Ökumenischer Gesprächsabend

v.l.: C. Stroppel, S. Ziellenbach, E. Jeggle, A. Zanzinger, A. Kernen, H. Koepff, C. Burandt

Bringt die Kirche heute noch etwas?


BURGRIEDEN – Zu einem ökumenischen Gesprächsabend haben die katholische und evangelische Kirchengemeinde in Burgrieden eingeladen. Generalvikar Dr. Clemens Stroppel, der evangelische Dekan Hellger Koepff, die ehemalige Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle sowie Diakonin Angelika Zanzinger von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit im Landkreis Biberach diskutierten die Frage „Bringt die Kirche heute noch etwas?“. Christoph Burandt führte durch den Abend.

In ihren Eingangsstatements konnten die Gesprächsteilnehmenden deutlich machen, was die Kirchen heute überall leisten. So betonte Zanzinger vor allem den Einsatz der Kirchen im diakonisch-caritativen Bereich: Angefangen von den Familien- und Lebensberatungsstellen über Vesperkirchen hin zur ökumenischen Flüchtlingsarbeit. Dann gebe es noch die unterschiedlichen Seelsorgeangebote: Notfallseelsorge, Telefonseelsorge oder Trauerbegleitung. Viele Menschen haben deswegen Vertrauen in die Kirchen. Schließlich sei die Kirche auch ein Ort wo man zur Ruhe kommen könne, sich mit sich, dem Nächsten und Gott beschäftigen. Zanzinger: „Die Kirche ist Tradition, die sich bewährt hat und heute noch viel bringt!“.

„Ja, wir brauchen die Kirchen. Sie sind notwendiger denn je“, so Elisabeth Jeggle. Sie erinnerte daran, dass sich in dieser Woche die Unterzeichnung der Römischen Verträge zum sechzigsten Mal jährt. Für die darin enthaltenen Werte wie z.B. Achtung der Menschenrechte, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit oder Wahrung der Demokratie brauche man die Kirchen. Wichtig dabei sei aber die Trennung von Kirche und Staat. Jeggle: „Jeder hat seine eigene Aufgabe aber es geht nur miteinander.“ Dabei könne der Staat aber nicht über die Kirche bestimmen. Die immer geringer werdende Zahl von Christen müsse sich immer deutlicher zu Wort melden. Jeggles Fazit: „Wir brauchen die Kirchen als eigenständigen Partner der Politik und Gesellschaft!“

Dekan Hellger Koepff betonte die Wichtigkeit der Gottesbeziehung in menschlichen Beziehungen. Diese äußere sich in der Seelsorge und den Beratungsangeboten. „Auf die Frage ‚Was glaubst du denn‘ müssen wir gemeinsam eine Antwort suchen und formulieren können“, so Koepff. Er wies darauf hin, wie wichtig die Sprachfähigkeit der Kirche sei.

„Die Kirche hat die Aufgabe das Evangelium zu verkünden. Dies ist die Erzählung, dass Gott Mensch geworden ist“, so Generalvikar Stroppel. Die Menschwerdung Gottes sei das größte Wunder, das die Kirchen erzählen können. Das sei in dieser Zeit sehr wichtig, weil diese Botschaft den Menschen Sinn gebe. Die Kirche müsse, so der Generalvikar, wirksames Zeichen des Heils für die Welt sein. Das heiße auch für alle Menschen, die Angst haben oder hoffnungslos sind.

Kirche und soziale Medien

Was ist der Auftrag der Kirche in den sozialen Medien? Der Generalvikar habe ein ambivalentes Verhältnis zu diesen. Es seien Kommunikationswege und die Kirche müsse alle Kommunikationsmittel der Zeit nützen. Stroppel wies aber auch darauf hin, dass „nicht alles, was in Verbindung bringt, eine Kommunikation ist, die auch den Menschen würdigt und wahrnimmt.“ Da die sozialen Medien frei seien, können diese auch missbraucht werden. Der Generalvikar weiter: „Wir müssen Jugendliche in die Lage versetzen, dass sie auch kritisch damit umgehen können.“ Ihm sei es auch wichtig, dass in den sozialen Medien auch Inhalte transportiert werden. „Wenn wir nicht jeden Tag Inhalte für eine Schlagzeile haben, dann sollen wir es lieber sein lassen. Sonst hört man uns nicht mehr, wenn wir wirklich was zu sagen haben.“ Dekan Koepff erinnerte jedoch daran, dass Martin Luther ohne Flugblatt keinen Erfolg gehabt hätte. Die Kirche habe schon immer eine Nähe zu den Medien gehabt, die angesagt seien. Der Dekan erinnerte an die Telefonseelsorge, die auch ChatSeelsorge anbiete. „Es ist hervorragend, dass die Kirche dort präsent ist.“ Elisabeth Jeggle wünschte sich mehr Statement der Kirchen zu politischen Themen in den sozialen Netzwerken. Jeggle: „Die Kirchen sind dort im Wettbewerb mit anderen“.

Prozess Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird gerade ein Entwicklungsprozess durchgeführt. Wo dieser enden solle, wollte Christoph Burandt vom Generalvikar der Diözese wissen. Die Antwort: „Das wissen wir selber nicht!“ Ausgangsfrage sei, wie man mit dem Priestermangel und dem Mangel an anderem pastoralen Personal umgehen solle. Wie könne dennoch die Kirche am Ort präsent gehalten werden wenn alles andere gehe. Er sprach die Schließung von Bankfilialen oder Arztpraxen an. „Wir brauchen Ideen wie Gemeinde sich so entwickeln kann, dass sie weiter am Ort ist und Kräfte zusammenbringen kann“, erklärte der Generalvikar. Vernetzung mit anderen Akteuren sei gewollt. Die Diözese sei sehr vielfältig. Was für Stuttgart gut ist, müsse für Oberschwaben nicht auch gut sein. Das Signal an die Gemeinden sei, sie können kreativ sein und schauen was für sie passe. Stroppel: „Der Horizont ist eröffnet und nun werden Ideen entwickelt!“

Die evangelische Kirche stehe mit der Umsetzung des neuen Pfarrplans in einem ähnlichen Prozess, erklärte Dekan Koepff. Die Überschrift heiße Kürzungen und Einsparungen. Über 13% der Pfarrstellen in der Landeskirche Württemberg müssen eingespart werden. Die Frage sei „Wie kann man mit weniger hauptamtlichem Personal sicherstellen, dass die Menschen versorgt sind, wenn sie einen Pfarrer brauchen und wie kann weiterhin Gemeinwesen gestaltet werden“, so Koepff.

Kirche engagiert für die Eine Welt

Beide Kirchen engagieren sich seit vielen Jahrzehnten in der Entwicklungshilfe. In dieser Arbeit habe sich das Selbstverständnis weg vom Almosen geben hin zu einem partnerschaftlichen Verhältnis auf Augenhöhe verändert. Ferner sei die Bekämpfung der Fluchtursachen ein Arbeitsfeld geworden. Alle Gesprächspartner betonten die Wichtigkeit dieses Engagement sei.

Kerstin Leitschuh, Dekanatsreferentin

Quelle:

https://dekanat-biberach.drs.de/aktuell/ansicht/news/detail/News/bringt-die-kirche-heute-noch-etwas-1834.html

 

 

Bringt die Kirche heute noch etwas?

v.l.: C. Stroppel, S. Ziellenbach, E. Jeggle, A. Zanzinger, A. Kernen, H. Koepff, C. Burandt