Die Diakonische Bezirksstelle Biberach hat sich für ihre Arbeit sieben Leitsätze gegeben, an denen sie ihre Arbeit ausrichtet:


1. Leitsatz: Die diakonische Arbeit gründet im Leben und in der Botschaft von Jesus von Nazareth

Diakonie kann ihre Hilfsangebote nur im Kontext und in der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verwirklichen.


Jedoch: Das Fundament ihrer Arbeit leitet sie nicht aus staatlichen oder gesellschaftlichen Vorgaben ab, sondern sie gewinnt sie aus dem Vorbild Jesu und seinem Auftrag an seine Gemeinde:

  • Die Diakonie braucht die Barmherzigkeit und Spiritualität im Sinne Jesu, um Menschen zu erreichen.
  • Diakonie ist offen für alle, ohne Ansehen der Person.
  • Sie beteiligt die Betroffenen.
  • Ehrenamtliche und Professionelle arbeiten zusammen.
  • Diakonie begegnet der Not der Menschen ganzheitlich und lässt sich auf ihre Lebenssituation, ihre Probleme und Fähigkeiten ein.
  • Diakonie ist bestrebt, die Rahmenbedingungen im Gemeinwesen und Gesellschaft zugunsten der Hilfesuchenden zu verbessern.
  • Diakonie orientiert sich an der Botschaft des Evangeliums. 
  • Das heißt: Ihr Handeln soll dazu beitragen,
    - Menschen frei zu machen
    - zu stärken
    - Hoffnung und Glauben zu wecken
    - Not solidarisch und gemeinsam zu (er-)tragen.

 

Diakonie orientiert sich daher …
•    am einzelnen Menschen
•    an der Gruppe
•    an der Gemeinde
•    an übergreifenden Strukturen / Systemen.


Um diesen Grundwerten zu entsprechen, strebt die Diakonie folgende Ziele an:

•    Die aktuellen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen werden kontinuierlich        analysiert.

•    Ursachen von sozialen Missständen werden benannt.

•    Bei Bedarf beteiligt man sich an der (sozial-)politischen Meinungsbildung,          um positive Entwicklungen unter dem Gesichtspunkt der ökonomischen,          ökologischen und sozialen Nach-haltigkeit zu fördern.

•    Eine Beteiligung an gemeinwesenorientierten Netzwerkstrukturen wird              gefördert und findet statt.

•    Die diakonische Verantwortung wird nicht nur durch eigene Dienste
     wahrgenommen, sondern auch in den Kirchengemeinden des 

     Kirchenbezirks geweckt.



Diese Ziele sollen grundsätzlich mit folgenden Mitteln erreicht werden:
•    Beratung
•    Begleitung
•    Befähigung
•    Bildung
•    Sorge/Pflege
•    Besuche
•    Zurüstung Ehrenamtlicher
•    Beschäftigungsangebote

 

2. Leitsatz: Ein Hilfesuchender in der Diakonie ist kein Bittsteller sondern Kunde.

Kundenorientierung

Diakonische Arbeit konzentriert sich auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten von Hilfesuchenden.
Im Zentrum diakonischer Arbeit steht der Mensch als "Ganzes".
Wir sehen die Belange jedes Menschen, seine Fähigkeiten, seine Schwächen, seine Bedürfnisse, aber auch sein Umfeld, seine Lebenslage.

Der Hilfesuchende ist im marktwirtschaftlichen Sinn ein „Kunde“, der die Dienstleistung der Diakonie in Anspruch nimmt.

Kundensouveränität

Kundenorientierung heißt für uns in allen Fachbereichen der Diakonie: Entwickeln von Kundensouveränität. Diese ist dann erreicht, wenn der Hilfesuchende über …

•    Information
•    Bildung
•    ausreichende materielle Grundlagen
•    Teilhabe an der Gemeinschaft verfügt.


Nachhaltigkeit

Hilfe als Begleitung und Beratung soll, wenn sie das "Prinzip der Nachhaltigkeit" beachtet, langfristige Befähigungs- und Veränderungsprozesse fördern.
Häufig geht dies erst nach der Klärung, Linderung bzw. Beseitigung akuter Notlagen.

3. Leitsatz: Diakonie orientiert sich an der Lebenslage ihrer Kunden

Die Orientierung an der Lebenslage des Betroffenen und die Einbeziehung des Umfeldes sind Grundvoraussetzung diakonischer Arbeit. Damit dies gelingt, werden folgende Ziele angestrebt:

•    Kunden werden ganzheitlich wahrgenommen,
      das heißt das soziale Umfeld ist mitbedacht
•    Menschen werden da abgeholt, wo sie stehen.
•    Die sozialpädagogische Arbeit orientiert sich nicht nur an der
      Komm-Struktur sondern auch an der Geh-Struktur
•    In allen Fachbereichen sind niederschwellige Angebote vorhanden.
•    Die Leistungsbausteine aller Fachbereiche  orientieren sich immer
      auch am Gemeinwesen und an der (Kirche-)Gemeinde.
•    In allen Fachbereichen werden Präventionsmaßnahmen angeboten.
•    Zur optimalen Erbringung diakonischer Dienstleistungen werden alle

      Möglichkeiten der Kooperation mit anderen Partnern ausgeschöpft.

 

4. Leitsatz: Diakonie wirkt im Netzwerk von Kirchengemeinden

Die Kirche gerät immer dann in eine Krise, wenn Predigt und Handeln nicht übereinstimmen. Diakonie ist gelebter Glaube. Nur wenn Menschen in ihrer Not in der Gemeinde Zuwendung und Hilfe finden, verkörpert sie den Leib Jesu.

 

Die diakonische Gemeinde hält zu ihren Mitgliedern in schwierigen Zeiten und Lebenskrisen. Gemeindeglieder erkennen Störungen oft viel früher als professionelle Helfer und können mitunter schneller und unkonventioneller helfen. Die Geborgenheit der Gemeinde bewahrt vor der Isolation und Vereinzelung. Sie bietet viele kleine Hilfen im sich Umeinanderkümmern. Das fördert die seelische und körperliche Gesundheit.

Trotzdem kommen Menschen gelegentlich in Situationen, die einzelne Gemeindeglieder oder auch Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort überfordern.

Die Diakonische Bezirksstelle unterstützt mit ihren hauptamtlichen Kräften die Gemeinden in ihrem diakonischen Handeln.

Ein Bindeglied zwischen der Gemeinde und der Diakonischen Bezirksstelle sind die Diakoniebeauftragten.

Um den Gedanken der diakonischen Gemeinde und der Vernetzung von Kirchengemeinden und Bezirksdiakonie zu implementieren, werden folgende Ziele angestrebt:

•    Die hauptamtliche Diakonie übernimmt im Einzelfall die Unterstützung Hilfesuchender, wenn die Gemeinde überfordert ist.
•    Die hauptamtliche Diakonie unterstützt und begleitet die Kirchengemeinden beim Aufbau von Selbsthilfegruppen, von Helferkreisen wie Besuchsdiensten, Nachbarschaftshilfen etc. durch Information und Fortbil¬dung.
•    In allen Bezirksgemeinden befindet sich ein/e Diakoniebeauftragte/r.

5. Leitsatz: Diakonie braucht ein klares Ressourcenmanagement

Diakonische Arbeit lässt sich nicht zum Nulltarif leisten. Damit dies gelingt, strebt sie folgende Ziele an:

•    die Bewirtschaftung der Arbeitsbereiche ist durch eine ausreichende
      Finanzierung gesichert
•    die Ressource Arbeitszeit wird verantwortlich und zielgerichtet bewirtschaftet
•    das Personal ist bedarfsgerecht qualifiziert und handlungsfähig
•    es stehen ausreichend geeignete Arbeitsmittel zur Verfügung

6. Leitsatz: Diakonie braucht klare Strukturen und Kompetenzen

Diakonische Arbeit bedarf einer geregelten Leitungs- und Handlungsstruktur. Damit sie gelingt, strebt sie folgende Ziele an:

•   Zuständigkeiten und Befugnisse sind geklärt in der Geschäftsordnung
     und in den Stellenbeschreibungen für alle Mitarbeitenden
•   Die Regeln der internen wie der externen Kommunikation sind offen gelegt.

7. Leitsatz: Diakonie lernt und verbessert ihre Qualität

Die Diakonische Bezirksstelle versteht sich als lernende Einrichtung. Damit dies gelingt, strebt sie folgende Ziele an:

•    Ein Qualitätsmanagementsystem ist eingeführt und beschreibt die wesentlichen Prozesse der Leistungsbausteine.
•    Ein Monitoringsystem ist eingeführt und
      o    überwacht den aktuellen Leistungsstand
      o    analysiert eventuellen Veränderungs- oder Verbesserungsbedarf
•    Die Mitarbeitenden lernen und qualifizieren sich selbstständig und im Rahmen dienstlicher Vorgaben weiter.