzt, sich persönlich von Rieger zu verabschieden.

© Schwäbische Zeitung - 29.07.2015

Michael Schmalz repariert mit Susanne Scherb ihre Nähmaschine.

Michael Schmalz repariert mit Susanne Scherb ihre Nähmaschine. sz-foto: Josef Aßfalg

Re­pa­rie­ren ge­gen die Weg­werf­men­ta­li­tätEhrenamtliche Tüftler engagieren sich im Ummendorfer Repair-Café

Von Josef Aßfalg 27. Juli 2015

Ummendorf - Das Repair-Café im Gemeindesaal der Versöhnungskirche in Ummendorf haben am Samstagnachmittag wieder viele Bürger besucht. Rund zwei Drittel der vorbeigebrachten Geräte konnten die ehrenamtlichen Mechaniker dieses Mal reparieren.

Das Repair-Café fand zum vierten Mal in einem geselligen Rahmen bei Kaffee und Kuchen in der evangelischen Versöhnungskirche statt. Männer und Frauen, ausgestattet mit Werkzeugkoffern und verschiedenen Materialien, sitzen mit den Besuchern an den Tischen und reparieren die defekten Geräte. Die ehrenamtlichen "Mechaniker" reparieren Radios, Kaffeemaschinen, Nähmaschinen und sonstige Haushaltsgeräte kostenlos. Der Spendenerlös dient der Sanierung des Kirchendachs. An einem anderen Tisch werden Kleidungsstücke geändert. Auf dem Vorhof der Kirche stehen Fahrräder und ein Rasenmäher, die repariert werden sollen.

Überwiegend Elektrogeräte

Beim Eintritt in den Gemeindesaal füllt ein freundlicher Herr einen "Reparaturbogen" aus. Auf ihm wird die Fehlerbeschreibung des Geräts, Möbelstücks oder Kleidungsstücks festgehalten und mit einer fortlaufenden Nummer versehen. Die Besucher erklären sich per Unterschrift mit der Haftungsbegrenzung für mögliche Defekte, technische oder optische Mängel einverstanden. "Elektrogeräte machen den größten Anteil aus, der repariert werden soll", resümiert Claudia Schmalz, die mit Mesnerin Susanne Koch und Monika Grohse, ebenfalls ehrenamtlich, in der Küche und beim Ausschank arbeiten. "Heute war auch ein Bügelbrett dabei", bekennt Schmalz.

"Unsere Wegwerfmentalität finde ich schlimm", sagte eine Besucherin, die mit Nummer 23 und zwei Hosen, die gekürzt werden sollen, auf einen freien Platz am Nähmaschinentisch wartet. Und: "Man trifft sich" und es kämen nette und interessante Gespräche zustande. Kirchengemeinderat Michael Schmalz, der das Repair-Café initiiert hat, repariert an einem Tisch mit Besucherin Susanne Scherb ihre Husqvarna-Nähmaschine. Die Nähmaschine sei mehr als 30 Jahre alt "und ich habe sie an meine Tochter vererbt'", verrät Scherb lächelnd. "Das ist Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Schmalz. Auch Susanne Scherb müsse mithelfen, ihre Nähmaschine in Gang zu bringen. Das Ziel sei es, der Wegwerfmentalität entgegenzusteuern und die Leute zu motivieren, selbst nach dem Fehler zu schauen und zu reparieren, anstatt sie gleich wegzuwerfen.

"Wir suchen noch ehrenamtliche Helfer, die Lust und Geschick haben, zu reparieren", so Michael Schmalz. Neben ihm sitzt ein Tierarzt, dessen Name nicht in der Zeitung stehen soll und repariert eine Kaffeemaschine. Einige Zeit später sind Nähmaschine und Kaffeemaschine wieder funktionsfähig. "Etwa zwei Drittel der rund 30 angelieferten Geräte und Kleidungsstücke können repariert und geändert werden", sagen die "Mechaniker" und die Besitzer der Altgeräte gingen dann freudestrahlend nach Hause.

Der frühere Bio- und Chemielehrer Rainer Grosch repariert ein altes Braun-Transistorradio von Walter Hablizel, bei dem das Netzteil defekt ist. Diese Reparaturen betrachte er als Hobby, sagt Grosch. Das Entscheidende für ihn sei aber, "dass solche Geräte nicht gleich auf dem Sperrmüll landen".

Das Repair-Café im Gemeindesaal der Versöhnungskirche im Riedweg 12 in Ummendorf findet immer am letzten Samstag im Monat von 14 bis 17 Uhr statt. Nächster Termin: Samstag, 19. September. Weitere ehrenamtliche Helfer sind willkommen. Ansprechpartner ist Michael Schmalz, Telefon 07351 31233. Kontakt per E-Mail an repair-cafe@ummendorf.org oder im Internet unter


© Schwäbische Zeitung - 25.07.2015

2017 steht Zelt­kir­che in Balz­heim
Reformationsjubiläum ist Anlass für ein großartiges ökumenisches Projekt

Von Harald Kächler 25. Juli 2015

Balzheim - In zwei Jahren jährt sich zum 500sten Mal der Thesenanschlag Martin Luthers - der Beginn der Reformation. Dann wird das Zelt der evangelischen Landeskirche Württemberg Anfang Juli für zwei Wochen in Balzheim stehen.

Möglich ist das durch eine einzigartige Kooperation der Kirchengemeinden des Unteren Illertals und anderer geistlicher Institutionen. Mit im Boot sind die katholischen Kirchengemeinden Dietenheim und Kirchberg, die evangelischen Kirchengemeinden Wain, Dietenheim, Kirchdorf und Balzheim sowie die Liebenzeller Gemeinschaft, der EC, das Kloster Brandenburg und die Unita Dei Christiani. Somit ist die Zeltkirche 2017 ein großartiges ökumenisches Projekt vor dem Hintergrund des Reformationsjubiläums, was der Balzheimer Pfarrer Harald W. Losch zu würdigen weiß: "Was sich vor 500 Jahren gespalten hat, kommt für dieses Projekt zusammen."

Schon im Oktober 2014 hatten der zuständige Zeltpfarrer Thomas Wingert und der Zeltmeister Martin Heubach die Konzeption der Zeltkirche dem Balzheimer Kirchengemeinderat vorgestellt. Pfarrer Losch und das Kollegium begannen daraufhin, in der nächsten Umgebung Kooperationspartner zu suchen - mit Erfolg. Im Januar kamen zahlreiche Vertreter der Kirchengemeinden und Institutionen in das Hans-Ehinger-Haus, wo Zeltpfarrer Wingert sie wohl so überzeugen konnte, dass eine Zusage nach der anderen kam. In der Folgezeit gelang es Pfarrer Losch, auch das Kloster Brandenburg und die Unita Dei Christiani für das Projekt zu gewinnen.

Am 29. Juni wurde in Balzheim das Kernteam für die Organisation und Durchführung der Zeltkirche 2017 gebildet, bestehend aus 16 Personen. Bei der nächsten Sitzung im Oktober soll der Kernteam-Leiter gewählt werden, ausdrücklich kein Pfarrer, wie Losch betont. Das Team stellt Überlegungen zu Themen und zur Gestaltung des Programm an.

Damit nicht genug: Die neue Konzeption der Zeltkirche sieht die Einbindung der örtlichen Vereine und Institutionen bei der Gestaltung der Zeltabende vor. Das können sowohl kultur- als auch sporttreibende Vereine sein, aber auch Schulen, Kindergärten oder Seniorenkreise. Die Zeltkirche stellt selbst namhafte Referenten zur Verfügung. Die Abende haben einen festen theologischen Rahmen und Bezug, ansonsten können sie höchst unterschiedlich sein. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel ein Candlelight-Dinner in der Zeltkirche. "Wir wollen auf die Menschen zugehen", sagt Pfarrer Losch.

Vorige Woche inspizierte Martin Heubach auf dem Balzheimer Schul- und Sportgelände den voraussichtlichen Standort der Zeltkirche 2017. Im Moment herrscht in den Gemeinden schon eine gewisse Vorfreude auf das gemeinsame Projekt. Aufbruchstimmung ist zu spüren.

© Schwäbische Zeitung - 25.07.2015

2017 steht Zelt­kir­che in Balz­heim
Reformationsjubiläum ist Anlass für ein großartiges ökumenisches Projekt

Von Harald Kächler 25. Juli 2015

Balzheim - In zwei Jahren jährt sich zum 500sten Mal der Thesenanschlag Martin Luthers - der Beginn der Reformation. Dann wird das Zelt der evangelischen Landeskirche Württemberg Anfang Juli für zwei Wochen in Balzheim stehen.

Möglich ist das durch eine einzigartige Kooperation der Kirchengemeinden des Unteren Illertals und anderer geistlicher Institutionen. Mit im Boot sind die katholischen Kirchengemeinden Dietenheim und Kirchberg, die evangelischen Kirchengemeinden Wain, Dietenheim, Kirchdorf und Balzheim sowie die Liebenzeller Gemeinschaft, der EC, das Kloster Brandenburg und die Unita Dei Christiani. Somit ist die Zeltkirche 2017 ein großartiges ökumenisches Projekt vor dem Hintergrund des Reformationsjubiläums, was der Balzheimer Pfarrer Harald W. Losch zu würdigen weiß: "Was sich vor 500 Jahren gespalten hat, kommt für dieses Projekt zusammen."

Schon im Oktober 2014 hatten der zuständige Zeltpfarrer Thomas Wingert und der Zeltmeister Martin Heubach die Konzeption der Zeltkirche dem Balzheimer Kirchengemeinderat vorgestellt. Pfarrer Losch und das Kollegium begannen daraufhin, in der nächsten Umgebung Kooperationspartner zu suchen - mit Erfolg. Im Januar kamen zahlreiche Vertreter der Kirchengemeinden und Institutionen in das Hans-Ehinger-Haus, wo Zeltpfarrer Wingert sie wohl so überzeugen konnte, dass eine Zusage nach der anderen kam. In der Folgezeit gelang es Pfarrer Losch, auch das Kloster Brandenburg und die Unita Dei Christiani für das Projekt zu gewinnen.

Am 29. Juni wurde in Balzheim das Kernteam für die Organisation und Durchführung der Zeltkirche 2017 gebildet, bestehend aus 16 Personen. Bei der nächsten Sitzung im Oktober soll der Kernteam-Leiter gewählt werden, ausdrücklich kein Pfarrer, wie Losch betont. Das Team stellt Überlegungen zu Themen und zur Gestaltung des Programm an.

Damit nicht genug: Die neue Konzeption der Zeltkirche sieht die Einbindung der örtlichen Vereine und Institutionen bei der Gestaltung der Zeltabende vor. Das können sowohl kultur- als auch sporttreibende Vereine sein, aber auch Schulen, Kindergärten oder Seniorenkreise. Die Zeltkirche stellt selbst namhafte Referenten zur Verfügung. Die Abende haben einen festen theologischen Rahmen und Bezug, ansonsten können sie höchst unterschiedlich sein. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel ein Candlelight-Dinner in der Zeltkirche. "Wir wollen auf die Menschen zugehen", sagt Pfarrer Losch.

Vorige Woche inspizierte Martin Heubach auf dem Balzheimer Schul- und Sportgelände den voraussichtlichen Standort der Zeltkirche 2017. Im Moment herrscht in den Gemeinden schon eine gewisse Vorfreude auf das gemeinsame Projekt. Aufbruchstimmung ist zu spüren.

© Schwäbische Zeitung - 23.07.2015

Die beiden Biberacher Stadtpfarrer Kaspar Baumgärtner (l.) und Ulrich Heinzelmann zollen sich im Gewand des jeweils anderen beim Festzug gegenseitig ihren Respekt

Schöne Geste: Die beiden Stadtpfarrer Kaspar Baumgärtner (l.) und Ulrich Heinzelmann zollen sich im Gewand des jeweils anderen beim Festzug gegenseitig ihren Respekt. SZ-Foto: Gerd Mägerle

"Kon­fes­si­on ist ja meist et­was Zu­fäl­li­ges"
Die beiden Stadtpfarrer Baumgärtner und Heinzelmann erzählen, wie sie ihren gemeinsamen Auftritt im Historischen Festzug erlebt haben
 
Von Gerd Mägerle 23. Juli 2015

Biberach - Es war eines der Bilder des Historischen Festzugs am Dienstag: Die beiden Stadtpfarrer Kaspar Baumgärtner (katholisch) und Ulrich Heinzelmann (evangelisch), jeweils in der Berufskleidung des Amtsbruders verneigen sich vor der Ehrentribüne voreinander und halten sich einen Moment lang an den Händen. Gemeinsam haben sie mit dem erstmals im Festzug vertretenen Simultaneumwagen am Festzug teilgenommen und wollen dies beim Festzug an Bauernschützen (26. Juli, ab 11 Uhr) noch einmal wiederholen.

Der Simultaneum-Wagen, der von den beiden Pfarrern, den Mesnern beider Konfessionen sowie einer Abordnung der St.-Martins-Chorknaben gezogen wird, zeigt ein Modell der Biberacher Stadtpfarrkirche vor dem Brand im Mai 1584. "Wir Pfarrer sind froh, dass das Simultaneum nach mehreren Anläufen seinen Platz im Festzug gefunden hat", sagt Heinzelmann.

Das Simultaneum regelt die paritätische Nutzung der Stadtpfarrkirche durch beide Konfessionen. Diese Gemeinsamkeit wollten die beiden Pfarrer auch mit dem Tausch ihrer Gewänder ausdrücken. So trug Baumgärtner den Gelehrtenrock eines evangelischen Pastors und Heinzelmann ein barockes katholisches Messgewand. "Darin ist mir übrigens während des Umzugs ziemlich warm geworden", sagt er. Interessant fand er, dass er am Anfang beim Tragen des katholischen Messgewands ein "besonderes Gefühl" empfunden habe. "Ich habe mich gefragt, ob ich mich jetzt feierlicher bewegen muss", sagt Heinzelmann.

Sein Amtskollege Baumgärtner kam im schwarzen Gelehrtenrock auch ordentlich ins Schwitzen. "Wobei ich finde, dass mich die zwei längs verlaufenden weißen Bänder des Beffchens sehr schlank machen", scherzt Baumgärtner. Der Gewändertausch symbolisiert aus Heinzelmanns Sicht eine Kernbotschaft des Simultaneums. "Konfession ist ja meist etwas Zufälliges. Ein Kind wird in eine katholische oder evangelische Familie hineingeboren und dann in der jeweiligen Konfession getauft. Es hätte also auch umgekehrt sein können: Ich bin der katholische Pfarrer und mein Kollege der evangelische."

Umzugstempo sehr hoch

Baumgärtner hat noch eine weitere Erklärung für den Tausch der Gewänder: "Hätten wir das nicht gemacht, wären wir die einzigen im Festzug gewesen, die sich selbst spielen." Auch ihm hat das Mitwirken im Umzug riesigen Spaß gemacht. "Allerdings war der Zug sehr schnell unterwegs. Ich hätte gern am Straßenrand noch das eine oder andere Wort mit den Zuschauern gewechselt." Auch Heinzelmann hofft am Sonntag auf ein etwas langsameres Tempo, "damit ich meine Bildchen des heiligen Martin verteilen kann und Pfarrer Baumgärtner seine Zettel mit den Thesen von Martin Luther." Noch so ein augenzwinkerndes Zeichen für das gute Miteinander, das die beiden Geistlichen pflegen.

Das wollten sie auch mit der Geste des Verbeugens voreinander an der Ehrentribüne ausdrücken. "Das war ein Zeichen unseres gegenseitigen Respekts, der uns trotz aller Verschiedenheit sehr wichtig ist", sagen beide.


© Schwäbische Zeitung - 21.07.2015

Laupheimer Bläser erklimmen das Nebelhorn

Laupheimer Bläser erklimmen das Nebelhorn

Lauphei­mer Blä­ser er­klim­men das Ne­bel­horn

Laupheim - Wenn Musiker mit Instrumenten und Notenständern in einer Gondel auf den Berg fahren, führt dies bei Wanderern immer wieder zu erstaunten Gesichtern. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen neuen Fitnesstrend, vielmehr kann man sich sicher sein, dass bei der Bergstation ein Gottesdienst stattfindet. Auch der evangelische Posaunenchor Laupheim begab sich aus diesem Grund wieder in luftige Höhe. Am vergangenen Samstag bestiegen die Musikerinnen und Musiker das Nebelhorn, um dort den Berggottesdienst der Gemeinde Oberstdorf auf 1932 Metern Höhe musikalisch zu umrahmen. Der Gottesdienst mit dem Blick über die Alpen war für alle ein besonderes und unvergessliches Ereignis, das der Posaunenchor auch im nächsten Jahr wiederholen möchte. Man darf sich aber auch auf ein weiteres Ereignis noch in diesem Jahr freuen: Am Samstag, 5. Dezember, ist ein Kirchenkonzert unter Mitwirkung des evangelischen Kirchenchors, des Chors Chili Con Vocale und mit Orgelbegleitung geplant. Foto: privat


© Schwäbische Zeitung - 20.07.2015

Bürgermeisterin Doris Schröter und Heimo Rinösl ehren Mitglieder der Uniformierten Schützengarde Himmelberg

Bürgermeisterin Doris Schröter und Heimo Rinösl, Bürgermeister von Himmelberg, ehren im Anschluss an den ökumenischen Festgottesdienst gemeinsam Mitglieder der Uniformierten Schützengarde Himmelberg und der Bürgerwache samt Spielmannszug. Foto: Anita Metzler-Mikuteit

Him­mel­ber­ger Schüt­zen­gar­de ge­stal­tet den Got­tes­dienst mit
Hunderte feiern ökumenischen Gottesdienst auf dem Marktplatz - Paul Bräuchle predigt als "Johannes"

Von Anita Metzler-Mikuteit 20. Juli 2015

Bad Saulgau - Beim ökumenischen Festgottesdienst am Sonntag auf dem Marktplatz in Bad Saulgau hat sich das Wetter von seiner schönsten Seite gezeigt. Die Temperaturen waren auch für diejenigen angenehm, die diese Veranstaltung zum Anlass genommen haben, in Trachten und Kostümen auf den Bänken Platz zu nehmen.

An der Seite des katholischen Pfarrers Peter Müller nahm überraschenderweise nicht Paul Bräuchle von der evangelischen Kirchengemeinde Platz, sondern dessen Bruder "Johannes". Der hat übers ganze Jahr eine eher ungewöhnliche Aufgabe: Als Zirkus- und Schaustellerpfarrer ist er in ganz Süddeutschland unterwegs, besucht Volksfeste und spricht mit den Menschen über ihre Sorgen und Nöte, tauft deren Kinder oder segnet die Fahrgeschäfte.

Vom Outfit zum Infit

"Johannes" Bräuchle zeigte sich begeistert von der Stadt wie auch vom Bächtlefest und nicht zuletzt vom "Outfit" der Umsitzenden, um danach das "Infit" zu thematisieren. Dazu hat der Theologe die geschichtlichen Hintergründe des Bächtlefestes recherchiert und schnell festgestellt, dass dabei stets die Kinder im Mittelpunkt standen. "Ich hoffe, das ist heute noch so", fuhr Bräuchle in seiner Festpredigt fort, "lebt ihnen die christlichen Grundwerte vor, zeigt ihnen, dass sie eingeladen sind, selig zu werden." Auch das Selbstbestimmungsrecht jedes Einzelnen fand Eingang in seine Ausführungen. "Das ist kein grenzenloses Recht, es wird vielmehr begrenzt durch unsere Verantwortung für unsere Mitmenschen, für die Gesellschaft." Bei den Fürbitten wurde an die Menschen in Griechenland und ganz Europa gedacht, die "große Sorgen haben um ihre Zukunft". "Das würde mir auch gefallen", schmunzelte Peter Müller. Er selbst habe nur hin und wieder ein Fest, dafür aber "viel Zirkus".

Die europäische Note

Der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde sorgte ebenso für den musikalischen Rahmen wie die Schützengarde aus der Partnerstadt Himmelberg im österreichischen Kärnten. "Die fast ein halbes Jahrhundert bestehende Freundschaft mit Himmelberg steht als wunderbares Beispiel dafür, wie Europa zusammenwachsen kann", fuhr Müller fort, "Europa ist viel mehr als nur Euro und Cent."

Aber auch an diejenigen, die sich in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für Gerechtigkeit stark machen, an die unzähligen Flüchtlinge und Obdachlosen wie auch an die Muslime, die sich während des Fastenmonats Ramadan intensiv Gott zugewandt haben. "Der Gottesdienst gehört auch weiterhin auf den Marktplatz", sagte Richard Frey, Präsident des Bürgerausschusses, abschließend und bedankte sich bei allen Beteiligten. Er knüpfte damit an die Diskussion an, den Gottesdienst zukünftig möglicherweise im Festzelt abzuhalten.

Anschließend wurden zahlreiche Auszeichnungen vergeben, nicht nur an Mitglieder der Bürgerwache und des Spielmannszugs, sondern an langjährige Aktive der Uniformierten Schützengarde Himmelberg.

© Schwäbische Zeitung - 20.07.2015

Jahrgängerumzug Biberach 2015

Jahrgängerumzug Biberach 2015

Jahr­gän­ger zie­hen fröh­lich durch die Stra­ßen
Die 100-jährige Elsa Kaim führt den Umzug an - Pfarrer begeistern mit einem ganz besonderem Gottesdienst


Von Tanja Bosch 20. Juli 2015

Biberach - Bevor die Jahrgänger durch Biberachs Straßen ziehen durften, zelebrierten die beiden Stadtpfarrer, Ulrich Heinzelmann und Kaspar Baumgärtner, zu Ehren der Jubilare einen ganz besonderen ökumenischen Gottesdienst.

Selten herrscht in der Stadtpfarrkirche eine so ausgelassene und fröhliche Stimmung wie an diesem Tag: Die Menschen klatschten, lachten über die Scherze der zwei Pfarrer, die Chorknaben ernteten lauten Applaus und Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler erzählte sogar einen Witz.

In einem amüsanten und interessanten Zwiegespräch wiesen Pfarrer Heinzelmann und Pfarrer Baumgärtner auf die Besonderheit des diesjährigen Schützenfests hin: "Zum ersten Mal ist die Stadtpfarrkirche selbst Teil des Historischen Festzugs", so der evangelische Stadtpfarrer. Und zwar so, wie sie im Jahr 1584 noch vor dem Kirchenbrand ausgesehen habe.

"Was diese Kirche alles schon erlebt hat", führt der katholische Stadtpfarrer den Dialog fort. "Ähnlich wie unsere beiden Konfessionen, was haben wir schon heftig gestritten." Aber am Ende sei es egal, welcher Konfession man zugehörig sei, es gehe um den persönlichen Lebensstil und die Verantwortlichkeit für sein eigenes Leben.

Auch Norbert Zeidler erinnerte in seiner Rede daran, dass man sich seiner Wurzeln, seiner Prägung und seiner geistigen und spirituellen Heimat erinnern soll und wünscht den Jahrgängern ein lebensbejahendes und positives Fest. Den krönenden Abschluss des Gottesdiensts bildete wie üblich das Schützenfestlied, das von der Kleinen Schützenmusik gespielt wurde.

Draußen warteten bereits Tausende Zuschauer mit vielen kleinen und auch großen Geschenken auf ihre Jahrgänger. In diesem Jahr führte Elsa Kaim, eine 100-jährige Biberacherin, den Festzug an. Dicht gefolgt von zwei Jahrgängern, die 1920 geboren wurden. Manche wurden im Rollstuhl geschoben und andere legten die Strecke selbstverständlich zu Fuß zurück, ein älterer Herr sogar hüpfend. Für Stimmung zwischen den einzelnen Jahrgängen sorgten Trommlergruppen und Spielmannszüge.

Feiern bis in die Morgenstunden

Die Freude war den Jahrgängern jedenfalls anzusehen, sie feierten es, Teil dieses besonderen Umzugs zu sein. Es wurde viel geküsst, umarmt und das Umhängen durfte auch nicht fehlen. Von manchem war kaum noch etwas zu sehen, so schwer beladen hatten ihn seine Freunde. Aber auch das gehört zum Jahrgängerumzug. Anschließend ging es für viele noch zu den einzelnen Festen in die verschiedenen Lokale. Und einige verließen diese erst wieder, als der Schützensonntag schon dämmerte.


© Schwäbische Zeitung - 18.07.2015

Die jungen Musiker verkörpern mit viel Gefühl ihre Charaktere: hier Dunja Striebel, die sowohl die Gleichgültigkeit als auch die Mutter Newtons spielte, mit ihrem "Kind" Joshua Beck.

Die jungen Musiker verkörpern mit viel Gefühl ihre Charaktere: hier Dunja Striebel, die sowohl die Gleichgültigkeit als auch die Mutter Newtons spielte, mit ihrem "Kind" Joshua Beck. SZ-Foto: Linda Leinecker

Gym­na­si­as­ten ro­cken die Kapf­hal­le
Ochsenhauser Schüler veranstalten Benefizmusical "Amazing Grace"


Von Linda Leinecker

Ochsenhausen - Mit beeindruckenden Leistungen und viel Einsatz hat das Gymnasium Ochsenhausen das Chormuscial "Amazing Grace" auf die Ochsenhauser Kapfhallen-Bühne gebracht. Das Singspiel von Andreas Malessa und Tore W. Aas basiert auf der wahren Geschichte John Newtons, einstiger Sklavenkapitän und Schöpfer der "erstaunlichen Gnade". Der Eintritt zum Musical war frei, Spenden kommen dem Arbeiterkreis Asyl zugute.

Mit mitreißenden Gospelliedern und Balladen wird der Zuschauer an das bewegte Leben Newtons herangeführt. 13 Solisten, der 50 Stimmen starke Mittel- und Oberstufenchor sowie ein 24-köpfiges Orchester des Gymnasiums begleiten in teils rockiger Manier durch die Handlung, die wie ein Seegang auf und ab geht: Der junge Newton (gespielt von Joshua Beck) wird bereits früh elternlos. Als junger Mann (nun Marco Huberle) verliebt er sich in die selbstbewusste Polly Maria Catlett (Maria Kreil). Die beiden verloben sich und finden ihr Glück; Newton organisiert allerdings aufgrund finanzieller Not Sklaventransporte, bei denen katastrophale Zustände herrschen.

"Von 218 Sklaven an Bord sterben 67", berichtet der Erzähler. "Sei es aufgrund der Hitze, Schlägereien oder Selbstmord." Als der Sklavenkapitän 1748 schiffbrüchig wird und nur, wie ihm scheint, durch die Gnade Gottes überlebt, wandelt sich seine Gesinnung. Er fängt an, Theologie zu studieren und wird Geistlicher. "Amazing Grace" entspringt seiner Feder nach einem Selbstmordversuch seines depressiven Kantors - eine Art Kampfschrift gegen den Hass (Dennis Lang), die Angst (Elena Ruopp) und die Gleichgültigkeit (Dunja Striebel), die ihn sein Leben lang begleiten und konfrontieren. Später wird "Amazing Grace" zu einem der populärsten Gospellieder avancieren und sein Autor mit dem britischen Parlamentarier William Wilberforce 1807 die Abschaffung der Sklaverei durchsetzen.

Neben dem Hauptcharakter Newton, der mit angenehm weicher Stimme und Charme seine Solos meistert, überzeugt vor allem Kreil in der Rolle der Polly. Speziell in den Balladen beweist die Schülerin große Gesangssicherheit und hohes Stimmpotenzial. Die vier Gospelsänger Leonie Lüthy (Sopran), Joana Frieß (Alt), Dario Klawitter (Tenor) und Daniel Brellochs (Bass) begeistern mit sauberen, klaren Tönen und positiv überraschenden dunklen Soulpartien. Im Schauspiel tun sich vor allem Lang, Ruopp und Striebel als die drei Dämonen hervor, die ihre diabolischen Rollen mit viel Humor verkörpern.

"Ihr habt die Kapfhalle gerockt!", zollt Rektorin Elke Ray den Schülern am Ende der Aufführung Respekt. "Ihr wart wirklich amazing." Die Musiker unter Leitung von Sonja Walter hätten gezeigt, dass der Traum vom Glück nicht nur eine Illusion sei. Dies war für Pfarrer Matthias Ströhle von der evangelischen Kirchengemeinde Erolzheim-Rot besonders wichtig. "Ich habe auch einen Traum", sagt der Mitarbeiter vom Arbeitskreis Asyl und lehnt sich dabei an das berühmte Zitat Martin Luther Kings an. "Menschen, egal welcher Hautfarbe oder Rasse, sollen in Frieden in Ochsenhausen leben können." Er fügt hinzu: "Sie sollen hier nicht nur Gastfreundschaft, sondern auch Heimat finden." Er danke den Schülern für die Themenauswahl des Musicals, das wunderbar in die heutige Zeit passe. "Das zeigt, dass es euch interessiert und ihr auch meint, was ihr gesungen habt", so Ströhle. "Ihr helft mit, dass der Traum wahr wird."

© Schwäbische Zeitung - 18.07.2015

Diese sechs Lehrerinnen erhielten den Auftragt für die Erteilung von Religionsunterricht.

Diese sechs Lehrerinnen erhielten den Auftragt für die Erteilung von Religionsunterricht. Foto: Karl-Heinz Held

"Zu­wachs" im evan­ge­li­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richt

Biberach - Sechs junge Pädagoginnen haben den Segen der Kirche erhalten und dürfen nun evangelischen Religionsunterricht erteilen. "Helfen Sie mit, dass Ihre Schüler den ,Mehrwert' des Lebens entdecken können", ermunterte Schuldekan Michael Pfeiffer die Lehrerinnen in seiner Predigt in der Bonhoefferkirche in Biberach. Andrea Betz (Unlingen), Heidi Dauben-Flamm (Langenenslingen), Susanne Holz (Laupheim), Sabine Klan (Biberach), Judith Schmelcher (Aulendorf) und Franziska Stuhlmülle (Schwendi) wurden mit der Erteilung von evangelischem Religionsunterricht im Gemeindegottesdienst der Bonhoefferkirche in Biberach beauftragt. Gemeinsam mit Schulamtsdirektor Klaus Brauner, verschiedenen Rektorinnen sowie Kolleginnen, Familie, Freunden und der Gemeinde freute man sich über den "Zuwachs im Religionsunterricht".

 

 

© Schwäbische Zeitung - 17.07.2015

Die Mitarbeiterinnen Marion Martin (von links) und Corinna Zeh begleiten die Flüchtlinge. FOTO: STROEHLE

Flücht­lings­kin­der ma­chen Fe­ri­en im Hölz­le

Mitarbeiter werden für Flüchtlinge geschult


Biberach - Knapp 20 Flüchtlingskinder aus der Gemeinschaftsunterkunft in der Bleicherstraße werden dieses Jahr die Möglichkeit haben am zweiten Abschnitt des Ferienwaldheims Hölze teilzunehmen. Dies ist bereits das dritte Mal, dass junge Flüchtlinge im Hölze aufgenommen werden, um gemeinsam mit den anderen Kindern zwei Sommerferienwochen zu verbringen.

Das Engagement des Evangelischen Jugendwerks in diesem Bereich hat Tradition, die bis auf die Gründung des Hölzles vor über 50 Jahren zurückgeht. Damals waren es vor allem die Vertriebenen, die in den Flüchtlingslagern im Gaisental und im Lindele untergebracht waren, die im Hölzle Ferientage verbringen durften. Die Mitarbeiter des Evangelischen Jugendwerks führen diese Tradition fort. Im vergangenen Jahr haben die Hölzlemitarbeiter über 600 Euro für Flüchtlinge gespendet. Auch die Evangelische Landeskirche unterstützt das Projekt.

Damit die Teilnahme der Flüchtlinge im Hölzle gut funktioniert, wurden die etwa 40 Mitarbeiter von Marion Martin und dem Bezirksbeauftragten für Asyl und Flüchtlinge, Pfarrer Matthias Ströhle, ausführlich geschult.

Marion Martin, die für die Caritas die Kinderbetreuung in der Bleicherstaßre koordiniert, erklärte den Mitarbeitern nicht nur die Lebensverhältnisse der Kinder im Asylbewerberheim, sie gab auch wichtige Tipps zur Sprachvermittlung und zum Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen. Wichtig ist es, erklärt Marion Martin, den Kindern Normalität zu vermitteln, und sie in diesen zwei Wochen Kind sein zu lassen, denn im Heim seien sie oftmals überfordert und müssten die Rolle der Eltern übernehmen.

Pfarrer Matthias Ströhle sagte den Mitarbeitern zu, dass die ökumenische Flüchtlingsarbeit auch während des Hölzles für alle Fragen zur Verfügung stünde. Für die Kontaktarbeit wurde extra eine Praktikantin eingesetzt, die Flüchtlinge während des Waldheims begleitet. Er hofft, dass dadurch die Teilnahme der Flüchtlinge nicht nur für die Flüchtlinge selbst, sondern auch für die Mitarbeiter und die anderen Teilnehmer zum Gewinn werden kann.

© Schwäbische Zeitung - 16.07.2015

Edzard Albers, Gemeindepfarrer der Bonhoefferkirche Biberach, wird am Sonntag verabschiedet. Er tritt eine neue Stelle in der Schweiz im Kanton Zürich an. FOTO: PRIVAT

Pfar­rer Ed­zard Al­bers wird am Sonn­tag ver­ab­schie­det

Gottesdienst am 19. Juli ist zugleich der letzte in der Bonhoefferkirche vor Sanierung

Biberach - Im Gottesdienst am kommenden Sonntag, 19. Juli, verabschiedet sich die Evangelische Bonhoefferkirchengemeinde von ihrem langjährigen Pfarrer Edzard Albers. Zehn Jahre lang war er als Gemeindepfarrer auf dem Biberacher Mittelberg tätig.

Der Gottesdienst in der Bonhoefferkirche beginnt um 10.30 Uhr. Gemeinsam mit Pfarrvikar Dr. Paul Odoeme aus der Katholischen Kirchengemeinde zur Heiligsten Dreifaltigkeit gestaltet Pfarrer Edzard Albers eine Predigt im Dialog. Im Gottesdienst werden vier Kinder getauft. Einige Kinder aus dem Evangelischen Kindergarten Hühnerfeld wirken ebenfalls bei der Feier mit. Die Tradition gelebter Ökumene auf dem Biberacher Mittelberg soll in diesem Gottesdienst deutlich sichtbar werden.

Auf die gemeinsame Zeit zurückblicken

Anschließend ist die ganze Gemeinde zu einem Mittagessen eingeladen. Hier soll Zeit sein für ein dankbares Zurückblicken auf die gemeinsamen Wege in den vergangenen zehn Jahren, Zeit für Gespräche und Begegnung.

Die Männerkochgruppe der Bonhoefferkirche hat sich in Vorbereitung auf die neue Wirkungsstätte von Pfarrer Edzard Albers in einer Kirchengemeinde im Kanton Zürich in der Schweiz ein oberschwäbisch-schweizerisches Menü ausgedacht. Und zum Dessert gibt es natürlich Schützenkrapfen.

Sanierung dauert voraussichtlich bis Sommer 2016

Der Abschiedsgottesdienst ist zugleich der letzte in der Evangelischen Bonhoefferkirche vor der großen Umbau- und Sanierungsphase. Ab dem 2. August wird die Evangelische Kirchengemeinde dann jeden Sonntag mit einem eigenen Gottesdienst zu Gast sein in der Katholischen Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit.

Der Bauzeitenplan sieht eine Wiedereröffnung der Evangelischen Bonhoefferkirche im Sommer 2016 vor.

Bis es soweit ist, hat Biberach also temporär ein weiteres Simultaneum. Auch unter der Woche findet das Evangelische Gemeindeleben Unterschlupf in ökumenischer Gastfreundschaft im Katholischen Gemeindezentrum.

Der Gottesdienst ist am Sonntag, 19. Juli, 10.30 Uhr, in der Evangelischen Bonhoefferkirche, Köhlesrain 10.

© Schwäbische Zeitung - 11.07.2015

Auf zum ersten Flug. FOTO: PRIVAT

Kin­der­gar­ten Hüh­ner­feld: Kin­der be­ob­ach­ten Schmet­ter­lin­ge beim Schlüp­fen

Biberach - Kinder des evangelischen Kindergartens Hühnerfeld haben Schmetterlinge bei ihrer Verwandlung beobachtet.

Als Teil des Gartenprojekts des Kindergartens haben zuerst die Kinder in der Sprachförderstunde das Thema Schmetterlinge behandelt. Das machte den Kindern große Freude und weckte ihr Interesse, berichten die Erzieherinnen. So kam die Idee auf, die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling für alle Kinder im Kindergarten live erlebbar zu machen. Mit angeeignetem Wissen und etwas Glück gelang es einer Erzieherin, ein Nest der Raupen des Tagpfauenauges ausfindig zu machen und in den Kindergarten zu bringen.
Die Raupen mussten nun richtig versorgt werden und wurden täglich mit einem Bund frischer Brennnesseln gefüttert. Sie hatten einen fast unstillbaren Appetit. Man konnte ihnen beinahe beim Wachsen zusehen. Jeden Tag verbrachten die Kinder viel Zeit damit, die Tiere beim Krabbeln und Fressen fasziniert zu beobachten. Schon elf Tage nach dem Einsammeln der winzigen Raupen waren die ersten groß und dick genug, um mit dem Verpuppungsprozess zu beginnen.

Acht Tage später war es dann schließlich so weit. Die Schmetterlinge begannen zu schlüpfen. Gebannt verfolgten die Kinder dieses Ereignis. Nachdem die Flügel getrocknet und sie bereit für ihren ersten Flug waren, war die Zeit des Abschieds gekommen. Die Kinder schenkten den wunderschönen Tagpfauenaugen gemeinsam die Freiheit. Mit einem Gartenfest kam das gesamte Gartenprojekt mit all seinen Themen schließlich zu einem runden Abschluss.

© Schwäbische Zeitung - 09.07.2015

Es werden Gerichte aus der Heimat der Flüchtlinge probiert. FOTO: PRIVAT

Beim Be­geg­nungs­fest wird in­ter­na­tio­nal ge­speist

Bürger und Flüchtlinge treffen am 19. Juli aufeinander - Es gibt Musik, Essen und Tanz

Mengen - In einer entspannten Atmosphäre, bei gutem Essen und einem kleinen Unterhaltungsprogramm sollen die Mengener Bürger und die in der Stadt lebenden Flüchtlinge am Sonntag, 19. Juli, die Gelegenheit haben, sich näher kennenzulernen. Das erste vom Arbeitskreis Asyl organisierte Begegnungsfest im Oktober des vergangenen Jahres ist auf beiden Seiten so gut angekommen, dass Ehrenamtliche und Flüchtlinge eine Neuauflage planen. Es findet ab 15.30 Uhr auf dem Gelände der evangelischen Kirche statt.

Seit einem Jahr leben die meisten der 50 Flüchtlinge aus Afrika und Syrien jetzt schon in Mengen. Einige von ihnen trainieren in Vereinen mit, andere dürfen einen Ein-Euro-Job ausüben oder helfen in der Kirchengemeinde mit. Trotzdem sind die Helfer des Arbeitskreises Asyl immer noch ihre wichtigsten Kontakte außerhalb ihrer Unterkunft. "Es gibt zwar das Asylcafé, das jeden Donnerstag zur Begegnung und zum Kennenlernen einlädt und das auch von einigen Bürgern genutzt wird, aber wir hoffen, dass wir mit dem Fest noch mehr Menschen erreichen", sagt die evangelische Pfarrerin Ines Fischer, die sich mit mittlerweile rund 45 Ehrenamtlichen im Arbeitskreis engagiert.
Die Flüchtlinge, denen die Decke in ihrer engen Unterkunft oft auf den Kopf falle, wüssten oft nicht, wie sie sich beschäftigen sollen. Ein Fest, das sie mit vorbereiten können, kommt ihnen gerade recht. "Schon beim ersten Fest haben die Männer richtig leckere Gerichte aus ihrer Heimat zubereitet", sagt Horst Reinauer. "Das Essen ist auch bei den Gästen gut angekommen, die waren da sehr neugierig drauf." Auch diesmal werden die Männer wieder gemeinsam kochen. Auch die Festbesucher können etwas für die Kaffeetafel oder das internationale Büfett mitbringen. "Der Fastenmonat Ramadan ist beim Fest zwei Tage vorbei, da können wir davon ausgehen, dass richtig geschlemmt wird." Etwa die Hälfte der Flüchtlinge seien Muslime, aber nicht alle würden fasten.

Die Nachbarn sind eingeladen

"Es wird auch musikalische Beiträge, Tänze, eine Spielstraße für Kinder und einen Quiz rund um das Thema Asyl geben", zählt Ines Fischer auf. "Das gibt auch gleich Gesprächsstoff, um sich mit den Flüchtlingen zu unterhalten", sagt Martin Klawitter. Viele der Männer könnten schon recht gut Deutsch und freuen sich darauf, das Gelernte in der Praxis anzuwenden. "Und für uns Ehrenamtliche ist das Fest auch eine schöne Gelegenheit, sich mal in Ruhe auszutauschen", so Klawitter.

Explizit eingeladen sind auch die Nachbarn der Flüchtlingsunterkunft. "50 Männer, die bei dem warmen Wetter die Fenster offen stehen lassen oder sich viel im Freien aufhalten - das bringt auch einen gewissen Geräuschpegel mit sich", sagt Ines Fischer. Die Nachbarn müssten viel Geduld mitbringen. "Beim Fest können sich alle in entspannter Atmosphäre treffen."

Das Fest beginnt um 15.30 Uhr mit Kaffee und Kuchen in der Zeppelinstraße. Ab 17.30 Uhr wird es Grußworte geben, bevor das internationale Büffet eröffnet wird. Das Fest endet gegen 21 Uhr.

© Schwäbische Zeitung - 08.07.2015

Um­welt­ma­nage­ment der Kir­chen­ge­mein­de zer­ti­fi­ziert

Prälatin Gabriele Wulz lobt die Arbeit des Teams "Grüner Gockel" beim Gemeindefest in Altshausen

Altshausen - Beim traditionellen Gemeindefest der evangelischen Kirchengemeinde Altshausen am vergangenen Sonntag hat es Petrus gut gemeint: Bei sonnigem Wetter und guter Stimmung konnten zahlreiche Besucher einen unbeschwerten und interessanten Tag erleben. Mit Prälatin Gabriele Wulz und Helga Baurder, der Beauftragten für Umweltmanagement von der evangelischen Landeskirche, waren sogar Prominente aus der evangelischen Landeskirche gekommen. Der Grund: Sie überreichten die zweite Zertifizierung für die Revalidierung des Umweltmanagements, das sich ein Team der evangelischen Kirchengemeinde vorgenommen hatte.

Zu Beginn des Gottesdienstes hieß Pfarrerin Barbara Koch nach einem meditativen Vorspiel des Musikvereins Altshausen unter der Leitung von Carmen Hugger alle Gäste herzlich willkommen. Sie freute sich, dass so viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer dieses Fest möglich gemacht hätten. Die Predigt von Prälatin Wulz stand unter der Losung "Schöpfung bewahren, Kosten senken, Verantwortung tragen". Sie ging dabei auf die Erfahrung des biblischen Petrus ein, der einen vergeblichen Fischfang erlebt hatte. Die Prälatin zog eine Parallele zu der menschlichen Arbeit, bei der vieles wie im "Hamsterrad" ablaufe. Doch vom Wort Jesu komme die Befreiung, es wieder und wieder zu versuchen. Dies war eine Anspielung auf die Arbeit des Umweltteams, das "Grüner Gockel" genannt wird. Dieses Team hielt die vergangenen Jahre trotz Personalmangel durch und könne laut Prälatin Wulz mit der zweiten Zertifizierung eine Zwischenernte einfahren.

"Grüner Gockel" als Symbol

Helga Baur erinnerte an eine weitere Erfahrung des Petrus: dessen Verleugnung, zu Jesus zu gehören sowie das Krähen des Hahnes. Damit dieses Unglück in Sachen Umwelt nicht passiere, habe die Landeskirche das Symbol "Grüner Gockel" eingeführt. Der Hahn möge rechtzeitig einen Warnruf ausstossen, wenn Unheil drohe. Am Ende des Gottesdienstes dankte Lotte Scheider, Vorsitzende des Kirchengemeinderats, allen Mitwirkenden. Dazu zählten der Musikverein Altshausen, die Spoti-Gemeinde-Band mit Ute und Joachim Fritz sowie Sabine Schweikert. Außerdem bedankte sie sich bei den Organisatoren Eberhard Sigloch und Stephan Nadler sowie den vielen Helferinnen und Helfern im Hintergrund.

Im Anschluss an den Gottesdienst begleitete der Musikverein Altshausen den Frühschoppen. Den Gästen stand ein vielfältiges Angebot zur Verfügung. Die Kinder spielten mit Ilonka Siebert. Es gab einen Büchertisch, einen Stand des Eine-Welt-Ladens sowie einen Infostand des Dornahofes und des Fördervereins Soziale Dienste. Zudem informierte das Umweltteam die Gäste mit einem Gang durch das Gelände.

© Schwäbische Zeitung - 06.07.2015

Die belgische Stadt Antwerpen ist Ziel der Bildungsreise. FOTO: DPA

Bil­dungs­rei­se führt nach Flan­dern und Wal­lo­ni­en

Vom 1. bis 8. November - Kunstwerke und Großstädte stehen auf dem Programm


Mengen - Das Evangelische Bildungswerk Oberschwaben (EBO) reist in der ersten Novemberwoche nach Flandern und Wallonien. "Wir wollen Belgien erleben und genießen, wir wollen uns über das Schöne freuen und das Schwierige kritisch betrachten, erspüren, was war und ist", sagt Organisatorin Brunhilde Raiser, Geschäftsführerin des EBO. Die Reise wird zusammen mit dem erfahrenen Reiseunternehmen Heidecker veranstaltet. Als Reiseleiter ist Klaus Loderer, Bauhistoriker an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, dabei. "Wir haben zusammen das Programm, den Charakter und die Feinheiten der Reise ausgearbeitet", so Raiser.
Diese Bildungsreise ist die Möglichkeit, sich mit der geschichtlichen Entwicklung und der aktuellen Situation zu befassen, wichtige Kunstwerke im Original zu betrachten. Auch im Hinblick auf 2017, das Gedenkjahr der Reformation, ist die Reise eine Vorbereitung. Eine Bildungsreise macht Dinge vor Ort erlebbarer, ein Vortrag kann dies nicht leisten. Das Angebot richtet sich an Menschen, die gern und viel reisen, an Menschen, die allein nicht reisen mögen und an Menschen, die es sich nicht trauen, allein zu reisen.

Es gibt viele Gründe Wallonien und Flandern zu bereisen. Es gibt sehr schöne historische Städte, Brauereien, Pralinen, Kunst und viel Geschichte, daraus lässt sich eine Reise zusammenstellen, die Vieles bietet. Das Programm ist sehr abwechslungsreich und zeigt viele Facetten von Wallonien und Flandern. Diese Region ist im Herbst gut zu bereisen, weil das Programm nicht wetterabhängig ist.
Die Reise wird nach Ypern führen, das in beiden Kriegen von den deutschen Truppen auf verheerende Weise überrannt worden ist. Vor 30 Jahren wurden deutsche Reisende nicht so gut empfangen, das habe sich sehr geändert, berichtet Raiser. "Da muss in der Gesellschaft spürbar viel passiert sein", stellt Raiser fest. Die Städte Tournai, Brügge, Gent, Brüssel und Antwerpen werden besucht, überall werden die historischen und architektonischen Sehenswürdigkeiten besichtigt.

Die Reise findet vom 1. bis 8. November statt. Sie ist auf 25 Teilnehmer begrenzt. Anmeldeschluss für die Reise ist am 29. Juli. Informationen dazu gibt es im Internet unter www.ebo-rv.de oder unter der Telefonnummer der Geschäftsführung des Evangelischen Bildungswerks in Ravensburg 0751/41 04.

© Schwäbische Zeitung - 06.07.2015

Diakon Damian Walosczyk (v. l.) und Pfarrer Peter Schmogro segnen die neuen Räume des GPZ in Biberach. SZ-FOTO: JOSEF ASSFALG

Viel­fäl­ti­ge An­ge­bo­te sind jetzt un­ter ei­nem neu­en Dach

St.-Elisabeth-Stiftung weiht neues Gemeindepsychiatrisches Zentrum in Biberach ein

Biberach - Etwa 2,4 Millionen Euro hat die St.-Elisabeth-Stiftung als Eigentümerin für Sanierung, Umbau und Erneuerung des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Biberach (GPZ) in der Saulgauer Straße investiert. Das sagte Annemarie Strobl, Vorstandssprecherin der Stiftung, als am Freitag die neuen Räume eingeweiht wurden.

Das GPZ wird in Kooperation mit der Caritas Biberach, Diakonie Biberach, dem ZfP Südwürttemberg und der St.-Elisabeth-Stiftung betrieben. Dort sind vielfältige Angebote für Menschen mit einer psychischen Erkrankung unter einem Dach gebündelt (siehe Kasten). Der Umbau sei gelungen "und es ist gut angelegtes Geld", so Annemarie Strobl. "Ich hoffe, dass die Menschen sich hier wohlfühlen und dass die Zusammenarbeit zwischen den Partnern gut gelingt."

Waltraud Riek, Leiterin des Sozialpsychischen Diensts, sprach in einer Talkrunde zur Eröffnung mit Angehörigenvertretern, Psychiatrieerfahrenen und Trägerverantwortlichen. Durch Kooperationen kann das GPZ Leistungen in den Bereichen Arbeit, Behandlung, Beratung, Freizeitgestaltung und Wohnen unter einem Dach anbieten. "Das GPZ passt sehr gut zu unserer Strategie, möglichst wohnortnah Angebote zu machen und eng mit anderen Einrichtungen vor Ort zusammenzuarbeiten", betonte Helmtraud Kanor, ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Donau-Riß im ZfP Südwürttemberg. "Es ist gut, dass wir das Ziel eines übergreifenden GPZ nie aus den Augen verloren haben", so Peter Grundler, Leiter der Caritas Region Biberach-Saulgau. Er erinnerte daran, dass die Idee dazu bereits 2001 geboren wurde. "Dann galt es, dicke Bretter zu bohren." 2014 ging dann alles sehr schnell. Nachdem die Werkstatt für behinderte Menschen nach Birkenhard umgezogen war, habe die St.-Elisabeth-Stiftung in den Umbau investiert. Von den 2,4 Millionen Euro seien 1,3 Millionen Euro direkt in die Räume des GPZ geflossen, sagte Grundler. Pfarrer Peter Schmogro, Vorsitzender des diakonischen Bezirksausschusses des evangelischen Kirchenbezirks Biberach, fügte hinzu:

"Hilfestellung zur Teilhabe, so viel Normalität wie möglich - das neue GPZ nimmt mit einem breit gefächerten Angebot für Menschen mit psychischer Erkrankung so richtig Fahrt auf."

Professionelle Zuwendung

"Psychische Erkrankungen zu erkennen und zu behandeln, ist genauso wichtig, wie einen Bandscheibenvorfall zu diagnostizieren", sagte Landrat Dr. Heiko Schmid in seiner Ansprache. Es bedürfe professioneller Zuwendung "und so freue ich mich aufrichtig, dass es gelungen ist, die Angebote für psychisch Kranke im Landkreis Biberach zu bündeln". Kurze Wege und ein Austausch von verschiedenen Experten seien Ziele, die der Kreistag in der Teilhabeplanung für Menschen mit seelischer Erkrankung 2013 verabschiedet habe. Bereits 2007, "gleich nach meinem Amtsantritt", fanden die ersten Gespräche für das GPZ statt, so Schmid. "Damals sind wir noch an der Frage der Rechtsform gescheitert."

Nach Gebeten und Liedern nahmen Pfarrer Peter Schmogro und Diakon Damian Walosczyk die Segnung der Räume vor. Die Lieder wurden mitgestaltet vom Projektchor mit Ingrid Hüttl. Die rund 170 Besucher, darunter viele Gemeinderäte, Kreisräte und Bürgermeister, konnten nach dem offiziellen Teil bei Führungen die Einrichtung besichtigen.

Weitere Informationen gibt es beim Gemeindepsychiatrischen Zentrum (GPZ) Biberach, Saulgauer Str. 51, in Biberach, Telefon 07351/34951200 oder unter

© Schwäbische Zeitung - 03.07.2015

Konfirmandengruppe aus Mengen

Konfirmanden (Foto privat)

Kon­fir­man­den stim­men sich auf Star­ter­wo­chen­en­de ein

Mengen - Das Starterwochenende für die neuen Konfirmanden - intern liebevoll Konfis genannt - hat kürzlich an einem Juniwochenende auf der Weidacher Hütte bei Blaustein stattgefunden. Stabiles Wetter und ein motiviertes Mitarbeiterteam unter der Leitung der evangelischen Pfarrerin Ines Fischer stimmte den neuen Jahrgang auf das kommende Jahr ein. Thema des Wochenendes "Come together and learn to live as friends" - ein halbes Jahr war das Mitarbeiterteam mit der Vorbereitung beschäftigt gewesen und hatte Spiele, Gesprächsgruppen und Aktionen ausgearbeitet, in denen auf die Frage eingegangen wurde, welche Vorurteile wir als Menschen entgegen bringen und wie diese überwunden werden können. Im Mittelpunkt stand die Geschichte aus der Bibel, die vom barmherzigen Samariter erzählt - einem Menschen, dem viele Vorurteile entgegen gebracht wurden und der doch als einziger so handelte, dass das Zusammenleben eine neue Gestalt gewann. Für die Konfirmanden, die ab September wöchentlich unterrichtet werden, war es eine gute Einstimmung und eine Möglichkeit, mit Pfarrer und Pfarrerin, Mitarbeitern und Kirchengemeinderäten ins Gespräch zu kommen.

© Schwäbische Zeitung - 03.07.2015

Jahrgänger 1945 in Bad Saulgau

Jahrgänger 1945 in Bad Saulgau

Jahr­gang 1945 sam­melt beim Got­tes­dienst Geld für Flücht­lin­ge

Bad Saulgau (sz) - Bad Saulgau - Der Jahrgang 1945 hat sein 70er-Fest gefeiert. Zum Auftakt marschierten die Abordnungen der Bürgerwache mit Verwaltungsausschuss vor dem Gasthaus "Zum Raben" auf. Der Samstag begann mit einem ökumenischen Gottesdienst, mitgestaltet von Pfarrer Bräuchle und dem Jahrgänger und Diakon Ulrich Bartsch, der die Not als Flüchtlingskind selbst erfahren hatte und zur Spende für die aktuelle Flüchtlingssituation aufrief. Beim Stehempfang wurden viele Erinnerungen unter den Klängen des Alphorntrios ausgetauscht. Außerdem gab es eine Führung im Stadtmuseum, wobei die Geschichte Bad Saulgaus lebendig dargestellt wurde. Foto: Eugen Schneider

© Schwäbische Zeitung - 02.07.2015

Sie freuen sich über den neuen Simultaneum-Wagen: (v. l.) die St.-Martins-Chorknaben, die Mesner Maria Keil und Herbert Wohnhas sowie die Pfarrer Ulrich Heinzelmann und Kaspar Baumgärtner.

Sie freuen sich über den neuen Simultaneum-Wagen: (v. l.) die St.-Martins-Chorknaben, die Mesner Maria Keil und Herbert Wohnhas sowie die Pfarrer Ulrich Heinzelmann und Kaspar Baumgärtner.

Neu­er Fest­wa­gen er­in­nert ans Si­mul­ta­ne­um
Modell der Stadtpfarrkirche von vor 1584 ist künftig Bestandteil des historischen Festzugs an Schützen

Biberach - Der historische Festzug des Biberacher Schützenfests ist ab diesem Jahr um eine kleine Attraktion reicher. Ein Ziehwagen mit einem Holzmodell der Stadtpfarrkirche St. Martin, wie sie vor dem Kirchenbrand 1584 ausgesehen haben soll, erinnert die Festbesucher künftig an das seit 1548 bestehende Simultaneum, also die gemeinsame Nutzung der Kirche durch Protestanten und Katholiken. Folgerichtig hatten sich zur Segnung des neuen Festwagens der katholische Stadtpfarrer Kaspar Baumgärtner und sein evangelischer Kollege Ulrich Heinzelmann eingefunden.

Schützendirektor Bernd Otto, hauptberuflich Ausbildungsleiter im Zimmererzentrum Biberach, hatte sich maßgeblich um den Nachbau der Kirche im Maßstab 1:40 gekümmert. "Es war wahnsinnig aufwendig. Dieser Wagen ist bislang der einzige, an dem wir zwei Jahre gearbeitet haben", sagt Otto.

Als Vorlage diente ihm die sogenannte Brandtafel des Malers Hans Baumhauer von 1585. "Er hat darauf aus dem Gedächtnis die Ereignisse um den Kirchenbrand vom 20. Mai 1584 gemalt." Unter anderem ist darauf der Kirchturm in seiner ursprünglichen Form zu sehen, bevor er durch einen Blitzschlag in Brand geriet. Bernd Otto hat allerdings seine Zweifel, was die von Baumhauer gemalte Dachform des Turms betrifft. "Die halte ich von der Statik her für eher problematisch. Ich habe in der Literatur auch nichts Vergleichbares gefunden", sagt der Zimmerermeister. Schließlich habe man sich trotzdem entschlossen, sich an die Vorlage des Gemäldes zu halten. "Es ist die einzige Darstellung des alten Glockenturms, die wir haben." Für die kunstvolle Bemalung der Kirche sorgte Oliver Mohnen. "Der hat da richtig gezaubert", sagt Otto.

Chorknaben ziehen den Wagen

Gezogen wird der Wagen, dessen Unterbau von einem ehemaligen Fasswagen der Weinstube "Zum scharfen Eck" stammt, beim Festzug von mehreren St.-Martins-Chorknaben. Begleitet wird er von den Mesnern Maria Keil (evangelisch) und Herbert Wohnhas (katholisch) sowie von den beiden Stadtpfarrern. "Wir werden den Wagen allerdings nur zur Premiere in diesem Jahr beim Festzug begleiten", sagt Heinzelmann.

"Man muss einen solchen Wagen dann segnen, wenn er uns an Gott erinnern will", sagte Kaspar Baumgärtner. Der Simultaneum-Wagen erinnere beim Schützenfest künftig daran, wie viel Biberacher Kraft, Geist und Spenden in der Martinskirche steckten. "Wir Menschen brauchen solche Zeichen, um Gott nicht zu vergessen", so der Pfarrer.

Das Simultaneum sei außerdem Teil der Glaubensgeschichte Biberachs, die nicht vergessen werden dürfe, sagte Ulrich Heinzelmann. "Dieser Wagen möge ein Beitrag dazu sein, die Glaubensspaltung zu überwinden."