© Schwäbische Zeitung 25.01.2017

Auch Pfarrerin Birgit Bohl ist Teil der Ausstellung. FOTO: FRANK MOSTHOF

Fo­tos zei­gen das Le­ben in der Bon­hoef­fer­ge­mein­de

Ausstellung von Schwarz-Weiß-Fotografien in der evangelischen Bonhoefferkirche


Biberach - Unter dem Titel "Ich und Du" findet in der evangelischen Bonhoefferkirche in Biberach am Samstag, 28. Januar, eine Vernissage und Ausstellung von Schwarz-Weiß-Fotografien statt. Nach der Fertigstellung des Bonhoefferhauses am Mittelberg sowie der Renovierung der Bonhoefferkirche im Herbst hatte Gemeindepfarrerin Birgit Bohl die Idee, das Gemeindezentrum auch für künstlerische Vorhaben zu öffnen. Gemeinsam mit dem Gemeindemitglied Frank Mosthof entstand die Idee, Schwarz-Weiß-Fotografien von Menschen zu erstellen, die eine enge Verbindung zur Bonhoeffergemeinde haben.

Der Biberacher Frank Mosthof, der auch Mitglied bei den Fotofreunden Biberach-Riss ist, hat dies in den vergangenen sechs Monaten fotografisch umgesetzt. Dabei entstanden nicht nur klassische Porträtaufnahmen, sondern vielmehr Bilder von Menschen, die den Bezug zur Kirchengemeinde mit individuellen Gegenständen in der Hand noch verdeutlichen. Hier kamen nicht nur sakrale Gegenstände der Kirche zum Einsatz, sondern auch viele Alltagsgegenstände wie beispielsweise Haushaltsutensilien oder Musikinstrumente.

Die Fotografien bilden dabei ein breites Spektrum an menschlichen und kirchlichen Beziehungen und Verbindungen ab. So enthält die Ausstellung nicht nur Porträts von Mitgliedern der evangelischen Kirche, sondern auch von Gemeindemitgliedern der katholischen Kirche sowie vom katholischen Pfarrer Paul Odoeme. Sie zeigen die gelebte Ökumene auf dem Mittelberg.

Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung "Ich und Du" liegt auch auf dem Inklusionsprojekt der Bonhoefferkirche. Da im Bonhoefferhaus seit Jahresbeginn viele Menschen mit Behinderung ein Zuhause gefunden haben, gehören diese fest zur Gemeinde beziehungsweise nehmen aktiv am Gemeindeleben teil. Auch einige Bewohner des Bonhoefferhauses gehören zu den porträtierten Personen.

Die Vernissage findet am Samstag um 19 Uhr in der Bonhoefferkirche in Biberach statt. Birgit Bohl wird durch die Vernissage führen und zu den Fotografien entsprechende Lesungen halten. Mosthof wird zur Entstehung der Bilder und zu den vielfältigen Geschichten, die die einzelnen Bilder erzählen, weitere Informationen geben. Zur musikalischen Umrahmung des Abends konnte Ulrike Werthmann gewonnen werden. Werthmann ist langjähriges Mitglied des Kirchengemeinderats der Bonhoefferkirche und zudem leidenschaftliche Musikerin.

Die Fotografien bleiben zur Besichtigung in der Bonhoefferkirche bis zum 19. Februar ausgestellt. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

© Schwäbische Zeitung 07.01.2017

"500 Jahre Reformation" ist auch ein Denkanstoß für die Kirche heutzutage: Die Pfarrer Ulrich Heinzelmann (links) und Kaspar Baumgärtner freuen sich auf einen Austausch mit den Bürgern im Festjahr. SZ-Foto: Tanja Bosch

In­ter­view: "Re­for­ma­ti­on muss im­mer statt­fin­den"
Biberacher Pfarrer sprechen über das Festjahr zu "500 Jahre Reformation"


Biberach - Zum Jubiläum "500 Jahre Reformation" haben die evangelische und die katholische Kirchengemeinde in Biberach gemeinsam ein besonderes Programm zusammengestellt. Unter dem Motto "... da ist Freiheit" gibt es zum einen monatlich unterschiedliche Gastprediger, die die ökumenischen Gottesdienste in der Stadtpfarrkirche mitgestalten, und zum anderen laden der evangelische Pfarrer Ulrich Heinzelmann und der katholische Pfarrer Kaspar Baumgärtner zu drei Gesprächsabenden zu ökumenischen Konfliktthemen ein. Was die Reformation für die beiden bedeutet? Redakteurin Tanja Bosch hat mit ihnen darüber gesprochen.

Wie wird das Jubiläumsjahr in Biberach gefeiert?

Ulrich Heinzelmann: Auf jeden Fall ökumenisch. In unserer Zeit kann die Erinnerung an 500 Jahre Reformation nicht mehr nur konfessionell begangen werden. Wir wollen kein Triumphgeheul darüber anstimmen, wie toll wir Evangelischen sind. Wir haben entschieden, das Gedenkjahr gemeinsam zu begehen, evangelisch und katholisch, denn nur dann werden wir dem reformatorischen Anliegen am ehesten gerecht.

Ist das eine Besonderheit für Biberach?

Kaspar Baumgärtner: Ja, irgendwie schon. Einen besonderen Auftrag sehen wir natürlich im Simultaneum. Hier in Biberach steht das Gebäude dafür: für den konfessionellen Austausch und den gemeinsamen Versuch, dem Evangelium eine je eigene Gestalt zu geben. Die Stadtpfarrkirche St. Martin gibt uns durch ihre lange Geschichte als gemeinsames Haus Gottes den Auftrag, das Festjahr gemeinsam zu begehen.

Heinzelmann: Da fühlen wir uns sehr verpflichtet. Dazu kommt, dass ab Mai in der Kirche gebaut wird: Endlich kommt die Fußbodenheizung. Das heißt, die Kirche wird auch äußerlich reformiert (lacht) beziehungsweise restauriert. Die Gastprediger predigen dann auf einer Baustelle, das finde ich schön, denn wenn Kirche keine Baustelle mehr ist, dann ist sie tot.

Was hat es mit den Gastpredigern auf sich?

Heinzelmann: Bis Oktober haben wir jeden Monat einen Gastprediger bei uns, jeweils von der evangelischen und katholischen Seite, aber auch einen Laien wie den Oberbürgermeister und einen Pastor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde. Darauf sind wir beide schon stolz, dass wir das hinbekommen haben. Einmal im Monat eine fremde Stimme, die zum Thema spricht, darauf freue ich mich sehr. Es sind wirklich interessante Leute dabei und jeder wird von seiner Warte aus darüber sprechen, wie er die kirchliche Landschaft heute sieht.

Baumgärtner: Und wir hoffen, dass wir dadurch auch Menschen ansprechen, die sonst nicht sonntags in die Kirche kommen.

Was bedeutet für Sie Reformation heute?

Heinzelmann: Unsere Zeit ist davon geprägt, dass das der christliche Glaube auf dem Rückzug ist. Beide Kirchen sind bemüht, den Glauben im Gespräch zu halten. Es geht darum, überhaupt noch den Draht zu den Menschen zu finden. Martin Luther hat gesagt "Ihr sollt dem Volk aufs Maul schauen" und damit gemeint: Drückt euch so aus, dass die Leute euch verstehen, und sprecht darüber, was die Leute umtreibt. Das ist unsere Aufgabe als Kirche.

Baumgärtner: Die Kirche ist im Übrigen immer eine zu reformierende. Reformation muss immer stattfinden, wenn die Kirche nicht zu Veränderungen bereit ist, dann gibt sie sich selber auf. Wichtiger ist, dass wir uns fragen, was die Aufgabe von Kirche heute ist. Welche Botschaft wollen wir vermitteln? Das ist die Aufgabe in einer Multikulti-Gesellschaft.

Heinzelmann: Wir wollen die Stimme des Evangeliums lebendig halten und wir werden nicht müde werden, darum zu ringen, wie wir die frohe Botschaft in die Gesellschaft einbringen. Reformation bedeutet für mich, gerade darum zu ringen, mit Fantasie und Bereitschaft sich infrage stellen zu lassen. Wir geben uns oftmals zu schnell mit dem zufrieden, was wir haben.