© Schwäbische Zeitung 30.09.2016

Frisch ans Werk: die Konfirmanden in der Backstube. Fotos: müller

Kon­fir­man­den ba­cken für "Brot für die Welt"
60 Laibe wurden bei der Bäckerei Mäschle vorbereitet - Am Erntedank-Sonntag sind sie vor der evangelischen Kirchen gegen eine Spende erhältlich
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    Erntedank: Die Brotlaibe wurden mit Buchstaben verziert.
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Laupheim - Mehr als 60 Brotlaibe haben Konfirmandinnen und Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde Laupheim diese Woche bei der Bäckerei Mäschle zubereitet und mit Buchstaben verziert, die aneinander gelegt das Wort "Erntedank" ergeben.

Frisch herausgebacken, werden die 500-Gramm-Brote am Sonntag nach dem Gottesdienst (Beginn: 10 Uhr) vor der evangelischen Kirche in der Radstraße gegen eine Spende angeboten. Der Erlös fließt an Kinder- und Jugendbildungsprojekte, die die Aktion "Brot für die Welt" in Südamerika, Afrika und Asien unterstützt.

"Wir können etwas tun"

Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative des Hilfswerks und der Bäcker-Innung. "Die Firma Mäschle ist auf uns zugekommen und hat gefragt, ob wir mitmachen", berichtet Pfarrer Hermann Müller. Das haben die jungen Leute, die nächstes Jahr konfirmiert werden, denn auch gerne getan. "Sie engagieren sich für Kinder und Jugendliche in der Einen Welt", schreibt Müller. "Und machen die Erfahrung: Wir können etwas tun, wir können helfen. Erntedank ist auf diese Weise gelebtes Teilhaben am Leben aller Menschen."


© Schwäbische Zeitung 29.09.2016

Das neue Bonhoefferhaus fügt sich mit seiner Gestaltung in die vorhandene Bebauung auf dem Gelände ein. SZ-Foto: Gerd Mägerle

Ge­denk­stät­te für Flücht­lin­ge

Biberach - Eine Gedenkstätte für auf der Flucht verstorbene Menschen wird am Samstag, 1. Oktober, ab 17.30 Uhr eröffnet. Sie liegt zwischen dem evangelischen Friedhof und dem russischen Friedhof an der Memminger Straße in Biberach. Initiator ist die ökumenische Flüchtlingsarbeit.

In den vergangenen Jahren sind unzählige Menschen auf ihrem Fluchtweg gestorben. Viele sind verdurstet oder verhungert, viele haben den langen Fußmarsch durch die Wüste nicht überstanden, viele sind auf den Meeren ertrunken. Bereits im vorigen Jahr haben die Künstler Melina Braß und Joshua Glaser ein Denkmal in Form eines zerstörten Flüchtlingsboots geschaffen und Musa Sonko, selbst Flüchtling, hat einen Text dazu geschrieben: "Auf der Suche nach Geborgenheit, nach Freiheit und nach Frieden". Einen ganz besonderen Beitrag zur Eröffnung wird Nikola David, Kantor der liberalen jüdischen Gemeinde München, mit seinem Gesang leisten.

© Schwäbische Zeitung 25.09.2016

Pfarrer Gebhardt Gauß (links) wurde von einigen Wegbegleitern mit lobenden und kreativen Ansprachen verabschiedet. Foto SZ

Der „Schwarzbrotprediger“ nimmt Abschied
Aulendorfs evangelischer Pfarrer Gebhardt Gauß ist am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet worden

Aulendorf sz Aulendorfs evangelischer Stadtpfarrer Gebhardt Gauß ist am Sonntag von seiner Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet worden. In seinem Gottesdienst stellte Gauß den Seiltänzer in den Mittelpunkt. Zahlreiche Wegbegleiter hielten Ansprachen.

Begleitet von Orgelmusik und Dekan Hellger Koepff aus Biberach betritt Pfarrer Gauß die evangelische Kirche. Die ist übervoll mit Besucher des Abschiedsgottesdientes. Wahrscheinlich ist es ein wenig der Aufregung geschuldet dass er zunächst noch sein Gesangbuch suchen muss. „Ich stehe hier in Dankbarkeit und in Demut“, beginnt Gauß seine Predigt. Er freut sich dass so viele Leute da sind, ergänzt aber schnell „dafür sind sie ja nicht gekommen, sondern hoffentlich allein, um Gott zu ehren“. Das ist typisch Pfarrer Gauß, Menschen zum Nachdenken bringen, direkt seine Meinung zu sagen.

Gauß verweist auf den Wochenspruch „wer Gott liebt, der liebe auch seinen Bruder und Schwester im Geiste“. Er verweist auf die Installation des Seiltänzers in der Thomaskirche. Der Seiltänzer sei ein Symbol dafür, dass man als Pfarrer abstürzen, aber trotz der Konflikte die Balance halten kann. „Gott sei Dank bin ich nicht abgestürzt“, ergänzt er dann, „ich wurde in der Balance gehalten, durch viele Unterstützer in der Gemeinde und gute Mitarbeiter.“

Für Mitarbeiter gekocht

Genau das zeichnet ihn aus, sagt seine Sekretärin Christiane Menzel. „Umtriebig, manchmal ungeduldig, aber schaffig, sehr spontan und phantasievoll“, so hat sie ihn erlebt. Sie muss es wissen, arbeitet sie doch schon seit 1999 mit Gauß zusammen. Er hat öfters als Zeichen seiner Anerkennung für die bis zu 150 Mitarbeiter gekocht. In der Balance gehalten wurde er aber auch durch seine Familie, seine Kinder und seine Mutter, die ebenfalls anwesend ist.

Diese Balance ist Gauß wichtig. „Ich bin kein Seiltänzer“, fügt er hinzu, um bei dem Bild zu bleiben, „auch kein Jongleur leichter Gedanken“. Seine Predigten gelten als schwer, nicht leicht zu verdauen. Das hat ihm den Begriff des „Schwarzbrotpredigers“ eingebracht. Die Installation des Seiltänzers soll als Reflexion über den Glauben dienen. „Für unsere Existenz, die auf der einen Seite gerechtfertigt, jedoch zugleich der Sünde verfallen ist.“ Als begeisterter Koch kritisiert er die herrschende Genusskultur: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient dem Guten.“

Jetzt gibt es zehn Minuten Pause mit Sekt für alle. Danach beginnen die Laudatoren moderiert von Martin Elsäßer. Dekan Koepff macht den Anfang, möchte aber kein Laudator sein, sondern nur danken. Pfarrer Gauß ist sichtlich gerührt und wechselt zwischen Lachen und Nachdenklichkeit. Dazwischen spielt die Flötengruppe unter der Leitung von Dietlinde Zigelli.

Bürgermeister Matthias Burth meint: „Ihnen wird das Predigen fehlen, uns Aulendorfern Ihre Predigt.“ Danach gibt es zwei Lieblingslieder von Gauß auf der Flöte mit Klavieruntermalung. Aulendorfs katholischer Pfarrer Anantham Antony verweist auf die „heutige zufällige Provokation wegen des verkaufsoffenen Sonntags“. Nach den Grußworten von Siegfried Hornung und Pfarrerin Koch verabschiedet sich Gauß von der Gemeinde. „ Ein Pfarrer ist nur so viel wert wie es seine Gemeinde mitmacht.“

Beim anschließenden Fest sagt er, dass er sich freut, zur Ruhe zu kommen, Zeit zum Verarbeiten haben wird und für ihn ein neuer Lebensabschnitt beginnt. „Er war immer kreativ, fand klare Worte, traute sich stets sich einzumischen“, sagte Susanne Binder vom Kirchengemeinderat.

Weitere Bilder vom Abschiedsgottesdienst gibt es unter
schwaebische.de/abschiedsgottesdienst-gauss

© Schwäbische Zeitung 28.09.2016

Das neue Bonhoefferhaus fügt sich mit seiner Gestaltung in die vorhandene Bebauung auf dem Gelände ein. SZ-Foto: Gerd Mägerle

Nacht der of­fe­nen Kir­che wird be­sinn­lich
Kirchengemeinden schaffen ein Angebot während der langen Einkaufsnacht

Von Hannah Wilhelm 28. September 2016

Biberach - Die christlichen Gemeinden aus Biberach gestalten dieses Jahr gemeinsam die Nacht der offenen Kirche. Während der langen Einkaufsnacht in der Innenstadt haben Besucher die Möglichkeit, bei Musik, Gebeten und Textlesungen in der Biberacher Stadtpfarrkirche St. Martin zur Ruhe zu kommen. Vorbereitet und organisiert wurde das Angebot von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Kooperation mit der Evangelischen Allianz.

Zum ersten Mal wird die Nacht der offenen Kirche damit kirchenübergreifend gestaltet. Die Organisatoren Damian Walosczyk (Diakon katholische Gemeinde), Ulrich Heinzelmann (Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde), Ansgar Hamann (Pastor evangelisch-freikirchliche Gemeinde) und Anatol Lasarew (Gemeinschaftspastor und Vorsitzender der Evangelischen Allianz Biberach) vertreten die teilnehmenden Gemeinden. Mit der Kooperation wolle man sich bewusst austauschen, sagt Ansgar Hamann. Die ACK biete für die Mitglieder aus der katholischen, evangelischen und freikirchlichen Gemeinde zwar bereits eine Kommunikationsplattform, es fehle jedoch noch an projektbezogener Zusammenarbeit. "Wir wollen nicht nur in Gremien reden, sondern auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden", sagt er. Die Übernahme der Organisation der Nacht der offenen Kirche sei laut dem Pastor am naheliegendsten gewesen: "Die Überlegung war, wie man mit minimalstem Aufwand die größte Öffentlichkeitswirkung erzielen kann."

Anatol Lasarew erklärt, dass deshalb auch die Form der Veranstaltung größtenteils beibehalten werde. Der Eintritt ist frei und das Programm gestaltet sich so, dass ein Kommen und Gehen jederzeit möglich ist. An einer Gebetswand können Besucher eigene Gebete notieren oder die freiwilligen Helfer aus der Gemeinde um Beistand und Hilfe beim Gebet bitten. Außerdem werden Gesprächsmöglichkeiten angeboten und verschiedene Texte vorgetragen. "Parallel dazu gibt es auch viel Musik und es werden Lieder gesungen", sagt Gemeinschaftspastor Lasarew. Eine Besonderheit seien auch die Taizégesänge, mit denen sich die katholische Gemeinde am Tag der offenen Kirche einbringen wird.

Ort, um zur Ruhe zu kommen

Unter dem Motto "In der Stille ankommen" sollen die Besucher inmitten des bunten Treibens während der langen Einkaufsnacht einen Ort finden, wo sie aus den Menschenmassen aussteigen, zur Ruhe kommen und Gott begegnen können. "Trotzdem ist das keine Sache nur für Christen", sagt Ansgar Hamann bestimmt. In einer offenen Atmosphäre könne jeder Interessierte vorbeischauen und außerhalb eines Gottesdiensts Besinnung finden. "In der Ruhe liegt schließlich die Kraft", sagt er.

Die Organisatoren sind überzeugt, dass nicht nur die Besucher etwas für sich gewinnen können. Am Tag der offenen Kirche werden Menschen aus verschiedenen Gemeinden zusammenarbeiten und einander so näher kennenlernen. Ansgar Hamann freut sich auf die Veranstaltung: "So können wir endlich eine Begegnung zwischen den Kirchen schaffen."

Die Nacht der offenen Kirche findet während der langen Einkaufsnacht in Biberach am 30. September statt. Von 18 bis 22 Uhr steht die Sankt-Martins-Kirche für Besucher offen.


© Schwäbische Zeitung 27.09.2016

Das neue Bonhoefferhaus fügt sich mit seiner Gestaltung in die vorhandene Bebauung auf dem Gelände ein. SZ-Foto: Gerd Mägerle

Ge­denk­stät­te für Flücht­lin­ge

Biberach - Eine Gedenkstätte für auf der Flucht verstorbene Menschen wird am Samstag, 1. Oktober, ab 17.30 Uhr eröffnet. Sie liegt zwischen dem evangelischen Friedhof und dem russischen Friedhof an der Memminger Straße in Biberach. Initiator ist die ökumenische Flüchtlingsarbeit.

In den vergangenen Jahren sind unzählige Menschen auf ihrem Fluchtweg gestorben. Viele sind verdurstet oder verhungert, viele haben den langen Fußmarsch durch die Wüste nicht überstanden, viele sind auf den Meeren ertrunken. Bereits im vorigen Jahr haben die Künstler Melina Braß und Joshua Glaser ein Denkmal in Form eines zerstörten Flüchtlingsboots geschaffen und Musa Sonko, selbst Flüchtling, hat einen Text dazu geschrieben: "Auf der Suche nach Geborgenheit, nach Freiheit und nach Frieden". Einen ganz besonderen Beitrag zur Eröffnung wird Nikola David, Kantor der liberalen jüdischen Gemeinde München, mit seinem Gesang leisten.

© Schwäbische Zeitung 27.09.2016

Bezirkskantor Jürgen Berron gratuliert Gisela Köthe. Foto: Waltraud Wolf

Gisela Köthe singt seit 40 Jahren im Kirchenchor

Riedlignen (wawo) - Seit 40 Jahren singt Gisela Köthe im evangelischen Kirchenchor, der heutigen Kantorei. Für dieses langjährige Engagement dankte ihr Bezirkskantor Jürgen Berron im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Johannes- Zwick-Hauses und überreichte ihr eine Urkunde. Gisela Köthe spielt darüber hinaus auch im Bläserkreis mit.

© Schwäbische Zeitung 26.09.2016

Pfarrer Theo Mielitz setzt das Dach auf die Bausteine des Johannes-Zwick-Hauses. Die Pfarrerinnen Anne Mielitz und Cornelia Schmutz, die Kirchengemeinderäte Beate Etter und Claus Wagner sowie Mitglieder der Band "Fresh" schauen aufmerksam zu. Foto: WaWo

Kir­che soll Hei­mat bie­ten und Hei­mat sein
25 Jahre Johannes-Zwick-Haus in Riedlingen mit vielfältigen Aktivitäten für viele Gruppierungen

Von Waltraud Wolf 26. September 2016

Riedlingen - Die Feier zum 25-jährigen Bestehen des Johannes Zwick-Hauses in Riedlingen hat Beweis abgelegt vom regen Leben in dem evangelischen Gemeindehaus an der Ziegelhüttenstraße. Der Gottesdienst, ein anschließender Rückblick und viele Aktivitäten während des Nachmittags waren geprägt von den Kreisen, die dort eine Heimstatt haben. Viele nahmen bei schönem Spätsommerwetter daran teil und freuten sich mit der evangelischen Kirchengemeinde über die Entscheidung, dieses Haus zu bauen. Vielen Gruppierungen, bei denen Gott und der Glaube an ihn im Mittelpunkt stehen, wird hier Raum gegeben. Ob Schriftlesung, Lieder oder Psalmgebet, überall stand der Begriff des Hauses im Vordergrund mit Gott als Fundament und Beschützer der Menschen darin.

Die in der evangelischen Kirche engagierten Menschen sehen das Zwick-Haus denn auch als einen zentralen Ort, in dem sich die Gemeinde trifft. Bei einem symbolischen Hausbau setzten Kirchengemeinderäte und Pfarrer Stein auf Stein. Claus Wagner unterstrich die Bedeutung des Hauses für die Gemeinschaft als Gemeinde. Paul Lenz betonte die Bedeutung der Kirchenmusik als Botschafterin des Glaubens und wichtiges Bindeglied. Beate Etter nannte als wichtigen Baustein des Zwick-Hauses die Gelegenheit, Feste zu feiern, christliche, wie besondere Gottesdienste, aber auch private. Pfarrerin Cornelia Schmutz hatte auf ihren Baustein die Stichworte Aufwachsen, Wachsen, Nachwachsen geschrieben. Zu fehlenden Jugendgruppen in der Kirchengemeinde gab sie ein Rezept aus: die Sehnsucht nach dem Glauben in den Menschen wecken, generationsübergreifend, verbunden mit dem Wunsch, in die Tiefe zu wachsen. Pfarrer Theo Mielitz hatte für seinen Symbol-Stein "Heimat" gewählt: Kirche solle Heimat bieten und Heimat sei, wo man sich wohlfühle, verstanden werde. Auf dem Baustein von Pfarrerin Anne Mielitz prangte ein großes Fragezeichen für die Aufgaben der Zukunft der evangelischen Christen in Riedlingen, Aufbruch und miteinander unterwegs sein dokumentierend. Theo Mielitz setzte das Dach auf mit der segnenden Hand Gottes und ließ Bänder in den Farben des Regenbogens über die Fassade des Hauses gleiten. Aufbruchstimmung!

Musikalisch gestaltet worden war der Gottesdienst von der Band "Fresh", der Kantorei und Bezirkskantor Jürgen Berron am Flügel. Der Bläserkreis leitete zum zweiten Teil der Jubiläumsfeier ein: den Rückblick auf die Entstehung des Johannes Zwick-Hauses. Kirchenpfleger Matthias Reichelt hatte aus einer Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der evangelischen Christuskirche erkundet, dass man sich bereits vor 37 Jahren Gedanken um den Bau eines Gemeindehauses gemacht hat. Damals zählte die Kirchengemeinde rund 2000 Mitglieder, denen im Pfarrhaus lediglich ein Gemeindesaal für höchstens 70 bis 80 Personen zur Verfügung stand.

1989 erfolgte der Baubeschluss

Als 1974 der evangelische Kindergarten in der Grüninger Siedlung eröffnet wurde, habe sich dieser zum Ersatz entwickelt. Vorträge, Konzerte, kirchliche Veranstaltungen, Sommer- und Gemeindefeste hätten dort stattgefunden. "Es waren tolle Feste", erinnerte er sich, optimal jedoch seien die Bedingungen nicht gewesen. 1979 wurde daher beschlossen, sich in Richtung Gemeindehaus zu bewegen. 1980 entschied man sich für den Kauf eines Grundstückes an der Ziegelhüttenstraße, noch bevor der Oberkirchenrat grünes Licht gegeben hatte. 1989 folgte bei einer Klausurtagung der Baubeschluss. Architekt Heiner Klarmann aus Ertingen wurde mit der Planung betraut. Zum Glück konnte sich der Riedlinger Kirchengemeinderat bei der Größe gegenüber dem Oberkirchenrat durchsetzen. Denn dank der Öffnung der Grenzen und dem Zuzug der Spätaussiedler verdoppelte sich die Zahl der Kirchengemeindemitglieder auf heute 4000. Am 15. September 1991 konnte das Johannes-Zwick-Haus eingeweiht werden. "Seitdem ist es aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken."

Dies bestätigte der zweite Kirchengemeinderatsvorsitzende Paul Lenz in seinen Ausführungen, der ebenfalls an die Herausforderungen durch den starken Zustrom der Russlanddeutschen erinnerte. "Wie geschaffen dafür" seien die Räumlichkeiten des Hauses gewesen und zum Mittelpunkt für den Ökumenischen Freundeskreis Aussiedler und dadurch für viele Familien geworden. Noch heute seien die Tänze und die russischen Spezialitäten der Aussiedlerfrauen bei den Festen im Gemeindehaus wichtig.

"Ein Segen" für die kirchenmusikalischen Aktivitäten mit Kantorei, Kinderchören und ihren Musicals, Kammerorchester, Projektorchester und -chöre, Flötenkreis, Bläserkreis und der Gruppe "Fresh" sei das Gemeindehaus gewesen, einhergehend mit der Bestellung von Jürgen Berron als Kantor 1995. Unvergessen seien die 20 Benefizkonzerte mit "Stützles Halbe Stompers".

Bereits im Pfarrsaal getroffen habe sich der Frauenkreis, der seit Jahrzehnten den Adventsbazar und den Seniorennachmittag ausrichte. Das Gemeindehaus habe zur Gründung wertvoller Gruppierungen geführt und den Pfarrern vielfältigere Möglichkeiten für ihre Gemeindearbeit eröffnet, unterstrich Lenz. Er nannte Kinderbibeltage, Mini-, Kinder- und Jugendgottesdienste, Jugendarbeit.

Das Haus sei auch offen für Kreise außerhalb der Kirchengemeinde, wie den Gemeindeclub für psychisch Kranke, die Hospizgruppe, Veranstaltungen im Rahmen der Erwachsenenbildung und vieles andere mehr. Auch die Ökumene mit den katholischen Christen werde im Gemeindehaus gepflegt. Lenz zitierte aus einem Lied des Namensgebers Johannes Zwick: "Eim jeden Haus und was darin, dem wünschen wir den rechten Sinn" und zog als Resümee: "Ich denke, dass wir in den letzten 25 Jahren den Worten der Verszeilen mehr als gerecht geworden sind."

© Schwäbische Zeitung 22.09.2016

Die Pfarrer Theo und Anne Mielitz und Gemeinderat Paul Lenz (von links) stehen vor dem Geburtstagskind: Am Sonntag wird das 25-jährige Bestehen des Johannes-Zwick-Hauses gefeiert. Foto: Leo Suchan

Das gan­ze Jahr über ist im Zwick-Haus Be­trieb
Das evangelische Gemeindehaus wurde vor 25 Jahren gebaut - Gemeindefest am Sonntag

Von Leo Suchan 22. September 2016

Riedlingen - Etwas über 25 Jahre ist das Johannes-Zwick-Haus alt. Gerade mal ein Vierteljahrhundert, und dennoch kann sich die Geschichte des evangelischen Gemeindehauses bereits sehen lassen. Zahlreiche Veranstaltungen sorgen auch heute noch dafür, dass das Zwick-Haus nie zum Stillstand kommt. Am Sonntag wird zum Jubiläum das Gemeindefest gefeiert.

Auch nach einem Vierteljahrhundert wird das Johannes-Zwick-Haus "das ganze Jahr über genutzt", meint die evangelische Pfarrerin Anne Mielitz. Das Haus werde ebenso für gemeindeeigene Veranstaltungen okkupiert - so zum Beispiel für Frauenkreis, Kantorei, Bläserkreis oder Seniorenangebote -, wie für Konzerte, Vorträge, Beerdigungen oder Familienfeste vermietet. Besonders geeignet für solche Veranstaltungen sei der große Saal mit bis zu 170 Sitzplätzen, erklärt Pfarrer Theo Mielitz. Durch eine Faltwand könne man den Raum auch in den Flur ausdehnen. Dennoch: Die Kinderbibeltage bringen die Kapazität des Zwick-Hauses regelmäßig an seine Grenzen: "Da ist dann das Haus voll", lacht Anne Mielitz.

Vor 30 Jahren galt dieser Satz noch für sämtliche Veranstaltungen im damaligen Gemeindesaal. Dieser befand sich nämlich im ehemaligen Schulraum des Pfarrhauses, erzählt Paul Lenz, zweiter Vorsitzender des evangelischen Kirchengemeinderats. Das Grundstück hatte die Gemeinde schon Jahrzehnte vor dem Bau des Zwick-Hauses auf Drängen des damaligen Kirchenpflegers Gerhard Reichelt erworben. Dieser war dann auch "der Motor, die treibende Kraft" hinter der Verwirklichung eines neuen Gemeindehauses bis 1991. Der Zeitpunkt hätte kaum besser gewählt werden können: Durch die Wiedervereinigung verdoppelte sich die evangelische Gemeinde in Riedlingen nach Fertigstellung des Zwick-Hauses innerhalb kürzester Zeit, sagt Lenz.

Jugendarbeit neu beleben

Neben dem großen Saal wurden auch die im Keller befindlichen Jugendräume vor einigen Jahren noch rege genutzt. Doch die einstigen Jugendlichen sind erwachsen geworden: "Die Jugendarbeit ist seit einigen Jahren ein wenig eingeschlafen", bedauert Paul Lenz. Ganztagesangebote von Schulen und Tätigkeit in Vereinen nähmen den Kindern die Zeit, sich über die Kirchengemeinde zu versammeln, ergänzt Anne Mielitz. Seit Dienstag gibt es nun einen Versuch, mit einem von der Ertinger Pfarrerin Cornelia Schmutz eingerichteten Jugendkreis, die Arbeit mit Jugendlichen wieder zu beleben.

Dennoch, das Johannes-Zwick-Haus hat sich über seine 25 Jahre gut gehalten, findet Paul Lenz. Seit der Einweihung am 15. September 1991 gab es immer wieder Höhepunkte in der bunten Geschichte des Gemeindehauses. Unvergessen sind neben den alljährlichem Adventsbasaren des Frauenkreises auch die Benefizveranstaltungen der legendären "Stützles Halbe Stompers", die 2012 ihr letztes von insgesamt 20 Adventskonzerten im Zwick-Haus gaben. Auch die Besuche der Partnergemeinden aus Burgel und Prag waren definitiv ein Höhepunkt der Geschichte des Gemeindehauses. Gut im Gedächtnis geblieben ist Lenz eine Pflanzaktion im Garten des Zwick-Hauses am Ostersamstag 1992, denn der weitläufige Garten des Areals kann sich auch heute noch sehen lassen.

Lärmschutzwand

Neben Geräteschuppen und Obstbäumen sei besonders die Lärmschutzmauer zur vielbefahrenen Ziegelhüttenstraße eine sinnvolle Investition gewesen. Treibende Kraft auch hier wieder: Kirchenpfleger Gerhard Reichelt. "Jetzt bauen die Evangelen ihre eigene Klagemauer", wären sie damals von den katholischen Riedlingern gefoppt worden, schmunzelt Paul Lenz. Für Irritation sorgte damals auch die Form des Hauses mit den zwei Zeltspitzen über dem großen Saal und dem Versammlungsraum. Damals eine architektonische Herausforderung sieht es heute noch spektakulär aus und ist nicht mehr wegzudenken.

© Schwäbische Zeitung 20.09.2016

Pfarrer Gebhardt Gauß wird verabschiedet

Aulendorf sz Die evangelische Thomaskirchengemeinde Aulendorf verabschiedet am Sonntag, 25. September, ihren langjährigen Gemeindepfarrer Gebhardt Gauß. Dazu gibt es, so teilt die Kirche mit, um 9.45 Uhr in der Thomaskirche einen festlichen Abschiedsgottesdienst, in dem Pfarrer Gauß seine letzte Predigt als Gemeindepfarrer der Pfarrstelle I hält und anschließend von Dekan Hellger Koepff von seinen Amtspflichten entbunden wird.

Nach dem Gottesdienst findet in der Kirche ein Empfang mit Grußworten und Musik statt. Ab etwa 12.30 bis 16 Uhr werde es Zeit für eine persönliche Verabschiedung in gemütlicher Runde beim Mittagessen oder bei Kaffee und Kuchen im Gemeindesaal und Garten geben.

© Schwäbische Zeitung 20.09.2016

Ordination in Ersingen

Zwei Pfarrerinnen feiern ihre Ordination in Ersingen

Die Ersinger Fanziskuskirche erlebte am Sonntag rund drei Wochen vor ihrer Dachsanierung noch einen nicht alltäglichen Gottesdienst. Zweieinhalb Jahren hat Martina Schlagenhauf in der evangelischen Kirchengemeinde als Vikarin ihre praktische Ausbildung in der Gemeinde gemacht. Seit dem 1. September ist sie an ihrer neuen Stelle tätig und wurde jetzt in Ersingen zur Pfarrerin ordiniert. Mit ihr zusammen feierte auch Daniela Eichkorn, die ihr Vikariat in der Gemeinde Erolzheim-Rot absolviert hat, ihre Ordination. Für die Musik im Gottesdienst sorgte Bezirkskantor Jürgen Berron und der Franziskuschor unter Leitung von Anara Schock. Die Gottesdienstgestaltung übernahm Dekan Hellger Koepff und Schuldekan Michael Pfeiffer. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es einen Stehempfang in der Ersinger Mehrzweckhalle. Hier sorgte der Gesangverein Frohsinn unter Leitung von Shanna Schock sowie der Musikverein Ersingen unter Leitung von Rainer Trometer für die musikalische Unterhaltung. SZ-Foto: dkd

© Schwäbische Zeitung 20.09.2016

Der neue Klinikpfarrer Matthias Ebinger (links) betritt zusammen mit Dekan Hellger Koepff (rechts) die Christuskirche. Foto: Christoph Klawitter

Be­geg­nung mit Josy hat Mat­thi­as Ebin­ger be­ein­druckt
Dekan Hellger Koepff setzt den neuen evangelischen Kliniken- und Altenheimpfarrer ins Amt ein

Von Christoph Klawitter 20. September 2016

Bad Saulgau - Matthias Ebinger ist in einem Investiturgottesdienst als neuer evangelischer Kliniken- und Altenheimpfarrer eingesetzt worden. Anwesend waren in der Christuskirche am Sonntag auch seine Familienmitglieder und Wegbegleiter sowie einige Vertreter von sozialen Einrichtungen und Kliniken, in denen Ebinger nun arbeitet.

In den vergangenen Wochen hat Ebinger während einer Einarbeitungsphase sein neues Aufgabengebiet kennengelernt. Unter anderem absolvierte er ein Praktikum in der Fachklinik Höchsten der Zieglerschen in Bad Saulgau. Besonders die tiergestützte Therapie hat bei dem Geistlichen Spuren hinterlassen. "Es war eine einprägsame Begegnung, die mich bis heute begleitet." In seiner Ansprache schilderte er ein Zusammentreffen mit dem Pferd Josy: Zusammen mit einer Gruppe ging er auf den Pferdestall zu. "Da kam sie auf die Gruppe zu und blieb vor dem Absperrband stehen", sagte Ebinger. Das Pferd habe nicht auf Lockrufe reagiert, eine ganze Weile sei es einfach dagestanden und habe die Menschen angeschaut. "Der Blick war ruhig, zuversichtlich, intensiv und wohlwollend-zufrieden", berichtete er von der eindrücklichen Begegnung mit dem Tier.

"Eine Diagnose, eine Krankheit, das wissen wir alle, kann die persönliche Welt auf den Kopf stellen", stellte Ebinger fest. Bei seiner Arbeit als Klinikpfarrer wolle er die Menschen so begleiten, dass die von der Not Betroffenen sich sortieren und finden könnten. Bei seiner seelsorgerlichen Arbeit gebe es zwei Pole: Einmal die "Bruch- und Auserfahrungen" der Betroffenen, und zum anderen der "Horizont des zugewandten, menschenfreundlichen Gottes". Er freue sich auf die kommenden Wochen, Monate und Jahre im Dienst Gottes, sagte Ebinger. Dekan Hellger Koepff setzte Ebinger ins Amt ein und segnete ihn. Als Zeugen traten Major Jörg Schulz - er befreundete sich mit Ebinger in dessen Zeit als Militärpfarrer in Ingolstadt - und der Arzt Dr. Christian Gärtner von der Klinik am schönen Moos auf. Jörg Schulz charakterisierte seinen Freund als einen herzlichen, warmherzigen, akkuraten, kinderlieben und musikalischen Menschen.

Koepff: Glaube ist ein Geschenk

Dekan Koepff stellte seine Predigt unter den Satz "Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat." Koepff formulierte den Satz in der Ich-Form neu - und auf einmal werde deutlich, dass dieser starke Satz für den Einzelnen doch wie eine Nummer zu groß klinge. "Ist mein Glaube so stark? Wo soll ich hin mit meinen Zweifeln, meiner Verzweiflung?", fragte der Dekan. Trost spende da die biblische Ansicht, dass der Glaube ein Geschenk sei. Doch es gelte, dieses Geschenk, den Glauben, auch zu pflegen. Das gelte für Pfarrer wie auch für die anderen Gläubigen. Zentral dabei: "Der Glaube braucht Gemeinschaft."

"Das traut Ihnen Gott zu"

Bei seiner neuen Stelle werde Ebinger mit Hoffnung, Zweifel, Gewissheit, aber auch mit Anfechtung der Patienten und Altenheimbewohner konfrontiert werden. "Das traut Ihnen Gott zu, und das trauen wir Ihnen zu", sagte Koepff.

Die Investitur von Ebinger begleiteten Pfarrer Paul Bräuchle und Pfarrerin Stefanie Zerfaß. Vertreter von sozialen Einrichtungen und Kliniken sprachen kurze Grußworte, ebenso Bürgermeisterin Doris Schröter. "Sie haben sich für eine sehr lebendige Gemeinde mit Bad Saulgau entschieden", sagte sie. So unterschiedlich wie die Einrichtungen, in denen Ebinger arbeite, seien auch die Probleme, denen er begegnen werde. Menschen in Krankenhäusern seien oftmals erheblichen gesundheitlichen und emotionalen Belastungen ausgesetzt. "In solchen emotionalen Ausnahmesituationen ist die Seelsorge ein Rettungsanker." Als Vertreter des SRH-Krankenhauses Bad Saulgau drückte Dr. Dietmar Huss, leitender Arzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, seine Freude darüber aus, dass Ebinger eine ganze und nicht etwa eine Dreiviertelstelle inne habe. Weitere kurze Grußworte im Gottesdienst sprachen Gabi Frank von der Einrichtung Vinzenz von Paul, Ruth Seeger von der Fachklinik Höchsten der Zieglerschen, Schwester Marie-Pasquale als Vertreterin der katholischen Krankenhausseelsorge und Pfarrerin Gudrun Berner aus Pflummern als Vertreterin der Pfarrer-Kollegen.

© Schwäbische Zeitung 14.09.2016

Die Kleeblätter auf den T-Shirts und die strahlenden Gesichter zeigen es: Die Kinderbibelwoche hat sich um das Thema Glück gedreht.

Ge­denk­stät­te für Flücht­lin­ge

Biberach - Eine Gedenkstätte für auf der Flucht verstorbene Menschen wird am Samstag, 1. Oktober, ab 17.30 Uhr eröffnet. Sie liegt zwischen dem evangelischen Friedhof und dem russischen Friedhof an der Memminger Straße in Biberach. Initiator ist die ökumenische Flüchtlingsarbeit.

In den vergangenen Jahren sind unzählige Menschen auf ihrem Fluchtweg gestorben. Viele sind verdurstet oder verhungert, viele haben den langen Fußmarsch durch die Wüste nicht überstanden, viele sind auf den Meeren ertrunken. Bereits im vorigen Jahr haben die Künstler Melina Braß und Joshua Glaser ein Denkmal in Form eines zerstörten Flüchtlingsboots geschaffen und Musa Sonko, selbst Flüchtling, hat einen Text dazu geschrieben: "Auf der Suche nach Geborgenheit, nach Freiheit und nach Frieden". Einen ganz besonderen Beitrag zur Eröffnung wird Nikola David, Kantor der liberalen jüdischen Gemeinde München, mit seinem Gesang leisten.

© Schwäbische Zeitung 13.09.2016

Die St. Franziskuskirche wird bald saniert und rund ein Jahr geschlossen sein. dkd

Dachsanierung der Franziskuskirche startet
Rund 100000 Euro sind schon zusammengekommen – Pfarrer Wruck wettet mit Gemeinde
Die St. Franziskuskirche wird bald saniert und rund ein Jahr geschlossen sein.

Ersingen sz Die Dachsanierung der Franziskuskirche in Ersingen beginnt. Die Gemeinde hat noch nicht den ganzen Eigenanteil für die Reparaturarbeiten gesammelt, verfügt nun jedoch jetzt über genügend Geld, dass die Arbeiten beginnen können. Mit einer weiteren kuriosen Aktion, einer „Pfarrwette“ möchte Pfarrer Gunther Wruck ganz im Stile von „Wetten, dass ...“ die Spendensumme erhöhen.

Anfang Oktober startet die dringend notwendige Dach- und Deckensanierung und die Franziskuskirche wird für rund ein Jahr geschlossen. Gottesdienste finden dann im Gemeindehaus und in den katholischen Kirchen im Gemeindegebiet, beispielsweise in Rißtissen, statt. Pfarrer Wruck lobt die Ökumene in der Region: „Während wir uns Gedanken gemacht haben, wie wir das Gemeindehaus für die Gottesdienste am vernünftigsten bestuhlen, kam von katholischer Seite schon die Anfrage, wann wir denn eine Kirche brauchen würden.“

Der letzte Gottesdienst vor der Schließung ist der Erntedankgottesdienst am 2. Oktober, der diesmal ökumenisch gefeiert wird. Nach dem ökumenischen Gottesdienst fordert Gunther Wruck, Pfarrer der evangelischen Franziskuskirche, die Gemeinde zum Wettstreit heraus. Er wettet, dass es der Gemeinde nicht gelingt, ihn mit (Münz-)Geld aufzuwiegen. Beim gemütlichen Kirchencafé nach dem Gottesdienst startet die Wiegeaktion mit der eigens für diesen Zweck gebauten Pfarrerwaage aus Goldburghausen.

Wenn Pfarrer Wruck seine Wette verliert, muss er natürlich einen Wetteinsatz bringen: Er wird beim Luthertheaterstück, das zum Reformationsjubiläum im kommenden Jahr in Ersingen uraufgeführt wird, eine tragende Rolle übernehmen. Die Kirchengemeinde hofft, dass möglichst viele Bürger nun fleißig Kleingeld sammeln. Momentan fehlen der Gemeinde noch rund 30000 Euro. Rund 100000 Euro hat die Gemeinde schon zusammengetragen.

Eine Rekordeinnahme von rund 22 000 Euro konnte die Gemeinde mit ihrem Sponsorenlauf einnehmen. „Wir konnten das Ergebnis nochmal um 9500 Euro nach oben korrigieren, weil sich in eine Computerliste ein Fehler eingeschlichen hat“, berichtet Pfarrer Gunther Wruck, dem wie vielen seiner Kirchengemeinderatsmitglieder beim jetzigen Stand der Spendensumme deutlich ein Stein vom Herzen fällt. Eigentlich wären die Planungen so gewesen, dass sie frühestens mit einem Baubeginn im Jahr 2018 gerechnet hatten. Ganze eineinhalb Jahre früher zu beginnen, freut Wruck enorm, der die Sanierung als gemeinsames Projekt sieht, das die Gemeinde noch mehr zusammenwachsen hat lassen. „Seit ich nach Ersingen gekommen bin, wurde hier stetig gebaut oder saniert. Mal war es das Gemeindehaus, der Kirchturm oder die Kirchenkunstschätze“, erklärt Wruck. Für viele sei es schon ein ziemlicher Schock gewesen, als 2011 das Gutachten zur Sanierung des Dachs der Kirche kam und der Eigenanteil der Gemeinde bei 130000 Euro lag. „Für manche Gemeinden ist das der Anteil, den sie beim Bau eines neuen Gemeindehauses zahlen müssen“, sagt Wruck.

Mit viel persönlichem Engagement und auch nicht gerade alltäglichen Aktionen hat es die Gemeinde nun aber schon beinahe geschafft, die finanziellen Mittel aufzutreiben. Auch die Pfarrwette soll ihr Scherflein beitragen. Wruck wiegt aktuell rund 75 Kilogramm und würde sich natürlich freuen, wenn sein Gewicht am 2. Oktober in Geld aufgewogen würde. „Speziell zunehmen möchte ich deswegen eigentlich nicht mehr“, scherzt der Ersinger Pfarrer und lacht.

Wenn man davon ausgeht, dass die Gemeindemitglieder ihren Pfarrer in Münzgeld aufwiegen, kommt die Gemeinde am günstigsten davon, wenn sie ihn in Ein-Cent-Stücken aufwiegt. Da ist ihnen ihr Pfarrer bei einem durchschnittlichen Gewicht eines Ein-Cent-Stücks von 2,3 Gramm gerade einmal 326 Euro wert. Wiegen Wrucks Schäfchen ihn jedoch mit Zwei-Euro-Stücken auf, kommt der Pfarrer auf einen Gesamtwert von 17647 Euro.

Die Kirchengemeinde hat für die Aktion kleine Franziskuskirchlein vorbereitet, die nur zusammengesteckt werden brauchen, damit daraus kleine Spardöschen entstehen. Diese Spardöschen können in der Bauhütte vor der Kirche oder auch im Pfarramt zu den üblichen Öffnungszeiten abgeholt werden. Es ist möglich, bei der Wiegeaktion eine Zuwendungsbestätigung zu erhalten, da die örtliche Bank ihre Münzzählmaschine zur Verfügung stellt. Der ökumenische Erntedankgottesdienst am 2. Oktober beginnt um 9.30 Uhr.

© Schwäbische Zeitung 09.09.2016

Otto Götz (links) und Hans Petermann verlosen die Klötzchen mit Nummern zwischen 1 und 100: In der Reihenfolge kann die Person in den Laden zum Einkaufen. FOTO: EVA WINKHART

Der Holz­klotz be­stimmt die Rei­hen­fol­ge

Eine viel genutzte Einrichtung des Freundeskreises: der Riedlinger Tafelladen

Riedlingen - Einkaufen für den täglichen Bedarf auf die übliche Art und doch ganz anders: Der Tafelladen in Riedlingen ist eine der am meisten genutzten Institutionen des Freundeskreises "Freunde für Fremde". Mittwochs und samstags klingelt hier die Ladenglocke. Wie an einem herkömmlichen Tante-Emma-Laden - und doch ist die Situation eine ganz andere.

Bereits eine halbe Stunde vor der offiziellen Öffnungszeit füllt sich der Platz vor dem Laden an der Ziegelhüttenstraße. Drinnen ist das Team der Mitarbeiter am Vorbereiten: Brot wird in die Theke einsortiert; frisches Obst und Gemüse - teilweise bereits in Tüten portioniert - kommt nach Sorten geordnet ins Regal oder steht in großen Kisten davor; das Kühlregal wird aufgefüllt; die Grundnahrungsmittel - Mehl, Salz, Zucker, Konserven - werden auf Vollständigkeit überprüft.

Um 11.45 Uhr stellt Hans Petermann - Sprecher des Leitungsteams aus Elisabeth Geiger, Marianne Hermanutz, Ingrid Lemke und Ursula Geisinger - mit einem Mitarbeiter einen kleinen Tisch vor die Tür: Das Verlosen der Einkaufsreihenfolge beginnt. Zuerst die Frauen, danach die vorwiegend jungen Männer, treten an den Tisch, in der Hand ihren Berechtigungsschein und fünf Euro. Der Schein wird kontrolliert, die fünf Euro wandern in die Kasse. Dafür erhält der Kunde einen Holzwürfel, den Petermann aus einer verdeckten Tonne nimmt. Eingeprägt auf einer der Würfelseiten: eine Zahl zwischen 1 und 100. Das wird die Nummer sein, an deren Stelle der Berechtigte in den Laden kann. "Nummer 64, oh je!", sagt einer der jungen Männer. Manchmal, so Petermann, komme es vor, dass jemand aus dem hinteren Wartebereich eine kleine Zahl zugelost bekommt. "Oh, Nummer 1. Glück gehabt!", kommentiert Petermann nach einer ganzen Weile die Ausgabe eines Würfels. Nach etwa zehn Minuten wird der Pulk um den Tisch lockerer. Die mit Würfel Versorgten suchen sich einen Platz auf einer der Bänke oder am Rand des Plätzles, gruppieren sich um die Fahrräder, treffen sich zum Schwatzen und Warten. Ein Dach, sagen mehrere der Frauen, sei wichtig. Im Winter und bei Regen müssten sie ungeschützt im Freien warten. Das Dach, so Petermann, sei in Arbeit: "Planung und baurechtliche Genehmigung sind fertig." Da es über Spenden finanziert werde, sei es mit einer termingebundenen Fertigstellung schwierig. Aber: Es kommt!

Für die erste Gruppe - Würfel Nummer eins bis fünf - ist das Geschäft nun geöffnet. Das Einkaufen im Laden geht vonstatten wie üblich - außer, dass Obst und Gemüse kontingentiert sind: Jeder kann nur eine Sorte, ein Gebinde davon in seinen Einkaufskorb legen; auch für die Einkäufer mit Nummern über 80 soll ja von den frischen Dingen noch etwas vorhanden sein. "Heute gibt es viele Eier", hat Petermann bereits vor der Ladenöffnung bekannt gegeben. Allerdings gucken die meisten in den Karton und wählen den mit den weißen Eiern - die sind deutlich beliebter. Auch vielen Flüchtlingen und anderen ausländischen Berechtigten unbekanntes Gemüse - Kopfsalat, Spargel, Kohlrabi etwa - bleibt lange liegen oder wird überhaupt nicht verkauft. Auch Geschirr und Töpfe, Gläser und Bierkrüge, Schüsseln und Besteck sind in den Regalen vorrätig.

Die Frauen an der Kasse kontrollieren die Körbe und tippen den Preis in eine Registrierkasse. Für eine volle, große Einkaufstüte werden etwa drei bis fünf Euro fällig. Acht Euro 50 bezahlt ein junger Mann. Für Bruder und Freunde, für acht Personen, habe er eingekauft. Sogar ein Kochtopf, mehrere Küchenmesser und Gläser sind dabei. Den Würfel gibt er an der Kasse zurück und bekommt dafür wieder den 5-Euro-Schein.

Alle sechs bis acht Minuten wird der nächste Schwung in den Laden gezählt. Nach etwa zwei Stunden sind der Platz und der Laden fast leer. In der Regel, so Petermann, laufe das Einkaufen hier geordnet ab - nach einer Zeit der weniger guten Erfahrungen und einer "Erziehungszeit" der Kundschaft. Es erwies sich als wichtig, Regeln verständlich zu machen und konsequent durchzusetzen. Mit allen Mitarbeitern. Ein freundlicher und doch bestimmter Umgangston herrscht.

Inzwischen seien etwa 70 Prozent der Kunden hier Flüchtlinge, ergänzt durch die Menschen, die vom Sozialamt einen Berechtigungsschein ausgestellt bekommen haben. Oft steckten schreckliche Schicksale hinter den Menschen der Kundschaft des Tafelladens, sagt Petermann. Ihr Überleben sei vielfach nur durch Übertreten sämtlicher Regeln möglich gewesen. Und hier müssen sie sich wieder an neue Regeln halten.

Spendenkonto: Evangelische Kirchenpflege Riedlingen, Kreissparkasse Biberach, IBAN: DE14 6545 0070 0000 4072 63, BIC: SBCRDE66. Unter Verwendungszweck bitte vermerken: "Lebensmittel für Bedürftige".

© Schwäbische Zeitung 05.09.2016

Die Flüchtlingsbetreuung für Altshausen – hier ein Bild vom Tag der offenen Tür des Hauses am Weiher – soll ausgebaut werden. FOTO: KLAWITTER

Dor­nahof will Be­treu­ung von Flücht­lin­gen aus­wei­ten

Engagement soll sich zukünftig auf das gesamte Gebiet des Gemeindeverwaltungsverbands Altshausen erstrecken

Altshausen -
Der Dornahof möchte sich stärker bei der Betreuung von Flüchtlingen engagieren. Das hat Albrecht Weil, geschäftsführender Vorstand, bekannt gegeben. Geplant ist, dass die Betreuung auf das gesamte Gebiet des Gemeindeverwaltungsverbands Altshausen ausgeweitet wird. Darüber hinaus ist auch angedacht, dass der Dornahof sich stärker bei der Betreuung von unbegleitet ins Land gekommenen minderjährigen Flüchtlingen engagiert.

Derzeit stellt der Dornahof die Flüchtlingsbetreuung für die Gemeinde Altshausen. Als Flüchtlingssozialarbeiter sind Arnold Ban und Marion Falkenstein tätig. Neben dem Haus am Weiher (rund 80 Plätze) betreuen die beiden Dornahof-Mitarbeiter auch die Unterkünfte von Flüchtlingen auf dem Dornahof selbst (rund zehn Plätze) und in der Haggenmoser Straße in Altshausen (17 Plätze). Dafür gibt es 1,2 Stellen. 0,7 Stellen bezahlt das Landratsamt, die weitere halbe Stelle das Haus Württemberg - eine Spende von Carl Herzog von Württemberg. Nun sollen die 1,2 Stellen auf 1,5 Stellen ausgeweitet werden.

Der zusätzliche Stellenumfang soll der Betreuung von Flüchtlingen, die nicht in Altshausen, sondern in den anderen Gemeinden des Verwaltungsverbands untergebracht sind, zu Gute kommen. Die zusätzliche Teilstelle käme ins Haus am Weiher, die Mitarbeiter würden mit dem Auto zu den Flüchtlingen in den anderen Gemeinden fahren. Ob die beiden vorhandenen Mitarbeiter ihren Stellenumfang aufstocken oder eine weitere Teilkraft eingestellt wird, ist noch offen. Bei einer Bürgermeister-Versammlung des Gemeindeverwaltungsverbands werde das Vorhaben erläutert, sagt Albrecht Weil.

Außerdem hat das Kreisjugendamt des Landratsamtes Ravensburg beim Dornahof angefragt, ob sich die Einrichtung um die Betreuung von unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmern möchte. Hier ist die Schaffung von zwei Vollzeitstellen angedacht. "Da sind wir jetzt dabei, das zu prüfen", sagt er. In der zweiten Septemberhälfte soll sich klären, ob das Unterfangen klappt. Wo die zwei Vollzeitstellen örtlich angesiedelt werden können, beispielsweise im Haus am Weiher oder beim Dorna-hof, ist noch nicht geklärt. Klar ist laut Weil aber auch, dass der Markt an entsprechenden Arbeitskräften derzeit leer gefegt ist. Er stellt sich auf Schwierigkeiten bei der Einstellung neuen Personals ein.

Auch in Friedrichshafen ist der Dornahof nun verstärkt tätig, hier nicht im Flüchtlingsbereich, sondern in der Betreuung von Obdachlosen. Dort wurden zunächst für drei Jahre 3,5 Stellen geschaffen. Damit übernimmt der Dornahof zusammen mit einem anderen Träger für 50 Bewohner des Männerwohnheims in der Keplerstraße die Betreuung. Albrecht Weil erläutert das, um deutlich zu machen, dass der Dornahof inzwischen eine Art Expansionskurs fährt. "Wir machen uns schon seit Jahren auf den Weg in die Fläche. Wir wollen uns nicht auf den Standort Altshausen beschränken."

© Schwäbische Zeitung 03.09.2016

Karin Bruker und Albrecht Weil (Mitte) mit den Bewohnern Paul Stickle (links) und Dietmar Schmidt. FOTO: KLAWITTER

Dor­nahof sucht en­ga­gier­te Bür­ger

Start eines neuen Projekts: Ehrenamtliche Helfer sollen die Bewohner in ihrer Freizeit begleiten

Altshausen - Der Dornahof sucht Bürger aus Altshausen und Umgebung, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Sie sollen mit den Bewohnern auf Ausflüge gehen, sich mit Senioren beschäftigen, in den Freizeit-Werkstätten mithelfen oder eigene Ideen einbringen. Wer Interesse hat, kann sich den Donnerstag, 22. September, im Kalender anstreichen. Dann findet um 17.30 Uhr auf dem Dornahof eine Infoveranstaltung über das Ehrenamtsprojekt statt.

Im Dornahof leben Menschen, deren Leben zuvor von Wohnungslosigkeit geprägt war oder die eine Suchterkrankung, eine psychische Erkrankung oder andere soziale Probleme haben oder hatten. Albrecht Weil, geschäftsführender Vorstand des Dornahofs, und die Ehrenamtsbeauftragte Karin Bruker haben jetzt das neue Projekt vorgestellt. Es geht darum, dass Helfer mit den Bewohnern in deren Freizeit etwas unternehmen. "Im Prinzip können die Ehrenamtlichen ihre Ideen selber mit einbringen", sagt Karin Bruker. Sei es ein Ausflug ins Hallenbad oder auch nur ein kleiner Spaziergang mit einem älteren Bewohner auf dem Dornahof-Gelände - es gibt keine Vorgaben für die Freizeitaktivitäten. Die Ehrenamtlichen können ihre persönlichen Fähigkeiten einbringen.

Gründliche Einarbeitung

Bruker und Weil lassen durchblicken, dass die hauptamtlichen Dornahof-Mitarbeiter dafür kaum Zeit hätten. Sie stellen aber auch klar, dass es bei dem Vorhaben nicht darum geht, dass ehrenamtliche Mitarbeiter die hauptamtlichen ersetzen sollen. Die Ehrenamtlichen erhalten keine Aufwandsentschädigung, tatsächliche Auslagen, etwa für Fahrkarten, werden aber bezahlt. Zudem wird für sie ein Versicherungsschutz sichergestellt. Wer sich engagiert, wird gründlich eingearbeitet und hat auch einen festen hauptamtlichen Ansprechpartner und Begleiter. Wer keine Begleitung braucht, kann auch eigenständig mit den Bewohnern etwas unternehmen.

"Wir werden den neuen Helfern eine fundierte Einführung geben", betont Karin Bruker. Die Ehrenamtlichen sollen nicht allein gelassen werden. Schließlich können laut Weil auch mal Probleme auftauchen, beispielsweise wenn ein alkoholkranker Bewohner nicht nüchtern ist und an einem Ausflug teilnehmen will. Auch auf solche Situationen sollen die Helfer vorbereitet werden. Allerdings haben die Hauptamtlichen auch ein Auge auf die Bewohner und können zu Beginn eines Tages einschätzen, ob jemand einen schlechten Tag hat. Rund 180 Menschen, hauptsächlich Männer, wohnen im Dornahof. Der Altersschnitt liegt bei knapp unter 60 Jahren. Da einige nicht mehr auf dem Dornahof arbeiten und der Altersschnitt zusehends steigt, rückt die Organisation von Freizeitaktivitäten in den Fokus.


Abbau von Berührungsängsten

Albrecht Weil ist es auch wichtig, den Dornahof und seine Bewohner mehr ins Altshauser Gemeindeleben einzubinden. "Es gibt durchaus nachvollziehbare Berührungsängste, auch in Altshausen", sagt Weil. Doch bei den Dornahof-Bewohnern handle es sich um Menschen, mit denen man ganz normal kommunizieren könne. "Es tut einem hier niemand etwas", ergänzt er schmunzelnd. Er habe beobachtet, dass Altshauser Bürger eine hohe Hilfsbereitschaft haben - und zwar beim Thema Flüchtlinge. Hier hat sich in Altshausen ein großer Helferkreis gebildet. Das hat Weil beeindruckt und auch zur Überlegung geführt, den Dornahof für mehr ehrenamtliches Engagement zu öffnen.

Die Aktion Mensch, eine Sozialorganisation, die sich durch Lotterieeinnahmen finanziert, unterstützt das Projekt des Dornahofs mit 82 245 Euro. Es schließt übrigens auch die anderen Standorte des Dornahofs außerhalb von Altshausen mit ein. Albrecht Weil und Karin Bruker sind nun gespannt, wie viele Interessenten sich melden werden.