© Schwäbische Zeitung - 31.10.2015

Gutes Essen und gute Gesellschaft in der Vesperkirche.

Gutes Essen und gute Gesellschaft in der Vesperkirche. Foto: Kircheis

Bi­ber­a­cher Ves­per­kir­che - ein Ort der Be­geg­nung
Ab 9. November ist die evangelische Spitalkirche wieder ein Speisesaal für alle

sz 31. Oktober 2015

Biberach - Die Vesperkirche Biberach ist eine unter 26 Vesperkirchen in Württemberg. Der ökumenische Mittagstisch wird von Ehrenamtlichen der Biberacher Kirchengemeinden in der evangelischen Spitalkirche in Biberach vorbereitet.

Vom 9. bis 14. November werden täglich ab 12.15 Uhr über 120 Portionen warme Mittagessen (auch vegetarisch) angeboten. Zu diesem "Ort der Begegnung" sind alle eingeladen. Hier sitzen Wohlhabende und Wohnungslose an einem Tisch. Lebensgeschichte und Religion spielen keine Rolle. Alt und Jung, Arm und Reich, Alleinstehende und Familien kommen zusammen, um ein Stück ihres Alltags miteinander zu teilen. Mitglieder der Werbegemeinschaft Biberach werden in diesem Jahr das Essen an den Tisch bringen. Durch gute Gespräche sollen alle zugleich Gebende und Nehmende werden.

Am Beginn steht Orgelmusik und eine kurze Besinnung. Das Essen aus der Klosterküche Untermarchtal wird zum Preis von einem Euro ausgegeben. Die Säfte und Wasser sind im Preis enthalten. Wer kann, darf auch einen Beitrag zur Deckung der Selbstkosten (etwa 4,50 Euro) geben. Durch Spenden ist es möglich, nach dem Essen Kaffee und Gebäck anzubieten.

Gemeinsame Mahlfeiern sind im christlichen Glauben das Kennzeichen für die Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft wollen die Organisatoren auch in Biberach anbieten.

© Schwäbische Zeitung - 31.10.2015

Drei Glasbilder mit Engelsmotiven hat die Künstlerin Ursula Huth der Evangelischen Gemeinde Laupheim zum Jubiläum geschenkt.

Drei Glasbilder mit Engelsmotiven hat die Künstlerin Ursula Huth der Evangelischen Gemeinde Laupheim zum Jubiläum geschenkt.

"Dein hei­li­ger En­gel sei mit mir"
Evangelische Kirchengemeinde Laupheim freut sich über drei Glasbilder von Ursula Huth

ry 31. Oktober 2015

Laupheim - Vor 150 Jahren ist die evangelische Kirche in Laupheim gebaut worden. Drei Glasbilder mit Engelsmotiven hat die Künstlerin Ursula Huth der Evangelischen Gemeinde zum Jubiläum geschenkt.

Etwas Leichtes, Schwebendes strahlten diese Bilder aus, sagte Pfarrer Hermann Müller bei der Präsentation am Freitag. Ein treffliches Pendant zu Luthers Morgensegen, in dem es heißt: "dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde".

Auf beiden Seiten unter der Empore hängen die Kunstwerke jetzt vor Leuchtkästen, umgeben von zartem Zitronengelb. "Das lässt die Bilder toll zur Geltung kommen", freut sich Fredy Wohnhas, Mitglied des Kirchengemeinderats.

Ursula Huth, geborene Esslinger, Jahrgang 1952, wohnt und arbeitet in Tübingen. Mit drei Geschwistern wuchs sie in Laupheim auf. Ihr Urgroßvater Ludwig Esslinger stiftete 1923 das Kirchenfenster mit der Passionsgeschichte. Daran wollte die Urenkelin mit ihrem Geschenk anknüpfen. "Danke dafür, mit welcher Begeisterung meine Idee aufgenommen wurde", sagte sie. "Es ist schön, diese Bilder an einem Ort zu sehen, wo wir schon so viele familiäre Feste gefeiert haben", unterstrich ihr Mann Christoph Klett.

Huth hat in Stuttgart Kunstgeschichte, Malerei und Glasgestaltung studiert. Sie lehrt an Fachschulen und Universitäten. Als Material für ihre Glasbilder verwendet sie meist mehrfach überfangene Gläser, gefertigt in der Glashütte Lamberts in Waldsassen. Ihre Werke wurden weltweit in fast 100 Ausstellungen gezeigt. Die drei Bilder, die jetzt in der evangelischen Kirche in Laupheim hängen, waren auch schon in Japan zu sehen.

© Schwäbische Zeitung - 31.10.2015

Kleidertreff in Ochsenhausen eröffnet.

Sie freuen sich, dass in Ochsenhausen die passenden Räume gefunden wurden und der Kleidertreff in zwei Wochen eröffnen kann: die Pfarrer Peter Schmogro (l.) und Matthias Ströhle sowie vom Arbeitskreis Asyl Hildegard Hochdorfer (von links), Barbara Baumann und Michaela Haide. SZ-Foto: Rehm

Mehr als nur ein Klei­der­la­den"Kleidertreff" des Arbeitskreises Asyl und der Diakonie wird am 13. November in Ochsenhausen eröffnet

Von Tobias Rehm 31. Oktober 2015

Ochsenhausen - Monatelang haben die Verantwortlichen des Ochsenhauser Arbeitskreises Asyl nach passenden Räumlichkeiten für eine Kleiderkammer gesucht. In der Memminger Straße 7, wo früher ein Sonnenstudio untergebracht war, sind sie letztlich fündig geworden. Dort sollen in Kürze im "Kleidertreff", so die offizielle Bezeichnung, gebrauchte Kleidungsstücke für kleines Geld verkauft werden, vor allem an Flüchtlinge und andere Bedürftige. Die Eröffnung ist für den 13. November geplant.

"Ich bin froh, dass wir diese Lösung gefunden haben. Sowohl von der Lage als auch von der Größe her ist es hier ideal", sagt Pfarrer Matthias Ströhle, Leiter und Koordinator des Arbeitskreises Asyl. Unterstützt werden die Ehrenamtlichen von der Diakonie des evangelischen Kirchenbezirks Biberach, die die Trägerschaft übernimmt und ihre Erfahrungen, die bereits mit anderen Läden gemacht wurden, mit einbringt. Diakoniepfarrer Peter Schmogro spricht deshalb an dieser Stelle von einem "gemeinsamen Schulterschluss" und Matthias Ströhle ergänzt: "Wir sind gottfroh, dass die Diakonie mit ihrem Know-how dabei ist."

"Ein Miteinander aller Schichten"


Die Bezeichnung "Kleidertreff" wurde ausgewählt, weil laut Ströhle zwar das Einkaufen im Mittelpunkt steht, aber auch ein Austausch untereinander stattfinden soll. Man wolle die Flüchtlinge in die Stadt bringen und einen Ort schaffen, an dem ungezwungen miteinander in Kontakt getreten werden kann. Jeder sei an diesem Begegnungsort einheimischer und ausländischer Mitbürger willkommen. "Ein Miteinander aller Schichten", ergänzt Barbara Baumann vom Arbeitskreis.

Damit dieses "Miteinander" im Kleidertreff funktioniert, sind die Verantwortlichen auf Kleiderspenden angewiesen (siehe Kasten). Aktuell werden vor allem Kinder-, Jugend- und Herrenkleidung benötigt - "am besten für den Winter geeignet und gut bis sehr gut erhalten", sagt Barbara Baumann.

Knapp zwei Wochen haben die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises noch Zeit, den Kleidertreff einzurichten. Unterstützt werden sie von Flüchtlingen. "Das ist aktive Integrationsarbeit", lobt Pfarrer Ströhle. Die Kleidungsstücke werden zu Preisen im einstelligen Eurobereich angeboten. Verschenkt wird nichts. "Damit es ein Bewusstsein gibt, dass die Sachen etwas wert sind", erklärt Ströhle. Das im Kleidertreff erwirtschaftete Geld wird zur Finanzierung der Unkosten verwendet - beispielsweise für Miete und Einrichtung. Alles, was darüber hinaus übrig bleibt, fließt in den Arbeitskreis Asyl.

Kleiderspenden können vorab im Kleidertreff am 2., 3. und 4. November jeweils von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr abgegeben werden. Nach der Eröffnung werden Kleiderspenden immer während der Öffnungszeiten entgegengenommen. Diese sind Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie am Mittwoch und Samstag von 9 bis 12 Uhr. Interessierte an der Mitarbeit im Kleiderladen können sich an Gerda Kramer, Telefon 07352/949904, wenden.

© Schwäbische Zeitung - 29.10.2015

Zum Kirchenjubiläum ist eine Festschrift erschienen.

Zum Kirchenjubiläum ist eine Festschrift erschienen. Foto: ray

Aus "Glau­bens­muth" er­wächst das Got­tes­haus
Vor 150 Jahren wurde die evangelische Kirche in Laupheim geweiht

Von Roland Ray 29. Oktober 2015

Laupheim - Vor 150 Jahren ist die evangelische Kirche in Laupheim gebaut und geweiht worden. Dieses Jubiläum wird am Wochenende gefeiert. Die Festpredigt am Samstag hält Landesbischof Frank Otfried July.

Die mit Spannung erwartete Nachricht aus Stuttgart traf am 15. April 1864 in Laupheim ein. "Der Acker hinter den Heiligen Gärten soll ab Martini hinweg in das Eigentum der evangelischen Kirchengemeinde übertragen werden", teilte die Königliche Oberfinanz-Kammer dem Laupheimer Oberamtspfleger und Kirchenrechner Johann Gottfried Brigel mit. Das Ziel der hiesigen Protestanten, ein Gotteshaus zu bauen, rückte dadurch in greifbare Nähe - nun hatten sie ein geeignetes Grundstück in Aussicht. Besagter Acker gehörte dem württembergischen Königshaus und war bisher an den jüdischen Kaufmann Viktor Steiner verpachtet.

Drei Jahrzehnte zuvor lebten kaum 30 Menschen evangelischen Glaubens in Laupheim. Fast alle waren Beamte, aus dem Unterland ins tief katholische Oberschwaben be-ordert. Ihre Gemeinde war in Oberholzheim "eingepfarrt".

Der erste Betsaal war im Schloss

Anno 1847 - Laupheim war inzwischen Oberamtssitz - zählte die evangelische Gemeinde 71 Köpfe; bis 1858 stieg die Zahl auf 177. Als erster Betsaal diente ein Raum im Schloss Großlaupheim, das Viktor Steiner 1843 vom König erworben hatte.

Der Betsaal wurde nach und nach zu eng, und die evangelische Gemeinde fand eine geräumige Bleibe im Späthschen Haus in der Biberacher Straße. 1861 erhielt sie einen Parochialvikar, der den Kindern vom zehnten Lebensjahr an Volksschulunterricht erteilte. Drei Jahre später wurde der Gemeinde, wie es in einem zeitgenössischen Dokument heißt, "das Glück zu Theil, zu einer eigenen Parochie mit einem ständigen Pfarrverweser erhoben zu werden".

1865 lief der Mietvertrag im Späthschen Haus aus, die Eigentümer wollten nicht verlängern. Nun sei es eine "unvermeidliche Nothwendigkeit", etwas Eigenes zu bauen, erklärte der Pfarrgemeinderat, "damit wir hinfort unvertrieben wohnen können". Andernfalls laufe die auf 239 Seelen angewachsene Gemeinde Gefahr, auseinander zu fallen. Ein "Bethaus mit angehängter Pfarrwohnung und Schulgelassen" wollten die Räte realisie- ren, "in anspruchsloser Form".

Das Grundstück, das König Karl den Laupheimer Protestanten bewilligte, maß 5500 Quadratmeter. Auf den Kaufpreis von 1200 Gulden gewährte er einen Nachlass von 500 Gulden. 1865 wurde zur Radstraße hin die Kirche mit Pfarr- und Schulhaus gebaut. Der Oberamtsbaumeister Werkmann fertigte die Pläne.

Eintracht der Konfessionen

Am 19. November 1865 wurde das neue Gotteshaus feierlich eingeweiht. Der Prälat von Hauber rühmte laut einem Zeitungsbericht "den Glaubensmuth der kleinen, armen Gemeinde, die dieses Haus gebaut"; und er lobte die Eintracht zwischen Protestanten, Katholiken und Israeliten, "die brüderlich zu diesem Bau zusammengewirkt haben".

Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 19 000 Gulden. Der König genehmigte eine Kollekte in sämtlichen 138 evangelischen Gemeinden in Württemberg für das Laupheimer Bauvorhaben. 7317 Gulden kamen dabei zusammen.

1885 wurde auf der Pfarrhausseite angebaut. Überlegungen, das Ensemble weiter zu vergrößern, gab es in der Folge immer wieder, doch wurden sie stets verworfen. Das neugotische Türmchen von 1865 machte in den 1920er-Jahren einem gemauerten Turm Platz.

Als in den 1960ern mit der Bundeswehr viele Protestanten neu nach Laupheim kamen, erwog der Oberkirchenrat sogar, ein neues Gotteshaus zu bauen, dort, wo jetzt der Wasserturm steht. Der damalige Pfarrer Leopold Ganz und der Kirchengemeinderat favorisierten stattdessen ein Gemeindehaus, das dann an der Schillerstraße verwirklicht wurde.

© Schwäbische Zeitung - 28.10.2015

Ein erleichterter Chorleiter Alexander Fischer erhält von seinen Musikern nach dem Konzert einen Strauß Blumen. Foto: Monika Fischer

Ein erleichterter Chorleiter Alexander Fischer erhält von seinen Musikern nach dem Konzert einen Strauß Blumen. Foto: Monika Fischer

Ein be­sinn­lich-schwung­vol­les Kon­zert
Musik vom Barock bis in die Gegenwart erklingt beim Auftritt des Posaunenchores

Von Monika Fischer 28. Oktober 2015

Bad Saulgau - Am letzten Oktobersonntag hat der Posaunenchor der evangelischen Kirche unter der Leitung von Alexander Fischer sein diesjähriges Jahreskonzert gegeben. Die zahlreichen Zuhörer erlebten eine beglückende Abendstunde, die feierlich-getragene und rhythmusbetonte Chorsätze mit Bitten um Gottes Segen verband.

Einer schönen Tradition entsprechend, erklang das Geläut der Christuskirche zum Beginn des kleinen, feinen Konzerts. Als musikalischen Auftakt hatte Alexander Fischer ein Madrigal des frühbarocken Komponisten Hans Leo Hassler gewählt, in dem die Bläser einen lebhaften Dialog mit der Kirchenorgel führten. Dabei spielten sich Posaunenchor und Orgel gegenseitig Motive zu, die jeweils weitergeführt und variiert wurden. Sebastian Lange, der im Posaunenchor als erster Trompeter glasklare Soli blies, erwies sich hier auch als versierter Organist. Mit der Arie "Bist du bei mir" aus Johann Sebastian Bachs Notenbüchlein für seine Frau Anna Magdalena und der an barockes Zeremoniell erinnernden "Intrade I" von Cesar Franck endete - zumindest vorläufig - die Stippvisite bei den barocken Komponisten.

Erst das letzte Konzertstück, Bachs "Sic Locus Est" aus seinem Magnificat (BWV 243), schlug den Bogen nochmals zurück ins 17. / 18. Jahrhundert. Dieser Chorsatz stellte spieltechnisch beträchtliche Anforderungen an die Bläser, doch sie meisterten sämtliche Hürden auf beachtliche Weise. Das Lied "Alles ist an Gottes Segen" aus der Feder des 1968 geborenen Attila Kalman führte musikalisch direkt in die Gegenwart. Hier bot sich dem Publikum die erste Gelegenheit zum Mitsingen, wobei Text und Noten zur Unterstützung an die Kirchenwand projiziert wurden. Doch offensichtlich waren die meisten Besucher damit überfordert, sich in das teils jazzige Spiel der Bläser einzuklinken. Dies galt auch für das zweite Mitmach-Angebot, Christoph Georgiis schwungvoll geblasenes "Das Leben braucht Erkenntnis".

Federleichter Swing


Mit dem Stück "Today, Tomorrow and Everyday" des Amerikaners Richard Roblee, das Alexander Fischer durch Fingerschnipsen begleitete, kam federleichter Swing ins Spiel. Leicht schräge Harmonien brachte Uli Gutschers "You make the sun rise in my heart", bei dem die Bläser ihre Fähigkeit zur Veränderung des Tonvolumens nachdrücklich bewiesen. Mit Attila Kalmans zweitem Stück, dem Ohrwurm "Happy", endete der Ausflug in den Bereich des Jazz. Jacob de Haans "Hymn" vermittelte eine feierliche Stimmung, ebenso wie der Choral "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Mendelssohn-Bartholdy.

Am Ende des Programms dankte das Publikum den Musikern und ihrem Dirigenten mit herzlichem Beifall für eine Konzertstunde, die Musik aus verschiedenen Jahrhunderten mit Lesung, Gebet und Fürbitten verband, vorgetragen von Pfarrerin Stefanie Zerfaß. Natürlich gab es auch eine Zugabe: "Happy Memories", und als obligatorischen Schluss einen strahlenden Marsch aus "Pomp and Circumstance" von Edward Elgar.

Der Posaunenchor freut sich über neue Mitspieler, die bei Bedarf auch ein Leihinstrument erhalten. Geprobt wird jeden Dienstagabend um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus.

© Schwäbische Zeitung - 27.10.2015

Steffen Balbach (Bass), Petra Dieterle (Sopran), Christine Müller (Alt) und Johannes Mayer (Tenor) (von links) interpretierten mit Chor und Orchester Mendelssohns "Elias" in St. Georg Riedlingen.

Steffen Balbach (Bass), Petra Dieterle (Sopran), Christine Müller (Alt) und Johannes Mayer (Tenor) (von links) interpretierten mit Chor und Orchester Mendelssohns "Elias" in St. Georg Riedlingen. SZ-Foto Kurt Zieger

Den "Eli­as" be­ein­dru­ckend in­ter­pre­tiert
Kantoreien aus Riedlingen und Pfullingen führen mit Orchester und Solisten Werk auf


Von Kurt Zieger 27. Oktober 2015

Riedlingen - - Kompositorisch bedeutet das 1846 uraufgeführte Oratorium "Elias" einen der Höhepunkte im Leben Felix Mendelssohns, als aufrüttelnde Wiedergabe wird es bei der evangelischen Kantorei Riedlingen in Kooperation mit der Martinskantorei und dem verstärkten Martinskollegium Pfullingen ebenfalls als herausragendes Ereignis bewahrt werden. Dorothee und Jürgen Berron teilten sich Leitung der beiden Teile des Oratoriums und führten Solisten, Chorgemeinschaft und Orchester zu klangfeinen wie auch zu voluminösen Szenen in Riedlingens Stadtpfarrkirche.

Elias ("Mein Gott ist Jahwe") gehört zu den herausragenden Prophetengestalten des Alten Testaments. Er soll den vom Glauben abgefallenen Israeliten Dürre und Hungersnot ankündigen. Bereits mit dieser Einleitung des Oratoriums, vor die sonst übliche Ouverture gesetzt, steht Steffen Balbach (Bass) als in Stimme und Sprache exzellenter Interpret im Mittelpunkt des Geschehens. Voluminös und variabel als Sänger mit ausgefeilter Sprechtechnik verleiht er der Gestalt des Elias durchgehend markantes und verletzliches Profil. In düsteren Klangphasen mit nur sparsamer Aufhellung setzt das Orchester die Drohung des Elias um und zeigt bei rein instrumentalen Szenen wie auch in der Begleitung von Solisten und Chor im Verlauf des Oratoriums sein Können. Eindrucksvoll klagt der in großer Harmonie agierende Chor: "Herr, willst du uns vertilgen? Ströme sind vertrocknet, Kinder heischen Brot." Als strahlender Tenor verkündet Johannes Mayer in der Gestalt von Obadjah, dem Gefährten des Elias, Gottes Weisung: "Suchet mich, so will ich mich finden lassen."

In feinfühliger Wiedergabe stimmt das Solistenquartett mit Petra Dieterle (Sopran) und Christine Müller (Alt) eine der zentralen Stellen des Oratoriums an: "Denn er hat seinen Engeln befohlen." In intensivem Zwiegespräch mit der Witwe Isebel, die um ihren toten Sohn trauert, fleht Elias zu Gott um ein Wunder. Die Altistin prägt diese Szenen mit Wärme ihrer Stimme und großer Vitalität, sodass der Chor überzeugend antwortet: "Wohl dem, der auf den Wegen des Herrn geht."

Mit der bekannten Feuerprobe auf dem Berg Carmel zweifelt das Volk im Blick auf König Ahab und dessen Propheten Baals an ihrem Gott. Mit kraftvollen Sequenzen beschwört Steffen Balbach Gott um ein Zeichen, mächtiger zu sein als die Götter Baals. Innig, zu Herzen gehend, ohne orchestrale Begleitung, interpretierte das Solistenquartett eine der bekanntesten Stellen des Oratoriums: "Wirf dein Anliegen auf den Herrn." Nicht nur hier konnte Petra Dieterle mit ihrer in große Höhen enteilenden Sopranstimme Mendelssohns Musik zum Leuchten bringen. Mit großem Jubel fiel der Chor ein: "Das Feuer fiel herab, fallt nieder vor Gott." Von der Kanzel aus sah Caroline Horsch als Sopranistin mit hellem Klang in der Gestalt eines Knaben eine kleine Wolke wie aus dem Meer aufsteigend als Zeichen, dass Regen fallen wird. Überwältigt jubelte der Chor: "Dank sei dir, Gott."

Trotz Gottes Zusage "Fürchte dich nicht" beherrschen dramatische Szenen zwischen der Königin Isebel um dem Volk die Szene, weil Elias die Propheten Baals getötet hat. Auch Elias soll sterben. Obwohl Obadjah bittend und flehend eingreift, begehrt Elias von Gott das Ende seines Lebens. Doch die drei Solistinnen rufen in bezaubernd innigem Verstehen: "Hebe deine Augen auf zu den Bergen, von denen dir Hilfe kommt." Daraufhin soll Elias 40 Tage und Nächte bis zum Berg Horeb gehen. "Wer bis ans Ende beharrt, der wird selig" intonierte der Chor. Und siehe, der Herr erschien, zwar nicht in Sturm und Erdbeben, sondern in zartem Säuseln, was die große Sängerschar bis in fein ausschwingendes piano sehr differenziert interpretierte.

Mit großer Leidenschaft und sängerischer Intensität bekannte der Chor: "Prophet Elias brach hervor wie ein Feuer und sein Wort brannte wie eine Fackel." Im Blick auf Christus weitete sich das monumentale Oratorium, in dem Bachsche Anleihen wie auch Wagnerianische Klangkultur zu erkennen waren, nach dem einfühlsamen Solistenquartett "Wohlan alle, die ihr durstig seid" , zu der schwungvollen Schlussfuge "Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name."

Lang anhaltender Beifall der vielen Zuhörer galt als Lohn für außergewöhnliche sängerische und instrumentale Leistungen wie auch für das körperliche Durchhaltevermögen nach intensiven Proben, um das zweieinhalbstündige Oratoium so beeindruckend wiedergeben zu können.

© Schwäbische Zeitung - 26.10.2015

Pianist Yarden Lapid, Sängerin Donata Höffer und die Bilder von Marlis Glaser stellen die Trauer und die Freude in den Mittelpunkt ihres Liederabends.

Pianist Yarden Lapid, Sängerin Donata Höffer und die Bilder von Marlis Glaser stellen die Trauer und die Freude in den Mittelpunkt ihres Liederabends. Foto: Gabriele Loges

Künst­ler set­zen Ak­zen­te zum Lob der Freu­de
Donata Höffer, Yarden Lapid und Marlis Glaser bieten im Gemeindehaus einen besonderen Liederabend


Von Gabriele Loges 26. Oktober 2015

Mengen - Anlässlich einer kleinen Konzertreise haben Donata Höffer als Sängerin und der Pianist Yarden Lapid Lieder von Antonín Dvorák, Johannes Brahms, Hugo Wolf und Gustav Mahler unter dem Titel "... und die Freude" im evangelischen Gemeindehaus in Mengen neu interpretiert. Marlis Glaser stellte gleichzeitig ihre zu den Liedern geschaffenen Bilder aus. Veranstalter waren das evangelische Bildungswerk, die Volkshochschule und die Volksbank. Dem Publikum wurde ein besonderer Liederabend geboten. Die Texte der Psalmen und die vertonten Gedichte klangen noch lange nach.

Donata Höffer und Yarden Lapid führten mit den von Antonín Dvorák (1841-1904) vertonten Psalmen durch das Tal der Trauer und Angst. Die Sehnsucht und die Hoffnung auf ein besseres Leben sowie der Schutz von oben werden besungen: "Sieh auf mich, denn Du bist mein Schutz und Schild" (Psalm 119) oder "Rette mich, Herr, vor Stürmen und Todesangst" (Psalm 55). Glasklar singt Höffer die Worte, Lapid begleitet diese einfühlsam, nimmt aber auch mit kleinen Solopassagen die Zuhörer noch tiefer in ein Reich des Fühlens und Verstehens mit. "Vier ernste Gesänge" von Johannes Brahms (1833-1897) führen die Zuhörer in das theologische Denken von Sterben und Auferstehung: "Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe", und führen in den zweiten Teil des Konzerts.

Die Liebe und die zugehörige Freude werden temperamentvoll und mit steigender Leichtigkeit besungen. Die von Hugo Wolf (1860-1903) vertonten romantischen Mörike-Gedichte variieren zunächst das Thema der biblischen Texte neu: "Vor deiner Gottheit beugen sich Könige, die deine Wärter sind." Wunderbar umgesetzt wird auch das Gedicht von Felix Schumann: "Meine Liebe ist grün wie der Fliederbusch." Bei diesem Lied tritt das Klavierspiel aus dem Schatten des Gesangs, treibt diesen voran und entlässt das gesprochene Wort.

Mit Gustav Mahler (1860-1911) wird das Motiv des Anfangs mit Gedichten von Friedrich Rückert erneut aufgenommen: "Ich bin gestorben dem Weltgetümmel." Getragen und mit hoher Symbolkraft für den zu Herzen gehenden Abend lässt das Duo den Liederabend ausklingen: "Ich leb' allein ... in meinem Lied."

Gemälde umrahmen die Musiker

Im Anschluss führte Marlis Glaser die Zuhörer, die auch Zuschauer waren, zu ihren Gemälden, die die Musiker umrahmten. Sie erklärte, warum der Flieder so realistisch in ihren meist abstrakten Bildern auftaucht: "Ich wollte den Duft darstellen." Auch interpretierte sie ihre privaten Gedanken zu einem Psalm, der die Liebe in den Mittelpunkt stellt. Glaser betonte ihre "sehr erfreuliche Beziehung" zu dieser Stadt: "Mengen ist mir ans Herz gewachsen."

Brunhilde Raiser vom evangelischen Bildungswerk dankte für den besonderen Abend und wünschte den Musikern einen guten Flug: Höffer wird nach dem Konzert in ihre Wahlheimat Jerusalem, der israelische Pianist Lapid in seinen derzeitigen Wohnort Hamburg fliegen. Der Abend zeigte nicht nur, dass sich die Kunst ergänzt und bereichert, sondern auch die Menschen auf der ganzen Welt verbinden kann.

© Schwäbische Zeitung - 23.10.2015

Die Realschule hat den Erlös ihrer Altkleideraktion an den Tafelladen in Riedlingen gespendet.

Die Realschule hat den Erlös ihrer Altkleideraktion an den Tafelladen gespendet. Der benötigt dieses Geld für Grundnahrungsmittel, an denen es immer mangelt. Unser Bild zeigt (von links) Hans Petermann, Schülersprecher Jonathan Roll, Schülersprecherin Sabrina Hecht, Schulleiter Werner Rieber, Elisabeth Geiger vom Tafelladen und Pfarrerin Anne Mielitz. Foto: Jungwirth

Neue Her­aus­for­de­run­gen für den Ta­fel­la­den
Doppelte Zahl an Kunden zu betreuen - Spannungen zwischen Flüchtlingen und Aussiedlern

Von Bruno Jungwirth 23. Oktober 2015

Riedlingen - - Durch die neuen Flüchtlinge in Riedlingen kommen auch auf den Tafelladen neue Herausforderungen zu. Denn innerhalb von Wochen hat sich das Klientel, das im Laden in der Ziegelhüttenstraße einkaufen darf, etwa verdoppelt. Zudem müssen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter mit den Spannungen zwischen den bisherigen Kunden und den Flüchtlingen auseinandersetzen.

Von einer "schwierigen Phase" spricht der ehemalige Riedlinger Bürgermeister, Hans Petermann, der sich ehrenamtlich für den Tafelladen engagiert. Denn er und auch die anderen Helfer der Einrichtung spüren die gewachsenen Animositäten zwischen Alt- und Neukunden. Vor der Flüchtlingskrise hatten rund 60 Menschen in der Region aufgrund ihrer Bedürftigkeit die Möglichkeit, im Tafelladen billig Lebensmittel zu erwerben. Nun sind es schlagartig deutlich mehr geworden. Beide Gruppen werden im Tafelladen gleich behandelt. Doch dies wird von den Altkunden, vor allem ehemalige Aussiedler, nicht akzeptiert, sie fühlen sich benachteiligt, nach dem Motto: "Wir waren doch zuerst da."

Doch das spielt an den beiden Öffnungstagen Mittwoch und Samstag beim festgelegten Ablauf keine Rolle. Maximal fünf Personen können gleichzeitig in den Laden. Um zu verhindern, dass alle gleichzeitig in den kleinen Laden drängen, wird vorab eine Nummer ausgelost, und somit eine Reihenfolge bestimmt. Wer hinten liegt, muss eben warten. So ist es letztlich egal, ob man als erster bereits eine halbe Stunde vor dem Laden wartet oder kurz vor der Verlosung kommt, die Chancen sind gleich. Doch die Helfer haben den Eindruck, dass die häufig etwas älteren Aussiedler sich von vorwiegend jungen Flüchtlingen eingeschüchtert fühlen. Mit klaren Regeln und Anweisungen werde versucht, dies zu minimieren, deutet Petermann an. Zudem wird versucht, dass immer Männer am Eingang vor dem Tafelladen den Ablauf überwachen.

Mit der Zahl an Flüchtlingen steigt auch der Bedarf an billigen Lebensmitteln. Der Tafelladen bekommt seine Waren von Einkaufsmärkten und Geschäften aus Riedlingen, Ertingen und Zwiefalten geschenkt. Dies sind Waren, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen oder frische Produkte vom Vortag. Bei diesen Produkten herrsche auch kaum Mangel. Aber vor allem bei lang haltbaren Grundnahrungsmitteln hapert es, berichten Petermann und Elisabeth Geiger. Mehl, Zucker, Öl… werde immer benötigt.

Um dies zu kaufen, benötigt der Tafelladen Spenden von außen und einen Träger, über den die Spenden laufen. Denn laut eigenen Statuten darf der Tafelladen keine Lebensmittel kaufen. So spielt hier die Evangelische Kirchengemeinde, die die Gründung des Tafelladens mitinitiiert hat, eine Mittlerrolle, wie Pfarrerin Anne Mielitz erläutert. Spenden, die für den Tafelladen gekennzeichnet sind, werden entsprechend weitergegeben.

Nach dem jüngsten Aufruf des Tafelladens sind auch viele Spenden eingegangen, wie Mielitz und Petermann darlegen. Knapp 6000 Euro wurden gespendet (siehe auch "Am Rande"). Darunter sind auch 1500 Euro von Schülern der Realschule. Denn seit mehreren Jahren sammelt die Realschule Altkleider, die dann verkauft werden. Der Erlös geht an einen guten Zweck. Nun haben sich Schulleitung und die Schüler-Mitverwaltung (SMV) entschieden, den Gewinn der vergangenen zwei Jahre dem Tafelladen zu übergeben.

Auch bei anderen Aktionen kommt Schülern von Realschule, Gymnasium und Gemeinschaftsschule eine entscheidende Rolle zu: Bei Märkten in der Region sprechen Schüler Passanten an und bitten sie vorgefertigte Pakete für den Tafelladen zu kaufen. "Ohne die Schüler wäre dies gar nicht durchführbar", sagt Elisabeth Geiger. Auch durch diese Aktionen erhält der Tafelladen Grundnahrungsmittel, die er weitergeben kann.


© Schwäbische Zeitung - 21.10.2015

Leben und Werk von Martin Luther stehen bei dem Schauspiel im Mittelpunkt

Leben und Werk von Martin Luther stehen am Mittwoch, 28. Oktober, im Mittelpunkt der Stadtpfarrkirche. Foto: PR/Eure Formation

"Play Lu­ther" spielt in der Stadt­kir­che
Theaterstück ist Kooperation von evangelischem Kirchenbezirk, Hochschule, PG und WG

sz 21. Oktober 2015

Biberach - Der Evangelische Kirchenbezirk Biberach, die Hochschule Biberach sowie Pestalozzi- und Wieland-Gymnasium holen das musikalische Theaterstück "Play Luther" in die Stadt. Aufführungsort wird die Biberacher Stadtpfarrkirche sein: Am Vormittag des 28. Oktobers wird es um 10.30 Uhr eine Schülervorstellung geben, am Abend um 19.30 Uhr dann eine öffentliche Vorstellung.

Das musikalische Theaterstück stellt das Leben und Werk von Martin Luther vor, formatiert in drei Säulen: Eine abwechslungsreiche, wache Debatte über die Evangelische und Katholische Kirche unter mittelalterlichen und gegenwärtigen Aspekten. Unterschiedliche Blickwinkel und neue Versuchsanordnungen wichtiger Lebensstationen Martin Luthers im szenischen Spiel sowie die musikalische Einrichtung ausgewählter Lieder und Gesichtspunkte zeitgenössischer Musik - live intoniert, wobei die Sprache der fast 500- jährigen Lieder erhalten bleibt.

Die Kooperationspartner haben das Stück "Play Luther" bewusst in Vorbereitung auf das Luther-Jahr 2017 nach Biberach geholt; die Aufführung soll - ganz im Sinne des Reformators - die unterschiedlichsten Altersgruppen und Bevölkerungsgruppen in einer Aufführung zusammenbringen. "Die Hochschule Biberach bietet ,Play Luther' deshalb innerhalb ihres Studiums generale an", so Anette Schober-Knitz, Pressereferentin der Hochschule Biberach.

Die simultane Stadtpfarrkirche Biberach , die seit der Reformationszeit von beiden Konfessionen für ihre Gottesdienste genutzt wird, bietet hierfür einen geradezu idealen Ort mitten in der Stadt. Das unterhaltsame Theaterstück erhält durch den Raum eine besondere Präsenz. Insbesondere deshalb, weil "die problematischen Texte, die Luther zu den Bauernaufständen und den Juden geschrieben hat, in die heutige Zeit gesprochen, ihre fatale Wirkung aufzeigen", so Isabella Lehnert-Werner, Referentin beim Dekan. "Die Schauspieler werden ihre Kulissen in den Kirchenraum integrieren", sagt die Initiatorin des spannenden Kooperationsprojekts, zu dem Schüler, Studierende sowie die gesamte Bevölkerung eingeladen sind.

© Schwäbische Zeitung - 21.10.2015

Auf großes Interesse stieß der Info-Abend im Bürgersaal des Rathauses in Burgrieden.

Auf großes Interesse stieß der Info-Abend im Bürgersaal des Rathauses in Burgrieden. Foto: Kurt Kiechle

Vie­le wol­len den Flücht­lin­gen hel­fen
60 Burgrieder Bürger kommen zum Infoabend über die Gründung eines Asyl-Arbeitskreises


Von Kurt Kiechle 21. Oktober 2015

Burgrieden - Die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden Burgrieden und Oberholzheim, die politische Gemeinde Burgrieden sowie die ökumenische Flüchtlingsarbeit im Landkreis Biberach haben am Montag zu einer Informationsveranstaltung zum aktuellen Thema "Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit" ins Rathaus eingeladen. Wie schon wenige Tage zuvor bei der gleichen Veranstaltung in Achstetten war auch in Burgrieden das Interesse groß. Überraschend viele, nämlich 60 Bürger, waren gekommen.

Auf diesem Interesse lässt sich aufbauen, deshalb soll bereits am Mittwoch, 4. November, 19.30 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus in Burgrieden die Gründung des "Arbeitskreis Asyl" erfolgen. Ziel ist es, dass ehrenamtliche Helfer die Flüchtlinge in dem ihnen fremden Land in unterschiedlichen Situationen begleiten, um ihnen den Weg der Integration zu erleichtern. "Allein können wir eine solche große Aufgabe nicht schultern, deshalb bauen wir auf die Unterstützung der Bürger", sagten unisono die Initiatoren.

Wie notwendig die Arbeit von ehrenamtlichen Mitarbeitern in der momentanen Flüchtlingssituation ist, zeigten die Redner und die Moderatorin des Abends, Pfarrerin Doris Seitz-Kernen von der evangelischen Kirche Oberholzheim, eindrucksvoll auf. "Wichtig ist, dass wir den Schulterschuss suchen, nach dem Motto ,Gemeinsam sind wir stark'", betonte Pfarrer Stefan Ziellenbach, Leiter der Seelsorgeeinheit "Unteres Rottal", wobei er auch an den bereits zum geflügelten Wort gewordenen Satz der Bundeskanzlerin "Wir schaffen das", erinnerte.

Zehn neue Flüchtlinge eingetroffen

Optimistisch äußerte sich in diesem Zusammenhang auch Burgriedens Bürgermeister Josef Pfaff, der im Umgang mit Asylsuchenden in der Vergangenheit schon Erfahrungen gemacht hat. Bereits in den 90er-Jahren habe die Gemeinde in der Spitze 33 Personen Asyl gewährt. Man habe sich um die Menschen immer gekümmert. Das sei ganz wichtig, betonte Pfaff, auch hinsichtlich der Wahrung des Dorffriedens und unter den Flüchtlingen selbst. Erst Anfang dieser Woche trafen im Rathaus in Burgrieden zehn Neuankömmlinge beispielsweise aus dem Kosovo und Gambia ein. Die jungen Männer im Alter von 19 bis 35 Jahren finden in einem Haus in Rot eine Unterkunft.

Er sei erleichtert, so Pfaff, dass bereits mehrere Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe tätig oder in Bereitschaft seien. Mit weiteren Asylbewerbern müsse auch die Gemeinde Burgrieden rechnen. Man müsse versuchen, sie verteilt auf die Gesamtgemeinde unterbringen zu können. Einen Knackpunkt in der ganzen Situation und Flüchtlingsproblematik sieht Pfaff, wie alle Redner des Abends, in der Sprache. Auch in dieser Hinsicht müsse man sich neben den Sprachkursen in Privatinitiative engagieren. "Das ist enorm wichtig".

Dank an Kirchengemeinde

Zu großem Dank verpflichtet sah sich der Bürgermeister gegenüber der Evangelischen Kirchengemeinde mit Pfarrer Andreas Kernen und Pfarrerin Doris Seitz-Kernen. Sie haben diese Initiative zur Gründung von Asylkreisen ins Leben gerufen und werden gemeinsam mit Pfarrer Stefan Ziellenbach von der Katholischen Kirche die Leitung der Gruppe anfangs noch federführend übernehmen. Wichtig sei auf jeden Fall, dass man zeitnah zu Rande komme, betonte Kernen. Es sei ein Gewinn, dass Bürgermeister Pfaff bei der Unterbringung von Flüchtlingen "so zupackend ist".

Zum besseren Verständnis, warum überhaupt Menschen auf der Flucht sind, beleuchtete die Sozialarbeiterin und Diakonin Angelika Eyrich, zuständig für die Koordination der ökumenischen Flüchtlingshilfe im Landkreis Biberach mit derzeit 1600 Flüchtlingen, die momentane Situation und generell das komplexe Thema Asyl auch anhand von Zahlen und Statistiken.

Von der Möglichkeit, Fragen an die Podiumsteilnehmer zu stellen, machten etliche Zuhörer Gebrauch. Dabei ging es etwa auch um ganz pragmatische Dinge wie Versicherungsangelegenheiten. "Was geschieht, wenn ich mit einer Person im Auto auf dem Weg zu einem Amt, Arzt oder Einkauf einen Unfall habe?" Ebenso von Interesse waren die Themen Arbeitsverhältnis und Flüchtlingsarbeit.

In die beim Info-Abend ausgegebenen Listen trugen sich die ersten Mitstreiter ein oder signalisierten, im einen oder anderen Bereich des noch zu gründenden Arbeitskreises mitzuarbeiten.

© Schwäbische Zeitung - 20.10.2015

Gespielte Bibelgeschichte: König Saul am Tisch mit seinem Sohn Jonathan.

Gespielte Bibelgeschichte: König Saul am Tisch mit seinem Sohn Jonathan. Foto: Jungwirth

Freund­schaft steht im Mit­tel­punkt
60 Kinder bei den ökumenischen Kinderbibeltagen - Gottesdienst als Abschluss

Von Bruno Jungwirth 20. Oktober 2015

Riedlingen - "Freundschaft" war das zentrale Thema der diesjährigen ökumenischen Kinderbibeltage (Kibita) in Riedlingen, die am Sonntag zu Ende gegangen sind. Knapp 60 Kinder haben dieses Jahr an den Kibita teilgenommen. Erzählt und gespielt wurde die Geschichte von David und Jonathan, dem Sohn König Sauls. Der bleibt Davids Freund, auch wenn sein Vater David nach dem Leben trachtet.

"Kibita" erklang es laut am Sonntagmorgen vor der evangelischen Kirche aus rund 60 Kinderkehlen. Die diesjährigen Kinderbibeltage hatten mit der tradionellen gemeinsamen Rakete ihren Abschluss gefunden. "Wir sind wirklich zufrieden", ziehen Heinz Renz und Gunnar Volz vom Vorbereitungsteam Bilanz der diesjährigen Kibita. Auch wenn dieses Jahr etwas weniger Kinder teilgenommen haben. Waren in den vergangenen Jahren noch jeweils rund 90 Kinder aus der Region um Riedlingen mit im Kibita-Boot, so waren es dieses Jahr etwa 30 weniger. Doch bei denen, die da waren, sei die Stimmung gut gewesen, sagten die beiden.

Erzählt und gespielt wurde dieses Jahr die Geschichte der Freundschaft des Hirtenjungen David mit dem Königssohn Jonathan. David wird an den Hof des misstrauischen und depressiven Königs Saul geholt, um diesen mit seiner Musik zu beruhigen und aufzumuntern. Das gelingt. Doch als David mit seiner Steinschleuder den Riesen Goliath besiegt, zum Kriegsheld aufsteigt und vom Volk verehrt wird, ist er König Saul ein Dorn im Auge. Der wittert einen Konkurrenten und will David ermorden lassen. Doch Sauls Sohn Jonathan ist ein Freund von David und hält an dieser Freundschaft fest.

Freitag- und Samstagnachmittag sowie im Gottesdienst am Sonntagmorgen wurde den Kindern die Geschichte als Theater gespielt. Eingebettet in viele gemeinsame Lieder haben die Kinder Anteil genommen am Schicksal des Königssohns und des Hirtenjungen. Hernach gingen die Kinder aufgeteilt nach Altersgruppen in Kleingruppen, wo sie gebastelt und sich mit dem Thema Freundschaft beschäftigt haben. Beim Gottesdienst wurden die Ergebnisse präsentiert. Während die größeren Jungs "elf Freunde" sein wollten und definierten was Freundschaft für sie bedeutet, hat eine Gruppe zum Lied "Komm wir wollen Freunde sein..." einen Tanz vorgeführt und es wurden Bilder über Freundschaft gezeigt. Zudem haben sich die älteren Mädchen Fürbitten zum Thema überlegt und vorgetragen.

Die Kinderbibeltage werden von Mitgliedern der evangelischen, der katholischen und der freien christlichen Gemeinde vom Vogelberg vorbereitet und getragen. Rund 20 Mitarbeiter machen sich seit Ostern Gedanken und bereiten die drei Tage vor. "Es war alle Tage durch ein gutes ökumenisches Miteinander", sagen Renz und Volz. Mit Theo Mielitz von der evangelischen Kirche und Uwe Grau von katholischer Seite haben zwei Pfarrer die Kibita begleitet.

Weitere Bilder und ein Video zu den ökumenischen Kinderbibeltagen in Riedlingen finden Sie unter:


Mit den Titeln "Today, Tomorrow and Every Day" in einer Bearbeitung von Richard Roblee und "You Make The Sun Rise In My Heart", bearbeitet von Uli Gutscher, möchte der Posaunenchor zeigen, dass er auch im Swingstil zu Hause ist.

Feierlich geht es im Programm weiter mit der "Hymn" von Jacob de Haan und dem Choral "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Zum Schluss des Jahreskonzerts erklingt dann "Sicut Locutus Est" von Johann Sebastian Bach in einer Bearbeitung für Blechbläser.



© Schwäbische Zeitung - 17.10.2015

Der Diakonieladen zeigt sich spendabel und überreicht Geld an Vereine und Institutionen.

Der Diakonieladen zeigt sich spendabel und überreicht Geld an Vereine und Institutionen. Foto: Metzler-Mikuteit

Dia­ko­nie­la­den ver­teilt Spen­den und sam­melt für Flücht­lin­geMädchenkantorei, Kindergarten und ökumenischer Mittagstisch sind Nutznießeramm 17. Oktober 2015Bad Saulgau - Seit seinem Bestehen freut sich der Diakonieladen in Bad Saulgau, direkt hinter der St. Johanneskirche, über eine stetig wachsende Zahl von Kunden. Auch in diesem Jahr wurde ein Großteil der Erlöse zu gleichen Teilen an Bad Saulgauer Institutionen gespendet.Über 1100 Euro durfte sich die Mädchenkantorei freuen, die den Betrag für neue Cardigans für den Nachwuchs, das anstehende Jahreskonzert und die Chorfreizeit verwenden wird. Der Kindergarten St. Josef wird mit der Spendensumme ein Wipptier für die Kinderkrippe anschaffen. Und der evangelische Diakonieverein Bad Saulgau-Herbertingen hat sich entschieden, den Betrag dem zweimal jährlich stattfindenden ökumenischen Mittagstisch zukommen zu lassen.Um im Diakonieladen einzukaufen, braucht es keinen Berechtigungsschein. Jeder hat die Möglichkeit, bei einer großen Auswahl gut erhaltener Damen-, Herren- und Kinderkleidung, Haushaltswaren oder fair gehandelten Produkten zuzugreifen.Nicht zuletzt sind auch die Flüchtlinge dankbar für diese Einkaufsmöglichkeit. In Notlagen wird dann auch mal spontan eine Spendenaktion initiiert. "Da haben wir für die Flüchtlinge spontan Bettwäsche gesammelt, weil die dringend benötigt wurde", sagte Einrichtungsleiterin Ingrid Mers bei der Spendenübergabe.

 



© Schwäbische Zeitung - 16.10.2015

Der Posaunenchor der evangelischen Christuskirche bereitet sich derzeit auf sein Konzert am 25. Oktober vor.

Der Posaunenchor der evangelischen Christuskirche bereitet sich derzeit auf sein Konzert am 25. Oktober vor. Foto: Privat

Po­sau­nen­chor reist mu­si­ka­lisch durch Epo­chen
Jahreskonzert in der Christuskirche ist am 25. Oktober - Motto: "Alles ist an Gottes Segen"

Bad Saulgau - "Alles ist an Gottes Segen" - unter diesem Motto will der Posaunenchor der evangelischen Christuskirche Bad Saulgau am Sonntag, 25. Oktober, um 17 Uhr alle Freunde der Kirchen- und Bläsermusik auf eine musikalische Reise durch verschiedene Epochen und Stile der Musik mitnehmen und zum Jahreskonzert in die Christuskirche einladen. Die Leitung des Konzerts hat Alexander Fischer. Der Eintritt ist frei.

Eröffnet wird das Konzert mit einem Doppelchor für Orgel und Bläser von Hans Leo Hassler. Sebastian Lange, selbst Bläser des Posaunenchores, übernimmt hierbei den Orgelpart. Von Johann Sebastian Bach erklingt die Arie "Bist Du bei mir" aus dem Notenbüchlein von Anna Magdalena Bach.

Festlich strahlend folgt die Intrada 1 von Melchior Franck und gibt dem Posaunenchor die Möglichkeit, dynamische Akzente zu setzen. Bei den Liedern "Alles ist an Gottes Segen", das in verschiedenen Bläsersätzen intoniert wird, und "Das Leben braucht Erkenntnis", lädt der Posaunenchor auch zum Mitsingen ein. Zu einem Ohrwurm kann das Stück "Happy" von Attila Kalmann werden, da das eingängige Thema immer wieder in den verschiedenen Stimmen zu hören ist.

Mit den Titeln "Today, Tomorrow and Every Day" in einer Bearbeitung von Richard Roblee und "You Make The Sun Rise In My Heart", bearbeitet von Uli Gutscher, möchte der Posaunenchor zeigen, dass er auch im Swingstil zu Hause ist.

Feierlich geht es im Programm weiter mit der "Hymn" von Jacob de Haan und dem Choral "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Zum Schluss des Jahreskonzerts erklingt dann "Sicut Locutus Est" von Johann Sebastian Bach in einer Bearbeitung für Blechbläser.



© Schwäbische Zeitung - 15.10.2015

Auch bei den diesjährigen Kinderbibeltagen wird der Spaß nicht zu kurz kommen. Foto: Privat

Auch bei den diesjährigen Kinderbibeltagen wird der Spaß nicht zu kurz kommen. Foto: Privat

Wenn Freund­schaft auf die Pro­be ge­stellt wird
Ökumenische Kinderbibeltage stehen unter dem Motto "Freunde fürs Leben"
 sz 15. Oktober 2015

Riedlingen - Die Vorbereitungen für die ökumenischen Kinderbibeltage (KiBiTa), die von Freitag, 16., bis Sonntag, 18. Oktober in Riedlingen stattfinden, kommen in die heiße Phase. Unter dem Motto "Freunde fürs Leben" beschäftigen sich die diesjährigen Teilnehmer mit der Geschichte aus dem Alten Testament von David, Jonathan und König Saul. Eingeladen sind alle Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse. Erwartet werden um die 100 Teilnehmer aus Riedlingen, Ertingen und Umgebung.

Das Team besteht aus etwa 20 Mitarbeitern, die sich im Theaterteam, Musikteam, bei den Kleingruppen, beim Kulissenbauen und Basteln engagieren. Das Drehbuch für das Theaterstück ist fertig und die ersten Proben haben stattgefunden. Parallel dazu werden der KiBiTa-Pass, Namensschilder und die Theaterkulisse vorbereitet.

Über soziale Grenzen hinweg


Die diesjährige Geschichte handelt von David, der an den israelischen Königshof kommt, um den traurigen König Saul mit seinem Harfenspiel aufzumuntern. Dabei trifft er den Königssohn Jonathan. Zwischen den beiden jungen Männern entwickelt sich eine enge Freundschaft. Doch als König Saul vor Eifersucht auf Davids Ruhm und Erfolg versucht, diesen zu töten, wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Es entwickelt sich eine spannende Geschichte. Wie verhält sich Jonathan? Kann er zwischen seinem Vater und seinem besten Freund vermitteln? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen sich die Kinder in den Kleingruppen. Die Geschichte zeigt, dass Freundschaften auch über soziale Grenzen hinweg möglich sind und dass man in Freundschaften Freude, aber auch Sorgen teilt.

Die Kinderbibeltage beginnen am Freitag, 16. Oktober, um 14 bis 18 Uhr im evangelischen Johannes-Zwick-Haus in der Riedlinger Goldbronnenstraße. Sowohl am Freitag- als auch am Samstagnachmittag stehen die Geschichte von David und Jonathan sowie Singen, Basteln und andere Aktionen, in nach Klassen geordneten Kleingruppen, im Mittelpunkt. Die Kinder werden jeweils von 14 bis 18 Uhr beschäftigt sein.

Den Abschluss bildet am Sonntag um 10 Uhr ein Familiengottesdienst in der evangelischen Christuskirche in Riedlingen. Hier findet dann die Geschichte ihre Auflösung.

Für die Anmeldungen wurden in Schulen kleine Anmeldezettel verteilt. Eine telefonische Anmeldung ist über das evangelische Pfarramt Riedlingen unter Telefon 07371/2567) jeweils an den Vormittagen (außer montags) möglich. Die Teilnahme kostet je Kind 2,50 Euro.

© Schwäbische Zeitung - 15.10.2015

Einige Kirchengemeinderatsmitglieder der evangelischen Kirche Bad Schussenried und Pfarrer Georg Maile (links) bedankten sich ebenfalls bei Pfarrer Ulrich Mack (Dritter von links).

Einige Kirchengemeinderatsmitglieder der evangelischen Kirche Bad Schussenried und Pfarrer Georg Maile (links) bedankten sich ebenfalls bei Pfarrer Ulrich Mack (Dritter von links). Foto: privat

Dank von al­len Sei­ten
Weggefährten von Pfarrer Ulrich Mack erinnern an sein vielfältiges Wirken

sz 15. Oktober 2015

Bad Schussenried - Mit einem feierlichen Gottesdienst haben Freunde, Weggefährten und Bürger den Klinikseelsorger Pfarrer Dr. Ulrich Mack verabschiedet. Der Kirchenchor der evangelischen Kirche in Bad Schussenried sowie der Posaunenchor und einige Streicher begleiteten den Gottesdienst.

Beim anschließenden Empfang würdigte Christoph Vieten, Leiter der psychiatrischen Ambulanz am ZfP, die Arbeit des Seelsorgers. Pfarrerin Dorothee Sauer nahm die Entpflichtung vor. Ortspfarrer Georg Maile, der als Liturg den Gottesdienst geleitet hatte, dankte Mack für seine Unterstützung. Der Geistliche habe seine Tätigkeit in der Klinikseelsorge stets mit viel Geduld und Sympathie für die Menschen ausgeübt.

Mack versah sein Amt als ordinierter Pfarrer der Landeskirche zudem auch noch in anderen Bereichen. Stiftungsmitglieder der Christuskirche und Kirchengemeinderäte aus der Amtszeit des Pfarrers, vertreten durch Beate Walaschek-Leube, Peter Kiess und Danielle Schäfer, bedankten sich darum für seine Präsenz in der Kirchengemeinde Bad Schussenried und hoben die Unterstützung des Theologen in vielen Bereichen wie Predigten, Vorträgen und Beiträgen für den Gemeindebrief hervor.

Auch die Mitarbeiter der Klinikseelsorge und des Pfarramts Bad Buchau bedankten sich sehr zugewandt auf musikalische Art bei ihrem Kollegen.


© Schwäbische Zeitung - 14.10.2015

Ulrich Mack hat sich in den Ruhestand verabschiedet.

Ulrich Mack hat sich in den Ruhestand verabschiedet. SZ-Foto: Katrin Bölstler

ZfP ver­ab­schie­det Kli­nik­pfar­rer
Ulrich Mack kümmerte sich sechs Jahre lang um Sorgen, Nöte und Ängste der Patienten

Von Katrin Bölstler 14. Oktober 2015

Bad Schussenried - Dr. Ulrich Mack, Klinikpfarrer am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Bad Schussenried, ist in der Christuskirche in Bad Schussenried mit einem festlichen Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet worden. Mack blickt mit 65 Jahren auf ein bewegtes Leben zurück.

Die Theologie spielte dabei nicht von Beginn an eine Rolle, denn zuerst studierte Mack Chemie. Mehrere Jahre arbeitete er in der Industrie, bis ein persönliches Erlebnis ihn erkennen ließ, "dass Geld nicht alles ist", erinnert er sich. Er fing von vorne an und begann mit 33 Jahren, Theologie in Tübingen zu studieren. In einem kleinen Ort bei Schwäbisch Hall trat er seinen Dienst als Vikar an, danach arbeitete Mack als Gemeindepfarrer in verschiedenen Kommunen, unter anderem in Ellrichshausen bei Crailsheim.

Seine erste große Herausforderung erlebte er als Klinikseelsorger der Tübinger Kinderklinik, in der er acht Jahre lang arbeitete. "Diese Zeit war für mich eine Mischung aus großer Freude und tragischer Trauer", beschreibt er. Die Kinder leiden und sterben zu sehen, die dazugehörigen Familien in diesem Prozess zu stützen, sei keine leichte Aufgabe gewesen. "Andererseits gab es auch Tage, da habe ich mit den Kindern zusammengesessen, gesungen und Gitarre gespielt", erinnert der Geistliche sich.

Im Studium hatte er bereits erste Erfahrung in der Arbeit mit psychisch Kranken gemacht, als sich die Chance bot, wechselte er daher vor sechs Jahren an das ZfP in Bad Schussenried. Als Seelsorger versuchte er stets den Kontakt zu den Patienten aufzubauen und aufrechtzuerhalten. "Entweder kam ich zu den Menschen oder sie zu mir", beschreibt er seinen Alltag. Dabei seien die Menschen in diesen Jahren mit den unterschiedlichsten Sorgen, Nöten und Hoffnungen zu ihm gekommen. "Manche Menschen mit psychischen Krankheiten haben Schwierigkeiten, ihre Gedanken zu strukturieren, dabei konnte ich ihnen helfen", so Mack. Manche der Patienten wollten einfach nur mit jemandem reden, andere seien sehr gläubig gewesen. "Mancher nimmt in einem labilen Zustand Gott als bedrohlich wahr, anderen gibt der Glaube viel Kraft."

Auch für die Angehörigen versuchte der Klinikpfarrer stets da zu sein, denn auch für diese ist die Krankheit eines geliebten Menschen oft eine große Belastung. "Ich gehe nun mit etwas Wehmut, denn es hätte noch einige Projekte gegeben für mich", sagt er nun rückblickend. Andererseits habe er nun Zeit, sich mehr auf seine Hobbys Meditation und Zen einzulassen und neue Aufgaben zu finden.

Am Abschiedgottesdienst am Sonntag haben der Posaunenchor und der Kirchenchor der Christuskirche mitgewirkt. Pfarrerin Dorothee Sauer sprach einige offizielle Worte, Pfarrer Ulrich Mack hielt die Predigt und Pfarrer Georg A. Maile übernahm die Liturgie.

© Schwäbische Zeitung - 14.10.2015

Vorstand und Beirat wurden für vier Jahre gewählt: (von links) Inge Humm, Eberhard Lehmann, Dekan Hellger Koepff, Professor Egon Lanz, Siglinde von Bank, Axel Ulrich Rieber und Joachim Schmucker.

Vorstand und Beirat wurden für vier Jahre gewählt: (von links) Inge Humm, Eberhard Lehmann, Dekan Hellger Koepff, Professor Egon Lanz, Siglinde von Bank, Axel Ulrich Rieber und Joachim Schmucker. Foto: privat

Pal­lia­tiv­ver­sor­gung zu Hau­se und in Hei­men stär­ken
Siglinde von Bank und Joachim Schmucker rücken in den Vorstand des Fördervereins Hospiz Landkreis Biberach


Kreis Biberach - Bei der zehnten Mitgliederversammlung des Fördervereins Hospiz hat der Vorsitzende, Professor Egon Lanz, über die Aktivitäten im vergangenen Jahr berichtet. Der Verein zählt derzeit 216 Mitglieder und fördert ideell sowie finanziell die ambulante und stationäre Hospiz- und Palliativarbeit im Landkreis Biberach.

Der Vorstand, der die letzten vier Jahre arbeitete, wurde entlastet. Neu in den Vorstand gewählt wurden Siglinde von Bank als Beirätin für den verstorbenen Reiner Becker und Joachim Schmucker als Schriftführer für Thomas Muensch, der acht Jahre für den Verein arbeitete. Den Vorstand für die kommenden vier Jahre komplettieren Professor Egon Lanz (Vorsitzender), Dekan Hellger Koepff (stellvertretender Vorsitzender), Eberhard Lehmann (Schatzmeister) sowie die Beiräte Inge Humm und Axel Ulrich Rieber.

Seit der Gründung 2006 gingen circa 300 000 Euro an Spenden und Mitgliedsbeiträgen sowie durch ein Benefizkonzert ein. Damit wurden Aus- und Fortbildungen von Hospizschwestern in Palliativpflege, kleinere Geräte im Hospiz sowie Wünsche der ehrenamtlich tätigen Hospizgruppen gefördert. Die Pläne für das nächste Jahr wie Benefizkonzert und Unterstützung von Weiterbildungen reifen.

Einige Mitglieder schilderten ihre positiven Erfahrungen im stationären Hospiz und zu Hause mit der Speziellen Ambulanten Palliativversorgung (SAPV). In einer lebhaften Diskussion regten sie an, die Palliativversorgung zu Hause und in Heimen zu stärken durch weitere Ausbildung von Schwestern der ambulanten Pflegedienste und Pflegeheime.

Weitere Informationen zur Arbeit des Fördervereins gibt es auf www.foerderverein-hospiz-bc.de

© Schwäbische Zeitung - 14.10.2015

Eberhard Lehmann (v. l.), Thomas Kimmich (Lions Club Biberach), Gerda Kramer, Barbara Baumann, Helga Gutekunst (Leitungsteam Kleiderladen) und Pfarrer Michael Ströhle (Koordinator Ökumenischer Arbeitskreis Asyl Ochsenhausen) bei der Scheckübergabe.

Eberhard Lehmann (v. l.), Thomas Kimmich (Lions Club Biberach), Gerda Kramer, Barbara Baumann, Helga Gutekunst (Leitungsteam Kleiderladen) und Pfarrer Michael Ströhle (Koordinator Ökumenischer Arbeitskreis Asyl Ochsenhausen) bei der Scheckübergabe. Foto: privat

Li­ons Club un­ter­stützt Ar­beits­kreis Asyl beim Klei­der­la­den
Weitere Helfer gesucht - Eröffnung für Mitte November geplant


Ochsenhausen - Nach einer langen und schwierigen Suche ist es den Verantwortlichen des Ökumenischen Arbeitskreises Asyl Ochsenhausen gelungen, geeignete Räumlichkeiten für den Betrieb eines Secondhand-Kleiderladens zu finden. "Wir sind überglücklich, dass wir den Laden in absehbarer Zeit werden eröffnen können", so die Aussage von Barbara Baumann bei einer Spendenübergabe durch Vorstandsmitglieder des Lions Clubs Biberach. Der Lions Club unterstützt den Arbeitskreis mit 2000 Euro.

Mit dem Mietvertrag für die Räume in der Memminger Straße/Abzweigung Lerchenweg in Ochsenhausen ist aber nur der erste Schritt getan. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit, nämlich die Organisation des Betriebs. "Damit wir eine geordnete und verlässliche Annahme und Abgabe von gebrauchten Kleidungsstücken vor Winterbeginn anbieten können, sind wir dringend auf weitere Helfer angewiesen", weist Pfarrer Ströhle, der Leiter und Koordinator des Arbeitskreises Asyl, hin.

Der Lions Club Biberach beschäftigte sich früh mit der Frage, was die Mitglieder für Flüchtlinge tun können. Einstimmig fiel die Entscheidung, einen großen Teil des Erlöses des Jazzfrühschoppens 2015 neben der Unterstützung des Wohnheims der Lebenshilfe Biberach der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit zukommen zu lassen.

"Wir wollen damit ein Zeichen des Willkommens an die Menschen senden, die nach wochenlanger Odyssee hier einen sicheren Aufenthalt und neue Lebensperspektiven finden sollen", so Pastpräsident Thomas Kimmich.

Wer gerne mit Menschen und Kleidung umgeht, ist herzlich eingeladen, beim Kleiderladen mitzumachen. Nähere Infos gibt es bei Barbara Baumann, Telefon 07352/7198. Außerdem werden noch große Kleiderständer und Schuhregale gesucht. Die Eröffnung des Kleidertreffs findet voraussichtlich am 13. November statt.

© Schwäbische Zeitung - 09.10.2015

Vor dem Porträt des Pfarrer Sebastian Schmitt überreicht Pfarrerin Barbara Koch (von rechts) den Autoren und Rezensenten Michaela Appel und

Brie­fe ver­bin­den den Hi­ma­la­ya mit Ober­schwa­ben

Autoren stellen Dokumente eines siebenjährigen Aufenthalts einer Altshausener Pfarrersfamilie in Indien vor

Altshausen -
Ein Vortrag über einen Briefwechsel, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen dem Himalaya und Oberschwaben abspielte, hat viele Besucher ins evangelische Gemeindehaus nach Altshausen gelockt. Von 1906 bis 1912 betreuten Pfarrer Sebastian Schmitt und seine Frau Amalie eine Missionsstation in Leh, der Hauptstadt von Ladakh, das im Norden Indiens liegt. Genau dieser Briefwechsel war es den Autoren wert, ein Buch darüber zu veröffentlichen mit dem Titel: "Ein Land voller Rätsel und Geheimnisse." Zwei von drei Autoren, Michaela Appel und Bernd During, rezitierten die interessantesten Briefe.

Ausgangspunkt war die christliche Missionsbewegung, die im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen Ländern der Erde üblich war. Sebastian Schmitt tritt mit 24 Jahren in die Diakonen-Schule Ludwigsburg auf der Karlshöhe ein. Nach drei weiteren beruflichen Stationen in den Missionsschulen Königsfeld, Ebersdorf und Niesky wendet er sich einer medizinischen Ausbildung zu. Er lernt operieren und lässt sich zwei Jahre im Fach der Medizin im Livingstone College in London ausbilden. Danach belegt er in Stuttgart einen Entbindungskursus. In Wilhelmsdorf wird er 1906 zum "Diaconus" ordiniert und heiratet im selben Jahr Amalie Weismann, deren Eltern dort eine Apotheke betreiben.

Aus dem Unitätsarchiv der Herrnhuter Brüdergemeine geht hervor, dass das Ehepaar Amalie und Sebastian Schmitt Ende 1906 zum Missionsdienst ins "West-Himalaya" berufen wurden. Wenig später muss Sebastian Schmitt in seiner Eigenschaft als Missionar auch noch den an Typhus verstorbenen Arzt des Hospitals der Missionsstation in Leh vertreten. Rasch entwickelt sich ein reger Briefverkehr zwischen dem Ehepaar und ihren Freunden und Familienangehörigen in der oberschwäbischen Heimat. Vor allem ist es Amalie Schmitt, die in zahlreichen Schilderungen über die Situation vor Ort einen detaillierten Überblick gibt. Er lässt sich nicht nur auf das familiäre Geschehen beschränken. Ganz im Gegenteil. Die Missionarsfrau entpuppt sich als eine feinsinnige Beobachterin.

Einfaches Leben in den Bergen

Die Lebensumstände sind alles andere als romantisch. Um mit der heimischen Bevölkerung Kontakt aufzunehmen, müssen die Schmitts Tibetanisch lernen, "eine schwere Sprache", schreibt Amalie Schmitt ihrer Freundin Mathilde Haußmann nach Memmingen. Im Grenzgebiet zum Himalaya ist die Luft auf einer Höhe zwischen 3000 und 4000 Metern dünn. Weder den einheimischen Kindern noch denen des Ehepaars Schmitt tut diese Höhenluft gut. Die Folge war damals eine relativ hohe Sterblichkeitsrate. Aus den Briefen geht eine erstaunliche Einschätzung der Lebenssituation in dieser Hochgebirgszone hervor: "Wir führen ein bescheidenes, zweckdienliches Leben; unser Haus ist lieb in seiner Einfachheit."

Geheizt wird mit Holz und Kuhdung, zwölf Grad in der Stube empfindet Amalie Schmitt als fast gemütlich. Die Kartoffeln im Garten werden nur "nussgroß", anstatt Brot werden geröstete Gerstenkörner gegessen. "Buttertee ist schon sehr gewöhnungsbedürftig." Eine Kuh gibt gerade mal zwischen zwei und drei Liter Milch. Ziegenfleisch wird gegessen, denn Kühe sind schon damals in Indien heilig.

Ende 1913 kehrt die Familie nach Deutschland zurück. Sie leben in Wilhelmsdorf, bis Sebastian Schmitt 1914 die Pfarrstelle in Altshausen übernimmt und dort bis 1922 wirkt. Im Alter von 72 Jahren verstirbt Pfarrer Schmitt und wird in Altshausen begraben.

© Schwäbische Zeitung - 09.10.2015

Ulrich Mack hält am Sonntag einen Gottesdienst. SZ-FOTO: KATRIN BÖLSTLER

ZfP ver­ab­schie­det Kli­nik­pfar­rer

Ulrich Mack kümmerte sich sechs Jahre lang um Sorgen, Nöte und Ängste der Patienten und Angehörigen

Bad Schussenried -
Dr. Ulrich Mack, Klinikpfarrer am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Bad Schussenried, wird am Sonntag, 11. Oktober, um 9.30 Uhr in der Christuskirche in Bad Schussenried mit einem festlichen Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Mack blickt mit 65 Jahren auf ein bewegtes Leben zurück.

Die Theologie spielte dabei nicht von Beginn an eine Rolle, denn zuerst studierte Mack Chemie. Mehrere Jahre arbeitete er in der Industrie, bis ein persönliches Erlebnis ihn erkennen ließ, "dass Geld nicht alles ist", erinnert er sich. Er fing von vorne an und begann mit 33 Jahren, Theologie in Tübingen zu studieren. In einem kleinen Ort bei Schwäbisch Hall trat er seinen Dienst als Vikar an, danach arbeitete Mack als Gemeindepfarrer in verschiedenen Kommunen, unter anderem in Ellrichshausen bei Crailsheim.

Seine erste große Herausforderung erlebte er als Klinikseelsorger der Tübinger Kinderklinik, in der er acht Jahre lang arbeitete. "Diese Zeit war für mich eine Mischung aus großer Freude und tragischer Trauer", beschreibt er. Die Kinder leiden und sterben zu sehen, die dazugehörigen Familien in diesem Prozess zu stützen, sei keine leichte Aufgabe gewesen. "Andererseits gab es auch Tage, da habe ich mit den Kindern zusammengesessen, gesungen und Gitarre gespielt", erinnert der Geistliche sich.


Im Studium hatte er bereits erste Erfahrung in der Arbeit mit psychisch Kranken gemacht, als sich die Chance bot, wechselte er daher vor sechs Jahren an das ZfP in Bad Schussenried. Als Seelsorger versuchte er stets den Kontakt zu den Patienten aufzubauen und aufrechtzuerhalten. "Entweder kam ich zu den Menschen oder sie zu mir", beschreibt er seinen Alltag. Dabei seien die Menschen in diesen Jahren mit den unterschiedlichsten Sorgen, Nöten und Hoffnungen zu ihm gekommen. "Manche Menschen mit psychischen Krankheiten haben Schwierigkeiten, ihre Gedanken zu strukturieren, dabei konnte ich ihnen helfen", so Mack. Manche der Patienten wollten einfach nur mit jemandem reden, andere seien sehr gläubig gewesen. "Mancher nimmt in einem labilen Zustand Gott als bedrohlich war, anderen gibt der Glaube viel Kraft." Auch für die Angehörigen versuchte der Klinikpfarrer stets da zu sein, denn auch für diese ist die Krankheit eines geliebten Menschen oft eine große Belastung. "Ich gehe nun mit etwas Wehmut, denn es hätte noch einige Projekte gegeben für mich", sagt er nun rückblickend. Andererseits habe er nun Zeit, sich mehr auf seine Hobbys Meditation und Zen einzulassen und neue Aufgaben zu finden.

Am Gottesdienst wirken mit der Posaunenchor und der Kirchenchor der Christuskirche. Pfarrerin Dorothee Sauer wird die offiziellen Worte im Gottesdienst sprechen, Pfarrer Ulrich Mack die Predigt halten und Pfarrer Georg A. Maile die Liturgie verantworten.

© Schwäbische Zeitung - 08.10.2015

Die Konfirmanden der Jahrgänge 1965 und 1966 gemeinsam mit Pfarrer Jörg Schwarz (r.). FOTO: KIRCHENGEMEINDE

Ju­bi­la­re fei­ern gol­de­ne Kon­fir­ma­ti­on

Pfarrer Jörg Schwarz erneuert nach 50 Jahren den Segen

Ochsenhausen -
Die evangelische Kirchengemeinde Ochsenhausen hat am letzten Sonntag im September ihr Gemeindefest verbunden mit der Feier der goldenen Konfirmation abgehalten.

Pfarrer Jörg Schwarz konnte im voll besetzten Kirchenraum den Gottesdienst beginnen. Vier Cellistinnen der städtischen Musikschule unter der Leitung von Susanne Feix-Treß untermalten den Gottesdienst feierlich. In seiner Ansprache bezog sich Pfarrer Jörg Schwarz auf das Gleichnis "Die Arbeiter im Weinberg", die alle den gleichen Lohn empfingen, obwohl sie unterschiedlich lang gearbeitet hatten. Pfarrer Schwarz gelang es, diese auf den ersten Blick wahrgenommene Ungerechtigkeit auszuräumen.

Danach konnte die stellvertretende Vorsitzende Uschi Sesselmann die acht Goldkonfirmanden der Jahrgänge 1965 und 1966 begrüßen: Ingeborg Egle, geborene Matzkat, aus Hürbel, Irmgard Kallfass, geborene Marxer, aus Ochsenhausen, Ilse Laufer, geborene Schubert, aus Eppingen, Petra Marquardt, geborene Oschmann, aus Friedrichshafen, Renate Nothelfer, geborene Gerster, aus Ochsenhausen, Christine Schlachter, geborene Borowski, aus Erolzheim, Karl Krumm aus Oberstetten und Artur Niepel aus Ochsenhausen. Pfarrer Schwarz überreichte die Urkunden und jeder Jubilar erhielt ein Geschenk in Form einer Kerze und eines Salzstreuers zur Bestärkung der Worte Jesu: "Ihr seid das Licht der Welt" und "das Salz der Erde".

Pfarrer Jörg Schwarz erneuerte den Segen, den vor 50 Jahren Pfarrer Leonhardt über den damaligen Konfirmanden gesprochen hatte.
Eine besondere Ehrung im Rahmen der Ökumene erfuhr auch der nun sich im Ruhestand befindliche Mesner der katholischen Kirchengemeinde Eckbert Dreyer, der mit seiner Familie ebenfalls zu Gast war. Pfarrer Jörg Schwarz dankte ihm für 14 Jahre des gemeinsamen Dienstes bei Wind und Wetter, bei traurigen Anlässen und fröhlichen Stunden in vielerlei Gottesdiensten, sei es in der Friedhofskapelle St. Veit oder auch in der Klosterkirche St. Georg.

Nach dem Gottesdienst bewerkstelligten die flinken Hände des Kirchengemeinderats den Umbau und so wurde Platz zum Mittagessen für alle geschaffen. Derweil wurde im Konfirmandenraum eifrig gebastelt: Unter Anleitung der Mutter-Kind-Gruppe stellten Kinder und Eltern mit natürlichen Materialien Herbstliches her. Bei Kaffee und Kuchen konnten sich die Besucher austauschen.

© Schwäbische Zeitung - 07.10.2015

Der Welttag der seelischen Gesundheit steht in diesem Jahr unter dem Thema „Würde und seelische Gesundheit“. SZ-FOTO: SARAH SCHLEIBLINGER

In­ter­view: "Psy­chi­sche Er­kran­kun­gen ent­s­tig­ma­ti­sie­ren"

Waltraut Riek spricht über die geplanten Aktionen und was diese bezwecken sollen

Biberach - Rund um den Welttag der seelischen Gesundheit am Samstag, 10. Oktober, finden auch in Biberach einige Veranstaltungen statt. Um was es dabei geht und was man unter seelischer Gesundheit verstehen kann, darüber hat Sarah Schleiblinger mit Waltraut Riek vom Gemeindepsychiatrischen Zentrum Biberach gesprochen. Sie organisiert zusammen mit vielen Kooperationspartnern die Vorträge.

Frau Riek, der diesjährige Welttag der seelischen Gesundheit steht unter einem besonderen Thema. Welches ist das?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt jedes Jahr ein Motto aus, das dieses Jahr "Dignity in mental health" lautet. Wir haben das übersetzt mit "Würde und seelische Gesundheit". Dieses Jahr setzen wir uns zum fünften Mal rund um den 10. Oktober mit der seelischen Gesundheit im Allgemeinen und einem besonderen Schwerpunkt auseinander.

Was ist ihr Ziel bei den Aktionen?


Uns ist es ein Anliegen, dass psychische Erkrankungen entstigmatisiert werden, dass Menschen sich mehr mit diesem Thema beschäftigen. Dabei verfolgen wir einen dreidimensionalen Ansatz: Wir möchten, dass Betroffene, Angehörige sowie Medizin-, Beratungs- und Pflegekräfte zusammenkommen.

Es geht um seelische Gesundheit. Was ist das für Sie persönlich?

Das ist schwierig zu beantworten. Ich denke, man ist seelisch gesund, wenn das Leben ohne übermäßige Ängste, Zwänge, Wahrnehmungsstörungen oder tiefe Traurigkeit gelebt werden kann. Man darf aber auch nicht vergessen, dass diese Symptome bis zu einem gewissen Maß auch Sinn machen.

Glauben Sie, dass sich die Häufigkeit von psychischen Störungen in den vergangenen Jahren verändert hat?

Bei den Psychosen sind die Zahlen in allen Kulturkreisen gleich. Was zugenommen hat, das sind depressive Diagnosen. Da hat sich aber auch die Akzeptanz in der Bevölkerung verändert. Noch vor zehn Jahren war eine Depression ein K.-o.-Kriterium im Berufsleben, heute sind diese Krankheiten gesellschaftsfähiger geworden.

Kann man selbst etwas tun, um das Risiko, psychisch krank zu werden, zu minimieren?

Ganz klar Nein. Denkt man über Auslöser nach, ist man schnell bei Schuldzuweisungen. "Hättest du eben besser gelebt" oder "Selbst schuld" heißt es dann. Es muss klar sein: Es kann jeden treffen - auch wenn man sich gesund ernährt und wenig Stress hat.

© Schwäbische Zeitung - 05.10.2015

Wolfgang Heinrich. FOTO: VERA ROMEU

Flucht hat vie­le Ur­sa­chen

Über die Gründe, warum Menschen aus Syrien, Eritrea, Nigeria und der Westsahara nach Mengen kommen

Ennetach - In Mengen haben Flüchtlinge aus Eritrea, Nigeria, Westsahara und Syrien Zuflucht gefunden. Wolfgang Heinrich, vom Referat "Menschenrechte und Frieden" von der Organisation Brot für die Welt, berichtete im Pressegespräch vor dem öffentlichen Vortrag über die Situation in diesen Ländern. Er erklärte, warum Menschen dort nicht bleiben können und neue Perspektiven suchen müssen.

In Eritrea hat sich eine militärische Clique als Regierung etabliert und aus dem Land das zweite Kasernenland nach Nordkorea gemacht. Über eine nationale Entwicklungskampagne werden Männer im Alter zwischen 18 und 54 Jahren und Frauen bis 50 Jahre zu einem nationalen Dienst im Straßen- und Staudammbau, zur Aufrüstung und an anderen Baustellen verpflichtet. Die Arbeit erfolgt gegen Taschengeld, zeitlich unbegrenzt und weit weg von ihrem Zuhause. "Sie müssen auch eine sechsmonatige militärische Ausbildung machen, um im Konfliktfall als Kanonenfutter zu dienen", berichtet Heinrich. Die Bürger sind der Willkür ausgesetzt, wissen nie, wann sie eingezogen werden, für wie lange. Jeder lebt in der Unsicherheit, über Jahrzehnte von der Regierung auf einer Großbaustelle als billige Arbeitskraft zurückgehalten zu werden. Die eigenen Felder können nicht bewirtschaftet werden, der Arbeitsplatz geht verloren, die Familie verliert ihre wirtschaftliche Grundlage. Eine Lebensplanung ist nicht möglich.

Alle jungen Leute, rund 12 000 Frauen und Männer, die den höheren Schulabschluss anstreben, werden in der Stadt Sawa in einem militärischen Komplex untergebracht und unterrichtet, der dem Verteidigungsministerium untersteht. Sie werden alle erfasst und müssen in den Arbeitsdienst. So kann sich keine gebildete Schicht entwickeln. "Die Bürger fliehen ins benachbarte Ausland, die wenigsten kommen nach Europa", berichtet Heinrich. Sie fliehen nach Äthiopien, laufen Gefahr, aufgegriffen und zurückgeschickt zu werden. Viele fliehen in den Sudan, wo sie sich in der Landwirtschaft und im Kleingewerbe durchschlagen, oder in die arabischen Länder, wo sie hoffen, in der aufstrebenden Wirtschaft unterzukommen.

In Nigeria gibt es zwei Fluchtursachen. Der Norden des Landes ist wirtschaftlich sehr arm und wurde von den Regierungen komplett vernachlässigt. Dort hat sich Boko Haram etabliert, eine Gruppe, die mit einer kruden Interpretation des Islam dem westlichen Kultureinfluss die Schuld dafür gibt und deshalb zurück zu einem undefinierten Ursprungszustand will. Sie terrorisiert die eigene Bevölkerung. "Für junge Leute ist die Region ein fast aussichtsloser Lebensraum", erklärt Heinrich. Die Regierung ist unfähig, Boko Haram zurück zu drängen, den Norden des Landes zu schützen. Korrupte Machthaber scheinen sogar davon zu profitieren. Die jungen Leute fliehen in die Nachbarländer, manche suchen den Weg nach England, Frankreich, die wenigsten nach Deutschland.

Im Süden Nigerias sind Plantagen, Öl und Gas wird befördert. Großkonzerne haben das Land so zerstört, dass Menschen keine Lebensperspektiven mehr haben und ihre Zukunft woanders suchen müssen. Sie wandern in die Städte ab, überleben dort nur mit erwirtschafteten Kleineinkommen. Die Leute sind teilweise gut ausgebildet, die Fähigsten versuchen über Küstenschiffe oder der Transsahararoute nach Spanien, Frankreich und England zu gelangen.

Die Westsahara ist in den 70er Jahren aus der UN-Treuhand in die Unabhängigkeit überführt worden und sofort von Marokko besetzt worden. Man vermutet dort Uran und andere Rohstoffvorkommen. Marokko investiert nichts in das besetzte Land, die jungen Leute haben keine Berufs- und Lebensperspektive, sitzen blockiert in geschlossenen Lagern. "Die Regierung kalkuliert damit, dass sich das Problem biologisch durch Auswanderung oder Tod der einheimischen Bevölkerung löst", berichtet Heinrich. Die Menschen wandern ab nach Tunesien oder Libyen und versuchen, über das Mittelmeer zu entkommen.


Aus Syrien sind die Menschen wegen des Krieges in einem ersten Schritt in Flüchtlingslagern des Libanons, Iraks und der Türkei geflohen, in der Hoffnung bald in ihre Städte und Häuser zurückkehren zu können. Dort erhalten sie Hilfe der Vereinten Nationen, bekommen täglich Nahrung, um zu überleben. Doch dann wurde im Frühjahr angekündigt, dass die finanziellen Mittel so stark gekürzt werden, dass nur noch 40 Prozent dieser Tagesration verabreicht werden könne. "Der kalkulierte Tagesbedarf an Kalorien war schon nicht üppig, 60 Prozent weniger geht nicht", erklärt Heinrich. Diese Mitteilung war das Signal dafür, dass es in den Lagern keine Hoffnung auf Überleben mehr gibt, ein Zurück ins Herkunftsland aber unmöglich ist. "Bevor eine Familie verhungert, macht sie sich auf den Weg. Die Propaganda der Schlepper hat diesen Exodus noch forciert", berichtet Heinrich. Syrier kommen auch nach Europa, weil sie hier Verwandte haben, die seit den 70er Jahren als Ärzte, Techniker und Ingenieure leben und arbeiten.

© Schwäbische Zeitung - 05.10.2015

Wolfgang Heinrich (links) mit dem Musiker Teklit Memgisteab, Pfarrerin Ines Fischer, dem Syrer Shadi und Horst Reinauer. FOTO: VERA ROMEU

Welt­po­li­tik be­stimmt Ein­zel­schick­sa­le

Wolfgang Heinrich über weltweite Zusammenhänge, die Menschen in die Flucht treiben

Ennetach - Viele Bürger haben sich für die Fluchtursachen, die weltweit Tausende Menschen aus ihrer Heimat vertreiben, interessiert. Der Arbeitskreis Asyl, die Kirchengemeinden, das Bildungswerk Oberschwaben und der Caritasverband luden Wolfgang Heinrich, aus dem Referat "Menschenrechte und Frieden" der Organisation Brot für die Welt, ein. Er hielt einen Vortrag im Bürgerhaus.

Wolfgang Heinrich erläuterte die weltweiten Zusammenhänge, die die Menschen aus ihrer Heimat vertreiben. Die Ursachen liegen seinen Ausführungen zufolge auch in der deutschen Politik und Wirtschaft. Derzeit flüchten Menschen aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Sudan, Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, dem Irak und aus Eritrea. Hauptaufnahmeländer sind die Türkei, Pakistan, Libanon, Iran und Äthiopien. "Unter den Top Ten ist Europa nicht dabei", machte Wolfgang Heinrich bewusst.

Die Ursachen für die Flucht seien auch im internen Versagen von Staaten zu finden, die Bürger willkürlich verfolgen und hinrichten, wo Diskriminierung aus religiösen, ethnischen und anderen Gründen zur Tagesordnung genauso gehört, wie organisierte Kriminalität, Korruption und Kriege. Auch Umweltzerstörungen und Auswirkungen des Klimawandels vertreiben die Menschen aus ihrer Heimat. Heinrich schlüsselte zentrale Probleme auf. Die westliche Industrie betreibe eine Rohstoffpolitik, die Regierungen korrumpiere und die lokale Bevölkerung ausschließe. Westliche Regierungen stützen seinen Aussagen zufolge diktatorische Regime und nehmen Rücksicht auf repressive Systeme, damit sie verhindern, dass Flüchtlinge nach Europa kommen.

Europa verschiebt seine Grenzen

Europa verhandle mit Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, um seine Grenzen auf die andere Seite des Mittelmeers zu verschieben. Das habe zur Folge, dass der Sahel und die Sahara blockiert werden: Doch seien die Menschen in diesem Raum darauf angewiesen, sich ungehindert bewegen zu können, um die lokalen Ströme der Wirtschaft und des Handels zur Lebenssicherung zu nutzen.

Heinrich forderte legale Fluchtwege, damit Schleuser kein Geschäft machen können. Auch seien legale Wege zum europäischen Arbeitsmarkt notwendig. Flüchtlinge sollten rasch Zugang zu Ausbildung und Arbeitsstellen bekommen. "Flüchtlinge können sich selber helfen, sie brauchen nur Hilfe zur Selbsthilfe", betonte er.

Horst Reinauer vom Arbeitskreis Asyl führte in den Abend ein. Der Musiker Teklit Memgisteab umrahmte schwungvoll die Veranstaltung. Zu Beginn sprach der syrische Flüchtling Shadi über die Ursachen seiner Flucht, Pfarrerin Ines Fischer übersetzte aus dem Englischen. "Ich komme aus einem Land, in dem ich gern gelebt habe. Aber es war nicht mehr möglich zu bleiben", erklärte er. Die halbe Stadt sei von der Terrormiliz Islamischer Staat eingenommen worden. Die Familie musste das ausgebombte Haus verlassen, in einem Hotel zu einer horrenden Miete unterkommen, der Arbeitsplatz ging verloren, ein anderer war nicht zu finden. Von den drei Kindern sei eines herzkrank und müsse dringend operiert werden, berichtete der Familienvater. Dies sei derzeit in Syrien nicht möglich, so habe er sich auf den Weg gemacht, um das Leben seiner Tochter zu retten.

"Wir wollen in Frieden leben, niemand will sein Land verlassen. Mein Fall ist ein Einzelfall, aber es gibt in Syrien viele Einzelfälle", rief er aus. Er möchte so schnell wie möglich Arbeit finden und die Familie nachkommen lassen, sagte er. Pfarrerin Fischer sagte, dies könnte bald gelingen, in Ennetach gebe es bereits eine Wohnmöglichkeit. "Flüchtlingszahlen zeigen und verbergen Dinge: Hinter jedem Menschen gibt es eine Geschichte", betonte Pfarrerin Fischer. In der ehrenamtlichen Asylarbeit zeige sich, dass es gewichtige Gründe gebe, warum Menschen nach Deutschland kommen.

© Schwäbische Zeitung - 05.10.2015

Alban Beikircher und Claudia Boss beginnen in der evangelischen Christuskirche die Nacht der Kirchen. FOTO: WOLFGANG LOHMILLER

Bril­lan­tes Ende des Ton­kunst­fes­ti­vals

Nacht der Kirchen - Mädchenkantorei und Chorknaben treten gemeinsam auf

Bad Saulgau - Mit einer Nacht der Kirchen am Freitagabend hat das Bad Saulgauer Tonkunstfestival geendet. Literatur und Musik gab es in der evangelichen Christuskirche. Beim Chor- und Orchesterkonzert in der St. Johanneskirche traten die Mädchenkantorei und die St. Johannes-Chorknaben gemeinsam auf. Den Abschluss bildete ein Orgelkonzert in der Liebfrauenkirche.

Es war eine tolle Idee von Alban Beikircher und Claudia Boss, Liebesgedichte und Erzählungen an Meer und Wasser mit musikalischen Einlagen zu alternieren und weiterzuführen. Die als Sängerin weit bekannte Michaela Maucher rezitierte in der evangelischen Christuskirche Gedichte und Erzählungen wie das Sirenen-Gedicht aus der "Ilias", die "Kleine Meerjungfrau" von Hans-Christian Andersen oder Gedichte über die "Loreley". Stets wirkte Michaela Maucher voll engagiert, mit deutlicher Sprache und höchst ausdrucksstark.

Harmonie der Künstler

Umrahmt wurden die Vorträge durch Musikeinlagen des "L'estro armonico", das sich aus ehemaligen Mitgliedern der Jungen Philharmonie Oberschwaben entwickelt hat. Alban Beikircher brauchte hier nicht mehr als Dirigent zu wirken, ganz selbstverständlich war die große innere Harmonie der Künstler, sei es in der tänzerischen Telemann-Trompetensonate mit dem berühmten aus Passau stammenden Oliver Lakota oder bei den Sätzen "La Primavera" und "L'estate" (Frühling und Sommer) aus Vivaldis "Jahreszeiten", in denen auch die Geigerinnen Isabel Pachta, Miriam Glücklich und insbesondere Franziska Fessler durch solistische Einlagen brillierten.

Beeindruckend spielte auch der tschechische Organist Pavel Svoboda, so etwa die berühmte Muffet-Toccata. Ein besonderes Erlebnis war die Prelude aus Bachs zweiter Cello-Suite, die Sabine Baumann höchst markant und gut durchgestaltet zu Gehör brachte.

Beim Chor- und Orchesterkonzert in der St. Johanneskirche brillierte Organist Pavel Svoboda zunächst mit einer Toccata von Charle-Marie Wider, die er mal tanzend und tobend, mal mit feinstem Pianissimo wiedergab.

Strahlende Stimmen

Die strahlenden Stimmen der St. Johannes-Chorknaben unter der Leitung von Volker Braig beeindruckten im Bach-Choral "Wohl mir, dass ich Jesum habe". Herrlich durchgestaltet war das "Wie durch einen der Tod" aus dem "Messias" von Händel mit einem ständigen Wechsel zwischen Betroffenheit durch den Tod und dem Jubel über die Auferstehung.

Ein Erlebnis war auch Händels Orgelkonzert "Kuckuck und Nachtigall", bei dem Pavel Svoboda an der Orgel tanzte und wirbelte, aber auch als klagende Nachtigall beeindruckte, um im dritten Satz fröhlich und mit Kuckucksschlagen zu enden.

Die Frauen der Mädchenkantorei hatten zuvor ein sehr eindringliches "Graduale" von Michael Haydn zu Gehör gebracht. Abschließend bildeten die beiden Erwachsenen-Chöre unter der Leitung von Volker Braig in einer sehr schön durchgestalteten "Missa brevis" von Joseph Haydn einen harmonischen Klangkörper. Imposant war insbesondere das anspruchsvolle "Credo" , sehr einprägsam und gläubig durchgestaltet.

Im "Benedictus" war Viktoria Matt mit ihrer großen Solostimme und herrlichen Koloraturen zu erleben. Nach einer Gulaschsuppe im katholischen Gemeindehaus hatten die eifrigen Musikliebhaber dann um 22 Uhr zum Abschluss der Nacht der Kirchen noch die Gelegenheit zu einem Orgelkonzert mit Trompete in der Liebfrauenkirche.

© Schwäbische Zeitung - 05.10.2015

Mitten im Publikum: Bei der „Nacht ohne Grenzen“ feiern alle gemeinsam. SZ-FOTO: DIANA EZEREX

Die "Nacht ohne Gren­zen" bringt Men­schen zu­sam­men

Veranstalter sind zufrieden mit der dritten Auflage - Mehr als 600 Gäste kommen ins Abdera

Biberach - Zu einer Begegnungsstätte der besonderen Art ist die Kulturhalle Abdera am Samstagabend geworden. Bei der "Nacht ohne Grenzen" sollten durch Musik mögliche Hemmungen und Barrieren überwunden werden und beim Tanz neue Bekanntschaften gemacht werden. Schon drei dieser besonderen Möglichkeiten des Kulturtransfers wurden vom Freundeskreis Asyl organisiert.

Lucia Braß vom Migrationsdienst der Caritas und Mitveranstalterin der grenzenlosen Nacht liegen die Flüchtlinge besonders am Herzen. Sie möchte mit der Veranstaltungsreihe die Möglichkeit zur Begegnung geben, "ganz ohne Arbeit, ohne konfliktschaffende Gesetze", die den Herausforderungen mit der Flüchtlingssituation als zusätzliche Stolpersteine im Weg liegen. Viele neue, aber auch bekannte Gesichter bei den Flüchtlingen sowie den Ehrenamtlichen seien an diesem Abend dabei, beides Gruppen, die stetig wachsen. Braß freut sich über das bereitwillige Engagement der Bevölkerung, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen. Allein in ihrem Arbeitskreis seien 450 Ehrenamtliche engagiert, immer mehr neue kämen dazu.

An diesem Abend fand die Veranstaltung besonders viel Anklang, Sprachen verschiedenster Länder füllten den großen Veranstaltungsraum und den Vorhof des Abderas.

Die Band "The human beings" heizte den Zuschauern kräftig ein. Die Gruppe, bestehend aus einheimischen und internationalen Musikern, lässt sich, was das Genre angeht nicht in eine Schublade stecken, was die Gesinnung angeht aber sehr wohl: "Wir wollen Grenzen überwinden, und das geht mit Musik ganz einfach." Mit Reggae, Rock und eigenen Kompositionen unterhielt die Band das Publikum und überzeugte mit besonderem Charme und verschiedenen Bühnenoutfits. Auch Musiker und Tänzer aus Flüchtlingsländern teilten ihre Kultur und Kunst aus ihren Heimatländern mit den Besuchern.

© Schwäbische Zeitung - 05.10.2015

Bussenpfarrer Albert Menrad, Landrat Heiko Schmid, Altlandrat Wilfried Steuer am Redner-Pult, die stellvertretende Dekanin Dorothee Sauer und Dekan Sigmund F. J. Schänzle (von links) bei der Einheitsfeier an der Friedenseiche auf dem Bussen. FOTO: WALTRAUD WOLF

Kein Platz für Frem­den­hass

Landkreis Biberach feiert Tag der Deutschen Einheit auf dem Bussen


Offingen/Region - So voll wie vor 25 Jahren bei der ersten Feier zum Tag der Deutschen Einheit war die Kirche auf dem Bussen am Samstag nicht. Doch wer den Heiligen Berg erklommen hatte, den berührten die Predigt der stellvertretenden Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Biberach, Dorothee Sauer, und das Grußwort des katholischen Dekans Sigmund F. J. Schänzle im Gedenken an die Ereignisse in den Jahren 1989 und 1990. Sie, wie auch Landrat Heiko Schmid und der Kreischef in jenen Jahren, Wilfried Steuer, schlugen den Bogen zu den Herausforderungen der Gegenwart - den Flüchtlingen.


Schänzle beleuchtete die drei ersten Begriffe der Nationalhymne "Einigkeit und Recht und Freiheit" und appellierte, diese großen Güter wertzuschätzen. Wenn nicht, laufe man Gefahr, sie zu verlieren. Vor der Wiedervereinigung sei der Tag der Einheit Ausdruck der Hoffnung darauf gewesen. Als sie dann eingetreten sei, habe man die damit verbundenen Schwierigkeiten bemerkt. Viele Anstrengungen seien notwendig gewesen und dauerten noch an. Einigkeit und Recht und Freiheit seien bleibende Herausforderungen an jeden Bürger, gerade auch nach der Ankunft tausender Flüchtlinge.

Pfarrerin Dorothee Sauer erinnerte sich an ihre Angst, die mit den Besuchen bei Verwandten in der DDR verbunden waren und die Gefühlswallungen bei der Ansprache Hans-Dietrich Genschers in der Prager Botschaft und beim Mauerfall am 9. November. Heute feiere man mit Stolz, Freude und Dankbarkeit die Wiedervereinigung. Im Nachhinein erscheine ihr alles wie ein Wunder und ein Geschenk.

Zusammenwachsen dauert

"Wir haben Grund Gott zu loben, der sichtbar unser Leben gesegnet hat in den Ereignissen damals." Das Zusammenwachsen von Ost und West habe gedauert, wie das Wachsen der vor 25 Jahren auf dem Bussen gepflanzten Friedenseiche, langsam, beständig und beharrlich. Vieles, was diesen Baum auszeichne, verbinde sich mit diesem Tag: der Wunsch, dass die Einheit Bestand hat und Kraft, "dass wir ein Land sind und bleiben, das in Frieden wächst und gedeiht".

Landrat Heiko Schmid erinnerte in seiner Rede an der Friedenseiche an weitere bedeutende Ereignisse: das Inkrafttreten des Grundgesetzes vor 65 Jahren, die Heimkehr der letzten Kriegsgefangenen aus Russland vor 60 Jahren. 54 Jahre nach dem Mauerbau könne man mit "großem, großem Dank" auf 25 Jahre Wiedervereinigung zurückblicken. Er zitierte aus der Rede des damaligen Landrats Steuer auf dem Bussen, der 1990 davon gesprochen hatte, dass die Angleichung der Lebensverhältnisse, die Sanierung von Politik, Wirtschaft und Umwelt gewaltige Aufgaben bleiben würden und zu ihrem Gelingen Mut, Gottvertrauen und Optimismus empfahl.

Mit vielem, so Schmid, habe er Recht gehabt. "Das vereinte Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte." Dennoch gäbe es noch Unterschiede. In Ostdeutschland nähme die Bevölkerungszahl ab, in Westdeutschland zu. Im Osten liegt das Bruttomonatsgehalt immer noch ein Viertel unter dem im Westen und die Arbeitslosenzahl sei dort "markant" höher. Den 3. Oktober als wichtigsten gesamtdeutschen Feiertag in der jüngsten Geschichte würdigend, sagte er: "Wir wollen uns heute über ein Deutschland freuen, in dem die Freiheit als unabdingbares Menschenrecht gilt." Darüber nicht vergessen wollte er die vielen Toten, die zwischen Mauer und Stacheldraht ihr Leben ließen und sich dankbar an jene erinnern, die maßgeblich zur Wiedervereinigung beigetragen haben.

Besinnen sollte man sich vor allem in der Herausforderung mit den derzeit ankommenden Flüchtlingen auf das gemeinsame Grundgesetz, in dessen erstem Artikel das Bekenntnis zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt stehe. Er wünsche sich, dass "wir intelligent mit Geschichte umgehen, aus ihr lernen und in einem demokratischen Staat keinen Platz für Fremdenhass und Intoleranz dulden". Wenn alle an einem Strang zögen und Europa zusammenrücke, könne man auch diese Herausforderung meistern.

"Bei gutem Willen bekommen wir das Problem gelöst", wurde Schmid von seinem Vorvorgänger Wilfried Steuer ermutigt. Er empfahl, die Zuwanderung der Flüchtlinge "etwas gelassener" anzugehen und nicht jede Stammtischdiskussion als rechtsradikal einzuordnen. Zudem nannte er ähnliche Situationen früherer Jahrzehnte, die man bewältigt habe.

Aufbruchstimmung vor 25 Jahren

Die Eiche, die er vor 25 Jahren mit dem damals 96-jährigen Schriftsteller Ernst Jünger, dem Bundestagsabgeordneten Alois Graf von Waldburg-Zeil und dem früheren Uttenweiler Bürgermeister Wolfgang Dahler auf dem Bussen pflanzte, habe sich "gut entwickelt", möglicherweise auch des Weihwassers wegen, das ihr gelegentlich von Bussenpfarrer Albert Menrad verabreicht werde, mutmaßte er launig. Er rief die Aufbruchstimmung vor 25 Jahren in Erinnerung und würdigte den Einsatz Helmut Kohls und Michail Gorbatschows für die deutsche Einheit. Unvergessen geblieben ist ihm aber auch ein Auftritt der Kreisjugendmusikkapelle vor dem Brandenburger Tor zu jener Zeit. Die Musiker von heute unter der Leitung von Tobias Zinser, welche Gottesdienst und Feier musikalisch begleiteten, hörten es gerne.

© Schwäbische Zeitung - 02.10.2015

Foto: privat

Jazz-Trio spielt "Bach and more"

Biberach - Das Jazz-Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann präsentiert am Sonntag, 4. Oktober, ab 18 Uhr sein neues Programm "Bach and more" in der Heilig-Geist-Kirche in Biberach, Ulmer Straße 10, im Rahmen eines Gottesdiensts. Bach "groovt" und sein Werk hat seit jeher Musiker aller Stile und Epochen zur Bearbeitung angeregt. Mit "Bach and more" stellen die drei Musiker - neben eigenen Arrangements - auch Bearbeitungen von Oscar Peterson und Jacques Loussier vor. Der Schwerpunkt liegt bei dieser Art des Gottesdiensts auf der Musik. Daneben gibt es einen geistlichen Impuls. Die Liturgie hält Pfarrerin Isabella Lehnert-Werner. Um Spenden wird gebeten. Foto: privat

© Schwäbische Zeitung - 02.10.2015

Nenpup Suwa (am Mikrofon) und Amina Stipetic singen gemeinsam mit den Gästen. SZ-FOTO: TANJA BOSCH

Ein Be­geg­nungs­ort im Her­zen der Stadt

Flüchtlingstreff in der Waaghausstraße ist nun eingeweiht - 80 Gäste singen gemeinsam

Biberach -
Schöner hätte die Einweihung des Flüchtlingstreffs der ökumenischen Flüchtlingsarbeit von Caritas und Diakonie im Landkreis Biberach nicht sein können. Rund 80 Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Konfession haben sich in den Räumen in der Waaghausstraße 6 getroffen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen für die Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen. "Wir wollen sie im Herzen der Stadt willkommen heißen", sagte Oberbürgermeister Norbert Zeidler. "Wir wollen sie herzlich empfangen und uns gegenseitig kennenlernen."

Denn im Flüchtlingstreff sollen nicht nur Flüchtlinge eine Anlaufstelle haben, es sollen auch die Bürger mit den Menschen aus anderen Ländern in Kontakt kommen, ihnen begegnen und möglicherweise auch Ängste abbauen. "Wir stehen vor einer der größten Herausforderungen der letzten Jahre", sagte Pfarrer Matthias Ströhle, einer der Verantwortlichen der ökumenischen Flüchtlingsarbeit. "Wir können hier viel bewirken, unsere Arbeit hat große Bedeutung."

Veränderung braucht Begegnung

"Der Blick über den Tellerrand hinaus ist sehr wichtig", sagte Pfarrer Peter Schmogro. "Wenn jeder nur in seinem Milieu steckt, dann kommt es zu nichts, zu keiner Veränderung, deshalb braucht es Begegnung." Er wünscht sich, dass sich im Flüchtlingstreff Menschen begegnen, einander zuhören und auch voneinander lernen.

Die Räume in Biberach haben die Verantwortlichen der ökumenischen Flüchtlingsarbeit von der Katholischen Kirche Biberach bekommen. "Es soll ein Raum für Leben sein, ganz nach dem Motto ,Living Room'. Ich wünsche mir, dass hier schnell ganz viel Leben ist", sagte Pfarrer Kaspar Baumgärtner und weihte die Räume.

Nach der Eröffnung zu urteilen, dürfte sich dieser Wunsch wohl erfüllen. Dicht gedrängt standen die rund 80 Gäste im neuen Flüchtlingstreff und auch draußen vor der Tür, sangen gemeinsam, klatschten im Takt und lauschten kurzen Redebeiträgen. Andreas Gratz von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit spielte Gitarre und wurde von Pfarrvikar Paul Oedeme und Ola Adigun auf Congas begleitet. Nenpup Suwa und Amina Stipetic sorgten für den passenden Gesang.

Peter Grundler, Regionalleiter der Caritas Biberach-Saulgau, bemerkte, dass die Räume jetzt schon zu klein seien: "Wir müssen neue Räume suchen." Auch wenn er das eher im Scherz sagte, sind doch wahre Worte dran, denn auch für die Flüchtlingsunterbringung sind Räume derzeit ein wichtiges Thema und Mangelware. Besonders glücklich ist Peter Grundler über die Gemeinschaftsaktion der evangelischen und katholischen Kirche, die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht zu vergessen, "denn ohne die würde es bei uns nicht so gut laufen, wie es momentan der Fall ist".

Von Oberbürgermeister Norbert Zeidler gab es zur Eröffnung ganz traditionell Salz und Brot: "Dieser Brotkorb ist auch interkulturell", erklärte er. "Der Korb stammt aus Ägypten, das Tuch aus Indien, das Salz aus Portugal und das Brot aus Äpfingen." 2000 Euro von der Stadt Biberach legte er noch obendrauf.

Wann der Biberacher Flüchtlingstreff künftig geöffnet hat, weiß Andreas Gratz noch nicht genau: "Wir haben die Räume jetzt so weit fertig, es fehlen noch Möbel und dann können wir eigentlich starten." Geplant sind neben vielen Veranstaltungen ein Patencafé, ein Treffpunkt für Musiker, Kinderbetreuung und vielleicht auch eine offene Sprechstunde.

© Schwäbische Zeitung - 01.10.2015

Rosita Peissert, Georgina Schlewek und Franziska Paul (v.l.) sortieren im evangelischen Pfarrhaus die gespendete Ware für die Wiedereröffnung des Diakonielädeles. FOTO: VERA ROMEU

Pfarr­haus ist ge­ra­de Wa­re­n­an­nah­me­stel­le

Die Mitarbeiter des Diakonielädeles arbeiten auf die Wiedereröffnung im Dezember hin

Mengen
- Das Diakonielädele wird voraussichtlich erst im Dezember wieder für Kunden eröffnen können, doch im Hintergrund laufen die Vorbereitungen: Es können an allen Wochentagen, zwischen 14 und 17 Uhr, Kleider, Schuhe und Haushaltswaren im evangelischen Pfarrhaus in der Zeppelinstraße abgegeben werden. In kleinen Teams sind ehrenamtliche Frauen eingeteilt, um die Spenden anzunehmen, sie zu sortieren und zu lagern.

"Wir nehmen gerne alle Kleidung an, Sommer- wie Winterkleidung", betonen Franziska Paul, Georgina Schlewek und Rosita Peissert, die gerade Dienst haben. Die Annahmestelle im evangelischen Pfarrhaus ist für sie eine gute Übergangslösung. "So viel Platz hatten wir noch nie, um Kleidung auszubreiten und zu versorgen", freuen sich die drei und schauen sich zufrieden um.
Zurzeit werden in den Haushalten die Schränke umgeräumt: Die Sommerkleider werden nochmal inspiziert, dann entscheidet sich, ob sie für die nächste Saison noch taugen und passen werden. Was weggegeben werden soll, kann direkt gespendet werden: "Die Bürger können gerne alles gleich bringen, es muss daheim über den Winter nichts unnötig gelagert werden. Wir packen die Kleidung in Kartons für das nächste Jahr und lagern alles. Wir sind über alle Textilien, die wir bekommen, dankbar", erklären die Frauen.

Winterkleidung gesucht

Für die Eröffnung im Dezember wird Winterkleidung gebraucht: warme Jacken, Pullover, Hosen, Unterwäsche, Schuhe, Mützen und alles Mögliche, für Kinder und Erwachsene. Diese Kartons stehen im Vordergrund des Lagerraumes, sie werden zuerst benötigt, sobald die Temperaturen fallen. "Wir brauchen sehr viele Bananenkisten, um die Ware in kleinen Einheiten gut sortieren und lagern zu können", erklären die Frauen. Die Ehrenamtlichen gehen in die Märkte, bitten die Marktleiter darum und holen sie ab. "Das ist zwar viel Aufwand, aber man wird immer gut empfangen, wenn man sagt, dass es für das Mengener Diakonielädele ist", berichten die Frauen. Wer Kartons hat und zur Spendenannahme ins evangelische Pfarrhaus bringt, entlastet das Team auf ganz effektive Weise. Kommt eine Kleiderspende herein, so wird sie auf dem großen Tisch ausgelegt.

Was nicht mehr so gut ist, kommt in Säcke und wird an eine Textil-Recyclingfirma verkauft. Auch das bringt Geld in die Kasse des Diakonielädeles.

Gute Kleidung wird sortiert und in großen beschrifteten Kartons verstaut. Auf den Zetteln kann man lesen: Damen Jeans, Handtücher, Herren Winter, Wolle, Sommer Kinder, Schal, Taschen. Ein breites Sortiment stapelt sich bereits raumhoch im Hintergrund. Auf Ständer hängen Mäntel und Jacken, Hosen und Kleider, die verkaufsbereit wirken.

Auch Kinderbücher, Spielsachen, Bettwäsche, Handtücher, kleine Haushaltsdingen werden als Spenden angenommen. Doch sie sollten unbedingt in einem Zustand sein, so dass man sie verkaufen kann. "Da müssen wir ein bisschen wählerischer sein, weil das Lädele gegebenenfalls die Kosten der Entsorgung tragen müsste", erklären die Frauen vom Team.

© Schwäbische Zeitung - 01.10.2015

So ste­hen die De­ka­ne zum The­ma Or­gan­spen­de

Stellungnahmen von Hellger Koepff und Sigmund Schänzle

Biberach - Wie stehen die beiden großen christlichen Konfessionen zum Thema Organspende? Die SZ hat im Rahmen ihrer Themenwoche Organspende die Dekane Hellger Koepff und Sigmund Schänzle um eine Stellungnahme gebeten.

"Ich sage nicht, Organspende ist eine christliche Pflicht", sagt Hellger Koepff, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Biberach. "Aber ich halte es für eine christliche Pflicht, sich mit dem Thema zu befassen." Man müsse sich mit den Argumenten von Befürwortern und Kritikern auseinandersetzen. Die Diagnose Hirntod, die für eine Organentnahme gegeben sein muss, betrachtet er als medizinisch-klinische Definition. "Der Mensch befindet sich in einer Phase des Sterbens, aber nicht jede Zelle ist abgestorben, sonst könnte man keine Organe entnehmen."

Koepff hält es für wichtig, dass sich die Angehörigen für den Fall der Zustimmung zu einer Organspende klarmachen, dass sie das langsame Verlöschen des Lebens bei ihrem Angehörigen nicht mitbekommen. "Sie verabschieden einen gut durchbluteten Körper und bekommen einen Leichnam zurück", sagt Koepff. "Man muss wissen, dass dieser Zeitraum im Abschiedsprozess fehlt, damit muss man sich auseinandersetzen."

Es gebe wunderbare Beispiele dafür, was mit einer Organspende bewirkt werden könne, trotzdem dürfe kein Druck auf die Menschen ausgeübt werden, sich für eine Organspenden zu entscheiden. "Es muss eine offene Entscheidung sein, diese Freiheit müssen wir haben." Er lehne es deshalb komplett ab, sollte versucht werden, eine solche Entscheidung mit finanziellen Anreizen zu beeinflussen. Die Würde und das Leben des Menschen, der sich in einer kritischen Situation befinde, habe mindestens den gleichen Wert wie die Erwartung des Empfängers, der auf ein Organ warte, sagt Koepff.

Der Fortschritt der Medizin rücke vieles von dem, was einst schicksalhaft hinzunehmen war, in den Bereich menschlicher Planung und menschlicher Verantwortung, sagt Dekan Sigmund Schänzle vom katholischen Dekanat Biberach. "Die beiden ärztlichen Grundsätze ,Das Wohl des Kranken ist das oberste Gesetz' und ,Dem Kranken nicht schaden' gelten auch für Transplantationen." Nach christlichem Verständnis sei das Leben und damit der Leib ein Geschenk des Schöpfers, über das der Mensch nicht nach Belieben verfügen könne, das er aber nach sorgfältiger Gewissensprüfung aus Liebe zum Nächsten einsetzen dürfe, so Schänzle.

Dabei müsse beachtet werden: "Respekt und Pietät vor dem Menschen und seiner Körperlichkeit, sein freier und gewissenhaft geprüfter Entschluss, die fachärztliche Verantwortung und Verantwortlichkeit, und die Gewährleistung der Pietät des menschlichen Leichnams." Aus christlicher Sicht sei die Bereitschaft zur Organspende letztlich ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarisierung mit Kranken, so Schänzle.

Hellger Koepff empfiehlt folgenden Link:

www.bayern-evangelisch.de/downloads/elkb_Handreichung_Organspende.pdf