© Schwäbische Zeitung - 30.06.2015

Modenschau im Kindergarten

Modenschau im Kindergarten - Selbstgebasteltes

Bei Mo­den­schau im Kin­der­gar­ten gib­t's Selbst­ge­stal­te­tes zu se­hen

Biberach - Die neue Leiterin des Evangelischen Kindergartens im Braithweg, Inge Ulmer, hat zusammen mit ihrem Team und den Kindern ein buntes Programm für das kürzlich stattgefundene Sommerfest zusammengestellt. Bei bestem Wetter kamen zahlreiche Kinder, Eltern und Großeltern in den Garten des Kindergartens. Die Eltern stellten ein internationales Buffet bereit, für das Programm und die musikalischen Darbietungen sorgten die Kinder. Nach dem Begrüßungslied "Guten Tag liebe Leute" gab es unter anderem einen russischen Tanz mit Babuschkas (ineinander stapelbare Holzpuppen), eine Kinder-Modenschau mit selbst gestalteten Outfits (Foto) und ein Lied der angehenden Schulkinder. Die Erzieherinnen trugen ein Gedicht über die Kindergartenzeit vor. Außerdem waren die Biberacher "Funky Kids" (Minis) zu Besuch. Foto: privat

© Schwäbische Zeitung - 27.06.2015

Feiern gemeinsam Namenstag. Der evangelische Pfarrer Paul Bräuchle (links) und sein katholischer Kollege, Pfarrer Peter Müller

Feiern an Peter und Paul gemeinsam Namenstag in St. Antonius: Der evangelische Pfarrer Paul Bräuchle (links) und sein katholischer Kollege, Pfarrer Peter Müller. Archivfoto: Rudi Multer

Pe­ter und Paul: Na­mens­tag mit öku­me­ni­scher Note
Evangelischer und katholischer Pfarrer feiern am Montag mit Gottesdienst und Sektempfang

Bad Saulgau - Ein besonderer gemeinsamer Namenstag wird am Montag, 29. Juni, zum dritten Mal gefeiert. Pfarrer Paul Bräuchle von der evangelischen und Pfarrer Peter Müller von der katholischen Kirchengemeinde Bad Saulgau feiern ihren Namenstag gemeinsam und öffentlich mit einem ökumenischen Gottesdienst in der St.-Antonius-Kirche.

"Wir sehen das als Impuls für eine gelingende Ökumene", sagt Pfarrer Paul Bräuchle im Vorfeld des Namenstags. Den Vorschlag hatte Paul Bräuchle spontan bei der Investitur seines katholischen Kollegen im Grußwort formuliert. Im Jahr 2013 fand die Premiere statt. Seither feiern die beiden Pfarrer gemeinsam, im jährlichen Wechsel in der katholischen St. Antoniuskirche und in der evangelischen Christuskirche.

Diesmal wieder in St. Antonius. Der Gottesdienst beginnt um 19 Uhr. Anschließend laden Paul Bräuchle und Peter Müller zum Sektempfang ein.

© Schwäbische Zeitung - 27.06.2015

Sie geben Langzeitarbeitslosen eine neue Perspektive (von links): Anastasia Wachtel, Ulrike Wachter und Peter Schmogro.

Sie geben Langzeitarbeitslosen eine neue Perspektive (von links): Anastasia Wachtel, Ulrike Wachter und Peter Schmogro. Foto: Jasmin Amend

Letz­te Chan­ce auf ein nor­ma­les Le­ben
Biberacher Verbund hilft Langzeitarbeitslosen zurück in einen geregelten Alltag

 
Von Jasmin Amend 27. Juni 2015

Biberach - Sie helfen denjenigen, für die es kaum noch Hoffnung gibt, die schon lange arbeitslos sind, weil ihnen ein Handicap im Weg steht. Der Beschäftigungs- und Qualifizierungsverbund Biberach (BQVB) hilft diesen Menschen dabei, endlich wieder Fuß zu fassen. Vor 15 Jahren haben sich die Wohnungslosenhilfe Biberach, die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (BFZ) und die Diakonische Bezirksstelle Biberach mit diesem Ziel zusammengeschlossen. Gefördert wird das Projekt vom Europäischen Sozialfonds.

Georg Meier (Name v. d. Red. geändert), Anfang 50, war am Tiefpunkt seines Lebens. Er hatte sich von seiner Frau getrennt und während der Ehe große Schulden angehäuft. In seinem Beruf konnte er nach vielen Jahren harter körperlicher Arbeit nicht bleiben. Einen neuen Job fand er nicht. Dann kamen die Alkoholprobleme. Das Jobcenter vermittelte ihn schließlich an den BQVB. Dort traf er auf Sozialpädagogin Anastasia Wachtel. Die beiden erstellten einen Hilfeplan, der zusammenfasste, welche Probleme er hatte und was dagegen zu tun ist.

Die Arbeit strukturiert den Tag

"Als Arbeitsloser verlernt man seinen ganzen Rhythmus", sagt Pfarrer Peter Schmogro von der Diakonie Biberach. "Der Grund, warum wir aufstehen und wie wir unseren Tag strukturieren, wird vor allem durch die Arbeit bestimmt", stimmt Ulrike Wachter, Geschäftsführerin der Wohnungslosenhilfe, zu. Viele Langzeitarbeitslose haben zusätzlich ein Handicap, oder "schwerwiegende Vermittlungsprobleme" wie es Wachter nennt. Darunter fallen etwa gesundheitliche und finanzielle Probleme, Straffälligkeit, Drogenabhängigkeit. Viele haben zudem einen Migrationshintergrund. 29 dieser Langzeitarbeitslosen aus dem gesamten Landkreis bekommen jährlich eine einmalige Chance.

Ein Jahr lang werden sie individuell gefördert. Sie bekommen sozialpädagogische Beratung und Unterstützung. "Wir gehen mit ihnen zu Ärzten, zur Rentenberatung, zur Sucht- und Schuldnerberatung", nennt Wachtel einige Beispiele. Außerdem besuchen die Teilnehmer Sprach- und andere Kurse, in denen sie beispielsweise den richtigen Umgang mit Geld erlernen. Zusätzlich machen sie Praktika bei einem der drei Träger. So arbeiten die Teilnehmer im Diakonieladen, im Möbellager, der Küche oder sie verrichten haushaltsnahe Dienstleistungen wie etwa Renovierungsarbeiten. "Wichtig ist, dass sie keine Vorkenntnisse brauchen. Sie sollen unter Anleitung ab dem ersten Tag praktisch arbeiten können", sagt Wachter.

Ein wichtiges Ziel dieser praktischen Maßnahme: "Sie sollen lernen, überhaupt mal einen Tag durchzuhalten", erklärt Schmogro. Außerdem nähme man hier Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse. Bei Georg Meier war es die angeschlagene Gesundheit, die es ihm unmöglich machte, schwere Dinge zu tragen. Während des Programms half er unter anderem beim Streichen und bei Haushaltsauflösungen. "Er machte das, was eben körperlich ging", sagt Wachter.

Zum ersten Mal seit Langem Lob

Maier schöpfte durch die intensive Betreuung neue Hoffnung: "Zuerst hatte er gar keine Lust auf das Programm", erinnert sich Sozialpädagogin Wachtel. "Als er gemerkt hat, da passiert was, ist er aber richtig aufgeblüht." Bei seiner Arbeitsstätte habe er zum ersten Mal seit Langem Lob von seinem Vorgesetzten bekommen. Heute hat Meier eine Vollzeitbeschäftigung, übt Hausmeistertätigkeiten und Renovierungsarbeiten aus. "Als er den Arbeitsvertrag unterschrieben hat, hat er geweint", sagt Wachtel.

© Schwäbische Zeitung - 27.06.2015

Bürgermeister Bubeck hat sich um die Anfragen der Flüchtlinge gekümmert, die Situation der Flüchtlinge ändert sich allerdings nicht.

Bürgermeister Bubeck hat sich um die Anfragen der Flüchtlinge gekümmert, die Situation der Flüchtlinge ändert sich allerdings nicht.

Kein Geld, kein Aufenthaltsraum, kein W-Lan
Die Antworten des Bürgermeisters auf die Wünsche der Flüchtlinge sind ernüchternd


Bürgermeister Bubeck hat sich um die Anfragen der Flüchtlinge gekümmert, die Situation der Flüchtlinge ändert sich allerdings nicht.

Mengen - Viel hatten sich die Flüchtlinge von einem Gespräch mit dem Bürgermeister erhofft. Zwei Monate, nachdem sie Stefan Bubeck von Angesicht zu Angesicht ihre Probleme und ihre Wünsche geschildert haben, warten sie immer noch auf Antworten und eine Verbesserung ihrer Situation. „Die meisten sind enttäuscht, dass sich nichts getan hat“, sagt Pfarrerin Ines Fischer, die sich im Arbeitskreis Asyl für die 50 Flüchtlinge engagiert, die derzeit in Mengen untergebracht sind. Die Flüchtlinge hatten sich vor allem mehr Sprachunterricht, einen Aufenthaltsraum, W-Lan und schnellere Asylverfahren gewünscht.

„Wie ich den Flüchtlingen aber bereits in unserem Gespräch gesagt habe, liegen die meisten Punkte nicht in meinem Zuständigkeitsbereich“, betont Bürgermeister Bubeck. Trotzdem sei er nicht untätig gewesen und habe die Themen bei den zuständigen Stellen angesprochen. Dies sei wohl nur zum Teil bei den Flüchtlingen angekommen, weshalb die SZ die wichtigsten Punkte zusammenfasst.

1.Sprachkurse: Offiziell erhält der Arbeitskreis Asyl 92 Euro pro Flüchtling vom Landratsamt für Deutschunterricht. „Mit diesem Geld bezahlen wir eine freiberufliche Sprachlehrerin“, sagt Ines Fischer. Bislang wurden die Asylbewerber in zwei Gruppen je zweimal in der Woche unterrichtet. Zusätzlich gibt es 25 ehrenamtliche Sprachpaten, die sich meist einmal in der Woche mit ihrem „Patenkind“ treffen. Diesen Umfang bemängelten die Flüchtlinge als nicht ausreichend. „Wir haben jetzt drei Gruppen mit unterschiedlichen Sprachniveaus gebildet, die sich jeweils dreimal in der Woche treffen“, erzählt Fischer. Wie der zusätzliche Aufwand der Lehrerin bezahlt werden soll, weiß sie noch nicht. „Wir hoffen, ausreichend Spenden zu erhalten“, sagt sie. Eine Finanzspritze vonseiten der Stadt würde natürlich auch helfen.

„Bei den Sprachkursen sehe ich Bund und Land in der Pflicht“, sagt Bubeck. Eineinhalb Wochen nach dem Treffen mit den Flüchtlingen habe er in Stuttgart die Möglichkeit gehabt, mit dem integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Bernhard Lasotta, zu sprechen. „Er hat mir das Gefühl vermittelt, dass auch die Landesregierung da Handlungsbedarf sieht und zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen wird.“ Deshalb habe sich das Finanzierungsthema zunächst für ihn erledigt. „Dass der Arbeitskreis Asyl die zusätzlichen Kurse übergangsweise selbst organisiert, finde ich eine gute Lösung“, sagt er. Schließlich sei der Erwerb der Sprache eine Schlüsselkompetenz für die Flüchtlinge. Er kann sich außerdem vorstellen, dass bei zu wenig Spenden auch Einrichtungen wie die Bürgerstiftung, das Martinslädele, das Diakonielädele oder das Fairkaufhaus unterstützend tätig werden können. „Wir haben in Mengen ein gutes soziales Netz.“

2.Aufenthaltsraum: Da an die Flüchtlingsunterkunft in der Lindenstraße kein Aufenthaltsraum angebaut werden kann, wissen die Flüchtlinge oft nicht wohin. Schon beim Treffen Ende April hat Bürgermeister Bubeck die Asylbewerber ins Jugendhaus eingeladen. „Dort gibt es Angebote zur Freizeitgestaltung und die Betreuungspersonen würden sich auch um die Flüchtlinge kümmern“, so Bubeck. Die Flüchtlinge fühlen sich unter den jüngeren Jugendlichen aber offenbar nicht wohl. „Andere Räume hat die Stadt leider nicht im Angebot“, sagt Bubeck und verweist auf kirchliche Räume, wie die Gemeindesäle oder den bereits jetzt genutzten Raum der evangelischen Kirche. Der Arbeitskreis könne natürlich auch auf Privatleute oder Vereine mit passenden Räumen zugehen.

3.W-Lan: Ein Internetanschluss, in den sich alle Männer aus der Flüchtlingsunterkunft mit ihren Mobiltelefonen einloggen können, wäre ihrer Meinung nach kein Luxus, sondern sinnvoll. „Im Moment hat jeder von ihnen hohe Handykosten, da jeder ein eigenes Datenvolumen kaufen muss“, so Ines Fischer. Wichtig sei das nicht nur für den Kontakt in die Heimat, sondern auch zum Lernen und für die Verständigung mit den ehrenamtlichen Helfern. „Der Google-Translater ist da das wichtigste Hilfsmittel.“ Um den Behörden nicht zur Last zu fallen, würden sich die Flüchtlinge finanziell beteiligen.

„Für die Einrichtung von W-Lan ist das Landratsamt zuständig“, sagt Bubeck. Er habe den Wunsch an Guido Amann, der in der Behörde für die Flüchtlingsunterbringung zuständig ist, weitergeleitet. „Der Wunsch nach W-Lan ist uns auch schon von anderen Unterbringungsstandorten im Kreis gemeldet worden“, sagt Tobias Kolbeck, Sprecher des Landratsamts. Das Landratsamt beschäftige sich seit Längerem mit diesem Thema. „Die WLAN-Nutzung wurde von der IT-Abteilung des Landratsamtes geprüft. Des Weiteren wurde die Verfahrensweise in den benachbarten Landkreisen abgefragt.“, heißt es. Realisierungsabsichten bestünden aber derzeit keine. „Abgesehen davon, dass die extrem schwierige Beschaffung ausreichender Unterbringungskapazitäten oberste Priorität hat, steht der finanzielle und verwaltungstechnische Aufwand nicht unbedingt im Vordergrund. Es bestehen vielmehr haftungsrechtliche und sicherheitsrelevante Bedenken“, so Kolbeck. Diesen Standpunkt kann Stefan Bubeck nicht nachvollziehen. „Es gibt mittlerweile Möglichkeiten, sich als Anbieter des Netzes gut abzusichern.“ Durch eine Registrierung und ein Passwort würde bei Missbrauch nicht der Anbieter haften, sondern der Nutzer ermittelt und verantwortlich gemacht. „So wird es auch bei dem öffentlichen W-Lan sein, dass die Stadt Mengen anbieten wird.“ In dieses Netz könnten sich die Flüchtlinge dann von der Hauptstraße aus einwählen, was ihnen allerdings in der Unterkunft nicht weiterhelfe.

4.Verfahrensdauer: Dass die erkennungsdienstliche Registrierung mancher Flüchtlinge in Karlsruhe so lange gedauert hat, liegt an einem personellen Engpass der zuständigen Behörde zu Jahresbeginn. So hat es Bürgermeister Bubeck zumindest erfahren. „Außerdem wurden die Menschen aus als sicher eingestuften Ländern vorgezogen, um sie schneller wieder ausweisen zu können“, sagt er. Jetzt müsste nachgearbeitet werden. „Das Verfahren an sich lässt sich kaum beschleunigen, da bestimmte Fristen eingehalten werden. So hat es mir Wolgang Armbruster erzählt, der beim Verwaltungsgericht für das Thema zuständig ist.“

© Schwäbische Zeitung - 24.06.2015

Lila Endraos (dritte von links), Majd, Jihad Esper und Fadi sind vor einem Jahr aus Syrien geflüchtet

Eine Rakete hätte die Familie fast umgebracht: Lila Endraos (dritte von links), Majd, Jihad Esper und Fadi sind vor einem Jahr aus Syrien geflüchtet und wohnen inzwischen in Sießen. Ganz links Sprachkursleiterin Schwester Irmengardis, daneben Schwester Helma. Foto: Anita Metzler-Mikuteit

Ein Got­tes­dienst übt So­li­da­ri­tät mit Men­schen auf der Flucht
Veranstaltung in der Christuskirche formuliert Gedanken in Liedern und Texten - Forderung nach mehr Wohnraum

 
Von Anita Metzler-Mikuteit 24. Juni 2015

Bad Saulgau - Nicht nur an die Flüchtlinge, die auf ihrer Flucht den Tod gefunden haben, ist am Montagabend bei einem berührenden ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Christuskirche in Bad Saulgau gedacht worden. Auch denjenigen, die es geschafft haben, in das "gelobte Land" zu fliehen, waren die Gebete, Lieder, Gedanken und Appelle gewidmet.

Das Organisationsteam hat, jeder Einzelne auf seine Weise, ohne Schönmalerei die Missstände beim Namen genannt, aufgerüttelt, angemahnt - und schlussendlich von Politik und Gesellschaft im "reichen Europa" einen klaren Kurswechsel eingefordert. "Sie sind einkalkulierte Opfer der Festung Europa", sagte die Initiatorin Doris Gaißmaier, bevor die Mitglieder des Vorbereitungsteams in ihren Statements mit klaren Worten Hintergründe beleuchteten. Etwa die menschenunwürdigen Zustände bei der Gewinnung von "seltenen Erden" im Kongo, die für die Produktion von Handys gebraucht werden. Gerade habe die EU ein Handelsabkommen mit Westafrika unterzeichnet, berichtete Wolfgang Lohmiller. Dadurch würde auf die afrikanischen Bauern ein noch größerer Druck ausgeübt. "Ist es da verwunderlich, wenn immer mehr Menschen aus Afrika in Europa Arbeitsmöglichkeiten suchen?" fuhr er fort.

Die evangelische Pfarrerin Dorothee Schieber zitierte den Kirchenpräsidenten der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, der Europa aufgrund der eingeschränkten Seenotrettung eine "Mitschuld" am Massensterben im Mittelmeer zusprach. Notwendig sei, so Schieber, eine "umfassende europäische Seenotrettung, legale und gefahrenfreie Zugangswege für Flüchtlinge und ein Gesamtkonzept für die Flüchtlingsaufnahme in Europa und den Mitgliedsstaaten".

Viele sind ertrunken

Dass es nur ein "Bruchteil" der Flüchtlinge nach Deutschland schafft, darauf verwies Lucia Brass, als Caritas-Mitarbeiterin zuständig für die Betreuung der ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe. "Würden wir, umgerechnet auf unsere Einwohnerzahl, gleich viel Flüchtlinge aufnehmen wie der Libanon, wären es 30 Millionen", sagte die Theologin. "Es sind vermutlich viele Tausende, die buchstäblich in der Tiefe versanken, teils vor den Augen der Weltöffentlichkeit, teils unbemerkt, namenlos. Sie haben sich auf diese gefährliche Flucht begeben, weil sie für sich das Menschenrecht auf Leben in Anspruch nehmen wollten, bei uns im reichen Europa", so Doris Gaißmaier, die unter anderem deutlich mehr Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen forderte. Diese Enge produziere "Konfliktpotential". Dr. Norbert Langhammer, Elvira Jann und der syrische Flüchtling Jadalla Al Kontar an den Trommeln gaben diesem besonderen Gottesdienst einen würdigen musikalischen Rahmen.

Die Asylgruppe "Fremde brauchen Freunde" ist auf Spenden angewiesen. Spendenkonto: Caritas Bad Saulgau, Verwendungszweck: Asylarbeit Bad Saulgau, Landesbank-Kreissparkasse, DE 6465351000000210948

© Schwäbische Zeitung - 23.06.2015

Pfarrer Ulrich Heinzelmann und Pfarrer Kaspar Baumgärtner freuen sich schon auf die gemeinsame Reise.

Pfarrer Ulrich Heinzelmann und Pfarrer Kaspar Baumgärtner freuen sich schon auf die gemeinsame Reise. SZ-Foto: Jasmin Amend

Ge­mein­sam auf Rei­sen ge­hen
Ökumenische Pilgerfahrt geht nach Irland und Nordirland


Von Jasmin Amend 23. Juni 2015

Biberach - Von wegen, Katholiken und Protestanten können nicht miteinander: Die Biberacher Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann und Kaspar Baumgärtner verstehen sich blendend. Sie freuen sich auf ihre Pilgerfahrt im Oktober nach Irland und Nordirland. Interessierte Biberacher können sich noch dazu anmelden.

Die Pfarrer wissen um die Unterschiede ihrer beiden Konfessionen, wollen aber das Gemeinsame betonen und gegenseitige Vorurteile abbauen: "Die Fahrt bringt die Kirchengemeinden in Verbindung", sagt Baumgärtner. Acht Tage lang sammeln sie Erlebnisse, feiern zusammen Gottesdienst und kommen sich in Gesprächskreisen näher.

Die irische Insel haben die beiden Pfarrer ganz bewusst ausgewählt: "Es gibt kein Land, in dem es so eine Kontroverse zwischen Evangelischen und Katholiken gibt wie in Nordirland", sagt Baumgärtner. "Dort schwelt schon seit Jahrzehnten ein Religionskonflikt", ergänzt Heinzelmann. "Wir wollen verstehen, wieso es zwischen den Konfessionen solche Probleme gibt."

Außerdem wollen sich die Biberacher Pfarrer mit einheimischen Kirchengemeinden austauschen und von der simultanen Stadtpfarrkirche in Biberach berichten.

Vor allem aber reisen die Teilnehmer durch die beiden Länder, besuchen Sehenswürdigkeiten, lernen Land und Leute kennen. Am 24. Oktober startet die Reise, die weitaus komfortabler ist, als die Bezeichnung "Pilgerfahrt" vermuten ließe: Per Bustransfer geht es zum Flughafen Memmingen, von dort per Linienflug nach Shannon. Im klimatisierten Reisebus besucht die Gruppe unter anderem eine ehemalige Klostersiedlung in Clonmacnoise, Irlands heiligen Berg Croagh Patrick und den "Giant's Causeway", eine berühmte Felsenformation an der Antrim Coast. Selbst den Freuden des Alkohols wird gefrönt: Auch die Old Bushmills Whiskey Distillery steht auf dem Programm. Nach Aufenthalten in Belfast, Dublin und Besichtigungen mehrerer berühmter Kathedralen geht es am 31. Oktober zurück nach Biberach.

Konzept hat sich bewährt

Irland ist bereits die dritte ökumenische Pilgerfahrt, die Heinzelmann und Baumgärtner gemeinsam organisiert haben. 2012 fuhren sie nach Israel, 2014 nach Venedig. Das Konzept hat sich für die beiden bewährt: "Die Teilnehmer haben sich auf den Fahrten ganz anders kennengelernt", schwärmt Baumgärtner. Es gibt 32 Plätze für die Pilgerreise. Mehr als die Hälfte ist bereits belegt.

Die achttägige Pauschalreise durch Irland und Nordirland von Samstag, 24., bis Samstag, 31. Oktober, kostet pro Person im Doppelzimmer 1395 Euro, im Einzelzimmer 240 Euro mehr. Anmeldeschluss ist Dienstag, 30. Juni. Informationen und Anmeldung im Katholischen Pfarramt St. Martin, Museumsstraße 5 in Biberach, unter Telefon 07351/18140, per Fax an 07351/181419

© Schwäbische Zeitung - 23.06.2015

Das Trio Maharaj bedankte sich mit Kantor Ralf Klotz (links) am Schluss beim Publikum. SZ-Foto: Gerhard Trüg

In­di­sche Klän­ge tref­fen Or­gel und Syn­the­si­zerAußergewöhnliches Konzert lockt Besucher in die Stadtpfarrkirche

Von Gerhard Trüg

Biberach - Das international bekannte Trio Maharaj, mit Vater Pandit Vikash Maharaj (Sarod), Sohn Abhishek (Sitar) und Sohn Prabhash (Tabla) hat zum zweiten Mal nach dem Erfolg von vor zwei Jahren mit Kantor Ralf Klotz (Orgel und Synthesizer) ein Konzert in der Stadtpfarrkirche St. Martin gegeben. Das Trio setzt eine 500 Jahre währende Familientradition fort, erzählte Pfarrer Ulrich Heinzelmann in seiner Begrüßung und kurzen Einführung.Alle drei indischen Musiker gelten als die besten Spieler Indiens, haben Wettbewerbe gewonnen, internationale Auszeichnungen erhalten und üben Gastprofessuren in den USA und Neuseeland aus. Sie setzen sich, auch mit hohen Geldbeträgen, für Wasserprojekte in Indien ein.

Klangwelten zusammenbringen

Das Besondere an diesem Konzert war die Synthese indischer Klänge mit Orgel und Synthesizer. Die Maharajs haben zusammen mit Initiator und Organist Ralf Klotz neue Melodien erfunden und in einer Gesamtstruktur Arrangements geschaffen, die beide Klangwelten zusammenbrachte. Das Ergebnis war eine aufregende, unvergleichliche Begegnung von Ost und West, die auch zur Produktion der neuen CD "Celebration" geführt hat.

Im ersten Programmteil begegneten sich Orgel und Synthesizer mit Sitar, Sarod und Tabla. Von den neun Stücken wurden die Melodien von "Celebration" und "Freedom of Soul" von Klotz komponiert. Allen Stücken liegt eine Melodie zugrunde (bei "Two Worlds" auch gespielt von Alina Klotz, Violine), die von den Instrumenten abwechselnd interpretiert und über die improvisiert wird.

Der westliche Anteil besteht darin, dass auf Orgel und Synthesizer mit Akkorden gespielt und begleitet wird. Die indische Musik verwendet keine Akkorde, sondern die Melodie und die Improvisation spielen eine wichtigere Rolle.
Durch den Bau der Instrumente wird dies verdeutlicht: Neben den Griffsaiten bei Sarod und Sitar, gibt es Klangsaiten und Bordunsaiten, die, insbesondere der Sitar, den wunderbar singenden, charakteristischen Ton und immer dazu erklingenden Grundton geben. Dieser Klangcharakter wurde durch das Spiel von Abishek Maharaj verstärkt, indem er die Saiten durch seitliches Dehnen in ein fortwährendes, für westliche Ohren faszinierend exotisch anmutendes, Glissando versetzte. Die Sarod, ein Lauteninstrument, von Vater Pandit gespielt, improvisierte ebenfalls über die Ragas (Melodien) und korrespondierte aufs Engste mit der Sitar. Das Schlaginstrument Tabla, bestehend aus zwei kleinen Kesseltrommeln und mit dreilagigem Ziegenfell bespannt, mit Fingerkuppe und Handballen von Prabhash gespielt, steuerte zum Teil atemberaubend schnell gespielte Rhythmen bei.

Vergleichbarkeit mit Bach


Die Toccata in F-Dur, von J. S. Bach, für große Orgel, absolut überzeugend, virtuos und in voller Registrierung von Ralf Klotz gespielt, war der Monolith und Zeuge für die westliche, abendländische Musik. Durch vollen Orgelklang, Mehrstimmigkeit und geballte Akkorde völlig anders, konnte man doch Parallelen zur indischen Musik erkennen: So ist diese Toccata ein Musterbeispiel für lang ausgehaltene Orgelpunkte, über denen sich Melodien entwickeln. Zudem hat die Toccata immer auch, obwohl notiert, improvisatorischen Charakter, musikalisch mit dem Präludium vergleichbar - alles Elemente, die man auch in der indischen Musik hören konnte.

Der letzte Teil war mit zwei Stücken ganz der traditionellen indischen Musik gewidmet: Beim "Save drinking water on earth", komponiert von Vater Maharaj, zeigte er nochmals seine Virtuosität auf der Sarod, und beim letzten Stück "Heart of East" (ihre Heimat Ostindien), forderte Tablaspieler Prabash die Zuhörer zum Mitklatschen auf, gab Impulse auf seinem Instrument und leitete so in den lang anhaltenden Schlussapplaus über.

© Schwäbische Zeitung - 20.06.2015

Noch ist das Kunstwerk für die Gedenkstätte nicht fertig, doch die Idee ist bereits zu erkennen: Mit einer Holzbarke, auf der der Kamera zugewandten Seite beschädigt, und der nach Hilfe greifenden Hand auf einem Totenbrett wollen die Künstler Melina Braß und Joshua Glaser an das Schicksal von Flüchtlingen erinnern, die ums

Ge­denk­stät­te für Flücht­lings­schick­sa­le

In Attenweiler entsteht gerade ein Kunstwerk, das in Biberach aufgestellt wird

Attenweiler/Biberach - Einige Flüchtlinge im Kreis Biberach sind auf einem jener "Tagesschau"-bekannten Boote übers Mittelmeer gekommen. Ob so oder anders, mancher kennt einen anderen, der es nicht geschafft hat, der ertrunken oder auf andere Weise ums Leben gekommen ist. Nicht nur am heutigen Weltflüchtlingstag trauern und fürchten viele um Angehörige und Freunde - und mit ihnen die ehrenamtlichen Betreuer. Für sie alle schafft die ökumenische Flüchtlingsarbeit nun einen Ort des Gedenkens. Das Kunstwerk entsteht gerade in Attenweiler und wird in Biberach aufgestellt.

Melina Braß und Joshua Glaser spannen im Atelier Holzplanken mit Schraubzwingen auf eine Rundform. Die gebogenen Hölzer verwenden die Künstler für eine Bootswand. Ein paar Planken zerbrechen sie, denn eine löchrige Barke haben sie als Ausdrucksform gewählt - für den Untergang wegen des zerborstenen Rumpfs oder für die Hoffnung wegen der intakten Seite, das mag der Betrachter entscheiden. Aus dem Boot ragt ein nach alter Sitte aufgestelltes Totenbrett mit einer aufgemalten Hand. Wie die Hand eines Ertrinkenden aus dem Wasser, die nach Hilfe greifende, die ausgestreckte oder die gen Himmel weisende Hand - das Werk gibt schon im unfertigen Zustand Raum für viele Assoziationen.

Ein Symbol für alle Schicksale

"Das sind allgemein gültige Symbole", sagt Joshua Glaser, sie sagten Menschen aller Religionen etwas. Pfarrer Matthias Ströhle, auf evangelischer Seite federführend für die Flüchtlingsarbeit im Kirchenbezirk zuständig, erkennt darin ein gutes "Zeichen für das, was Flüchtlinge erleben" - ganz egal, ob sie auf dem Seeweg oder Landweg kommen, ob sie im Meer oder im Schutt zerbombter Häuser ertrinken. "Keiner soll sich ausgeschlossen fühlen", sagt Ströhle. Die Gedenkstätte soll für alle sein, "die auf der Flucht ihr Leben verloren haben oder in ihrem Leben angegriffen wurden".

Dass ein solcher Ort nötig wäre, kam dem Roter Pfarrer in den Sinn, als er Fernsehbilder von den Dramen im Mittelmeer sah. Und dann die Erzählungen von einem ehrenamtlicher Helfer hier vor Ort, der dabei war, als ein Flüchtling die Nachricht vom Tod eines Angehörigen bekam. "Das sind dann keine fernen Bilder, keine abstrakten Zahlen mehr", sagt Ströhle. Lucia Braß vom Caritas-Migrationsdienst ergänzt: "Nicht nur von Flüchtlingen kamen Hilferufe, auch für die ehrenamtlichen Helfer ist ein Ort der Trauer nötig."

Die beiden gingen auf die jungen Künstler zu. "Ich finde es bemerkenswert, dass sie sich so einsetzen, Zeit einbringen und ein Stück Weg mit den Flüchtlingen gehen", sagt Ströhle. Seit mehreren Wochen arbeiten die 18-jährige Melina Braß und der 19-jährige Joshua Glaser an der Skulptur. Die Skizze stammt von Melina Braß. "Ich hatte die Idee im Kopf, konnte sie aber alleine nicht umsetzen", sagt die 18-Jährige. In Joshua Glaser hat sie einen "Holz-Spezialisten" als künstlerischen Mitstreiter an der Seite, und im Attenweiler Atelier von Marlis Glaser gibt's reichlich Platz, Werkzeuge und den einen oder anderen Tipp von der Hausherrin.

Flüchtlinge steuern Texte bei

Doch die Gedenkstätte entsteht nicht im stillen Kämmerlein. Zur Projektgruppe gehört außer allen Genannten und Andreas Gratz (Caritas) noch Musa Sonko. Der 30-Jährige aus Gambia hat "einen guten Draht zu vielen anderen Flüchtlingen" in der Gemeinschaftsunterkunft in der Bleicherstraße in Biberach und in Oggelsbeuren. Musa Sonko hat von vielen Schicksalsgenossen Texte gesammelt. Was sie an Ängsten und Sehnsüchten umtreibt, soll bei der Einweihung vorgetragen werden. Ein Destillat daraus wird auf Deutsch, Englisch und Arabisch das Kunstwerk vervollständigen: "Auf der Suche nach Geborgenheit, nach Freiheit und nach Frieden", in diesem Schriftzug finden sich Religionen und Nationalitäten wieder.

Zudem kam aus den Gesprächen "die Rückmeldung, dass der Alte Katholische Friedhof in Biberach der richtige Ort der Stille ist, egal für welche Religion", berichtet Lucia Braß. Die Nähe zur Bleicherstraße spricht dafür und schließlich seien in der Trauer alle Kulturen vereint. Bei der Stadt Biberach, mit Reiner Hansbauer in der Projektgruppe vertreten, sei man auf offene Ohren gestoßen. Die Friedhofsverwaltung unterstützt die Sache nicht nur beim Erstellen des Fundaments tatkräftig.

Der Einweihungstermin für die Gedenkstätte wird rechtzeitig bekannt gegeben.

© Schwäbische Zeitung - 19.06.2015

Die Organisatoren des Gedenkgottesdienstes von links: Der katholische Diakon Johannes Jann, die evangelische Pfarrerin Dorothee Schieber,

In­ter­view: "Wich­tig ist, tief­sit­zen­de Ängs­te ab­zu­bau­en"

Zum Weltflüchtlingstag feiert Bad Saulgau mit den Flüchtlingen einen Gottesdienst - "Fremde brauchen Freunde" laden ein

Bad Saulgau - Der morgige Weltflüchtlingstag soll vor allem eins: wach rütteln und mehr Bewusstsein für die Situation von Flüchtlingen weltweit schaffen. Zeitgleich findet morgen erstmals der Gedenktag für Opfer von Flucht und Vertreibung statt. 43 Flüchtlinge leben aktuell in Bad Saulgau. Sie kommen aus Syrien, Serbien, Gambia, Indien, Pakistan, Algerien, Afghanistan und Irak. Die Asylgruppe "Fremde brauchen Freunde" des Bad Saulgauer Arbeitskreises Mehr Miteinander lädt aus diesem Anlass am kommenden Montag zu einem ökumenischen Gottesdienst ein. SZ-Mitarbeiterin Anita Metzler-Mikuteit hat sich mit den Akteuren unterhalten.

Wie würden sie die Situation der Flüchtlinge in Bad Saulgau beschreiben? Woran fehlt es?

Doris Gaißmaier: Zuerst würde ich mir deutlich kürzere Bearbeitungszeiten für die Asylanträge wünschen. Diese jahrelange Ungewissheit ist für alle zermürbend. Auch wäre eine Krankenversichertenkarte statt der im Bedarfsfall anzufordernden Krankenscheine eine große Erleichterung, ebenso die Möglichkeit, ein Girokonto zu eröffnen, was für Menschen mit Duldung nicht möglich ist. Auch Wohn- und Lebensräume sind viel zu knapp bemessen.

Auch der Zugang zum Arbeitsmarkt scheint alles andere als einfach zu sein, oder?

Doris Gaißmaier: Das Spektrum reicht vom absoluten Arbeitsverbot, das von der Ausländerbehörde verhängt werden kann, bis zur relativ normalen Arbeitsaufnahme für Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis, vorbehaltlich der Zustimmung des Jobcenters. Aber am wichtigsten sind natürlich Arbeitgeber, die willens sind, diesen Menschen eine Chance zu geben

Das "Massengrab Mittelmeer" treibt auch die EU-Parlamentarier um. Nach deren Plänen sollen verstärkt Boote von Schleusern zerstört und die Seenotrettung gestärkt werden. Auf diese Weise werden die Probleme sicher nicht an der Wurzel angepackt?

Lucia Brass: Militärische Maßnahmen können nie die Lösung sein. Ein erster Schritt könnte eine humane Flüchtlingspolitik sein durch die ersatzlose Abschaffung von Dublin III sowie Sprachkurse, menschenwürdige Unterbringungen und Arbeitsmöglichkeiten ohne diese elend langen Wartezeiten. Zunächst sollten wir jedoch Abschied nehmen vom bestehenden mörderischen System der "Festung Europa".

"Wie christlich ist dieses Abendland noch, wenn es Tausende ertrinken lässt?", fragt nicht nur der Publizist Franz Alt. Bringen sich die Kirchen ausreichend ein?

Johannes Jann: Ich denke, es ist allen bewusst, dass von Seiten der Kirchen noch viel mehr getan werden muss. Genau so wichtig scheint mir, tiefsitzende Ängste und Vorurteile abzubauen, Chancen zu erkennen und das gegenseitige Vertrauen zu fördern. Da ist auch der nicht (mehr) christliche Teil des Abendlandes gefragt.

Nicht nur Menschenrechtler fordern eine globale Allianz gegen Armut und für Aufbauhilfe in den Heimatländern der Flüchtlinge. Wie könnte diese aussehen?

Lucia Brass: Momentan betreiben wir noch immer eine Entwicklungspolitik, mit der Deutschland Geld verdienen will. Wenn vom "Chancenkontinent Afrika" die Rede ist, sind damit leider immer noch die Chancen für unsere großen Konzerne gemeint. Jeder Einzelne kann mit seinem eigenen Konsum einen Beitrag leisten...

Johannes Jann: ... zum Beispiel durch den Kauf von fair gehandelten Produkten. Aber stellt sich da nicht gleich die Frage nach dem Gefälle in unserem Lebensstil? Aus meiner Kindheit habe ich noch gut in Erinnerung, wie das Wohnzimmer nur sonntags geheizt wurde und es nur saisonale Früchte gab, die nicht aus Ländern mit Wasserknappheit kamen. Natürlich schafft dieses Angebot bei uns dort Arbeitsplätze. Gleichzeitig aber verlassen Menschen ihre Heimat, weil etwa mehr und mehr Brunnen austrocknen.

Frankreich hat die Grenzen nach Italien dicht gemacht. An den Bahnhöfen spielen sich teils dramatische Szenen ab. Auch hier braucht es schnelle Hilfe. Wie könnte die aussehen?

Lucia Brass: Es ist nicht tragbar, dass wir die überforderten Mittelmeerländer mit ihren Problemen alleine lassen. Die Flüchtlinge haben bereits einen furchtbaren Weg hinter sich und müssen oft den Tod ihrer Familien und Freunde miterleben. Die Wenigen, die es geschafft haben, lässt man von staatlicher Seite nun ganz bewusst warten und hungern. Alle Welt schaut der Katastrophe zu, tut aber nichts. Das beschämt mich als Europäerin zutiefst.

Wolfgang Lohmiller: Die Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie Krieg, Hunger, Arbeitslosigkeit, Hass und Gewalt dazu treibt, viele sind massiv traumatisiert. Bei uns suchen sie einfach nur Frieden und eine Perspektive für die Zukunft.

Aus Anlass des Gedenktags für Opfer von Flucht und Vertreibung lädt die Asylgruppe des Arbeitskreises Mehr Miteinander am Montag, 22. Juni, zu einem ökumenischen Gottesdienst in den Garten der Unterkunft in der Martin Staud-Straße 19/21 ein. Beginn ist um 19 Uhr. Bei Regen findet die Veranstaltung in der Christuskirche statt.
 

© Schwäbische Zeitung - 19.06.2015

Beide Geistliche predigten. FOTO: PR

Gläu­bi­ge fei­ern auf der Burg­ter­ras­se

Pfarrer Meckler und Maile halten gemeinsam ökumenischen Gottesdienst


Otterswang - Otterswang - Unter dem Motto "Geh aus mein Herz und suche Freud" haben Pfarrer Joachim Meckler und Pfarrer Georg Maile vor Kurzem auf der Terrasse des Burgcafés einen ökumenischen Gottesdienst abgehalten.

Den musikalischen Rahmen bildete die Josefskapelle Bad Schussenried mit acht Bläsern und einem Mann am Schlagzeug unter der Leitung von Norbert Schmidberger. Petrus, angeblich verantwortlich für das Wettergeschehen, hatte sich auf die Seite der zahlreich erschienenen "Ökumenianer" geschlagen, denn es regnete erst, als alles "in trockenen Tüchern" war.

Wo dieses Lied mit seinen stattlichen fünfzehn Strophen angestimmt werde, sei es im Grunde genommen wie eine gesungene Predigt, waren sich die Geistlichen einig. Es komme darin zum Ausdruck, dass Gottes Schöpfung gut ist, und ihre Bewahrung durch den Menschen von existenzieller Bedeutung sei. "Geh hinaus, und sieh dir die Wunder der Natur an", war der sinngemäße Aufruf der beiden Geistlichen. Die Kollekte kommt der Kinder- und Jugendarbeit zugute, davon auch ein Teil für die ökumenische Kinderwoche in Bad Schussenried, die dieses Jahr vom 7. bis zum 13. September stattfinden wird.

© Schwäbische Zeitung - 17.06.2015

Momentan steckt noch alles in Kisten und Kleidersäcken, was möglichst bald in einem Laden ausgelegt werden soll: (v. l.) Barbara Baumann, Elisabeth Weißenburger, Gerda Kramer und Pfarrer Matthias Ströhle vom Arbeitskreis Asyl suchen nach Räumen für eine Kleiderkammer in Ochsenhausen. SZ-FOTO: WAGNER

Ge­nug von Kar­tons und Sä­cken

Ochsenhauser Arbeitskreis Asyl plant eine Kleiderkammer - Suche nach Räumen

Ochsenhausen - Der Arbeitskreis Asyl in Ochsenhausen plant eine Kleiderkammer in Ochsenhausen. Der Laden soll nicht nur für Flüchtlinge eine Anlaufstelle sein. "Wir wollen nicht etwas nur für einzelne Teile der Gesellschaft machen, wir wollen verbinden", sagt Pfarrer Matthias Ströhle vom Arbeitskreis Asyl. Das Problem: Seit gut einem halben Jahr sucht der Arbeitskreis nach geeigneten Räumen in der Stadt, wurde bisher aber nicht fündig.

Seit einigen Jahren schon verteilt der Arbeitskreis Asyl gebrauchte Kleider und Spielsachen, die von Bürgern gespendet wurden. Bisher lagerten die Gegenstände in Kisten und Säcken zu Hause bei den Arbeitskreis-Mitarbeitern und wurden meist zu den Abnehmern gefahren. "Was ich schon alles transportiert habe", sagt Elisabeth Weißenburger, eine der ehrenamtlichen Helferinnen im Arbeitskreis Asyl. Doch weil immer mehr Sachspenden eingingen, wurde es zunehmend schwieriger, das gerade Gesuchte, das sich in einem Kleidersack oder Karton verbarg, rasch zur Hand zu haben. "Das ist schon eine Herausforderung. Man kann nicht zehn Säcke bringen, wenn jemand einen Rock braucht", so Barbara Baumann. Angesichts der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und zur einfacheren Abwicklung schaut sich der Arbeitskreis nach Räumen um. Mit einer Kleiderkammer im Ort hätte man eine feste Anlaufstelle und die Möglichkeit, die Gegenstände auszulegen, sagt Ströhle. Und die Interessenten hätten die Möglichkeit, selbst zu schauen.

Auch wenn man zusätzlich vor allem Spielsachen anzubieten hat, liegt das Augenmerk auf Kleidung. Für Lebensmittel gebe es in Ochsenhausen den Martinsladen, Haushaltswaren und kleinere Möbel gebe es bei der Initiative Hilfe für Kasachstan, die eine Art Flohmarkt unterhalte, so Ströhle. "Wir wollen keine Konkurrenz sein und stellen uns das als Mehrwert vor, deshalb werden wir uns auf Kleidung spezialisieren."


Niederschwellige Preise

Als Zielgruppe hat der Arbeitskreis Asyl nicht nur die Flüchtlinge im Blick. Grundsätzlich soll die Ladentür jedem offen stehen. "Für neu ankommende Flüchtlinge ist es auf jeden Fall wichtig, etwas zu haben, aber wir gehen davon aus, dass auch bei anderen Bedürftigen ein Bedarf da ist", sagt Ströhle. Grundsätzlich sei jeder willkommen in der Kleiderkammer, in der die Waren aber nicht verschenkt werden sollen. "Wenn etwas einen Wert hat, überlegt man eher, was man wirklich braucht", so Gerda Kramer. Zudem müssten die Kosten gedeckt werden, die durch die Anmietung von Räumen anfallen. Man wolle die Preise aber niederschwellig halten, ergänzt Ströhle.

Der Arbeitskreis Asyl will mit einer Kleiderkammer, die zwei- oder dreimal pro Woche einen halben Tag geöffnet sein soll, auf Dauer mehr erreichen als eine Verkaufsstelle für gebrauchte Kleidung. "Wir wollen mittelfristig Flüchtlinge in die Arbeit einbinden, damit sie unsere Ehrenamtlichen unterstützen", sagt Ströhle. Und was ihm ebenfalls am Herzen liegt: Mit dem Einbeziehen der Flüchtlinge wolle man ihnen "das Gefühl geben, dass sie selbst etwas für die Gesellschaft tun können".

Noch aber lässt sich der Plan nicht umsetzen, weil etwas Entscheidendes fehlt: geeignete Räume. Seit Anfang des Jahres sei man schon intensiv auf der Suche. Mehr als 30 Objekte habe sie schon angeschaut, sagt Barbara Baumann. Doch bisher haben sich alle Hoffnungen zerschlagen. Solange sich daran nichts ändert, haben die Kleidersäcke und Kartons nicht ausgedient.

Nähere Informationen zur geplanten Kleiderkammer des Ochsenhauser Arbeitskreises Asyl gibt es bei Pfarrer Matthias Ströhle, Telefon 08395/93 69 380, E-Mail Matthias.Stroehle@elkw.de. Bei ihm kann sich auch melden, wer Räume für eine Kleiderkammer in Ochsenhausen hat oder sich als Ehrenamtlicher bei dem Projekt engagieren will.

© Schwäbische Zeitung - 17.06.2015

Ge­mein­sam für die Sa­che Jesu

Konfirmanden und Jugendliche verschiedener Kirchengemeinden beim Deutschen Evangelischen Kirchentag

Ochsenhausen - Konfirmanden und Jugendliche der Evangelischen Kirchengemeinde Ochsenhausen und der katholischen Nachbargemeinde St. Georg haben sich an einer ökumenischen Busreise zum evangelischen Kirchentag in Stuttgart beteiligt. Dort fand erstmals ein "Jugend- und Konfi-Tag" statt mit einem Programm, das inhaltlich, sprachlich und musikalisch auf diese Altersgruppe zugeschnitten war.

Nach der Verabschiedung durch Pfarrer Jörg Schwarz und dem Reisesegen im Bus begann die Fahrt unter Leitung der Kirchengemeinderäte Uschi Sesselmann und Roland Münch. In Stuttgart hatte die Gruppe eine Stunde Zeit, sich auf dem Wasen in die Stimmung "einzufühlen", bevor in der Zelthalle die Auftaktveranstaltung begann. Zur Begrüßung erhielt jeder Teilnehmer den Kirchentagsschal und einen "Konfi-Button". Zwei junge Erwachsene moderierten und die Bands "New Gene" und "Normal ist anders" sorgten für Stimmung. Ein kurzes Anspiel führte zum Thema des Kirchentags - "Damit ihr klug werdet" - hin und ein Popkantor brachte mit einem kurzem Rhythmustraining die rund 2000 Jugendlichen in Schwung.

Im ersten Wunsch-Workshop der Konfirmanden aus Ochsenhausen wurde jeweils ein Papphocker - diese gibt es seit 40 Jahren und sind zum Kultgegenstand für Kirchentage geworden - mit Farbe und Pinsel individuell gestaltet, als Erinnerung an diesen Tag. Im Martin-Luther-Garten wurde Luthers Lebenslauf erzählt und die für ihn entscheidenden Stationen wurden szenisch in historischen Kostümen nachempfunden. In der klimatisierten "Scharrena" fand ein Jugendgottesdienst statt. Hunderte Jugendliche verfolgten diesen Gottesdienst, der mit kleinen Spielszenen und einer kurzen Predigt ihren Nerv traf, wie der spontane Beifall bewies.

Die Abschlussveranstaltung mit Moderatoren und Bands rundete unter viel Beifall und begeistertem Jubel den Tag ab. Die Jugendlichen aus Ochsenhausen bedauerten nur eins: Man hatte sich für maximal drei Workshops entscheiden müssen, obwohl man am liebsten alle besucht hätte. Für die Kirchengemeinde war das ermutigende Fazit dieses Tages, dass es noch junge Menschen gibt, die evangelisch und katholisch sind, und die sich auch gemeinsam für die Sache Jesu und für die Ökumene begeistern lassen.

© Schwäbische Zeitung - 16.06.2015

Evan­ge­li­sche Ge­mein­den rü­cken en­ger zu­sam­men

Drei Biberacher Kirchengemeinden verstärken ihre Zusammenarbeit, um mittelfristig zu fusionieren

Biberach - Die Evangelischen Kirchengemeinden von Stadtpfarrkirche, Heilig Geist Kirche und Bonhoefferkirche rücken enger zusammen. Das hat der Gesamtkirchengemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

Die Kirchengemeinderäte wurden am Freitag, die Gemeindeglieder am vergangenen Sonntag in Gemeindeversammlungen informiert. Danach werden die drei Kirchengemeinden ihre Zusammenarbeit verstärken mit dem Ziel, vor den nächsten Kirchengemeinderatswahlen zu fusionieren. Die evangelischen Gemeindeglieder in Mittelbiberach werden dann auch zu dieser neugebildeten Kirchengemeinde gehören.

Ulrike Werthmann, Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderats, nannte als Gründe den Rückgang der Gemeindegliederzahlen und den Abbau der Pfarrstellen, der von der Landeskirche beschlossen sei. "Bis Ende 2018 müssen wir 0,75 Pfarrstellen abbauen, so wird die Pfarrstelle Friedenskirche II aufgehoben, die Pfarrerin der Heilig Geist Gemeinde wird mit 25 Prozent für die Bezirksjugendarbeit zuständig sein."

Um dies zu kompensieren seien Veränderungen in den Gemeindegrenzen erforderlich, unterstreicht Dekan Hellger Koepff. "Selbstverständlich bleiben wir eine Gesamtkirchengemeinde einschließlich Friedenskirche und der Versöhnungskirche, wir arbeiten wie bisher eng zusammen", hebt Werthmann hervor. Man habe sich auf einen Weg gemacht, bei dem im nächsten Schritt geklärt werden müsse, welcher Pfarrer für welches Gemeindegebiet zuständig sein wird.

"Vor allem die Mittelbiberacher sollen wissen, wer künftig ihr Pfarrer ist. Das werden wir in Ruhe überlegen, damit wir zu guten Lösungen kommen", so Werthmann. Da die Pfarrstelle Friedenskirche II, die derzeit Pfarrer Peter Schmogro neben dem Diakoniepfarramt innehat, erst Ende 2018 aufgehoben wird, könne der Übergang gut gestaltet werden. "Die Seelsorge für die Gemeindeglieder, die Verkündigung in den Gottesdiensten und der Konfirmandenunterricht, aber auch der tatkräftige Einsatz für den Nächsten, in allen Feldern werden wir uns auch unter veränderten Rahmenbedingungen gut aufstellen", ist Dekan Koepff überzeugt. "Unsicherheit wird es geben", weiß Ulrike Werthmann und empfiehlt den Gemeindegliedern, sich mit ihren Fragen an ihre Kirchengemeinderäte zu wenden.

© Schwäbische Zeitung - 16.06.2015

Jürgen Berron, Melanie Buck und die Kinder auf der Orgelempore der Christuskirche Riedlingen begleiten die Kirsche Elfriede auf ihrem Weg. SZ-FOTO: KURT ZIEGER

Kir­sche El­frie­de will nicht in ein Ein­mach­glas

Jürgen Berron gestaltet entzückendes Orgelkonzert für Kinder


Riedlingen - Die vielen Kinder fanden kaum Platz auf der Orgelempore der Christuskirche Riedlingen, um die Kirsche Elfriede zu begleiten, die nicht wie alle anderen Kirschen in einem Einmachglas landen wollte. Zusammen mit Melanie Buck als Erzählerin kleidete Berron die Geschichte in ein farbenfrohes Orgelspiel.

Elfriede als Kirsche möchte nicht wie die anderen Kirschen des Baumes in einem Einmachglas landen oder einfach so gegessen werden. Sie möchte die Welt sehen. So entwischte sie dem Sohn von Bäckermeister Fröschle, sprang flugs vom Baum und landete im Staub vor einem Mäuseloch. Bevor die Maus die erschrockene Elfriede verspeisen konnte, kam eine Katze und fraß die Maus auf. "Glück gehabt!" dachte sie, lag vor dem Mausloch, las Krimis und lernte Englisch, denn sie wollte nach Australien reisen.
Nachts, wenn alles ganz stille war, sah sie den Mond in den Ästen eines Baumes hängen so rund und strahlend wie sie selbst. Folglich verliebte sich Elfriede in ihn: "Ich will auch in so einem Baum hängen und ganz nahe bei ihm sein." Eine Schäfchenwolke namens Claire zog vorbei, sah Elfriede aber nicht. Erst als alle Kinder auf der Orgelempore ganz laut "Claire" riefen, kam sie der Kirsche zu Hilfe und nahm sie mit, um sie zum Mond zu bringen.

Elfriede zog ihr schönstes Kleid an und flog auf der Wolke davon. "Hier ist es viel kuscheliger als auf einem Baum" frohlockte sie, sah von weitem den Kirchturm, ihren Baum, den Schulhof, und alles wurde immer kleiner. Doch die Wolke bewegte sich Richtung Berge, verfing sich im Nebel, wurde in ein Gewitter verwickelt, und Elfriede kullerte von der Wolke hinab bis zu Häusern und Gärten.

Blaue Flecken trug sie vom Sturz davon und auch ihr Kirschkern war beschädigt, denn sie war vor ihrem Mäuseloch gelandet.
Acht Tage lang schlief sie dort, war froh, noch am Leben zu sein, bis Kinder sie weckten. Elfriede machte einen Spaziergang und staunte: "Du Mond bist ja ganz schmal geworden. Wir passen doch wohl nicht zusammen." Der Mond hing nicht in einem Baum in Australien und wurde dennoch wieder rund und schön.

Eingeschlafen als Kirschstein, aufgewacht als junger Kirschbaum, der wuchs, blühte und selbst Früchte trug, sodass die Leute ihn bestaunten und sagten: "Der Baum heißt Elfriede."

Fantasievolle Klangeffekte

Gerhard Engelsberger schrieb diese reizende Kindergeschichte, die Christiane Michel-Ostertun in die Sprache der Musik umsetzte. Jürgen Berron entlockte seiner Orgel fantasievolle, farbenreiche Klangeffekte, die zur Geschichte passten, von Melanie Buck gut verständlich vorgetragen. Die drei Hauptakteure der Geschichte waren durch immer wiederkehrende Passagen gekennzeichnet: Heitere fröhliche Tonfolgen für Elfriede, ein leises bedecktes Thema mit Tremolo für den Mond, eher dumpfe Klänge, die auch bedrohlich wirken könnten, für die Wolke.

So konnten die Kinder die Geschichte gut mitverfolgen und erlebten dank Berrons Musizierkunst ganz aus der Nähe die Orgel als ein Instrument, das in vielen Farbschattierungen erklingen kann.

© Schwäbische Zeitung - 11.06.2015

Wenn Schmer­zen ein Hil­fe­ruf der See­le sind

Ärztliche Leiterin der Klinik am Schönen Moos spricht beim ökumenischen Frauenfrühstück am 20. Juni

Mengen - Dass Schmerzen nicht immer nur physische Ursachen haben können, soll Thema des nächsten ökumenischen Frauenfrühstücks in Mengen sein. Es findet am Samstag, 20. Juni, von 9 bis 11 Uhr im Paulussaal der evangelischen Kirchengemeinde Mengen statt. Als Referentin ist Cora Albrecht, die neue ärztliche Direktorin der Klinik am Schönen Moos in Bad Saulgau, zu Gast.

"Für unsere Treffen suchen wir immer nach Themen, die viele Frauen im Alltag betreffen", sagt Organisatorin Brunhilde Raiser. "Es sollen Themen sein, die Frauen aus eigener Erfahrungen kennen oder in ihrem Umfeld erlebt haben." Oft kämen diese Themen aus dem Gesundheitsbereich. "Es wird gerade viel - auch in den Medien - darüber diskutiert, dass zum Beispiel für Rückenschmerzen orthopädisch oft keine Ursachen ausfindig gemacht werden können", so Raiser. Es könne auch andere, innere Gründe geben. "Die Schmerzen sind manchmal Signale und Hilferufe, die wir lernen müssen zu verstehen", glaubt sie.

Deshalb hat sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Referentin gemacht, die sich im Bereich Psychosomatik auskennt. Mit Cora Albrecht, der neuen ärztlichen Direktorin der Klinik am Schönen Moos, hat sie eine Expertin gefunden. "Jetzt können wir das Thema Schmerzen aus theologischer, medizinischer und psychosomatischer Sicht ansehen und gleichzeitig auch die neue Direktorin kennenlernen", sagt Raiser. Unter dem Titel "Schmerzen - die Sprache unseres Körpers und unserer Seele" wird Albrecht zunächst etwa eine halbe Stunde sprechen, bevor Fragen gestellt und das gemeinsame Gespräch eröffnet werden können. "Der Vortrag soll ein Impuls sein und unseren Blick öffnen", sagt Raiser. Wer eigene Probleme oder Fälle schildern wolle, müsse sich im Nachhinein um ein privates Beratungsgespräch bemühen.

Alle Frauen sind eingeladen. Zur besseren Planung wird um eine Anmeldung bis Donnerstag, 18. Juni, gebeten. Dies kann per Mail an frauenfruehstueck-mengen@gmx.de geschehen oder telefonisch bei den katholischen und evangelischen Pfarrämtern.

© Schwäbische Zeitung - 11.06.2015

Eine starke Gruppe: Die Mentorenkinder nehmen intensive Erlebnisse von der Dobelmühle mit. FOTO: 1+1-MENTOREN

Ge­mein­sam geht vie­les leich­ter

1+1-Mentoren verbringen erlebnispädagogischen Nachmittag in der Dobelmühle

Bad Buchau - Mehr als 40 Kinder und Jugendliche haben mit den Bad Buchauer 1+1-Mentoren einen spannenden Nachmittag im Erlebnis- und Freizeitzentrum Dobelmühle in Aulendorf verbracht. Die 1+1-Mentoren unterstützen Kinder mit Migrationshintergrund, aber auch einheimische oder zugezogene Kinder.

Bereits die Ankündigung des Spiel-Spaß-Sprechen-Nachmittags in der Dobelmühle, der durch eine großzügige Spende des Lions-Club Biberach finanziert werden konnte, löste bei den Kindern Begeisterung aus. Denn vor einem Jahr war die Mentoren-Gruppe schon einmal dort und einige der Kinder kannten das erlebnispädagogische Programm.

In Aulendorf empfing Jörg Wiedmayer, Erlebnispädagoge und Jugendreferent in der Dobelmühle, die Gruppe mit seinen vier Mitarbeitern. Bei zwei Spielen bereiteten sich alle auf die folgenden Gruppenangebote vor. In vier Gruppen aufgeteilt, konnten die Kinder Kooperations- und Teamaufgaben lösen. "Wer traut sich, auf eine Mauer, gebildet von Gruppenmitgliedern, zuzurennen?" oder "Wie könnt ihr euren Teammitgliedern ohne zu sprechen eine Mitteilung machen?", fragte Matthias, einer der Trainer. Gar nicht so einfach, gemeinsam eine Lösung zu finden.

An der Kletterwand mit zwei Schwierigkeitsgraden bewiesen Anfänger und Könner ihre Geschicklichkeit. Beim Mutsprung von einer Gangway bestimmte jeder seinen eigenen Abstand, von dem aus er auf das Trapez sprang, das über der Steinenbacher Aach hing. Die älteren Kinder und die Jugendlichen konnten in schwindelerregender Höhe Vertrauen wagen und sich, hochgezogen von ihrer Gruppe, selbst ausklinken und an der Riesenschaukel in die Tiefe fallen lassen. So lernte jeder Einzelne, seine Reaktionsmuster in gefährlichen Situationen einzuschätzen oder in der Gruppe zu kooperieren. Erfüllt von diesen intensiven Erlebnissen machte sich die Gruppe nach einem Picknick auf den Heimweg.

© Schwäbische Zeitung - 11.06.2015

Die Biberacher Gruppe hat beim großen Schlussgottesdienst des Kirchentags mitgewirkt. Dabei kam auch das durch die Baumaßnahmen abgebaute Kreuz der Bonhoefferkirche symbolträchtig zum Einsatz. FOTO: PRIVAT

Ein Kirch­turm geht auf Rei­sen

Biberacher Gruppe nimmt Bonhoefferkreuz mit zum Kirchentag nach Stuttgart

Biberach - Das Turmkreuz der Evangelischen Bonhoefferkirche von Mittelberg ist kürzlich auf Reisen gegangen. Nämlich Anfang Juni zum 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag nach Stuttgart.

Am Sonntag war das Kreuz unter 95 000 Besuchern am Ufer des Neckars beim Schlussgottesdienst dabei. Das Kreuz der Bonhoefferkirche schmückte einen Abendmahltisch. Von dort aus reichten Gemeindeglieder aus dem Kirchenbezirk Biberach gemeinsam mit Dekan Hellger Koepff, Pfarrerin Anne Polster und Pfarrer Edzard Albers rund 2000 Kirchentagsbesuchern das Abendmahl. Unter anderem teilten sie das Abendmahl auf dem erhöhten Podest für Menschen mit Behinderung aus.

Für das Projekt Bonhoefferhaus, einem Kooperationsprojekt des Vereins Mariaberg und der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Biberach, wird derzeit auf dem Gelände der Bonhoefferkirche ein Wohnhaus für Menschen mit Behinderung gebaut. Auf diesem Grundstücksteil stand bislang der Kirchturm der Bonhoefferkirche.

© Schwäbische Zeitung - 09.06.2015

Jürgen Berron spielt die Musik zur Geschichte. FOTO: ARCHIV/ZIEGER

Jür­gen Ber­ron spielt "Die Kir­schin El­frie­de"

Am Sonntag findet in der Riedlinger Christuskirche ein Orgelkonzert für Kinder statt

Riedlingen - Am Sonntag, 14. Juni, findet um 17 Uhr in der Christuskirche in Riedlingen ein Orgelkonzert für Kinder statt. Auf die Orgelempore sind alle Kinder ab drei Jahren, Jugendliche und Erwachsene eingeladen. In dem Orgelkonzert steht die Geschichte der Kirschin Elfriede von Gerhard Engelsberger im Mittelpunkt. Die Musik schrieb Christiane Michel-Ostertun. Das Konzert dauert etwa 30 Minuten.

Eine Kirsche namens Elfriede möchte nicht wie andere Kirschen in einem Einmachglas landen. Als der Sohn vom Bäckermeister Fröschle kommt, um die Kirschen zu pflücken, springt sie vom Baum und macht sich aus dem Staub.

Eines Nachts entdeckt sie den silberglänzenden Mond am Himmel und, kullerdihops, hat sie sich in ihn verliebt...

Die Ausführenden sind Melanie Buck (Sprecherin) und Jürgen Berron (Orgel). Der Eintritt ist frei.

© Schwäbische Zeitung - 06.06.2015

Jugendreferentin Ina Oldigs ist beim Kirchentag Diskussionsteilnehmerin auf dem Podium

Jugendreferentin Ina Oldigs ist beim Kirchentag Diskussionsteilnehmerin auf dem Podium. Foto: privat

Die Ju­gend­li­chen freu­en sich auf die Kon­zer­te
Rund 130 Teilnehmer aus Biberach sind beim Evangelischen Kirchentag in Stuttgart

Biberach/Stuttgart - Rund 130 Teilnehmer aus dem Kirchenbezirk Biberach sind zum Deutschen Evangelischen Kirchentag nach Stuttgart gereist, der am Sonntagmittag mit dem großen Schlussgottesdienst auf dem Cannstatter Wasen endet. Je nach Alter sind die Erwartungen an die Großveranstaltung völlig unterschiedlich, wie sich bei der Abfahrt in Biberach zeigte.

"Wo fährt der Bus ab?" Die Gruppe der Kirchentagsteilnehmer im Alter zwischen 14 und 74 Jahren steht im Schatten der Bäume vor der Friedenskirche in Biberach. Ausgestattet mit Rollkoffern, Laptops, Feldbetten und Campingutensilien sind sie gegen Mittag aufgebrochen. Der Kirchentagsbecher darf auch nicht fehlen.

Manche Jugendliche gehen zum ersten Mal zu einem Kirchentag, andere kennen sich von den früheren Fahrten. Eine Gruppe Jugendlicher geht ganz offen, ohne konkrete Pläne nach Stuttgart. "Cool wird es, wie immer", sagen Jana, Johanna, Maria und Klaus. Sie waren schon mehrere Male dabei. Klar ist, dass sie zu den Wise Guys und zu Andreas Bourani ins Konzert gehen. Auch auf der Messe, im Markt der Möglichkeiten, erwarten sie gute Anregungen. Zur Vorbereitung gab es im Mai in Biberach eine Informationsveranstaltung mit Karten, Programmmappen und dem 203 Seiten dicke Kirchentagsprogramm.

Ina Oldigs, Jugendreferentin im Kirchenbezirk Biberach, hat ihre Matratze schon in Stuttgart. Sie ist gerade von einem Helfereinsatz zum Aufbau des Büros von Kirchentagspräsident Barner aus Stuttgart zurückgekommen. In der Porsche-Arena kennt sie jetzt jeden Schleichweg. Am Donnerstag saß sie als Diskussionsteilnehmerin auf dem Podium zum Thema: "Gemeinde vor Ort und social media". Für ihre Arbeit in der Gemeinde erwartet sie viele Impulse und "dass die Menschen gerne an Stuttgart 2015 zurückdenken".

Monika Fritschle und Ingrid Sproll haben sich vorgenommen, viele Gottesdienste und Bibelarbeiten zu besuchen. Der Trubel bei den Veranstaltungen mit Promis liegt ihnen weniger. Wichtiger sind ihnen die Begegnungen und der Austausch mit anderen Kirchentagsbesuchern. Ganz andere Vorbereitungen musste Uwe treffen. Als Mensch mit einer psychischen Behinderung hatte er es vor zwei Jahren noch nicht gewagt, mitzufahren. Zu komplex empfand er die Herausforderung dieser Großveranstaltung. Dieses Mal fühlt er sich gut aufgehoben. Nachdem er zusätzlich zur Anmeldung zahlreiche Formulare zu seiner persönlichen Situation ausgefüllt hatte, wurde er mit einer Notfallkarte mit Notfallnummer ausgestattet: "Jetzt kann nichts mehr passieren."

Zentrale Gemeinschaftsunterkunft

"Für die Flüchtlingsarbeit sollen große Impulse vom Kirchentag ausgehen", wünscht sich der 15-jährige Klaus, während der Bus einfährt. Damit spricht er vielen Teilnehmern aus dem Herzen. Die 130 Teilnehmer aus dem Kirchenbezirk Biberach haben ihr "Gräbele" in einer Gemeinschaftsunterkunft, sehr zentral in der Elise-von-König-Schule in Stuttgart-Münster gefunden.


© Schwäbische Zeitung - 06.06.2015

Pfarrer Ulrich Heinzelmann verteilt eine Dennete auf dem Kirchentag in Stuttgart Fotos: privat

Pfarrer Ulrich Heinzelmann verteilt eine Dennete auf dem Kirchentag in Stuttgart Fotos: privat

Den­ne­te für Kir­chen­tags­be­su­cher

Biberach/Stuttgart - Mit oberschwäbischer Dennete verwöhnt das Biberacher Jugendwerk die Besucher des Evangelischen Kirchentags in Stuttgart. Angelika Schuck, Gisela Wagner und Thorsten Bingel bereiteten die Spezialitäten vor, der Biberacher Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann (Foto) ist stolz auf das fertige Produkt. Trotz technischer Schwierigkeiten brachten die Biberacher 400 der oberschwäbischen Köstlichkeiten und 300 Crêpes beim Abend der Begegnung in der Stuttgarter Innenstadt unter die Leute. Mit 27 Ehrenamtlichen bestritten Stadt- und Bezirksjugendwerk zwei Stände, vor denen sich nach den Eröffnungsgottesdiensten lange Schlangen bildeten. Bei bestem Wetter besonders beliebt war das Biberacher Jugendgetränk "Blapf". Manch Besucher staunte über die Besonderheit dieser Biberacher Kreation.

© Schwäbische Zeitung - 05.06.2015

Matthias Schließer ist beeindruckt von den vielen Menschen und der Botschaft des Kirchentages. Fotos: privat

Matthias Schließer ist beeindruckt von den vielen Menschen und der Botschaft des Kirchentages. Fotos: privat

Fröh­li­che Men­schen al­ler Na­tio­na­li­tä­ten und Glau­bens­rich­tun­gen
Laupheimer und Wainer sind begeistert vom Evangelischen Kirchentag in Stuttgart

Von Agathe Markiewicz 5. Juni 2015

Laupheim/Wain - Der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag wird seit Mittwochabend in Stuttgart zelebriert. Bis Sonntag werden 250 000 Besucher erwartet. Zu ihnen zählen auch Gemeindemitglieder aus Laupheim und den Umlandgemeinden, die sich dorthin auf den Weg gemacht haben. Der SZ haben sie am Donnerstag per Telefon erste Eindrücke geschildert.

Die Laupheimerin Eva Wüstum kommt aus dem Schwärmen nicht heraus. "Es ist total schön hier", sagt sie. "Und auch das Wetter spielt mit." Bei der Eröffnungsfeier am Mittwochabend haben sie besonders die Stimmung und die Atmosphäre beeindruckt. "Es war ein mächtiges Erlebnis auf dem Schlossplatz", sagt die 33-Jährige. "So viele friedliche Menschen sind da." Ergriffen sei sie beim Auftritt eines großen Chores gewesen, der eine Mischung aus Kirchen- und modernen Liedern sang. Eva Wüstum ist mit Freunden unterwegs. Sie wird noch bis Freitag auf dem Kirchentag bleiben, wo sie unter anderem eine Podiumsreihe zum Thema "Migration und Menschenrechte" besuchen will.

"Es ist sehr beeindruckend", sagt auch Matthias Schließer. "Es sind so viele Leute hier, alles ist voll." Der 21-jährige Wainer ist mit seiner Freundin nach Stuttgart gefahren. "Ich bin begeistert, dass der Kirchentag es schafft, so viele unterschiedliche Menschen anzulocken." Auch das Angebot sei immens. "Ich bin von den Predigern geflasht, sie reden so viele Sachen, dass es fast schwierig ist, alles aufzunehmen." Mitnehmen wird er aber, ist sich der Mechatronik-Student sicher, dass für Christen der richtige Weg über Jesus sei und dass Jesus allein genug Attraktivität für den Glauben bietet: "Die Kirche muss zurück zum Evangelium kommen. Durch die Barmherzigkeit, die Christen leben sollen, wie Jesus es vorgelebt hat, werden wir klug. So lautet auch das Motto." Es freut ihn zudem, dass die Welt zu Hause bei den Schwaben ist. "Alle sind hier willkommen, auch die Norddeutschen", sagt er und lacht.

Bis Sonntag bleiben Susanne Roosz und ihr Ehemann Michael auf dem Kirchentag. Zwar ist das Paar zusammen dort, besucht aber unterschiedliche Programmpunkte. "Ich habe bei der Bibelarbeit mitgemacht", erzählt Susanne Roosz. "Es ging um interreligiöse Frauenthemen." Überhaupt sei das Angebot sehr vielfältig und umfangreich. In den nächsten Tagen will Susanne Roosz Konzerte, Vorträge und Kabarettvorstellungen besuchen. Die Laupheimerin sagt: "Besonders schön finde ich, dass so viele fröhliche Menschen hier sind, alle Nationalitäten und Glaubensrichtungen sind vertreten. Der Kirchentag ist offen für jeden. Ganz bunt gemischt." Die vielen Menschen bedeuten zwar manchmal längere Wartezeiten, aber das sei nicht schlimm. "Wenn es mal länger dauert, stimmt immer irgendwo jemand ein Lied an."

"Mir geht es sehr gut", sagt Sarah Stooß. "Die Veranstaltungen sind schön." Am schönsten fand sie bisher das Abendgebet am Mittwoch. Alle haben auf dem Schlossplatz zusammengestanden und gesungen. Kerzen wurden angezündet. "In der Abenddämmerung war das ein besonderes Erlebnis", schwärmt die 25-jährige Theologie-Studentin. "Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Abend der Begegnungen, denn ich treffe hier alte Freunde und neue Bekannte." Bis Sonntag hat Sarah noch einiges vor. Unter anderem arbeitet sie am Theologiestand der Evangelischen Kirche in Deutschland. Zudem will sie Vorträge, Konzerte und Theateraufführungen besuchen. "Es sind aber zu viele Angebote", findet die Laupheimerin. "Man kann gar nicht alles wahrnehmen."

© Schwäbische Zeitung - 03.06.2015

Der Biberacher Jugendpfarrer Matthias Ströhle (links) freute sich über den Besuch von Pater Christos (Fünfter von rechts) und seiner Gruppe.

Auf dem Weg zum Evangelischen Kirchentag nach Stuttgart machen griechische Gläubige halt in Biberach. Der Biberacher Jugendpfarrer Matthias Ströhle (links) freute sich über den Besuch von Pater Christos (Fünfter von rechts) und seiner Gruppe. SZ-Foto: Tanja Bosch

15 jun­ge Grie­chin­nen be­su­chen Bi­berach
Griechische Jugendgruppe rund um Pater Christos fährt mit Biberachern zum Evangelischen Kirchentag

 
Von Tanja Bosch

Biberach - Auf Einladung des Evangelischen Jugendwerks Biberach sind 15 junge Griechinnen mit zwei Gruppenleitern aus der Diözese Ioannina zu Gast in Biberach gewesen. Gemeinsam mit Biberacher Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind sie am heutigen Mittwoch unterwegs nach Stuttgart zum Evangelischen Kirchentag.

"Es ist ein Versuch, über die Jugendarbeit, Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland aufzubauen", sagt Biberachs Jugendpfarrer Matthias Ströhle. "Wir müssen gerade in Krisenzeiten den Kontakt pflegen. Wir sind ein Gegenmodell zur politischen Lage, denn auf der Begegnungsebene funktioniert eine Vernetzung." Er hofft darauf, dass dieser Austausch keine einmalige Sache bleibt: "Vielleicht könnte daraus sogar ein gemeinsames Projekt entstehen."

Architektur begeistert die Gäste


Die griechischen Gäste stammen aus Ioannina, einer Stadt mit 120 000 Einwohnern in Nordgriechenland. Besonders beeindruckt ist Gruppenleiter Pater Christos von der Architektur in Biberach: "Es ist eine sehr schöne Stadt mit wunderschönen Gebäuden", sagt er und ist schon gespannt auf die Landeshauptstadt: "Ich hoffe, dort ist es annähernd so schön wie hier in Biberach."

Die griechischen Frauen, alle im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, sind in der Jugendarbeit der Diözese Ioannina und teilweise auch in sozialen Projekten der Kirchengemeinde als Mitarbeiterinnen aktiv. Sie wurden von Metropolit Maximos für diese Gruppenbegegnung mit dem Evangelischen Jugendwerk ausgewählt. Die Kosten übernimmt die Konrad-Adenauer-Stiftung. "Die griechischen Gäste möchten aber nicht nur die Jugendarbeit in Deutschland kennenlernen, ihnen ist auch die Begegnung mit deutschen Jugendlichen und der ökumenische Dialog zwischen der orthodoxen und der evangelischen Kirche wichtig", sagt Matthias Ströhle. Von deutscher Seite nehmen elf Jugendliche am Austauschprogramm teil.

Im Mittelpunkt des Austausches steht der gemeinsame Besuch des Evangelischen Kirchentags, zu dem Hunderttausende Besucher in Stuttgart erwartet werden. Doch auch in Biberach gab es ein interessantes Programm für die Gruppe aus Ioannina. Nach einer Stadtführung mit dem evangelischen Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann ging es am Dienstagnachmittag unter anderem zur Dobelmühle. "Wir beschäftigen uns dort mit dem Konzept der Erlebnispädagogik, welche in der evangelischen Jugendarbeit eine wichtige Rolle spielt", erklärt Biberachs Jugendpfarrer. "Außerdem gibt es dort einen Kletterpark, so können sich alle besser kennenlernen."

Matthias Ströhle gehe es bei dem Austausch hauptsächlich darum, Perspektiven für Jugendliche zu öffnen: "Das ist ganz wichtig und mir ein großes Anliegen, da eine solche Begegnung besonders in der derzeitigen Krisensituation ein wichtiger Baustein für den Zusammenhalt Europas ist."

© Schwäbische Zeitung - 02.06.2015

Drei Notfallseelsorger aus ihrem Dienst entlassen und drei neue beauftragt

Im Rahmen eines Gottesdienstes wurden drei Notfallseelsorger aus ihrem Dienst entlassen und drei neue beauftragt. Foto: privat

Ab­schied und Neu­be­ginn in der Not­fall­seel­sor­ge
Drei neue Ersthelfer für die Seele erhalten den ökumenischen Segen


Biberach - Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes in der evangelischen Kirche in Bad Schussenried sind drei Notfallseelsorger mit einem Segen aus ihrem Dienst entlassen worden.Gleichzeitig konnten Pfarrer Markus Lutz, Dekanatsreferentin Kerstin Leitschuh und Diakon Hans-Jürgen Hirschle drei neue Notfallseelsorger für den ehrenamtlichen Dienst beauftragen. Unter den neuen Notfallseelsorgern ist Florian Körber aus Riedlingen.

"Unser Dienst ist kein Dienst aus eigener Kraft und Gnade, sondern wir werden gesandt an Christi statt. Darum werden Sie, die Neuen, heute im Namen der evangelischen wie katholischen Kirche beauftragt und ausgesandt", erklärte Diakon Hans-Jürgen Hirschle in der Predigt. Hirschle: "Noch einmal, Sie kommen zu den Menschen, zu denen wir gerufen werden, im Auftrag Jesu Christi. Er macht es uns vor, wie das gehen könnte bei seinen ganzen Heilungs- und Wundergeschichten, wie er hier sich ganz dem Betroffenen zuwendet, zuwendet in der Liebe Gottes, von Angesicht zu Angesicht. Er nimmt Blickkontakt mit ihnen auf, berührt sie evtuell oder legt ihnen die Hände auf."

Thomas Härle (Biberach), Hildegard Hochdorfer (Schönebürg) und Florian Körber (Riedlingen) wurden in den Dienst der Notfallseelsorge aufgenommen. Sie erklärten sich bereit, das Amt in Verantwortung vor Gott und dem Nächsten auszuüben. Künftig werden sie ehrenamtlich erste Hilfe für die Seele leisten. Von der Leitstelle alarmiert, stehen sie nach einem tragischen Ereignis Menschen zur Seite.

Den Dienst beendet haben Johanna Rieger (Oggelshausen), Friedrich Grüner (Oberhöfen) und Fred Ohmann (Berkheim). Sie wurden in der Feierstunde mit einem Segen verabschiedet.

Getragen von den Kirchen

Die Notfallseelsorge im Landkreis Biberach wird von der katholischen und evangelischen Kirche getragen. Die ehrenamtlichen Notfallseelsorger werden nach einem Auswahlgespräch grundlegend ausgebildet und übernehmen nach der Aussendungsfeier regelmäßig Bereitschaftsdienste. Das teilt die Dekanatsreferentin mit. Praxisreflexionstreffen, die Möglichkeit zur Supervision und fortlaufende Weiterbildungen begleiten die Tätigkeit in der Notfallseelsorge.

Es werden immer ehrenamtliche Notfallseelsorger gesucht. Wer Interesse an weiteren Informationen oder an der Ausbildung und Mitarbeit im Landkreis Bibberach hat, kann sich in der Geschäftsstelle des Dekanats Biberach melden: Kolpingstraße 43 in Biberach, unter Telefon 07351/182130 oder per E-Mail dekanat.biberach@drs.de; Ansprechpartnerin ist Kerstin Leitschuh, Dekanatsreferentin.

© Schwäbische Zeitung - 02.06.2015

Mesnerin Christa Brose betätigte das Glöckchen

Mesnerin Christa Brose betätigte das Glöckchen. Foto: privat

Mes­ne­rin­nen läu­ten das Glöck­chen von Hand
Baustelle an der Bonhoefferkirche schreitet voran


Biberach - Der Glockenturm der Biberacher Bonhoefferkirche hat nun der Baustelle weichen müssen. Das hält die Gemeinde aber nicht davon ab, zum Gottesdienst die Glocke zu läuten. Mesnerin Christa Brose und Mesnerin Erika Schönweitz legen einfach Hand an und bewegen das Glöckchen, das vorübergehend in ein Holzgestell gehängt wurde.

7,5 Minuten sieht die Läuteordnung der evangelischen Kirche vor, eine halbe Viertelstunde wird zum Gottesdienst eingeladen. Außerdem begleitet die Glocke das Vaterunser der Gemeinde. "Das kann auch bei der kleinen Glocke ziemlich lang werden, und für den Rhythmus ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich", würdigt Dekan Hellger Koepff das Engagement der Mesnerinnen.

Erfreut zeigte sich der Dekan, dass inzwischen die Bodenplatte für das neue Wohnhaus für Menschen mit Behinderung fertig ist. "In den nächsten Wochen wird man viel von den Baufortschritten sehen", schätzt Kirchengemeinderat Robert Xeller. Die diakonische Einrichtung Mariaberg und die Evangelische Gesamtkirchengemeinde erstellen eine gemeinsame Heimat für Menschen mit Behinderung und die Gemeindearbeit.