© Schwäbische Zeitung 23.11.2017

Sie sind die Vorstandsmitglieder des Bündnisses für Demokratie und Toleranz: Hellger Koepff (von links), Heiko Schmid, Cornelia Furtwängler, Herbert Kasparek, Andreas Heinzel, Andreas Schirrmeister und Sigmund F. J. Schänzle. FOTO: DANIEL HÄFELE

De­mo­kra­tie­bünd­nis ge­winnt vie­le Mit­glie­der

Bei erster Vollversammlung wählen Anwesende Vorstand - Arbeit soll jetzt los gehen

Biberach - Im Mai dieses Jahres feierlich gegründet, am Dienstagabend im Biberacher Landratsamt den Vorstand gewählt: Das Bündnis für Demokratie und Toleranz im Landkreis Biberach nimmt so langsam seine Arbeit auf. Eigentlich wollten die Initiatoren mit der ersten Vollversammlung warten, bis Deutschland eine Regierung hat. "Unabhängig davon fangen wir jetzt an. Wir können das nicht weiter hinausschieben", sagte der evangelische Dekan Hellger Koepff. 56 Mitglieder zählt das Bündnis derzeit.

Nachdem neben den Initiatoren - dem evangelischen Kirchenbezirk, dem katholischen Dekanat und dem Landkreis Biberach - auch die Kreisverbände von Bündnis 90/Die Grünen, der CDU, der Linken, der Ödp, der SPD sowie die Gesellschaft für Geschichte und Gedenken in Laupheim und der Kreisjugendring die Gründungsurkunde unterschrieben hatten, sind in den vergangenen Monaten weitere Institutionen und Einzelpersonen auf das Bündnis aufmerksam geworden. Auf der Mitgliederliste finden sich beispielsweise Kommunen, Gewerkschaften, soziale Einrichtungen oder Privatpersonen. Dekan Koepff freute sich über den Zulauf, am Abend der Vollversammlung wurden noch fünf Mitgliedsanträge eingereicht: "Das Ganze hat eine tolle Dynamik angenommen."

Aufklärungsarbeit vorantreiben

Weshalb es das Bündnis braucht - darauf ging Landrat Heiko Schmid in seiner Begrüßungsrede näher ein. "Unser aller Auftrag ist es, verstärkt der Gesellschaft aufzuzeigen, dass Vertreter von rechtspopulistischen Aussagen oder Anhänger linksautonomer Gruppen in der Minderheit sind und der Großteil der Gesellschaft hinter den Werten des Grundgesetzes steht", so der Landrat.

Netzwerkgedanken etablieren

Er erinnerte an die Krawalle beim G-20-Gipfel, das Abschneiden der AfD mit 12,5 Prozent im Wahlkreis Biberach bei der Bundestagswahl und die Rhetorik des AfD-Bundesvorsitzenden Alexander Gauland am Wahlabend. "Aber nicht nur der Rechtsdruck der Bevölkerung im Wahlverhalten ist für die Demokratie eine Herausforderung. Auch die sogenannten Reichsbürger machen uns zu schaffen", sagte Schmid. So gebe es im Kreis rund 50 bekannte Reichsbürger, wobei die Dunkelziffer wohl höher liege: "Die Reichsbürger binden Ressourcen in Verwaltungen, bei der Polizei und bei den Gerichten." Er appellierte, den extremen Tendenzen gemeinsam entgegenzutreten: "Aufklärungs- und Präventionsarbeit bei allen Bevölkerungsgruppen und -schichten ist eine Primäraufgabe des Bündnisses."

Bei der Vollversammlung machten sich die Mitglieder darüber Gedanken, wie dieses Ziel mit Leben gefüllt werden kann. Diese Beratungen fanden nichtöffentlich statt. "Im Vordergrund des Bündnisses steht, dass wir voneinander wissen", sagte Koepff im Nachgang der "Schwäbischen Zeitung". Das Bündnis soll Menschen und Verbände zusammenbringen und zu Kooperationen anregen.

"Das Bündnis soll ein Netzwerk darstellen", so der evangelische Dekan. Bei der Vollversammlung habe man zudem festgestellt, dass es bereits eine Reihe von Demokratieangeboten gibt. In Erwägung zogen die Anwesenden auch, ob das Bündnis eigene Veranstaltungen organisiert. Laut Koepff hat der Vorstand eine Liste mit Stichworten erhalten, welche in den kommenden Monaten näher ausgearbeitet werden sollen.

 

Der Vorstand des Bündnisses für Demokratie und Toleranz im Landkreis Biberach besteht aus maximal sieben Mitgliedern. Einen festen Sitz haben als Initiatoren des Bündnisses je ein Vertreter des katholischen Dekanats, des evangelischen Kirchenbezirks sowie der Landkreis. In Person sind das: Sigmund F. J. Schänzle, Hellger Koepff und Heiko Schmid. Vier weitere Mitglieder wählten die Anwesenden in geheimer Abstimmung, die vom katholischen Dekan Schänzle geleitet wurde. Andreas Heinzel (Kreisjugendring), Herbert Kasparek (DGB Südwürttemberg), Cornelia Furtwängler (Bündnis 90/Die Grünen), und Andreas Schirrmeister (CJD) vervollständigen das Gremium. Der Vorstand soll alle zwei Jahre gewählt werden. Scheidet eine Person vorzeitig aus, dann rücken die bei der Vorstandswahl auf den Plätzen fünf und folgend Platzierten entsprechend ihrer Platzierung nach. Das sind Marc Zinser (CDU) und Michael Brugger (Betriebsseelsorge). Die Vorstandsmitglieder müssen mit Brugger noch klären, ob dieser die Wahl annimmt, weil er bei der Vollversammlung nicht anwesend war.

© Schwäbische Zeitung 23.11.2017

Insgesamt 3500 Euro haben Melanie Haas (Zweite von rechts) und ihr Team, Pfarrer Peter Schmogro von der Diakonie Biberach (rechts) sowie Pfarrer Markus Lutz (Dritter von rechts) an Vertreter von Sportverein und Tennisclub Bad Buchau, der Johanniter-Unfallhilfe Bad Schussenried und dem THW Riedlingen übergeben. FOTO: ANNETTE GRÜNINGER

Das Ge­burts­tags­kind ver­teilt Ge­schen­ke

"Ansichts-Sache" überreicht 3500 Euro Spenden - Buchaus Diakonieladen wächst

Bad Buchau - Als einjähriger Testlauf ist der Bad Buchauer Diakonieladen "Ansichts-Sache" gestartet. Heute ist der Secondhandladen in der Schussenrieder Straße eigentlich gar nicht mehr aus Bad Buchau wegzudenken. Der zweite Geburtstag wurde nun in vergrößerten Räumen gefeiert - und mit Geburtstagsgeschenken: 3500 Euro übergab das Team der "Ansichtssache" an fünf Vereine und Organisationen.

An den Kleiderständern hängen Wintermäntel und -jacken in allen Größen, dazu Jeans, Blusen, Oberteile in den Regalen, Schuhe und Stiefel die sich auf einem Verkaufstisch auffächern; in den hinteren Räumen schließt sich die Herren- und Kinderabteilung an und selbst für Sportkleidung hat das "Ansichts-Sache"-Team mittlerweile einen eigenen Bereich einrichten können.

Ladenfläche stark gewachsen

Von anfänglich 50 auf rund 120 Quadratmeter hat sich die Ladenfläche inzwischen vergrößert - und das hat dem Secondhandladen unter der Trägerschaft der Diakonie sichtlich gut getan. Hatten die 17 Ehrenamtlichen schon vorher viel Wert auf eine liebevolle Dekoration gelegt, können sie jetzt ihre Waren noch ansprechender präsentieren. Denn das Sortiment aus Kleiderspenden ist beträchtlich und reicht von Bekleidung für Neugeborene bis hin zu Konfektionsgröße 60: alles gut erhalten, modisch, manches sogar neuwertig.

Schon kurz nach der Eröffnung hatte das Team deshalb nach Möglichkeiten zur Erweiterung gesucht. Auch, um die vielen Kleiderspenden ordnen und lagern zu können. Als dann vor einigen Monaten die angrenzende Wohnung frei wurde, nutzten die Ehrenamtlichen die Gunst der Stunde.

Der frühere Durchgang zwischen Laden und Wohnung wurde wieder hergestellt, die Wände frisch gestrichen, ein neuer Boden verlegt. "Aber wir stoßen schon wieder an unsere räumlichen Grenzen", sagt Elisabeth Sandmaier.

Auch Kurgäste kaufen ein

Die "Ansichts-Sache" wirkt wie eine ganz normale Kleiderboutique - und für viele Kunden ist sie das auch. Auch wenn die "Ansichts-Sache" aus dem Buchauer Freundeskreis Asyl hervorgegangen ist: Einkaufen kann hier jeder. Nicht nur Bedürftige, für die hier Kleidung zum kleinen Preis angeboten wird. Schnäppchenjäger würden hier genauso fündig wie ökologisch-bewusste Kunden, die Secondhand-Kleidung aus Gründen der Nachhaltigkeit schätzen, berichtet Melanie Haas.

Unter den Stammkunden befänden sich auch Kurgäste. Schließlich gibt es in der unmittelbaren Umgebung wenig Einkaufsalternativen. "Damenkleidung und Schuhe laufen besonders gut", hat Elisabeth Sandmaier denn auch beobachtet. Und wer mit Kleiderspenden vorbeikommt, dreht nicht selten noch eine Runde durch den Laden - und gibt nicht nur ab, sondern nimmt auch wieder etwas nach Hause.

Eine Erfolgsgeschichte, die auch Pfarrer Peter Schmogro von der Diakonie Biberach freut, der das "Ansichts-Sache"-Team zum zweijährigen Bestehen beglückwünschte: "Ich wünsche mir, dass dieses Kindle, das jetzt zwei Jahre alt geworden ist und nun läuft, auch weiter läuft, springt und sich des Lebens freut." Pfarrer Markus Lutz von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Buchau betonte, dass von der Einrichtung auch die ganze Bevölkerung profitiere. Schließlich wird der Erlös des Diakonieladens zweimal jährlich an Vereine und Organisationen in der Raumschaft übergeben. Insgesamt 11750 Euro an Spenden sind so schon zusammengekommen. So war es das Geburtstagskind selbst, das zum Zweijährigen großzügig Geschenke verteilte.





© Schwäbische Zeitung 22.11.2017

Die Hauptdarsteller bedanken sich beim Publikum, darunter Marianne Hundertmark (5. v. l.) und Tim Hundertmark (6. v. l.) sowie Pfarrer Jürgen Sauter und Pfarrerin Andrea Luiking (von rechts). FOTO: JOSEF ASSFALG

Zeit der Re­for­ma­ti­on zum Le­ben er­weckt

Musical der Ummendorfer Schüler und Kirchenchöre zeigt Leben von Martin Luther

Ummendorf - Schüler der Umlachtalschule sowie die Chöre der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Ummendorf haben das Musical "Martin Luther" aufgeführt. Tim Hundertmark als Martin Luther und Marianne Hundertmark als seine Ehefrau Katharina spielten die Hauptrollen.

Wie war das denn damals, als Martin Luther vor 500 Jahren die ganze Kirchenwelt mit seinen Ideen auf den Kopf gestellt hat? Wie lebten die Menschen, wie lebte Luther und was fand er falsch an der kirchlichen Lehre? Das Team um Religionslehrerin Marianne Hundertmark, Pfarrerin Andrea Luiking und Organisatorin Sabine Götze vertiefte sich anhand der Musicaltexte von Autor und Theologe Heiko Bräuning in Luthers Themen wie den Ablasshandel oder die Reformen, die er erreicht hat.

In elf Szenen stellten die Akteure den Besuchern die historische Zeit in Luthers Leben und parallel in weiteren Bühnenbildern das Leben in einer heutigen Familie dar. Natürlich ließen sich in diesen gut 90 Minuten nur einzelne Szenen aus dem Leben Luthers anreißen. Der Projektchor, Schülerchor und Kinderchor, Eckard Oertel als Tenorsolist und die Projektband, bestehend aus Ralf Klotz, Hans Narijes und Florian Götze, übernahmen unter der souveränen Leitung von Aline Ehrig-Metz zwischen den Szenen den vokalen Teil des Musicals. Obwohl im Musical Kirchenlieder von Luther enthalten sind, ist es modern gehalten und stellenweise auch rockig.

In der ersten Szene sitzt die Familie Luther am Abendbrottisch, dabei zeigt sich, dass auch schon zu Luthers Zeiten die Kinder am Essen herummeckerten. Nach dem Lied "Erzähl uns von dir" erzählt Luther sinnierend seine Geschichte, vom Weg von Mansfeld nach Erfurt, als er in einen Gewittersturm geriet, wie es dazu gekommen ist, dass er Mönch wurde und vom Leben im Kloster.

Von vielen Leuten umringt, tritt auf einer Nebenbühne der Ablassprediger Johann Tetzel (gespielt von Andrea Luiking) auf. "Kommt her, ihr Leute", ruft Tetzel der Menschenmenge zu. Ein Bürger hatte eine Kuh gestohlen. "Das ist eine schwere Sünde, aber seid beruhigt und gebt der Kirche 200 Gulden, dann seid ihr vorerst von der Sünde befreit", ruft Tetzel. Triumphierend schüttelt Tetzel am Schluss seinen mit Geld gefüllten Holzkasten und verabschiedet sich freudig mit seinem Spruch "Nur wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt".

Pfarrer Jürgen Sauter verhört in einer Szene, als Kardinal Thomas Cajetan, Luther im Fuggerhaus. Martin Luther solle seine Thesen widerrufen und dazu gibt er ihm 60 Tage Zeit. Luther denkt nicht daran und geht zurück zu seiner Familie.

Um Mobbing in der Schule, Ausgrenzung eines Behinderten und um Bildung ging es in Bühnenbildern, die zwischen der Historie Luthers das Leben in einer heutigen Familie zeigten. Die Schauspieler waren mit Herzblut dabei und beim Projektchor drückten strahlende Kinderaugen die Begeisterung aus. Diese Begeisterung war auch dem Beifall der gut 500 Besucher zu entnehmen.

Er sei begeistert und dankbar, sagte Bürgermeister Klaus B. Reichert und lobte die hervorragende Zusammenarbeit der beiden Kirchengemeinden. "Das liegt natürlich an den Personen wie Pfarrerin Luiking und Pfarrer Sauter", die sich auch in anderen Bereichen gegenseitig ergänzten.

Pfarrer Jürgen Sauter verhört in einer Szene, als Kardinal Thomas Cajetan, Luther im Fuggerhaus. Martin Luther solle seine Thesen widerrufen und dazu gibt er ihm 60 Tage Zeit. Luther denkt nicht daran und geht zurück zu seiner Familie.

Um Mobbing in der Schule, Ausgrenzung eines Behinderten und um Bildung ging es in Bühnenbildern, die zwischen der Historie Luthers das Leben in einer heutigen Familie zeigten. Die Schauspieler waren mit Herzblut dabei und beim Projektchor drückten strahlende Kinderaugen die Begeisterung aus. Diese Begeisterung war auch dem Beifall der gut 500 Besucher zu entnehmen.

Er sei begeistert und dankbar, sagte Bürgermeister Klaus B. Reichert und lobte die hervorragende Zusammenarbeit der beiden Kirchengemeinden. "Das liegt natürlich an den Personen wie Pfarrerin Luiking und Pfarrer Sauter", die sich auch in anderen Bereichen gegenseitig ergänzten.

© Schwäbische Zeitung 18.11.2017

Insgesamt 3500 Euro haben Melanie Haas (Zweite von rechts) und ihr Team, Pfarrer Peter Schmogro von der Diakonie Biberach (rechts) sowie Pfarrer Markus Lutz (Dritter von rechts) an Vertreter von Sportverein und Tennisclub Bad Buchau, der Johanniter-Unfallhilfe Bad Schussenried und dem THW Riedlingen übergeben. Foto: Annette Grüninger

Das Ge­burts­tags­kind ver­teilt Ge­schen­ke
"Ansichts-Sache" überreicht 3500 Euro Spenden - Buchaus Diakonieladen wächst und gedeiht


Von Annette Grüninger 18. November 2017

Bad Buchau - Als einjähriger Testlauf ist der Bad Buchauer Diakonieladen "Ansichts-Sache" gestartet. Heute ist der Secondhandladen in der Schussenrieder Straße eigentlich gar nicht mehr aus Bad Buchau wegzudenken. Der zweite Geburtstag wurde nun in vergrößerten Räumen gefeiert - und mit Geburtstagsgeschenken: 3500 Euro übergab das Team der "Ansichtssache" an fünf Vereine und Organisationen.

An den Kleiderständern hängen Wintermäntel und -Jacken in allen Größen, dazu Jeans, Blusen, Oberteile in den Regalen, Schuhe und Stiefel die sich auf einem Verkaufstisch auffächern; in den hinteren Räumen schließt sich die Herren- und Kinderabteilung an, und selbst für Sportkleidung hat das "Ansichts-Sache"-Team mittlerweile einen eigenen Bereich einrichten können.

Von anfänglich 50 auf rund 120 Quadratmeter hat sich die Ladenfläche inzwischen vergrößert - und das hat dem Secondhandladen unter der Trägerschaft der Diakonie sichtlich gut getan. Hatten die 17 Ehrenamtlichen schon vorher viel Wert auf eine liebevolle Dekoration gelegt, können sie jetzt ihre Waren noch ansprechender präsentieren. Denn das Sortiment aus Kleiderspenden ist beträchtlich und reicht von Bekleidung für Neugeborene bis hin zu Konfektionsgröße 60: alles gut erhalten, modisch, manches sogar neuwertig.

Schon kurz nach der Eröffnung hatte das Team deshalb nach Möglichkeiten zur Erweiterung gesucht. Auch, um die vielen Kleiderspenden ordnen und lagern zu können. Als dann vor einigen Monaten die angrenzende Wohnung frei wurde, nutzten die Ehrenamtlichen die Gunst der Stunde. Der frühere Durchgang zwischen Laden und Wohnung wurde wieder hergestellt, die Wände frisch gestrichen, ein neuer Boden verlegt. "Aber wir stoßen schon wieder an unsere räumlichen Grenzen", sagt Elisabeth Sandmaier.

Die "Ansichts-Sache" wirkt wie eine ganz normale Kleiderboutique - und für viele Kunden ist sie das auch. Auch wenn die "Ansichts-Sache" aus dem Buchauer Freundeskreis Asyl hervorgegangen ist: Einkaufen kann hier jeder. Nicht nur Bedürftige, für die hier Kleidung zum kleinen Preis angeboten wird. Schnäppchenjäger würden hier genauso fündig wie ökologisch-bewusste Kunden, die Secondhand-Kleidung aus Gründen der Nachhaltigkeit schätzen, berichtet Melanie Haas. Unter den Stammkunden befänden sich auch Kurgäste. Schließlich gibt es in der unmittelbaren Umgebung wenig Einkaufsalternativen. "Damenkleidung und Schuhe laufen besonders gut", hat Elisabeth Sandmaier denn auch beobachtet. Und wer mit Kleiderspenden vorbeikommt, dreht nicht selten noch eine Runde durch den Laden - und gibt nicht nur ab, sondern nimmt auch wieder etwas nach Hause.

Eine Erfolgsgeschichte, die auch Pfarrer Peter Schmogro von der Diakonie Biberach freut, der das "Ansichts-Sache"-Team zum zweijährigen Bestehen beglückwünschte: "Ich wünsche mir, dass dieses Kindle, das jetzt zwei Jahre alt geworden ist und nun läuft, auch weiter läuft, springt und sich des Lebens freut." Pfarrer Markus Lutz von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Buchau betonte, dass von der Einrichtung auch die ganze Bevölkerung profitiere. Schließlich wird der Erlös des Diakonieladens zweimal jährlich an Vereine und Organisationen in der Raumschaft übergeben. Insgesamt 11750 Euro an Spenden sind so schon zusammen gekommen. So war es das Geburtstagskind selbst, das zum Zweijährigen großzügig Geschenke verteilte (siehe Kasten).

Bildunterschrift:
Insgesamt 3500 Euro haben Melanie Haas (Zweite von rechts) und ihr Team, Pfarrer Peter Schmogro von der Diakonie Biberach (rechts) sowie Pfarrer Markus Lutz (Dritter von rechts) an Vertreter von Sportverein und Tennisclub Bad Buchau, der Johanniter-Unfallhilfe Bad Schussenried und dem THW Riedlingen übergeben.  Foto: Annette Grüninger

© Schwäbische Zeitung 17.11.2017

Schüler der Umlachtalschule sowie die Chöre der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde führen am Samstag gemeinsam ein Musical über Martin Luther auf. Foto: Josef Aßfalg

Schü­ler und Kir­chen­chö­re brin­gen "Lu­ther" auf die Büh­ne
Musical der Umlachtalschule und der Kirchenchöre in Ummendorf zeigt Leben des Reformators


Von Josef Aßfalg 17. November 2017

Ummendorf - In guter Ökumene der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde Ummendorf wird "Martin Luther - Das Musical" am Samstagabend, 18. November, in der Festhalle Ummendorf aufgeführt. Pfarrerin Andrea Luiking spielt im Stück den Ablassprediger Tetzel und Jürgen Sauter Kardinal Cajetan. Das Musical mit dem Thema Reformation ist ein gemeinsames Projekt der Umlachtalschule und der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde mit ihren Chören. Die Ideenfindung für das Projekt und die Organisation lagen in den Händen von Sabine Götze.

Die Proben für das Martin-Luther-Musical von Heiko Bräuning, sind in der letzten Phase. Der Projektchor, bestehend aus dem katholischen Kirchenchor und Gastsängern, probt sei Monaten. Er wird instrumental unterstützt von der Projektband mit Ralf Klotz am E-Piano, Hans Narijes am Bass und Florian Götze am Cajón. Hinzu kommen der Schülerchor der Umlachtalschule und der Kinderchor des katholischen Kirchenchors. Die Schüler der Umlachtalschule beschäftigten sich an einem Projekttag mit dem Thema Reformation, bauten Kulissen und übten Spielszenen ein.

In einem ersten Szenenbild sitzt die ganze Familie Luther am Abendtisch und Papa Luther, gespielt von Tim Hundertmark, kommt ins Erzählen. Mit etwas Augenzwinkern erzählt er seinen Kindern, am mit Büchern beladenen Tisch, wie das früher so war: Das Gewitter und der Weg ins Kloster, die Thesen an der Kirchentür, das Verhör bei Kardinal Cajetan, die Entführung im Wald und schließlich die Bibelübersetzung. Im Laufe des Abends kommen noch zwei Theologiestudenten dazu, die ganz überrascht sind, dass Dr. Luther ein Mönch war und seine Frau Katharina, gespielt von Marianne Hundertmark, eine Nonne. In einem Transfer von historischen zu neuzeitlichen Szenen kommt die Botschaft Luthers immer wieder zum Ausdruck.

Der Projektchor, mit Tenorsolist Eckard Oertel als Martin Luther, der Schülerchor, der Kinderchor und die Projektband gestalten unter der Leitung von Aline Ehrig-Metz den musikalischen Rahmen.

Alexandra (Julia Kehrle) ist die Mutter einer Familie in der heutigen Zeit und schlägt sich mit ihren Kindern mit Themen wie Lernen und Mobbing herum. Ihre Freundin Frieda, gespielt von Nele Bannach (neunte Klasse) unterstützt sie dabei. Sie finde es klasse, "dass so viele mitmachen, wir konnten alle Rollen für das Musical besetzen", sagt Julia. "Die Szenen beziehen sich auf heutige Alltagssituationen", die einen Bezug zu Luther hätten, fügt Nele hinzu.

Lehrerin Marianne Hundertmark ist auch evangelische Religionslehrerin, "da habe ich mich berufen gefühlt, im Reformationsjahr schulweit ein Projekt zum Thema Luther ins Leben zu rufen". Eine Vorlage des Musicals habe sie umgeschrieben und dann mit den Schülern geprobt "und Andrea Glasneck hat mit dem Schulchor den Gesang einstudiert". Pfarrerin Andrea Luiking hat die Kulissen und das Plakat entworfen und gezeichnet, das Schüler mit dem Techniklehrer an den Projekttagen umgesetzt und aufgestellt hätten.

Das Musical sei für einen Jugend- und Kinderchor gedacht, war von Aline Ehrig-Metz zu erfahren. Ursprünglich sei deshalb nur der Schul- und Kinderchor eingeplant gewesen. "In der Fassung, wie wir es aufführen, ist darin auch ein vierstimmiger Satz für gemischten Chor", somit war klar, dass auch ein Erwachsenenchor dabei sein muss.

Die Drittklässlerin Anna und Carina in der vierten Klasse, freuen sich, dass alle mitmachen können, ob im Chor oder in Rollen. Mit dem Musical sollte die Ökumene in der Gemeinde der Bevölkerung dargestellt werden, befand Vorstand Walter Krebs vom katholischen Kirchenchor. Es habe eine gute Kooperation zwischen Kirchenchor, Schulchor und Kinderchor, im Vokalteil des Projekts gegeben, lobte Krebs. Emilie Köberle, Sopranistin im Kirchenchor, sagte: "Wir singen sonst eher klassische Kirchenliteratur und Orchestermessen und beim Musical ist etwas Poppiges dabei, das macht Spaß".

"Martin Luther - Das Musical" wird am Samstag, 18. November, um 19.30 Uhr in der Festhalle Ummendorf aufgeführt. Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

© Schwäbische Zeitung 14.11.2017

Rund 120 Besucher kamen zur ersten Vesperkirche. Foto: Maike Woydt

Hohe Be­su­cher­zah­len beim ers­ten Tag der Ves­per­kir­che
Die Arbeitsgemeinschaft christliche Kirchen lädt zum gemeinsamen Essen in das Martin-Luther-Gemeindehaus ein


Von Maike Woydt 14. November 2017

Biberach - Miteinander Essen, ins Gespräch kommen oder einfach nur Zeit verbringen: Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine ökumenische Vesperkirche in Biberach. Täglich werden dort ab 12 Uhr zwei verschiedene Mahlzeiten angeboten.

Gegen 12.30 Uhr gibt es am Montag bei Hubert Hagel und Pfarrer Ulrich Heinzelmann kein Halten mehr: Die Freude über die hohe Besucherzahl ist groß. "Ich bin richtig happy", sagt Heinzelmann. Die Vesperkirche in Biberach kann am ersten Tag in diesem Jahr mehr als 120 Besucher verzeichnen. "Letztes Jahr waren am Montag rund 80 Leute da", sagt Hubert Hagel, der die Vesperkirche mitorganisiert. "Mit so einem Zuwachs haben wir nicht gerechnet."

Vor allem, da die Vesperkirche in diesem Jahr nicht in der Spitalkirche stattfindet, sondern erstmals im Martin-Luther-Gemeindehaus. "Wir sind uns nicht sicher, wie viele Menschen den Weg hierher finden", sagt Pfarrer Heinzelmann vor Beginn der Veranstaltung. "Das Gemeindehaus liegt 500 Meter vom Stadtkern entfernt." Eine Verlegung der Vesperkirche in das Gemeindehaus sei notwendig gewesen, da die Stadtkirche saniert und deshalb die Spitalkirche vermehrt genutzt werde.

Ein Ort der Begegnung

Bereits seit 2003 gibt es in Biberach eine Vesperkirche. Das Angebot und auch die Nachfrage ist seitdem stetig gewachsen. Besonders wichtig ist Pfarrer Ulrich Heinzelmann dabei das Miteinander. "Die Vesperkirche ist ein Ort der Begegnung." Sowohl ältere Menschen als auch Bedürftige hätten hier die Möglichkeit, in Gemeinschaft zu essen.

Das lobt auch eine Besucherin der Vesperkirche: "Ich komme hier immer mit Menschen zusammen. Das ist schön." Und auch das Essen schmecke ihr heute wieder gut, merkt sie an. Am ersten Tag der Vesperkirche gibt es Fleischküchle mit Gemüse und Kartoffelpüree und alternativ Spaghetti mit Gemüsebolognese, Parmesan und Salaten. Jeden Tag gibt es ein Gericht mit Fleisch und eines ohne. Getränke sind im Preis enthalten. Dank einer Spende können die Veranstalter der Vesperkirche in diesem Jahr auch einen Nachtisch anbieten. Die Mahlzeit kostet pro Person einen Euro. Wer kann, darf auch gerne mehr geben. Laut Hubert Hagel seien mit 4,50 Euro die Selbstkosten gedeckt. An diesem Montag sind viele Besucher gekommen, die nicht mehr als ein oder zwei Euro für das Essen bezahlen können. "Die Aktion kommt also wirklich bei den Bedürftigen an, das freut uns", sagt Hubert Hagel, der die Kasse der Vesperkirche betreut.

Noch größer ist allerdings seine Freude darüber, dass die Vesperkirche so gut besucht ist. "Ich denke darüber nach, für morgen mehr Essen zu bestellen", sagt Hagel. "Wer weiß, wie viele Leute dann kommen." Außerdem sollen noch weitere Tische und Stühle aufgebaut werden, damit alle Besucher einen Platz finden.

Noch bis Samstag, 18. November, öffnet die Vesperkirche täglich ab 12 Uhr zum gemeinsamen Mittagessen. Ein Video hierzu finden Sie unter www.schwäbische.de/vesperkirche-bv2017

© Schwäbische Zeitung 11.11.2017

Peter Schmogro freut sich, dass er nach der Renovierung wieder Gottesdienste in der Friedenskirche feiern kann. Foto: Aylin Duran

Frie­dens­kir­che wird wie­der ein­ge­weiht
Nach Sanierungsarbeiten erstrahlt Biberacher Friedenskirche in neuem Glanz

Von Aylin Duran 11. November 2017

Biberach - Fünf Monate ist die Biberacher Friedenskirche aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten geschlossen gewesen. Die offizielle Wiedereinweihung mit einem Festgottesdienst findet am Sonntag, 12. November, um 9.30 Uhr statt. Gestaltet wird dieser besondere Gottesdienst vom Pfarrerehepaar Birgit und Peter Schmogro, gemeinsam mit dem Kirchengemeinderat, dem Neuen Chor und dem Kirchenchor unter der Leitung von Kantorin Mechthild Lange. Dabei wird außerdem die Arbeit der beteiligten Handwerksbetriebe sowie der Fachplaner unter der Gesamtleitung von Architekt Frank Ladel wertgeschätzt.

500.000 Euro an Kosten

"Es war ein langer Weg, aber ich bin sehr froh darüber, wie alles gelaufen ist", sagt Pfarrer Peter Schmogro. Eigentlich sollte die Friedenskirche bereits 2016 fertig renoviert sein, nun konnte die Renovierung zumindest passend zum 500. Reformationsjubiläum fertiggestellt werden. Nicht grundlos ist Schmogro "einfach nur glücklich": Um die Renovierung zu ermöglichen, hat die Kirchengemeinde lange gespart. Knapp eine halbe Million Euro hat die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Biberach in die Ertüchtigung des Gebäudes gesteckt, viele Biberacher haben das Projekt zudem mit Spenden unterstützt.

Geringer Energieverbrauch


Ein Großteil der Summe wurde in die "inneren Werte" der Kirche investiert. Die elektrische Anlage und die Heizungsanlage wurden von Grund auf erneuert, sodass den heutigen Sicherheitsanforderungen und energetischen Standards wieder genügt werden kann. "Kirchen haben eine Vorbildfunktion. Wir müssen an die Umwelt denken, deshalb haben wir uns einen möglichst geringen Energieverbrauch innerhalb der Kirche gewünscht", so Schmogro.

Die moderne Beleuchtung, welche eindrucksvoll den Zeltcharakter der Friedenskirchenarchitektur zur Geltung bringt, ist von allen Neuerungen wohl die beeindruckendste. Nach 25 Jahren erhielt der Innenraum der Kirche zudem einen frischen, weißen Anstrich.

Während der vergangenen fünf Monate war die Kirchengemeinde zu Gast in der Krankenhauskapelle. Währenddessen wurde das Gemeindeleben über die ganze Stadt verstreut und fand in unterschiedlichen Räumlichkeiten statt. Ab kommender Woche werden die Gemeindeveranstaltungen wieder regulär in der Friedenskirche abgehalten.

© Schwäbische Zeitung 10.11.2017

Die ökumenische Vesperkirche steht vor allem für zwei Dinge: günstiges Essen und Gesellschaft. Foto: Archiv/ Franziska Telser

Ge­mein­sam Es­sen ge­gen die Ein­sam­keitDie ökumenische Vesperkirche wird dieses Jahr im Martin-Luther-Gemeindehaus veranstaltetVon Maike Woydt 10. November 2017Biberach - Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine ökumenische Vesperkirche. Von Montag, 13. November, bis Samstag, 18. November, wird der Mittagstisch jeweils um 12 Uhr eröffnet. Wegen der Bauarbeiten in der Stadtpfarrkirche St. Martin wird die Spitalkirche vermehrt genutzt. Deshalb findet in diesem Jahr die Vesperkirche zum ersten Mal im Martin-Luther-Gemeindehaus in der Waldseer Straße in Biberach statt."Dort ist viel mehr Platz", sagt Hubert Hagel, der die Vesperkirche mitorganisiert. In der Spitalkirche sei der Platz oft sehr knapp gewesen, weshalb Besucher oft wieder gegangen seien: "Dieses Problem gibt es jetzt nicht mehr."Zwei Mahlzeiten pro TagJeden Tag werden bei der Vesperkirche zwei Mahlzeiten angeboten: ein Gericht mit Fleisch und eines ohne. Das Essen wird von der Klosterküche Untermarchtal gekocht und für einen Euro ausgegeben. Neben dem Hauptgericht sind auch Salat sowie Säfte und Wasser im Preis enthalten. Wer möchte, kann aber auch gerne etwas mehr bezahlen. "Wir sagen immer mit circa 4,50 Euro sind die Selbstkosten gedeckt", sagt Hubert Hagel. Durch Spenden ist es in diesem Jahr außerdem möglich, nach dem Essen noch einen Nachtisch sowie Kaffee und Gebäck anzubieten. Rund 15 Helfer werden jeweils von Montag bis Samstag beim Spülen, Abräumen, Dekorieren und der Essensausgabe helfen. Für ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, bringen Mitglieder des Hospitalrats das Essen direkt an den Platz.Hubert Hagel wird in diesem Jahr wieder an der Kasse helfen. Dort hat er in der Vergangenheit schon einige Geschichten erlebt. Eine junge Frau sammelte für das Mittagessen die letzten Cent-Münzen aus ihrem Geldbeutel. Ein Mann zahlte mit einem 50-Euro-Schein und spendete den Rest: "Es ist schön, dass bei der Vesperkirche alle Biberacher zusammenkommen." Etwa ein Drittel der Besucher seien "ein Euro-Kunden". Die anderen nutzen die Chance, eine Gemeinschaft zu erleben. Dies ist auch der Sinn der Vesperkirche, wie die Veranstalter mitteilen: "Gemeinsame Mahlfeiern sind im christlichen Glauben das Kennzeichen für die Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft wollen wir auch in unserer Stadt anbieten." Auch Einsamkeit alleinstehender Menschen sei eine Form von zunehmender "Armut". Daher können Besucher auch alleinstehende Bekannte oder Nachbarn zur ökumenischen Vesperkirche ins Martin-Luther Gemeindehaus mitbringen.


© Schwäbische Zeitung 09.11.2017

Die Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine führten den Festzug bei der Feier des Reformationsfestes in Warthausen an. Foto: Privat

Ka­tho­li­ken und Pro­tes­tan­ten fei­ern ge­mein­sam
Abschluss der ökumenischen Veranstaltungsreihe zum Reformationsgedenken in Warthausen

Warthausen - Die Organisatoren des Reformationsfestes in Warthausen sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. Das hat der evangelische Pfarrer Hans-Dieter Bosch bekannt gegeben.

Am Beginn der Reformationsfeiern stand zunächst eine Fahrradtour mit Bürgermeister Jautz von Waldenburg aus, der Partnerstadt von Warthausen, zu berühmten Orten der Reformation.

In Warthausen haben zwei Veranstaltungen im evangelischen Gemeindezentrum und katholischen Gemeindehaus stattgefunden, mit Vorträgen der Fachreferentin des Bischöflichen Ordinariats Rottenburg, Margret Schäfer-Krebs, sowie mit Kirchenarchivar Josef Wekenmann und Pfarrer Hans-Dieter Bosch (SZ berichtete). Pfarrer Bosch betonte, dass Martin Luthers Theologie aus der Mitte der katholischen Tradition heraus entstanden sei. Zugleich sei es der Jahrhunderte alte Reformstau gewesen, der der Reformation ihre Dynamik verliehen habe.

Margret Schäfer-Krebs führte aus, dass die ökumenische Annäherung schon früh im 20. Jahrhundert durch die gemeinsame Arbeit der Missionsverbände begonnen habe. Der Höhepunkt einer Neubestimmung im Verhältnis der Konfessionen habe sich mit den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils ergeben. Mit dem Vortrag von Josef Wekenmann kam die örtliche Perspektive in den Blick: Schon im 19. Jahrhundert wurde zwischen Rathaus und der evangelischen Schlossherrschaft mit der Gründung des Schwesternhauses und des Kindergartens ökumenisches Miteinander gepflegt.

Den Reformationstag haben die beiden Konfessionen dieses Jahr mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes in Warthausen gefeiert. Die Vorsitzenden der beiden Kirchengemeinden, Esther Jäggle, Johannes Suhm und Georg Schuhbauer, sowie die Gemeindereferentin Monika Göbel, Lektorin Gudrun Sick-Holl, und die beiden Pfarrer Wunibald Reutlinger und Hans-Dieter Bosch gestalteten eine abwechslungsreiche Liturgie, die von dem Organisten Tobias Klessinger und dem katholischen Kirchenchor unter Leitung von Maria-Luise Doll musikalisch umrahmt wurde.

Zum Abschluss lud Bürgermeister Warthausens Wolfgang Jautz alle Gäste zu einem gemeinsamen Mittagessen und einem humorvollen Unterhaltungsprogramm in die Turn- und Festhalle ein.

© Schwäbische Zeitung 06.11.2017

Vielstimmiger Auftritt: Drei Chöre haben sich vereint, um in der Wainer Gemeindehalle das "Luther Pop-Oratorium" aufzuführen. Foto: bernd baur


Pau­lus' Wor­te be­sei­ti­gen die Zwei­fel des Mönchs
Mehr als 100 Mitwirkende führen in Wain das "Luther Pop-Oratorium" auf - Ein Werk, das auch junge Menschen erreicht und Mut macht

Von Angelika Gretzinger 6. November 2017

Wain/schwendi - Wer ist Luther? Diese Frage haben am Samstagabend und am Sonntagnachmittag die Kirchenchöre der evangelischen Kirchengemeinde Wain und der katholischen Kirchengemeinde Schwendi in Kooperation mit dem Chor "Vocal Dream" zu beantworten versucht. Aufgeführt wurde in der Gemeindehalle in Wain das "Luther Pop-Oratorium".

Zur Premiere am Samstagabend war die Halle restlos gefüllt. Bereits kurz nach Beginn des Einlasses mussten die Türen geschlossen werden. Geschätzte 100 Personen mehr hätten die Aufführung erleben wollen. Zurecht, denn der Abend entwickelte sich zu einem gigantischen Feuerwerk aus Freude und mitreißenden Popsongs. "Der Rhythmus wird Sie mitnehmen auf eine Reise auch in die Zukunft. Sie werden am Ende zehn Jahre jünger sein", versprach der Wainer Pfarrer Ernst Eyrich den Besuchern.

Die Idee, das Pop-Oratorium von Michael Kunze (Text) und Dieter Falk (Musik) aufzuführen, stammte von Sarah Locher, Dirigentin des Wainer Kirchenchors. Zusammen mit ihrer Kollegin Sonja Walter, Leiterin des katholischen Kirchenchors Schwendi und des Chors "Vocal Dream", entstand ein ökumenisches Projekt zum Jubiläum 500 Jahre Reformation. Mehr als 100 Sängerinnen und Sänger und ein 17-köpfiges Orchester hatten seit Anfang des Jahres auf die Aufführungen hingearbeitet. Mitglieder des Chores "Vocal Dream" übernahmen die Rollen der Solisten. Ein Aufwand, mit fünfstelligen Kosten verbunden, der sich gelohnt hat. Nicht nur musikalisch, sondern auch technisch einwandfrei inszeniert.

Gleich zu Beginn des Pop-Oratoriums wirft der große Chor die am Abend immer wiederkehrende Frage auf: Wer ist Luther? Wie ein roter Faden zieht sich die einprägsame Melodie dieser eindringlichen Frage durch das ganze Werk. Musikalisch und schauspielerisch wird dieser Frage nachgegangen.

Ketzer oder Held?

War Luther ein Ketzer, ein Held oder einfach nur ein Mönch, der an Gottes Wort glaubte? Der Zuschauer wird mitgenommen in eine Reise in die Welt zu Zeiten Luthers. Gegner und Unterstützer Luthers kommen zu Wort. Immer wieder treten ihre Meinungen durch ein gegensätzliches Spiel von Solisten und Chor zutage. Mit ganz einfachen Requisiten werden die Argumente untermauert. Ein aufwendiges Bühnenbild ist schlichtweg nicht notwendig. Stühle dienen als Stilmittel, um Meinungen zu symbolisieren.

In Worms ist anno 1521Reichstag. Das Verhör Luthers steht an. Seine Unterstützer sehen in ihm einen Volkshelden, die Gegner einen Ketzer. Und Luther? Er fühlt sich missverstanden, enttäuscht seine "Fans". Luther sucht das Gespräch mit Gott.

Spitze Pointen nehmen die damalige Zeit aufs Korn. Die Machtspiele des jungen Kaisers Karl V. werden überspitzt gezeichnet. Da macht der Kaiser dann schon mal ein Selfie mit seinen Beratern. Ganz hervorragend gespielt und gesungen von Dennis Lang, dessen Verkörperung von Karl V. so manch einen Zuschauer an heutige Präsidenten denken ließ. "Fehde, Schwäche, Wahlversprechen, nach der Wahl brechen (…) gut regieren sich zu nichts verpflichten", ein Textzitat, das sicher auch auf die moderne Politik übertragbar ist. Genauso, wenn es heißt: "Die Banken brauchen Sicherheit. Das Bankhaus Fugger stets zu Diensten."

Doch: Wer ist Luther? Eindrucksvoll singt und spielt Marco Huberle die Zerrissenheit des Mönchs. Zweifel überkommen ihn: "Was ist richtig? Was darf ich sagen?" Der Apostel Paulus kommt zu Hilfe. Die Worte des Römerbriefs verschaffen Luther innere Ruhe und Selbstgewissheit.

"Gott liebt dich, so wie du bist"

Mut, ein weiterer Begriff, der sich durch das Pop-Oratorium zieht. "Gott liebt dich, hört dein Gebet, wenn dich sonst keiner versteht", dieser Text soll Mut machen. So lautet dann auch das Fazit des Abends: Gott liebt dich, so wie du bist.

Ein jubelndes Publikum und lang anhaltender Applaus belohnen die vielen Akteure. Die fast zweistündige reine Spielzeit verging wie im Flug. Eigentlich wollten viele am Ende noch gar nicht nach Hause gehen. Die Melodien und die darstellerische Leistung drangen tief ins Herz.

Sicher kann man sich auch fragen, ob ein Pop-Oratorium im Stil eines Musicals mit eingängigen Melodien im Charakter von Hymnen der richtige Rahmen ist, um das Leben Luthers darzustellen. Aber warum nicht? Die Aufführung riss das Publikum mit, das mehrfach mitklatschte. Ein Werk, das Luther auch den jüngeren Generationen näher bringt, das Mut macht. Und wie Pfarrer Ernst Eyrich am Anfang versprochen hatte, fühlte sich der Miterlebende am Ende tatsächlich zehn Jahre jünger.

© Schwäbische Zeitung 04.11.2017

Sigmund F. J. Schänzle (links) und Pfarrer Jörg Martin Schwarz beim Festgottesdienst in der evangelischen Kirchengemeinde. FOTO: PRIVAT

Re­for­ma­ti­ons­fest öku­me­nisch ge­fei­ert

Dekan Schänzle und Pfarrer Schwarz zelebrieren gemeinsam den Festgottesdienst

Ochsenhausen - Zum Abschluss des Reformationsjubiläums hat die evangelische Kirchengemeinde in Ochsenhausen einen ökumenischen Festgottesdienst gefeiert, bei dem Sigmund F. J. Schänzle von der katholischen Pfarrgemeinde die Festpredigt hielt. "Unser gemeinsames Zentrum ist Jesus Christus" - mit diesen Worten eröffnete Pfarrer Jörg Martin Schwarz den Gottesdienst. "Es ist nicht die Zeit, neue Mauern zu errichten."

Dies unterstrich Dekan Schänzle in seiner Ansprache und erinnerte an den ökumenischen Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils, dessen Auswirkungen auch zu der besonderen Konstruktion des Bildungswerks Ochsenhausen bei seiner Gründung vor 50 Jahren in ökumenischer Partnerschaft führte. "Das hätte sich vor 50 Jahren niemand träumen lassen, dass ein katholischer Pfarrer am Reformationsfest in der evangelischen Kirche die Predigt hält", so Dekan Schänzle.

Im Anschluss an den Hauptgottesdienst feierte Dekan Schänzle mit Pfarrer Schwarz und der Familienkirche dieses Reformationsfest. Die teilnehmenden Familien hatten unter Leitung von Zoe Graf, Ines Nass und Gudrun Schwarz die Geschichte der reformatorischen Entdeckung Martin Luthers kindgerecht erarbeitet.

© Schwäbische Zeitung 03.11.2017

Ökumenisch, meditativ und mit den typischen Gesängen: Ab Sonntag wird es in der evangelischen Spitalkirche regelmäßig Taizégebete geben. FOTO: PRIVAT

Das gan­ze Jahr Tai­zé

Ökumenisches Vorzeigeprojekt startet am Sonntag, 5. November

Biberach - Ökumene hat in Biberach eine Jahrhunderte alte Tradition. Mit einem Taizégebet, das ab November einmal im Monat in der evangelischen Spitalkirche stattfindet, wollen Katholiken und Protestanten neu zusammenfinden.

Wichtige Gottesdienste, wie am Schützenfest, werden in Biberach traditionell ökumenisch, das heißt mit Vertretern verschiedener christlicher Glaubensrichtungen gefeiert. Davon ist unter dem Jahr aber oftmals nicht viel zu spüren. Jede Gemeinde feiert ihre eigenen Gottesdienste. Deshalb wollen der katholische Diakon Damian Walosczyk und der evangelische Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann nun ein Gebetsformat etablieren, das explizit allen Biberachern offensteht. Nicht, dass das vorher nicht so gewesen wäre, die spezielle Form soll vielmehr alle Konfessionen ansprechen, erklärt Walosczyk: "Taizé in seiner Form begünstigt die Suche nach Gott: in mir selbst, in der Gemeinschaft. Es ist eine moderne Art ein altes Gebet zu beten. Taizé hat Sehnsüchte und Erwartungen geweckt, erfahrbar gemacht, dass es Gemeinsamkeiten gibt, trotz aller Unterschiede." Ein evangelisches Taizégebet in der Advents- und Fastenzeit gab es bereits, auch einen katholischen Taizé-Projektchor. Es sei nahegelegen beides zu verbinden, findet Edith Fuchs, die den Projektchor seit 2016 leitet: "Es geht darum, zur Ruhe zu kommen, bei Kerzenschein zu sich selbst
finden, meditative Lieder singen - wir hoffen, es entsteht eine Gemeinschaft, in der Glaube lebendig wird, auch wenn man im Alltag keine starke Bindung zur Kirche spürt."

Ähnlich geht es Heinzelmann: "Gerade nach Abschluss des Reformationsjahres, mit vielfältigen ökumenischen Gottesdiensten und Aktionen finde ich es wunderbar, dass das ökumenische Miteinander auch in dieser Form eine Weiterführung erfährt. Es wird sicher viele Menschen aus den Gemeinden freuen, wenn es ab jetzt in der evangelischen Spitalkirche ein monatliches Gebet am Sonntagabend gibt."

Was ist Taizé?
Doch was ist das Besondere an dieser scheinbar doch nicht so neuen Veranstaltung? Taizé ist ein kleines Dorf in Frankreich. Im dort ansässigen Kloster, das von einem ökumenischen Männerorden geführt wird, finden seit den 1960er-Jahren immer wieder Jugendtreffen statt, zu dem Jugendliche aus der ganzen Welt anreisen. Die Gebete zeichnen sich vor allem durch die immer wiederkehrenden Gesänge aus, die aufgrund ihrer Popularität auch in Deutschland gern in Gottesdiensten gesungen werden.

Diese Form soll auch in der Spitalkirche beibehalten werden. Dadurch können auch unsichere Christen leicht hineinfinden, hofft Elisabeth Rosenberger, die selbst immer wieder im Taizé Projektchor mitsingt: "Die Unterschiede sind da gar nicht so wichtig. Es können alle zusammenkommen, die am Glauben interessiert sind, auch wenn man vielleicht noch sucht. Die Lieder sind einfach wunderschön."

Das Taizégebet ist an jedem ersten Sonntag im Monat ab 19 Uhr in der evangelischen Spitalkirche geplant. Beginn ist Sonntag, 5. November, 19 Uhr. Im Advent und in der Fastenzeit ist jeden Sonntag Taizégebet.

© Schwäbische Zeitung 03.11.2017

Viel Chorgesang gehörte zum Ablauf dieses besonderen Gottesdienstes FOTO: PRIVAT

Ein Tag im Zei­chen der Re­for­ma­ti­on

Festgottesdienste in Wain - Freude über zwei neue Abendmahlskelche

Wain - Ein Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum wurde in der Wainer Michaelskirche am Dienstag gefeiert. Die reichsfreiherrliche Familie von Herman auf Wain stiftete unter anderem aufgrund des 500-jährigen Jubiläums zwei Abendmahlskelche, die in einer festlichen Mahlfeier geweiht und eingeweiht wurden. Reichsfreiherr Benedikt-Richard von Herman auf Wain und Reichsfreifrau Julia von Herman auf Wain sind die Stifter zweier Kelche, die der Goldschmied Hans Vetter aus Schwäbisch Gmünd geschaffen hat und die nun fortan als Kleinod zu der Michaelskirche gehören sollen.

Die sakralen Gefäße ziert jeweils eine Inschrift mit Worten aus den sogenannten Ich-bin-Worten Jesu des Johannesevangeliums: "Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Johannes 11, 25" und "Jesus Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Johannes 15,5."

Pfarrer Eyrich dankte auch im Namen des Kirchengemeinderates sowie der ganzen Gemeinde für dieses "weitere Zeichen der engen Verbundenheit des reichsfreiherrlichen Hauses mit der evangelischen Kirchengemeinde Wain". Eyrich erinnerte daran, dass die goldenen Kerzenhalter des Altares eine Stiftung von Reichsfreifrau Vera von Herman seien, der Großmutter des Barons. Seine Mutter, Reichsfreifrau Karin von Herman auf Wain, hat der Michaelskirche im Jahr 2002 ein Taufportal, aus Bronze gegossen, geschaffen von Ulrich Henn, gestiftet. Dass sich die Familie von Herman immer wieder aufs Neue für die Verschönerung und den Erhalt des Gotteshauses einsetze, tue gut und mache auch Mut, weiter am Reich Gottes in der Wainer Kirche zu arbeiten, so der Pfarrer. Zu dem Festgottesdienst am Dienstagmorgen waren sämtliche Vereine der Gemeinde eingeladen. Da Martin Luther ein großer Freund der Musik gewesen sei, sollten fröhliche Klänge einen wesentlichen Teil des Gottesdienstes ausmachen.

Der Musikverein Wain umrahmte den Gottesdienst mit zwei imposant vorgetragenen Stücken. Der Männergesangverein Sängerlust intonierte ein Werk mit dem Titel "Nimm dir Zeit". Vom Kirchenchor Wain wurde ein moderner Chorsatz aus dem Luther-Poporatorium "Wir sind Gottes Kinder" vorgetragen. Der Wainer Flötenkreis musizierte den fröhlichen Lutherchoral "Nun freut euch liebe Christen g'mein", und eine Band aus jungen Musikern des Jugendkreises begleitete ein zeitgenössisches Lied zur Jahreslosung 2017 "Gott schenkt uns ein neues Herz".

In seiner Reformationspredigt beleuchtete Pfarrer Eyrich die "Quelle der Reformation", nämlich Luthers entscheidende Erkenntnis, dass der Gott der Christen ein liebender Gott sei, der dem Menschen mit Gnade begegne.

Einen Jugendgottesdienst mit dem Thema "500 Reasons" hat der Jugendkreis Wain am Dienstagabend veranstaltet. Die Jugendlichen haben 500 gute Gründe gefunden, warum es sich lohne, an Gott zu glauben. Prediger Andreas Liebrich formulierte einen wichtigen Grund in seiner Botschaft: "Jesus nimmt alle Menschen an!" Passend dazu war die Michaelskirche dekoriert, eine Band spielte fetzige Lieder, und vier Mönche traten in einem Anspiel auf.

© Schwäbische Zeitung 02.11.2017

Foto: Alexander Radulescu

Ein Ap­fel­bäum­chen in Ge­den­ken an Mar­tin Lu­ther

Ertingen - Ein Apfelbäumchen erinnert in Ertingen künftig an das Reformationsjubiläum. Bei strahlendem Wetter versammelten sich viele Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde am Reformationstag vor dem Gerhard-Berner-Haus. Pfarrerin Cornelia Schmutz hob in ihrer Ansprache die besondere Gelegenheit hervor, ein 500-Jahre-Jubiläum mitfeiern zu dürfen. Sie sprach die Lebendigkeit der Kirche an, die Gedanken des Römerbriefes sowie die Verantwortung füreinander und miteinander. "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen": Mit diesen Worten Luthers pflanzte sie zusammen mit Silke Renz (links) vor dem Gemeindehaus ein regionales
Apfelbäumchen. "Glaube braucht Zeit, so wie auch dieses Bäumchen", fügte sie hinzu und hegte die Hoffnung, dass bald auch Äpfel auf diesem Baum wachsen. Viele Bunte Luftballons mit Sprüchen Martin Luthers, die auch heute noch aktuell sind, wurden symbolisch in den Herbsthimmel entlassen. Einige Sprüche wurden von den Besuchern, teilweise mit viel Freude und Lachen der Gemeinde, vorher noch vorgelesen. Lena Renz begleitete mit Melodien auf der Klarinette die Feier. Im Gemeindehaus hielt der Ertinger Bildhauer Gerold Jäggle anschließend einen Vortrag über die Entstehung und Schaffung des Kreuzes im Altarraum. Foto: Alexander Radulescu

© Schwäbische Zeitung 02.11.2017

Pfarrerin Gudrun Berner erklärte den Besuchern des feierlichen Gottesdienstes, wie die Freiheit mit der Reformation zusammenhängt und wie sich Luthers Worte bis heute noch auf die Gegenwart auswirken. FOTO: JAN GOLLER

"Für die Frei­heit müs­sen wir kei­nen Cent auf­brin­gen"

500 Jahre Reformation: Gottesdienst in Pflummern würdigt den Reformator Martin Luther


Pflummern - In vielen Teilen Deutschlands haben Kirchengemeinden der Reformation vor 500 Jahren gedacht - so auch im evangelisch geprägten Pflummern. Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) an. Im Gedenken daran fand der Gottesdienst in der Pflummerner Pfarrkirche statt. Pfarrerin Gudrun Berner sprach in ihrer Predigt über Luthers Kritik an den Ablassbriefen und über den Zusammenhang zwischen Freiheit und Reformation.

Sie betonte zunächst die Bedeutung des Reformationsjubiläums. 2008 sei die Lutherdekade, ein Zeitraum von zehn Jahren, eröffnet worden, in welchem die evangelische Kirche bereits auf die Bedeutung der Reformation hinwies. So sei vergangenes Jahr in Pflummern eine neue Altarbibel mit der vollständigen Überarbeitung der Lutherübersetzung in Gebrauch genommen worden. Ein Bild Martin Luthers, das vor einigen Jahren noch in der Sakristei auf der Nonnenempore in Heiligkreuztal war, wurde Teil der Stuttgarter Ausstellung "Luther kommt nach Württemberg".

Angst befreite und Licht ins Christentum brachte. In ihrer Predigt spielte das Wort "Freiheit" eine große Rolle. Dieses kommt auch im zweiten Korintherbrief vor: "Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit." Für die Besucher des Gottesdiensts gab es Faltblätter der württembergischen Landeskirche zum Reformationsjubiläum. Wenn man sie anschaue, dann fielen einem drei Wörter auf, so Berner. Und das seien die letzten drei Worte des Zitates aus dem zweiten Korintherbrief ("…da ist Freiheit"). Somit werde auf den ersten Blick klar, dass die Reformation mit der Freiheit zusammenhänge, fügte Berner hinzu. "Heute sehnen wir uns nach Freiheit, wissen aber zugleich die Freiheitsrechte, gerade in Zeiten von willkürlichen Inhaftierungen, zu schätzen." Freiheitsrechte, die bei uns in Deutschland als Grundrechte gelten, könnten in anderen Ländern gefährdet sein, sagte sie.

Der Reformator Luther hingegen betonte die befreiende Kraft des Evangeliums in seiner wegweisenden Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Die Pfarrerin ging genauer auf zwei Sätze der Schrift ein. Zum einen: "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan". Wie der Apostel Paulus, sehe Luther die Freiheit in Christus begründet. Gerade in einer Zeit, die geprägt war vom blühenden Ablasshandel und der Angst, von Gott ins ewige Verderben geführt zu werden, schrieb Luther diese Zeilen. Doch nach biblisch-christlichem Verständnis gebe es keine Selbsterlösung und kein Freikaufen von Sünden. Allein Gottes Erbarmen schenke uns Freiheit, fasste die Pfarrerin zusammen. "Diese Freiheit beruht nicht auf Leistungen, denn wir müssen für sie keinen Cent aufbringen", ergänzte sie. Der zweite wichtige Satz aus Luthers Schrift lautete: "Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan." Damit sei gemeint, dass Christen keinen blinden Gehorsam leben, sondern stattdessen ihren Glauben an dem barmherzigen Gott durch Liebe und Erbarmen zum Ausdruck bringen sollen. Zusammengefasst dürfe sich jeder Christ über die Freiheit, die ihm durch die Taufe geschenkt wurde, freuen, sagte Berner.

Opfergeld kommt Projekt für ägyptische Kinder zugute

Der feierliche Gottesdienst wurde durch verschiedene Lieder von Luther wie "Nun freut euch liebe Christen g'mein" oder "Ein feste Burg ist unser Gott" abgerundet. Nach der Predigt fand eine Abendmahlfeier statt.

Mit dem Opfergeld des Festgottesdiensts wird die Arbeit der württembergischen Bibelgesellschaft in Ägypten und Deutschland unterstützt. Bei einem Projekt sollen unter anderem Bibellesekurse für ägyptische Kinder angeboten werden. Rund ein Drittel der Bevölkerung in Ägypten kann nicht lesen und schreiben, obwohl sie in die Kirche gehen. Mithilfe des Projektes sollen ägyptische Familien zusätzlich in ihrem Glauben gestärkt werden. Außerdem wird mit dem Geld das "bibliorama", ein Bibel-Mitmachmuseum in Stuttgart, unterstützt.

© Schwäbische Zeitung 02.11.2017

„Die beste Zeit im Jahr ist mein“: Unter diesem Leitgedanken sang der Laupheimer Singkreis unter Leitung von Andrea Schöttler in der evangelischen Kirche in Oberholzheim Lieder und Texte von Martin Luther. FOTO: CHRISTIAN REICHL

Mu­sik lässt Lu­thers Ge­dan­ken klin­gen

Laupheimer Singkreis erntet für Konzert zum Reformationsjubiläum viel Beifall

Oberholzheim - "Die beste Zeit im Jahr ist mein", lautete der Leitgedanke des Laupheimer Singkreises, der anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums am Dienstagabend in der evangelischen Kirche in Oberholzheim ein Konzert gegeben hat.

"Die Reformation hat den Menschen den Gesang zurückgegeben, denn zuvor war die Gemeinde vor allem Zuhörer", sagte Andrea Schöttler, neue Chorleiterin des Laupheimer Singkreises, zu Beginn in der voll besetzten Peter-und-Paul-Kirche in Oberholzheim. Anlässlich des Reformationsjubiläums sollte ein besonderer Akzent des Konzerts auf Liedern von Martin Luther in Bearbeitung verschiedener Komponisten und aus unterschiedlichen Epochen liegen. Musik spielte auch privat im Leben des Reformators eine wichtige Rolle. "Sein Lieblingsinstrument war die Laute", erzählte Schöttler. Schon in seinen jungen Jahren hat Luther eine Ausbildung in Musiktheorie erhalten und studierte später neben Theologie auch Gesang und Kontrapunkt.

Den Auftakt des Konzerts bildete ein Stück von Arnold Mendelssohn, das ganz im Zeichen des Konzertabends stand. "Die beste Zeit im Jahr ist mein", ist ein Lied, um die Musik als Gottesgabe zu preisen. Der Text umfasst einen Teil des Gedichts Luthers an "Frau Musika". Eingang in das Deutsch-Evangelische Gesangbuch fand das Stück später durch die Hinzugabe einer Melodie Mendelssohns. Im Anschluss folgte "Ein feste Burg ist unser Gott" in zwei Versionen, zum einen von Georg Philipp Telemann, zum anderen von Johann Sebastian Bach. Die erste Strophe wurde vom Chor vorgetragen, der noch den letzten Winkel der Kirche stimmlich durchdrang, in der zweiten Strophe setzte die Gemeinde lautstark in den Gesang mit ein.

"Luther war produktiver Komponist und Liederdichter, mindestens 14 eigene Melodien stammen aus seiner Feder", schildert die Chorleiterin. Ein Beispiel hierfür ist das Lied "Vater unser im Himmelreich", das ebenfalls auf dem Programm stand. Das Werk entstand als Nachdichtung seiner Erklärungen im Kleinen Katechismus, der vor allem dazu gedient habe, der Gemeinde die christlichen Glaubenssätze zu vermitteln.

Solistin Annerose Wanner und Orgelspiel beeindrucken

Gespannt lauschten die Besucher den Chorälen, die Komponisten wie Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy später zur Orgelvertonung veranlasst haben. Das eindrucksvolle Orgelspiel wurde von Marius und Andrea Schöttler übernommen. Solistisch beeindruckte Annerose Wanner, die gemeinsam mit Chorleiterin Andrea Schöttler unter Orgelbegleitung den Sopran zu "Dies sind die heiligen zehn Gebot" gesungen hat.

Gegen Ende waren noch einige Psalmen zu hören, die Luther aus dem Lateinischen eingedeutscht hatte. Darunter Stücke wie "Drei Psalmen" sowie "Aus tiefer Not" und "Verleih uns Frieden", die in unterschiedlicher Komposition vorgetragen wurde. Nach einem kräftigen Applaus gab es als Zugabe Bartholdys Version von "Verleih uns Frieden", die gemeinsam gesungen wurde.

© Schwäbische Zeitung 02.11.2017

Pfarrer Hermann Müller FOTO: ANGELIKA GRETZINGER

Ge­den­ken an Lu­ther stärkt öku­me­ni­sches Ver­trau­en

Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Bildung und Kirche würdigen Verdienste des Reformators

Laupheim - Mit einem Gottesdienst und anschließendem Empfang im Gemeindehaus hat die Evangelische Kirchengemeinde Laupheim am Dienstag den 500. Reformationstag gefeiert. Vertreter aus Politik, Bildung, Wissenschaft und Kirche erinnerten an Luthers Bedeutung für die deutsche Geschichte.

Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen zum Ablasshandel am Portal der Schlosskirche zu Wittenberg - dieses Jahr ein bundesweiter Feiertag zum Gedenken an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren. "Jetzt, 2017, erfolgte eine überraschend große Rückbesinnung auf dieses Datum", fasste Pfarrer Hermann Müller das Jubiläumsjahr zusammen. Eine breite Palette an Veranstaltungen, Konzerten und Gottesdiensten rund um Luther habe in diesem Jahr stattgefunden. Unvergessen sei für ihn das Seminar der katholischen Kirchengemeinde zur Fastenzeit. "Dass es so etwas geben konnte, stellte uns anlässlich des Gedenkens wirklich als Brüder und Schwestern ganz nahe zusammen. Ich bin dankbar dafür", beschrieb er seine Gefühle zum 500. Reformationsjahr.

In seiner Predigt sprach Müller von "einem christlichen Glauben, aber eben aufgeteilt in Konfessionen". Er bezeichnete die Idee der Konfession als einen wichtigen Schritt im Denken der Menschen. Konfessionen seien Zeichen der Religionsfreiheit. "Es ist ganz gut, dass es diese Freiheit gibt: Eben im Sinne des nicht eingeschränkten Denkens und Glaubens", meinte er. Ganz besonders hob er die konfessions-verbindenden Familien in der Gesellschaft hervor. Um sie herum bilde sich das ökumenische Vertrauen. Im engsten Familienkreis würde einander vermittelt, was einem am eigenen Glauben wichtig sei.

Beim anschließenden Empfang im evangelischen Gemeindehaus hielten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kirche Grußworte zum diesjährigen Reformationsjubiläum. Oberbürgermeister Rainer Kapellen sprach davon, dass Laupheim in vielfältiger Weise von der Reformation geprägt sei. Auch ein kritischer Umgang mit dem Wirken Luthers solle in diesem Jahr nicht verschwiegen, aber auch nicht überbewertet werden. Er erinnerte im weiteren Verlauf an den "Baltringer Haufen" und sprach von der Reformation als "aktuelle Herausforderung für unser Denken und Handeln".

Pfarrer Alexander Hermann gab in seinem Grußwort zu bedenken, dass es am 31. Oktober 1517 keine zwei oder mehr Kirchen gegeben habe. Als Gastgeschenk überreichte er einen Nachbau des Christuskreuzes 2017, das in der Mitte eines wichtigen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienstes in diesem Jahr stand. Es gebe nicht nur ein katholisches oder ein evangelisches Kreuz, sondern nur das Kreuz Jesu Christ. Es solle dazu einladen, Gemeinsamkeiten zu suchen.

Petra Schänzle, Rektorin der Friedrich-Adler-Realschule Laupheim, hob in ihren Grußworten die Bedeutung Luthers für das Bildungswesen hervor: "Die Reformation schuf die Grundlage für unsere heutigen Schulen und Universitäten." Luthers Appelle nach Allgemeinbildung seien noch heute aktuell. "Dummheit regiert, wenn die Bildung krepiert", zitierte sie Martin Luther.

Abschließend referierten Dr. Günther Höhne und Michael Roosz vom Laupheimer Planetarium über die Bedeutung und die Bildung Martin Luthers in den Wissenschaften, insbesondere der Astronomie.

© Schwäbische Zeitung 02.11.2017

Ulrich Heinzelmann (l.) und Kaspar Baumgärtner pinnen gemeinsam ihre Fragen und Sätze zur Situation der beiden Kirchen an die Baustellenwand in der Stadtpfarrkirche St. Martin. FOTO: GERD MÄGERLE

Pfar­rer pin­nen ihre "The­sen" an die Bau­stel­len­wand

Biberach
- In Anlehnung an Martin Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren haben der evangelische Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann und sein katholischer Amtskollege Kaspar Baumgärtner am Abend des Reformationstags drei mal sieben Fragen und Sätze zur Situation der beiden Kirchen in heutiger Zeit an den Bauzaun in der Stadtpfarrkirche St. Martin gepinnt. "Es sind aktuelle Fragen und Anregungen, die wir auch diskutieren möchten", sagte Heinzelmann. Dazu gibt es am 23. November ab 19 Uhr im Martin-Luther-Gemeindehaus einen Gesprächsabend. Zuvor war in der Kirche der Fernsehfilm "Katharina Luther" gezeigt worden.

Die Fragen und Anregungen der beiden Pfarrer gibt es im Wortlaut unter

www.schwäbische.de/thesenanschlag-bc

 

 

© Schwäbische Zeitung 02.11.2017

Dekan Hellger Koepff (3. v. r.) und die Geistlichen der evangelischen Gesamtkirchengemeinde beim Festgottesdienst. FOTO: JOSEF ASSFALG

Für Lu­ther war Chris­tus der Ret­tungs­an­ker

Festgottesdienst am Reformationstag bildet den Abschluss der Renovierung der Friedenskirche

Biberach - Rund 450 Christen haben in der frisch renovierten Biberacher Friedenskirche mit der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Biberach in einem Festgottesdienst das Reformationsjubiläum gefeiert.

Nach monatelanger Renovierungszeit könne in der Friedenskirche erstmals wieder Gottesdienst gefeiert werden, sagte Pfarrerin Birgit Schmogro bei ihrer Begrüßung. "Renovierungen und Sanierungen können uns einen frischen Blick, neuen Schwung und zukunftsorientierte Perspektiven verleihen", so Birgit Schmogro. Wichtig sei, "dass wir uns bei aller Erneuerung auf einem festen Grund wissen". Passend dazu sei das Lied "Eine feste Burg ist unser Gott".

In den Festgottesdienst waren kurze Predigtimpulse zum Thema Reformation eingebettet, die von den Geistlichen der Kirchengemeinden vorgetragen wurden. Fragen nach dem Kern des christlichen Glaubens hätten Martin Luther umgetrieben, befand Dekan Hellger Koepff. Luther sei es dabei um einen festen, tiefen Glauben an den einen Gott gegangen. Er habe den Glauben wieder konzentriert, "denn zur damaligen Zeit war vieles zerfleddert und Nebensächliches spielte sich als Wichtiges auf".

"Wir messen unseren Wert daran, wie exotisch unser Urlaub war oder wie luxuriös unsere Wohnung oder unser Auto ist. Danach messen wir uns, und andere werten wir nach ihrer Leistung", sagte Pfarrer Peter Schmogro in seiner Predigt. Und: Kein Haar besser sei die religiöse Variante, bei der zwischen Rechtgläubigen und Andersgläubigen unterschieden werde.

"Es gab vom Geist Beseelte und Begeisterte, jeder wollte es besser wissen", beschrieb Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann die Zeit vor 500 Jahren. "In der protestantischen Konfessionsfamilie wäre über Jahrhunderte eine 'Jamaika-Koalition' nicht möglich gewesen".

Für Martin Luther sei das "Solus Christus" (Christus allein, theologischer Grundsatz der Reformation) der Rettungsanker gewesen, "für ihn war Christus allein der feste Grund", sagte Pfarrerin Andrea Luiking.

Die evangelische Kantorei mit Ralf Klotz, unterstützt vom Jazztrio mit Martin Kiebler (Keyboard), Peter Barth (Bass) und Markus Krattenmacher am Cajon (Holztrommel) und der Posaunenchor, unter der Leitung von Katharina Bickel, wechselten sich mit den Gottesdienstbesuchern bei den Strophen der Lieder ab.

"Katholiken willkommen"

"Katholiken sind willkommen", hatte Ulrich Heinzelmann in einer Einladung betont - und sie sind gekommen. So waren neben Pfarrern und Diakonen viele Gesichter aus umliegenden katholischen Kirchengemeinden zu sehen.

Für den Festgottesdienst waren 350 Liedblätter gedruckt worden und diese reichten bei Weitem nicht aus. Zu den Bänken stellte das Kirchenpersonal noch zusätzliche Stühle dazu. Wer hier nicht zum Zug kam, musste beim gut 90-minütigen Gottesdienst mit einem Stehplatz vorliebnehmen. Etwa 450 Besucher dürften es schon gewesen sein, schätzte Pfarrer Peter Schmogro im anschließenden Gespräch.