© Schwäbische Zeitung - 30.09.2015

Informierten über die Flüchtlingssituation im Landkreis und in Tannheim und zeigten Möglichkeiten für ein ehrenamtliches

"Wir wol­len kein Ghet­to"

Mehr als 200 Bürger bei Infoabend zur Gemeinschaftsunterkunft in Tannheim

Tannheim -
Ins "Blaue Haus" in Tannheim, eine der zahlreichen neuen Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises Biberach, werden in Kürze bis zu 50 Flüchtlinge einziehen. Vertreter des Landkreises und der ökumenischen Flüchtlingsarbeit im Kreis Biberach sowie Tannheims Bürgermeister Thomas Wonhas informierten die Bürger darüber und versuchten, deren Bedenken und Sorgen zu entgegnen. Das Interesse war groß, mehr als 200 Tannheimer kamen.

Flüchtlingssituation im Land


"Das Unterbringungsproblem macht vor keiner Gemeinde halt", sagte Wonhas. Jürgen Kraft, Leiter des Sachgebiets Flüchtlinge des Landkreises, nannte die Zahlen: Man rechne 2015 in Deutschland mit rund 800 000 Asylbewerbern, davon müsse Baden-Württemberg rund 104 000 aufnehmen. Von dieser Anzahl entfielen - ebenfalls errechnet nach einem Schlüssel - 2,01 Prozent und damit 2090 auf den Kreis Biberach. Bis September seien 940 gekommen, so Kraft. "Das heißt, noch rund 1200 Personen werden in diesem Jahr unterzubringen sein." Und dies sei nicht "das Ende der Fahnenstange". Der Flüchtlingsstrom wird 2016 wohl nicht abreißen.

Verteilung im Landkreis

Innerhalb des Kreises gibt es laut Kraft keinen Verteilschlüssel. Das Landratsamt handelt pragmatisch und nutzt die sich bietenden Möglichkeiten. Die Antwort auf die Frage, warum nach Tannheim 40 bis 50 Flüchtlinge kommen, fällt Kraft leicht: "Weil Platz ist." Er wies auch auf die in Biberach entstehenden drei weiteren Gemeinschaftsunterkünfte für insgesamt rund 270 Asylbewerber hin und darauf, dass man die Flüchtlinge - zunächst in Gemeinschaftsunterkünften und später in Anschlussunterbringung - kreisweit verteilt. "Es gibt keine weißen Flecken."

Flüchtlinge in Tannheim

Kraft schloss nicht aus, dass in Tannheim außer dem "Blauen Haus" künftig eine weitere Gemeinschaftsunterkunft in Tannheim eingerichtet wird. "Mir kann in zwei Wochen jemand ein Haus anbieten. Deshalb garantiere ich nichts." Aktuell sei "nichts am Laufen" und wenn sich eine Gelegenheit anböte, würde man erst auf Bürgermeister und Gemeinderat zugehen. "Dann reden wir darüber, ob wir es verantworten können", so Kraft. Eine Gemeinschaftsunterkunft mit einer größeren Zahl an Plätzen wird auf die Anschlussunterbringung angerechnet. Da könnte Tannheim unterhalb der vom Kreis vorgegebenen Zahl bleiben.

Gemeinschaftsunterkünfte


In eine Gemeinschaftsunterkunft kommen die Asylbewerber aus den Landeserstaufnahmestellen. Der Landkreis achtet auf die Zusammensetzung in den Häusern. "Wir mischen Familien mit Einzelpersonen, denn Familien sind immer stützend", sagte Kraft. Auch verschiedene Nationalitäten und Religionen seien darunter. "Wir wollen kein Ghetto." Kämen alle Leute in einer Unterkunft aus einem Land, unterhielten sie sich in ihrer Sprache, was man vermeiden will. "Die Sprache sollte Deutsch sein." Mit dieser Mischung habe man bisher gute Erfahrungen gemacht, so Kraft.

Sorgen der Bürger


Bedenken äußerten Bürger, dass Flüchtlinge Langeweile haben und sich nicht integrieren wollen. Diese Angst sei in jeder Gemeinde vorhanden, so Kraft. "Aber bisher hat es immer funktioniert. Überall sind Strukturen entstanden, dass sie nicht herumlungern." Kinder in Kindergarten oder Schule, Erwachsene im Sprachkurs - der Tag der Flüchtlinge erhalte rasch Struktur, sagte Kraft. Und nach drei Monaten in Deutschland dürfen sie arbeiten. Auch Pfarrer Matthias Ströhle, Beauftragter für Asyl- und Flüchtlingsfragen im Evangelischen Kirchenbezirk Biberach, versuchte die Sorgen zu zerstreuen. Die Flüchtlinge hätte in ihrer Heimat viel verloren und wünschten sich nichts mehr, "als rasch Fuß zu fassen und selbst Geld zu verdienen".

Betreuung der Flüchtlinge


Betreut werden die Asylbewerber von Albrecht Biechele und weiteren Mitarbeitern des Landratsamts und der ökumenischen Flüchtlingsarbeit, doch allein mit hauptamtlichen Kräften seien die Integrationsbemühungen vor Ort nicht denkbar. Das Engagement von Ehrenamtlichen ist unverzichtbar. Der Infoabend diente auch dazu, Bürger für einen Helferkreis zu gewinnen, den Angelika Eyrich von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit der Diakonie begleiten wird. Eyrich stellte Möglichkeiten vor, sich einzubringen: Freizeitgestaltung, Hausaufgabenbetreuung, Sprachübungen oder Patenschaften, worunter Hilfen bei Behördengängen oder Arztbesuchen fallen. "Die Menschen wollen an die Hand genommen, aber nicht getragen werden", so Eyrich. "Man darf den Asylbewerbern nicht alles abnehmen, sie sollen selbstständig bleiben." Rund 40 Bürger meldeten in Tannheim Interesse an der Mitarbeit im Helferkreis an; das erste Treffen ist für den 12. Oktober, 18 Uhr, im Bürgerstüble des Dorfgemeinschaftshauses geplant.

Plattform im Internet

Michael Timler, zuständig für die Internetseite der ökumenischen Flüchtlingsarbeit, mahnte Zurückhaltung bei Sachspenden an. Die Gemeinschaftsunterkünfte, in denen jeder Asylbewerber ohnehin wenig Platz hat, seien möbliert und auch sonst mit allem Notwendigen wie Geschirr und Besteck, ausgestattet. Wer etwas anzubieten hat, den verwies Timler auf die Internetseite www.asyl-bc.de (Rubrik Sachspende). Die Seite bietet zudem einen Veranstaltungskalender und eine Raumverwaltung zur besseren überörtlichen Koordination.

© Schwäbische Zeitung - 29.09.2015

Die Ausflügler vor dem früheren Offizierskasino im „Alten Lager“. FOTO: PRIVAT

Evan­ge­li­sche Kan­to­rei er­kun­det Bio­sphä­ren­re­ser­vat

Jahresausflug führt auf die Schwäbische Alb - Stadtführung durch Münsingen

Biberach - Ziel des Jahresausflugs der evangelischen Kantorei ist das Biosphärenzentrum Schwäbische Alb bei Münsingen sowie die Stadt Münsingen gewesen. Bei idealem Wanderwetter erlebten die Sänger einen erlebnisreichen Tag.

Beeindruckt zeigten sich die Ausflügler von einer Führung durch das "Alte Lager" des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen. Seit 1996 steht es unter Denkmalschutz. Besonders beeindruckte die 1897 fertiggestellte ehemalige "Offiziersspeiseanstalt", die heute für Veranstaltungen genutzt wird. Die Wanderung zum ehemaligen Dorf Gruorn führte durch unberührte Natur. Das Dorf Gruorn wurde 1939 zur Erweiterung des Truppenübungsplatzes geräumt und die Bewohner umgesiedelt. Die gute Akustik der Kirche konnte der Chor bei einem spontanen Auftritt genießen.

Die Stadt Münsingen war das nächste Ziel. Viele alte Fachwerkhäuser prägen das Stadtbild, dazu gehört auch das Alte Schloss von 1485, das heute das Museum beherbergt. Dies und vieles mehr erfuhr die Gruppe bei einer Stadtführung durch Münsingen. Dass die Stadt auch gastronomisch einiges zu bieten hat, konnte die Gruppe bei einer Einkehr feststellen.

© Schwäbische Zeitung - 25.09.2015

Rüdiger Böhm (l.), Vorstand des diakonischen Trägers Mariaberg, und Dekan Hellger Koepff von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde

Bon­hoef­fer­ge­mein­de fei­ert Zwi­schen­stopp beim gro­ßen Bau­vor­ha­ben

Richtfest für das neue Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung und das umgebaute Gemeindezentrum

Biberach -
Die evangelische Gesamtkirchengemeinde und der diakonische Träger Mariaberg haben am Mittwoch das Richtfest der neuen Gebäude des Bonhoefferhauses gefeiert. Auf dem Gelände am Köhlesrain 10 realisieren Kirchengemeinde und Mariaberg ein Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung. Außerdem werden die Räume des Gemeindezentrums und das dortige Pfarrhaus saniert und umgebaut.

Das Angebot des inklusiven Unterstützungszentrums für behinderte Menschen umfasst stationäres Wohnen für 14 Personen, einen Platz für Kurzzeitunterbringung und neun Plätze für ambulant betreutes Wohnen. Alle Bauvorhaben sollen im Oktober 2016 fertiggestellt sein.

Das Bauvorhaben kostet rund 2,7 Millionen Euro und wird mit 94 000 Euro vom Land, vom Kommunalverband für Jugend und Soziales mit circa 594 000 Euro und mit Fördergeldern über 214 000 Euro von Aktion Mensch unterstützt. Der Rest wird mit Eigenmitteln von Mariaberg finanziert. "Die Verlagerung von stationären Wohnplätzen hinein in die Gemeinden", sei das erklärte Ziel von Mariaberg, heißt es in der Presseinformation. Seit 2006 bemühe sich der diakonische Träger, mehr stationäre und ambulant betreute Wohnplätze in den Regionen aufzubauen. Damit solle Menschen mit Behinderung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtert werden.

Erfreulich sei, dass die Kosten der bisher ausgeschriebenen Gewerke innerhalb des Plans geblieben seien, sagte Rüdiger Böhm, Vorstand von Mariaberg, "das war quasi eine Punktlandung". Die Handwerker hätten schneller gearbeitet, als es der Zeitplan vorgesehen habe. "Dadurch konnten wir das zweite Ausschreibungspaket vorziehen und hoffen, dass der Außenputz vor dem Wintereinbruch fertiggestellt werden kann."

Vorfreude auf Erntedank 2016

"Richtfest ist zwischen dem Spatenstich und der Einweihung ein Zwischenstopp", befand Hellger Koepff, Dekan der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Biberach, bei seiner Ansprache. Auch für die Kirchengemeinde sei das Richtfest ein Zwischenstopp. Wegen der Baumaßnahmen waren die gewohnten Räume nicht nutzbar "und für die Gemeindearbeit und die Abhaltung der Gottesdienste war die katholische Schwestergemeinde Dreifaltigkeit ein großzügiger Gastgeber", was die rund 80 Gäste mit Beifall unterstrichen. "Wir freuen uns auf das Erntedankfest 2016, an dem wir die Ernte aller Bemühungen für den Bau einfahren können", so Dekan Koepff. Während ein Kran eine große mit gelben Bändern geschmückte Reisigkrone in die Höhe hob, verkündete Daniel König von der Firma Grüner und Mühlschlegel auf dem Dach des Gebäudes in Versform den Richtspruch.

Für alle Interessierten bietet Mariaberg jeweils am ersten Freitag im Monat von 13 bis 16 Uhr Informationssprechstunden im Medizinischen Versorgungszentrum in Biberach, Berliner Platz 5, an. Voranmeldung unter Telefon 07124/923-244 (Anita Käppeler) oder 07124/923-326 (Katrin Lauhoff). Die nächsten Termine: Freitag, 2. Oktober, Freitag, 6. November und Freitag, 4. Dezember.

© Schwäbische Zeitung - 21.09.2015

Zeichen der Ökumene: Pfarrer Uwe Grau (rechts) heißt seine neuen evangelischen Kollegen willkommen – und lädt Anne und Theo Mielitz gleich zum Abendessen ein. SZ-FOTO: ALEXANDER TREMP

Brot und Salz und herz­li­che Wor­te

Riedlingen heißt Anne und Theo Mielitz als neue evangelische Pfarrer willkommen

Riedlingen -
Die evangelische Kirchengemeinde Riedlingen hat am Sonntag in einem Investiturgottesdienst die Einsetzung des Pfarrerspaars Anne und Theo Mielitz gefeiert. Nach dem Gottesdienst gab es zahlreiche Glückwünsche von Vertretern der Kommunen, von Dekan, Schule, Kirchengemeinderat, Nachbargemeinde und von katholischer Seite.

Es sei ein Zeichen der Freude und der Neugier, dass so viele gekommen seien, um die Investitur zu feiern, sagte Kirchenpfleger Matthias Reichelt im Johannes-Zwick-Haus. Er zeigte sich erstaunt, dass auch viele Rektoren der hiesigen Schulen vertreten waren.

Dekan Hellger Koepff aus Biberach überreichte dem neuen Pfarrersehepaar die offizielle Einsetzungsurkunde. Er bedankte sich bei Hans-Martin Rieger und Gudrun Berner für die Überbrückung der Vakanz. Koepff zeigte sich außerdem zuversichtlich, was eine mögliche Besetzung der offenen Stelle in der Gemeinde Ertingen-Dürmentingen im kommenden Frühjahr angeht.

Freude über den Empfang

Anne und Theo Mielitz hatten sich zuvor im Investiturgottesdienst vorgestellt. Das Ehepaar, das zuletzt in Heidenheim tätig war, hat drei erwachsene Kinder. Die beiden Töchter sind derzeit wegen Studium und FSJ im Ausland, während ihr Sohn in Augsburg studiert. Mit ihrer alten Gemeinde verbinden sie viele Erinnerungen. Sei es der Bau des Gemeindezentrums oder der Abschiedsblumenstrauß. Mitgebracht haben die beiden eine perlensuchende Puppe und symbolisch einen leeren Korb. Dieser sei eigentlich schon gar nicht mehr leer, wie Anne Mielitz betonte. Man sei nämlich bereits sehr freundlich willkommen geheißen worden.

Paul Lenz überbrachte dem neuen Pfarrersehepaar als Vorsitzender des Kirchengemeinderats seine Glückwünsche. "Etwas Besseres konnte uns nicht passieren", sagte er. Man habe bereits mit einem Pfarrerpaar gute Erfahrungen gemacht und gute Impulse empfangen. Zudem sei die Geschäftsleitung mit Anne Wielitz nun erstmalig in Frauenhand. Rückblickend auf die Vakanz sagte er, dass diese die Gemeinden zusammengeschweißt habe.

Markus Schafft reflektierte in seiner Ansprache über das Wort "Gastfreundschaft" und ging dabei auch auf die aktuelle Flüchtlingsthematik ein. Als Rückschritt bezeichnete er die Hakenkreuze am Flüchtlingsheim. Im Griechischen könne das Wort "Gast" sowohl "Freund" als auch "Feind" bedeuten. Das Überwinden von Abgrenzung sei eine kulturelle Errungenschaft. Gastfreundschaft habe nach dem Zweiten Weltkrieg Tradition. Schafft verwies an dieser Stelle auf Klinge und Eichenau. Integration sei keine Einzelleistung, sondern es brauche stets gesellschaftlichen Konsens.

Gastfreundschaft signalisierte auch der katholische Pfarrer Uwe Grau, der seinen evangelischen Kollegen Brot und Salz überreichte, verbunden mit einer Einladung zum Abendessen. Mit Brot und Wein setzte er außerdem ein Zeichen der Ökumene.

Theo Mielitz wird neben seinem Dienst in der Gemeinde auch als Lehrer tätig sein. Marcus Bichler, Rektor der Josef-Christian-Gemeinschaftssschule, brachte ebenfalls seine Freude zum Ausdruck. Mielitz könne dort als Pfarrer wertvolle Arbeit leisten, nicht nur im Unterricht, sonder auch in Gesprächen, die sich mit Schülern in den Pausen ergeben.

Pfarrerin Gudrun Berner, die vor einigen Wochen in der Gemeinde Pflummern/Heiligkreuztal eingesetzt worden war, gratulierte ebenfalls dem Pfarrersehepaar. Sie bedankte sich außerdem für die gute Aufnahme, die sie selbst erfahren habe.

© Schwäbische Zeitung - 19.09.2015

Pfarrerin Andrea Luiking und der Künstler Thomas Spielmann eröffneten die Ausstellung "Facietten".

Pfarrerin Andrea Luiking und der Künstler Thomas Spielmann eröffneten die Ausstellung "Facietten". Charakteristisch für die gezeigten Werke ist die bewusste Unschärfe der gezeigten Porträtbilder. sz-foto: Elisabeth Grimm

So lan­ge be­ar­bei­tet, "bis das Foto Wär­me hat"
In der Versöhnungskirche in Ummendorf ist die Ausstellung "Facietten" von Thomas Spielmann zu sehen

Von Elisabeth Grimm

Ummendorf - In der evangelischen Versöhnungskirche in Ummendorf ist mit einem Gottesdienst unter dem Motto "Kein Bildnis machen - Von Lieblosigkeit und Zärtlichkeit im Bild" und einer anschließenden Vernissage die Ausstellung "Facietten" von Thomas Spielmann eröffnet worden. Sie ist freitags, samstags und sonntags sowie auf Anfrage geöffnet.

Pfarrerin Andrea Luiking erläuterte in der Einführung, dass die Porträtbilder von Thomas Spielmann ein Beitrag zum Themenjahr "Reformation - Bild und Bibel" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) seien und diese die Gottesdienste einige Wochen begleiten werden.

Bei dem Titel "Facietten", sagte Spielmann, handle es sich um ein Kunstwort, gebildet aus dem französischen "la face" (Gesicht) und einem Begriff aus dem Edelsteinschliff. Ein Gesicht sei jeden Augenblick in jede mögliche Richtung wahrnehmbar, ähnlich einem geschliffenen Edelstein. Dass er seine Bilder in einer Kirche ausstellen dürfe, sei für ihn beglückend.

Der aus Ravensburg stammende, heute in Berlin lebende Künstler Thomas Spielmann arbeitet mit Fotografie und Malerei. Die Bilder werden mit einer Lackschicht überzogen, nachkoloriert, geschliffen und so lange bearbeitet, "bis das Foto Wärme hat".

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde der Künstler unter anderem gefragt, ob es sich bei den Darstellungen um reale Personen handle. Es seien reale Personen gewesen, antwortete Spielmann, jedoch seien die Personen in der Realität so nicht; vielmehr hätten sie Spuren hinterlassen und würden jetzt in einem Konstrukt weiterleben. Er habe Gesichter gewählt, die ihn ansprachen, und Momente, die er als schön empfand.

Charakteristisch für die gezeigten Werke ist das Stilmittel der bewussten Unschärfe. Ein Bild sei trotz Unschärfe - oder gerade wegen der Unschärfe - ausdrucksstark.

Mit der musikalischen Untermalung von Richie Golz hatten am Ende der Vernissage die Besucher die Möglichkeit, die 22 Bilder, die Unikate sind, näher zu betrachten, auf sich wirken zu lassen und eigene Gedanken dazu wahrzunehmen.

Zu sehen ist die Ausstellung "Facietten" von Thomas Spielmann bis 11. Oktober in der evangelischen Versöhnungskirche, Riedweg 12 in Ummendorf. Geöffnet freitags 14 bis 17 Uhr, samstags 12 bis 17 Uhr sowie sonntags 11.30 bis 13 Uhr, außerdem nach Absprache unter Telefon 07351/21617.

© Schwäbische Zeitung - 19.09.2015

Pfarrerin Stefanie Zerfaß

Ste­fa­nie Zer­faß be­ginnt als Pfar­re­rin

Ein Teil Bad Saulgaus und Herbertingen fallen in ihren Zuständigkeitsbereich


Bad Saulgau/Herbertingen - Die evangelische Kirchengemeinde Bad Saulgau hat derzeit Grund zur Freude: Nach mehrjähriger Vakanz konnte die Kirchengemeinde die zweite Pfarrstelle mit Pfarrerin Stefanie Zerfaß neu besetzen. Sie verstärkt das Team um Pfarrer Paul Bräuchle. Morgen stellt sich die neue Pfarrerin ihrer Gemeinde im Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche in Bad Saulgau vor. In Herbertingen hielt sie bereits den Gottesdienst beim Waldfest. "Ich freue mich auf neue Begegnungen in Bad Saulgau", sagt sie im SZ-Gespräch zwischen den beiden Terminen.

Drei Jahre lang leistete Stefanie Zerfaß das Vikariat in Tuttlingen ab. Nach diesem erfolgreich abgeschlossenen Ausbildungsabschnitt in der evangelischen Kirche tritt sie nun ihren Dienst in Bad Saulgau als Pfarrerin zur Anstellung an. "In dieser Phase kann man sich noch nicht bewerben, man wird geschickt", erklärt die 33-Jährige. Immerhin konnte sie sich zwischen zwei Pfarrstellen entscheiden. Ihre Wahl bereut sie nicht. "Ich finde, Bad Saulgau ist ein schönes kleines Städtchen. Vieles ist zu Fuß zu erreichen."

Ein Pfarrer bringt Wende


Die neue Pfarrerin stammt aus St. Johann auf der Schwäbischen Alb, das Gymnasium besuchte sie in Bad Urach. Sie wuchs in einem christlichen Elternhaus auf. Der Vater ist Landmaschinenmechaniker, die Mutter Hausfrau. Ihre Erfahrungen mit der Kirche als Kind waren differenziert. "Kinderkirche fand ich immer super", erinnert sie sich. Beim Gottesdienst der Erwachsenen hielt sich die Begeisterung dagegen in Grenzen. Ein neuer Pfarrer brachte die Wende. "Er war witzig und zugleich würdevoll", sagt Stefanie Zerfaß. Sie studierte Theologie, nahm Deutsch aber als zweites Fach dazu und wollte Gymnasiallehrerin werden.

Begegnungen mit Menschen im Studienhaus in Tübingen brachten die Wende. Stefanie Zerfaß wollte dann doch Pfarrerin werden. Sie nennt den Grund für ihre Entscheidung: "Ich möchte teilnehmen am Leben der Menschen mit allen Höhen und Tiefen und habe dabei Gott im Gepäck."

Seelsorge und das Gestalten von Gottesdiensten ist ihr ein großes Anliegen. Sie betreut die evangelischen Christen in einem Teil der Kernstadt und in Herbertingen.

In ihrer Freizeit liest die neue Pfarrerin gern. Sie liebt Kunst, schöne Parks, die Oper, Schlösser und Museen. Sie ist begeistert von Wien, liebt aber auch von Basel. In diesen Städten hat sie studiert. Basel hat noch eine ganz besondere Bedeutung. Ihr Verlobter lebt dort. Verbunden ist das Paar durch den Beruf: Auch er ist Pfarrer.

Die neue evangelische Pfarrerin Stefanie Zerfaß stellt sich morgen, Sonntag, um 10 Uhr im Gottesdienst in der Christuskirche in Bad Saulgau vor.

© Schwäbische Zeitung - 17.09.2015

Mitglieder des Arbeitskreis Flüchtlingsarbeit

Dieser Arbeitskreis sorgt unter anderem dafür, dass die Flüchtlingsarbeit der Caritas und Diakonie im Kreis Biberach so gut funktioniert, wie es momentan der Fall ist (v. l.): Pater Alfred Tönnis, Jürgen Kraft, Andreas Gratz, Pfarrer Matthias Ströhle, Lucia Braß und Angelika Eyrich. SZ-Foto: Tanja Bosch

Öku­me­ni­sche Flücht­lings­ar­beit im Kreis funk­tio­niert
Die Homepage www.asyl-bc.de kommt gut an und informiert ausführlich - Keine Sachspenden benötigt
 
Von Tanja Bosch 17. September 2015

Momentan leben insgesamt 1419 Flüchtlinge im Landkreis Biberach. Davon sind 919 Menschen in diesem Jahr aufgenommen worden. Bis zum Jahresende werden noch zusätzlich rund 1200 Flüchtlinge erwartet. Um diese Menschen willkommen zu heißen, unterzubringen und zu integrieren, ist viel Zusammenarbeit und Unterstützung nötig.

Die ökumenische Flüchtlingsarbeit der Caritas und Diakonie im Landkreis Biberach leistet dafür eine wichtige Arbeit. Die Verantwortlichen sind Ansprechpartner für die Menschen, die sich im Kreis gerne ehrenamtlich engagieren möchten. Und davon gibt es einige. "Wir haben extrem viele Anfragen von Menschen, die helfen wollen", sagt Pfarrer Matthias Ströhle. "Die Solidarität im Kreis ist sehr hoch, dafür sind wir dankbar und nur so können wir das alles meistern."

Ein Auftrag für die Gesellschaft

Um Gemeinschaft geht es auch bei der ökumenischen Flüchtlingsarbeit: "Wir haben uns im März zusammengeschlossen, um verstärkt zusammenzuarbeiten und von unseren Netzwerken zu profitieren", sagt Ströhle. Dabei stehe die kirchliche Ausrichtung nicht im Vordergrund: "Es ist ein Auftrag für uns alle und unsere Gesellschaft."

Am Projekt sind neben dem evangelischen Pfarrer Matthias Ströhle, Andreas Gratz von der Caritas und dem Freundeskreis Asyl, Lucia Braß von der Caritas, Angelika Eyrich von der Diakonie-Flüchtlingshilfe und der katholische Pfarrer Pater Alfred Tönnis beteiligt. Eine enge Zusammenarbeit besteht auch mit Jürgen Kraft vom Landratsamt, der das Sachgebiet Flüchtlinge im Kreissozialamt leitet. Er schätzt das Engagement der ökumenischen Flüchtlingsarbeit: "Im Landratsamt rufen so viele Menschen an und wollen helfen. Es ist wichtig, dass es eine Stelle gibt, an die sie sich wenden können", sagt Kraft. "Wir sind sehr froh, dass es im Kreis so viele Ehrenamtliche gibt. Bei uns läuft alles sehr gut, wir haben keine Polizeieinsätze und schaffen es auch, die Menschen, die zu uns kommen, zu integrieren."

Hier kommt dann die Flüchtlingsarbeit ins Spiel: "Wir arbeiten mit den Multiplikatoren und nicht direkt mit den Flüchtlingen", sagt Pfarrer Ströhle. "Zu uns kommen die Menschen, die helfen wollen. Wir sorgen dann dafür, dass die Ehrenamtlichen gut arbeiten können." Jeder könne das anbieten, was er am liebsten macht oder besonders gut kann. Gesucht sind unter anderem Menschen, die Kinder und Eltern beim Kindergarten- oder Schulbesuch begleiten, Hausaufgabenbetreuung, Sprachangebote, Hilfestellung beim Übersetzen, bei Behördengängen oder Arztbesuchen. Ganz wichtig ist auch das Thema Wohnungssuche. Wie geht es nach der Zeit in einer Gemeinschaftsunterkunft weiter, oder wie können Flüchtlinge Fuß auf dem Arbeitsmarkt fassen? Es werden auch Paten für die Flüchtlinge gesucht. Die Möglichkeiten, Hilfe anzubieten, sind auf jeden Fall groß.

Bei der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner oder der passenden Tätigkeit hilft die Internetseite www.asyl-bc.de. "Da steht eigentlich alles Wichtige", sagt Lucia Braß von der Caritas-Flüchtlingsarbeit. "Wir bekommen auch aus anderen Landkreisen viel positive Rückmeldung, die schauen sich das jetzt ab."

Weitere Infos gibt es bei Andreas Gratz unter Telefon 07351/5005134
oder bei Pfarrer Matthias Ströhle unter Telefon 08395/9369380


Es sol­len kei­ne Sach­spen­den in der Blei­cher­sta­ße ab­ge­ge­ben wer­den


Weil die Hilfsbereitschaft momentan sehr groß ist, kam es in den vergangenen Wochen vermehrt vor, dass Menschen Sachspenden direkt vor der Gemeinschaftsunterkunft in der Bleicherstraße in Biberach abgeliefert haben. "Bei uns geht es aber nicht zu wie am Münchner Hauptbahnhof", sagt Andreas Gratz. "Die Flüchtlinge haben hier alles, was sie brauchen, die Gemeinschaftsunterkünfte sind voll ausgestattet genauso wie die Container." Auch Kleidersäcke sollten am besten bei den Sozialläden wie im Diakonielädele (Wielandstraße 22) oder im "Trag's weiter" (Bürgerturmstraße 3/5) abgegeben werden. "Es sollen schließlich nicht nur Flüchtlinge zum Zug kommen, sondern auch alle anderen bedürftigen Menschen bei uns", sagt Gratz.

Auf der Internetseite www.asyl-bc.de gibt es außerdem unter dem Stichwort "Sachspenden" Gesuche und Angebote aus dem ganzen Landkreis.

© Schwäbische Zeitung - 11.09.15

Gerade junge Leute kommunizieren lieber übers Internet als übers Telefon. FOTO: OLIVER BERG/DPA

Te­le­fon­seel­sor­ge hilft auch per E-Mail und Chat

Die Nachfrage wird in der Region immer größer - Angebot besteht seit acht Jahren

Ravensburg -
"Mir über eine E-Mail Hilfe zu suchen, ist für mich ein großer Schritt. Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll …" So oder ähnlich beginnen seit 20 Jahren Mails an die Onlineberatung der Telefonseelsorge Deutschland. Das Jubiläum wird am 26. September in Stuttgart gefeiert. In der Telefonseelsorge Oberschwaben-Allgäu-Bodensee mit Sitz in Ravensburg wird die Mailberatung seit acht Jahren angeboten

Eine schriftliche Beratung durch die Telefon-Seelsorge - das klingt zunächst paradox. Doch die Praxis zeigt, dass die Beratungsangebote über Telefon, Chat und Mail nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sagen die Verantwortlichen.

Die Online-Beratung bietet für manche Ratsuchenden Vorteile: Die Schwelle, etwas zu schreiben statt darüber zu reden, ist niedrig; Probleme können zu jeder Tages- und Nachtzeit übermittelt werden. Niederzuschreiben, welche Probleme man hat, hilft nicht selten, die eigene Situation besser zu verstehen. Dass alle, die Rat suchen, anonym bleiben, ist so selbstverständlich wie bei einem Anruf.
Die Nachfrage in diesem Bereich ist hoch: 2014 haben 6011 Ratsuchende in Deutschland 25 569 Mails an die Telefonseelsorge geschickt. Männer und Frauen, die sich per E-Mail beraten lassen wollen, müssen in der Regel 48 Stunden Wartezeit in Kauf nehmen.

In Ravensburg wird die Mailberatung inzwischen seit acht Jahren angeboten. Auch hier kann das Angebot mit der Nachfrage nicht mehr mithalten. "Wenn der Kontakt einmal hergestellt ist, beraten und begleiten wir die Ratsuchenden dann oft lange und intensiv", berichtet Regina Raaf, die psychologische Fachkraft der Telefonseelsorge in Ravensburg.

Die Chatberatung gibt es in Ravensburg seit sechs Jahren: Ratsuchende melden sich hier für ein bestimmtes Zeitfenster und bekommen dann einen Berater zugeteilt. Mit ihm unterhalten sie sich in dieser Zeit schriftlich: geschützt, einmalig und zeitlich begrenzt. Häufige Themen sind dabei Gewalt, Ängste und die Selbstverletzung.
Thema Selbsttötung

Gerade im Chat schreiben Ratsuchende offen darüber, dass sie gefährdet sind, sich selbst zu töten. Die Ratsuchenden fühlen sich hier sicher, mit dem Tabuthema nach außen zu gehen. Regina Raaf erwartet, dass die Online-Beratung per Mail und Chat künftig in Ravensburg stärker nachgefragt wird: Nicht nur junge, sondern auch ältere Menschen seien inzwischen häufiger online unterwegs. Sie ist überzeugt: "Wer in einer Krisensituation ist, nutzt die Medien, die er auch sonst verwendet."

Mit rund 85 Mitarbeitern ist die Telefonseelsorge Oberschwaben-Allgäu-Bodensee eine Einrichtung der beiden großen Kirchen mit Sitz in Ravensburg. Sie ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 kostenfrei rund um die Uhr zu erreichen. Seelsorge per E-Mail oder Chat über

© Schwäbische Zeitung - 11.09.15

Die Theatergruppe der Kinderkirchenwoche: (hinten v.l.) Gitarrist Thomas Bollinger und Elvira Schlichting, (hinten v.r.) Pfarrer Georg Maile und Anuschka Kiess und die teilnehmenden Kinder. SZ-FOTO: JOSEF ASSFALG

Kin­der füh­ren bi­bli­sche Ge­schich­te auf

Teilnehmer der Kinderkirchenwoche spielen beim Familiengottesdienst am Sonntag

Bad Schussenried - Sie haben hart geprobt, am Sonntag gibt es das Ergebnis zu sehen: Bei der Kinderkirchenwoche der evangelischen Christuskirche in Bad Schussenried haben die Teilnehmer die biblische Geschichte von "David und Goliat" als Theaterstück einstudiert. Die Hauptaufführung ist beim Familiengottesdienst am Sonntag, 13. September um 11 Uhr.

Es ist 9.30 Uhr, Mittwochmittag. Mit einer großen Glocke an der Hand läutet Pfarrer Georg Maile auf dem Vorplatz der Kirche zum Morgensegen ein. Die meisten Kinder sind schon vorher da und basteln an verschiedenen Tischen oder spielen an einem Tischkicker. "Es steht null zu null", verkünden zwei Buben beim Tischfußball, auf die Frage von Pfarrer Maile nach dem Torergebnis. Nach dem Morgensegen mit Gebeten und Liedern beginnt die Generalprobe für "David und Goliat". Thomas Bollinger begleitete bei den Liedern an der Gitarre. Aufmerksam verfolgen 75 Kinder und ihre Betreuer die gespielte Bibelgeschichte der Philister gegen die Juden.

Elvira Schlichting hat die Bibelstelle von "David und Goliat" ausgesucht und das Theaterstück kindgerecht aufbereitet. Schlichting hilft seit vielen Jahren von katholischer Seite bei der Kinderkirchenwoche mit und wählt in Absprache mit den Organisatoren das Thema der Woche aus. Die zehnjährige Lisa Härle spielt beim Theaterstück den Goliat und das habe ihr Spaß gemacht. "Wenn so viele Leute da sind, denke ich einfach, die sind gar nicht da, dann bin ich auch nicht nervös", sagt Lisa lächelnd. Saida Nipvite wirkt als Soldat bei den Philistern mit. Sie seien eher zufällig dazugekommen, resümiert die aus der Mongolei stammende Mutter Soyolmaa und "es ist sehr interessant".

Es sei für die Kinder ein Highlight, in der letzten Ferienwoche Gemeinschaft zu erleben und kreativ zu sein, so Georg Maile. "Mit drei Jägern als Waldpädagogen waren wir zum Beispiel im Wald und heute Abend gibt es eine 'gruselige Nachtwanderung'", danach dürfen die Kinder in der Kirche übernachten. Das seien zum Teil Dinge, die man mit den Eltern zu Hause nicht mache. Und: Das werde von den Eltern und Kindern gut angenommen. "Die Dankbarkeit drückt sich dann im Lachen und in der Freude der Kinder aus", freute sich Maile.

Es sind Kinder jeder Religion dabei, auch Muslime, so Organisatorin Anuschka Kiess. "Es wird nicht gefragt 'woher kommst du', die Veranstaltung ist offen und jeder ist willkommen." Mit der Jakob-Emele-Realschule bestehe eine Kooperation. Im Rahmen des "Top SE"-Programms (Top Soziales Engagement) machten sechs Mädchen der Realschule ihr Praktikum. So haben Selma und Corinna als Praktikanten bei der Einübung des Theaterstücks mitgewirkt. Der Umgang mit den Kindern und die Erklärungen, wie sie sich hinstellen oder das Mikrofon halten sollen, "hat uns bei den Proben Spaß gemacht", bekennen die beiden. "Wir waren sozusagen die Regie", sagte Selma lachend.

© Schwäbische Zeitung - 10.09.15

St. Johannes ist Teil des musikalischen Rundgangs. FOTO: MULTER

In ei­ner Nacht geht die Ton­kunst auf Wan­der­schaft

Festival startet am 25. September - Nacht der Kirchen, Klavierabend, Kammerkonzert und JPO

Bad Saulgau - Mit musikalischen Leckerbissen wartet das diesjährige Tonkunst-Festival in Bad Saulgau auf. Erstmals wird es in der Nacht der Kirchen an einem Tonkunst-Abend drei Konzerte in drei Kirchenräumen in Bad Saulgau geben.

Im Programmheft zur Tonkunst ist Alban Beikircher, der musikalische Leiter des Festivals, auf einem doppelseitigen Foto bei einer Probe mit der Jungen Philharmonie Oberschwaben (JPO) mit dem Trikot des italienischen Fußballers Andrea Pirlo abgebildet. "Er ist einer von den Fußballern, die nicht nur Fußballspieler, sondern auch Künstler sind", erklärt Beikircher die ungewöhnliche Kombination.
Dass Fußballer Künstler, aber auch Organisationstalente sein können, wird die diesjährige Tonkunst unter Beweis stellen. Bei der Nacht der Kirchen wird es erstmals an einem Abend drei Konzerte in drei verschiedenen Kirchen geben. Der Zuhörer wandert -falls alle drei Konzerte gebucht sind - von Kirche zu Kirche, von Konzert zu Konzert. Das Anliegen von Alban Beikircher: "Die Zuhörer können so die verschiedenen Kirchenräume wahrnehmen". Bei Literatur und Musik in der evangelischen Christuskirche haben Alban Beikircher und Claudia Boss, die Leiterin des Literatur-Cafés, Texte von Homer bis Rilke mit der Musik in harter Detailarbeit aufeinander abgestimmt. In der St. Johanneskirche wird es zu einem der wenigen gemeinsamen Konzerte von Mädchenkantorei und St.-Johannes-Chorknaben kommen. Noch weitgehend unentdeckt als Konzertraum ist die Liebfrauenkirche. Die Herausforderung ist ihre spätromantische Orgel. "Sie hat einen sehr schönen Klang, aber sie kann nicht viel", so Beikircher. Pavel Svoboda (Orgel und Cembalo) und Oliver Lakota (Trompete) hätten das Programm speziell auf diese Orgel abgestimmt.

Hochkarätige Musiker

Alban Beikircher selbst ist als Geiger angefragt worden, bei einem Konzert aus Anlass des 80. Geburtstags des Komponisten Ivan Eröd im kommenden Jahr mitzuwirken. Aus diesem Kontakt mit hochkarätigen Musikern wie der Sopranistin Anna Maria Pammer und Senka Brankovic entstand ein Konzert für die Tonkunst. Ivan Eröd ist einer der bedeutendsten österreichischen Komponisten. Von ihm sind zwei Stücke zu hören, der weitaus größte Teil des Konzerts widmen die drei Musiker jedoch den Klassikern. Ein farbiges Konzert, unter anderem mit der berühmtesten Sonate von Brahms und einem der schönsten Liederzyklen von Robert Schumann, verspricht Beikircher.
Seine Qualität ist den Freunden der Tonkunst schon bekannt: Der Pianist Bernd Glemser wird Werke von Mozart, Schubert und Chopin spielen. Ebenfalls schon eine Tradition ist das Konzert der JPO, dessen Leiter Alban Beikircher ist. Neben Mendelssohn Bartholdy, Wagner und Beethoven wird ein Werk des Komponisten Alexander Krampe uraufgeführt, eine Auftragsarbeit speziell für die JPO. In seinem Interview im Tonkunst-Programm hofft der Komponist, dass sein Werk "eine Atmosphäre besitzt" und es das Tonkunst-Publikum berührt. Nach dem Konzert der JPO wird man es wissen.

© Schwäbische Zeitung - 10.09.15

Roswitha Spiegelhalder, Petra Trunk und Brunhilde Raiser (v.l.) inmitten der vielen Preise für die Herbsttreff-Tombola. FOTO: JENNIFER KUHLMANN

Er­lö­se der Tom­bo­la sind für Aus­seg­nungs­hal­le be­stimmt

Beim Herbsttreff am Samstag können die Besucher beim Hospizverein Lose erwerben und Preise absahnen

Mengen - Ein Rundflug über Mengen, Gutscheine für die örtliche Gastronomie, Einkaufsgutscheine, Sonnenschirme, Koffer, Spiele, Sportartikel, Geschirr und sogar fünf Säcke Kartoffeln. Die Tombola, die die Mitglieder des Hospizvereins für den Herbsttreff am Samstag organisiert haben, hat viele schöne Preise zu bieten. Ein Euro wird ein Los kosten. Jedes zweite Los gewinnt.

Deshalb sollten alle immer schön zugreifen, wenn ihnen ein Eimer mit Losen unter die Nase gehalten wird, findet Brunhilde Raiser, Vorsitzende des Hospizvereins. "Wir wollen mit der Aktion nicht nur auf die Arbeit unseres Vereins aufmerksam machen, sondern vor allem auch das Thema Aussegnungshalle ins Bewusstsein der Bürger rücken", sagt sie. Der Hospizverein habe sich nicht nur bei der geplanten Neugestaltung des Mengener Friedhofs eingebracht (dazu gibt es am Samstag einen Infostand der Stadt), sondern er mache sich auch für eine neue Aussegnungshalle stark. "Wir kommen deshalb beim Herbsttreff mit diesem Thema, weil es eigentlich eins ist, dass alle etwas angeht", sagt Petra Trunk, Leiterin der Pflegeheime der St. Anna Hilfe in Mengen, Hohentengen und Scheer. Viele hätten mit der unpersönlichen, kalten Aussegnungshalle negative Erfahrungen gemacht. Nach der nötigen Sanierung soll die Halle einladend und bergend wirken und auch eine Überdachung nach draußen hin bieten. Der Hospizverein wird auch hier in die Planungen involviert und steht in Kontakt mit der Stadtverwaltung.

800 Preise kommen zusammen

"Unsere Idee war, für eine Anschubfinanzierung zu sorgen und am Ende vielleicht die Kosten für die Bestuhlung oder Ähnliches zu übernehmen", erklärt Raiser. Durch Einzelspenden und Bewirtungsaktionen seien schon mehr als 3000 Euro zusammen gekommen. Die Erlöse der Tombola sollen ebenfalls für diesen zweck bestimmt sein.

Positiv überrascht sind die etwa zehn Organisatoren der Tombola von der starken Rückmeldung der Mitglieder des Gewerbevereins. "Auf unsere Anfrage nach Sachspenden für die Tombola haben sich wirklich viele Unternehmen und Geschäftsleute gemeldet, die sofort Unterstützung zugesagt haben", freut sich Raiser. 800 Preise seien auf diesem Weg zusammen gekommen.

Gewinner sollten ihre Preise noch während des Herbsttreffs am Stand des Hospizvereins abholen.

Wer die Neugestaltung der Aussegnungshalle mit einer Spende unterstützen will, kann sie auf das Konto des Hospizvereins mit der Iban DE69 6509 3020 0413 6460 09 überweisen.

© Schwäbische Zeitung - 10.09.15

In ihrem Element: Seit 2013 dirigiert Sarah Locher den Wainer Kirchenchor, den zuvor ihr Vater Gerhard Schließer jahrzehntelang geleitet hat. FOTO: ROLAND RAY

Pro­jekt­chor in Wain führt im April 2016 eine Mes­se auf

Chorleiterin Sarah Locher freut sich über weitere Sängerinnen und Sänger - Am Dienstag beginnen die Proben

Wain - Die Evangelische Kirchengemeinde Wain lädt zum Mitsingen in einem Projektchor ein. Die Leiterin des Kirchenchors, Sarah Locher, hat eine zeitgenössische Messe von Michael Schütz ausgewählt, die es einzuüben gilt. Das Werk soll am 24. April 2016 in der Michaelskirche aufgeführt werden. Probenbeginn ist am Dienstag, 15. September, um 20.15 Uhr im evangelischen Gemeindehaus.

Rund 40 Frauen und Männer singen im Wainer Kirchenchor, dessen Leitung Sarah Locher 2013 von ihrem Vater Gerhard Schließer übernommen hat. Die 34-jährige Grundschullehrerin hat an der Pädagogischen Hochschule Weingarten Musik studiert. Jetzt möchte sie ihr erstes Konzert mit dem Wainer Chor bestreiten und ihn für die Schütz-Messe gern zu einem Projektchor erweitern.

Jeder, der Freude am Singen hat und mitmachen möchte, ist willkommen. Weitergehende Verpflichtungen seien damit nicht verbunden, betont Sarah Locher. Sollte der Eine oder Andere nach Abschluss des Projekts auch künftig mitsingen wollen, würde sie das natürlich freuen.

Beim jetzt anstehenden Chorprojekt arbeitet die Evangelische Kirchengemeinde Wain mit der Evangelischen Gemeinde in Dietenheim zusammen. Geprobt wird von kommender Woche an immer dienstags von 20.15 bis 21.45 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Wain, mit Ausnahme der Ferienzeiten.

Das Werk, um das es geht, trägt den Titel "Messe 2012". Michael Schütz, Jahrgang 1963, hat sie 2012 geschrieben. Er ist Kirchenmusiker, Komponist und Hochschuldozent und widmet sich besonders der Verbindung von traditionellen Musik-stilen mit Popularmusik. Von 1998 bis 2014 war er Dozent für Popularmusik an der Hochschule für Kirchenmusik Tübingen, seit 2010 ist er Kantor an der Trinitatiskirche Berlin und lehrt Popularmusik an der Universität der Künste Berlin. Er gibt Klavierkonzerte und war Begleitmusiker für international bekannte Künstler wie Jennifer Rush, Klaus Doldinger's Passport, The Temptations und Xavier Naidoo.

Aufführungstermin in Wain für die "Messe 2012" ist der Sonntag "Kantate" ("Singt!"), 24. April 2016. Vielleicht gibt es sogar noch ein zweites Mal: Die Kirchengemeinde Bad Klosterlausnitz in Thüringen feiert 2016 das 150-jährige Bestehen der Kirche und hat die Evangelischen Gemeinden Balzheim und Wain zum Mitfeiern eingeladen. "Wenn sich die Sänger und Sängerinnen des Projektchors im Herbst 2015 dazu entschließen, vom 29. April bis 1. Mai 2016 mit in die Partnergemeinde Bad Klosterlausnitz zu reisen, werden wir dort das Konzert ein zweites Mal aufführen", sagt der Wainer Pfarrer Ernst Eyrich.

 

 

Drei Fra­gen an Sa­rah Lo­cher: "Die Pro­ben­ar­beit soll Spaß ma­chen"

Frau Locher, warum haben Sie die "Messe 2012" von Michael Schütz für den Projektchor ausgesucht?

Locher: Es ist ein überschaubares, wohlklingendes Werk, das wir mit unseren Mittel recht gut umsetzen können, auch in der musikalischen Begleitung durch ein Streicher-Ensemble und eine Band. Wir sind ein Laienchor und die Probenarbeit soll ja Spaß machen, das ist das Wich-tigste.


In welchem Rahmen wird das Stück am 24. April 2016 aufgeführt?

Bei einer Abendmusik in der Michaelskirche in Wain. Die "Messe 2012" füllt allerdings keinen Konzertabend aus, die Aufführung dauert etwa eine halbe Stunde. Deshalb sollen bei diesem Konzert auch wieder ein Wainer Kinder- und ein Jugendprojektchor mitwirken. Mit beiden möchte ich ab Januar etwas für den 24. April einstudieren.

Würden Sie sich freuen, wenn es auch mit einer Aufführung in Bad Klosterlausnitz klappt?

Das wäre toll, erfordert aber einigen organisatorischen Aufwand. Jetzt müssen wir erst einmal schauen, ob die Mitglieder des Projektchors sich das vorstellen können. Was mir wichtig ist: Wer gegebenenfalls nicht nach Thüringen mitfahren kann oder will, ist trotzdem im Projektchor willkommen - das ist kein Ausschlusskriterium.

© Schwäbische Zeitung - 09.09.15

Marlis Glaser würdigte in ihrem Atelier für Bildende Künste in Attenweiler schon zum siebten Mal den Europäischen Tag der jüdischen Kultur. Dabeierläuterte sie auch ihre Werke. SZ-FOTOS: JUDITH EZEREX

Die Arme um die Welt le­gen

Beim Europäischen Tag der jüdischen Kultur in Attenweiler geht es ums Brückenbauen

Attenweiler -
Im Zeichen der Brückenbildung hat der Europäische Tag der jüdischen Kultur in Attenweiler gestanden. Im Atelier für Bildende Künste von Marlis Glaser gingen die Theologin Brunhilde Raiser und der Verleger Martin Dreyfus auf die Rolle deutschsprachiger Schriftsteller im vergangenen Jahrhundert ein.

Zur Inspiration dienen der Malerin Symbole jüdischer Feiertage und die Literatur, darunter besonders Texte von Else Lasker-Schüler. "Text und Sprache sind so anregend, da lässt sich viel interpretieren", sagte Marlis Glaser. Es lag für sie nahe, Martin Dreyfus aus Zürich als Redner einzuladen. Dreyfus, den die Künstlerin aus Attenweiler bei einem literarischen Spaziergang in Zürich kennenlernte, nennt eine einzigartige private Bibliothek sein eigen. Kerngebiet der Sammlung ist Exilliteratur der Jahre 1933 bis 1950. Die Zwischenkriegs- und Emigrantenliteratur bilde im Kern die Brücke zwischen Heimat und Fremde, so Glaser.

Dreyfus referierte über biblische Gestalten in der deutschsprachigen Prosa zwischen 1900 und 1945. Exemplarisch setzte er sich neben den bekanntesten Frauengestalten Ruth und Esther, die einige Dichterinnen wie Else Lasker-Schüler, Gertrud Kolmar und Nelly Sachs zu literarischer Darstellung bewogen hätten, mit den Gestalten Hiob, David und Josef auseinander. Biblische Gestalten hätten Gotthold Ephraim Lessing zum Stück "Nathan der Weise" angeregt, "Joseph und seine Brüder" habe Thomas Mann zu seiner Tetralogie inspiriert und Hiob finde sich im gleichnamigen Roman von Joseph Roth, so Dreyfus.

Auch Rainer Maria Rilke, ein Dichter des 20. Jahrhunderts, habe sich mit hauptsächlich männlichen Protagonisten der Bibel auseinandergesetzt, wogegen sich bei Bertolt Brecht kein Gedicht mit Bezug zu einer biblischen Gestalt finde, sagte der Verleger. Deutschsprachige Literatur sei auch viel im Exil geschrieben worden und hatte politischen Charakter. Stefan Heym habe in seinem Roman "Der König David Bericht" die damalige Gegenwart weitergeführt.

Brücken bauen und einreißen

Sie haben wunderbare Brücken geschlagen, würdigte Brunhilde Raiser, Theologin und Geschäftsführerin des Evangelischen Bildungswerks Oberschwaben, die Ausführungen von Martin Dreyfus. Brücken, die sie auch dem Religionsphilosophen und Schriftsteller Martin Buber zurechnet. In ihrer Einführung zum "Leben und Wirken von Martin Buber" sprach sie von Buber als Brückenbauer, der aber auch Brücken eingerissen habe, wenn sie sich nicht als tragfähig erwiesen hätten.

Schon 1930 habe Buber Juden und Christen gleichermaßen kritisiert, da sie sich auf ihre Gottesbilder versteifen, statt sich auf Gott zu konzentrieren, dann würden sich viele Gemeinsamkeiten finden. Nichts sei besser geeignet, dem Menschen das Angesicht Gottes zu verdecken, als eine Religion, hatte er 1965 gesagt. Die bleibende Ich-Du-Beziehung zu Gott sei ein wichtiger Aspekt seines Glaubensverständnisses. "Wir können nur mit Gott reden, wenn wir unsere Arme, so gut wir können, um die Welt legen."

"Gott sei in jedem Ding zu schauen und in jeder reinen Tat zu erkennen", zitierte die Theologin den 1965 verstorbenen Buber. Brunhilde Raiser sieht hier eine enge Verknüpfung zur heutigen Flüchtlingssituation. Nach einer Erzählung von Rabbi Mendel sollen die vielen Bedürftigen in Zeiten der Not nicht kleinere Brote bekommen, denn "die Brote hätten dem Hunger und nicht dem Geld gerecht zu sein". Somit reiche das Brückenbauen Bubers auch in unsere Zeit hinein.

Marlis Glaser erläuterte ihre Collagen und Porträts und die Werke ihres Sohnes Joshua Glaser, der Skulpturen aus Holz mit Bezug auf die biblische Geschichte gestaltet. Auch erlaubte Glaser einen Blick in ihr Atelier.

Bereichert hat die Veranstaltung Musiker Chaim Kapuja, Tübingen, der in den fremden Sprachen den Aspekt der Brücke als Verbindung auch unter Liebenden zum Ausdruck brachte.
Die Werke von Marlis und Joshua Glaser sind im Atelier für Bildende Künste in Attenweiler, Biberacher Str. 19, ausgestellt. Informationen: www.marlis-glaser.de, Kontakt: E-Mail kunst@marlis-glaser.de.

© Schwäbische Zeitung - 09.09.15

In Sicherheit auf dem Martinsberg: Auch im Kloster Weingarten werden Flüchtlinge betreut. ARCHIVFOTO: FELIX KÄSTLE

"Es ist Chris­ten­pflicht, für Flücht­lin­ge zu sor­gen"

Die Kirchengemeinden in Laupheim und dem Umland nehmen den Appell von Papst Franziskus ernst

Laupheim/Umland - Jede Pfarrgemeinde und jedes Kloster soll eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen, fordert Papst Franziskus. Die beiden Pfarrgemeinden des Vatikans werden seinen Angaben zufolge in den nächsten Tagen mit gutem Beispiel vorangehen und Familien beherbergen. Die SZ wollte wissen, wie man in Laupheim und den Umlandgemeinden mit dem Papstappell umgeht.

"Der Appell des Papstes wurde bereits vorweggenommen vom Bischof", sagt der Laupheimer Stadtpfarrer Alexander Hermann. "Aber beide Appelle gehen in die gleiche Richtung." Deshalb habe die Katholische Kirchengemeinde bereits Wohnraum für die Unterbringung von Hilfesuchenden zur Verfügung gestellt. "Wir haben eine große Wohnung in der Mittelstraße 32/1 dem Landratsamt angeboten", berichtet Pfarrer Hermann. "Dort ziehen neun Menschen ein, den Schlüssel haben sie schon." Zudem ist es dem katholischen Pfarrer wichtig, auch die persönliche Entwicklung der Menschen zu fördern. So seien bereits zwei junge Flüchtlinge im technischen Dienst der Gemeinde Sankt Petrus und Paulus tätig.
Pfarrer Hermann Müller von der Evangelischen Kirchengemeinde Laupheim empfindet Respekt für den Appell. "Der Papst packt die Kirche mit seinem eigenen Anspruch", sagt er. "Auch wenn die Hausaufgabe, die er jeder Gemeinde mitgibt, eine hohe Anforderung ist." In Müllers Gemeinde gibt es schon etliche ehrenamtliche Helfer, die sich engagieren. Dennoch könnte der Pfarrer sich vorstellen, die Hilfe auszuweiten und Flüchtlinge aufzunehmen. "Jemand aus der Gemeinde ist auch bereits auf mich zugekommen und hat gefragt, ob wir noch mehr machen könnten."

"Humanitäre Hilfsaktionen sind bei uns in der Gemeinde breit gefächert und viele Menschen sind in der Flüchtlingshilfe tätig ", berichtet Pastor Georg Schierling von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Laupheim. "Aber im privaten Zuhause jemanden aufzunehmen, ist schon etwas anderes und ein großer Schritt. Deshalb kann ich nicht für meine Gemeinde sprechen." Das müsse gemeinsam diskutiert werden. Dennoch sieht Schierling den Papstappell als Denkanstoß: "Man könnte innerhalb der Gemeinden zum Beispiel den Etat neu überdenken."


Schwester Oberin Hildegard Ossege vom Dreifaltigkeitskloster Laupheim sagt: "Wir sind offen für die Frage und haben in der Gemeinschaft bereits darüber diskutiert, welche Möglichkeiten es bei uns gibt." Man befinde sich im Entscheidungsprozess und prüfe, ob im Kloster die geeigneten Räumlichkeiten vorhanden wären. Froh sei sie, dass sich die Lage in Laupheim dadurch etwas entspannt habe, dass die GWO Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung stellen will (SZ berichtete). "Dennoch müssen wir abwarten, wie sich die Lage entwickelt", sagt Hildegard Ossege. "In der größten Not sind wir aber nicht abgeneigt und werden natürlich mittragen."

"Selbstverständlich ist es die Pflicht der Kirche und der Christen, für die Armen und Notleidenden zu sorgen", sagt der katholische Pfarrer Stefan Ziellenbach von der Seelsorgeeinheit Unteres Rottal. "Die Armen stehen uns momentan in Form von Hilfe suchenden Menschen vor Augen." Das Anliegen sei es, dass Kirchen und Kommunen in dieser Situation zusammenarbeiten. Konkret heißt dies, dass im Herbst eine ökumenische Initiative der Seelsorgeeinheit, also der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde, und den Kommunen Burgrieden und Ach-stetten starten wird. "Das Projekt ist schon seit mehreren Monaten in der Planung", sagt Stefan Ziellenbach. "Nähere Informationen dazu gibt es voraussichtlich im Oktober."


Sein Bruder Martin Ziellenbach, Pfarrer in der katholischen Seelsorgeeinheit Schwendi, kann es sich vorstellen, Flüchtlinge aufzunehmen. "Wir müssten natürlich erst schauen, wo etwas möglich wäre", sagt er. "Man müsste außerdem überlegen, wer sich kümmern könnte." Sicher ist sich der katholische Pfarrer, dass die Situation das Land und die Kirchen vor große Herausforderungen stellt. Bis jetzt sei die Hilfsbereitschaft immens, was er als wichtig und gut betrachtet. "Dennoch habe ich auch Angst davor, dass die Stimmung kippen könnte, wenn die Politik nichts tut", befürchtet Martin Ziellenbach. "Ich möchte zunächst auch von der bürgerlichen Gemeinde wissen, wie es vor Ort weiter geht."

Der indische Pfarrer Johnson Kalathinkal von der Katholischen Kirchengemeinde Mietingen möchte sich zu diesem Thema nicht äußern.
"Wir gestalten eine Willkommenskultur", sagt Pfarrer Andreas Kernen von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberholzheim. "Deshalb sind wir dabei, zwei Arbeitskreise zu gründen. Das bringt eventuell mehr, als einer einzigen Familie zu helfen." Ihm sei es wichtig, dass die Menschen integriert werden. Deshalb sieht es der Pfarrer als Pflicht der Gemeinden an, etwas zu unternehmen: "Wir sind dazu aufgerufen, dort zu helfen, wo es geht." Bei einem Informationsabend sollen die Arbeitskreise gegründet und die Aufgaben konkretisiert werden. Da sowohl Achstetten als auch Burgrieden Interesse signalisiert haben, sieht er die Chancen größer, sich gegenseitig auszuhelfen. Die Schwierigkeit liege allerdings darin, dass man zurzeit nicht wisse, wie viele Menschen insgesamt ankommen werden. "Wir müssen uns also darauf einstellen, dass sich die Situation noch ändern wird."
"Das ist eine tolle Sache vom Papst", sagt der evangelische Pfarrer Ernst Eyrich aus Wain. "Bei uns in der Gemeinde ist es auch schon Realität, denn seit Monaten lebt eine vierköpfige Familie in einem Haus in Wain." Demnächst sollen dort noch zwei weitere Angehörige einziehen. Ernst Eyrich findet es wichtig, dass das Haus, in das Flüchtlinge einziehen, sich innerhalb der Gemeinde befindet. "So sind die Menschen auch gleich optisch integriert", sagt er. "Im Gegenteil zu Containern, die sich vielleicht außerhalb befinden."

Roman Engelhart von der "Aktion Hoffnung" in Laupheim pflegt Kontakte zu jeder Gemeinde. Er habe somit einen diözesanen Blick auf den Papstappell, wie er sagt: "Ich verstehe den Appell als Aufforderung zu teilen. Wohlhabende Länder des Nordens teilen mit ärmeren Ländern im Süden. Das praktizieren wir seit 40 Jahren und unterstützen die Menschen vor Ort, also dort, wo sie leben. Meiner Meinung nach führt die extreme Differenz zwischen Reich und Arm zu der Völkerwanderung. Würden wir fair wirtschaften, gäbe es keine Flüchtlingsproblematik." Der Verein "Aktion Hoffnung" verfüge zwar über keinen Wohnraum, dennoch glaubt Engelhard, dass es noch viele leer stehende Gebäude - vor allem im ländlichen Raum - gibt, die man herrichten könnte. "Es gibt bestimmt etliche Möglichkeiten und viel Luft nach oben." Der Papst setze seinen Glauben um und lebe ihn. "Ich hoffe, dass er noch mehr Menschen dafür gewinnen kann", sagt Roman Engelhart. "Man möge über seinen Schatten springen und eine Familie beherbergen, denn das ist eine große Bereicherung."

© Schwäbische Zeitung - 09.09.15

Ta­fel­la­den: Geld­spen­den für Grund­nah­rungs­mit­tel

Riedlingen - Der ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführte Tafelladen Riedlingen hilft Menschen, die in Not geraten sind, durch Angebote an preisgünstigen Lebensmitteln. Lebensmittelgeschäfte und -produzenten aus Riedlingen und der Umgebung stellen dem Tafelladen regelmäßig Waren zur Verfügung, die kurz vor dem Verfall stehen. Was meist fehlt, sind die lebensnotwendigen Grundnahrungsmittel. Um diese im ausreichenden Umfang zur Verfügung zu haben, ist der Tafelladen auf die Unterstützung der Bürger durch Spenden angewiesen.

Von diesen Spendengeldern kauft die Kirchengemeinde dann benötigte Nahrungsmittel und übergibt diese dem Tafelladen zum Verkauf. Wer spendet, sollte darauf achten, dass als Verwendungszweck "Lebensmittel für Bedürftige" angegeben wird. Auf Wunsch erhalten Spender eine Spendenbescheinigung der Kirchengemeinde. Dazu sollte auf der Überweisung die vollständige Adresse angegeben werden. Das Tafelladenteam bittet darum, durch eine Spende zur Minderung der Not der Betroffenen beizutragen.

Geholfen werden kann durch eine Geldspende auf das Konto der Evangelischen Kirchengemeinde Riedlingen bei der KSK Riedlingen. IBAN: DE14 6545 0070 0000 4072 63. BIC: SBCRDE66XXX.

© Schwäbische Zeitung - 07.09.15

Hölzle-Leiterin Nadine Ruf verteilt kleine Erinnerungsgeschenke an die Flüchtlingskinder aus der Bleicherstraße, die an der Ferienfreizeit teilgenommen haben. FOTO: MATTHIAS STRÖHLE

Ein­fach Kind sein un­ter an­de­ren Kin­dern

Elf Flüchtlingskinder aus Biberach haben am Ferienwaldheim Hölzle teilgenommen

Biberach -
Elf Flüchtlingskinder haben in den Sommerferien an der Freizeit Ferienwaldheim Hölzle in Biberach teilgenommen, das vom Evangelischen Jugendwerk veranstaltet wird. Die Kinder stammen aus der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Biberacher Bleicherstraße.

Die zwölfjährige Flora kommt aus dem Erzählen gar nicht mehr heraus: "Am besten hat mir das Klettern gefallen und das Tanzen, und das Singen, und die Betreuer waren so lieb."

Mit leuchtenden Augen erzählt sie beim Auswertungsgespräch der Leiterin der Kinderbetreuung in der Bleicherstraße, Marion Martin, von ihrem zwölftägigen Aufenthalt im Ferienwaldheim Hölzle. Und ein anderes Mädchen aus der Gemeinschaftsunterkunft in der Bleicherstraße meint: "Schade, dass es schon vorbei ist. Warum kann ich morgen nicht wieder ins Hölzle fahren?"

Zusammen mit neun anderen Kindern aus der Gemeinschaftsunterkunft haben die beiden Mädchen am zweiten Abschnitt des Ferienwaldheims Hölzle teilgenommen und dabei viele neue Freunde gefunden. "Gut war", so eine Mitarbeiterin, "dass wir die Kinder je nach Alter auf die verschiedenen Gruppen verteilen konnten, so waren sie schnell integriert." Dies ist auch Pfarrer Matthias Ströhle wichtig. Er ist Beauftragter für Asyl- und Flüchtlingsfragen im evangelischen Kirchenbezirk Biberach und sagt: "Es ist gut, wenn die Flüchtlingskinder aus der Stigmatisierung als Flüchtlinge herauskommen und einfach Kinder unter anderen Kindern sein dürfen."

Dies habe während der Waldheimzeit durch das Konzept, die Kinder einfach in bestehende Gruppen zu integrieren, ausgesprochen gut geklappt, sagt Pfarrer Ströhle.

Vorausgegangen war allerdings auch eine ausführliche Schulung des Hölzleteams, durch die Verantwortlichen der ökumenischen Flüchtlingsarbeit, in der die jugendlichen Mitarbeiter zum Beispiel erfuhren, unter welchen Bedingungen die Kinder in den Heimen wohnen. Zudem wurden die Kinder während der Freizeit von der Studentin Corinna Zeh begleitet. Diese hat sie morgens in der Bleicherstraße abgeholt und am Abend wieder zurückgebracht. Des Weiteren war sie ein wichtiges Bindeglied zu den Eltern der Kinder.

Besuch im Wohnheim

Auch für die Hölzlemitarbeiter war die Teilnahme der Flüchtlinge eine große Bereicherung. Dies zeigte sich nicht zuletzt darin, dass es sich die Hölzleleiterinnen des zweiten Abschnitts, Sarah Dietze und Nadine Ruf nicht nehmen ließen, die Kinder nach dem letzten Waldheimtag im Flüchtlingsheim zu besuchen und jedem Kind ein Geschenk mitzubringen.

Dass diese Kooperation zwischen der ökumenischen Flüchtlingsarbeit und dem Evangelischen Jugendwerk ankommt, wird auch darin deutlich, dass sich dieses Jahr auch ehemalige Bewohner der Bleicherstraße selbstständig zum Hölzle angemeldet hatten.

Pfarrer Ströhle hofft, dass irgendwann auch unter den Hölzle-Mitarbeitern einmal ein ehemaliges Flüchtlingskind sein wird. Die derzeitigen Kinder aus der Bleicherstraße wünschen sich auf jeden Fall, dass sie im nächsten Jahr wieder kommen dürfen.

© Schwäbische Zeitung - 03.09.15

Foto: privat

Ja­sch­in­ski hilft Dia­ko­nie­lä­de­le

Mengen - Auch wenn das Diakonielädele in Mengen gerade wegen der Sanierungsarbeiten am Haus in der Mittleren Straße geschlossen hat, laufen hinter den Kulissen bereits die Vorbereitungen für den Neubeginn. So hat beispielsweise Wolfgang Jaschinski aus Völlkofen (links) wieder einige Sachspenden vorbeigebracht. "Jaschinski betreibt das Entsorgungsunternehmen Reentopti, das auch Haushaltsauflösungen übernimmt", sagt der evangelische Pfarrer Wolfgang Raiser. "Schon seit Jahren sortiert er die für uns relevanten Dinge wie Kleidung und Kinderspielsachen aus und bringt sie unkompliziert im Diakonieladen vorbei." Eine Unterstützung, für die auch das Lädeleteam um Anita Klawitter sehr dankbar ist. "Wir hoffen natürlich, auch künftig mit Spenden bedacht zu werden", so Raiser. Nachdem es durch die Auflagen des Denkmalschutzes Verzögerungen bei der Sanierung gegeben hatte, geht er nun von einer Wiedereröffnung des Lädeles Mitte oder Ende November aus.

© Schwäbische Zeitung - 01.09.15

Ro­ter Eh­ren­amt­li­che or­ga­ni­sie­ren sich

Kirche und Internetseite bringen Flüchtlinge und Helfer zusammen

Rot an der Rot - Dank des Engagements von Pfarrer Matthias Ströhle und der Studentin Heike Schmidberger kommen sich Flüchtlinge und jene Menschen, die ihnen helfen wollen, in Rot näher. Am Sonntag trafen diese beiden Gruppen erstmals aufeinander, "und dieses Treffen hat Lust auf Mehr gemacht", berichtet Pfarrer Ströhle.

Der Geistliche engagiert sich seit Langem für die Belange von Asylbewerbern, zusammen mit Andreas Gratz von der Caritas Biberach-Saulgau hat er vor einem halben Jahr die Internetseite "Asyl im Landkreis Biberach" ins Leben gerufen.

Hilfsbereitschaft ist groß


Die Internetseite verzeichnet in den vergangenen Wochen einen starken Zuwachs an Aufrufen, "im Moment bekomme ich drei Anrufe pro Tag von Menschen, die sich in irgendeiner Form engagieren wollen", freut sich Ströhle. Auch in Rot gebe es eine große Bereitschaft, den Flüchtlingen zu helfen. Und das nicht erst seit den Vorkommnissen in Heidenau, sondern auch schon davor. "Die Menschen sagen klar, dass sie das Elend in der Welt wahrnehmen und helfen wollen und ich bin sehr dankbar, dass die Hilfsbereitschaft bei uns so groß ist."

Gemeinsam mit anderen Freiwilligen und der aus Rot stammenden Heike Schmidberger versucht Ströhle im Moment, all diese Hilfsangebote zu koordinieren und ein Netzwerk hierfür aufzubauen. Die Internetseite spielt dabei eine zentrale Rolle. "Wir wollen schon bald auch Jobangebote und Ausbildungsmöglichkeiten auf der Webseite veröffentlichen, Arbeitgeber und Flüchtlinge sollen so besser zusammenfinden", sagt Ströhle.

Für Rot gelte: Da in dem Dorf momentan nur zwei Familien und ein paar alleinstehende Männer lebten, wolle man für diese ganz konkrete Hilfsangebote schaffen. Alle paar Wochen soll es hierfür künftig ein Willkommenscafé geben. "Das erste Treffen lief schon sehr gut, beide Familien und ein Mann aus Afghanistan waren da und bedankten sich mehrere Male für unser Engagement", berichtet Heike Schmidberger. Die junge Frau, die aus Rot stammt, studiert Religionspädagogik. Das geplante Willkommenscafé organisiert sie als Teil einer Projektarbeit ihres Studiums. Auch nach den Semesterferien will sie das Projekt weiter betreuen.

"Schon bei dem ersten Treffen gab es ganz konkrete Anliegen, einer der Asylbewerber fragte nach einem Fahrrad, um sich im Ort bewegen zu können, ein anderer fragte nach Hilfe mit einem kaputten Internetanschluss", berichtet Schmidberger. Alles kleine konkrete Hilfestellungen, die den Flüchtlingen jedoch sehr helfen, hier anzukommen. Da jeder der Asylbewerber, der in Rot in der Anschlussunterbringung lebt, mindestens seit neun Monaten in Deutschland ist, klappte auch die Verständigung bereits ganz gut. "Auch wenn es im Moment nur zehn Menschen sind, die in Rot leben, so haben sie doch auch ihre ganz eigenen Sorgen und Nöte, die jedoch mit ein wenig Hilfe behoben werden können", sagt die Studentin.

Vorbereitet auf neue Flüchtlinge

"Wenn dann weitere Flüchtlinge kommen, sind wir vorbereitet." Für sie selbst sei das Treffen eine tolle Erfahrung gewesen, berichtet sie. Eine der Familien komme aus dem Kosovo, alle Mitglieder seien sehr bestrebt, sich zu integrieren. "Einer der Söhne hat mir ganz stolz erzählt, dass er beim Roter Dorffest helfen durfte, das war für ihn das Größte", erzählt sie. Zwei der Kinder besuchen die Werkrealschule und sprächen schon jetzt so gut Deutsch, dass sie für die ganze Familie übersetzen können. Als die Studentin dann noch erfuhr, dass der Sohn dieser Familie ein leidenschaftlicher Fußballer ist, gab es im Anschluss an das Willkommenscafé noch einen kleinen Kick, denn Schmidberger ist selbst Fußballerin.

Die Homepage

ist eine Serviceplattform der ökumenischen Flüchtlingsarbeit im Landkreis Biberach. Sie bietet aktuelle Informationen zu Veranstaltungen und Initiativen im Bereich der Flüchtlingsarbeit im Landkreis Biberach, im evangelischen Kirchenbezirk Biberach und in der Caritasregion Biberach-Bad Saulgau.