© Schwäbische Zeitung - 27.11.2015

Marion Martin hat den „Livingroom“ an der Waaghausstraße so weit eingerichtet und freut sich schon auf viele Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Für alle geöffnet hat der Begegnungstreff immer während des Wochenmarkts. SZ-FOTO: TANJA BOSCH

Biberach - Biberach - Der neue Begegnungstreff "Livingroom" für Flüchtlinge und Einheimische soll nun endlich am Samstag, 28. November, eröffnen. Während vor zwei Monaten bereits die Einweihung mit vielen Menschen und viel Musik gefeiert wurde, soll jetzt tatsächlich Leben ins Haus an der Waaghausstraße kommen. Zuständig für den Begegnungstreff der ökumenischen Flüchtlingsarbeit von Caritas und Diakonie ist Marion Martin.

Der "Livingroom", was übersetzt Wohnzimmer heißt, soll auch genau das werden. "Es ist unser internationales Wohnzimmer mitten in der Stadt", sagt Marion Martin, die beim Migrationsdienst der Caritas angestellt ist. "Es ist ein niederschwelliges Angebot, Flüchtlinge und Einheimische sollen sich begegnen." Dahinter verberge sich aber weit mehr. "Wir wollen damit ein Zeichen setzen: Flüchtlinge sind in Biberach willkommen und haben einen Platz, einen Raum - und das mitten in unserer Gesellschaft."

Mittwochs und samstags geöffnet

Der Begegnungstreff soll während des Wochenmarkts, immer mittwochs und samstags von 10 bis 14 Uhr, für alle offen sein. "Diese Zeiten sind verlässlich, da kann jeder kommen, der sich informieren möchte oder einfach mit uns ins Gespräch kommen will", sagt die 29-jährige Biberacherin. Ansonsten sind andere Angebote geplant. Deutschkurse gibt es unter der Woche sogar täglich. Auch die vielen Paten sollen im "Livingroom" einen Ort haben, um sich zu treffen und auszutauschen.

"Es soll langsam wachsen, das ganze Projekt soll nachhaltig sein", sagt Martin. Für Ideen ist sie deshalb immer offen. "Ich bekomme so viele Mails, in denen mir Menschen Projekte vorschlagen, das ist wirklich schön." Und überhaupt könne sie ihre Arbeit ohne die vielen Engagierten gar nicht bewältigen. "Es läuft alles über Ehrenamtliche, ich bin fasziniert davon, wie viele Menschen ihre Zeit opfern, um hier mitzuhelfen."

Doch leider gebe es auch viele Vorurteile: "Und die gründen oftmals auf Unwissenheit", sagt Marion Martin. "Deshalb ist es wichtig, dass wir einen Ort der Begegnung schaffen, vielleicht können wir so einige Vorurteile ausräumen." Es gebe aber viele Menschen, die gerne mit Flüchtlingen in Kontakt kommen wollen, aber nicht wissen, wie. "Nicht jeder traut sich einfach in eine Gemeinschaftsunterkunft zu gehen. Ich hoffe, diese Leute kommen dann zu uns." Die großen Fenster im "Livingroom" sollen auch noch einmal die Offenheit signalisieren: "Ich hoffe sehr, die Bürger lassen sich einfach auf diese Begegnungen ein."

Denn viele Flüchtlinge werden die neuen Räume direkt hinter dem Rathaus auf jeden Fall besuchen: "Die freuen sich schon sehr, vielen fällt in den Gemeinschaftsunterkünften einfach die Decke auf den Kopf, die sind froh, wenn sie rauskommen", weiß Martin. "Es fehlt einfach ein neutraler Raum und den haben wir jetzt zum Glück."

Wer Ideen für Projekte hat oder sich informieren möchte, kann sich bei Marion Martin per E-Mail melden

© Schwäbische Zeitung - 27.11.2015

Ralf Klotz, die Evangelische Kantorei und verschiedene Solisten haben das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach vorbereitet. FOTO: PRIVAT

Kan­to­rei singt Bachs Weih­nachts­ora­to­ri­um

Die Teile 1, 5 und 6 des berühmten Werks sind am Sonntag in Biberach zu hören

Biberach - Die Evangelische Kantorei unter der Leitung von Kantor Ralf Klotz führt als Einstimmung auf die Weihnachtszeit Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium mit den Teilen 1, 5 und 6 am Sonntag, 29. November (1. Advent), ab 16 Uhr, in der Stadtpfarrkirche Sankt Martin Biberach auf. Restkarten im Vorverkauf sind erhältlich beim Kulturamt (Theaterstraße 6) und online oder an der Abendkasse.

Bachs berühmteste und feierlichste Komposition, im Originaltitel "Oratorium Tempore Nativitatis Christi", besteht aus sechs Kantaten, die ihrem Inhalt nach durch das Band der biblischen Weihnachtsgeschichte nach dem Lukasevangelium zusammengefasst sind. Bach hat die Kantaten damals aber nicht alle an einem Tage aufgeführt, sondern verteilt auf die Gottesdienste zwischen dem ersten Weihnachtstag und dem Dreikönigsfest.

Der hochfestliche Chor "Jauchzet frohlocket" eröffnet Bachs "Oratorium Tempore Nativitatis Christi". Die oft liedhafte und leicht fassliche Melodik von "Jauchzet, frohlocket" ist mitverantwortlich für dessen große Popularität. Obwohl für ungezählte Hörer vieler Generationen Inbegriff des Jubels über die Geburt des Herrn, entstammt sie dem Eröffnungssatz "Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!" von Bachs Glückwunschkantate für die sächsische Kurfürstin Maria Josepha. Die königlichen Instrumente, Pauken und Trompeten, stehen freilich im Weihnachtsoratorium als Symbol für die Macht des Gottessohnes, der auf die Erde gekommen ist, um die Menschheit zu erlösen und sie mit dem himmlischen Vater zu versöhnen. Mit dem sich an den Eingangschor anschließenden Rezitativ, "Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausging, dass alle Welt geschätzet würde", beginnt dann die biblische Erzählung der Weihnachtsgeschichte. Der Evangelist fährt in seinem Bericht fort, dass Maria beim Erreichen der Stadt Bethlehem kurz vor der Geburt Jesu steht. Die Kantaten V und VI des Konzertes schließen sich bruchlos an und widmen sich abschließend der Ankunft der drei Weisen aus dem Morgenland, ihrer Suche nach dem Neugeborenen, dem Finden und Anbeten des Jesuskindes.

Johann Sebastian Bach griff beim Zusammenstellen des Weihnachtsoratoriums auch auf die schönsten und qualitätsvollsten seiner schon vorhandenen Kompositionen zurück. So ist es nicht verwunderlich, dass die großen Chöre, die zahlreichen Choräle und Arien zum beliebtesten Repertoire von Chören und Solisten und natürlich Zuhörern zählen. Der Abschlusschoral "Nun seid ihr wohl gerochen" fasst die Weihnachtsbotschaft mit diesen Worten zusammen: "Bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht." Er greift musikalisch auf dieselbe Melodie zurück wie der erste Choralsatz des Oratoriums "Wie soll ich dich empfangen". Die sechste Kantate nimmt die festliche Besetzung der Eingangskantate auf. So bilden Wiederaufnahme der gleichen Melodie sowie der Orchesterbesetzung eine Klammer um das weihnachtliche Gesamtwerk und fassen es zu einem tatsächlichen Oratorium zusammen.

Die Mitwirkenden sind Gertrud Hiemer-Haslach, Sopran, Cristina Otey, Alt, Alexander Efanov, Evangelist, Simon Tischler, Bass und die Capella Novanta. Das Konzert ist eine Veranstaltung des Evangelischen Kantorats.

Oratorium für Kinder

Am Samstag, 28. November, um 16.30 Uhr, findet in der Stadtpfarrkirche Sankt Martin bereits die Aufführung "Weihnachtsoratorium für Kinder und Jugendliche" mit Ausschnitten aus den Teilen 1 bis 3 statt. Beide Veranstaltungen ergänzen sich.

Wer beides besucht, kann einen Querschnitt des gesamten Weihnachtsoratoriums an einem Wochenende hören.

© Schwäbische Zeitung - 26.11.2015

Schüler der Sonnenlugerschule helfen am Kuchenstand und beim Service für die Gäste der Vesperkirche. FOTOS: JENNIFER KUHLMANN

In Ge­sell­schaft isst es sich ein­fach bes­ser

Bei der Vesperkirche treffen sich Hungrige, Kontaktfreudige und solche, die einen neuen Haarschnitt brauchen

Mengen - Der Innenraum der evangelischen Pauluskirche bietet in dieser Woche einen eher ungewöhnlichen Anblick. Vor den Bänken und im Mittelschiff der Kirche stehen Tische und Bänke. Zur Mittagszeit sitzen hier Menschen in Gruppen zusammen, essen und unterhalten sich. Die Vesperkirche will eine Woche lang Menschen aus allen Schichten, jeder Herkunft und aller Konfessionen an einen Tisch bringen.

"Es ist schön, dass Sie da sind", sagt Gerda Knoch und erklärt einem Ankömmling, dass es heute neben Leberkäs mit Kartoffelsalat auch ausgezeichnete Kuchen gibt. Wer vom Volksbank-Team, das beim Austeilen des Mittagessens hilft, seinen Teller gefüllt bekommen hat, sucht sich einen Platz in der Kirche. Eine warme Mahlzeit in Gesellschaft - das ist nicht für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit. Dass ein vielköpfiges Helferteam herumschwirrt und für Getränke sorgt, das Abräumen und das Spülen übernimmt, sind auch die Besucher mit Familie nicht von daheim gewöhnt.
"Wir wollen gemeinsam eine schöne Zeit verbringen und Kontakte knüpfen", sagt Pfarrer Wolfgang Raiser. Herzliche Worte werden ausgetauscht, man kommt ins Gespräch. "Und wenn man sich mal in der Stadt trifft, kann man an das gemeinsame Essen anknüpfen", sagt er. Wem es finanziell nicht so gut geht, der kann sich am Stand des Martinslädeles sogar noch ein paar Lebensmittel, Obst oder Süßigkeiten mit nach Hause nehmen. Alle anderen können ihre Spende beim Verlassen der Kirche in eine dafür vorgesehene Dose stecken.

"Besonders freuen wir uns auch über die Hilfe aus der Sonnenlugerschule", sagt Horst Reinauer vom Organisationsteam. Täglich sind vier Schüler aus der achten Jahrgangsstufe vor Ort und helfen am Kuchenstand und beim Abräumen. Sie haben außerdem kleine Geschenke vorbereitet, die jeder Besucher der Vesperkirche als Andenken mit nach Hause nehmen kann. "Gestern waren es rote Herzen mit Sprüchen, heute ein selbst gebastelter Engel", sagt er.
Im ehemaligen Kindergarten schneiden zwei Friseure aus der Flüchtlingsunterkunft auf Wunsch die Haare, Mathilde Kösler aus Bad Saulgau verpasst den Gästen in der Sakristei hawaiianische Massagen. "Lomi lomi, das heißt ,doppelt hält besser'", sagt Sofia, die sich selbst gern "Oma international" nennt und die Anwendung sichtlich genießt. "Ich finde es toll, dass sich die Kirche für solche Begegnungen öffnet", findet Mathilde Kösler.

Die Vesperkirche findet noch heute von 11 bis 14 Uhr in der Pauluskirche sowie zum Abschluss am Freitag von 11 bis 14 Uhr im evangelischen Gemeindesaal statt. Bitte Hunger mitbringen!

© Schwäbische Zeitung - 25.11.2015

Philipp Bischoff (links) und Tobias Meinhold überreichten Marion Martin den Scheck mit 520 Euro Eintrittsgeldern plus ein Sparschwein. FOTO: SVEN JENTSCH

Wort­akro­bat spielt 730-Euro-Spen­de ein

Erlös von "Kultur auf der Treppe" kommt der Begegnungsstätte "Livingroom" zugute

Biberach - Rund 80 Gäste haben den Auftritt des Poeten und Wortakrobaten Frank Klötgen in der Südwestbank am Biberacher Marktplatz genossen. Die Veranstalter der Reihe "Kultur auf der Treppe" spendeten den Erlös an die Ökumenische Flüchtlingsarbeit, die am Samstag in der Waaghausstraße das Projket "Livingroom" eröffnen will.

Mit verführerischer Wortakrobatik sezierte Frank Klötgen, Literaturpreisträger der Wochenzeitung "Zeit", die volle Bandbreite moralischer Verfehlungen. Mal bitterböse, mal gallig-humorig - aber immer klangverliebt und in anmutige Reime gepackt. Neben den Gedichten über die Sünde enthält Klötgens Repertoire auch einige "gefühlte" Übersetzungen von Bands wie Robbie Williams, Blur oder Rage Against the Machine, die den musikalischen Rahmen dieses Abends bildeten. Das Publikum dankte es ihm mit großem Applaus. Im musikalischen Begleitprogramm überzeugte die Biberacher Combo "ZomBossa".

Philipp Bischoff (Südwestbank) und Tobias Meinhold vom "Kultureservoir" freuten sich über ein ausverkauftes Haus. Sie überreichten am Schluss 730 Euro an Marion Martin vom Migrationsdienst der Caritas und von der Ökumenischen Flüchtlingsarbeit. Marion Martin leitet das Projekt "Livingroom", das am Samstag in der Waaghausstraße in Biberach offiziell eröffnet wird und das Ziel verfolgt, Flüchtlingen und Einheimischen die Möglichkeit zu bieten, miteinander in Kontakt zu treten.

Nachdem die erste Veranstaltung in der Reihe "Kultur auf der Treppe" im Mai noch kostenlos war, entschieden sich Meinhold und Bischoff laut dem Bericht des Veranstalters diesmal, Eintritt zu verlangen. Die 520 Euro gingen "eins zu eins an eine gemeinnützige Biberacher Institution". Dies soll auch bei kommenden Veranstaltungen von "Kultur auf der Treppe" der Fall sein, sagt Bischoff. Zudem ging noch ein Sparschwein durch die Reihen, das von den Zuhörern ordentlich gefüllt wurde und noch mal 210 Euro zu dieser Spende beitrug.

© Schwäbische Zeitung - 25.11.2015

Sie spielen unter anderem am Samstag mit: (von links) Max Quast, Ralf Klotz, Sophie Alshihabi, Luca Wetterau und Anna Batzill. FOTO: PRIVAT

Weih­nachts­ora­to­ri­um gibt es erst­mals für Kin­der und Ju­gend­li­che

Die Aufführung beginnt am Samstag um 16.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche - Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule

Biberach - Die konzertante Aufführung von Bachs "Weihnachtsoratorium mit den Teilen 1, 5 und 6 findet am Sonntag, 29. November, um 16 Uhr in der Stadtpfarrkirche statt. Eine Weihnachtsoratoriumsaufführung für Kinder und Jugendliche ist einen Tag früher, am Samstag, 28. November, um 16.30 Uhr. Beide Veranstaltungen ergänzen sich.

Die Evangelische Kantorei Biberach veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule zum ersten Mal ein "Weihnachtsoratorium für Kinder und Jugendliche" als Konzert mit Theaterspiel. Dabei erklingen Auszüge aus den Teilen 1 bis 3 des bachschen Weihnachtsoratoriums, musiziert von Chor, Solisten und Orchester in Originalbesetzung.

Gleichzeitig führt eine Schauspielergruppe der Juks in einem szenischen Spiel in barocken Kostümen in kind- und jugendgemäßer Weise unterhaltsam erklärend und kommentierend durch das Werk und bezieht auch das Publikum mit ein. Die Regie liegt bei Juks-Leiterin Susanne Maier, das Libretto stammt von Jürgen Berron. Die musikalische Gesamtleitung hat Ralf Klotz.

Zwei Schauspieler aus unserer Zeit unterhalten sich mit dem Dirigenten sowie mit zwei Schauspielern aus Bachs Zeit, die in barocken Kostümen verkleidet sind. Mittels Fragen und Antworten und der Aufklärung von Missverständnissen erschließen sich dem Publikum Hintergründe von Bachs Weihnachtsoratorium und tragen zum Verständnis der Musik und der Person Bach selbst bei.
Das Publikum erfährt, dass Bach beim Eingangschor auf eine frühere Komposition zurückgegriffen hat und diese mit dem neuen weihnachtlichen Text unterlegt hat. Aber auch die biblischen Personengruppen werden angekündigt und dann von den vier Solisten und dem Chor zum Klingen gebracht. Letztendlich finden alle Schauspieler versöhnlich zusammen und der Chor beschließt die einstündige Veranstaltung.

Am Samstag ist der Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre frei. Erwachsene bezahlen fünf Euro an der Abendkasse.

© Schwäbische Zeitung - 24.11.2015

Cornelia Schmutz vor der evangelischen Kirche in Riedlingen. Das Pfarrer- Ehepaar Mielitz kennt sie noch gut aus ihrer Zeit in Heidenheim.

Die Frau, die das Ge­spräch sucht

Cornelia Schmutz ist ab 1. Dezember mit der Ertinger Pfarrstelle beauftragt

Ertingen -
Pfarrer Hans-Martin Rieger hat die evangelische Kirchengemeinde Ertingen Ende Juli dieses Jahres verlassen. Seine Nachfolgerin ist - zumindest vorerst - Cornelia Schmutz. Die 33-Jährige befindet sich im letzten Jahr des sogenannten unständigen Dienstes, einer Art Bewährungszeit nach dem Vikariat. Ab 1. Dezember ist sie mit der Pfarrstelle Ertingen-Dürmentingen beauftragt. Ob sie tatsächlich die neue Pfarrerin wird, entscheidet sich im Frühjahr 2016.

Eigentlich betreut Schmutz eine Kirchengemeinde bei Heidenheim. Doch weil ihr Mann seit rund eineinhalb Jahren in Riedlingen als Lehrer arbeitet, hat sie sich in Ertingen beworben, als sie erfuhr, dass die Stelle vakant ist. Es hat geklappt, die Versetzung wurde der 33-Jährigen gewährt. Doch auf die feste Pfarrstelle bewerben kann sie sich erst ab März nächsten Jahres.

"Ich sehe das als Chance für beide Seiten, sich kennen zu lernen, ohne sich gleich fest binden zu müssen", sagt Schmutz. Denn schließlich müssen Kirchengemeinde und Pfarrer zueinander passen. Ertingen ist für die Kirchenfrau in vieler Hinsicht Neuland. Beispielsweise hat sie noch nie ein einer Gemeinde gearbeitet, in der es keine "sichtbare Kirche" gab. Das Gerhard-Berner-Haus hat sie schon vor ein paar Wochen besichtigt und hält es für sehr gelungen. "In Heidenheim würde man ,niederschwellig' dazu sagen", erzählt sie. Denn im Gegensatz zu einer wuchtigen Kirche hätten Menschen, die der Kirche sonst nicht so zugetan sind, bei so einem Haus vielleicht weniger Vorbehalte, hineinzugehen.
Zum Anderen sagt Schmutz ganz klar. "Ich bin gespannt auf die Diaspora-Situation." Schon während des Studiums sei in ihr der Wunsch aufgekommen, aus diesem Grund irgendwann mal nach Oberschwaben zu gehen. Denn der jungen Theologin ist die Ökumene sehr wichtig. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt deshalb auf dem Kontakt zu den Menschen. "Ich würde gerne mit Menschen aller Altersgruppen ins Gespräch kommen über Gott und Glaube", erklärt sie. Sie habe zwar keine Patent-Lösungen zu bieten, aber sie könne ein Begleiter sein - auch in Krisen.

Ländlich geprägt

Dass sie vor schwierigen Situationen nicht zurückschreckt, hat sie bereits bewiesen: In Heidenheim hat sie eine Zeit lang in der Notfallseelsorge gearbeitet. "Jeder kommt irgendwann in eine Situation, in der man sich Sinnfragen stellt und insofern mit Religion auseinandersetzt", weiß sie aus Erfahrung.

Cornelia Schmutz hat in Tübingen, Halle und Erlangen studiert. Ihr Vikariat hat sie in Crailsheim durchlaufen. Sie stammt aus einem 160-Einwohner-Dorf nahe Lanenau bei Ulm. Deshalb brauche sie das Ländliche und das Bodenständige, um sich wohl zu fühlen. "Eine Stadtpfarrstelle kann ich mir kaum vorstellen."

Der erste Gottesdienst mit Cornelia Schmutz findet am Sonntag, 6. Dezember, um 10.45 Uhr im Ertinger Gerhard-Berner-Haus statt.

© Schwäbische Zeitung - 24.11.2015

Chorleiter Oliver Haux hatte mit seinem Boehringer-Ingelheim-Chor ein breit gefächertes Programm zusammengestellt. SZ-FOTO: GÜNTER VOGEL

Chor singt mit Ge­stal­tungs­kraft

Boehringer-Ingelheim-Chor gibt Benefizkonzert zugunsten des Fördervereins Hospiz

Biberach - Der Vorsitzende des Fördervereins Egon Lanz hat in seiner Begrüßung beim Benefizkonzert in der Friedenskirche um Spenden gebeten und den Leitsatz der Hospizbewegung zitiert: "Gebt den Tagen mehr Leben, nicht dem Leben mehr Tage."

Chorleiter Oliver Haux hatte mit seinem Boehringer-Ingelheim-Chor ein breit gefächertes Programm mit Gospel, Pop und romantischen Songs zusammengestellt. Dabei konnten seine Sänger ihre große stilistische Bandbreite zeigen. Der Auftaktsong "Ride like the Wind" berichtet von einem Reiter, der gehängt werden soll und der auf der Flucht nach Mexiko ist. Wilder Rhythmus gleich zum Einstieg. "Der Junge aus New York City" wurde 1981 ein Hit für "Manhattan Transfer."

Begleitet wurden die Sänger von "The Band" mit Saxofon, Keyboard, Bass-Gitarre, Schlagzeug, die musikalisch stützte, ergänzte, harmonischen Gesamtklang  beförderte.

Dann "Gabriellas Song" aus dem Film "Wie im Himmel", in dem ein berühmter Dirigent die Leitung eines dörflichen Kirchenchors übernimmt. Eine dieser Chorsängerinnen ist Gabriella, der mit dem Song der Befreiungsschlag von ihrem brutalen Ehemann gelingt.
Exzellente Stimmen

Schon nach den ersten Liedern hörte man, wie exzellent die einzelnen Stimmen und Stimmgruppen geschult sind. Der Chor erreicht eine spannungsvolle Komplexität des Gesamtklanges, ohne die Individualität der Stimmfächer zu beeinträchtigen. Unüberhörbar, dass der Chorleiter ausgebildeter Sänger ist, der sein technisches und gestalterisches Wissen und Können erfolgreich weitervermittelt. Solistisch gefielen Stefanie Krug, Danijela Hamma und Peer Kroschel mit klangschönem Material und stilgerechter Expression.
"Words" ist ein Lied von den "Bee Gees", bei dem der Text sehr im Vordergrund steht. Der Rap-Charakter steht aber auf einem sehr viel höheren künstlerischen Niveau als das übliche Textaufsagen auf Tonhöhe. Die "Bohemian Rhapsody" von Freddie Mercury schildert sehr stimmungsmalend und mit volksliedhaftem Melos ein Künstlerleben jenseits aller üblichen Konventionen. Nach dem Gospelsong "He's always close to you" dann aus Webbers "Jesus Christ Superstar" der Song des Herodes. "Grapevine" ist ein Text über eine hintergangene Liebesbeziehung. "Tage wie diese" stammt von den "Toten Hosen". Dann ein sehr berühmter Song, "Bridge over troubled water" von Simon and Garfunkel von 1970. Nach "Joyful, joyful" in bester Gospeltradition sang der Chor a cappella "Just the way you are" mit dem überschäumenden Text "Oh, Ihre Augen, Ihre Augen lassen die Sterne aussehen als würden sie gar nicht leuchten".
Mit viel Temperament kam "Walking on sunshine" aus einem romantischen Liebesfilm für junge Leute. Der traditionelle gälische Segen "Irish blessing" beginnt mit den schönen Worten: "May the sun make your days bright; may the stars illuminate your nights."

Ohne Zugaben ließ das Publikum in der dicht gefüllten Kirche den Chor natürlich nicht gehen: Auf "Motherless child" von 1926 aus den "American Negro spirituals" folgte mit "Sir Duke" eine Hommage von Steve Wonder auf Duke Ellington. Der Chor singt und agiert professionell, setzt neben den Stimmbändern mit "normalen" Texten, mit Vokalisen, mit Summtönen den ganzen Körper mit Händen und Füßen ein, und das alles ebenso extensiv wie diszipliniert gesteuert.

© Schwäbische Zeitung - 24.11.2015

Familie Knieps (vorne) freut sich zusammen mit den „Wellcome-Engeln“ und den Verantwortlichen der Familienbildungsstätte, Karin Burgmaier- Laengerer und Barbara Burkhardt (von links), über das fünfjährige Bestehen des Projekts. SZ-FOTO: BOGENRIEDER-KRAMER

Die "Well­co­me-En­gel" hel­fen seit fünf Jah­ren

Projekt bei der Familien-Bildungsstätte unterstützt Familien nach der Geburt


Biberach - Das Projekt "Wellcome - Praktische Hilfe für Familien nach der Geburt" steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Merkel und wird im Landkreis Biberach seit genau fünf Jahren von der Familienbildungsstätte (fbs) der evangelischen Kirche getragen. Und das mit großem Erfolg, wie beim Geburtstagsfest im Martin-Luther-Gemeindehaus festgestellt wurde. Vor allem für die "Wellcome-Engel" gab es viel Lob, Dank und Anerkennung.

"Kindererziehung ist ein Beruf, in dem man Zeit zu verlieren verstehen muss, um Zeit zu gewinnen." Mit diesem Zitat von Jean-Jacques Rousseau dankte Edith Klüttig, Leiterin des Kreisjugendamts Biberach, allen Beteiligten für deren "Zeitgewinnung" zugunsten von "Wellcome".
Besondere Dankesworte fand sie für die engagierten Ehrenamtlichen (liebevoll "Wellcome-Engel" genannt) sowie für die Verantwortlichen der fbs, Karin Burgmaier-Laengerer und Barbara Burkhardt. Zeit sei das wertvollste Gut, das Menschen füreinander geben können. Das bestätigten auch Barbara von Römer (fbs-Vorsitzende), Anja Tamm (Landeskoordinatorin von "Wellcome") und Dekan Hellger Koepff. Er sagte mit Blick auf die Konzeption der frühen "Wellcome-Hilfe": "Wenn jedes Kind ein Geschenk Gottes ist, dann ist das Beste gerade gut genug." Er beglückwünschte die fbs zu "dieser wertvollen Arbeit, die gewachsen ist". Dazu sagte Karin Burgmaier-Laengerer: "Vor fünf Jahren haben wir mit vier Ehrenamtlichen drei Familien betreut. Heute sind es bei 16 Ehrenamtlichen 23 Familien mit 56 Kindern. Und der Bedarf steigt." Deshalb suche die fbs fortwährend weitere Ehrenamtliche, vor allem für den Bereich um Laupheim.

Die Oberärztin der Biberacher Frauenklinik, Dr. Stefanie Ströbele, berichtete vom Klinikalltag auf der Geburtsstation, verwies auf die regulären Entlassungen der Mütter nach bereits drei Tagen und sagte: "Was ,Wellcome' leistet, ist sehr wichtig und wird neben der Nachsorge durch die Hebammen dringend gebraucht." Das sehe sie oftmals schon vor der eigentlichen Entbindung, wenn Frauen zum Vorgespräch kommen. Vor allem frisch Zugezogene hätten kein helfendes Familien- oder Freundesnetzwerk.

Diese Tatsache bestätigten Christina und Holger Knieps. Sie waren kurz vor der Geburt ihrer Zwillinge nach Biberach gezogen und auf die Hilfe von "Wellcome" angewiesen. Immer freitags habe ihr helfender "Wellcome-Engel" für Zeit zum Durchschnaufen gesorgt. Dies sei in den ersten drei Monaten eine schöne Entlastung gewesen. Dafür seien sie bis heute dankbar. Anerkennung gab es auch für die jungen Künstlerinnen Franziska Wientges (Klavier) und Angelika Egoschin (Violine). Sie umrahmten die Geburtstagsfeier musikalisch.

© Schwäbische Zeitung - 23.11.2015

Ulla Mross teilt ihre Gedanken mit den Besuchern der Vernissage.

"Wir müs­sen Men­schen blei­ben"

Ausstellung zum Thema Flucht ist bis zum 13. Dezember im Stadtmuseum zu sehen

Mengen - Sich Einzelschicksale vor Augen führen, Gründe einer Flucht verstehen, Gefühle eines Fliehenden nachvollziehen und zu überlegen, wen man bei einer Flucht selbst zurücklassen müsste. Die Ausstellung, die auf Initiative von Brunhilde Raiser, der Geschäftsführerin des evangelischen Bildungswerks Oberschwaben in Mengen zu sehen ist, kann nicht als leichte Kost bezeichnet werden. "Dennoch sollten sie sich möglichst viele Menschen aus Mengen und der Region ansehen", findet Bürgermeister Stefan Bubeck.

Schon bei der Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel "Aspekte von Flucht in gegenwärtiger Kunst" am Freitagabend war der Sitzungssaal im Rathaus mit interessierten Bürgern gefüllt. Sie waren bereit, sich den Bildern zu stellen, die die Exponate unweigerlich in ihren Köpfen auslösen würden. "Kunst hat immer auch einen bildungspolitischen Auftrag", so Bubeck. "Der Fokus wird auf Fluchtursachen, Gefühle und Schicksale gelegt. Leider ist uns dieser Blick in der letzten Zeit zunehmend verloren gegangen." Die Ausstellung könne nun dabei helfen, Toleranz und Verständnis zu fördern, hoffte auch Wolfgang Eberhard, der als Stellvertreter des Heimat- und Geschichtsvereins das Wort ergriff.

Brunhilde Raiser hatte als Rahmen für die Einführung in die Ausstellung den vertonten Facebook-Chat einer Journalistin mit einem syrischen Flüchtling gewählt. So befanden sich die Zuhörer plötzlich mit Faiz im mazedonischen Wald, wurden mit ihm von der Polizei aufgegriffen und spürten mit ihm die Enttäuschung, nicht weiterzukommen.

Während im Hintergrund Fotos der verschiedenen Exponate gezeigt wurden, gab Brunhilde Raiser den Anwesenden wichtige Impulse, die ihnen später beim Betrachten der Bilder und Skulpturen weiterhelfen würden. Dabei sprach sie auch Ereignisse an, die bereits in der Vergangenheit liegen. "Wer bleibt eingesperrt unter lebensfeindlichen Bedingungen zurück?", fragte sie. "Eingesperrt wie die Menschen waren, an die mich Nikolaus Mohr mit seinen ,Verletzungen' erinnert. Wir sehen dünne Baumstämme, die in den Drahtzaun des KZ Buchenwald eingewachsen sind. So wie sie vor mir in der Holzkiste liegen, erinnern sie mich an die Knochen von Toten, an die Wunden, die Gewalt Menschen zufügt."

Künstler sind vor Ort


Viele Besucher sahen sich anschließend lange im Stadtmuseum um, blieben nachdenklich vor dem verbrannten "Deutschen Haus" von Reinhard Sigle stehen und ließen sich von der brasilianischen Künstlerin Jaqueline Bica erklären, wie sie zu den Flüchtlingen in einer Sigmaringer Gemeinschaftsunterkunft Kontakt aufgenommen hat. Ulla Mross gab einen Einblick, wie ihre Werke mit dem Titel "Beziehungen" entstanden sind. "Es geht um Menschen, die bei einer Flucht zurückgelassen werden und neue, die man kennenlernt, kommen hinzu. Deshalb habe sie ihre Figuren in Schichten übereinander gemalt. Verbunden seien die Menschen aber trotzdem alle miteinander. "Wir sitzen doch irgendwie alle in einem Boot", so Mross.

© Schwäbische Zeitung - 21.11.2015

Evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de ehrt Eh­ren­amt­li­che
Beim Buß- und Bettag in Ochsenhausen wird auch der Opfer des Terrors gedacht


Ochsenhausen - Die evangelische Kirchengemeinde Ochsenhausen hat wie jedes Jahr den Buß- und Bettag zum Anlass genommen, im Kreis der Mitarbeiter dieses Tages zu gedenken. In einer Andacht, die musikalisch von einem Streichquartett der Jugendmusikschule umrahmt wurde, ging Pfarrer Jörg Martin Schwarz in seiner Auslegung des Tagesevangeliums auf die dringende Aufforderung Jesu zur Umkehr und Änderung der persönlichen Lebensweise ein und stellte auch den Bezug zu den aktuellen Anschlägen in Paris dabei her.

Verlautbarungen des Präsidenten der Vereinigten Protestantischen Kirchen von Frankreich als auch des Präsidenten des Bundes der Protestanten in Frankreich wurden verlesen und im Gebet der Anschlagsopfer und ihrer Angehörigen gedacht. Im Rahmen des Dankesabends für ehrenamtliche Mitarbeiter der Kirchengemeinde bedankte sich Pfarrer Jörg Martin Schwarz bei den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern für deren treue Dienste: sei es beim Austragen der Gemeindebriefe, bei der Leitung von Gemeindegruppen, für musikalische Beiträge und Unterstützung bei Trauerfeiern, in den Selbsthilfegruppen, bei diakonischen Tätigkeiten, in der Familien- und Kinderkirche, bei stellvertretende Mesner- und Hausmeistertätigkeiten, der Unterstützung der Gottesdienste in der Kapelle des Altenzentrums Goldbach, in der Gemeindeleitung und vielen anderem mehr. Ein Teil der Mitarbeiter versieht diese Dienste schon seit Jahrzehnten in aller Stille und Treue zur Gemeinde.

Eine Dankesurkunde und ein kleines Geschenk, überreicht von der zweiten Vorsitzenden Uschi Sesselmann, drückten diese Dankbarkeit aus. Anschließend lud der Kirchengemeinderat zu einem gemeinsamen Abendessen.

© Schwäbische Zeitung - 21.11.2015

Be­zirks­syn­ode tagt
Verwaltungszentrum und Finanzen sind Thema


Biberach - Die Kirchenbezirkssynode tagt heute, 21. November, öffentlich von 9 bis 14 Uhr in der evangelische Spitalkirche und im Martin-Luther-Gemeindehaus Biberach.

In der diesjährigen Herbstsynode wird erstmals in dieser Wahlperiode Schuldekan Pfeiffer einen Bericht geben und das Augenmerk auf das Lebensfeld Schule mit all seinen Veränderungen lenken und fragen, was dies für die kirchliche Arbeit bedeutet.

Daneben steht eine Weichenstellung im Bereich der Verwaltung des Kirchenbezirks und der Gemeinden an. Nach intensiven Vorberatungen wird die Synode über die Rechtsgrundlagen und die Verträge zur Errichtung eines evangelischen Verwaltungszentrum Biberach zu beschließen haben. Die beiliegenden Rechtstexte wurden in intensiven Beratungen zwischen Biberach und dem Oberkirchenrat erarbeitet und im Kirchenbezirksausschuss ausdrücklich befürwortet.

Haushalt 2016


Den dritten Schwerpunkt bilden die Rechnungsabschlüsse 2014 und die Haushaltspläne für 2016. Am Anfang der Synode steht der gemeinsame Gottesdienst in der evangelischen Spitalkirche Biberach. Dabei werden Dr. Rolf Laichinger und Thomas Ahnert neu in das Prädikantenamt eingesetzt


© Schwäbische Zeitung - 20.11.2015

Beim ge­mein­sa­men Es­sen ins Ge­spräch kom­men
In der kommenden Woche findet täglich von 11 bis 14 Uhr eine Vesperkirche in der Pauluskirche statt

 jek 20. November 2015

Mengen - "Miteinander essen, reden, leben" - Unter diesem Motto findet in der kommenden Woche von Montag, 23. November, bis Freitag, 27. November, eine Vesperkirche in der evangelischen Pauluskirche in der Zeppelinstraße statt. Es sind explizit alle interessierten Menschen eingeladen, an diesen Tagen zwischen 11 und 14 Uhr in die Kirche zu kommen. Bei einem Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen sollen Gelegenheiten entstehen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Zeit gemeinsam zu verbringen.

Angesprochen fühlen sollen sich laut Pfarrer Wolfgang Raiser vor allem auch Menschen, die sich in ihrem Leben häufig aus materiellen oder persönlichen Gründen ausgeschlossen fühlen. Menschen mit unterschiedlichen Lebensweisen, unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten sollen sich bewusst aufeinander einlassen - egal, ob sie sich einem sozialen Netz zugehörig fühlen oder eher am Rand stehen. Jeder gibt für das Essen eine Spende, deren Höhe er selbst bestimmt.

Vesperkirchen finden in dieser Form in vielen Städten in der Region statt. In Mengen wird sie erstmals über die Dauer von einer Woche ins Leben gerufen. Möglich ist dies durch die gemeinsame Organisation von evangelischer und katholischer Kirchengemeinde, des Diakonielädeles, des Fairkaufhauses, des Mengener Tafelladens und der Sozialstation. Unterstützt wird die Vesperkirche auch von der Sonnenlugerschule und der Volksbank. Viele Ehrenamtliche engagieren sich, ohne sie wäre die Vesperkirche nicht umsetzbar.

Neben Getränken und Essen (das auch vegetarisch sowie ohne Schweinefleisch gereicht wird), gibt es Angebote der Seelsorge und der Sozialberatung. Kinder können sich in der Kinderspielecke vergnügen, in der Sakristei können Interessierte sich nach hawaiianischer Art im Sitzen massieren lassen und zwei Friseure können Damen und Herren einen neuen Haarschnitt verpassen.

Die christliche Sozialstiftung Hohentengen übernimmt den Fahrdienst, der unter Telefon 07572/762 93 bestellt werden kann. Weitere Informationen gibt es in den Pfarrbüros. Die Organisatoren würden sich noch über Kuchenspenden freuen.

© Schwäbische Zeitung - 20.11.2015

Blicken auf die Württembergische Evangelische Landessynode (von links) voraus: Der Vorsitzende des Finanzausschusses der Synode Michael Fritz, Synodalpräsidentin Inge Schneider und Oliver Hoesch, Sprecher der Evangelischen Landeskirche Württemberg.

Blicken auf die Württembergische Evangelische Landessynode (von links) voraus: Der Vorsitzende des Finanzausschusses der Synode Michael Fritz, Synodalpräsidentin Inge Schneider und Oliver Hoesch, Sprecher der Evangelischen Landeskirche Württemberg. Foto: Kara Ballarin

Lan­des­kir­che in­ves­tiert Mil­lio­nen in Flücht­lings­hil­fe
Jeder evangelische Kirchenbezirk in Württemberg soll eine Stelle zur Unterstützung der Ehrenamtlichen bekommen


Von Kara Ballarin 20. November 2015

Stuttgart - Der Haushalt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für 2016 ist geprägt von sprudelnden Einnahmen bei der Kirchensteuer. Mit dem Zahlenwerk befasst sich die Landessynode in ihrer Herbsttagung von kommendem Montag bis Donnerstag. Die 100 Mitglieder dieses Parlaments der Landeskirche entscheiden zudem über Änderungen im Kirchengesetz sowie über mehr Geld für Flüchtlingshilfe.

Die Landeskirche stelle bereits jetzt viel Geld zur Begleitung von Flüchtlingen zur Verfügung, sagte Inge Schneider, Präsidentin der Landessynode, am Donnerstag in Stuttgart. "Als Kirche sind wir bereit, unseren Beitrag zur Bewältigung dieser großen Herausforderung zu leisten, und sehen das als eine Aufgabe, die langen Atem erfordert."

10 000 Flüchtlingshelfer

3,5 Millionen Euro flossen laut Finanzdezernent Martin Kastrup zwischen 2013 und 2015 in die Flüchtlingsarbeit. Stimmen die Synodalen dem Haushalt zu, kommen mit der Planung für 2016 weitere 13,2 Millionen Euro hinzu. Darin enthalten sind zehn Millionen Euro, verteilt auf die Jahre 2016 und 2017, mit denen Koordinatoren für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe finanziert werden sollen. Jeder Kirchenbezirk soll einen Profi bekommen, um die rund 10 000 Ehrenamtlichen zu unterstützen.

Die Synode soll auch gesetzliche Weichen angesichts schwindender Mitgliederzahlen stellen. Auf der Tagesordnung steht eine Änderung der Kirchengemeindeordnung, die Präsidentin Schneider "zukunftsweisend" nennt. Künftig sollen Kirchengemeinden die Möglichkeit haben, sich zu sogenannten Verbundkirchengemeinden zusammenzuschließen, ohne ihr Vermögen oder ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Da sie aber einen gemeinsamen Kirchengemeinderat und Haushaltsplan haben, reduziere das laut Schneider den Verwaltungsaufwand ungemein.

© Schwäbische Zeitung - 20.11.2015

Beim Frühstück entstehen Kontakte zwischen den Frauen aus aller Welt.

Beim Frühstück entstehen Kontakte zwischen den Frauen aus aller Welt. SZ-Foto: Bogenrieder-Kramer

Wer in Deutsch­land lebt, muss ler­nen
Einheimische, Zugereiste und Flüchtlinge treffen sich im Café Welcome


Von Carmen Bogenrieder-Kramer 20. November 2015

Biberach - Es ist kurz nach neun. Im Gemeindesaal in der Friedenskirche sind die Tische eingedeckt und ein Frühstücksbüfett ist aufgebaut. Gut 50 Frauen warten gespannt auf das, was da kommen soll. Pfarrerin Birgit Schmogro eröffnet das Frauenfrühstück des Christlich-Muslimischen Frauentreffs.

Einige Kinder wissen gleich was sie essen möchten, das macht es den Müttern einfach. Andere Frauen bedienen sich zaghaft, wieder andere türmen Brötchen, Obst, Wurst und Käse auf ihren Teller. Im Gemeindesaal herrscht eine eher zurückhaltende, ruhige Atmosphäre. Dann tritt der "Welcome-Chor" auf und animiert zum Mitsingen. Einige Frauen trauen sich und klatschen mit. Es scheint, als ob unsichtbares Eis schmilzt. Der Geräuschpegel wird lauter. An den einzelnen Tischen entwickeln sich Gespräche. Wieder ergreift Pfarrerin Schmogro das Wort. "Wer ist in Deutschland geboren?", möchte sie wissen. Ein paar wenige Frauen stehen auf. Weitere Fragen folgen. Am Ende steht fest, dass alle ausländischen Frauen in Begleitung nach Deutschland gezogen sind; manche schon über ein Jahr hier leben, andere erst seit 15 Tagen.

Die meisten Frauen haben mehrere Kinder. Sie kommen aus 18 unterschiedlichen Nationen, etwa aus Syrien, Albanien, der Ukraine, Irak, Nigeria, Brasilien, Venezuela oder Thailand. Einige kennen sich aus den Integrationskursen, also vom deutsch Lernen. Andere sind in der Flüchtlingsunterkunft in der Bleicherstraße untergebracht oder wohnen in und um Biberach. Als Pfarrerin Schmogro wissen will, was die Frauen bewegt, meldet sich Sausan Aljabassini aus Damaskus und sagt: "Danke schön, danke. Gute Idee das Welcome-Café". Alle applaudieren. "Wenn man in Deutschland leben möchte, dann muss man lernen", sagt Nergiz Kabasakal, die Dialogbeauftragte von Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion). Das Wichtigste sei die Sprache. Diese Aussage teilen alle. Eine Gruppe wird noch im Dezember die B1-Deutsch-Prüfung ablegen.

Kontakte erwünscht


Die Frauen berichten von ihren Wünschen nach sozialen Kontakten mit Deutschen. Es sei sehr schwer, Anschluss zu finden. Ob ein zweiwöchiges Praktikum und damit der Kontakt zur Arbeitswelt helfen kann? Eine Chance sei es allemal, meint Nergiz Kabasakal. Dazu die Integrationsbeauftragte der Stadt Biberach, Manuela Eisele: "Bei der Vermittlung von Praktikumsstellen kann ich nur in Einzelfällen helfen, aber es entstehen auch in diesem Bereich gerade ehrenamtliche Angebote". Zudem gebe es bereits weitere Begegnungsmöglichkeiten, etwa über das städtische Angebot Café Global im Familienzentrum (jeden zweiten Montag im Monat ab 16 Uhr) oder das Café Global im Café Klatsch im Stadtteilhaus Gaisental (jeden letzten Dienstag im Monat ab 9.30 Uhr). Weiteres ist geplant.

Die nächsten Termine für das Café Welcome stehen schon fest: Der Christlich-Muslimische Frauentreff organisiert einmal pro Monat ein offenes Frauenfrühstück, zu dem Einheimische, Zugereiste und Flüchtlinge gleichermaßen willkommen sind. Die nächsten Treffen sind am 14. Dezember in der Friedenskirche und am 25. Januar in den Räumen des Ditib am Zeppelinring. Beginn ist jeweils um 9 Uhr.

© Schwäbische Zeitung - 18.11.2015

Brunhilde Reiser und Dorothea Kohler-Rapp positionieren vorsichtig das goldene Schiff mit dem Titel "Seelenverkäufer" von Jörg Bach im Stadtmuseum Mengen.

Brunhilde Reiser, Geschäftsführerin des evangelischen Bildungswerks Oberschwaben, und ihre Mitarbeiterin Dorothea Kohler-Rapp positionieren vorsichtig das goldene Schiff mit dem Titel "Seelenverkäufer" von Jörg Bach im Stadtmuseum Mengen. Foto: Jennifer Kuhlmann

"Wer sind ei­gent­lich die See­len­ver­käu­fer?"
Ausstellung im Stadtmuseum Mengen beschäftigt sich mit dem Thema Flucht - Vernissage findet am Freitag statt

 Von Jennifer Kuhlmann 18. November 2015

"Ich bin jetzt im Gericht. Ich komme zehn Tage ins Gefängnis."

"Oh."

"Wir wurden in einem Auto erwischt."

"Welche Stadt?"

"Weiß nicht. Serbien."

"Was machen sie nach zehn Tagen?"

"Uns über die mazedonische Grenze bringen. Die Polizei hat uns geschlagen."

Mengen - Vorsichtig heben Brunhilde Raiser und ihre Mitarbeiterin Dorothea Kohler-Rapp das golden glänzende Schiff auf seinen Platz im Mengener Stadtmuseum. Es heißt "Seelenverkäufer" und ist eine Leihgabe von Künstler Jörg Bach. Unter dem Titel "Aspekte von Flucht in gegenwärtiger Kunst" werden in Mengen bis zum 13. Dezember unterschiedliche Werke von Künstlern aus ganz Oberschwaben zu sehen sein. Die Eröffnung findet am Freitag, 20. November, um 18 Uhr statt.

Die Idee zu dieser Ausstellung trägt Raiser schon fast zwei Jahre mit sich herum. "Der Grundgedanke ist, das Thema Flucht im Gespräch zu halten", sagt die Geschäftsführerin des evangelischen Bildungswerks Oberschwaben. Es gehe um Gefühle, Erlebnisse und grundsätzliche Erfahrungen. "Viele Künstler haben sich mit dem Thema beschäftigt", sagt Raiser. "Außerdem können wir Kunstwerke auch mit dem Gedanken betrachten: Was sagt es mir über Flucht?" Unter Umständen hätte ein Bild ganz unterschiedliche Wirkungen auf zwei Betrachter.

Kunst soll Denkanstöße geben

Das Boot "Seelenverkäufer" zum Beispiel. "Sind Seelenverkäufer diejenigen, die Menschen auf ein instabiles Boot treiben, das eine goldene Zukunft verspricht?", fragt Raiser. "Oder verkaufen die Flüchtlinge ihre Seele, um ihren Körper zu retten?" Das seien genau die Gedankengänge, die von der Ausstellung ausgelöst werden sollen. Da gibt es etwa eine Leiter, die von Reinhard Sigle aus brüchigem Treibholz und Isolierband gebastelt wurde und die den Leitern nachempfunden ist, mit denen Flüchtlinge Zäune überwinden wollten. Die brasilianische Künstlerin Jaqueline Bica hat bei ihrem Aufenthalt im vergangenen Jahr im Schlachthof Sigmaringen Gespräche mit Flüchtlingen aus dem gelben Haus geführt. Es sind eindrucksvolle Texte und Bilder entstanden.

Seine eigenen und die Erfahrungen seiner Landsleute hat Walid Nizami verarbeitet. Den Kontakt zu dem Künstler aus Syrien, der nach Deutschland geflohen ist, hat Eckhard Fröschlin aus Scheer hergestellt. Von Fröschlin selbst wird "Der Abfahrer" zu sehen sein, der mit seinem Boot ins Ungewisse aufbricht. "Aber auch die Flucht im Dritten Reich wird thematisiert", so Raiser.

Etwas Besonderes kommt über die Hörstation hinzu. Zwanzig Minuten lang können die Besucher einem Chat zwischen der Journalistin Julia Tieke und dem syrische Flüchtling Faiz lauschen. "Mein Akku ist gleich leer" heißt der Dialog, der Faiz auf seinem Weg durch Mazedonien und Serbien begleitet.

"Ich mache mein Handy aus. Es ist ein Problem, wenn sie Nachrichten aus Serbien bei mir finden."

© Schwäbische Zeitung - 18.11.2015

Das Vokalensemble "Belcanto" führt den "Totentanz" in der Stadtpfarrkirche in Biberach auf.

Das Vokalensemble "Belcanto" führt den "Totentanz" in der Stadtpfarrkirche in Biberach auf. sz-foto: günter vogel

Der Tod tanzt im­mer mit
Konzert zum Volkstrauertag in der Stadtpfarrkirche St. Martin hatte den Tod zum Thema

Von Günter Vogel 18. November 2015

Biberach - Im Mittelpunkt des Konzerts hat die Aufführung der Trilogie "Totentanz - Memento mori" von Kantor Ralf Klotz gestanden, die vor drei Jahren hier uraufgeführt worden war. Der Komponist war vom "Füssener Totentanz" von Jacob Hiebeler aus dem Jahre 1602 angeregt worden. Es entstand die Idee, diese mit Reimversen versehenen Holzgemälde, bei denen der als Gerippe personifizierte "Tod" Menschen eines jeden Standes zu seiner Zeit zum Todestanz und Sterben führt, kompositorisch zu fassen, ähnlich wie Hugo Distler mit seiner "Totentanz"-Komposition von 1934 zur Totentanz-Malerei in der Lübecker Marienkirche.

Das Werk wurde jetzt mit dem Vokalensemble "Belcanto", mit dem Blockflöten-Consort, mit den Sopranistinnen Ulrike Schmid und Alina Klotz mit klangschönen Stimmen, der Organistin Petra Elze sowie mit Gunther Dahinten als Sprecher unter Leitung des Komponisten erneut aufgeführt. Projektionen der Hiebeler-Bilder ergänzten den starken Eindruck des Werks.

"Totentanz" ist eine Trilogie. Eröffnet wird mit dem Lied "Es ist ein Schnitter", komponiert als Strophenvariation; einzelne Strophen werden auch gelesen. Das Lied "Der grimmig Tod" beruht auf einem Kanon, der betont, dass der Todgeweihte dem "Tod" folgen muss.

Herzstück des Werkes ist der dritte Teil "Totentanz - Memento mori" mit der Vertonung des Psalms 90. Er ist in meditativer Stimmung und in kontrastierender Dynamik gehalten.

Gleichsam als Leitmotiv zieht sich der Spruch "Sagt ja, sagt nein, getanzt mueß sein" durch diesen dritten Teil. Diesen Satz stellte Jacob Hiebeler als Zentralmotiv über seine Totentanzbilder. Der Chor wird hier jeweils begleitet vom Tamburin, das das tänzerische Element des unerbittlichen Dem-Tode-verfallen-sein scharf betont. Die hiebelerschen Texte werden zu den Projektionen der Bilder gesprochen; der Sprecher betont von der Kanzel herab die Unabwendbarkeit des Lebensendes. Die Bilder zeigen den als Gerippe dargestellten Tod, der Menschen jeden Standes von Papst bis Bauer zu Todestanz und Sterben führt.

Der "Totentanz" lässt eine große Tonsprache hören. Im zentralen dritten Teil wird der meditative Eindruck verstärkt durch liegende tiefe Männerstimmen gleichsam als Basso continuo, mit Vokalisen, mit Zischtönen, mit rezitativischen Klangelementen.

Das Werk hat einen ruhigen Grundton, aus dem heraus sich Bewegungen mit expressivem Charakter entwickeln, die das Schicksalhafte und Unausweichliche zum Tönen bringen.

Der Schluss ist der großartige Einfall eines versöhnlichen Endes mit einer gesungenen Fuge, die den Kreis vom Tode zum Leben schließt: "So wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang!"

Vor dem "Totentanz" interpretierte weitere Werke griffen diese Thematik auf. Der Chor sang Kompositionen von Johann Sebastian und Johann Bach, Hermann Schein, dem zeitgenössischen Siegfried Reda und von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Das war ein außergewöhnliches Konzert, spannend und aufrüttelnd; von Bach bis Klotz hörte man eindringliche und eindrucksvolle Kirchenmusik.

© Schwäbische Zeitung - 18.11.2015

Ein Licht sein für andere Menschen.

Ein Licht sein für andere Menschen. sz-foto: Julia Bogenrieder

Men­schen kön­nen für­ein­an­der Licht sein
Neues Trauerseminar beginnt noch im November in der Friedenskirche

 
Von Carmen Bogenrieder-Kramer 18. November 2015

Biberach - Mit Verlust und Trauer geht jeder Mensch anders um. Das ist bekannt. Trotzdem ist es nicht ganz einfach, individuelle Erfahrungen anzunehmen. Selbst in der eigenen Familie kann es nach dem Tod eines geliebten Menschen zu Sprachlosigkeit, Ohnmacht und Verunsicherung kommen. Wer in einer solchen Situation Hilfe sucht, der ist beim Trauergespräch oder beim Trauerseminar in der Friedenskirche genau richtig.

"Trauernde Menschen sollen einen Platz in der Gemeinde haben", sagt Pfarrerin Birgit Schmogro. Deshalb gebe es in der Friedenskirche jeden Monat die Möglichkeit, an einem Trauergesprächskreis teilzunehmen. Darüber hinaus werde dieses Jahr wieder ein Trauerseminar angeboten und zwar in Kooperation mit der Familienbildungsstätte (fbs) und dem "Stärke-Programm". An drei Samstagen sollen dabei Themen rund um die Trauer beleuchtet und miteinander besprochen werden. Geleitet wird dieses Seminar von den erfahrenen Familientherapeuten und Supervisoren Marlies Hinderhofer und Holger Lier.

Eingeladen sind alle Interessierten, Trauernde, Familienangehörige und Menschen aus deren Umfeld. Pfarrerin Schmogro möchte auch bei diesem Trauerseminar Begegnung im geschützten Raum ermöglichen. Ziel sei, im Miteinander gegenseitiges Verständnis zu erfahren. Darauf komme es bei der Trauerarbeit nämlich an. Birgit Schmogro berichtet von ihren Erfahrungen aus den vergangenen Trauerseminaren und sagt: "Trauernde können füreinander wie ein Licht sein." Dies zu erleben, sei ein schönes Erlebnis.

© Schwäbische Zeitung - 18.11.2015

"So muss Ves­per­kir­che sein"
Die Verantwortlichen ziehen ein positives Fazit nach der 13. Biberacher Vesperkirche


Biberach - "So muss Vesperkirche sein" - mit dieser Aussage haben Hermann Hagel und das Mitarbeiterteam die 13. Biberacher Vesperkirche beendet. Das Team der ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) ist vollauf mit dem Verlauf der Woche zufrieden, auch wenn Anfang der Woche noch Platz für weitere Gäste vorhanden war.

Der Erfolg einer Vesperkirche werde laut der Verantwortlichen ganz bestimmt nicht am finanziellen Ergebnis festgemacht, sondern an der Atmosphäre während der ganzen Zeit.

Der ungewöhnliche und schöne Raum, das Orgelspiel und das Tischgebet am Anfang, die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die Vertreter der Biberacher Werbegemeinschaft im Service für Gehbehinderte, der schöne Tischschmuck, das gute Essen aus der Klosterküche in Untermarchtal und vieles mehr haben zur guten Atmosphäre beigetragen.

Durch die Begegnungen über Milieugrenzen hinweg werde sich im Bewusstsein der Besucher nachhaltig etwas ändern, sind sich die Verantwortlichen sicher.

Und wenn am Schluss, bei der Reinigung der Kirche, der evangelische Pfarrer mit einem katholischen Rauchfass die evangelische Kirche ausräuchert, um den "weltlichen" Duft zu vertreiben, dann sieht man, was alles möglich ist und was auch den Charme einer Vesperkirche ausmacht.


© Schwäbische Zeitung - 18.11.2015

Bei herrlichem Wetter verbrachten die Kinder viel Zeit bei Aktivitäten im Pfarrgarten

Bei herrlichem Wetter verbrachten die Kinder viel Zeit bei Aktivitäten im Pfarrgarten. Foto: privat

Kin­der­bi­bel­wo­che wird für die Klei­nen zum gro­ßen Er­leb­nis
Mehr als 90 Kinder haben viel Freude an allerlei Aktionen unter dem Motto "Peter haut ab"


Laupheim - Wer in den Herbstferien am Pfarrgarten der Evangelischen Kirche vorbeigekommen ist, mag sich wohl über die vielen lauten und lachenden Kinder gewundert haben, die dort im Freien unter den bunten Laubbäumen gespielt und gesungen haben. Grund für den belebten Pfarrgarten war die Kinderbibelwoche des Evangelischen Jugendwerks. Das Motto lautete dieses Jahr "Peter haut ab", angelehnt an das Gleichnis des verlorenen Sohns.

Über 90 Kinder vom Kindergartenalter bis zur siebten Klasse haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt, mittels eines Theaterstücks, Liedern, Spielen und anderen Aktionen. Zu den Themeneinheiten gab es natürlich noch vieles mehr zu erleben: In altersgerechte Gruppen eingeteilt, war ein vielfältiges Programm geboten. So waren die Älteren beim Geocaching an außergewöhnlichen Orten in der ganzen Stadt unterwegs und haben Glückskekse gebacken. Während die Jüngeren Laternen gebastelt, Gipsmasken gemacht und bemalt oder Waffeln gebacken haben. Bei dem herrlichen Wetter verbrachte man viel Zeit draußen im Pfarrgarten oder im Schlosspark bei einer Schnitzeljagd.

Höhepunkte bildeten der bunte Abend und eine Nachtwanderung mit Fackeln. Bevor die Übernachtung im Gemeindehaus anstand, konnte man sich mit Kinderpunsch und Kuchen stärken. Abschluss der Kinderbibelwoche bildete der gemeinsame Familiengottesdienst, der von den Kindern unter anderem durch ein Theaterstück und Fürbitten mitgestaltet wurde.

Doch keine Worte können den Spaß und die Freude, dieses "KiBiWo-Gefühl", so gut ausdrücken wie Bilder, die bald unter www.ejl-online.de angeschaut werden können. Dort finden sich auch weitere Informationen zur Arbeit des Evangelischen Jugendwerks sowie zu den wöchentlich stattfindenden Jugendgruppen.


© Schwäbische Zeitung - 16.11.2015

Mahnwache gegen Terror in Mengen

Mahnwache gegen Terror in Mengen

Nach Ter­ror­ak­ten in Pa­ris: Flücht­lin­ge und Bür­ger hal­ten Mahn­wa­che

sz 16. November 2015

Mengen - Flüchtlinge, Mitglieder des Arbeitskreises Asyl, viele Jugendliche, Bürgerinnen und Bürger aus Mengen kamen am Samstagabend zu einer kurzfristig organisierten Mahnwache vor der evangelischen Kirche zusammen. Die Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft hatten die Mahnwache angeregt. "Wir sind vor genau diesen Menschen weggerannt, die für diesen Terror in Paris verantwortlich sind. Darum sind wir hier, weil es in unserer Heimat jeden Tag so ist", so sprach der Syrer Shadi zu den etwa 60 Anwesenden. "Wir danken euch, dass ihr diesen Moment des Gedenkens mit uns teilt. Wir sind Menschen aus Syrien, aus Eriträa, Gambia, Palästina und Nigeria. Wir leben mit euch hier zusammen an diesem Ort und wir wünschen uns nichts als Frieden". In einem Moment des Schweigens gedachten die versammelten Menschen mit Kerzen in den Händen der Opfer, der Familien und der Einsatzkräfte. Pfarrerin Ines Fischer beendete die Mahnwache: "Mögen wir den Mitteln der Gewalt immer wieder die Wege des Friedens entgegensetzen können". Foto: privat

© Schwäbische Zeitung - 16.11.2015

Die im Kleidertreff aktiven Helfer, insgesamt sind es rund 40, erhielten bei der Eröffnung ein kleines Präsent als Dankeschön.

Die im Kleidertreff aktiven Helfer, insgesamt sind es rund 40, erhielten bei der Eröffnung ein kleines Präsent als Dankeschön. sz-foto: Ferdinand Leinecker

Mehr als ein ge­wöhn­li­cher Se­cond­hand­la­den
Kleidertreff des Arbeitskreises Asyl und der Diakonie öffnet in Ochsenhausen seine Türen


Von Ferdinand Leinecker 16. November 2015

Ochsenhausen - Im voll besetzten Verkaufsraum wurde in Ochsenhausen in der Memminger Straße 7 der neue Kleidertreff feierlich eröffnet.

Pfarrer Matthias Ströhle, Leiter und Koordinator des Arbeitskreises Asyl, begrüßte die vielen Gäste mit den Worten "Wir wollen helfen mit ganzem Herzen" und bedankte sich bei den mittlerweile 40 ehrenamtlichen Helfern. Die anwesenden Damen bat er auf den roten Teppich und überreichte ihnen zusammen mit Pastoralreferent Karlheinz Bisch sowie Diakoniepfarrer Peter Schmogro jeweils eine Rose als kleines Dankeschön. Auch die männlichen Helfer wurden mit einem kleinen Geschenk bedacht.

Peter Schmogro von der Diakonie des evangelischen Kirchenbezirks Biberach, die die Trägerschaft übernommen hat, schloss sich Ströhles Worten an und nannte den Kleidertreff einen Ort der Begegnung in Ochsenhausen, zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. "Hier sollen neue Freundschaften geschlossen werden" - genau das wünsche er sich. Schmogro sieht diesen Treffpunkt auch als Beitrag zu einer erfolgreichen Integration. Er soll mehr sein als ein gewöhnlicher Secondhandladen.

Bürgermeister Andreas Denzel zeigte sich bei seinen Grußworten sichtlich zufrieden, dass in Ochsenhausen ein geeigneter Platz für diesen neuen Kleidertreff gefunden werden konnte. Er dankte den Sponsoren und allen an diesem Projekt Beteiligten. Einer dieser Sponsoren, der Lions Club Biberach überbrachte bei dieser Gelegenheit eine Spende in Höhe von 2000 Euro. Dekan Hellger Koepff vom Kirchenbezirk Biberach ging bei seiner Ansprache auf das Ziel und Konzept des Kleidertreffs ein. Es solle hier ein Stück Frieden entstehen und er erhoffe sich, dass in diesem Treff ein "Treffpunkt für alle" in Ochsenhausen entstanden ist.

Ausstellung zeigt Fotos von Flüchtlingen

Nathalie Ziju und Laura Zalenga aus Biberach berichteten über ihre Ausstellung "Ankommen" sowie ihre Fotos von Flüchtlingen, die im Verkaufsraum ausgestellt sind. Sie haben sich oft und lange mit diesen Menschen unterhalten und jedes Bild erzähle seine eigene, oft traurige Geschichte, wie die beiden berichteten. Mit "Hier im schönen Rottumtal" begannen mehrere Gedichte, vorgetragen von Asylbewerbern aus dem Raum Ochsenhausen. "Freiheit, Gleichheit, Menschenwürde", das wünschen sie sich. Ihre Reime endeten mit einem Dank an alle und den Worten "Wir sind hier schon fast daheim".

Barbara Baumann vom Arbeitskreis Asyl arbeitete die Entstehung des Kleidertreffs von der Idee bis zur Einweihung kurz auf. Sie betonte auch, dass der Treff für jedermann zugänglich ist. Angeboten werden günstige Waren von Textilien über Schuhe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Der Treff versteht sich aber nicht als Bistro, worauf sie schon angesprochen wurde. Kleiderspenden seien herzlich willkommen, betonte Baumann (siehe Fußnote). Der Erlös aus den Verkäufen werde nach Abzug der Unkosten an gemeinnützige Institutionen weitergeleitet, so Baumann.

Das Ochsenhauser Original Franz "Oxi" Baur hatte die Veranstaltung mit seinen wie immer in Reimen gefassten, aber dieses Mal traurigen Geschichten eröffnet. Kerstin Högerle begleitete ihn auf der Oboe.

Kleiderspenden werden während der Öffnungszeiten entgegengenommen. Diese sind Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie am Mittwoch und Samstag von 9 bis 12 Uhr. Interessierte an der Mitarbeit im Kleiderladen können sich an Gerda Kramer, Telefon 07352/949904, wenden.

© Schwäbische Zeitung - 14.11.2015

Hubert Hoffmann wird die Evangelische Kirche mit Lautenklängen erfüllen.

Hubert Hoffmann wird die Evangelische Kirche mit Lautenklängen erfüllen. PresseFoto

Hu­bert Hoff­man und die elf­chö­ri­ge Ba­rock-Lau­te
Österreichischer Musiker konzertiert am Montag in der Evangelischen Kirche Bad Buchau

Bad Buchau - Der renommierte österreichische Lautenist Hubert Hoffmann ist am Montag, 16. November, um 19.30 Uhr mit Werken des Stiftes Kremsmünster aus der Zeit kurz vor 1700 zu Gast in der Evangelischen Kirche Bad Buchau. Er wird vor allem Musik des Benediktiner-Paters Ferdinand Fischer, nahe Salzburg geboren, auf der elfchörigen Barock-Laute aufführen. Der zarte Klang dieses Instruments berührt und begeistert die Zuhörenden bis heute. Der Musiker wird in das Instrument und seine Musik einführen.

Die österreichische Musik des 17. Jahrhunderts war vorwiegend Kammermusik für Streicher. Der virtuosen Solo-Violine wuchs dabei eine überragende Funktion zu. 1681 überließ der erste Violinspieler seiner Zeit, Heinrich Ignaz Franz, Ritter von Biber, dem Stift Kremsmünster den Erstdruck seiner Violinsonaten.

Ein neuer Lautenstil

Ferdinand Fischer adaptierte Bibers Musik für die Barocklaute und komponierte selbst Musik für sein Instrument. Er brachte auch Werke von Johann Gottlieb Muffat in das Stift und setzte dessen avantgardistischen Violinstil auf die Laute um. Wenig später verband der kaiserliche Hofkämmerer Johann Anton Losy diesen Violinstil mit dem "Style precieux" der französischen Lautenisten. Damit schuf er die Grundlage für den neuen Lautenstil, der den heutigen Zuhörern insbesondere durch die Musik des Dresdner Lautenisten Silvius Leopold Weiss bekannt ist.

Der Österreicher Hubert Hoffmann geht, wie die meisten Lautenisten seiner Generation, einer ausgedehnten Konzerttätigkeit als Continuospieler nach. Sie führt ihn mit vielen Alte-Musik-Ensembles durch die ganze Welt. Die einzigartige stilistische Mischung der Musik der Habsburger Hofhaltungen wird hörbar durch Ensembles wie Ars Antiqua Austria, das Clemencic Consort oder das Marini Consort Innsbruck, bei denen er mitwirkt, ebenso wie in seinen Soloprojekten.

Hoffmann auf CD


1996 erschien eine erste Solo-CD mit Werken des böhmischen Grafen Losy. Die Ersteinspielung von Musik aus dem Codex Klosterneuburg sowie die Produktion von Radolts bedeutender Lautenkonzertsammlung "Die Allertreueste Freiindin" gemeinsam mit Ars Antiqua Austria setzen diesen eingeschlagenen Weg fort. Im Anschluss hierzu erschien, wiederum mit Ars Antiqua Austria im Jahre 2010 eine CD mit Musik des "letzten Wiener Lautenisten" Karl Kohaut.

Im Auftrag des Stiftes Kremsmünster koordiniert Hubert Hoffmann seit 2012 ein groß angelegtes Forschungsvorhaben über die umfangreiche Lautenmusik des Klosters. Geplant ist eine Gesamtausgabe aller im Stift verwahrten Lauten-Tabulaturen. Außerdem werden die dortigen originalen Lauten umfassend dokumentiert.

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

© Schwäbische Zeitung - 14.11.2015

Das Team des Diakonieladens "Ansichts-Sache" freut sich auf Kundschaft (von links): Christa Hilgers, Elisabeth Sandmaier, Melanie Haas, Manuela Faden und Pfarrer Peter Schmorgo

Das Team des Diakonieladens "Ansichts-Sache" freut sich auf Kundschaft (von links): Christa Hilgers, Elisabeth Sandmaier, Melanie Haas, Manuela Faden und Pfarrer Peter Schmorgo. sz-Foto: Annette Grüninger

Güns­tig, mo­dern - und für die gute Sa­che
Diakonieladen "Ansichts-Sache" eröffnet am 14. November in Bad Buchau


Von Annette Grüninger 14. November 2015

Bad Buchau - Lange Zeit ist die Schussenrieder Straße 27 in Bad Buchau leer gestanden, nun zieht wieder neues Leben in die Ladenräume ein. Was hier am 14. November eröffnet? Das ist "Ansichts-Sache": Für die einen ist es eine ganz normale Boutique mit schöner, gut erhaltener Second-Hand-Kleidung - für die anderen die Chance, soziale Projekte in Bad Buchau zu unterstützen.

Jacken, Blusen, Hemden und Schals hängen ordentlich und gut sortiert an den Kleiderständern. In den Regalen stapeln sich bereits einige Pullover und Sweatshirts und die Schaufensterpuppen sind nach der Mode gekleidet: Auf den ersten Blick erscheint "Ansichts-Sache" wie eine ganze gewöhnliche Modeboutique.

Jeder ist willkommen

Eine Wirkung, die durchaus so gewollt ist: "Wir sind offen für alle, jeder darf kommen", erklärt Christa Hilgers. Die Buchauerin ist eine von vielen Helfern, die "Ansichts-Sache" ins Leben gerufen haben und nach der Eröffnung am 14. November regelmäßig ehrenamtlich mitarbeiten werden. Verkaufen werden sie hier ausschließlich Second-Hand-Produkte, die aus privaten Spenden stammen: gut erhaltene Kleidung, die zu kleinen Preisen - meist einstelligen Beträgen - weitergegeben werden. Auch wenn sich das Angebot vor allem an sozial Schwächere richtet: Die Tür der "Ansichts-Sache", betont Hilgers, stehe grundsätzlich allen offen. Menschen mit geringem Einkommen, Flüchtlinge, Second-Hand-Begeisterte, Schnäppchenjäger, Menschen, die das soziale Projekt unterstützen wollen - alle seien sie hier willkommen. Anders als bei den Tafelläden werde zum Einkaufen auch kein Berechtigungsschein vom Sozialamt benötigt.

Erlös dient sozialen Projekten


Entstanden ist die Idee für "Ansichts-Sache" allerdings aus dem Buchauer Freundeskreis Asyl. Die Helfer hatten schon seit Langem nach geeigneten Räumen gesucht, um Kleider- und andere Sachspenden zu lagern und den Flüchtlingen die Möglichkeit zu bieten, die Kleider gezielter auszuwählen und anzuprobieren (SZ berichtete).

Aus dem Lager ist nun ein richtiger Laden geworden. Wobei "Ansichts-Sache" weit über die Flüchtlingshilfe hinausgeht. Denn der Second-Hand-Laden, der unter der Trägerschaft der Diakonie Biberach steht, verfolgt gleich mehrere Ziele: Kleidung günstig zu verkaufen - und mit dem Erlös lokale soziale Projekte der verschiedensten Art zu unterstützen.

Und nicht zuletzt ist der Second-Hand-Gedanke auch eine Absage unserer gedankenlosen Konsum- und Wegwerfkultur: Gut erhaltene Kleidung ist kein Fall für die Mülltonne, sondern kann sinnvoll wiederverwertet werden.

Zuweilen sogar noch etwas aufgehübscht. Denn zum Team des Diakonieladens zählen auch zwei Näherinnen, die so manches gebrauchte, nutzlos gewordene Kleidungsstück "upcyclen" wollen. "So entstehen teilweise richtige Unikate", sagt Manuela Faden.

© Schwäbische Zeitung - 14.11.2015

Das Vokalensemble Belcanto singt den Totentanz

Das Vokalensemble Belcanto singt den Totentanz. Foto: privat

To­ten­tanz - Tanz und Bil­der
Konzert anlässlich des Volkstrauertags in der Stadtpfarrkirche



Biberach - Zum Volkstrauertag am 15. November ab 17 Uhr erklingt in der Stadtpfarrkirche Sankt Martin die Komposition "Totentanz" von Ralf Klotz sowie weitere Motetten zum Thema Tod und Ewigkeit.

Im Konzert werden die süddeutschen Totentanz-Bilder aus dem Jahre 1602 auf eine Leinwand projiziert. Dies trägt zu einer beeindruckenden Gesamtwirkung von Musik, Bild und Texten bei. Der Totentanz für Chor, Sprecher und Instrumente aus der Feder von Kantor Ralf Klotz wird aufgrund der überschwänglichen Resonanz der Uraufführung vor drei Jahren erneut in Biberach sowie anderen Orten in Süddeutschland aufgeführt und greift auf Bilder und Bilderreimsprüche der Füssener Totentanztafeln von kurz vor dem 30-jährigen Krieg.

Die Komposition kombiniert diese Bilder einfühlsam mit Worten des 90. Psalmes "Memento mori - Bedenke, dass du sterben musst" und schafft so ein inhaltliches Spannungsfeld zu Fragen und Antworten unserer Existenz. Die gemäßigt moderne Klangsprache und der Einsatz eines Sprechers unterstreichen die Expressivität des Gesamten. Auf den Totentanzbildern werden Personen eines jeden Standes, Herrscher, Adlige, Reiche, Arme und so weiter kommentiert mit Sprüchen vom Sensenmann zum sogenannten letzten Tanz ins Reich des Todes abgeholt. Ein musikalischer Reigen kündigt jeweils das Erscheinen des "Todt" an. Thematisch passende Chor- oder Orgelwerke ergänzen das Programm. Es erklingen die achtstimmigen Motetten "Unser Leben ist ein Schatten" von Johann Bach (1604-1673) und "Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen" von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Solomotetten aus Johann Hermann Scheins (1586-1630) Sammlung "Isreaelsbrünnlein" sowie Choralsätze von Johann Sebastian Bach sorgen für stilistische Abwechslung.

Mitwirkende sind das Vokalensemble Belcanto, das Blockflöten-Consort mit Ingrid Sell, Johanna Glaser, Sabina Mark und Jutta Löwe, Petra Elze, Orgel, Gunther Dahinten, Sprecher, und ein Bildassistent. Die musikalische Gesamtleitung hat Ralf Klotz. Veranstalter ist die Evangelische Kirchengemeinde, es gibt eine Abendkasse.

© Schwäbische Zeitung - 13.11.2015

M. Volkmann

M. Volkmann Fotos: hofmann

Der Re­for­ma­tor als geis­ti­ger Brand­stif­ter
Ausstellung im evangelischen Gemeindehaus dokumentiert Luthers Judenfeindschaft


Von Diana Hofmann 13. November 2015

Laupheim - Martin Luther ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nahm. Wie deutlich und derb er auch seine Abneigung gegen Juden formulierte, kann heute noch schockieren. Einen Eindruck davon verschafft bereits der Titel der Ausstellung "Ertragen können wir sie nicht. Martin Luther und die Juden", die am Mittwoch im Rahmen der Schalom-Tage im evangelischen Gemeindehaus eröffnet worden ist.

Auf 17 Tafeln stellt die vom "Zentrum für Mission und Ökumene - Nordkirche weltweit" konzipierte Wanderausstellung Ursachen und Entwicklung des christlichen Anti-judaismus und die Judenfeindschaft Martin Luthers dar. Dabei schlägt sie den Bogen von seinem Wirken als Reformator und Förderer der deutschen Sprache hin zu seinen "Kehrseiten". Um das geistige Klima, in dem Luther sich bewegte, zu verdeutlichen, wirft sie auch einen Blick auf die Blütezeit des Judentums im Frühmittelalter, auf die erste Pogrome während des ersten Kreuzzugs 1096 folgten. Antijüdische mittelalterliche Legenden wie jene von Ritualmorden und die Auslösung der Pest durch angeblich von Juden vergiftete Brunnen führten zur Vertreibung der Juden aus den Städten.

Die Ausstellungsmacher gliedern die "Judenschriften" Luthers in zwei Phasen ein. Bereits in der ersten zwischen 1513 und 1526 wird seine Ablehnung der "verstockten" Juden deutlich, wenn er auch mit der 1523 erschienen Schrift "Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei" einen ungewöhnlich freundlichen Ton anschlägt - nicht ohne das Ziel der Konversion zu verfolgen. Revidiert hat er diesen "Irrtum" in der zweiten Phase von 1537 bis 1543. Kurz vor seinem Tod fordert er gar, die Synagogen des "verworfenen, verdammten Volks der Juden" anzuzünden und die Juden für vogelfrei zu erklären.

Der Grund für diesen Hass, so die Ausstellung und auch die Luther-Forschung, liegt in dem reformatorischen Grundsatz Sola Scriptura, der allein die Auslegung der Schrift, und zwar auf Jesus Christus hin, für richtig hält. Fatal war diese Überzeugung bis ins 20. Jahrhundert hinein: Auch sie diente als Rechtfertigung für die Judenverfolgung durch die Nazis.

Luthers Judenfeindschaft war auch das Thema des Eröffnungsvortrags von Dr. Michael Volkmann, "Die Schatten der Reformation: 500 Jahre feiern, aus der Vergangenheit lernen". Der Beauftragte der evangelischen Landeskirche für das Gespräch zwischen Juden und Christen beleuchtete Luthers "Judenschriften" und den Umgang der evangelischen Kirche im Vorfeld des großen Reformationsjubiläums 2017 damit.

Gegenbild zum Christsein

Die Juden seien für Luther das Gegenbild zum Christsein gewesen, nicht die Heiden, erläuterte Volkmann; der Grund dafür sei seine streng christologische Auslegung des Alten Testaments gewesen. Erst ab den 1990er-Jahren hätten sich die evangelischen und lutherischen Landeskirchen sukzessive von den antijüdischen Ausfällen Luthers losgesagt.

Volkmann selbst zieht für sich die Konsequenz intensiven Tora-Studiums, nicht zuletzt um das Neue Testament besser zu verstehen. "Denn es atmet ganz und gar Tora und andere jüdische Schriften."

Zu sehen ist die Ausstellung im evangelischen Gemeindehaus, Schillerstraße 9, noch bis zum

25. November. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 18 Uhr.

© Schwäbische Zeitung - 13.11.2015

Christa Schwendele (von links), Marianne Schlipp und Brigitte Kessler engagieren sich ehrenamtlich in der ambulanten Hospizgruppe Riedlingen

Christa Schwendele (von links), Marianne Schlipp und Brigitte Kessler engagieren sich ehrenamtlich in der ambulanten Hospizgruppe Riedlingen. Foto: Jungwirth

La­chen, wei­nen und schwei­gen mit Ster­ben­den
Die Hospizgruppe Riedlingen feiert heute mit einem Stehempfang ihre Gründung vor 20 Jahren


Von Bruno Jungwirth 13. November 2015

Riedlingen - Der Tod gehört zum Leben. Und doch ist der Gedanke ans Sterben für viele weit weg, wird verdrängt. Angehörig tun sich schwer damit loszulassen. Dies zumindest ist die Erfahrung der Mitarbeiter der ambulanten Hospizarbeit in Riedlingen. Diese begleiten Sterbende; sind da, hören zu, reden. "Sterben ist ein ganz intimer Vorgang", sagen sie.

Vor 20 Jahren wurde in Riedlingen die ambulante Hospizgruppe ins Leben gerufen. Und Marianne Schlipp aus Riedlingen ist von Anfang an mit dabei. Aus einer persönlichen Erfahrung. "Als mein Vater gestorben ist, habe ich die Hilflosigkeit meiner Familie erlebt", erzählt sie. Ihr war klar, dass es so nicht sein darf, dass man mit dem Sterben so nicht umgehen dürfe. Von daher hat sie die Anliegen der Hospizgruppe aus "tiefster Seele angesprochen".

Die Riedlinger Gruppe umfasst derzeit rund 20 Ehrenamtliche. Vorwiegend Frauen, so die Einsatzleiterin Christa Schwendele, aber es sind auch drei Männer darunter. Die Ehrenamtlichen begleiten Sterbende und deren Angehörige. Sie machen Hausbesuche, reden mit den Menschen oder halten auch mal Sitzwache die ganze Nacht. Je nachdem was gewünscht ist und was passt. So eine Begleitung kann über Tage gehen oder auch mehrere Wochen dauern. "Die Ehrenamtlichen bringen vor allem Zeit und Ruhe mit", sagt Christa Schwendele, die vor fünf Jahren zu Beginn ihres Ruhestands die Einsatzleitung übernommen hat. Bis dahin war die Frau aus Zwiefaltendorf in der Sozialstation tätig.

"Jedes Sterben ist anders", so die Erfahrung von Marianne Schlipp und Brigitte Kessler. Kessler ist seit rund elf Jahren bei der Hospizgruppe dabei. Auch sie kam durch eine persönliche Erfahrung zur Hospizarbeit. Auch sie wollte den nahenden Tod des Vaters nicht wahrhaben. Als der sagte: "Ich sterbe" konnte sie darauf nicht eingehen, sondern beschwichtigte. Kurz darauf verstarb der Vater. Noch immer ist dies für sie ein Schmerz, dass die Aussprache nicht mehr stattgefunden hat.

Dies ist auch Teil der ambulanten Hospizarbeit: Nicht nur die Begleitung der Sterbenden, sondern auch die Begleitung der Angehörigen. Denn Letztere haben große Berührungsängste mit dem Tod, wissen nicht wie sie damit umgehen sollen, sagen die Hospizmitarbeiterinnen. Viele brauchen die Ehrenamtlichen auch als Ansprechpartner, als Stütze. Ein Beispiel erzählt Brigitte Kessler: Mitten in der Nacht sei sie von der Tochter angerufen worden, dass die Mutter stirbt. Kessler kam. Schnell erkannte sie, dass es noch nicht so weit ist. Dass die Atmung der Frau noch tief war. "Die Tochter hat jemand gebraucht, um zu reden", ist sie heute überzeugt. Das Zusammenspiel zwischen Sterbendem und Angehörigen ist wichtig, betonen die Ehrenamtlichen. "Die Sterbenden entscheiden, wann sie gehen und wer dabei sein soll", sagen sie übereinstimmend. Zu oft haben sie erlebt, dass Menschen dann gehen können, wenn die Angehörigen loslassen. Kessler hat wieder ein Beispiel: Ein Mann sagte immer vor seiner Frau: "Du kannst mich doch nicht allein lassen", bis Kessler ihn vor der Tür darauf ansprach. Beim nächsten Mal sagte er zur Frau: "Du kannst gehen, ich kriege das schon hin". Zwei Tage später starb die Frau. Und es sei auch nicht untypisch, dass die Menschen alleine sterben; gerade dann, wenn die Angehörigen kurz aus dem Zimmer sind. Oder dass sie erst gehen können, wenn das geliebte Enkelkind oder der Sohn, die Tochter noch da war.

Gemeinsames Lachen


Der Tod eines Menschen ist eine traurige Angelegenheit, und doch sei es nicht nur traurig. "Wir lachen mit den Sterbenden auch", sagen die drei Frauen. Und sie erzählen sich auch lustige oder schöne Episoden, etwa von dem Sterbenden, der kurz vor seinem Tod nochmals einen Bauchtanz sehen wollte - was ihm ermöglicht wurde. Oder von dem musikbegeisterten Kranken, dem sie kurz vor seinem Tod noch auf der Orgel vorgespielt haben.

Und doch gibt es viele traurige Momente. Momente, wo auch sie ins Grübeln kommen, wo sie persönlich berührt werden. Man versuche, das nicht an sich ran kommen zu lassen, meint Brigitte Kessler. Doch ganz gelingt es nicht. "Es geht einem immer nach", sagt Marianne Schlipp.

Die ambulante Hospizgruppe Riedlingen/Uttenweiler feiert am heutigen Freitag, 13. November, ihr 20-jähriges Bestehen. Nach dem Gottesdienst in St. Georg um 19 Uhr findet ein Stehempfang im katholischen Gemeindehaus in Riedlingen statt.

© Schwäbische Zeitung - 13.11.2015

Vesperkirche Biberach

Vesperkirche Biberach Foto: Sarah Schleiblinger

Noch bis Sams­tag hat die Ves­per­kir­che ge­öff­net

Biberach - Noch bis Samstag ist die Vesperkirche, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Biberach (ACK) in der Evangelischen Spitalkirche in Biberach geöffnet. Rund 25 Ehrenamtliche helfen - wie Mohammad Kazem (links) und Hossien Razavi (rechts) - mit. Im Durchschnitt wurden täglich 100 Essen ausgegeben, das sind etwas weniger als 2014. "Dieses Jahr müssen wir mit einem leichten Verlust rechnen", zieht Organisator Hermann Hagel Bilanz. Das sei aber nicht weiter schlimm. "Die Erfahrung zeigt, dass sich das wieder ausgleicht im nächsten Jahr." Das Essen aus der Klosterküche Untermarchtal wird zum Preis von einem Euro ausgegeben, Säfte und Wasser sind im Preis enthalten. Wer kann, darf auch einen Beitrag zur Deckung der Selbstkosten geben, die etwa bei 4,50 Euro liegen. Es kommen sehr viele unterschiedliche Menschen zur Vesperkirche, allerdings habe in diesem Jahr der Anteil der Menschen, die nur einen Euro bezahlen können, zugenommen. "Vor allem die Berufstätigen haben das Angebot nicht so angenommen", so Hagel. Die Biberacher Vesperkirche ist eine unter 26 Vesperkirchen in Baden-Württemberg.

© Schwäbische Zeitung - 13.11.2015

Das Ulmer Münster war eines der Ziele der Kinder.

Das Ulmer Münster war eines der Ziele der Kinder. Fotos: Manuel Mussotter

Kin­der flie­hen mit Gott
Bei der Kinderbibelwoche haben sich Wainer Kinder mit dem Thema Flucht beschäftigt

Auf der Flucht: Die Wainer Kinder haben erfahren, wie es ist, wenn man seine Heimat verlassen muss.

Wain - "Geh mit Gott!" hat das Thema der Kinderbibelwoche in Wain gelautet. Ein engagiertes Team bot den Kindern ein tolles Programm, das von Barbara Eyrich erdacht und konzipiert worden war.

Den Kindern sollte ein wesentlicher Teil der Wainer Geschichte vergegenwärtigt werden: Die Freie evangelische Reichsstadt Ulm siedelte in dem kleinen Ort im 17. Jahrhundert, nach dem Dreißigjährigen Krieg, Flüchtlinge an, die wegen ihres Glaubens ihre Heimat Kärnten verlassen mussten.

Betrat man das Wainer Gemeindehaus, so fühlte man sich in eine andere Zeit zurückversetzt: Alte Leiterwagen, Milchkannen, Getreidesäcke, uraltes landwirtschaftliches Gerät waren zu sehen. Und nicht nur das. Gleich zu Beginn der Bibelwoche spielten die Kinder in der Michaelskirche eine Versammlung nach, in der sie sich entscheiden mussten: Wieder katholisch werden oder Haus, Hof und Heimat verlassen?

Die Kinder bereiteten die Flucht vor, legten rasch Vorräte an, bepackten die altertümlichen Wagen mit den nötigsten Dingen. Um die Distanz dieser Flucht zu verdeutlichen, bestiegen die jungen Wainer den Turm des Ulmer Münsters. Die Herausforderungen der Flucht wurden mit eigens angelegtem Nachtlager auf dem Hof der Familie Schließer nachgeahmt. Stets die bange Frage: Wo verbringen wir die Nacht und noch wichtiger, wo werden wir wohl landen?

In Verbindung zur Bibel

Diese Wainer Geschichte wurde in Verbindung zu biblischen Geschichten gebracht. Die Kinder erfuhren, dass auch Abraham seine Heimat verlassen musste, weil Gott es ihm auftrug. Von Mose wurde ihnen erzählt, der aus Ägypten fliehen musste, wo er eigentlich in Reichtum am Hofe des Pharaos lebte. Von Jesus erfuhren sie, dass er in einem Stall zur Welt kam und dass er kurz nach seiner Geburt nach Ägypten fliehen musste, weil der König Herodes ihm nach dem Leben trachtete.

Beim Abschlussgottesdienst erzählte Pfarrer Ernst Eyrich in seiner Predigt, dass eines der Kinder ihm auf dem Münsterturm sagte, dass es nun Angst habe vor dem Abstieg vom Turm. Aber es meinte eben auch, dass es gut sei zu wissen, dass ja Gott mitgeht. Dies unterstrich der Wainer Pfarrer, indem er den Gottesdienstbesuchern Worte aus dem 121. Psalm mitgab. Dort blickt der Beter hinauf zu den Bergen und stellt sich die bange Frage: "Woher kommt mir Hilfe?" Zuversichtlich ist die Antwort: "Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat."

Nach dem Gottesdienst lud der Jugendkreis die ganze Gemeinde zu einem Frühstück ins Gemeindehaus ein. Dabei konnte man in einer Bildershow aus der zurückliegenden Woche nur glückliche Kindergesichter sehen.

© Schwäbische Zeitung - 11.11.2015

Archivbild: Festlich und fröhlich, aber auch besinnlich ging es im vergangenem Jahr beim Essen im Hospitalstüble zu.

Festlich und fröhlich, aber auch besinnlich ging es im vergangenem Jahr beim Essen im Hospitalstüble zu. Archivfoto: Agathe Markiewicz

Die Tü­ren ste­hen al­len Men­schen of­fen
Katholische, evangelische und evangelisch-freikirchliche Gemeinde laden zum Martinstisch ein


Von Agathe Markiewicz 11. November 2015

Laupheim - Zusammen laden die katholische, evangelische und evangelisch-freikirchliche Gemeinde in Laupheim zum zweiten Mal zum Martinstisch ein. An drei Tagen - vom 20. bis 22. November - sind wieder alle Menschen im alten Hospital willkommen, die sich ein leckeres Essen schmecken lassen, ins Gespräch kommen und einen besinnlichen Abend erleben wollen.

Wer bereits im vergangenen Jahr an der Veranstaltung teilgenommen hat, wird sich gern an die besondere Atmosphäre, an nette Begegnungen und wohltuende Gesten erinnern. An liebevoll gedeckten Tischen und vor reichlich gefüllten Tellern saßen die Menschen zusammen, genossen das Mahl, kamen ins Gespräch, lauschten geistlichen Impulsen und sangen Lieder mit. Das alles soll in diesem Jahr beim Martinstisch genauso werden, auch wenn sich einiges geändert hat.

Martinustafel heißt nun Martinstisch

Zuerst einmal der Name: Im vergangenem Jahr luden die drei Kirchengemeinden zur ökumenischen Martinustafel ein. In diesem Jahr heißt die Veranstaltung Martinstisch. "Martin und die Mantelteilung bleiben wichtig", erklärt Diakon Ulrich Körner von der katholischen Kirchengemeinde. "Die Tafel ist aber zum einen geschützt und war zum anderen etwas irreführend." Die Menschen hätten das Angebot mit dem Martinusladen in Verbindung gebracht, was aber nicht sein solle. "Wir möchten nicht nur Bedürftige willkommen heißen", sagt Ulrich Körner. "Die Türen stehen auch Einsamen, Kranken, Familien, Älteren, Flüchtlingen und jenen offen, die Rat oder ein Gespräch suchen oder sich einfach nur ein gutes Essen schmecken lassen möchten. Deshalb heißt es nun Martinstisch." Dabei sehen die Kirchengemeinden das Angebot nicht als eine Notveranstaltung für Bedürftige, sondern als Begegnungsidee. "Die Menschen, die kommen, empfangen nicht nur, sie geben auch", erklärt Körner. "Sie beschenken die Aktion als Lebendige." Platz finden sollen bis zu 50 Menschen. Für Kinder gibt es Malvorlagen und Buntstifte.

Eine weitere Veränderung ist der Termin: Im vergangenem Jahr waren die Gäste an drei Wochentagen im Advent zum Abendessen eingeladen. In diesem Jahr sind die Besucher am Wochenende - von Freitag, 20., bis Sonntag, 22. November, - jeweils zum Mittagessen, von 11.30 bis 14 Uhr, willkommen.

"Wir haben viele Rückmeldungen von älteren Menschen bekommen, dass sie lieber mittags als abends warm essen", erklärt Marion Reuß vom Diakonie-Ausschuss. "Außerdem haben sie zum Teil Angst, wenn es schon dunkel ist, das Haus zu verlassen." Einige seien im vergangenen Jahr deshalb nicht gekommen, und das, obwohl ein kostenloser Hol- und Bringdienst angeboten wurde. Diesen kann man auch heuer in Anspruch nehmen. "Für ein Wochenende haben wir uns entschieden, da es laut einer Sozialraumanalyse für Menschen in Trauer oder Einsamkeit die schlimmste Zeit in der Woche ist", fügt Diakon Körner hinzu. "Und wer nicht alleine kommen möchte, bringt jemanden mit."

Das Essen kostet einen Euro


Auf der Speisekarte stehen nur Gerichte, die den muslimischen Vorschriften entsprechen: Am Freitag sind das Linsenspätzle mit Putenwienerle, am Samstag vegetarische Spaghetti mit mediterranem Gemüse, und am Sonntag dürfen sich die Gäste auf einen Rinder-Gulascheintopf freuen. Kaffee, Tee, Säfte und Kuchen ergänzen das Angebot. Die Kosten bleiben gleich: Das Essen gibt es für einen Euro. "Wer etwas mehr geben möchte, kann dies gern tun", sagt Marion Reuß. "Und wer nichts geben kann, wird nicht zurückgewiesen." Jeder steuert das bei, was ihm möglich ist.

In diesem Jahr möchten auch Vertreter der muslimischen Gemeinde der Martinstafel einen Besuch abstatten, erzählt Ulli Körner. "Sie werden dann entscheiden, wie sie sich im nächsten Jahr bei der Aktion einbringen können."

Die Kirchengemeinden freuen sich auf den Martinstisch und hoffen, dass er wieder zu etwas wird, bei dem man gastliche Gemeinschaft erfahren, den inneren Akku laden, beieinander sitzen und erzählen, voneinander hören und erfahren und miteinander essen kann. Zu etwas Besonderem eben.

Der Martinstisch hat geöffnet von Freitag, 20., bis Sonntag, 22. November, jeweils von 11.30 bis 14 Uhr im Hospitalstüble des alten Hospitals (Marktplatz 11, vor dem Seniorenheim).

Einen Fahrdienst kann man unter der mobilen Nummer 0170/554 40 79 anfordern.

Wer sich ehrenamtlich beim Martinstisch engagieren oder die Aktion mit einer Spende unterstützen möchte, meldet sich bei Manuela Braun (evangelisch-freikirchliche Gemeinde), Mobil 0151/59 06 78 80; im katholischen Pfarramt, Tel. 07392/963 60; oder beim evangelischen Pfarrer Hermann Müller, Tel. 07392/96 71 10.

© Schwäbische Zeitung - 10.11.2015

Sängerin Siyou sorgte für gute Laune.

Sängerin Siyou sorgte für gute Laune. Foto: Judith Ezerex

Le­ben ist Be­geg­nung
Die evangelische Christusgemeinde feiert mit Menschen aus Afrika und anderen Ländern


Von Judith Ezerex 10. November 2015

Bad Schussenried - Kraftvoll füllt die Stimme von Siyou Isabelle Ngnboubamdjum den Kirchenraum der evangelischen Christuskirche. Pfarrer Georg Maile hat zu einem Afrikatag geladen, zu einem Tag der Begegnung mit Menschen aus Afrika und anderen Ländern. Gemeinsam mit der Gospelsängerin und Joe Fessele am Piano feiert er in der vollen Kirche einen Gospelgottesdienst.

"Alles wirkliche Leben ist Begegnung", sagt Pfarrer Maile, "Begegnung mit anderen Kulturen, mit anderen Menschen, mit der Geschichte, mit der Zukunft." Es sei gut, dass wir Sprache lernen können, meint er, dadurch werde Begegnung möglich und auch Austausch.

German Gweth, ein junger Mann aus Kamerun, ist mit seiner Familie in die Christuskirche gekommen. Deutsch lerne er in der Schule, sagt er. Barbara Schweizer hilft bei der Verständigung. Sohn Denis ist bei Schweizer in der Kinderbetreuung. "Dort wird gespielt und Sprache praktiziert", sagt sie, damit auch die Kleinen die deutsche Sprache lernen. Von den 17 Kindern, die in der Konradstrasse mit ihren Eltern wohnen, nutzen die zehn älteren das ehrenamtliche Angebot von Schweizer und ihren Kollegen. "Dadurch, dass man es zusammenträgt, funktioniert es", sagt sie über den Helferkreis. Jede Familie bekomme auch einen Paten zur Seite gestellt. Claudia Blum, die Schwester von Barbara Schweizer, ist die Patin der Familie Gweth und hat heute den Fahrdienst gemacht.

"All you need is faith", (Auf Deutsch: Alles was du brauchst, ist Glaube), singt Siyou, Glaube auch an Veränderung. "Wer spürt, was er sieht, der tut, was er kann", sagt Maile. Gott wolle, dass es allen Menschen gut gehe, egal welche Hautfarbe sie hätten und welcher Religion sie angehörten. Pfarrer Maile erinnert in seiner Predigt an den 9. November 1938, als in Deutschland die Synagogen brannten, "heute brennen Flüchtlingsheime", sagt er und fährt fort, am 9. November 1989 sei die innerdeutsche Mauer überwunden worden, "heute überwinden Flüchtlinge Mauern und Stacheldraht auf der Suche nach Frieden und Freiheit" und er fordert auf: "Lasst uns hellwach sein und bleiben".

"We shall overcome" (Auf Deutsch: Wir werden überwinden), singt die Gemeinde gemeinsam mit den afrikanischen Gästen. Siyou hat Gospels ausgesucht, die aufwecken sollen und gleichzeitig Mut geben. Es herrscht ein gute Stimmung in der Christuskirche, Begegnung wird gelebt. Siyou und Joe Fesseler bringen jede Menge Leben in die Christuskirche, die Menschen klatschen, schnipsen und singen fröhlich mit und weder die Musiker noch die Gäste wollen aufhören.

© Schwäbische Zeitung - 06.11.2015

34 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um Verkauf und Organisation in einem der größten Weltläden in BW in Biberach

Einer der größten Weltläden in Baden-Württemberg ist der Weltladen in der Biberacher Schadenhofstraße. 34 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um Verkauf und Organisation. Foto: priva

Welt­la­den fei­ert halb­run­den Ge­burts­tag
Seit fünf Jahren gibt es das Geschäft in der Schadenhofstraße

Biberach - Der Weltladen Biberach feiert am verkaufsoffenen Sonntag, 8. November, seine Vergrößerung in den Räumen der Schadenhofstraße 11. Aus diesem Anlass gibt es an diesem Wochenende zehn Prozent Rabatt auf Kunsthandwerk.

Seit fünf Jahren gehört der Weltladen mit seinem großen Angebot an fair gehandelten Lebensmitteln und Kunsthandwerk zum Gesicht der Biberacher Altstadt. Mit dem Umzug vergrößerte sich nicht nur die Ladenfläche um ein Vielfaches, sondern seither wuchs auch der Umsatz mit Waren, die garantiert ohne Kinderarbeit hergestellt wurden, um mehr als das Doppelte. Damit gehört der Biberacher Weltladen zu den größten Weltläden Baden-Württembergs.

34 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Biberacher wochentags bis 18 Uhr und samstags bis 14 Uhr fair einkaufen können. Den Weltladen gibt es in Biberach schon seit 1981.

© Schwäbische Zeitung - 05.11.2015

Foto privat Pfarrer Schwarz

Auf den Spu­ren Mar­tin Lu­thers

Evangelische Kirche in Ochsenhausen feiert den Reformationstag

Ochsenhausen -
Das Evangelische Gemeindezentrum in Ochsenhausen hat sich am Abend des 30. Oktobers in eine Klosterlandschaft verwandelt, die nur durch Kerzenschein beleuchtet war. Die Familienkirche war eine gelungene Veranstaltung für die Kinder und ihre Eltern - ein besonderes Erlebnis, einmal ohne elektrisches Licht miteinander zu feiern.

Im Konfirmandenraum, der zum Scriptorium umgewandelt war, wurde das Luther-Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" mit Federkiel und Tinte bei Kerzenschein abgeschrieben, wie es in klösterlichen Bibliotheken üblich war. In der zum Refectorium umgestalteten Bibliothek des Gemeindezentrums wurde miteinander zu Abend gegessen, während dazu aus der Bibel vorgelesen wurde. Und im Dormitorium durften sich die Teilnehmer auch einmal von den Strapazen des Klosterlebens ausruhen und niederlegen.

© Schwäbische Zeitung - 05.11.2015

Foto: privat

Zwei Bi­ber­a­cher Kir­chen­ge­mein­den rei­sen in den Nor­den Ir­lands

Biberach -
Zum dritten Mal haben die beiden Kirchengemeinden der Biberacher Stadtpfarrkirche St. Martin eine ökumenische Pilgerfahrt unternommen. Nach den Reisen nach Israel und Norditalien stand in der letzten Oktoberwoche eine Fahrt in den Norden Irlands auf dem Programm. Die beiden Pfarrer Kaspar Baumgärtner und Ulrich Heinzelmann hatten das Reiseziel mit Blick auf das bevorstehende 500-jährige Reformationsgedenken ausgewählt. So selbstverständlich heute das Zusammenleben zwischen evangelischen und katholischen Christen am Biberacher Simultaneum funktioniert, so tief konfessionell gespalten ist Irland bis heute. Deutlich wurde auch, wie sehr der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten politische und soziale Hintergründe hat. In Gesprächen mit einem Vertreter der pro-englischen Unionspolitik in Belfast und dem Pfarrer der Evangelisch-lutherischen Gemeinde in Dublin hat sich bei den 35 Reiseteilnehmern der Eindruck verfestigt, dass von einer Lösung des Konflikts nicht die Rede sein kann. Dass eine Reisegruppe ökumenisch unterwegs ist hat immer wieder ungläubiges Staunen hervorgerufen. Gemeinsame Andachten und Gottesdienste waren fester Bestandteil des Programms, dazu gehörten auch Begegnungen mit Zeugnissen der frühchristlichen Kultur Irlands. Foto: privat

© Schwäbische Zeitung - 04.11.2015

Sie befassten sich mit der biblischen Geschichte um die Berufung von Petrus: die Teilnehmer des Kinderbibeltags in Dettingen. FOTO: PRIVAT

40 Grund­schul­kin­der ma­chen beim Kin­der­bi­bel­tag mit

Biblische Geschichte "Die Berufung der ersten Jünger" steht im Mittelpunkt

Dettingen - Der diesjährige Kinderbibeltag in Dettingen ist unter dem Motto "Steig ein ins Boot" gestanden. Fast 40 Grundschulkinder aus Dettingen nahmen daran teil.

Pfarrer Jörg Scheiring von der evangelischen Kirchengemeinde und Gemeindereferentin Rosi Hörmann begrüßten die Kinder. Der Tag begann mit einem kleinen Theaterstück. Hier wurde die biblische Geschichte um die Berufung von Petrus nachgespielt. Die Fischer Johannes, Jakobus und deren Chef Petrus begegneten Jesus, der von Pfarrer Scheiring gespielt wurde. Jesus gewinnt Petrus, gespielt von Rosi Hörmann, und seine Freunde für sich als Menschenfischer. Den Bezug zur Gegenwart stellten die beiden Theaterfiguren, das Mädchen Petra und die Moderatorin, dar.

Danach bildeten die Kinder vier Kleingruppen. Hier wurde die biblische Geschichte noch einmal vertieft. Vor allem die Symbole das Netz, das uns trägt, und der Menschenfischer, der jeder von uns auch sein kann, wurde den Kindern auf ihrer Ebene nähergebracht. Auf den wörtlichen Teil folgt immer ein praktischer Part. Dieses Jahr wurde gehämmert und genagelt. Jedes Kind durfte sich ein Boot zimmern.

Am Nachmittag besuchten die Gruppen fünf Stationen im Umkreis der Schule, des Hauses St. Franziskus und des Kindergartens. Es gab ein Bootwettrennen, die Herstellung eines Fischernetzes, ein Regietheater, das Backen von Fischen und eine Meditation. Alles drehte sich noch mal um die biblische Geschichte "Die Berufung der ersten Jünger" und die verschiedenen Symbole.

Beim Abschlussgottesdienst fasste Gemeindereferentin Rosi Hörmann nochmal in ihren Worten die Erlebnisse und Erfahrungen des Tages zusammen.

© Schwäbische Zeitung - 04.11.2015

An ihren Forscherstationen experimentieren die Kinder des Kindergartens Sandberg. FOTO: PRIVAT

Kin­der­gar­ten Sand­berg ist "Haus der klei­nen For­scher"

Evangelischer Kindergarten erhält bereits zum dritten Mal die Zertifizierung der IHK Ulm

Biberach - Der evangelische Kindergarten Sandberg in Biberach hat zum dritten Mal die IHK-Zertifizierung "Haus der kleinen Forscher" erhalten.

"Das Wasser ist nur wenig dicht, drum schwimmen die Tomaten nicht." Mit einem Forscherlied begrüßten die Kinder des evangelischen Kindergartens Sandberg Simone Bergande von der IHK Ulm, die Trägervertreter von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde, Anja Assfalg und Christine Patsiatzis, sowie ihre Eltern.

Seit mehreren Jahren begleitet die Erzieherin Irina Miller die Kindergartenkinder auf einer spannenden Entdeckungsreise, um bei ihnen mittels Experimente zu verschiedenen Themen die Begeisterung für Naturwissenschaft, Mathematik und Technik zu wecken. Die Projekte werden dokumentiert und an die IHK Ulm geschickt. Für dieses Engagement erhält die Einrichtung jetzt schon zum dritten Mal die Zertifizierung als "Haus der kleinen Forscher" für die Dauer von zwei Jahren.

Nach der feierlichen Übergabe der Urkunde und Plakette durch Simone Bergande experimentierten die Kinder mit ihren Eltern an verschiedenen Forscherstationen. Dabei wurde ein Gummibärchen auf Tauchstation geschickt, Papierhäschen begannen zu tanzen und Seerosen aus Papier öffneten ihren Blütenkelch. Am Ende erhielt jeder der kleinen Forscher ein Forscherdiplom ausgehändigt.

© Schwäbische Zeitung - 03.11.2015

Für den Jugendgottesdienst kehrte sogar das alte Ziffernblatt des Kirchturms in die Michaelskirche zurück. FOTO: JULIAN BÖHRINGER

Ju­gend­li­che neh­men sich Zeit für Got­tes Wort

Wainer Jugendkreis hat außergewöhnlichen Gottesdienst in der Michaelskirche gefeiert

Wain - "Koi Zeit - Jugo, #sotrue", unter dieses Motto hat der Wainer Jugendkreis seinen außergewöhnlichen Jugendgottesdienst (Jugo) gestellt, der am vergangenen Samstagabend in der Michaelskirche gefeiert wurde. Anlässlich des Reformationsfestes veranstalteten Jugendgruppen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg am 31. Oktober überall im Land Gottesdienste für Jugendliche. Auch in Wain öffneten sich die alten Kirchentüren für junge Leute, die sich über das Thema Zeit Gedanken machten.

"Koi Zeit, Jugo, so true, so wahr!?" Bedeutet das nun: "Ich habe keine Zeit, denn es ist Jugo!", oder will da jemand sagen: "Ich habe keine Zeit für einen Jugo!" Fakt ist, dass die Zeit schon zu allen Zeiten die Menschen umgetrieben hat, so true, so wahr eben. "Meine Zeit steht in deinen Händen": Zu Beginn des Gottesdienstes beteten die jungen Menschen dieses Lied, das sich an den 31. Psalm des König Davids anlehnt, gemeinsam. Und schnell wurde klar, dass sich auch heute noch das Leben der Menschen, auch das der Jugendlichen, häufig um die Zeit dreht.

Videoclip: Allen fehlt die Zeit


In einem Videoclip macht sich Timo auf, um seine Freunde zum Jugo einzuladen. Als erstes fragt er seinen Kumpel, der muss schaffen. "Koi Zeit - die Arbeit ruft!" Auf dem Fußballplatz erhält er dieselbe Antwort: "Koi Zeit, aber du kannst gerne zu unserem nächsten Spiel kommen." Zwei Studentinnen sind in ihre Bücher vertieft, die eine stellt kopfschüttelnd fest: "Koi Zeit, ich setze lieber auf meine Gesetze!" Die nächste muss sich für die abendliche Party zurechtmachen, der andere am Auto schrauben, und eine Gruppe junger Männer, die genießt lieber ihr Feierabendbier nach harter Arbeit. Allen fehlt die Zeit.

"Gott nahe zu sein ist mein Glück": In seiner Predigt griff Andreas Gross aus Heudorf dieses Thema auf. Er frage seine Schüler nach jedem Wochenende und jeden Ferien: "Wie waren das Wochenende und die Ferien?" Fast immer sei die Antwort: "Zu kurz oder gar ultrakurz!" Humorvoll, aber deutlich, machte er den jungen Menschen klar, dass das ganze Leben kurz sein kann. Dass auch er häufig zu wenig Zeit habe, aber dass das auch oft daran liege, dass der Mensch seine Interessen, sich selbst, das eigene Ego in den Mittelpunkt stelle. Wahres Glück könne nur finden, wer sich Zeit für Gottes Wort nehme und Jesus Christus in sein Leben einlade. Diesen Gott und diesen Jesus stellte Andreas Gross als einen wunderbaren, starken Ratgeber vor, als Vater der Ewigkeit, der die Zeiten überdauert.

Überall Uhren


Eine Kirche als Ort der Geborgenheit und Heimat: Liebevoll und mit tiefem Sinn hatten die jungen Wainer auch die Michaelskirche dekoriert. Überall waren Uhren zu sehen, sogar das alte Ziffernblatt des Kirchturms kehrte zurück. Im Eingangsbereich war ein mit Teelichtern erleuchtetes Kreuz errichtet, an dessen Füßen Uhren und Wecker standen. Bedeutete das, dass es sich lohnt, seine Zeit zu Füßen des Herrn der Welt zu legen?

Es war spürbar, dass es die Jugendlichen in Wain mit ihrem Gottesdienst so ausdrücken wollten. Eine Band, die auch rockige und fetzige Gitarrensolos herbeizauberte, sang zum Ende des Jugos noch einmal: "Meine Zeit steht in deinen Händen." Nicht wenige der Besucher stimmten mit ein.

© Schwäbische Zeitung - 03.11.2015

Die Kinder des Kindergartens Arche Noah führten erstmals ihre frisch gebastelten Laternen aus, die sie bald beim Sankt-Martins-Umzug wieder benötigen. FOTOS: DIANA HOFMANN

80"Haupt­sach', die Lauphei­mer hand a Kirch!"

Evangelische Kirchengemeinde feiert bei buntem Nachmittag nochmals das Jubiläum

Laupheim - Ganz im Zeichen des 150. Geburtstages der evangelischen Pfarrkirche hat der Gemeindenachmittag am Sonntag gestanden. Das Programm verband Informatives und Unterhaltsames rund um den Kirchenbau und die Entwicklung der evangelischen Kirchengemeinde Laupheim.

Im Foyer des Gemeindehauses hatte Robert Eß eine kleine Ausstellung zum Thema mit Exponaten aus seinem eigenen und dem Fundus der Gemeinde arrangiert. Sie illustrierte seinen Vortrag vor rund 70 Gästen im Gemeindesaal. Eß skizzierte die Entstehung der Gemeinde, angefangen beim Zuzug der ersten württembergischen Beamte um 1830, die die Verwaltung des neugeschaffenen Oberamts Laupheim übernahmen, über den zweiten Flüchtlingszug der Donauschwaben nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zum dritten in den 1990ern, als die sogenannten Russlanddeutschen nach Laupheim kamen. "Beim vierten wissen wir noch nicht, wie's ausgeht", meinte er mit Blick auf evangelische Flüchtlinge, die aktuell aus Nordsyrien kommen.

Die stetig wachsende Gemeinde brauchte spätestens ab den frühen 1860ern mehr Platz. 239 Mitglieder zählte sie, als der württembergische König 1864 den Neubau einer Kirche samt Pfarrhaus und Schulräume genehmigte. Pfarrer Hermann Müller zog augenzwinkernd eine Parallele zwischen damals, "als der Bürgermeister Brigel dauernd nach Stuttgart ans Konsistorium geschrieben hat, damit die Kirche gebaut werden kann", und dem vor wenigen Jahren zunächst abschlägig beschiedenen Bauantrag fürs neue Gemeindehaus.

Wenn das Essen lockt


Wie es gewesen sein könnte, zeigten einige Mitglieder des Seniorenkreises in einem amüsanten Anspiel. Da brüteten vier gewichtige Herrschaften Brezeln essend über dem Antrag Brigels auf die Bewilligung des Baus eines Betsaals mit Schule und Pfarrwohnung. Die Ansichten der Herren Konsistorialräte über den Laupheimer Bürgermeister waren unterschiedlich: der eine meinte, er sei "verdrießlich", weil er seine Kanzellisten so viele Briefe schreiben ließe, der andere wiederum, er habe sein Anliegen mit Weisheit und Sorgfalt vorgetragen. Die Überlegung, leerstehende katholische Kirchen zu nutzen, ließ man wieder fallen und beschloss einstimmig die Bewilligung des Antrags - schließlich drängte das Souper in der "Linde". "Des muss a glasklare Sach g'wesa sei, oder war's des Essa in der Linde", sinnierte abschließend die urschwäbisch bruddelnde Putzfrau. "Hauptsach', die Laupheimer hand a Kirch!"

Den Abschluss des Nachmittags bildeten ein kleiner Laternenzug und Lieder der Kinder vom Kindergarten Arche Noah, deren frisch gebastelten Laternen zum ersten Mal leuchten durften.

© Schwäbische Zeitung - 03.11.2015

Anne und Theo Mielitz, evangelisches Pfarrersehepaar in Riedlingen, vor ihrer Kirche und dem Pfarrhaus. FOTO: JUNGWIRTH

In Ried­lin­gen an­ge­kom­men

Vor gut einem Monat haben Anne und Theo Mielitz ihre Pfarrstellen angetreten

Riedlingen - 21 Jahre waren Anne und Theo Mielitz als Pfarrer in Heidenheim tätig. Dann der Wechsel in die Kleinstadt Riedlingen. Am 20. September sind sie offiziell in ihr Amt eingesetzt worden. Zumindest bislang haben sie den Wechsel vom evangelisch geprägten Ostwürttembergischen ins Oberschwäbische nicht bereut. "Wir sind sehr froh hier zu sein, die Erwartungen wurden bislang übertroffen", sagt Anne Mielitz.

Noch sind nicht gar alle Kisten ausgepackt, noch hängen nicht alle Bilder an der Wand. Doch weitestgehend ist das Pfarrersehepaar in Riedlingen angekommen. In dieser für sie neuen Welt. Im katholisch dominierten Geläuf unterhalb des Bussens sind sie für die evangelischen Schäflein zwischen Riedlingen, Altheim und Unlingen zuständig. 1,5 Pfarrstellen haben die beiden intus, wobei sie die Vollzeitstelle und die Geschäftsführung inne hat und er die 50 Prozent-Stelle. "In Heidenheim hatte ich die Geschäftsführung", erzählt Theo Mielitz. Nun haben sie mit dem Stellentausch auch dies geändert. So ist sie nun für die Personalführung etwa beim Kindergarten und die Finanzen zuständig. Wobei die Stellenanteile nicht starr sind, so hat er etwa "ihren" Unterricht an den Schulen übernommen. Das habe er in der Vergangenheit auch gemacht und es macht ihm Spaß.


Es ist ein Bruch nach 21 Jahren an der Brenz. Frühzeitig haben sie angekündigt, dass sie nochmals wechseln wollen und werden, sobald die jüngste Tochter Abitur gemacht hat. Im Sommer war es soweit. Auf die Riedlinger Stellen wurden sie durch das ehemalige Riedlinger Pfarrersehepaar Schwarz, das vor Steible-Elsässers hier gewirkt hat, aufmerksam. Die haben Positives von Riedlingen erzählt. Das konnten die beiden nicht so richtig glauben, kannten sie die Donaustadt nur von der B 311-Perspektive auf dem Weg nach Sigmaringen, wo er aufgewachsen ist. "Die Tafel ,Fachwerkstraße' haben wir wohl immer übersehen", meint er und grinst.

Im Sommerurlaub 2014 waren sie dann mit dem Rad unterwegs und haben einen Abstecher nach Riedlingen gemacht. "Uns sind etwas die Augen übergegangen, wie schön es hier ist", sagen sie im Rückblick. Mit dem Gedanken sich für Riedlingen zu bewerben sind sie in Urlaub gefahren, haben hernach Gespräche mit Elsässers und dem Kirchengemeinderat geführt und sich beworben - und wurden vom Oberkirchenrat vorgeschlagen.

Noch müssen sie sich etwas an diese neue Welt, diese kleine Welt gewöhnen. Wobei sie die Vorteile der weitestgehend intakten und funktionierenden Raumschaft sehr wohl zu schätzen wissen. "Man sieht sich, man kennt sich, man schwätzt miteinander", sagt sie. Und sie sind sehr angetan von der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde. "Wir kommen in eine lebendige Gemeinde", sagen sie. Sie zollen den Verantwortlichen großen Respekt, wie sie die Vakanz zwischen Elsässer und ihnen gemeistert haben.

Aber auch das Miteinander im Städtle empfinden sie als wohltuend und positiv. Ein Miteinander, das "sehr gut funktioniert". Egal ob es um die Zusammenarbeit mit der Stadt, mit den Schulen oder um die Ökumene geht. Auc hwenn sie natürlich wissen, dass noch Brüche und die eine oder andere Konfrontation kommen werden.

Es ist auch die andere Rolle, an die sie sich gewöhnen müssen. Denn Kirchen sind im gesellschaftlichen Leben verankert. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass "die Pfarrer" zu Veranstaltungen, zu Vereinen, zu Segnungen eingeladen werden. Und dass sie stärker in der Öffentlichkeit stehen. "Daran muss ich mich erst noch gewöhnen", sagt Anne Mielitz. In Heidenheim war dies deutlich weniger der Fall.

Aber der 56-jährige Theologe und die 52-jährige Theologin fühlen sich dem gewappnet. Sie sind froh um die Berufserfahrung, die sie für diese Aufgabe mitbringen. "Frisch vom Studium hat man ja noch so Flausen im Kopf", sagt er. Das gebe sich in der Praxis. Sie beiden kommen eher aus dem liberalen Bereich der evangelischen Kirche, sehen sich im Umfeld der "Offenen Kirche", der sich auch Elsässers zugerechnet haben.

Für das Pfarrersehepaar ist es nicht nur ein Wechsel des Orts, sondern ein stückweit auch ein neuer "Lebensabschnitt". Denn ihre drei Kinder sind aus dem Haus. "Es ist eine tolle Chance zu zweit etwas neues zu machen", sagt Anne Mielitz. Gemeinsam die neue Heimat zu erkunden. Ins Kino gehen oder auch Rad zu fahren, was sie beide schätzen. Eines ist alledings auch schon klar: Den Urlaub werden sie nicht hier verbringen. Denn bei diesem Beruf "muss man fortfahren, um Urlaub machen zu können".

© Schwäbische Zeitung - 02.11.2015

Selbst im neuen James Bond entdeckt Medienexperte Charles Martig Sakrales.

Selbst im neuen James Bond entdeckt Medienexperte Charles Martig Sakrales. SZ-Foto: Vogel

Sa­kra­les zieht sich durch Film­ge­schich­te
Medienexperte und Theologe Charles Martig spricht in der Stadtpfarrkirche


Von Günter Vogel 2. November 2015

Biberach - Über sakrale Filmwelten hat der Medienexperte und Theologe Charles Martig in der Stadtpfarrkirche gesprochen. Der Direktor des Katholischen Medienzentrums in Zürich analysierte am Reformationstag passend zum Themenjahr "Bild und Bibel" mehr oder minder sakrale Bezüge in ausgewählten Filmen. Der Vortragsabend zählt zum Vorprogramm der Biberacher Filmfestspiele.

Martig zeigte Ausschnitte aus vier Filmen aus fast einem Jahrhundert: "Jede Zeit schafft sich ihre eigenen Bilder für die Darstellung von Göttlichem, von Moral, von Schuld und Sühne." Stilvoll eröffnete der Organist Ralf Klotz mit Melodien aus "Das Phantom der Oper"; auch dieses Musical hat starke sakrale Bezüge.

Der Referent leitete ein mit der Entstehung von ersten Bildzeichen. Martig: "Ohne Bild keine Realitäten." Der erste der vorgestellten Filme war "Die Passion der Jungfrau von Orleans" des Dänen Carl Theodor Dreyer mit Maria Falconetti (1928). Der Film hat ein explizit religiöses Thema, setzt unvermittelt mit dem Beginn der Gerichtsverhandlung gegen Johanna ein. Sie behauptete, ihre Mission habe sie vom Erzengel Michael, der ihr erschienen sei, und weigert sich, die Erscheinung als Trugbild des Teufels zu deuten und ein entsprechendes Geständnis zu unterschreiben. Der Film ist streng authentisch. Die Texte der Zwischentitel sind wörtlich den Prozessakten entnommen. Asketisch beschränkt Dreyer sich auf sein einziges Thema: Er führt das Mädchen Jeanne in all seiner Angst und Hoffnung, in seiner Seelenpein und Verzweiflung vor. Und er zeigt, wie Jeanne in und durch ihr Leiden inneren Frieden und Größe findet, und zwar in dem Augenblick als sie ihr Schicksal, ihren Tod akzeptiert.

Der Film "Stalker" von Andrej Tarkowski (1979) gilt als Klassiker des sowjetischen Kinos. Martig: "Der Film zeigt die Suche des Menschen nach dem Daheim, das ist auch eine ständige Gottsuche." Das "Lexikon des internationalen Films" schreibt: "Die Expedition wird zur Reise in die Innenwelt der Protagonisten und zum Panorama einer gottverlassenen europäischen Zivilisation. Der Regisseur zeigt mystisch-philosophische Reflexionen und überwältigende Bildvisionen, mit denen er die Grenzen des herkömmlichen Erzählkinos mit eigenwilliger Ästhetik poetisch überschreitet."

Der Film "Der Baum des Lebens" von Terrence Malik (2011) ist eine Mythologie der Seele und erzählt die Entstehung des Lebens auf einer Odyssee, die Raum und Zeit durchquert auf der Suche nach Erkenntnis der Bedeutung all dessen, was existiert.

Heilige Messe oder Kitsch?


Der Film ist wie ein Gedicht von Hölderlin strukturiert, von einzigartiger visueller Schönheit, reich an Charakter, verwirrend in seinem dichten Netz von symbolischen Referenzen, in seinem Strom der Trauer. Martig: "An diesem Film scheiden sich die Geister. Manche sehen darin eine heilige Messe, andere nur mythologischen Kitsch".

Dann wird Martig ganz aktuell, spricht über den 24. James Bond: "Spectre", der erst in dieser Woche zu sehen sein wird. Dazu schreibt vorgestern der "Spiegel": "Für einen guten Bond-Film braucht es keinen Autorenfilmer, sondern eher einen Autorennfilmer. Aber Action scheint Regisseur Mendes allerdings fremd zu sein. Eine Verfolgungsjagd durch Rom wirkt in Spectre so, als hätte der Denkmalschutzbeamte der Stadt Regie geführt. Es herrscht angestrengte Ernsthaftigkeit. In Spectre darf so gut wie nichts strahlen, alles soll in Düsternis versinken" Die Handlung vertieft dies in sakrale Bereiche, etwa wenn Bonds langjährige Chefin "M" in seinen Armen stirbt. Martig: "Die Ikone des starken Mannes zerfällt in Bruchstücke."