© Schwäbische Zeitung 20.02.2018

Maximilian Jaeckel ist der neue Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Erolzheim/Rot. Foto: Tobias Rehm

Erolz­heim/​Rot hat ei­nen neu­en Pfar­rer

Maximilian Jaeckel tritt seine Stelle in der evangelischen Kirchengemeinde am 1. März an

Rot an der Rot/Erolzheim - Die evangelische Pfarrgemeinde Erolzheim/Rot hat wieder einen Pfarrer. Maximilian Jaeckel tritt zum 1. März die Nachfolge von Dorothee Sauer und Matthias Ströhle an, die die Kirchengemeinde im Juni 2017 verlassen hatten. Ende Februar beendet Maximilian Jaeckel sein Vikariat, am 11. März feiert er seine Ordination in Reutlingen und wird in sein Amt eingesetzt. "Wir freuen uns darauf, das Pfarrhaus wieder mit Leben zu füllen", sagt der 31-Jährige, der gemeinsam mit seiner Frau nach Rot an der Rot zieht.

Geboren und aufgewachsen ist Maximilian Jaeckel in Riedlingen. Bereits als Jugendlicher war er in der dortigen Kirchengemeinde aktiv, nach dem Abitur absolvierte Jaeckel ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer kirchlich-sozialen Einrichtung für Suchtkranke in Brasilien. "Dieses Jahr hat mich darin bestärkt, Theologie zu studieren", sagt Jaeckel. Denn den Wunsch, Pfarrer zu werden, hatte er schon länger. "Seit meiner Jugendzeit. Mich hat es schon immer gereizt, dass man als Pfarrer viel mit den Menschen zu tun hat und dass der Beruf sehr vielseitig ist."

Nach seinem Studium mit Stationen in Neuendettelsau, Berlin, Buenos Aires und Tübingen absolvierte Maximilian Jaeckel sein Ausbildungsvikariat in der Neuen Marienkirchengemeinde in Reutlingen, einer Kirchengemeinde mit mehr als 5000 Gemeindegliedern. Eine sehr lehrreiche Zeit wie Jaeckel rückblickend sagt. Nachdem er im Studium die theoretischen Grundlagen vermittelt bekam, wurde er in den sich anschließenden zweieinhalb Jahren in der Praxis in die verschiedenen Bereiche eingeführt. Von der Taufe über die Hochzeit bis hin zur Beerdigung. In dieser Zeit reifte in Maximilian Jaeckel auch der Wunsch, nach dem Vikariat selbst eine Kirchengemeinde zu übernehmen.

"Gemeinsam Kirche gestalten"

Dass die Wahl auf die Kirchengemeinde Erolzheim/Rot fiel, liegt auch daran, dass seine Frau, Janice Jaeckel, mit der er seit November verheiratet ist und deren Namen er annahm, eine Arbeitsstelle in Ochsenhausen gefunden hat. Der 31-Jährige weiß natürlich, dass auf ihn in der oberschwäbischen Diaspora in einer Kirchengemeinde mit 1200 Gläubigen andere Herausforderungen warten als zuvor in Reutlingen, wo viel Teamarbeit mit den anderen Pfarren gefragt war. Künftig stehe eher die Teamarbeit mit dem Kirchengemeinderat im Fokus. "Darauf freue ich mich, ich will kein Einzelkämpfer sein", sagt Maximilian Jaeckel. "Ich will gemeinsam Kirche gestalten." Dem Kirchengemeinderat hat sich der neue Pfarrer bereits vorgestellt, kommenden Freitag erfolgt der Einzug in das Pfarrhaus in Rot an der Rot. Als Erstes will Maximilian Jaeckel seine neue Kirchengemeinde und die Menschen dort kennenlernen. "Die Vorfreude bei meiner Frau und mir ist groß", sagt er. "Wir lassen uns gerne auf das Ländliche ein und sind schon sehr gespannt auf die vielen neuen Begegnungen in Erolzheim-Rot."

© Schwäbische Zeitung 20.02.2018

"Pro mu­si­ca sa­cra" fei­ert 20-jäh­ri­ges Be­ste­hen


Am Mittwoch, 21. Februar, findet die Feier im Martin-Luther-Gemeindehaus statt
 sz 20. Februar 2018


Biberach - Der Verein "Pro musica sacra" aus Biberach feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Dieses Ereignis will der Verein am Mittwoch, 21. Februar, um 20 Uhr im Martin-Luther-Gemeindehaus (MLG) mit Musik, Rückblicken, Ausblicken und gemütlichem Zusammensein festlich begehen. Der Verein lädt alle Freunde der Kirchenmusik, Mitglieder und ehemalige Mitglieder des Vereins an diesem Abend zum Mitfeiern ein.

Gegründet wurde der Verein mit zwölf Gründungsmitgliedern am 16.November 1998. Zweck des Vereins ist die ideelle und finanzielle Förderung der Kirchenmusik in der Evangelischen Stadtpfarrkirchengemeinde Biberach sowie die Unterstützung bei besonderen kirchenmusikalischen Projekten.

Eine große Zahl von Konzerten der evangelischen Kantorei wurde seit 1998 bis heute durch den Verein unterstützt. Angefangen mit der "Matthäus-Passion" von Bach im Jahr 2000 bis zu Haydns "Schöpfung" im Jahr 2017. Ebenso hat sich der Verein bei der Orgelrenovierung in der Stadtpfarrkirche, beim Kauf des neuen Flügels für das MLG sowie bei der Anschaffung einer Truhenorgel finanziell beteiligt. Auch die Konzertreise der evangelischen Kantorei 2013 nach Guernsey, eine Insel im Ärmelkanal, wurde vom Verein unterstützt. Seit 2010 gibt der Verein außerdem das jährliche Konzertprogramm der kirchenmusikalischen Veranstaltungen des evangelischen Kantorats heraus.

Aktuell hat der Verein 60 Mitglieder. Mitglieder erhalten bei kirchenmusikalischen Veranstaltungen des evangelischen Kantorats eine Ermäßigung. Durch die Unterstützung des Vereins konnten viele große kirchliche Werke mit hohem Anspruch an die Konzertierenden in den vergangenen Jahren aufgeführt werden.

© Schwäbische Zeitung 07.02.2018

Wie viel Kirche der Staat verträgt - Foto Schwäbische Zeitung, Dirk Grupe

Landtagspräsidentin will Islamunterricht
Bischöfe und Landtagspräsidentin diskutieren über Religion im öffentlichen Raum

Biberach sz - Welche Bedeutung haben die großen Kirchen in unserer Gesellschaft? Ist ihre Nähe zum Staat zeitgemäß? Und wie sollen wir mit der wachsenden Geltung des Islam umgehen, nicht zuletzt in den Schulen? Diese und andere Fragen standen beim 4. Bildungsforum Oberschwaben in Biberach auf der Tagesordnung unter dem Motto: „Religion im öffentlichen Raum“. Unter der Moderation von Kara Ballarin, Korrespondentin der „Schwäbischen Zeitung“ in Stuttgart, gab ein hochkarätiges Podium mit Bischof Gebhard Fürst, Landesbischof Frank O. July und Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) – sie ist alevitischen Glaubens – die Antworten.

Die Wegekreuze, die Kirchtürme und ihre Glocken zu Gottesdiensten; zu sehen und zu hören sind die beiden großen Kirchen zwar nach wie vor im öffentlichen Raum, doch keiner der Diskutierenden wollte ihren Autoritätsverlust und ihren zunehmenden Rückzug ins Private in Abrede stellen. Nichtsdestotrotz sei ihre Bedeutung für das Zusammenleben ungebrochen, betonte Bischof Fürst: „Der religiöse Zugang zu Werten wie Mitmenschlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe ist unverzichtbar. Andernfalls würde uns ein Stück Welt fehlen.“ Landesbischof July pflichtete bei und ergänzte: „Werte wandeln sich“, Religion müsste sich daher ihre „Anschlussfähigkeit“ bewahren und gleichsam offen sein für die Weiterentwicklung. In diesem Zusammenhang zitierte Landtagspräsidentin Aras den Theologen Hans Küng: „Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen. Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen. Kein Dialog zwischen den Religionen ohne Grundlagenforschung in den Religionen.“

Flächendeckend Islamunterricht


Als zentralen Ort des Dialogs und der Vermittlung gelten die Schulen, wobei Muhterem Aras hinsichtlich eines Islamunterrichts unmissverständlich feststellte: „Wir sollten die flächendeckende Einführung beschleunigen.“ Bischof Fürst betonte ebenfalls: „Seit meiner Ernennung zum Bischof im Jahr 2000 bin ich für einen Islamunterricht.“ Beide, Aras wie Fürst, sehen allerdings einen Mangel an Personal: „Wir brauchen Lehrkräfte, die in Deutschland ausgebildet wurden“, sagte Aras. In Tübingen beispielsweise, so Fürst, werde auf hohem Niveau ausgebildet, aber nicht ohne Probleme: „Die Lehrkräfte werden angefeindet, weil sie für einen verträglichen Islam stehen, wie wir ihn uns wünschen.“ Der Islamunterricht an sich sei aber alternativlos, bekräftigte Aras: Allein um den Menschen zu vermitteln, „dass ihre Religion zu unserer Gesellschaft gehört“. Überdies sei sie als staatliches Angebot transparent. „Das ist ja auch die Kritik an den Moscheen: Wir haben keinen Einblick, was dort gelehrt wird.“

Womit die Gefahr von Grenzverletzung einhergeht. „Artikel 4 des Grundgesetzes garantiert Religionsfreiheit – genauso wie die Freiheit von Religionen“, erklärt Aras. Das Grundgesetz sei auf Vielfalt und Toleranz angelegt. „Das gilt gerade auch in Fragen des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses.“ Die Grenzen seien allerdings erreicht, wenn Freiheit und Toleranz infrage gestellt würden. Bischof Fürst sagte es so: „Ein anything goes geht nicht. Ohne Grenzen entsteht keine Kontur.“ Und Frank July: „Der Staat ist kein weißes Papier, dass wir immer neu beschriften können.“

Doch wie weit darf der Einfluss der Kirchen auf den Staat gehen, um jenes Papier zu beschriften? Schon die Landesverfassung Baden-Württembergs sieht eine Trennung von Staat und Kirche vor, aber keine streng laizistische, es wird vielmehr die Selbstständigkeit beider Seiten betont, genauso wie eine gewünschte Kooperation. In der Vergangenheit haben sich aber jene Stimmen gemehrt, die Religion als reine Privatsache definieren und einen Rückzug fordern. Was beim Forum in Biberach durchweg auf Ablehnung stieß. „Was passiert, wenn sich Religion aus dem öffentlichen Raum zurückziehen soll, sehen wir in Frankreich, das die Grammatik religiöser Sprache verloren hat“, sagte July. Die Kirchen müssten als Teil der Gesellschaft auch an gesellschaftlichen Entscheidungen beteiligt werden. Und wo sich Religion im öffentlichen Raum rechtfertigen müsse, so Bischof Fürst, bestehe die Gefahr fundamentalistischer Strömungen, auch dies mit Verweis aus Frankreich.

Der Tenor in Biberach: Unsere Werte fußen auf unserer religiösen Tradition, die Auftrennung der Kooperation von Staat und Kirche wäre daher ein Fehler, der Mittelweg oder die „fördernde Neutralität“ (Aras) sei nach wie vor der richtige Weg.

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