© Schwäbische Zeitung 14.02.2017

Dekan Hellger Koepff hat Ulrike Ebisch in das Amt der Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Kirchdorf feierlich eingeführt. SZ-FOTO: HERMANN HUMMEL

Ul­ri­ke Ebisch ist die ers­te Pfar­re­rin

Nach sieben Monaten Vakanz ist evangelische Pfarrstelle in Kirchdorf wieder besetzt

Kirchdorf - Freude und Erleichterung bei den evangelischen Christen der Illertalgemeinden Berkheim, Dettingen, Kirchberg und Kirchdorf: Sieben Monate nach dem Weggang von Pfarrer Jörg Scheiring ist die Pfarrstelle der evangelischen Kirchengemeinde Kirchdorf wieder besetzt, erstmals mit einer Pfarrerin. Bei einem feierlichen Gottesdienst hat Dekan Hellger Koepff die in Wolfschlugen auf den Fildern aufgewachsene Ulrike Ebisch in ihr Amt eingeführt.

Nach ihrem Theologiestudium in Tübingen sowie Bern und dem Vikariat im Kirchenbezirk Schwäbisch Halt hatte Ebisch in Ravensburg als Pfarrerin zur Anstellung erstmals Bekanntschaft mit den Oberschwaben gemacht. Danach wirkte sie 15 Jahre lang als geschäftsführende Pfarrerin in der großen Kirchengemeinde Geislingen. Nun ist die 48-Jährige nach Oberschwaben zurückgekehrt, mitten in die Diaspora, in eine kleine Kirche am östlichen Ortsrand von Kirchdorf, bereits auf bayerischem Gebiet, wie Dekan Koepff in seiner Begrüßung humorvoll anmerkte. Anknüpfend an die Tageslosung "Ihr werdet Völker rufen, die ihr nicht kennt" wünschte er ihr, dass es ihr gelinge, die Menschen neugierig zu machen, auf dass aus ihrem Tun das Wirken Gottes sichtbar werde.

Seelsorge ist ihr wichtig

"Zum ersten Mal stehe ich an dieser Stelle mit Blick zu Ihnen, und das ist schön", leitete die neue Pfarrerin ihre Vorstellung ein. Es habe sie nach den Jahren in einer großen Pfarrei wieder aufs Land verschlagen, in eine neue Welt, in der sie jetzt angekommen sei. Aber auch hier wolle sie auf Tätigkeitsfelder Wert legen, für die sie sich durch Zusatzausbildungen qualifiziert habe: Organisation, Teamarbeit und seelsorgerische Begleitung. Danach nahm Dekan Koepff die Investitur vor, einleitend mit der Feststellung, es brauche besondere Personen wie Ebisch, die das Evangelium erfahrbar machten. Und an die Gemeindeglieder richtete er die Bitte, sie bei dieser Aufgabe nicht allein zu lassen.

Pfarrerin Ebisch befasste sich in ihrer anschließenden Predigt mit einer Bibelstelle, in der Jesus vom Dank an die Knechte spricht. Es gehe dabei letztlich um das Dienstverhältnis des Menschen zu Gott, der das Urbild eines guten Chefs sei. Als Beauftragter Gottes sei der Mensch unterwegs, für ihn tätig im Bewusstsein, dass er von ihm wertgeschätzt werde.

Nach dem vom Kirchenchor unter der Leitung von Gudrun Diebold musikalisch umrahmten Gottesdienst dankte der Dekan zunächst allen, ganz besonders der Pfarrsekretärin Charlotte Harrer und der stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, Patricia Hirt, die durch großen Einsatz die Zeit der Vakatur überbrückt hatten. Zur Ernennungsurkunde überreichte er eine Anleitung zu ökumenischen Segensfeiern und die Chronik der evangelischen Pfarrer in Kirchdorf.

Fortführung der Ökumene

Bürgermeister Rainer Langenbacher freute sich ebenfalls über die Wiederbesetzung der Pfarrstelle und überbrachte die Grüße der Nachbargemeinden. Als Geschenk überreichte er die Grablieder des Pfarrers Michael von Jung. Zudem gab es für Ebisch und ihren Mann - beide sind begeisterte Radfahrer - die Radwanderkarte vom Illertal.

Gute Wünsche im Blick auf zu erreichende Ziele fügte auch die Rektorin der Gemeinschaftsschule Kirchdorf, Veronika Schaffranek, ihrem Grußwort hinzu. Der katholische Pfarrer Walkler Caxilè freute sich auf die Fortführung der ökumenischen Verbundenheit, die ihm am Herzen liege, und wünschte ihr in der Gemeinde offene Ohren, hilfreiche Hände und Gottes Segen.

Zum besseren Verstehen, wie die Kirchdorfer ticken, überreichte Caxilè das Heimatbuch. Etwas fürs Fahrrad, Blumen und ein Büchlein zum Verstehen der oberschwäbischen Mundart hatte Hirt dabei und der evangelische Pfarrer Jörg Schwarz aus Ochsenhausen überreichte als Symbol nachbarschaftlicher Verbundenheit einen Geschenkkorb.

© Schwäbische Zeitung 09.02.2017

So soll die räumliche Struktur der evangelischen Kirchengemeinden spätestens Ende 2018 aussehen: Aus den drei Kirchengemeinden Heilig-Geist-Kirche, Stadtpfarrkirche und Bonhoefferkirche wird eine große (blau unterlegt). Außerdem kommen noch die Gemeindemitglieder aus Mittelbiberach mit dazu, die bisher zur Gemeinde Friedenskirche gehörten. Die Gemeinde Versöhnungskirche mit Sitz in Ummendorf bleibt in ihrem Zuschnitt erhalten. GRAFIK: EV. GESAMTKIRCHENGEMEINDE BIBERACH/GERD

Drei Kir­chen­ge­mein­den sol­len fu­sio­nie­ren

Pfarrplan der evangelischen Landeskirche führt in Biberach 2018 zu neuen Zuschnitten und Zuständigkeiten

Biberach - Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Biberach wird ihre Struktur bis spätestens Ende 2018 stark verändern. Die wichtigste Änderung wird die Fusion der Kirchengemeinden Stadtpfarrkirche, Heilig-Geist-Kirche und Bonhoefferkirche zu einer großen Kirchengemeinde sein. Zu dieser Kirchengemeinde werden auch die evangelischen Christen aus Mittelbiberach gehören, die bisher der Friedenskirche in Biberach zugeordnet waren.

Bereits am vergangenen Sonntag gab es in den einzelnen Kirchengemeinden Versammlungen, bei denen die Gemeindemitglieder über die anstehenden Veränderungen informiert wurden. Diese basieren auf dem Pfarrplan 2018 der evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er legt unter anderem fest, wie viele Pfarrstellen bis Ende 2018 wegfallen sollen. "Hintergrund dafür ist der landesweite Rückgang an Gemeindemitgliedern", sagt Hellger Koepff, evangelischer Dekan in Biberach. Verursacht wird der Rückgang zum einen durch Kirchenaustritte, zum anderen durch die demografische Entwicklung. "Die Folge davon ist, dass mittelfristig auch unser Finanzaufkommen zurückgeht", so Koepff. Niemand streiche gerne Pfarrstellen, "aber ich sehe das ganze Thema als unsere Verantwortung, die wir nicht der nachfolgenden Generation aufbürden dürfen".

Lange Vakanzen als Alternative

Er sei ein großer Verfechter des neuen Pfarrplans, sagt Koepff. "Die Alternative wäre, man lässt alle Pfarrstellen zwar auf dem Papier bestehen, besetzt aber nicht mehr jede." Das berge aber die Gefahren langjähriger Vakanzen gerade im ländlichen Bereich, weil es neue Pfarrer dann vermutlich stärker in die Kirchengemeinden im städtischen und großstädtischen Bereich ziehe.

Im Bereich der Gesamtkirchengemeinde werden bis Ende 2018 deshalb 0,75 der derzeit 5,5 Pfarrstellen wegfallen. Diese verteilen sich auf die 0,5-Stelle "Friedenskirche II" (derzeitiger Stelleninhaber Peter Schmogro) sowie auf eine 0,25-Stelle bei der Heilig-Geist-Gemeinde bei Ausscheiden des Jugendpfarrers (derzeit Matthias Ströhle).

Um für die verbleibenden 4,75 Pfarrstellen annähernd gleich große Zuständigkeitsbereiche zu schaffen, was die Zahl der Gemeindemitglieder angeht, werden die Gebietszuschnitte der fünf Kirchengemeinden verändert. So sollen die insgesamt rund 4800 evangelischen Christen der Stadtpfarrkirche, Heilig-Geist-Kirche und der Bonhoefferkirche zusammen mit den Gemeindemitgliedern aus Mittelbiberach künftig eine Kirchengemeinde bilden. Für diese gibt es 2,75 Pfarrstellen. Diese Kirchengemeinde wird nach der Kirchenwahl 2019 einen gemeinsamen Kirchengemeinderat haben und soll auch einen neuen Namen erhalten, der aber noch nicht feststeht.

Die um Mittelbiberach verkleinerte Gemeinde Friedenskirche hat dann rund 2000 Mitglieder (bisher 2900) und eine Pfarrstelle. 1800 Gläubige und eine Pfarrstelle sind es in der flächenmäßig großen Gemeinde Versöhnungskirche, die im Zuschnitt erhalten bleibt. Zu ihr gehören unter anderem auch Hochdorf und Eberhardzell.

"Das sind Veränderungen, die mit der Zeit wachsen müssen und an die sich die Gemeindemitglieder erst gewöhnen müssen", sagt Koepff. Natürlich seien die neuen Pfarrämter zuständig für formale Dinge, etwa, wenn jemand sein Kind zur Taufe anmeldet oder ein Paar heiraten möchte. Bei anderen Themen, wie dem Konfirmandenunterricht lassen sich Synergien bilden. "Am Ende ist aber natürlich jeder nach wie vor frei, wohin er zum Beispiel am Sonntag in die Kirche geht", so Koepff.