Be­glei­ter in schwe­ren Stun­den

Das Leitungsteam der Notfallseelsorge im Landkreis Biberach ist auf der Suche nach Ehrenamtlichen (von links): Helmut Sontheimer, Markus Lutz, Iris Espenlaub und Patricia Billwiller.

Das Leitungsteam der Notfallseelsorge im Landkreis Biberach ist auf der Suche nach Ehrenamtlichen (von links): Helmut Sontheimer, Markus Lutz, Iris Espenlaub und Patricia Billwiller. Foto: Tanja Bosch

Notfallseelsorge im Landkreis Biberach besteht inzwischen seit 15 Jahren
Die Notfallseelsorge im Landkreis Biberach feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wird es am Freitag, 6. Oktober, einen ökumenischen Gottesdienst mit Feierstunde in der Kirche St. Josef in Birkendorf geben. Beginn ist um 18 Uhr. Zusätzlich beginnt im November die Ausbildung neuer Notfallseelsorger. "Wir sind dringend auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen", sagt Iris Espenlaub, Leiterin der Notfallseelsorge. "Aktuell sind wir 41 Aktive, für den ganzen Landkreis ist das allerdings zu wenig."

Am 13. Oktober findet deshalb ein Informationsabend in Biberach statt.
"Die Notfallseelsorge ist ein Bereich, der manchmal Ängste weckt", sagt Iris Espenlaub. "Das erleben wir nicht so. Denn schließlich begleiten wir Menschen mitten im Leben, bei denen es ums Überleben und das Weiterleben geht." Es seien sehr intensive Begegnungen von Mensch zu Mensch "und das macht die Arbeit so besonders".
Doch wie sieht die Arbeit der Notfallseelsorger eigentlich aus?
"Wir werden hauptsächlich bei plötzlichen Todesfällen, Unfällen, Suiziden und Bränden gerufen", so die Leiterin. "Wir sind oft die Überbringer von Todesnachrichten an die Familie. Wir leisten Erste Hilfe für die Seele." Was der 44-Jährigen aus Ochsenhausen dabei ganz wichtig ist: "Wir sind ein kostenloses Hilfsangebot. Jeder kann die Hilfe annehmen, muss es aber nicht."

Die Notfallseelsorge im Landkreis Biberach gibt es erst seit 15 Jahren.

"Andere Landkreise hatten das Angebot schon länger, in Biberach mussten wir echt dafür kämpfen", sagt Polizist und Notfallseelsorger Helmut Sontheimer, der von Anfang an dabei ist. "Wir haben damals auch bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil wir die erste Notfallseelsorge waren, die keine Geistlichkeit im Team hatte, wir haben mit sogenannten Peers gearbeitet." Überwiegend seien das ältere Hausfrauen gewesen. "Es hat super funktioniert", erinnert sich Sontheimer. Nach einer "Schmalspurausbildung", wie er die damalige Ausbildung bezeichnet, sei die Notfallseelsorge im Kreis Biberach 2002 an den Start gegangen.
Für die Polizei, Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen, die meist als erstes vor Ort sind, ist die Notfallseelsorge zu einer unersetzlichen Institution geworden. "Wenn ich als Polizist oder andere Kollegen früher Todesnachrichten überbringen mussten, dann fehlte einem eigentlich die Zeit dafür", sagt Sontheimer. "Man kann aber schließlich nicht hingehen und die Menschen dann sofort allein lassen." Doch der nächste Einsatz warte bereits. "Viele sind auch einfach mit dieser Situation überfordert und wissen nicht, was sie sagen sollen." Deshalb ist es gut, dass sich professionell ausgebildete Notfallseelsorger um die Menschen kümmern, die gerade jemanden verloren haben.
"Es geht einfach darum, da zu sein, die Menschen nicht alleine zu lassen und auf ihre persönlichen Bedürfnisse einzugehen", sagt Pfarrer und Notfallseelsorger Markus Lutz aus Bad Buchau. "Jeder Mensch reagiert bei einem Unglücksfall oder in einer Krisensituation anders. Viele weinen, manche schreien und andere werden aggressiv." Doch damit können die Notfallseelsorger umgehen.

Gegenseitiger Austausch ist wichtig

"Es sind auch ganz besondere Begegnungen, die man hat", sagt Notfallseelsorgerin Patricia Billwiller, die seit vier Jahren dabei ist. "Aber manchmal ist es schon schwer, das Erlebte abzuschließen. Ich denke schon noch an den einen oder anderen Menschen, den ich in solchen Krisensituationen getroffen und erlebt habe." Deshalb gebe es auch Supervision und den Austausch untereinander: "Das ist wichtig und bringt sehr viel", sagt Patricia Billwiller. Für sie ist die Notfallseelsorge ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens geworden: "Es ist ein Geschenk, so nah an den Menschen zu sein und helfen zu können."

Die neue Ausbildung für Ehrenamtliche der Notfallseelsorge beginnt Mitte November. Ein Informationsabend zur Ausbildung findet am Freitag, 13. Oktober, ab 18.30 Uhr im Alfons-Auer-Haus in Biberach statt.
Weitere Infos über die Notfallseelsorge gibt es unter Telefon 07352/9223997,
per E-Mail an notfallseelsorgebc@drs.de oder im Internet unter
www.notfallseelsorge-bc.de

Text von Tanja Bosch