© Schwäbische Zeitung 10.06.2017

Got­tes­diens­te fin­den in Kran­ken­haus­ka­pel­le statt
Friedenskirche wird vier Monate lang saniert - Kosten belaufen sich auf 460 000 Euro

Biberach - In dieser Woche haben in der Friedenskirche in Biberach umfangreiche Sanierungsarbeiten begonnen, weshalb die Kirche für voraussichtlich vier Monate geschlossen bleibt. Während der Bauarbeiten finden ab Sonntag, 11. Juni, die Gottesdienste in Kooperation mit der evangelischen Krankenhausseelsorge statt. Daher feiern die Kirchenmitglieder ab sofort die Gottesdienste sonntags um 9.30 Uhr in der Krankenhauskapelle.

Die Krankenhauskapelle ist leicht zu finden: Wer den Haupteingang zur Klinik, Ziegelhausstraße 50, betritt, findet den Weg zur Kapelle ausgeschildert. Und über den unteren Seiteneingang zum Krankenhaus am Ende der Dinglingerstraße gelangt man gleich nach der Eingangstüre rechts zur Kapelle. Parkmöglichkeiten sind auf dem Parkdeck vor dem Krankenhaus vorhanden.

Währenddessen werden in der Friedenskirche Elektro- und Malerarbeiten erledigt. Das in die Jahre gekommene Heizungssystem und die Beleuchtung werden erneuert, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Kosten der Sanierung belaufen sich auf rund 460 000 Euro.

Für Spenden zur Finanzierung ist die Kirchengemeinde weiterhin dankbar. Spendenkonto: Ev. Friedenskirche Biberach, IBAN: DE12 6005 0101 0004 4706 67, BW-Bank.

 

 

© Schwäbische Zeitung 09.06.2017

Jörg Weag will auch Zweifler für Gott begeistern
Der neue evangelische Pfarrer ist seit 1. Juni in Aulendorf – Offizielle Amtseinsetzung ist am 25. Juni

Aulendorf sz Die evangelische Thomaskirchengemeinde in Aulendorf hat einen neuen Pfarrer: Jörg Weag. Der 54-Jährige war zuletzt zehn Jahre lang Pfarrer in Gomaringen bei Tübingen. Bevor er nach Aulendorf wechselte, verbrachte er die vergangenen sechs Monate in Thessaloniki in Griechenland. Dort absolvierte er im Rahmen eines sogenannten Kontaktstudiums ein Semester an der theologischen Fakultät der Aristoteles-Universität. Seit 1. Juni lebt er mit seiner Frau im Pfarrhaus in Aulendorf. Weag ist Nachfolger von Gebhardt Gauß, der im September nach 22 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Noch sind zwar noch nicht alle Umzugskisten ausgepackt und auch die Küche ist noch nicht da, „aber meine Frau und ich sind froh, dass wir jetzt hier sind“, sagt Jörg Weag. Für das Ehepaar war dieser Umzug etwas Besonderes, denn es war der erste ohne die drei gemeinsamen Kinder. „Sie sind alle erwachsen und teilweise schon verheiratet“, berichtet der Pfarrer beim Besuch in seinem Arbeitszimmer im Pfarrhaus.

Seine drei Kinder hätten die bisherigen Umzüge im Nachhinein jeweils als Bereicherung erlebt, auch wenn im Vorfeld eines Wechsels natürlich nicht nur pure Freude darüber herrschte. „Mit Kindern ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt für einen Ortswechsel zu erwischen. Das hat bei uns immer ganz gut geklappt“, berichtet Weag, der seit Januar stolzer Opa einer Enkelin ist.

Inspiriert hat ihn in jüngster Vergangenheit vor allem sein sechsmonatiger Aufenthalt gemeinsam mit seiner Frau an der Universität in Thessaloniki. „Es war unheimlich spannend und bereichernd, mich mit der orthodoxen Theologie und Spiritualität auseinanderzusetzen.“ Durch das „Fremde und Andere“ habe er neue Impulse gewonnen und sich mit den eigenen Wurzeln des Glaubens neu beschäftigt. „Das war richtig gut“, schwärmt der 54-Jährige, der dabei zwar ganz unaufgeregt spricht, aber dennoch ein ein Funkeln in die Augen bekommt. „Die Frömmigkeit in der orthodoxen Kirche lebt von Symbolen und Ritualen, der Zugang zum Glauben funktioniert, anders als bei evangelischen Christen, durch Herzensfrömmigkeit und weniger durch Verstand und Intellekt. Aber wir haben auch durch Reformation und Aufklärung eine andere Geschichte und Kultur“, erklärt Weag.

Die Anregungen dieser interessanten Zeit möchte er in Aulendorf gerne einbringen. Und im Sinne des Jüngers Thomas, dem Zweifler und Namensgeber der Gemeinde, auch die Menschen ansprechen, die im Glauben noch auf der Suche sind oder gerade eine kritische Phase erleben. Wichtig ist für ihn zudem, einen gemeinsamen Weg mit dem Kirchengemeinderat zu beschreiten und auch ein gutes ökumenisches Miteinander in der Stadt. „Wir fühlen uns hier sehr wohl und es ist eine große Portion Vorfreude auf die neue Zeit hier dabei.“ Am Sonntag hält Weag seinen ersten Gottesdienst in der Thomaskirche. Aufgeregt sei er zwar nicht, aber eine gewisse Anspannung sei natürlich immer dabei.

 Viele Berufsstationen


Seinen Weg zum Pfarrer musste Weag erst finden. Der 54-Jährige mit dem empathischen Blick ist in Frickenhausen im Kreis Esslingen aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife macht er eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. Erst nach dem Zivildienst absolvierte er eine vierjährige theologische Ausbildung in der evangelischen Missionsschule in Unterweissach bei Backnang. Danach war er vier Jahre Jugendreferent in Brackenheim bei Heilbronn.

Nach elf Jahren als Gemeinde-Diakon in Dettingen an der Erms wurde er von der evangelischen Landeskirche ins Pfarramt berufen. „Das passierte auf Vorschlag des Dettinger Ortspfarrers und des Diakons von Bad Urach“, erzählt Weag, der in seiner aufgeschlossenen Art gleichzeitig Ruhe und Neugierde ausstrahlt.

Verbunden mit der Berufung ins Pfarramt war die erste eigene Pfarrstelle in Weil im Schönbuch bei Böblingen. Dazu begleitend absolvierte er parallel ein berufsbegleitendes Pfarrerseminar der Landeskirche. Nach drei Jahren in Weil im Schönbuch wechselte er nach Gomaringen. Nach zehn Jahren in der Gemeinde bei Tübingen heißt seine nächste Station nun also Aulendorf, der südlichste Ort in Weags bisherigen Berufsstationen. „Es gehört zu unserem Beruf dazu, das wir so etwa alle zehn Jahren die Gemeinde wechseln“, erläutert Weag. Die Umzüge seien „immer wieder ein Kraftakt“. Und der Abschied bedeute auch jedes Mal einen „Abbruch von Beziehungen“, besonders als Pfarrer. „Wir leben intensiv mit dem Menschen in einer Gemeinde zusammen.“

Andererseits seien die Neuanfänge auch wichtig. „Der Gemeinde tut es gut, wenn jemand Neues kommt. Und auch für einen selbst ist es wichtig, damit man nicht in eingefahrenen Bahnen stecken bleibt. Es ist immer beides: Wehmut und Freude.“

Die offizielle Amtseinsetzung von Pfarrer Jörg Weag ist am 25. Juni um 9.45 in der Thomaskirche. Nach dem Festgottesdienst, den auch der Kirchenchor und die Kinderkirche mitgestalten, gibt es einen Empfang in der Kirche mit Grußworten und Musik sowie ein Mittagessen im Gemeindesaal.

Quelle:
www.schwaebische.de/region_artikel,-Joerg-Weag-will-auch-Zweifler-fuer-Gott-begeistern-_arid,10682315_toid,84.html