© Schwäbische Zeitung - 29.02.2016

Traten im Finale gegeneinander an: Peter Parkster, Thomas Schmidt, Flo Langbein und Marius Loy.

Traten im Finale gegeneinander an: Peter Parkster, Thomas Schmidt, Flo Langbein und Marius Loy. SZ-Fotos: Linda Leinecker

Wit­zig, ernst, me­lan­cho­lisch
Wortpoeten punkten in Erolzheim mit ganz unterschiedlichen Texten


Von Linda Leinecker 29. February 2016

Erolzheim - Der dritte Poetry Slam in Erolzheim hat der Diasporakirche am Samstagabend volles Haus beschert. Veranstaltet wurde der dichterische Wettstreit zwischen acht Poeten vom Erolzheimer Kulturausschuss und der evangelischen Kirchengemeinde Erolzheim-Rot.

Beim Poetry Slam, so erklärte Moderator Marvin Suckut den rund 150 Zuschauern, dürfen nur Texte vorgetragen werden, die der eigenen Feder entstammen. "Was den Inhalt betrifft, so ist alles erlaubt, was ansatzweise mit Literatur zu tun hat." Kostümierungen und andere Hilfsmittel sind verboten, die Slammer müssen sich in den sieben Minuten Redezeit allein auf ihre Stimme und ihr Textblatt verlassen. Bewertet werden die Teilnehmer von einer freiwilligen Jury aus dem Publikum, ehe im Finale alle Zuschauer gemeinsam den Sieger küren. "Die Eins steht für einen Text, der niemals hätte geschrieben werden sollen", legt Suckut die Bewertungsmaßstäbe mit einem Lächeln fest. "Und die Zehn für einen Text, den ihr euch am liebsten auf die nackte Haut tätowieren lassen würdet."

Den ersten Text, den es an diesem Abend zu hören gibt, stammt von ihm selbst und wird traditionell "Opferlamm" genannt, um das Publikum auf die bevorstehenden Redner einzustimmen. Er befindet sich deshalb außerhalb der Wertung. Welche Punktzahl der Moderator am Ende jedoch bekommen hätte, wäre sehr interessant gewesen, denn Suckut überzeugt mit einem humorvoll autobiografischen Text über seinen turbulenten Umzug in eine Konstanzer Altbauwohnung. Umzugsprobleme sind etwas, das die nachfolgende Slammerin Tiki kennt. Ursprünglich aus New York stammend, ist sie mittlerweile nach Schwaben gezogen und hat den heimischen Dialekt bereits bestens parat: "Ist euch bestimmt lieber, wenn ich anstatt Englisch lieber Schwäbisch schwätze!" Ihren sinnlichen Text voller zweideutiger Anspielungen über ihre Liebe zu Schokolade absolviert sie allerdings in fast perfektem Hochdeutsch, 16 Punkte gab's dafür.

Sprache zum Thema gemacht

Sprache war unter anderem ein Thema, mit dem sich auch der Poet Thomas Schmidt aus Schwabach wort- und geistreich auseinandersetzt. Unterhaltsam beschrieben, lässt er die Zuschauer an seinem Joballtag als Lehrer teilhaben, bei dem er ebenso wie seine Kollegen unter Zugzwang steht, sich möglichst an die heutige Jugend anzupassen. Für seine Leistung erhält er 24 Punkte. Dass sich die jugendlichen Interessen allerdings nicht nur um Smartphones und um's "Cool-Sein" drehen, beweist der mit 13,5 Punkten bewertete junge lokale Künstler "Last Poet" mit einem unkonventionellen Auftritt als Rapper.

Träume, Glück, aber auch die Schönheit der ländlichen Umgebung sind immer wiederkehrende Motive in seiner Lobeshymne an den Rap und das literarische Reimen und Schreiben. Strengere, regelrecht wütende Kritik an den sozialen Medien und der Vernachlässigung sozialer Kontakte übt dagegen Slammer Flo Langbein aus Bamberg. Laut, wild und mit teilweise harter Wortwahl plädiert er in seinem Text "Regen" für mehr echte menschliche Nähe und soziale Gerechtigkeit. Mit stolzen 26,5 Punkten belohnt ihn das Publikum schließlich für seinen eindrücklichen Auftritt. Sein Nachfolger Peter Parkster geht es dagegen weniger politisch an und wechselt wieder in die humoristischen Gewässer: Mit sanfter Vorlesestimme berichtet der Nürnberger von einer schicksalhaften Begegnung mit einer fremden Frau und ihrem gemeinsamen One-Night-Stand. Wie es dazu kam, beschreibt er in einer Rückblende derartig spaßig und trickreich, dass ihn die Jury mit 24 Punkten belohnte. 26 Punkte hat sich wiederum der Esslinger Marius Loy verdient, dem es mit seinem Text "An Gretchen" beeindruckend kunstfertig und präsenzstark gelang, Liebe und Religion zu thematisieren. Die Letzte der Kandidaten, Lisa Paul aus Tübingen, appellierte zu guter Letzt eindringlich gegen den Hass, den Menschen in sich tragen und bekommt für die schöne Darstellung 21,5 Punkte.

Im Finale treten schließlich die vier Künstler gegeneinander an, die das Publikum am meisten überzeugen konnten: Peter Parkster, Thomas Schmidt, Flo Langbein und Marius Loy. Verdient geht der erste Platz am Ende an Schmidt, dem es mit einem witzigen und dennoch ernsten Text über Flüchtlinge und deren gesellschaftlichen Zwang, Deutsch zu lernen gelingt, die Zuschauer zu überzeugen. Seinen Sieg habe er nicht erwartet, sagt er, zumal er zum ersten Mal hier sei. Ob er nach seinem Erfolg nächstes Jahr nochmal herkommen wird? Schmidt antwortet: "Ich finde die Location und die Atmosphäre hier total super. Ja, nächstes Jahr würde ich gerne noch einmal kommen." Auch Zuschauer Uwe Kaltenthaler aus Rot an der Rot hat vor, beim nächsten Poetry Slam dabei zu sein. Er lobt die Qualität der Auftritte und das Engagement der Kirche, den Dichterwettstreit öffentlich zu machen. "Als Highlight empfand ich den Rapper", meint der 70-Jährige mit einem Schmunzeln. "Ich fand es auch gut, dass die Themen so aktuell waren." Dem schließen sich Lea Borner und Sharin Tews aus Gutenzell an: "Wir fanden vor allem die politischen Themen interessant und dass viele Slammer ihre Gesellschaftskritik in humorvollen Beiträgen versteckt haben." Für die beiden 16-Jährigen, die zum ersten Mal dabei sind, steht jedenfalls fest: "Ob wir nächstes Jahr auch kommen? Ja natürlich, unbedingt!"

© Schwäbische Zeitung - 29.02.2016

Jugendarbeit ist ihnen mehr wert - dazu bekannten sich die Landtagskandidaten (hinten v. l.) Stefan Gretzinger (SPD), Tim Hundertmark (FDP), Josef Weber (Grüne) sowie CDU-Ersatzbewerberin Alexandra Scherer sogar schriftlich.

Jugendarbeit ist ihnen mehr wert - dazu bekannten sich die Landtagskandidaten (hinten v. l.) Stefan Gretzinger (SPD), Tim Hundertmark (FDP), Josef Weber (Grüne) sowie CDU-Ersatzbewerberin Alexandra Scherer sogar schriftlich. SZ-Foto: Gerd Mägerle

Ju­gend­ar­bei­ter äu­ßern Wün­sche an Po­li­tik
Jugendvertreter der beiden großen Konfessionen diskutieren mit Landtagskandidaten

Von Gerd Mägerle 29. February 2016

Biberach - Über den Stellenwert kirchlicher, kommunaler und verbandlicher Jugendarbeit haben Jugendvertreter der evangelischen und katholischen Kirche mit den Landtagskandidaten Stefan Gretzinger (SPD), Josef Weber (Grüne), Tim Hundertmark (FDP) sowie CDU-Ersatzbewerberin Alexandra Scherer im Alfons-Auer-Haus diskutiert. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wünschen sich mehr Anerkennung von der Politik und den Arbeitgebern für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten.

In der von den Referenten Chris Schlecht, Karo Volz (beide BDKJ) und Steffen Mohr (EJB) vorbereiteten Diskussion bekannten sich die Vertreter aller vier Parteien zunächst zur Jugendarbeit. Alexandra Scherer verwies auf die Gründung einer KLJB-Gruppe in Erlenmoos, wo sie Bürgermeisterin ist. Tim Hundertmark sprach sich für die Arbeit der freien und kirchlichen Verbände aus ("Es darf nicht alles vom Staat organisiert werden"). Josef Weber lobte die Arbeit der KLJB, in der er selbst aktiv war und Stefan Gretzinger betonte die Verantwortung, die Jugendliche in der Jugendarbeit lernen.

Die Jugendvertreter äußerten an die Politiker ganz konkrete Wünsche: So soll es einen Landeszuschuss generell für Ferienfreizeiten und nicht nur für Übernachtungsfreizeiten geben. Verbessert werden sollte auch die finanzielle Förderung für Teilnehmer an Gruppenleiter- und Weiterbildungskursen.

Thematisiert wurde auch die Spannung zwischen schulischer und außerschulischer Jugendarbeit. "Wie sollen wir an einer Ganztagsschule Angebote für Jugendliche machen, wenn wir gleichzeitig selbst zur Schule gehen müssen?", fragte eine Teilnehmerin. Ein anderer wies darauf hin, dass Arbeitgeber den Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit bisweilen keinen Sonderurlaub für ihr Engagement gewährten. "Viele trauen sich gar nicht mehr, ihren Chef danach zu fragen", sagte Chris Schlecht. Gewünscht wurde auch der Abbau von Bürokratie, beispielsweise, wenn es um Führungszeugnisse für die Leiter von Ferienfreizeiten geht.

© Schwäbische Zeitung - 29.02.2016

Ar­mut wirkt in vie­le Le­bens­be­rei­che hin­ein
Synode des evangelischen Kirchenbezirks beleuchtet das Thema Armut aus verschiedenen Blickwinkeln


Biberach - "Die vielen Gesichter der Armut" ist das Thema der jüngsten Bezirkssynode des evangelischen Kirchenbezirks Biberach gewesen. Die Vertreter aus den Kirchengemeinden diskutierten engagiert darüber.

Dass die Identität der Kirche mit ihrem Verhältnis zu den Armen steht und fällt, hob Diakoniepfarrer Peter Schmogro in seiner theologischen Eröffnung hervor und erinnerte an das biblisch-christliche Gottesbild, wonach Gott immer ein Gott an der Seite der Armen ist. Albrecht Weil, Direktor des Dornahofs in Altshausen, stellte den Armuts- und Reichtums-Bericht des Landes Baden-Württemberg vor. Dr. Rudolf Metzger zeigte den rund 70 Delegierten auf, welche Armutsrisiken aus bestimmten Krankheitsbildern resultieren, und umgekehrt, welche Krankheitssymptome sich aus prekären Lebenssituationen entwickeln können. Renate Dorsch, Sozialarbeiterin der Diakonischen Bezirksstelle Biberach, berichtete aus ihrer Arbeit in der psychosozialen Beratung von Notleidenden.

Sowohl Dorsch wie auch Metzger betonten, wie allein Beziehungsarbeit der Schlüssel dafür ist, damit Menschen in Armuts-Notlagen einen Weg aus ihrer problematischen Lebenssituation herausfinden können.

Risiko von "Bildungsarmut"

Karl Schley, Rektor der Mali-Gemeinschaftsschule, beleuchtete das Thema "Bildungsarmut" und zeigte auf, wie gering in Deutschland häufig die Chancen von Kindern aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien sind, einen höheren Bildungsabschluss zu erlangen. Pfarrerin Annette Roser-Koepff, Gefängnispfarrerin in Ulm, gab schließlich einen Einblick in ihre Arbeit mit Strafgefangenen.

Nach engagierten Gruppendiskussionen rief Dekan Hellger Koepff die Kirchengemeinderäte dazu auf, Arme nicht nur als Objekte der Mildtätigkeit zu betrachten. Stattdessen fragte er: "Wo kommen Arme in der Kirche vor? Wie werden wir selbst 'armutsfähig'? Wie können wir die geistlichen und leiblichen Erfahrungen der Armen als wichtige Ressourcen nutzen?" In diesen Erfahrungen stecke viel Lebenskraft und Lebenserfahrung.

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Energiegeladen: Die Escandalos heizten dem Publikum in Oberholzheim ein.

Energiegeladen: Die Escandalos heizten dem Publikum in Oberholzheim ein. Fotos: sonja niederer

Die Zu­hö­rer tan­zen be­geis­tert mit
Beim Madera-Festival spielen die Bands rockige, aber auch nachdenkliche Lieder

Von Sonja Niederer 29. February 2016

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    Energiegeladen: Die Escandalos heizten dem Publikum in Oberholzheim ein.  Fotos: sonja niederer
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    Spielen fetzige Songs, erzeugen aber auch mühelos Gänsehaut: die Musiker von Good Weather Forecast.
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    In der Wielandhalle herrschte ausgelassene Stimmung.

Oberholzheim - Dass man seine Liebe zu Gott nicht nur in gängigen Kirchenliedern zum Ausdruck bringen kann, das haben die Bands beim Madera-Festival in Oberholzheim bewiesen. Im Hip-Hop-Sound oder rockig-poppig aufgemacht wurden am Samstag aufrüttelnde, aber auch nachdenkliche Texte in der Wielandhalle präsentiert.

Gelungene Premiere

Zufrieden waren die Veranstalter, die Jugendmitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde Oberholzheim, mit den rund 180 Besuchern, die sich die überzeugenden Auftritte der Bands Fil da elephant, Escandalos und Good Weather Forecast nicht entgehen ließen. Zwar hätten es noch etwas mehr sein können, aber für die Premiere sei dies schon ganz gut, sagte der Ortsvorsteher und Kirchengemeinderat Stefan Bucher. Dass die Musik beim Publikum ankam, war daran zu sehen, dass sich die Zuhörer dicht vor der Bühne drängten und von Anfang an begeistert mitreißen ließen.

Zum Auftakt spielte die Band Fil da elephant besten Hip-Hop, in den sie ihre Texte verpackte. "Fil", Frontmann und Namensgeber der Band, sang über das schwierige Verhältnis zu seinem Vater. In einer Jugendgruppe der Kirche habe er, der sich immer gegen alles abzuschotten pflegte, erlebt, dass es einen Gott gibt, der auch zugepanzerte Menschen berührt; und er habe zum ersten Mal in seinem Leben seinen Tränen freien Lauf gelassen. Nach dieser Erfahrung sei er seinem Vater mit Liebe begegnet und habe diese auch zurückbekommen.

Kaum stillsitzen konnte man auch bei den Escandalos. Ausgestattet mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Sänger Christian Jerg, Posaune, Saxofon und Trompete, brachte die Band das Publikum ohne Umschweife mit ihrem sehr tanzbaren Ska in Bewegung. Die Band spielt witzige, auch hintergründige Lieder, die etwa davon handeln, dass die Menschen faul geworden sind und nicht wissen, wie die Zukunft aussehen soll. Wichtig sei aber, dass nicht alle Ziele aufgegeben werden, meinte Christian Jerg.

Zumindest wer sich zum Ziel gesetzt hat, mehr Fitness als bisher zu machen, kam an diesem Abend voll auf seine Kosten. Jerg animierte die Leute hüpfend und über die Bühne wirbelnd zum Mittanzen. Aufs Beste unterstützt wurde er von fetzigen Bläsereinsätzen und fettem Gitarrensound. Weder die jugendlichen Zuhörer noch die mitgekommenen Eltern ließen sich lumpen und rockten ungehemmt, trotz einiger Schweißtropfen ab.

"Gott liebt dich"

Die Stimmung war auf dem Höhepunkt, was die dritte Band an diesem Abend, Good Weather Forecast, nicht abhielt, den Gästen noch mehr einzuheizen. Auch ihre Botschaften, verpackt in fetzige Musik, kamen bestens an. Frontsänger Flo Stielper übte kurzerhand noch eine kleine Choreografie mit den Besuchern ein, die sich als ausdauernd und unermüdlich erwiesen. Eine Verschnaufpause gönnte er ihnen auch: bei der Geschichte eines Jungen, der durch fehlende Liebe entstandene Leere in seinem Leben mit Brutalität füllt, dann aber durch seinen Kontakt mit dem Glauben sein Leben umkrempelt. "Gott liebt dich, egal, was du von ihm hältst. Gott will deine Stimme im Dunkeln sein", sagte Flo. Mit seiner eindrucksvollen Stimme setzte er das auch in dem Song "You are the voice in the darkness" um und sorgte zusammen mit seinen exzellenten Musikern für Gänsehaut.

© Schwäbische Zeitung - 29.02.2016

Rechtsanwältin Vera Kohlmeyer-Kaiser (Mitte) betonte die Wichtigkeit von Fortbildungen in der Flüchtlingsarbeit. Mit auf dem Podium waren Marion Martin (l.) und Lucia Braß von der Caritas.

Rechtsanwältin Vera Kohlmeyer-Kaiser (Mitte) betonte die Wichtigkeit von Fortbildungen in der Flüchtlingsarbeit. Mit auf dem Podium waren Marion Martin (l.) und Lucia Braß von der Caritas. Foto: Stroehle

Fach­tag zur Flücht­lings­ar­beit stößt auf gro­ße Re­so­nanz
Rund 170 Ehrenamtliche informieren sich in Workshops unter anderem über neue gesetzliche Regelungen


Biberach - Fast 170 Interessierte haben am Fachtag für Ehrenamtliche in der Asylarbeit teilgenommen. Er wurde von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit der Caritas und Diakonie organisiert.

Die Ehrenamtlichen kamen aus den mehr als 30 Mitarbeiterkreisen aus dem Gebiet des evangelischen Kirchenbezirks Biberach und der katholischen Dekanate Biberach und Bad Saulgau und weit darüber hinaus.

Das Interesse der Ehrenamtlichen an einer Fortbildung war sogar noch deutlich größer. Mehr als 30 Anfragen, die nach Anmeldeschluss eingingen, konnten wegen des großen Andrangs nicht mehr berücksichtigt werden. Die große Nachfrage zeigt die Bereitschaft der Bevölkerung, sich in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren. Dies sieht auch der Leiter der unteren Aufnahmebehörde des Landkreises, Jürgen Kraft, so. Er dankte im Auftrag von Landrat Heiko Schmid den Ehrenamtlichen und Organisatoren ausdrücklich für ihr großes Engagement.

Wie wichtig Fortbildungen in der Flüchtlingsarbeit sind, machte Rechtsanwältin Vera Kohlmeyer-Kaiser deutlich. "Es gibt kaum einen Bereich, in dem sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen so schnell ändern wie in der Flüchtlingsarbeit", betonte die stellvertretende Vorsitzende des Flüchtlingsrats Baden Württemberg. Im Plenum erläuterte sie die Unterschiede zwischen Aufenthaltsgestattung und Duldung sowie zwischen sicheren Drittstaaten und sicheren Herkunftsländern. Fragen aus dem Plenum gab es unter anderem zum Thema Familiennachzug und zum Asylpaket II.

Beide Themen konnten im Workshop "Verfahrensberatung" detailliert mit den Experten diskutiert werden. Neben diesem Workshop gab es weitere zu den Themen "Nähe und Distanz in der Flüchtlingsarbeit", "Interkulturelle Kompetenz", "Sensibilisierung Ehrenamt - Was braucht ein Flüchtling?" und "Integration durch Arbeit". Letzterer war am besten besucht. Dies ist ein Hinweis darauf, dass dieses Thema die Ehrenamtlichen in den derzeit rund 30 Helferkreisen im Landkreis noch ausführlich beschäftigen wird.

© Schwäbische Zeitung - 23.02.2016

Headliner ist die durch ganz Europa tourende

"Ma­de­ra Fes­ti­val" fei­ert Pre­mie­re

Die Jugend der Evangelischen Kirchengemeinde Oberholzheim hat drei Bands engagiert

Oberholzheim - Die Jugendmitarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde Oberholzheim warten am Samstag, 27. Februar, mit einer neuen Veranstaltung auf: Zum ersten Mal findet das "Madera Festival" in der Oberholzheimer Wielandhalle statt. Dabei treten die in der Region bekannte Gruppe "Escandalos", die Esslinger Hip-Hop-Band "Fil da Elephant" und als Headliner die durch ganz Europa tourende Band "Good Weather Forecast" auf.

"Good Weather Forecast" haben sich seit dem Gewinn des "Rock Without Limits"-Bandcontests 2008 in Stuttgart stetig weiter entwickelt. Nach Auszeichnungen bei weiteren Musikwettbewerben absolvierten die Jungs mit ihrer Mischung aus Dance, Rock, Pop und Elektro nur zwei Jahre später bereits die erste Europatour. Dabei spielten sie auf Festivals in Österreich, den Niederlanden und der Schweiz, wo sie gemeinsam mit der Rockgröße "Switchfoot" auftraten, sowie beim Weltjugendtag in Madrid. Wo diese Band spielt, kommt ganz schnell Partystimmung auf.
"Escandalos" aus dem Raum Laupheim/Ulm lassen sich nicht so leicht in eine Genre-Schublade stecken, mischen erfrischende Offbeat-Rhytmen mit rockigen Gitarren und zeigen dabei, wie zeitgemäß und tanzbar deutschsprachige Musik sein kann. Ihr Mix aus Ska, Punk und Rock 'n' Roll sorgt sicher für den einen oder anderen Ohrwurm. "Escandalos" standen schon auf Bühnen in Schweden, Tschechien, Italien und vielen Ecken Deutschlands.

Die dritte Band bei der Premiere des "Madera-Festivals", "Fil da Elephant", kommt aus Esslingen und hat sich dem Hip-Hop und Texten über den christlichen Glauben verschrieben. "Fil" ist arabisch und bedeutet "Elefant". Und "Fil", der Elefant, ist der Kopf des Ganzen. Rapper Fil schreibt die Texte und kümmert sich um die meisten organisatorischen Dinge. Zusammen mit den verschiedensten Menschen baut Fil Tracks, Videos und Projekte, gemeinsam mit Paddy, Sasch und Marc bringt er die Bühne zum Brennen, wie die Band verspricht.

Die Idee eines eigenen Festivals in der Region hatten die Jugend-Mitarbeiter der Kirchengemeinde Oberholzheim, die das Ganze auch organisieren. "Wir sind selbst oft auf Musikfestivals unterwegs und haben schon länger festgestellt, dass es viel zu wenige derartige Veranstaltungen im Raum Laupheim gibt - schon gar nicht mit Musik, die auch christliche Botschaften enthält", sagt Tim Pelzl vom Organisationsteam. Also setzte man für dieses Jahr das schon länger geplante Vorhaben um und rief das "Madera Festival" ins Leben. Madera ist das spanische Wort für Holz, und weil das gut zu Oberholzheim passe, wählten die Jugendlichen diesen Namen für das Festival, das von nun an möglichst jedes Jahr über die Bühne gehen soll.

Das "Madera Festival" am Samstag, 27. Februar, in der Wielandhalle Oberholzheim beginnt um 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr). Karten gibt es an der Abendkasse zum Preis von 11 Euro und im Vorverkauf zum Preis von 9,50 Euro bei Getränke Bailer in Achstetten und Lebensmittel Lau in Oberholzheim sowie online unter www.madera-festival.de. Auf der Veranstaltungs-Homepage gibt es auch weitere Informationen zum Festival.

© Schwäbische Zeitung - 23.02.2016

Auch die Kleinsten der Gemeinde wirkten beim Jubiläumsgottesdienst in der Friedenskirche mit. SZ-FOTO: CARMEN BOGENRIEDER-KRAMER

Frie­dens­kir­che fei­ert 50 Jah­re

Beim Jubiläumsgottesdienst war die ganze Kirchengemeinde aktiv

Biberach -
Die Friedenskirche in Biberach feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Zum Auftakt gab es am Sonntag einen Jubiläumsgottesdienst, bei dem die ganze Gemeinde aktiv war. Bemerkenswert waren dabei die Glaubenszeugnisse von Ehrenamtlichen, die drei beteiligten Chöre, Details zur Entstehungsgeschichte der Friedenskirche und die vier Predigten, die allesamt nachdenklich machten.

Neben dem Pfarrerehepaar Birgit und Peter Schmogro predigte Dekan Hellger Koepff und Baubürgermeister Christian Kuhlmann. Peter Schmogro erinnerte an Pauline Graupner, die 1962 den Kirchennamen Friedenskirche vorschlug. Weiter erklärte der Pfarrer, weshalb dieser Name gleichzeitig Programm ist. Er zitierte die Bibelstelle Micha 5: "Er (Gott) wird unser Frieden sein" und meinte, die Friedenskirche sei auch dazu da, "damit wir uns auf Gott besinnen und uns selber nicht so wichtig nehmen". Diesen Ansatz nahm Birgit Schmogro auf. Sie sprach vom inneren und vom äußeren Frieden und sagte: "Wenn wir keinen Frieden haben, dann macht uns das Angst." Friede sei eine kostbare Sache von und mit Gott. Friede beginne im eigenen Herzen und breite sich von unten nach oben, von zu Hause in die Welt, aus. Wichtig sei, sich gegenseitig daran zu erinnern, dass "wir von Gott erlöst werden und in ihm den Frieden finden".

Gemeinsam ist die Liebe Gottes

Christian Kuhlmann sprach über die Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft und ging dabei auf die Differenzen der unterschiedlichen Glaubensrichtungen ein. Zur Verdeutlichung zeigte er drei verschiedene Handys (Google, Microsoft, Apple) und fragte: "Was ist das beste Smartphone?" Die Antwort lieferte er selbst. Das sei eine Glaubensfrage, über die bis morgen diskutiert werden könne. Klar sei nur eines: Alle drei Geräte hätten dieselbe Basis, sie funktionieren dank Binärcode. Ähnlich sei es bei den Kirchen. Deren gemeinsame Basis sei die Existenz und die Liebe Gottes. Darauf gesetzt würden lediglich unterschiedliche Anwendungssysteme. Kuhlmann ist überzeugt: "Kirche wird gewinnen, wenn sie die Basis in den Vordergrund stellt, den Glauben an Gott."

Mucksmäuschenstill war es im Gotteshaus als Rudi Metzger erzählte, wie es dank einem Meinungsumschwung überhaupt zum Kirchenneubau kam. Er nannte den 12. Mai 1959. Damals habe der Kirchengemeinderat der Idee "Kirche vor Ort" zugestimmt und damit dem Bau der heutigen Friedenskirche grünes Licht erteilt. Zuvor wollte man das Simultaneum auflösen und eine zentrale evangelische Kirche bauen. Dazu Metzger: "Man wollte die Kirche den Katholiken verkaufen." Doch soweit kam es nicht. Ausschlaggebend sei eine Nachricht des Stadtplanungsamts gewesen. Hiernach sollte im Gaisental und am Weißen Bild ein riesiges Wohngebiet entstehen, das mindestens so viel Menschen zählt wie eine Kleinstadt.

Interessant waren auch die Beiträge der Ehrenamtlichen. Sie erklärten, weshalb sie sich in ihrer Kirche, der Friedenskirche, engagieren. Dabei gab es Antworten wie: "Weil mir die Kirche Heimat gibt", "weil mir Gott diesen Weg gezeigt hat", "weil in der Begegnung mit Menschen Freude steckt" und "weil die Kirche ein Teil von mir ist".

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Viel Lob erntete dabei Steffen Dietze, der für die Ausstellung "50 Jahre Friedenskirche" verantwortlich ist.

In der Friedenskirche gibt es weitere Veranstaltungen: Die nächste findet am Sonntag, 13. März, statt. Baubürgermeister Christian Kuhlmann wird dabei die Architektur der Friedenskirche vorstellen. Zusätzlich spielt das Trossinger Klaviertrio.

© Schwäbische Zeitung - 20.02.2016

Die Referenten des Abends im Gespräch mit einer Zuhörerin nach den Vorträgen: Paul Stollhof (links) und Gerhard Stumpp. FOTO: RUDI MULTER

Papst for­dert "knall­har­tes Tun" für Ret­tung der Erde

40 Zuhörer bei der Veranstaltung um die Enzyklika Laudato si' im katholischen Gemeindehaus

Bad Saulgau -
Es war ein Appell, allein oder mit anderen etwas gegen weitere Klimaerwärmungen zu tun: Rund 40 Zuhörer haben sich am Donnerstag unter dem Titel "Neuanfang mit Herz und Hirn" im katholischen Gemeindehaus in Bad Saulgau unter anderem mit der neuen Enzyklika Laudato si' von Papst Franziskus beschäftigt.

Die Folgen des Klimawandels machte Zuhörer Andreas Halder aus Hochberg nachdrücklich am lokalen Beispiel deutlich: "In diesem Winter hatten wir gerade an einem Tag lang drei Zentimeter Schnee. Früher waren 70 Tage mit zehn Zentimeter Schnee ganz normal." Der Hochberger ist als Klima- schutzmanager in der Stadtverwaltung Sigmaringen angestellt. Weltweit leiden Menschen an weit gravierenderen Folgen des Klimawandels. Das Wasser in vielen Ländern Afrikas wird knapp. "Das ist eine ganz andere Dimension", sagt Halder.

Viel Zeit zum Umsteuern bleibt nicht. Auf 17 Jahre hat sie Gerhard Stumpp, Vorsitzender des BUND-Ortverbands Sigmaringen, hochgerechnet. Dann werde die Grenze von zwei Grad Erderwärmung voraussichtlich erreicht. Zwei Grad gelten bei Experten als gerade noch beherrschbar.

Um die Zeit zu verlängern, muss etwas getan werden. Nach Meinung von Gerhard Stumpp passiert immer noch zu wenig. Auf 18 Prozent kletterte in den vergangenen Jahren der Anteil der regenerativen Energiequellen beim allgemeinen Energieverbrauch. Stumpp: "Das bedeutet aber auch, dass 82 Prozent immer noch aus nicht regenerativen Energiequellen stammen." In diesem Szenario einer nahenden Katastrophe veröffentlichte Papst Franziskus die Enzyklika Laudato si' kurz vor dem Weltklimagipfel in Paris im vergangenen Jahr. Die Wochenzeitung "Die Zeit" sprach daraufhin von der "Grünen Weltmacht Vatikan", erinnert Paul Stollhof. Der Theologe ist zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats in Bad Saulgau und im Hauptberuf pädagogischer Leiter der Schulen des Klosters Sießen. Die Veröffentlichung der Enzyklika habe wesentlich zum Erfolg des Pariser Weltklimagipfels beigetragen, ist sich Stollhof sicher.

Laudato si' sei aber eine Sozialenzyklika, keine Umwelt-Enzyklika. "Es ist eine Aufforderung zur Umkehr und zum Dialog." Eine Besonderheit: Erstmals richte sich eine Enzyklika an alle Menschen, die diesen Planeten bewohnen. Der Inhalt hat es in sich: "Wir hören plötzlich in der Kirche Töne, die wir noch nicht gehört haben."

Der Papst wendet sich gegen die Wegwerfkultur des Westens und die Privatisierung der Wasserversorgung. Er sieht die Verantwortlichkeit für den Klimawandel in den westlichen Industriestaaten. Er fordert zur Umkehr auf. Noch bleibe Zeit: "Die Menschheit besitzt noch die Fähigkeit zusammenzuarbeiten, um unser gemeinsames Haus, die Erde, zu ret-ten." Der Papst fordere, so Paul Stollhof, "knallhartes Tun im Lichte des Evangeliums".

Fürs Tun gab es einige Anregungen: Den Fleisch- und Wurstkonsum reduzieren, auf Flugreisen möglichst verzichten, auf regionale Produkte im eigenen Einkaufskorb achten, schlug Gerhard Stumpp vor. Oder: Gemeinsam etwas tun. Diese Veranstaltung wurde von einer losen Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde, von Weltladen, Bioladen und dem Umweltverband BUND veranstaltet.

© Schwäbische Zeitung - 19.02.2016

Foto: DPA

In­ter­view: Chor­sän­ger für Pop-Ora­to­ri­um ge­sucht

München - Im kommenden Jahr tourt ein "Luther-Pop-Oratorium" durch Deutschland. Für die Aufführungen im März 2017 in der Münchner Olympiahalle und in der Porsche-Arena Stuttgart werden derzeit rund 5000 Sängerinnen und Sänger gesucht. Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler verrät im Gespräch mit Rieke C. Harmsen, warum sie selbst mitsingen will.

Was reizt Sie daran, bei einem Musical mitzusingen?

Ich mag Musicals gerne, weil diese Musikform etwas sehr Tänzerisches und Leichtes mit sich bringt. Ich selbst bin mit den Beatles, den Rolling Stones und Deep Purple aufgewachsen. Daher freue ich mich sehr, dass meine Kirche auch diese Musikrichtung nutzt, um die Herzen der Menschen zu erreichen. Ich will zusammen mit meiner Referentin teilnehmen. Wir wollen gemeinsam üben und mitsingen.

Ist es nicht schwer, ein Musical über den Reformator Martin Luther zu machen?

In einer Zeit, in der Menschen auf Leistung reduziert werden, sind Luthers Gedanken hochaktuell und befreiend. Die Fragen, die ihn bewegt haben, gelten heute noch genauso wie vor 500 Jahren. Wie kann ich sinnerfüllt leben, wie kann ich leben, ohne zu verzagen und zu verzweifeln, wie kann ich mit mir selbst und anderen gut auskommen - das sind Fragen, die immer noch relevant sind.

Will das Oratorium auch missionieren?

Es geht nicht darum, zu missionieren. Der Bühnenautor Michael Kunze und der Komponist Dieter Falk haben in dem Pop-Oratorium das Leben Luthers in Musik umgesetzt. Mit dem Musical können wir einfach unseren Glauben zeigen. In dem Pop-Oratorium merkt jeder: Es geht um das wahre Leben. Und das ist großartig, ansteckend und spricht für sich.

Sänger und Chöre können sich online anmelden unter www.luther-oratorium.de/stuttgart

© Schwäbische Zeitung - 18.02.2016

Die Teilnehmer sehen sich Werke von Lukas Cranach, dem Älteren, an. FOTO: ARCHIV

Bil­dungs­werk or­ga­ni­siert Nürn­berg-Rei­se

Dort wird die Cranach-Ausstellung besucht


Mengen -
Das evangelische Bildungswerk Oberschwaben bietet am Wochenende 9. und 10. April eine Busreise nach Nürnberg an. Höhepunkt ist der Besuch des Germanischen Nationalmuseums mit der Cranach-Ausstellung "Zwischen Venus und Luther".

Am Samstag steht nachmittags ein geführter Stadtrundgang durch Nürnberg unter anderem mit der Besichtigung des Albrecht-Dürer-Hauses, der Kaiserburg und der Frauenkirche auf dem Programm. Für Sonntag ist dann der Besuch der Cranach-Ausstellung vorgesehen. Lukas Cranach der Ältere, der ein Freund Martin Luthers war und als Maler der Reformation gilt, zählt zu den bedeutesten Künstlern der deutschen Renaissance.

Die Kosten für Fahrt, Unterkunft im Doppelzimmer und Verpflegung belaufen sich auf 245 Euro (Einzelzimmerzuschlag: 20 Euro). Die Reise wird von Brunhilde Raiser, der Geschäftsführerin des evangelischen Bildungswerks Oberschwaben, begleitet.

© Schwäbische Zeitung - 18.02.2016

Gerlinde Blickle-Hummel blickt gespannt auf die Zukunft der evangelischen Kirchengemeinde. Als Vorsitzende des Kirchengemeinderats will sie Verantwortungübernehmen. FOTO: JENNIFER KUHLMANN

In­ter­view: "In schwie­ri­gen Zei­ten Ver­ant­wor­tung über­neh­men"

Gerlinde Blickle-Hummel, Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats wünscht sich ein Pfarrer-Ehepaar

Mengen - Spannende Zeiten stehen dem evangelischen Kirchengemeinderat in Mengen bevor. Es gilt die Zeit nach dem Weggang von Pfarrerin Ines Fischer zu meistern, Nachfolger zu finden und das Pfarrhaus zu sanieren. Silke von Fürich hat den Vorsitz des Kirchengemeinderats aus privaten Gründen abgegeben, ist aber weiter Mitglied des Gremiums. Ihre Nachfolgerin ist Gerlinde Blickle-Hummel aus Blochingen. Sie ist 48 Jahre alt und arbeitet als Verwaltungsleiterin im Staatlichen Schulamt in Markdorf. SZ-Redakteurin Jennifer Kuhlmann hat sich mit ihr über die Herausforderungen des Amts und anstehende Aufgaben unterhalten.

Frau Blickle-Hummel, war für Sie sofort klar, dass Sie das Amt übernehmen wollen?

Wir hatten ein halbes Jahr Vorlaufzeit, zu überlegen, wie es weitergehen soll. Silke von Fürich hatte im Frühjahr angekündigt, dass sie gern im Herbst aussteigen will. Weil es für viele andere nicht infrage kam, habe ich mich zur Wahl gestellt. Drei meiner Kinder sind schon erwachsen und auch die Jüngste, die bald 17 Jahre alt wird, braucht mich nicht mehr so sehr wie früher. Ich finde, dass Pfarrer Wolfgang Raiser gerade nach dem Weggang von Pfarrerin Fischer Unterstützung braucht und nicht allein gelassen werden sollte. Vor allem in schwierigen Zeiten brauchen wir Menschen, die Verantwortung übernehmen. Ich bin im Kirchengemeinderat, weil ich diese Verantwortung übernehmen möchte. Die Herausforderungen als Vorsitzende nehme ich gerne an.

Welche Aufgaben müssen Sie denn jetzt zusätzlich zu denen eines normalen Ratsmitglieds bewältigen?

Ein neuer Schwerpunkt ist es, gemeinsam mit Pfarrer Raiser die monatlichen Sitzungen des Kirchengemeinderats und des Verwaltungsausschusses vorzubereiten. Wir besprechen uns im Vorfeld, arbeiten uns ein, stellen Unterlagen zusammen und formulieren Beschlüsse vor. Die Sitzung wird dann abwechselnd von einem von uns geleitet.

Fällt es Ihnen schwer, plötzlich vor dem Gremium zu stehen, in dem Sie schon seit 2009 sitzen?

Es ist schon ein Unterschied, ob man "nur dabei" ist oder ob man Fragen beantworten, Diskussionen und Redebeiträge zusammenfassen oder Vorschläge formulieren muss. Dieser Perspektivwechsel ist für mich sehr anspruchsvoll, macht aber auch sehr viel Spaß. Natürlich muss ich dabei über meinen Schatten springen und mir etwas zutrauen. Aber ich kenne die anderen im Gremium gut und hoffe, dass ich allen gerecht werde.

Welchen Plan hat der Kirchengemeinderat für die Zeit, in der nur Pfarrer Raiser da ist?

Es gibt Aufgaben, die nur der Pfarrer als Theologe übernehmen kann. Andere Projekte müssen in der Übergangszeit einfach kürzer treten. So wird es beispielsweise erst einmal keine Taizégottesdienste oder jahreszeitliche Wanderungen geben. Den Konfirmationsunterricht übernimmt aber natürlich Pfarrer Raiser. Ines Fischer hat uns ihr Netzwerk und ihre Unterlagen gut dokumentiert in einem dicken Leitz-Ordner und digital hinterlassen, damit die Arbeit weitergeführt werden kann.

Sind Sie auch in den Findungsprozess eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin involviert?

Wir haben uns im Kirchengemeinderat darauf geeinigt, dass wir die Stelle von Frau Fischer, die ja nur noch als 50-Prozent-Stelle ausgeschrieben werden kann, noch nicht sofort besetzen wollen. Pfarrer Raiser wird Ende Januar 2017 in den Ruhestand gehen. Wir erhoffen uns, leichter Nachfolger zu finden, wenn wir die 1,5 Stellen gemeinsam ausschreiben. Dann könnten sich auch Ehepaare bewerben. Wir sind hier auf dem Land in der Diaspora und müssen davon ausgehen, dass sich die Pfarrer nicht um unsere Stellen reißen werden. In einem Seminar der evangelischen Landeskirche lerne ich mehr zum Thema "Vakanz in der Pfarrstelle". Frau Fischer hat damals bei uns einen Probegottesdienst gehalten, wir werden also durchaus ein Mitspracherecht bei der Entscheidung haben.

Wie wollen Sie den potenziellen Interessierten Mengen schmackhaft machen?

In erster Linie auch damit, dass wir das Pfarrhaus sanieren. Wenn ein Paar oder eine Familie herzieht, sollten sie sich im Haus wohl fühlen. Das Haus ist 1956 gebaut und muss dringend instand gesetzt werden. Gleichzeitig wird es etwas umgebaut, um den modernen Ansprüchen an ein Pfarramt gerecht zu werden. Unser Finanzplan steht, muss aber noch vom Oberkirchenrat abgesegnet werden. Rund 300 000 Euro würden wir dann in das Gebäude investieren.

Das ist eine Menge. Bleibt da noch Geld für andere Projekte?

Wir hoffen, die Küche am Gemeindesaal und den Vorplatz der Kirche ebenfalls bald sanieren zu können, da diese Maßnahmen schon vorher beschlossen wurden. Auch aus dem alten Kindergarten würden wir gerne etwas machen, dazu fehlen uns aber definitiv die finanziellen Mittel. Wir haben schon einmal versucht, das Gartengrundstück hinter dem Kindergarten als Bauplatz zu verkaufen, haben da aber bisher keinen Abnehmer gefunden. Für den Kindergarten käme auch ein Investor aus dem sozialen Bereich infrage. Interessenten können gern auf die Kirchengemeinde zukommen.

© Schwäbische Zeitung - 18.02.2016

Die Friedenskirche im Februar 1966 noch ohne Kirchturm. Dieser wurde erst im Juli 1966 errichtet. FOTO: PRIVAT

Die Frie­dens­kir­che wird 50 Jah­re alt

Am Sonntag wird im ersten evangelischen Kirchenbau Biberachs gefeiert


Biberach - Vor 50 Jahren, am 20. Februar 1966, ist die Friedenskirche im Gaisental eingeweiht worden. Aus diesem Anlass findet am Sonntag, 21. Februar, um 9.30 Uhr in der Friedenskirche ein Jubiläumsgottesdienst statt. Biberachs Baubürgermeister Christian Kuhlmann sowie Dekan Hellger Koepff und die beiden "Hausgeistlichen" Pfarrer Birgit und Peter Schmogro werden die Predigt halten. Die Chöre unter der Leitung von Kantorin Mechthild Lange gestalten den Gottesdienst genauso mit wie Vertreter des Kirchengemeinderats, der Gemeindegruppen sowie die Pfarrkollegen der Gesamtkirchengemeinde, Pfarrerin Andrea Luiking und Pfarrer Ulrich Heinzelmann.

Im Anschluss an den Festgottesdienst wird zum Kirchenkaffee und zur Besichtigung der von Steffen Dietze gestalteten Ausstellung "50 Jahre Friedenskirche" eingeladen.

Nach mehr als 300 Jahren war es seinerzeit der erste evangelische Kirchenbau in Biberach, der damals unter der Leitung des Biberacher Architekten Werner Rothenbacher entstand, als sich im Gaisental ein großes Neubaugebiet ausbreitete. Es waren vor allem Flüchtlingsfamilien aus Südosteuropa und aus Ostpreußen, später Zonen-Flüchtlinge und Übersiedler, aber auch manche Einheimische, die schon bald ein reges Gemeindeleben in und um die Kirche herum entfalteten und damit den Grundstein für die heute noch aktive Gemeindearbeit zahlreicher Ehrenamtlicher legten.

Rund 3000 Gemeindemitglieder

Befand sich die Baustelle der Friedenskirche noch mitten im Grünen zwischen Äckern und Obstbaumwiesen, ist sie inzwischen ringsum von Siedlungen umgeben und prägt mit ihrer spitzen, pyramidenförmigen Architektur das Stadtbild. Zur Friedenskirchengemeinde gehören heute rund 3000 evangelische Gemeindemitglieder im Westteil Biberachs sowie in Mittelbiberach, Reute und Stafflangen.

Derzeit laufen die Planungen für einige notwendig gewordenen Sanierungsmaßnahmen, die in diesem Jahr noch umgesetzt werden sollen: Die 50 Jahre alte Heizungsanlage muss erneuert werden, der Kirchenraum erhält nach 25 Jahren einen Neuanstrich und die Beleuchtung wird verbessert. Die Kirchengemeinde benötigt dazu Eigenmittel in Höhe von etwa 150 000 Euro.

Spenden sind willkommen. Spendenkonto: evangelische Friedenskirche Biberach, BW-Bank, IBAN: DE12 6005 0101 0004 4706 67, BIC SOLADEST. Stichwort: "Jubiläum FK".

© Schwäbische Zeitung - 17.02.2016

Ge­mein­de schließt Fi­nanz­lü­cke für neu­es Kir­chen­dach

Ummendorfer Rat befürwortet mehrheitlich Zuschuss an die Versöhnungskirche

Ummendorf - Die Sanierung des Dachs der evangelischen Versöhnungskirche in Ummendorf rückt in greifbare Nähe. Die bürgerliche Gemeinde gewährt der Kirche einen Zuschuss über bis zu 20 000 Euro.

10 000 Euro gibt die Gemeinde gleich frei, weitere 10 000 Euro können nach Abrechnung der Baukosten fließen, sofern sie nicht durch weitere Spenden gedeckt werden. "Damit es zu keiner Überfinanzierung kommt", begründete Bürgermeister Klaus Bernd Reichert diesen Vorschlag. Vor Weihnachten hatte Pfarrerin Andrea Luiking die Finanzierungslücke auf 22 000 Euro bei geschätzten Kosten von 220 000 Euro beziffert. Die Landeskirche und der Kirchenbezirk beteiligen sich, die Kirchengemeinde greift in ihr Sparschwein und hatte bis Weihnachten obendrein circa 47 000 Euro an Spenden gesammelt.

Die bürgerliche Gemeinde verbindet ihre Zusage mit dem Wunsch, dass eine Zweckbestimmungsklausel im Kaufvertrag von 1979 für das Grundstück neben dem evangelischen Kindergarten angepasst wird und die Gemeinde darüber frei verfügen kann. Dies ist einer von mehreren denkbaren Standorten für eine Flüchtlingsunterkunft.

Der Beschluss fiel bei zwei Neinstimmen und einer Enthaltung. Ulf Politz und Simon Özkeles wandten sich aus grundsätzlichen Erwägungen gegen die Finanzspritze: Sie pochten auf die Trennung von Staat und Kirche. Es sei nicht Aufgabe der weltlichen Gemeinde und damit auch nicht christlicher Steuerzahler, kirchliche Gebäude sanieren zu helfen, sagten die beiden.

Demgegenüber verwies Elisabeth Köberle auf das gute Miteinander und sagte, zur Gesamtgemeinde gehöre beides. Ähnlich strich Reichert die vielen Berührungspunkte etwa bei Kindergärten oder in der Flüchtlingsarbeit heraus und sagte an Politz und Özkeles gewandt: "Ich respektiere Ihre Meinung. Aber wenn wir in einer Gemeinde unserer Größe nicht an einem Strang ziehen, dann gute Nacht." Es gehe um ein Geben und Nehmen. Thomas Dörflinger befürwortete die freiwillige Gabe, aber ausdrücklich auch die Kopplung mit der genannten Grundstücksfrage.

© Schwäbische Zeitung - 17.02.2016

Pizzabacken ist einer der Höhepunkte, der im Hölzle immer für Begeisterung sorgt. SZ-ARCHIVFOTO: CHRISTIAN WALTER

Fe­ri­en­frei­zei­ten sind bei Kin­dern im­mer noch be­liebt

Anmeldezahlen gehen teilweise zurück - Angebote im Kreis Biberach sind mehr als ausreichend - Konzept muss stimmen

Biberach - Geht es um Ferienfreizeitangebote für Kinder und Jugendliche, kann sich der Landkreis Biberach sehen lassen. Von Hölzle über Paradiesle und Warapu bis hin zur Gigelesfreizeit und Pfingstzeltlager gibt es einige Angebote, zwischen denen sich die Eltern entscheiden können. Die Gigelesfreizeit wird es, wie bereits berichtet, zumindest dieses Jahr nicht geben. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Laut Hauptorganisatorin Mabel Engler sind es unter anderem die Kinderzahlen, die zurückgegangen sind, und auch die Anzahl der ehrenamtlichen Helfer.

Ähnliches bekommen auch die Organisatoren vom Pfingstzeltlager des Turngaus Biberach zu spüren. Sie haben ebenfalls mit sinkenden Teilnehmerzahlen zu kämpfen. Im Jahr 1993 waren es noch 400 Anmeldungen, 2003 dann noch 183. Im vergangenen Jahr hatten sich nur 70 Kinder und Jugendliche angemeldet, um fünf Tage in den Pfingstferien in einem Zeltlager zu verbringen. Um das Zeltlager effektiv zu betreiben, müssten es aber mindestens 100 Teilnehmer sein.

Haupturlaubszeit verlagert sich

Den Hauptgrund sieht Inge Bopp, Leiterin des Lagers, in der Verschiebung der Haupturlaubszeit. Diese sei nicht mehr im Sommer, sondern eben an Pfingsten. Es hat sich auch die Grundlage des Camps geändert. "Eigentlich war das Camp zum Kennenlernen der anderen Vereine im Turngau gedacht, daran besteht aber scheinbar kein Interesse mehr", sagt Inge Bopp. Vielmehr würden eigene Camps der Vereine gegründet. Durch die geringere Teilnehmerzahl hat es einige Änderungen gegeben. "Wir machen in diesem Jahr mehr Werbung und intensivieren das Programm", sagt Bopp. Kein Problem gebe es bei der Anzahl der Betreuer, es hätten sich auch in diesem Jahr wieder viele Helfer gefunden.
Auch das Ferienwaldlager Hölzle hat seine Mitarbeiter für diesen Sommer schon zusammen. "Was die Mitarbeiter im pädagogischen Bereich angeht, war es dieses Jahr sensationell", sagt Steffen Mohr, Waldheimleiter und Jugendreferent des evangelischen Jugendwerks. Nur für die Küche werden noch Leute gesucht, "aber das dürfte kein Problem werden". Was die Kinderanzahl angeht, kann sich Steffen Mohr nicht beklagen: "Im Hölzle haben wir seit Jahren konstant immer mehr als 1000 Anmeldungen." Dass es die Gigelesfreizeit 2016 nicht geben wird, bedauert der Waldheimleiter: "Das ist natürlich sehr schade, zumal ich selbst auf dem Gigelberg wohne." So richtig vergleichen könne man die beiden Freizeiten allerdings nicht: "Die Gigelesfreizeit hat ein ganz anderes Konzept."

Die einzige Sorge, die Steffen Mohr trotz allem hat, ist die steigende Anzahl weiterer Freizeitangebote. "Momentan nehmen sich die etablierten Freizeiten wie Paradiesle, Warapu und Hölzle keine Kinder weg", so Mohr. "Aber natürlich ist die Summe der Kinder begrenzt und wenn in Zukunft mehr Firmen eigene Freizeiten anbieten, könnte das vielleicht zu einem Problem werden."

Für Daniel Rapp, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Warapu, läuft das gleichnamige Ferienlager besser denn je. "Bei uns gibt es viel Zulauf, es kommen jedes Jahr noch mehr Kinder." Im Schnitt melden sich zum Ferienlager in Laupertshausen, das immer in den ersten beiden Sommerferienwochen stattfindet, 300 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren an. Das Warapu gibt es bereits seit 15 Jahren. Laut Daniel Rapp werde die Nachfrage nach Ferienlagern immer größer: "Vor allem berufstätige Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder in den Ferien voll betreut sind." Und das könne das Warapu bieten. Out seien Ferienfreizeiten jedenfalls noch lange nicht. "Mit dem richtigen Konzept funktioniert es sehr gut", so Rapp.

Das Pfingstzeltlager findet in diesem Jahr von 23. bis 27. Mai statt, anmelden können sich Interessierte unter

Der Anmeldetag beim Hölzle ist der 16. März.

© Schwäbische Zeitung - 16.02.2016

Pfarrerin Ines Fischer übergibt den Anwesenden zum Abschied eine Rose. FOTO: CHRISTOPH KLAWITTER

Zum Ab­schied be­kommt Ines Fi­scher viel Wert­schät­zung

Zahlreiche Grußwortredner heben die Verdienste der Pfarrerin hervor


Mengen - Die evangelische Pfarrerin Ines Fischer hat in Mengen und Scheer tiefe Spuren hinterlassen. Das wurde bei ihrer Verabschiedung deutlich. Mehr als zehn Grußwortredner hoben die Leistungen von Ines Fischer hervor und betonten, dass ihr Weggang eine große Lücke hinterlässt.

Die Pauluskirche war voller Menschen. Sie waren alle gekommen, um Ines Fischer ein letztes Mal bei einem Gottesdienst in Mengen zu erleben. In den Mittelpunkt ihrer Predigt stellte sie ein Wort des Propheten Joel aus dem Alten Testament, in dem es darum geht, dass Gott seinen Geist über alle Menschen "ausgieße". Ines Fischer erläuterte, was sie darunter versteht: Wenn Menschen sich beispielsweise in einem langen, tiefen Gespräch gegenseitig öffnen, dann könne eine Einigkeit, ja ein göttlicher Geist der Gemeinschaft zwischen diesen Menschen entstehen. In der Grundschule sei sie etwa von Kindern gefragt worden: "Du, Frau Fischer, hat Jesus eigentlich zwei Väter, Josef und Gott?" Aus dieser Frage habe sich dann ein wunderbares Gespräch entwickelt. Diesem göttlichen Geist begegne sie auch, wenn sie auf Hausbesuche gehe und sehe, wie Nachbarn sich umeinander kümmerten, ohne darüber viele Worte zu verlieren. Oder wenn sie in ihrer Flüchtlingsarbeit erlebt habe, wie ihr jemand berichtet habe, dass er durch die Arbeit mit den Flüchtlingen seine Ängste vor Menschen mit dunkler Hautfarbe abgebaut habe.


Es wird Einschnitte geben

Nach dem Gottesdienst sprachen viele Redner Grußworte. Nicht immer störungsfrei war die Zusammenarbeit zwischen Fischer und ihrem Kollegen Wolfgang Raiser, wie dieser mit einem Lächeln durchblicken ließ. Ines Fischer habe gewusst, wo seine, Raisers, Schwachstellen liegen, und ihm das auch gesagt. "Das war nicht immer erfreulich, aber oft sehr lehrreich", bemerkte Raiser. Der Abschied von Ines Fischer komme nicht überraschend, weil bereits feststehe, dass die Pfarrstelle Mengen/Scheer auf 50 Prozent reduziert wird. Doch der Abschied hinterlasse jetzt eine massive Lücke. "Unsere Gemeinde, unsere Kirche steht vor einer großen Strukturveränderung", sagte er. Vieles Liebgewonnene könne so nicht fortgeführt werden, bereitete er die Gemeindemitglieder auf Einschnitte vor.
Ines Fischer habe eine unvergleichliche Art, auf Menschen zuzugehen und sie zu begeistern, sagte Silke von Fürich, ehemalige Vorsitzende des Kirchengemeinderats. "Die Jahre waren von einer ganz besonderen Dynamik getragen, die uns künftig sehr fehlen wird", sagte sie über die Arbeit im Gremium mit Ines Fischer. Dekan Hellger Koepf charakterisierte Ines Fischer als "politisch und fromm", während Klaus Saur vom Kinderbibelwoche-Team erläuterte, dass Fischer die jungen Menschen mit Respekt und Toleranz erreicht habe. Drei solcher jungen Menschen, Lukas Haile, Salome Selig und Lukas Vitt, erklärten, wie sehr Ines Fischer sie begeistert habe. "Es ist eine Fülle von Dingen, die du mit uns hochgezogen und am Leben erhalten hast", meinte Lukas Haile. "Mich persönlich haben Sie ganz tief berührt", ergänzte Lukas Vitt.

Eva-Maria Genter, die Leiterin der Grundschule Scheer, berichtete, mit welchem großen Engagement Ines Fischer den Religionsunterricht betrieben habe. "Du gehst, du wirst aber Spuren in den Köpfen und Herzen der Menschen hinterlassen", sagte sie. Karl-Heinz Bleicher vom Arbeitskreis Asyl erläuterte, dass Ines Fischer der Motor des Arbeitskreises war. Dudu, ein Asylbewerber, berichtete davon, wie einfühlsam Ines Fischer sei. Die Beharrlichkeit, das Durchsetzungsvermögen und das Organisationsgeschick der Pfarrerin hob Bürgermeister Stefan Bubeck vor. Auch von den Katholiken erhielt Ines Fischer Anerkennung für ihre Arbeit. Ines Fischer lebe "grenzüberschreitend, aber auch verbindend", meinte Pfarrer Stefan Einsiedler. Eugen Pröbstle, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderates Scheer, bemerkte, dass Fischer über fast sechs Jahre die Menschen mit ihrer freundlichen und festen Stimme begleitet habe. Auch Paul Bräuchle, evangelischer Pfarrer in Saulgau, und Gerlinde Blickle-Hummel, Vorsitzende des Kirchengemeinderats, sprachen ehrende Worte über Ines Fischer.

© Schwäbische Zeitung - 15.02.2016

Die 1+1-Mentoren wollen auch 2016 Grund- und Vorschulkinder verschiedenster Herkunft unterstützen. FOTO: HELGA MEIER

Dan­ke­abend für mo­ti­vier­te Men­to­ren

1+1-Mentoren begleiten Migranten- und Flüchtlingskinder aus Bad Buchau und Oggelshausen


Bad Buchau -
Für ihre Tätigkeit bei den 1+1-Mentoren für Grund- und Vorschulkinder hat der Ökumenische Kreis für Integration Bad Buchau (ehemals Ökumenischer Arbeitskreis Aussiedler Bad Buchau) seinen Integrationsbegleitern gedankt.

Nach dem Jubiläumsjahr 2015 wurden die Ehrenamtlichen zu einem Abendessen im Gasthaus Kreuz eingeladen. Im September 2015 konnte die Gruppe auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken.

Als besonderer Gast nahm Dieter Albert von der Diakonie Region Donau/Iller am Jahresrückblick teil. Er informierte über die aktuelle Flüchtlingssituation und überbrachte als Diskussionsgrundlage die Rede von Landesbischof Frank Otfried July zur Kundgebung gegen Rassismus und Gewalt am 16. Januar in Stuttgart. Auch im Jahr 2016 stehen motivierte Mentoren bereit, um Kinder im Vorschul- und Grundschulalter verschiedenster Herkunft zu unterstützen und bei ihrer Integration zu begleiten.

© Schwäbische Zeitung - 13.02.2016

Notfallseelsorger sind Teil der Rettungskette und werden bei größeren Unglücksfällen mitalarmiert.

Notfallseelsorger sind Teil der Rettungskette und werden bei größeren Unglücksfällen mitalarmiert.

Be­wusst den Spie­gel in die Hand neh­men

Brunhilde Raiser, Mengen, Geschäftsführerin Evangelisches Bildungswerk Oberschwaben 13. February 2016

Liebe Leserinnen , liebe Leser, sicher haben Sie heute Morgen schon in den Spiegel geschaut. Haare kämmen geht ja schwer ohne Spiegel. Sicherheitshalber schauen wir ja meist auch in den Spiegel, ehe wir das Haus verlassen. Stimmt alles, sitzt alles, könnten andere etwas Unordentliches entdecken?

War es nur ein kurzer, notwendiger Blick oder haben Sie sich Zeit genommen, Ihr Gesicht dabei intensiv angeschaut, Ihre Figur oder besser Ihren Körper bewusst wahrgenommen? Hatte das Gesicht mal wieder zu viele Unreinheiten, zu viele Falten, oder zu intensiver Nachwirkungen der Fasnet? Und der Körper- die Figur - wie kritisch war der Blick, wenn Sie ihn nicht gleich vermieden haben?

Ich möchte Sie heute einladen, in den nächsten Wochen sehr bewusst den Spiegel zur Hand zu nehmen- vor den Spiegel zu treten und dann Ja zu sagen zum eigenen Spiegelbild. Ja zu sagen zu dem Menschen, der Ihnen entgegensieht, zu sich selbst. Unterstützt weiß ich mich dabei von der "Fastenaktion 7 Wochen Ohne", die mit ihrem diesjährigen Motto genau dazu auffordert, wenn es heißt: "Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen". Wir laden Sie ein, aus vollem Herzen zu sagen: "Du bist schön!" - zum Menschen an Ihrer Seite wie auch dem eigenen Spiegelbild. Und sieben Wochen lang soll gelten: "ohne Runtermachen!" Halten Sie inne, wenn Sie am eigenen Körper mal wieder Abweichungen von der Traumfigur feststellen, wenn Sie Ihrem Nachwuchs die exotische Frisur verübeln oder dem Nachbarn den Gesang unter der Dusche."

Vielleicht erstaunt Sie dieses Motto, aber es wird uns allen sicher nicht leicht fallen, es zu leben. Viel zu schnell werten wir andere ab. Und nicht nur die Fasnetsfiguren Oberschwabens halten uns einen Spiegel vor. Sie tun es wenigstens, um uns auf unsere Irrwege oder Eitelkeiten aufmerksam zu machen. Aber im Alltag halten wir unseren Mitmenschen in der Regel den Spiegel vor, stempeln sie ab, machen sie nieder und geben ihnen nicht die Chance, wahrzunehmen und zu korrigieren.

"Du bist schön"- gelingt es uns, das zu andern zu sagen- ohne unangenehmen Unterton, ohne Eigennutz- sondern einfach, weil der andere Mensch wie wir selbst ein geliebtes Geschöpf Gottes ist?

"Du bist schön"- gelingt es uns, das einmal am Tag zu uns selbst zu sagen? Gelingt es uns, uns im Spiegelbild als die zu erkennen, die wir sind, auch wenn wir gerade weder sonnengebräunt noch geschminkt sind? Auch wenn wir nicht einem Model aus dem Katalog oder dem Fernsehen gleichen? Gelingt es uns, unser Schönsein nicht an reinen Äußerlichkeiten festzumachen, sondern das in uns und dem andern Menschen zu erkennen, was ihn als Gottes Ebenbild auszeichnet, was davon ausstrahlt, durch diesen Menschen, durch uns durchscheint- erkennbar wird. Sieben Wochen ein anderer Umgang mit dem Spiegel - und dann haben wir den anderen Blick geübt und uns vielleicht zu eigen gemacht.

© Schwäbische Zeitung - 12.02.2016

Notfallseelsorger sind Teil der Rettungskette und werden bei größeren Unglücksfällen mitalarmiert.

Notfallseelsorger sind Teil der Rettungskette und werden bei größeren Unglücksfällen mitalarmiert.

Not­fall­seel­sor­ger drin­gend ge­sucht
Im westlichen Landkreis gibt es viel zu wenig Ehrenamtliche für diesen Dienst


Von Bruno Jungwirth 12. February 2016

Riedlingen - Sie sind da, wenn Menschen eine Unglücksbotschaft erhalten. Sie bleiben, um zuzuhören, um Trost zu spenden. Ihr Name ist Programm: die Notfallseelsorger im Landkreis. Seit 15 Jahren unterstützen sie Polizei und Feuerwehr bei Einsätzen. Ihr Dienst wird von Einsatzkräften wertgeschätzt. Nur finden sich im westlichen Landkreis immer weniger Ehrenamtliche, die diese Aufgabe übernehmen wollen, sagt die katholische Dekanatsreferentin Kerstin Leitschuh.

Gerade mal acht aktive Notfallseelsorger stehen im Bereich von Riedlingen, Bad Buchau und Schussenried auf der Liste. Acht Notfallseelsorger, die das ganze Jahr über diesen Dienst abdecken sollen. Wenn dies gelingen sollte, müssten sie an 45 Tagen im Jahr Bereitschaft haben und dann rund um die Uhr in der Lage sein, einen Einsatz anzunehmen. Das ist viel; zu viel. So müssen Notfallseelsorger auch aus dem Bereich Biberach im westlichen Landkreis einspringen.

Die Zahl der Notfallseelsorger war im Bereich Riedlingen schon mal deutlich höher, sagt Leitschuh. "Es hat in der Tat einen Generationswandel gegeben. Es haben langjährige Notfallseelsorger aufgehört", erzählt sie. Aber auch andere Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich weniger Freiwillige für die Aufgabe finden. "Wir spüren ganz deutlich den Wandel im Ehrenamt." Die Frau, die zuhause ist und neben der Haus- und Erziehungsarbeit im Ehrenamt eine weitere Aufgabe sucht, wird immer seltener. Und wer etwas im Ehrenamt sucht, kann aus der ganzen Bandbreite auswählen.

Die Ehrenamtlichen der Notfallseelsorge werden - wie der Name sagt - bei Notfällen hinzugerufen: bei Bränden, wenn die betroffene Familie betreut werden muss; bei Vermisstensuchen, wenn die Angehörigen in Angst sind. Aber zumeist sind die Notfallseelsorger gefordert, wenn es gilt gemeinsam mit der Polizei Todesnachrichten - etwa nach Unfällen - zu überbringen. Wenn die Beamten gehen, bleiben die Notfallseesorger bei den Angehörigen zurück. 111 Einsätze hatten die 44 Notfallseelsorger im vergangenen Jahr im ganzen Kreis Biberach, 30 davon in der Region zwischen Riedlingen und Bad Schussenried.

Da muss schon eine persönliche Nähe zur Aufgabe in der Notfallseelsorge gegeben sein. Denn Notfallseelsorger haben mindestens über Tage, häufig auch eine ganze Woche, Bereitschaftsdienst. Dann müssen sie sich in der Zeit immer in der Region aufhalten, für den Einsatzfall. Aber die Notfallseelsorger müssen auch bereit sein, im Trauerfall dazu sein; seelischen Schmerz von Betroffenen auszuhalten. Dafür brauchen sie Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit zum Zuhören, aber auch eine physische und vor allem eine psychische Belastbarkeit.

Diejenigen, die sich für diesen Dienst interessieren, werden auf die Aufgabe vorbereitet. Am Anfang steht ein Aufnahmegespräch, in dem auch die Motivation für das Ehrenamt abgeklopft wird. Oft sind es eigene Verlusterfahrungen, die Menschen antreiben, dies zu tun. Sie erhalten Fortbildungen und Supervision, können bei Polizei und DRK hospitieren. Doch eine finanzielle Entschädigung gibt es nicht. Die Ehrenamtlichen erhalten Fahrgeld, mehr nicht.

2002 wurde die Notfallseelsorge im Kreis Biberach gegründet. Inzwischen ist der Dienst in der Rettungskette nicht mehr wegzudenken. "Die Wertschätzung von Polizei, DRK und Feuerwehr ist da; sie sind froh, dass es uns gibt", sagt Kerstin Leitschuh.

Wer Interesse hat in der Notfallseelsorge tätig zu sein, kann sich bei der Geschäftsstelle des Dekanatsverbands in Biberach melden, Telefon: 07351 182130 oder per E-Mail: dekanat.biberach@drs.de.

© Schwäbische Zeitung - 12.02.2016

Nach 35 Jahren Auflösung des Ummendorfer evangelishcen Kirchenchors.

Brigitte Eichhorn-Friedrich (hinten links) hat den evangelischen Kirchenchor der Versöhnungskirche 35 Jahre lang geleitet. Foto: privat

Evan­ge­li­scher Kir­chen­chor löst sich auf
Nach 35-jährigem Wirken in Ummendorf - Am Schluss waren es zu wenig Mitglieder


Von Birgit van Laak 12. February 2016

Ummendorf - 35 Jahre lang hat der Ummendorfer evangelische Kirchenchor Gottesdienste mitgestaltet und Konzerte gegeben. Jetzt hat sich der Chor der Versöhnungskirche aufgelöst. "Es war schwer für mich", sagt Brigitte Eichhorn-Friedrich, die den Chor 35 Jahre lang leitete.

25 Mitglieder zählte der Kirchenchor der Versöhnungskirche zu seinen besten Zeiten. Zum Schluss waren es noch 15. Als fünf Mitglieder ankündigten, den Chor zu verlassen, zeichnete sich das Ende ab. Der Chor wurde einfach zu klein. Die Sängerinnen und Sänger waren älter geworden. Mit dem Ruhestand entwickelten sich andere Alltagsplanungen, sagt Brigitte Eichhorn-Friedrich, die ehemalige Chorleiterin. "Man hat Enkel, die weiter weg sind und die man besucht, oder eine Mutter, die man pflegt", erläutert sie. So könne nicht mehr jeder regelmäßig an den Proben teilnehmen. Hinzu komme, dass auch wegen Erkrankungen Mitglieder immer wieder einmal ausfallen würden. Stimmbandreizungen könnten durchaus dazu führen, dass jemand mehrere Wochen nicht singen dürfe. Bei einem kleinen Chor, in dem die einzelnen Stimmen nur mit ganz wenigen besetzt sind, ist das ein Problem.

Viele wollen sich nicht binden

Sängernachwuchs zu gewinnen sei nicht gelungen, berichtet Brigitte Eichhorn-Friedrich. Und je älter die Stamm-Mitglieder wurden, desto unattraktiver schien der Chor für junge Sänger zu sein. "Wenn einmal jemand dazukam, blieb er nicht. Einer sagte einmal zu mir: Ich würde gerne in einem Chor singen, in dem mehr Junge dabei sind", erzählt sie. Einen weiteren Grund für die Nachwuchssorgen, die derzeit vielen Chören zu schaffen machen, sieht sie in den gesellschaftlichen Veränderungen. "Die Leute sind nicht mehr bereit, sich so zu binden", sagt Brigitte Eichhorn-Friedrich. Im Chor zu singen bedeutet jede Woche einen fixen Termin. Für Projektchöre könne man Mitglieder gewinnen, berichtet Brigitte Eichhorn-Friedrich über die Entwicklungen in der Chorlandschaft. Aber die Hoffnung, dass man auf diesem Weg Sänger für den festen Chor gewinnen könne, erfülle sich eben meist nicht.

Die soziale Funktion, die ein Chor früher hatte, besitze er heute nicht mehr in dem Maß, schildert sie eine weitere Ursache für die Nachwuchsprobleme. "Als wir unseren Chor gründeten, kam eine Landwirtin, die sonst keine große Gelegenheit hatte, aus dem Haus zu kommen", erzählt Brigitte Eichhorn-Friedrich. Damals habe der Chor die Leute aufgefangen, dort habe man Kontakt gefunden. Doch Anschluss suchen viele heute auf anderen Wegen. "Das sieht man auch am Ummendorfer Seniorennachmittag. Früher war es dort rappelvoll, man traf sich zum Reden. Heute sind es viel weniger."

Das Aus war ein Schlag

Dass sich der Chor nach so vielen Jahren auflöst, hat Brigitte Eichhorn-Friedrich getroffen. "Es war furchtbar für mich", sagt sie. Wenn sie auf das zurückblickt, was ihr Chor in den 35 Jahren geleistet hat, ist sie stolz. 2012 feierte der Chor seinen größten Erfolg mit der Aufführung der "Keltischen Messe". "Die Kirche war brechend voll", erinnert sich Brigitte Eichhorn-Friedrich. "Ein halbes Jahr später war die Aufführung immer noch Gesprächsthema." Aber nicht nur an die großen Konzerte denkt sie gerne zurück, sondern auch an die vielen Gottesdienste oder die Auftritte im Seniorenheim. "Wir hatten ein großes Repertoire", erzählt sie. Wenn sie für die Begleitung Musiker angesprochen habe, habe sie stets gehört: Danke, dass ich mitmachen darf. "Wir waren nicht schlecht", sagt sie bescheiden.

© Schwäbische Zeitung - 11.02.2016

Ein elfköpfiges Team koordiniert nach dem Weggang von Pfarrerin Ines Fischer den Arbeitskreis Asyl.

Ein elfköpfiges Team koordiniert nach dem Weggang von Pfarrerin Ines Fischer den Arbeitskreis Asyl. Von links: Doris Danner, Liane Schmid, Karlheinz Bleicher, Uta Rapp, Ines Fischer, Barbara Kloidt, Martin Klawitter, Elke Reinauer und Horst Reinauer. Auf dem Foto fehlt Martina Gruber. Foto: VR

"Die Flücht­lin­ge spü­ren, dass je­mand für sie da ist"
Ein elfköpfiges Leitungsteam koordiniert nach dem Weggang von Pfarrerin Ines Fischer den Arbeitskreis Asyl

Von Vera Romeu 11. February 2016

Mengen - Pfarrerin Ines Fischer wird sich am Sonntag mit einem Gottesdienst aus Mengen verabschieden und neuen beruflichen Herausforderungen nachgehen. Sie hat Anfang 2014 den Arbeitskreis Asyl, schon bevor die ersten Flüchtlinge nach Mengen kamen, mit ehrenamtlichen Bürgern mitgegründet. Zu Beginn war die Koordinationsarbeit nur auf einen kleinen Kreis beschränkt. Immer mehr Arbeitsbereiche kamen aber hinzu, sodass ein Leitungsteam installiert wurde, das inzwischen elf Ehrenamtliche umfasst.

Diese teilen sich nun die Aufgaben, sie sind Ansprechpartner für die Bürger, die sich engagieren möchten. Das Team arbeitet seit Monaten effizient und ist nun der Garant für die Kontinuität der Arbeit nach dem Weggang von Pfarrerin Fischer. "Wir sind gut in die Aufgaben eingearbeitet worden. Jeder von uns wird nun die definitive Verantwortung für seinen Bereich haben. Wir sind bereits geübt, wir können es leisten", erklären die Mitglieder des Leitungsteams.

Homepage definiert Aufgaben

Auf der Homepage des Arbeitskreises Asyl steht das Organigramm. Darin steht, wer für welche Arbeitsbereiche und Aufgaben zuständig ist. Aufgaben sind zum Beispiel die Sprachvermittlung und Sprachpatenschaften, die Verfahrensberatung, die Fahrräder-Instandsetzung, die Suche nach gemeinnütziger Beschäftigung oder Arbeitsplätzen, Wohnraumfragen, die Koordination der Arztbesuche, der Betrieb des Asyl-Cafés, die Freizeitgestaltung. "Bürger, die sich gern engagieren möchten, sehen auf der Homepage, an wen sie sich wenden können", erklärt Martin Klawitter, der hauptsächlich administrative Aufgaben übernommen hat und erster Ansprechpartner in allen Belangen sein wird.

Das Leitungsteam trifft sich einmal im Monat und bereitet die Tagesordnung der Sitzung des rund 50-köpfigen Arbeitskreises Asyl vor, der ebenfalls einmal im Monat zusammenkommt. Es sind entsprechende Kommunikationswege eingerichtet worden, weil die Weiterleitung von Informationen gesichert sein muss. "Bisher bekamen wir täglich die Informationen von Pfarrerin Fischer. Jetzt sind wir dafür verantwortlich, dass jeder gleich informiert ist. Das ist sehr wichtig, damit das Engagement auf dem erreichten Niveau erhalten bleibt, denn Information bedeutet gleichzeitig Motivation", erklärt Klawitter.

Mit Freude engagiert

Die Ehrenamtlichen stellen klar: Wenn die Politiker sagen, Ehrenamtliche seien überfordert, man müsse schärfere Gesetze machen, weil man Ehrenamtliche nicht überfordern dürfe, dann trifft das nicht die Stimmung im Arbeitskreis Asyl. "Das ärgert uns. Wir sind nicht ansatzweise überfordert! Wir engagieren uns mit Freude", erklärt ganz vehement Karl-Heinz Bleicher, der zukünftig die monatlichen Sitzungen leiten wird. Auch sei beeindruckend, wie junge Leute aus Mengen sich ganz selbstverständlich für Flüchtlinge engagieren und mit ihnen etwas unternehmen. "Die Flüchtlinge spüren in Mengen, dass jemand für sie da ist", erklären die Mitglieder des Leitungsteams.

Und doch haben sie Wünsche und fordern ein, dass sich auch die Stadtverwaltung einsetzt. "Auf Dauer kann sich die Kommune nicht heraushalten und ausschließlich auf das ehrenamtliche Engagement setzen. Integration geschieht immer vor Ort, unabhängig davon wer rechtlich zuständig ist", sagt Pfarrerin Fischer. Auf Dauer könne in Mengen die Integrationsarbeit nicht ohne hauptamtliche Mitarbeiter geschehen.

Integration kann gelingen

"Ich denke, Flüchtlinge können sehr gut integriert werden, wenn die Unterbringungseinheiten überschaubar sind und wenn viele Menschen ihren kleineren oder größeren Teil dazu beitragen - aber das ehrenamtliche Engagement braucht auch Unterstützung und Förderung - gerade weil es ein unentgeltliches ist", sagt Pfarrerin Fischer. "Wir bemühen uns nach Kräften, Integration erfolgreich zu bewerkstelligen. Dabei gibt es manchmal auch Rückschläge oder Misserfolge, aber zum allergrößten Teil haben wir den Eindruck, dass die Flüchtlinge die Integrationsangebote annehmen und sich nach Kräften bemühen hier Fuß zu fassen."

© Schwäbische Zeitung - 11.02.2016

Eh­ren­amt­li­che ap­pel­lie­ren an die Stadt
Ein Gemeinschaftsraum wird nach wie vor dringend gebraucht


Mengen - Die Mitglieder des Leitungsteams im Arbeitskreis Asyl Mengen haben klare Vorstellungen davon, was für erfolgreiche Integrationsarbeit notwendig ist. Sie adressieren nun zum wiederholten Mal ihren Appell an die Stadtverwaltung.

Zum einen braucht es einen Gemeinschaftsraum, denn in der Flüchtlingsunterkunft gibt es keinen. Um vertrauliche Gespräche zu führen, als Pate Sprachübungen zu machen oder einfach um sich zu versammeln, ist ein größerer Raum notwendig. Derzeit stellt die evangelische Kirchengemeinde ihre Räume zu Verfügung.

Zum anderen ist eine Garage oder ein Platz - vielleicht beim Bauhof - notwendig, um die Fahrräder der Flüchtlinge zu reparieren. Ein Teil der Flüchtlinge wird in absehbarer Zeit anderen Wohnraum brauchen: Die ersten Flüchtlinge leben bald zwei Jahre in der Unterkunft des Landratsamts und müssen dann raus. Der Landkreis übergibt dann die Verantwortung an die Kommunen, die Wohnraum zu besorgen haben, falls auf dem freien Wohnungsmarkt keine Möglichkeit besteht.

"Manche Flüchtlinge haben sich bereits in Mengen gut integriert, sie in andere Gemeinden unterzubringen ist kontraproduktiv", erklären die Mitglieder des Leitungsteams. Und sie appellieren an die Bürger: Es sind demnächst Wohnungen auf dem privaten Markt gefragt. Es gibt bereits gute Erfahrungen damit, Vermieter werden beraten und die Flüchtlinge auf diesem Weg begleitet. Bisher gibt es 30 Sprachpaten. Das ist eine stattliche Zahl. Aber weitere Flüchtlinge warten noch darauf, vermittelt zu werden.

"Es braucht keine Voraussetzungen, sondern nur guten Willen", erklären Elke Reinauer und Uta Rapp, die die Aufgabe Sprachvermittlung übernommen haben. Sprachpate und Flüchtling schauen sich das im Unterricht Erlernte noch einmal gemeinsam an und üben es auch mal in der Praxis: zum Beispiel ein Einkaufsgespräch. Oder sie üben Sprache auf eine ganz andere Weise und es gibt keine Vorgaben. Im Moment treffen sich die Paten mit ihren Schützlingen im Fairkaufhaus.


© Schwäbische Zeitung - 11.02.2016

Die Gospelsänger Helmut Jost und Ruthild Wilson singen in Bad Saulgau, Wilhelmsdorf, Aulendorf

Die Gospelsänger Helmut Jost und Ruthild Wilson treten in Bad Saulgau, Wilhelmsdorf, Aulendorf und Schorndorf auf. Foto: lichtwerk christian plaum

Gos­pel­sän­ger tre­ten bei Abend­got­tes­diens­ten auf
Veranstaltung der Zieglerschen in Bad Saulgau, Wilhelmsdorf, Aulendorf und Schorndorf


Bad Saulgau - Zu den nächsten Zago, den Abendgottesdiensten der Zieglerschen laden die Veranstalter ein: am Dienstag, 16. Februar, um 16.30 Uhr in der Kapelle am Siebenkreuzerweg in Bad Saulgau, um 19.30 Uhr in der Kapelle am Weg in Wilhelmsdorf, am Mittwoch, 17. Februar, um 19.30 Uhr in der Thomaskirche in Aulendorf und am Donnerstag, 18. Februar, um 18.30 Uhr im Karlsstift in Schorndorf. Zu Gast sind die Gospelsänger Helmut Jost und Ruthild Wilson.

Musik ist sein Leben, Gospel sein Thema. Helmut Jost ist Musiker mit Leib und Seele. An über 1000 CDs hat er als Musiker, Arrangeur oder Produzent mitgewirkt. Er komponierte mehrere Musicals und CD-Reihen für Kinder. Als Songwriter veröffentlichte er drei eigene Produktionen, die international starke Beachtung fanden. Helmut Jost gehört zu den Gründern der Band "Damaris Joy", die viele Jahre lang zu Konzerten in ganz Europa unterwegs war. Mitte der neunziger Jahre begann er, sich als Komponist und Arrangeur intensiv dem Musikgenre Gospel zu widmen. In Zusammenarbeit mit der Texterin Ruthild Wilson entstanden die CDs "Gospel Celebration" (1999), "Gospelfire" (2001) und "Send A Revial" (2006), die bei Jugend- und Erwachsenenchören eine neue Welle der Begeisterung für Gospelmusik auslösten.

Unzählige Gospel-Workshops und -Festivals zwischen Flensburg und Garmisch kennzeichnen bis heute die nachhaltige Resonanz der Gospel-CDs. 2010 wurde die CD "God Is Able" als vierte Produktion der Gospel-Reihe veröffentlicht, wiederum von den Sängern und Musikern der Band "Helmut Jost & Gospelfire" eingespielt. Die Konzerte von "Gospelfire" können als Beweis dafür gesehen werden, dass sich Gospelmusik nicht an der Frage der Hautfarbe festmacht, sondern an der Persönlichkeit und Integrität der Musiker.

Bewundernswert ist Josts einzigartiges Talent als Workshop-Leiter, der sprichwörtlich aus Nichts einen stimmig klingenden Chor formen kann. Seine Gospel-Workshops und Chor-Projekte zeigen, wie moderner Gospel klingen kann. Wie kein anderer versteht Jost es zu vermitteln, wie man Gospelmusik singt und dabei jede Menge Spaß hat. Seine Gospel-Workshops gehören zu den Höhepunkte in der Jahresplanung zahlreicher Chöre.

In Aulendorf ist der Zago eine Kooperation zwischen den Zieglerschen, der evangelischen Kirchengemeinde, der Schule am Schlosspark und des Gymnasiums. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten.

© Schwäbische Zeitung - 11.02.2016

Poe­try-Slam: Teil­neh­mer aus der Re­gi­on ge­sucht
Veranstaltung ist am 27. Februar zum dritten Mal in der evangelischen Kirche Erolzheim

Von Tobias Rehm 11. February 2016

Erolzheim - Lange Zeit hat es Poetry-Slams nur in Großstädten gegeben. In Erolzheim findet dieser literarische Wettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte vorgetragen werden, nun bereits zum dritten Mal statt. Am 27. Februar stehen in der evangelischen Kirche wieder Wortkünstler aus ganz Deutschland auf der Bühne. Die Veranstalter - der Erolzheimer Kulturausschuss und die evangelische Kirchengemeinde Erolzheim-Rot - sind noch auf der Suche nach Teilnehmern aus der Region.

Die evangelische Diasporakirche war bei den ersten beiden Auflagen jeweils voll besetzt - gut 100 Leute finden dort Platz. Pfarrer Matthias Ströhle spricht von einer "Wohnzimmer-Atmosphäre", die einen besonderen Eindruck mache. Beim Publikum und bei den Künstlern. "Diese Nähe macht ganz viel aus", sagt Matthias Ströhle. Er sei schon oft gefragt worden, ob die Veranstaltung nicht an einen anderen, größeren Ort verlegt werden könnte, beispielsweise eine Halle. "Das kommt aber nicht in Frage, das würde den ganzen Slam kaputt machen."

Ihm sei es wichtig, so der evangelische Pfarrer, dass die Kirchengemeinde bewusst ihre Türen nach außen öffne. Nicht nur für ein bunt gemischtes Publikum, sondern auch für die Vortragenden. "In gewisser Weise werden an jenem Abend auch Predigten gehalten", so Ströhle. Es entstehe ein Dialog. "Das ist das spannende auch für mich als Pfarrer." Teil des Dialogs sind mindestens sechs Poeten, die ihre Kommen bereits angekündigt haben. Marvin Suckut aus Konstanz wird wie in den vergangenen Jahren als Slammaster auf der Bühne stehen und den Wettbewerb moderieren.

Zudem hoffen die Veranstalter, dass sich noch der ein oder andere Teilnehmer aus der Region findet. Es sei ihm wichtig, erklärt Pfarrer Ströhle, dass Leuten aus der Gegend die Möglichkeit gegeben wird, sich mit erfahreneren Poetry-Slam-Teilnehmern zu messen und auszutauschen. Die Regeln sind einfach: Jeder Poet hat sieben Minuten Zeit, Requisiten sind nicht erlaubt. Vorgetragen werden können alle Themen, die einen bewegen, egal ob frei, oder abgelesen. Und dann brauchen die Teilnehmer noch ein bisschen Mut, um vor gut 100 Zuhörern auf der Bühne zu stehen.

Der 3. Erolzheimer Poetry-Slam beginnt am Samstag, 27. Februar, um 20 Uhr in der evangelischen Kirche. Karten zum Preis von sieben Euro können im Rathaus Erolzheim, Telefon 07354/93180, bestellt werden. Wer beim Poetry-Slam selbst auf der Bühne stehen möchte, kann sich im Internet anmelden:

© Schwäbische Zeitung - 11.02.2016

Bürgermeisterstellvertreterin Brunhilde Raiser (links) und Pfarrer Wolfgang Raiser gratulieren Elisabeth Liebel zum Geburtstag.

Bürgermeisterstellvertreterin Brunhilde Raiser (links) und Pfarrer Wolfgang Raiser gratulieren Elisabeth Liebel zum Geburtstag. Foto: Vera Romeu

Je­den Tag kom­men frän­ki­sche Ge­rich­te auf den Tisch
2004 kam Elisabeth Liebel nach Mengen - Mutter von zwei Töchtern feiert ihren 90. Geburtstag


Mengen - Mit Freude hat Elisabeth Liebel die Glückwünsche der Stadt zu ihrem 90. Geburtstag entgegengenommen: Bürgermeisterstellvertreterin Brunhilde Raiser überbrachte eine Gratulationskarte und eine große Obstschale. Pfarrer Wolfgang Raiser kam mit einer Rose vorbei und gratulierte im Namen der Kirchengemeinde.

Elisabeth Liebel wurde in Franken geboren und lebt seit 2004 gemeinsam mit ihren beiden Töchtern im selben Haus in Mengen. Liebel kocht täglich für die ganze Familie. "Sechs Personen sind wir jeden Tag am Tisch. Es gibt zum Beispiel Krautwickel oder Kartoffelklöße - fränkische Küche eben", sagt sie. Elisabeth Lieben schmeißt den kompletten Haushalt, im Frühjahr bepflanzt sie die Geranienkästen.

Von der Wohnung an der Hauptstraße aus sieht Elisabeth Liebel keinen Baum und keinen Busch. Das fehlt ihr. "Ich bin im Wald aufgewachsen. Wir haben mit Rehen und Hasen gespielt", sagt sie. "Und weil der Fischbach durch den Garten floss, waren Bisamratten und Biber ebenfalls Spielfreunde." Später, als sie in Nürnberg und Erlangen lebte, hatte Liebels Familie einen großen Garten und viel Grün um sich herum. Elisabeth Liebels Schulzeit fiel in die Hitlerzeit. Die besten Noten hatte sie in Religion - was ihr zum Verhängnis wurde: Der Lehrer traktierte sie, gab ihr in den anderen Fächern schlechte Noten. Er zerriss ihre Aufsätze und warf sie zum Fenster hinaus. Im letzten Schuljahr wechselte Elisabeth Liebel die Schule.

Anschließend, sie war 14 Jahre alt, absolvierte sie 1940 das Pflichtjahr in einem Käsegeschäft. Danach absolvierte sie eine Lehre als Industriekauffrau, lernte Kanzleidienst und bekam eine Stelle in der Forstverwaltung in Ansbach.

Ihren Mann heiratete sie 1948. Trotz schlechter Zeiten wurde das Fest schön: Elisabeth Liebel wurde mit dem Auto gefahren. Der Pfarrer holte sie mit den vielen Kindern, mit denen sie jeden Sonntag Kindergottesdienst feierte. Das Brautkleid lieh sie bei einer Schneiderin. "Weil ich im Forstamt arbeitete, habe ich ihr Holz dafür gebracht", sagt Elisabeth Liebel, die inzwischen seit 33 Jahren Witwe ist. Der Tod ihres Mannes war für sie ein herber Schlag, von dem sie sich nur mühsam erholte. "Aber wir haben in der Familie alle fest zusammen gehalten", sagt Elisabeth Liebel.

© Schwäbische Zeitung - 10.02.2016

Kir­chen­ge­mein­de ver­ab­schie­det Pfar­re­rin Fi­scher

Mengen - Pfarrerin Ines Fischer verabschiedet sich am Sonntag, 14. Februar, nach fast sechs Jahren von der evangelischen Kirchengemeinde Mengen, um eine neue Stelle als Pfarrerin für Flüchtlingsarbeit im Kirchenbezirk Reutlingen und in der Prälatur Reutlingen anzutreten. Der Abschiedsgottesdienst findet um 16 Uhr in der evanglischen Pauluskriche statt, anschließend gibt es ein gemütliches Beisammensein mit Grußworten im Gemeindesaal.

© Schwäbische Zeitung - 10.02.2016

Pfarrerin Elke Maisch ist Klinikseelsorgerin in Bad Schussenried

Pfarrerin Elke Maisch ist Klinikseelsorgerin in Bad Schussenried (Foto privat)

Elke Maisch ist neue Klinikseelsorgerin für Bad Schussenried und Aulendorf

Bad Schussenried sz Seit Anfang des Jahres ist die evangelische Pfarrerin Elke Maisch neue Klinikseelsorgerin für Bad Schussenried und Aulendorf. Nachdem die 54-Jährige viele Jahre lang als Gemeindepfarrerin rund um Esslingen gearbeitet hat, freut sie sich nun, sich dieser neuen Aufgabe widmen zu können.

Die Seelsorge war Maisch immer ein besonderes Anliegen. Das erkannte sie schon während des Studiums. Doch erst jetzt, nachdem ihre beiden Töchter aus dem Haus sind, ist es der alleinerziehenden Mutter möglich, ihren alten Traum zu verwirklichen.

Um ihren neuen Wirkungskreis so gut wie möglich kennenzulernen, hospitierte Maisch in den vergangenen vier Wochen in allen Kliniken, für die sie nun zuständig ist. „Die Psychiatrie als eine Einheit gibt es nicht“, stellte sie dabei fest. Jeder Mensch, der in Bad Schussenried oder Aulendorf stationär oder ambulant betreut werde, habe ganz unterschiedliche, eigene Bedürfnisse, Sorgen und Nöte.

Ein Mensch, der sich in einem frühen Stadium der Demenz befinde, nehme die Welt noch ganz anders wahr, als einer, dessen Leben mit dieser Krankheit sich dem Ende zuneige. „Wer bereits stark demenzkrank ist, findet Trost und Freude in Vertrautem“, erklärt die Geistliche. Das könne ein altes Kirchenlied aus der Kindheit oder ein vertrauter Gegenstand von zuhause sein. Patienten mit Suchtproblemen hingegen würden sich eher fragen, wie sie die Sehnsucht nach der Droge, nach diesem guten Gefühl, anderweitig stillen können.

Für Maisch steht fest: Es ist eine Kernaufgabe der Kirche, für alle Menschen da zu sein. Auch die Schwachen und Kranken. „Denn gerade wenn es uns nicht gut geht, brauchen wir jemanden, der uns zuhört und für uns da ist.“ Dabei sei es nicht zwingend nötig, dass dieser Mensch streng religiös sei. „Ich mache da keine Unterschiede“, erklärt die Pfarrerin. Wer jedoch an Gott glaube, dem helfe sie zu erkennen, wie der Glaube einem Kraft geben kann. Und Hoffnung. Denn darum gehe es in der Seelsorge: Gemeinsam herauszufinden, wie es wieder vorwärts gehen kann.

Warum ihr die Seelsorge so viel Freude bereitet? „Ich entdecke dabei immer mehr von der menschlichen Seele“, erklärt Maisch nach kurzem Überlegen. Das fasziniere sie und bereite ihr Freude. „Oft will unser Körper uns etwas sagen, wenn er krank wird“, sagt sie.

„Die Menschen nehmen sich heutzutage oft zu wenig Zeit für sich selbst, lieben sich selbst zu wenig.“ Und das kann krank machen. „Ich sorge dafür, dass die Menschen wieder mehr nach sich selbst schauen und gut zu sich selbst sind.“ Dabei sehe sie nie ihr Gegenüber als „krank“ an, sondern als Gottes Geschöpf mit vielen Fähigkeiten.


© Schwäbische Zeitung - 10.02.2016

Kommen gut an: Die "späten Mädchen" aus der ökumenischen Seelsorgeeinheit Lampertsweiler-Boos.

Kommen gut an: Die "späten Mädchen" aus der ökumenischen Seelsorgeeinheit Lampertsweiler-Boos. Foto: Monika Fischer

Bim-Bam-Ball bie­tet drei­stün­di­ges när­ri­sches Pro­gramm
Die katholische und evangelische Seelsorgeeinheit feiern gemeinsam Fasnet


Von Monika Fischer 10. February 2016

Bad Saulgau - Mit Witz, Temperament und viel Spielfreude haben die Akteure des Bim-Bam-Balls ein gut dreistündiges Programm auf die Bühne des vollbesetzten katholischen Gemeindehauses gestellt. Der Zunftmeister der Dorauszunft Bad Saulgau, Raphael Osmakowski-Miller, schlüpfte diesmal in die Rolle des Moderators und führte genauso kompetent wie schlagfertig durch den Abend. Im Publikum saßen auch Pfarrerin Stefanie Zerfass und Pfarrer Paul Bräuchle von der evangelische Kirche, ihnen gegenüber hatten sich Pfarrer Peter Müller und Pater Shinto Kattoor von der katholischen Seite platziert.

Nach guter Tradition wurde der Ball durch die Bläser und Trommler im Spielmannszug der Dorauszunft eröffnet, die mit fetzigen Klängen für das erste Stimmungshoch sorgten. Die Leiterin der Rhythmischen Sportgymnastik im TSV, Susanne Merz, hatte mit ihren Mädels einen Tücher-Tanz kreiert, der duftige Farbtupfer auf die Bühne setzte. Im Laufe des Abends präsentierten zwei weitere Formationen ihre Tanzstudien. Während die Dienstagsturnerinnen aus Fulgenstadt als Bonanza-Cowgirls loslegten, zeigten vier Mitglieder der Gruppe Showdance Delight einen mitreißenden Cancan in üppig gerüschten Roben. Renate Müller und Ingeborg Radtke waren als Sketch-Duo diesmal als vermeintliche Patientin und rigorose Ärztin im Einsatz. Beim "Buchstabensalat" der Ministrantengruppe herrschte zum Vergnügen des Publikums ordentlich Tumult auf dem Podium. Moritz und Stefan, zwei Buben aus der Pfarrjugend, bewiesen mit Stäben, Bällen, Kegeln und Diabolos, wie weit sie es bereits als Jongleur-Azubis gebracht haben. Die Mädchenkantorei unter ihrer Leiterin Waltraud Marschall hatte sich mit einer "Parodie zum Mitsingen" angesagt, wobei das Lied vom Männlein im Walde mal als Hochzeitslied, im Stile eines Kinder-, Männer- und Frauenchors erklang.

Die St. Johannes-Chorknaben traten diesmal als "Bim Bam-Choristen" an und boten unter ihrem Chef Volker Braig einen kunstvollen Rap. Darauf folgte die schwäbische Moritat "I sott a Motorrädle hau", die das Schicksal eines solchen Vehikels und seines Besitzers bis zum Schiffbruch beider beschrieb. Gesang gab's auch von drei Damen aus der ökumenischen Seelsorgeeinheit Lampertsweiler-Boos. Unter der Leitung von Erika Thomma beklagten die "späten Mädchen" in Straps und Liebestötern ihre vergebliche Jagd nach einem Mann.

Flotter Rollator-Express

Lustiger hatten es da die Witwen aus "St. Pauls", die mit ihrem "Rollator-Express" den Bierkonsum anzukurbeln versuchten. Das Duo Babett und Lena (Bärbel Schneider, Helene Straub) hatte sich in diesem Jahr einen feschen Dirndellook verpasst und beschrieb dem Publikum erstaunliche Tricks, um ihre männermordende Wirkung zu steigern. Dazu gehörte als Top-Utensil ein richtiger Tanga. Natürlich gab es von Udo Schleime, dem Mann mit dem unendlichen Witzevorrat, auch diesmal etliche Kostproben. Wie üblich berichtete auch Raphael Osmakowski-Millers "Kellergoischt" diverse Episoden aus dem Städtle. Dabei gab es unter anderen für den Ex Saulgauer Patrick Bauser "oins auf d' Finger". Der jetzige Bürgermeister von Altshausen hatte sich ein neues Auto mit modernster Technik zugelegt. Auf der Fahrt ins Rathaus muss ihn das Hightech-Display so verwirrt haben, dass er den nahenden Kreisverkehr übersah. Das Ergebnis: "Des Auto war so schee, doch noch 'ra halba Schtond war's hee."


© Schwäbische Zeitung - 09.02.2016

Kann die Papst-Enzyklika der Erde helfen?

Kann die Papst-Enzyklika der Erde helfen? Foto: BUND

Papst und Kli­ma­schutz: Um­steu­ern auch mit Herz
Kirchengemeinden, BUND, Bio- und Weltladen bieten Veranstaltung zur Papst-Enuzyklika


Bad Saulgau - Der Weltladen Asante, die Regionalgeschäftsstelle des Umweltverbands BUND, die katholische und evangelische Kirchengemeinde sowie der Bioladen Blüte und Frucht laden ein zu einer gemeinsamen Veranstaltung. Es geht um die Frage, inwieweit die Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus eine Anregung für die Verlangsamung des Klimawandels sein kann. "Neuanfang mit Herz und Hirn, die Sorge um das gemeinsame Haus Erde", nennen die Organisatoren die Veranstaltung. Sie beginnt am Donnerstag, 18. Februar, um 19 Uhr im katholischen Gemeindehaus in Bad Saulgau.

30 Jahre nach Tschernobyl und fünf Jahre nach Fukushima gehen die Meinungen, wie die Erde geschützt werden kann, weit auseinander. "Der ,Fußabdruck' der Menschen auf der Erde ist noch viel zu groß", heißt es in einer Pressemitteilung zur Veranstaltung. Hinter dieser Aussage steckt die Idee, dass die Schäden, die der Mensch beim Konsumieren und Produzieren hinterlässt immer noch größer sind als die Welt verträgt.

Nach Impulsen der beiden Referenten Paul Stollhof, Diplomtheologe und pädagogischer Geschäftsführer der Sießener Schulen, und Gerhard Stumpp, Vorsitzender des BUND Sigmaringen, besteht die Möglichkeit, sich im World-Café zu verschiedenen Fragen auszutauschen und fair gehandelte oder regionale Bioprodukte zu genießen.

© Schwäbische Zeitung - 09.02.2016

Der Hel­fer­kreis ist ak­tiv
Heinrich Dubell koordiniert die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Schwendi


Schwendi - "Wir wollen das schaffen" ist das Motto, das sich die Flüchtlingshilfe Schwendi mit dem Helferkreis gesetzt hat. Dieser traf sich jüngst zum zweiten Mal. Dabei berichteten die einzelnen Gruppen aus ihrer bisherigen Tätigkeit.

Gruppe Freizeit (GF): Die Nachbesprechung zum Willkommens-Café am Samstag, 23. Januar, bei dem sich die Flüchtlings-Familien mit den Helfern das erste Mal getroffen haben, ist als erfolgreich gewertet worden. Erwachsene und Kinder waren beschäftigt - die einen mit Kaffee, Kuchen und Gesprächen; die anderen mit Spielen. Das Kleinste schaute neugierig in die Runde. In Zukunft wird die GF regelmäßig Asyl-Cafés veranstalten. Dazu werden auch die Bürger der Gemeinde eingeladen - zum Knüpfen von Kontakten und Abbau von Ängsten.

Gruppe Sprache (GS): Die GS konsituierte sich am 4. Februar. Es sollen Deutschkurse angeboten werden, die Voraussetzung für die Integration der Flüchtlingen in der Gemeinde sind. Im Alltag und bei der Arbeit ist die deutsche Sprache gefordert und auch unerlässlich. Als Arbeitsgrundlage dienen die von der ökumänischen Flüchtlingshilfe bereitgestellten Unterlagen.

Gruppe Patenschaften (GP): Die ersten Kontakte mit den Flüchtlingen verliefen mithilfe der beiden Dolmetscher problemlos. Den Kindern machte die Sprach-Barriere keine Probleme. Bei den Erwachsenen war es dagegen etwas schwieriger. Von jetzt an werden die einzelnen Familien in ihrem Alltag betreut. Inzwischen konnten zwei weitere Kinder im Kindergarten Schwendi aufgenommen werden. Das ist die beste Integration für die Familien, weil Kinder keine Sprachprobleme haben.

Fahrräder: Aus dem Helferkreis kam die Idee, die Flüchtlinge mit Rädern mobil zu machen. Damit kann die Gruppe Freizeit-Radtouren in die nähere und weitere Umgebung veranstalten. Die Flüchtlinge sollen auf den Ausflügen ihre "neue Heimat" besser kennenlernen.

Fahrradwerkstatt: Gesucht werden leicht beschädigte Fahrräder, Roller und Dreiräder, die von der "Fahrradwerkstatt" für die Flüchtlinge verkehrssicher hergerichtet werden.

Spendenkonto: Die Gemeinde Schwendi hat sich bereit erklärt, ein Konto für Spenden an die Flüchtlingshilfe zu führen. Damit kann die Gemeinde Spenden-Bescheinigungen ab ein betrag von 100 Euro ausstellen. So spart sich der Helferkreis einen Kassierer. Zugang wird eine Vertrauensperson haben, die aus den Ansprechpartnern der Gruppen bestimmt wird.

Ortsgruppen: In mehreren Ortsteilen haben sich Helfer gefunden, die erst aktiv werden, wenn Flüchtlinge im jeweiligen Ortsteil untergebracht werden. Sie leisten: Hilfe vor Ort.

Unterbringung: Die politische Gemeinde ist für die Anschluss-Unterbringung (Wohnung und Heizung) zuständig. Die Betreuung der Menschen obliegt dem Helferkreis. Bisher sind alle 23 Flüchtlinge dezentral in Schwendi verteilt. In diesem Jahr erwartet die Gemeinde weitere 50 Menschen, die untergebracht werden müssen. Bereits jetzt renoviert die Gemeinde im Herdweg weitere Wohnungen. Wenn im Ort Schwendi kein Platz mehr ist, werden die Ortsteile mit ihren Wohn-Kapazitäten benötigt.

Treffen: Der Helferkreis wird sich vier Mal im Jahr, jeweils am letzten Dienstag im Quartal, treffen. Zwischenzeitlich treffen sich die Gruppen-Leiter, um alle anstehenden Fragen zu beraten und zu entscheiden.

Nach Ende der Kurzberichte stand die Frage des Leiters des Arbeitskreises der Flüchtlingshilfe Schwendi auf der Agenda. Auf Vorschlag von Angelika Eyrich (Diakonie Biberach), zuständig für die Flüchtlingsarbeit im östlichen Landkreis Biberach, wurde Heinrich Dubell ohne Gegenkandidatur und ohne Gegenstimme gewählt. Er übernimmt die bisherige Gesamtleitung von Angelika Eyrich in der Gemeinde. Damit ist er der Koordinator und Ansprechpartner für die Bürger und die Flüchtlinge in der Gemeinde Schwendi.

Termine: Freitag 12. Februar, 19 Uhr: Gruppe Freizeit, Gemeindehaus. Dienstag, 16. Februar, 19.30 Uhr: Treffen Gruppe Paten, Gerberwiesen. Samstag, 20. Februar, 9 bis 17 Uhr: Vortrag ökumenische Flüchtlingsarbeit. Mittwoch, 27. April, 19 Uhr: Treffen Helferkreis, Rathaus.

© Schwäbische Zeitung - 03.02.2016

Gabriele Wiest stellte im Uttenweiler Bürgersaal Bereiche vor, in denen sich Ehrenamtlich einbringen können

Gabriele Wiest stellte im Uttenweiler Bürgersaal Bereiche vor, in denen sich Ehrenamtlich einbringen können. Foto: Stephanie Speiser

Flücht­lings­ar­beit muss noch wach­sen
Gute Ansätze sind da in Uttenweiler, Engagement soll aber besser koordiniert werden


Von Stephanie Speiser 3. February 2016

Uttenweiler - Wie allgegenwärtig die Flüchtlingsthematik ist, hat sich am Montagabend bei der Uttenweiler Koordinationsveranstaltung für ehrenamtliches Engagement in der Asyl- und Flüchtlingsarbeit gezeigt. In einem allerersten Schritt hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die verschiedene Angebote auf den Weg bringen soll.

Zahlreiche Bürger waren der Einladung von Bürgermeister Werner Binder und Gemeindereferentin Hermine Burger in den Uttenweiler Bürgersaal gefolgt. Moderiert hat die Veranstaltung Sozialpädagogin Gabriele Wiest, die sich für die ökumenische Flüchtlingshilfe einsetzt und dabei auf ein jahrelanges Hintergrundwissen zurückgreifen kann. Ziel war es, die Flüchtlingsarbeit in Uttenweiler und den Teilgemeinden besser zu organisieren und zu koordinieren sowie einen Helferkreis einzurichten. Wiest betonte, dass dies keine Gründungsveranstaltung sei, denn in Uttenweiler laufe es zum Glück auch so. Vielmehr solle man die Familien mit Migrationshintergrund begleiten und dies hier kommunizieren. Dass Wiest hier Recht hatte, zeigte sich in der Austauschrunde.

In Offingen etwa lebt seit Oktober eine Flüchtlingsfamilie, die von Ortsansässigen vorbildlich unterstützt wird. Ehrenamtliche bieten Fahrdienste an, geben Deutschunterricht und haben sogar das eigene Haus für die syrische Familie zur Verfügung gestellt. Die Betreuung in Offingen sei bisher in Form einer "Patenschaft" abgelaufen, so Burger. Dies sei allerdings für die kommende Gemeinschaftsunterkunft in Uttenweiler, die zukünftig mehr als 30 Flüchtlinge beherbergen soll, nicht möglich. Bürgermeister Binder erklärte, dass die Flüchtlinge zunächst in noch zu errichtenden Containern auf dem ehemaligen Recyclinghof untergebracht werden. Insgesamt lebten in der Gemeinde dann 84 Flüchtlinge, darunter zwei schwangere Frauen. Durch diese große Zahl werden die Bedingungen für Patenschaften erschwert. Daher werde man eher versuchen, einen Helferkreis aufzubauen. Doch, wie alle Referenten betonten, sei es ohne die Hilfe von Ehrenamtlichen unmöglich, sich um die Menschen zu kümmern. Damit jedoch nicht Einzelne die ganzen Aufgaben alleine stemmen müssen, wurde versucht, Arbeitsgruppen zu bilden. Sie sollen sich um unterschiedliche Bereiche wie Sprachförderung, Freizeitangebote für Kinder oder Mobilität kümmern.

Die Rückmeldungen sprachen allerdings dafür, dass man den Schritt der Arbeitsgruppen und der Strukturierung nicht an diesem Abend im Plenum vereinbaren soll, dafür sei es zu früh. Stattdessen trifft sich zeitnah eine Gruppe mit Interessierten und Freiwilligen, um dann zu klären, was wie angeboten werden kann und wer welchen Beitrag leisten kann.

Als Termin wurde der Montag, 7. März, ab 19 Uhr festgelegt, um im kleineren Kreis über die Unterpunkte zu sprechen. Wiest endete mit der Feststellung, dass schon vieles gut sei in Uttenweiler, aber dass einiges einfach noch wachsen müsse.