© Schwäbische Zeitung 25.10.2016

Pfarrerin Andrea Luiking und Architekt Peter Lukaschek erklärten anhand von Plänen, was schon geschafft ist und was noch gemacht werden muss. SZ-FOTO: JUDITH EZEREX

Glau­be will gut be­dacht sein

Die Versöhnungskirche Ummendorf feiert Abschnitt eins der Dachsanierung - und zwar ökumenisch


Ummendorf -
Noch steht das Gerüst, doch die Sanierung des Kirchendachs der Versöhnungskirche in Ummendorf ist bis auf wenige Kleinigkeiten vollendet. Das wurde am Sonntag mit einem ökumenischen Gottesdienst gefeiert.

Grundsteinlegung für das Kirchengebäude war im Jahr 1969, 1970 feierte die evangelische Kirchengemeinde die Einweihung. In so vielen Jahren sei es normal, dass man ein Dach neu eindecken müsse, meinte Pfarrerin Andrea Luiking. Das Spezielle an diesem Kirchendach war jedoch neben der Konstruktion in Rautenform, die die Handwerker vor Herausforderungen gestellt habe, die Eindeckung mit Eternit-Schindeln. Diese mussten, da asbesthaltig, als Sondermüll entsorgt werden. Zusätzlich wurde eine Wärmedämmung angebracht.

In ihrer Dialogpredigt zu Kapitel 2, 1-12 des Markusevangeliums zogen Luiking und Pfarrer Jürgen Sauter von der Seelsorgeeinheit Bischof Sproll Parallelen zu den Löchern im Dach. So hätten vier Männer damals den Mut gehabt, einen Bauschaden zu verursachen, um einem Gelähmten einen Weg in die Mitte der Gemeinde zu bahnen. In die Gemeinde, die sich unter diesem Dach versammelt hatte. Glaube will gut bedacht sein - damals wie heute. Heute sei die Kirche nicht mehr so voll, dass man nicht einfach durch die Tür kommen könne, doch auch heute gehe man unkonventionelle Wege. Zum Beispiel, dass die Einweihung des Dachs einer evangelischen Kirche ökumenisch gefeiert werde, sei doch eher unüblich, zeuge aber vom guten Miteinander, so Luiking.

Das Loch im Dach hat in Ummendorf eine kostenintensive Sanierung verursacht, die nur durch unkonventionelle Aktionen finanziert werden konnte. Dabei waren nicht nur die knapp 2000 evangelischen Gemeindemitglieder beteiligt, sondern die gesamte Gemeinde Ummendorf mit dem Gemeinderat, den Vereinen, ansässigen Firmen und Banken und die Nachbargemeinden. Auch der Kirchenbezirk Biberach habe sich an den Kosten beteiligt, so Kirchengemeinderätin Elisabeth Schepers. Startschuss war der Sponsorenlauf, bei dem neben Bürgern und Politikern auch Pfarrer Sauter für den guten Zweck "sein ganzes Gewicht" in die Runde warf und alle miteinander 18 000 Euro erliefen.

Kreativität freigesetzt

Überhaupt sei die Kreativität, der Einsatz aller enorm gewesen, die Menschen hätten sich beständig mit Ideen eingebracht und so auch Dinge angestoßen. "Auch dafür braucht es ein Dach, damit diese Dinge auch weiter stattfinden können", sagte Luiking. Die Gemeinde Ummendorf habe 20 000 Euro dazugelegt. An Einzelspenden von Bürgern aus Ummendorf und den Nachbargemeinden sowie dem Gesamtkirchenbezirk sei die beeindruckende Summe von mehr als 40 000 Euro zusammengekommen. Darum ist Schepers zuversichtlich, dass die Kirchengemeinde bis zur endgültigen Rechnungsstellung das Dach auch wird bezahlen können.

Jedoch sei mit der Sanierung des Daches längst nicht alle Arbeit getan. Der Zahn der Zeit sei auch an der Versöhnungskirche nicht spurlos vorübergegangen, sagte Architekt Peter Lukaschek und erläuterte, dass neben den Fenstern auch der Kirchturm aus Sichtbeton saniert werden müsse. Dringlich seien jedoch die Flachdächer, die komplett vermoost seien. Ganz besonders für das Flachdach im Eingangsbereich hofft Lukaschek, dass die Mittel für die Sanierung bereitgestellt werden können, bevor Wasser eintritt. So bitten Sauter und Luiking zum Abschluss des Gottesdienstes: "Öffnet eure Herzen und eure Geldbeutel."

© Schwäbische Zeitung 25.10.2016

Evangelische Kantorei und die „Capella novanta“ spielten und sangen in der Stadtpfarrkirche den „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. SZ-FOTO: GÜNTER VOGEL

Klang­ge­wal­ti­ges Got­tes­lob in St. Mar­tin

Evangelische Kantorei führt "Lobgesang" von Felix Mendelssohn Bartholdy auf

Biberach - Die Evangelische Kantorei hat als Auftakt zum Luther-Jubiläum am Sonntag unter der Leitung von Ralf Klotz die Sinfonie-Kantate "Lobgesang" von Felix Mendelssohn Bartholdy in der Stadtpfarrkirche St. Martin aufgeführt.

Mendelssohn, damaliger Leiter der Leipziger Gewandhauskonzerte, erhielt vom Rat der Stadt den Auftrag für eine Komposition anlässlich des 400. Bestehens der Buchdruckerkunst von Johannes Gutenberg. Am 25. April 1840 war die Uraufführung in der Leipziger Thomaskirche mit 500 Mitwirkenden unter Leitung des Komponisten.

Das Werk ist in zwei Teile gegliedert. Der sinfonische Anfangsteil hat die klassischen drei Sätze, beginnt im Maestoso mit großem Einsatz der tiefen Bläser, die Streichregister nehmen auf, große erhabene Stimmung entsteht. Attacca geht es in das dreiertaktige Allegretto mit romantischer Melodie eines Liebeslieds. Das Adagio religioso schließlich führt mit einer frommen Melodie zu friedvollen Tutti. Die Bläser schweben über Achtel- und Sechzehntel-Kurzphrasen und erzeugen charaktervolle Spannung.

Dann folgt die Kantate mit neun Gesangsnummern für den Chor und die Solisten. Die beiden Teile sind thematisch eng verknüpft durch die Verarbeitung der musikalischen Themen. Das Maestoso des ersten Sinfoniesatzes findet seine Steigerung im Kantatenteil mit dem Eingangs- und Schlusschor "Alles was Odem hat, lobe den Herrn".

Den Text des Werks stellte der Komponist aus den Psalmen, weiteren Bibelzitaten und dem Kirchenlied "Nun danket alle Gott" zusammen, arbeitete dabei drei Hauptthemen des Werks heraus: das Lob Gottes, Gottes Treue zu denen, die seiner Hilfe und seines Trostes harren, und der Aufstieg des Volkes Gottes aus der Finsternis zum Licht.

Mit großem Forte-Einsatz gibt der erste Chorsatz als marschartiges straffes Andante die Richtung vor zum bedingungslosen Gotteslob. Mendelssohn entwickelt dann die geistige Handlung bis zum fulminanten Schluss. Das Sopransolo "Lobe den Herrn, meine Seele" und das Duett für zwei Soprane "Ich harre des Herrn" sind anrührende Stücke in langsamerem Tempo im ansonsten dramatisch aktiveren Charakter der Dynamik des Werks.

Eindringlich kommt am dramatischen Höhepunkt des Werks die mehrfach wiederholte Frage des Solo-Tenors "Hüter, ist die Nacht bald hin?" zunächst vom Sopran und dann im strahlenden Tutti bekräftigend beantwortet: "Die Nacht ist vergangen!" Ein grandioser Chorsatz für dieses schicksalhafte Versprechen.

Bewegte Dynamik

Und es bekräftigt sich in sehr bewegter Dynamik das "Empor zum Licht": "Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts!" Den Werkschluss eröffnet der Chorsatz: "Ihr Völker, bringet her dem Herrn Ehre und Macht!" und schließt den Kreis mit strahlendem Forte: "Alles was Odem hat, lobe den Herrn, halleluja!"

"Hauptdarsteller" im musikalisch-interpretatorischen Geschehen war der exzellent studierte Chor, der sich aus den Sängern der Evangelischen Kantorei Biberach und dem Basilikachor Weingarten zusammensetzte. Die Solisten Gertrud Hiemer-Haslach, Alina Klotz und Alexander Efanov sangen mit ausdrucksvollem Oratorienklang ihre Solopartien. Die "Capella novanta" unter Konzertmeister Günther Luderer präsentierte ein ebenso zartes wie beherzt konturiertes Klangteppichgewebe in lyrischem Wohlklang wie musikdramatischer Verdichtung.

Dirigent Ralf Klotz balancierte das expressive Kräfteverhältnis aus, brachte mit präziser und gewissenhafter Orchester- und Stimmführung die Partitur zum Klingen. Das war ein außergewöhnliches Musikerlebnis.



© Schwäbische Zeitung 06.10.2016

Stadt zeich­net ver­dien­te Bür­ger aus

Zum dritten Mal findet am 8. Oktober der Biberacher Bürgertag in der Stadthalle statt

Biberach - Oberbürgermeister Norbert Zeidler ehrt beim Biberacher Bürgertag am Samstag, 8. Oktober, ab 18 Uhr in die Stadthalle wieder verdiente Mitbürger. Neben der Verleihung der Bürgerurkunde und der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg steht dieses Jahr auch die Ehrung von zwei Bürgern mit der Bürgermedaille auf dem Programm.

Klaus Bott und Wolfgang Ocker erhalten die zweithöchste Auszeichnung der Stadt für ihr jahrelanges Engagement als Vorsitzende der Schützendirektion. Für sein einzigartiges Nistkastenmuseum wird der Vorsitzendene des Naturschutzbunds Ochsenhausen-Ringschnait, Gerhard Föhr, mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Pfarrerin Birgit Schmogro erhält für ihren Einsatz beim christlich-muslimischen Frauentreff die Bürgerurkunde der Stadt Biberach.

Klaus Bott (Jahrgang 1951) und Wolfgang Ocker (Jahrgang 1944) leiteten seit 1999 gemeinsam als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender die Biberacher Schützendirektion. In ihrer fast zwei Jahrzehnte langen Amtszeit haben es Klaus Bott und Wolfgang Ocker immer verstanden, den traditionellen Charakter des Fests zu bewahren und gleichzeitig gesellschaftliche Veränderungen aufzugreifen, teilt die Stadtverwaltung mit. Um Jahr für Jahr einen reibungslosen und sicheren Ablauf des Schützenfestes zu gewährleisten, haben sie unzählige Arbeitsstunden aufgebracht und das Schützenfest zu einem Aushängeschild der Stadt Biberach gemacht.

Gerhard Föhr, Jahrgang 1967, ist seit dem Jahr 2001 Vorsitzender des Naturschutzbundes Ochenhausen-Ringschnait. 2002 baute Gerhard Föhr in Ringschnait ein weltweit einzigartiges Nistkasten- und Vogelschutzmuseum auf. Mehr als 500 historische Nistkästen und Futterhäuser dokumentieren hier die Entwicklung des Vogelschutzes und bieten insbesondere Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, auf spielerische Weise Kenntnisse über Vögel zu erlangen.

Birgit Schmogro, Jahrgang 1958, engagiert sich seit rund 15 Jahren beim christlich-muslimischen Frauentreff. Das Gesprächsforum bietet christlichen und muslimischen Frauen jeden Monat die Möglichkeit, sich über ihre Religion, Lebensweise und Lebenssicht auszutauschen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur interkulturellen Verständigung.

Zum Biberacher Bürgertag sind alle Bürger eingeladen, der Eintritt ist frei.

© Schwäbische Zeitung 06.10.2016

Sie erfüllen den Livingroom in der Waaghausstraße mit Leben (von links): Marion Martin, Edith Rach, Siglinde Dietze, Dierk Andresen, Silvia Sonntag, Margit Bauer und Erika Beißner. SZ-FOTO: TANJA BOSCH

Li­vin­groom ist wich­ti­ge An­lauf­stel­le

Ehrenamtliche Helfer üben Deutsch mit Flüchtlingen - Begegnungscafé hat sich etabliert

Biberach -
Fast ein Jahr ist es her, da feierte der Livingroom in der Biberacher Waaghausstraße seine Eröffnungsparty. Mittlerweile hat sich das Begegnungscafé für Flüchtlinge und Einheimische etabliert und ist zu einer wichtigen Anlaufstelle für viele Flüchtlinge geworden. Das Konzept ist völlig frei und flexibel. "Genau so wollten wir das von Anfang an", sagt Marion Martin von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit von Caritas und Diakonie. Sie ist für den Livingroom zuständig und betreut auch die ehrenamtlichen Helfer.

"Es ist immer viel in Bewegung bei uns. So können wir auch ganz spontan mal eine Idee umsetzen", sagt Marion Martin. Die meiste Zeit nehmen aber die Deutschtrainings für die ausländischen Mitbürger in Anspruch. "Denn natürlich funktioniert Integration als erstes über die Sprache", sagt Martin. "Auch wir rutschen nun vom Willkommens- in den Integrationsmodus." Dabei spiele auch die Jobsuche eine wichtige Rolle. Deshalb ist einmal pro Woche ein Mitarbeiter vom katholischen Beratungsdienst "In Via" aus Ulm zu Gast im Livingroom und berät Flüchtlinge, wenn es um die Anerkennung ihrer ausländischen Berufsabschlüsse geht.
Geöffnet hat das Begegnungscafé mitten in der Biberacher Innenstadt nicht zu festen Zeiten, außer mittwochs und samstags während des Wochenmarkts. "Diese offenen Zeiten, in denen jeder einfach mal vorbeikommen kann, waren zu Beginn sehr wichtig. Da wurden viele Kontakte geknüpft und auch Freundschaften geschlossen", sagt Martin. "Jetzt kennen uns die meisten aber schon." Den Donnerstag halten sich die Verantwortlichen und Ehrenamtlichen frei für kulturelle Angebote oder den Themenabend "Asyl aktuell", an dem aktuelle Themen besprochen werden wie zum Beispiel Suchtverhalten bei Geflüchteten oder auch das Thema Nähe und Distanz für Ehrenamtliche.

Fünfmal pro Woche finden die sogenannten Deutschtrainings statt. Es sind keine offiziellen Kurse, deshalb heißen sie Training. Rund zehn Deutschtrainer unterrichten im Livingroom. "Wir testen die Deutschkenntnisse der Einzelnen und stellen dann Gruppen zusammen", sagt Silvia Sonntag. "Jeder kommt mit einem anderen Niveau, manche sind auch Analphabeten, aber wir haben auch Studierte." Teilweise bringen die Ehrenamtlichen ihnen auch schreiben bei, denn abgewiesen wird keiner, der etwas lernen kann und will.

Edith Rach ist mit 85 Jahren eine der ältesten ehrenamtlichen Deutschtrainer. Ihr macht die Arbeit im Livingroom einfach Spaß: "Die, die wollen, profitieren sehr von uns", sagt die Biberacherin. "Aber man braucht auch wirklich Geduld, denn manche haben es nicht so mit der Pünktlichkeit." Andere wiederum würden das Angebot sehr ernst nehmen und sogar noch zusätzlich zu ihren offiziellen Integrationskursen kommen.

Paten gesucht

Ein weiteres Angebot im Livingroom ist das Patenprogramm der ökumenischen Flüchtlingsarbeit. "Wir veranstalten hier das Patencafé, führen auch erste Gespräche zur Patenvermittlung und coachen die Paten", sagt Margit Bauer. "Es gibt viele Flüchtlinge, die sich einen Paten wünschen. Leider fehlt es uns an Freiwilligen." Dabei sei das Patesein gar nicht so schwierig und aufwendig: "Jeder kann die Zeit aufbringen, die er hat. Das gibt es keine Vorschriften", sagt Margit Bauer.

Dass das Begegnungscafé so gut angenommen wird, ist den vielen ehrenamtlichen Helfern zu verdanken: "Ohne die würde es den Livingroom gar nicht geben", sagt Marion Martin. "Im Landkreis Biberach gibt es ein grandioses Engagement, wir haben wirklich Glück und gute Strukturen geschaffen."

Die Deutschtrainings werden am Montag, Mittwoch und Freitag von 9.30 bis 11 Uhr angeboten und dienstags und donnerstags von 15.30 bis 17 Uhr.

Weitere Infos gibt es auch im Internet unter

www.asyl-bc.de


© Schwäbische Zeitung 04.10.2016

Ohne Aussaat keine Ernte: Das hat der Sämann aus Stroh in der Wainer Michaelskirche symbolisiert. Zum Erntedank-Gottesdienst war die Kirche mit Früchten, Gemüse und Getreide geschmückt. FOTO: BERND BAUR

"Wer die Ähre ehrt, ehrt Gott"

Erntedank-Gottesdienst in Wain - Früchte und Gemüse erhält der Martinusladen

Wain - Gott für die Ernte zu danken, gehörte zu allen Zeiten zu den religiösen Grundbedürfnissen. Traditionell werden in den Kirchengemeinden die Altäre zum Abschluss der Ernte mit Feldfrüchten festlich geschmückt. So auch am Sonntag in der evangelischen Michaelskirche in Wain.

Ohne Aussaat keine Ernte: Ein Sämann aus Stroh im Altarraum symbolisierte diesen ersten Schritt. Dahinter waren unter dem Regenbogen - und an vielen anderen Stellen in der Michaelskirche - Früchte, Gemüse und Getreide als Zeichen einer guten Ernte sichtbar. Ein Team von fünf Ehrenamtlichen hatte die von etlichen Mitgliedern der Wainer Kirchengemeinde angelieferten Naturprodukte augenfällig platziert. Vor dem Altar waren Weizenkörner in Form eines großen Kreuzes ausgelegt.

Warum lässt Gott es zu, dass es uns so gut geht? Warum lässt er es zu, dass wir satt werden, dass wir Kartoffeln, Äpfel und Getreide ernten und in Frieden leben dürfen? Antworten auf diese Fragen suchte Pfarrer Ernst Eyrich in seiner Predigt beim Erntedank-Gottesdienst. Im zweiten Korinther-Brief schrieb Paulus: "Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten". Die Ernte, so Pfarrer Eyrich, sei ein Segen Gottes, Wachstum und Gedeihen stehe in des Himmels Hand. "Wer die Ähre ehrt, ehrt Gott. Wer dankt, der sät im Segen."

Eyrich forderte die Kirchenbesucher auf, die Kultur des Dankens im täglichen Leben zu pflegen. Ein Tischgebet, ein Dankestagebuch oder ein Abendgebet, "bei dem Eltern mit Kindern Gott für eine Sache danken können", nannte er als Beispiele. Schimpfen und Meckern liege uns so schnell im Herzen, bemängelte Eyrich. Dabei sorge Undankbarkeit dafür, "dass wir bitter werden. Dankbarkeit hingegen schenkt dem Herzen zusätzlich Friede und Freude."

Freuen über die zum Wainer Erntedank gespendeten Feldfrüchte können sich jetzt auch bedürftige Menschen. Die Ernteprodukte werden an den ökumenischen Martinusladen in Laupheim weitergereicht. Dort können Menschen mit einem Berechtigungsschein Grundnahrungsmittel günstig einkaufen.

© Schwäbische Zeitung 04.10.2016

Festlich wurde das Bonhoefferhaus eröffnet. SZ-FOTO: CARMEN BOGENRIEDER-KRAMER

Bon­hoef­fer­haus bie­tet ein neu­es Zu­hau­se

Neues Wohnheim für Menschen mit Behinderung - Eröffnung mit Festgottesdienst

Biberach -
Zur Eröffnung des neuen Wohnheims für Menschen mit Behinderung im Bonhoefferhaus hat es auf dem Mittelberg ein Gemeindefest gegeben, das keine Wünsche offen ließ. Zuerst gab es einen Festgottesdienst in der proppenvollen Kirche. Landesbischof Frank July predigte. Dann folgten sieben Festansprachen, die allesamt kurz und informativ waren.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen führten Vertreter der Bonhoefferkirche durch den neuen Kirchencampus. Besonders stolz waren die zukünftigen Bewohner des Wohnheims. Sie präsentierten ihre Zimmer und erzählten von ihren Wünschen, die jetzt wahr werden können. Tim Bartschinski ist einer der jungen Menschen mit Behinderung, die mit dem Einzug in das neue Wohnheim am Köhlesrain einen neuen Lebensabschnitt beginnen.

Mit drei Mitbewohnerinnen teilt er sich künftig eine Wohnung im Obergeschoss des Bonhoefferhauses. Mit diesem Schritt möchte er sein Leben in die eigenen Hände nehmen und selbstbestimmt seine Zukunft meistern.

Ein Ziel, das der evangelische Gesamtkirchengemeinde Biberach und dem Verein "Mariaberg" wichtig ist. Dafür haben sie gemeinsam geplant, gebaut und viel Geld investiert. Und genau dafür gab es bei der Eröffnungsfeier viel Lob von allen Seiten. Landrat Heiko Schmid und Bürgermeister Roland Wersch nutzten ihre Ansprachen um Dank zu sagen. Mit diesem Projekt sei das Ziel "Inklusion - yes wie can" eindrucksvoll bestätigt. Bürgermeister Roland Wersch sorgte zum Schluss seiner Rede für Heiterkeit. Er hatte im Gegensatz zu Landrat Schmid kein Geschenk mitgebracht. Dafür sagte er: "Sie wissen ja, alles was der Landrat verschenkt, ist zu 35 Prozent von der Stadt Biberach mitfinanziert."

Damit hatte der Bürgermeister umgesetzt, was sich Ulrike Werthmann zu Beginn des Grußwortreigens wünschte - kurze Grußworte, die gerne auch humorvoll sein dürfen. Selbstverständlich hatten sich daran auch die anderen Redner gehalten. Pfarrerin Birgit Bohl und Dekan Hellger Koepff freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit mit dem diakonischen Werk "Mariaberg" und Rüdiger Böhm sagte als Vorsitzender dieses Vereins jegliche unterstützende Hilfe zu. Schuldekan i. R. Reinhard Schmid sprach als Ideengeber des neuen Bonhoeffer-Areals und erinnerte an den einstigen Plan, die Bonhoefferkirche zu verkaufen. Gott sei Dank habe man dies durch die Kooperation mit dem diakonischen Träger verhindern können.

Darüber freut sich auch Architekt Manfred Löffler, der den Neubau zusammen mit dem Lenkungsausschuss konzipiert hatte. Er überreichte eine goldene Engelstatue, die nach dem Gottesdienst auf dem Dach des Bonhoefferhauses befestigt wurde.

© Schwäbische Zeitung 04.10.2016

Die Besucher zünden an der Gedenkstätte Kerzen an. SZ-FOTO: WALDECK

Ein Ort der Trau­er über Flücht­lings­schick­sa­le

Ökumenische Flüchtlingsarbeit eröffnet Gedenkstätte

Biberach -
Das Boot hat in Biberach angelegt - die Gedenkstätte für Menschen, die auf der Flucht ums Leben gekommen sind, ist am Samstag eingeweiht worden.

Im Mittelpunkt steht ein hölzernes, auf einer Seite beschädigtes Boot, aus dem ein Brett mit einer aufgemalten Hand ragt, die sich hilfesuchend zum Himmel streckt. Geschaffen wurde es von zwei jungen Künstlern. Die Kunststudentin Melina Braß hatte die Idee dazu. Der angehende Zimmerer Joshua Glaser konnte den handwerklichen Part beisteuern. Angelehnt an das Boot steht ein Bilderrahmen mit dem Text "Auf der Suche nach Geborgenheit, nach Freiheit und nach Frieden" auf Deutsch, Englisch und Arabisch. Er stammt von dem Flüchtling Musa Sonko und soll die Ängste und Sehnsüchte seiner Schicksalsgenossen zusammenfassen.

Die Initiative zu der Gedenkstätte ging von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit der Diakonie und Caritas aus. Sie ist als Ort der Trauer gedacht für hier lebende Flüchtlinge, die Freunde oder Angehörige verloren haben, erläuterte Lucia Braß von der Caritas-Flüchtlingsarbeit, aber auch für ehrenamtliche Helfer. Die Stadt hatte den Platz zwischen den beiden Friedhöfen an der Memminger Straße angeboten. Die Gedenkstätte steht nun an einem besonderen Ort, erklärte der Biberacher Kulturdezernent Dr. Jörg Riedlbauer: am Rande des sogenannten Russenfriedhofs, auf dem russische Zwangsarbeiter ihre letzte Ruhestätte fern ihrer Heimat fanden. Die Gruppe Kankurang hatte die Feier eingeleitet. Die Trommler und Sänger stammen aus Gambia und sind seit acht bis zwölf Monaten in Biberach.

Pfarrer Matthias Ströhle, im evangelischen Kirchenbezirk federführend für die Flüchtlingsarbeit zuständig, erinnerte daran, dass alle Flüchtlinge ihre Heimat nicht freiwillig verlassen. "Weil ich einfach nur leben will", habe ihm ein Betroffener auf die Frage nach dem Warum geantwortet. "Es geht um das Leiden und Sterben vieler Menschen auf der Flucht, das uns nicht kalt lassen kann", mahnte er. Eine besondere Würdigung erhielt die Feier durch den Gesang von Nikola David. Er ist der Kantor der liberalen jüdischen Gemeinde München und extra für die Veranstaltung angereist. David ist im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsen und durch seine Ausbildung zum Opernsänger nach Deutschland gekommen. "Ich bin hier gut aufgenommen worden" erinnerte er sich und er habe den interreligiösen Geist dieser Begegnung deshalb gern unterstützt.


Der von allen Anwesenden gemeinsam gesungene Song "We shall overcome" bildete den Schluss der Feier. Andreas Gratz von der Caritas übersetzte den Titel sehr frei mit "Wir schaffen das".