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Geist­li­ches Wort: Re­for­ma­ti­on und die eine Welt

Isabella Lehnert-Werner, Referentin beim Dekan. FOTO: PRIVAT

Isabella Lehnert-Werner, Referentin beim Dekan. FOTO: PRIVAT

Isabella Lehnert-Werner, Referentin beim Dekan. FOTO: PRIVAT

Von Isabella Lehnert-Werner

"Wo aber der Geist Gottes ist, da ist Freiheit" (2. Kor 3,17). Die Welt ist näher zusammengerückt. Das haben wir nicht nur an den Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, bemerkt, das sehen wir auch, wenn wir mit ein paar Klicks an jeden Ort der Welt gelangen können.

"Reformation und die eine Welt", das Thema des letzten Dekade-Jahres vor dem Reformationsjubiläum 2017, lenkt unseren Blick hinaus in die Welt, in die globale Welt.

Bevor sich im Jahr 2017 die Ereignisse in Deutschland und ganz besonders auf das kleine Wittenberg konzentrieren, lenken wir unseren Blick in großer Freiheit hinaus in die Welt. In Wittenberg hat alles angefangen und seinen Lauf in die Welt genommen. Martin Luthers Erkenntnisse nahmen dort in Wittenberg ihren Anfang und verbreiteten sich zunächst in den freien Reichsstädten wie Ulm, Straßburg, Biberach und gleichzeitig in der Schweiz: mit Zwingli in Zürich, mit Calvin in Genf. Auch die historischen Friedenskirchen, die seit dem Mittelalter bis heute Gewaltlosigkeit zu ihrer Identität zählen, haben die reformatorischen Gedanken in der Welt verbreitet: die Mennoniten und die Quäker. Auch John Wesley, der Begründer der Methodisten in England und Nordamerika und John Knox, der schottische Reformator, haben zur weltweiten Verbreitung der Reformation beigetragen.

Schließlich haben die Missionsgesellschaften im 18. Jahrhundert die Reformation nach Afrika, Indien, Indonesien, China, überallhin in der Welt gebracht. Es wurden Bibeln in die Landessprachen übersetzt, dazu Wörterbücher geschrieben wie zum Beispiel in die äthiopische Landessprache oder in Ghana in die Sprache Twi, so wie Luther einst die Bibel ins Deutsche übersetzt hat.

Kirchen der reformatorischen Tradition vertreten heute etwa 840 Millionen Glaubende weltweit. Diese große Vielfalt führte naturgemäß auch zu Missverständnissen, Verwerfungen bis hin zu Verletzungen.

Doch in all dieser Vielfalt ist es das eine Wort, der eine Glaube, die eine Heilige Schrift, allein Jesus Christus, was uns alle verbindet. Diese Vielfallt und Fülle ist ein Schatz, dessen wir uns gar nicht richtig bewusst sind.

Das Themenjahr "Reformation und die eine Welt" erinnert uns neu, wie aus einem regional begrenzten Impuls etwas global Wirksames werden kann, es erinnert uns auf eine andere Weise, dass wir nicht allein sind auf dieser Erde, es erinnert uns daran, dass Verletzungen nicht ewig bleiben müssen und dass wir hören können auf reformatorische Impulse für diese Zeit.


„Predigen will ich`s, sagen will ich`s, ...

„Predigen will ich`s, sagen will ich`s, schreiben will ich`s ,aber mit Gewalt dringen, will ich niemanden“ Luther 1522

Zwischen Haloween und Reformationstag, dem Geburtstag der Evangelischen Kirche, möchte ich heute eine Frau der Reformationsgeschichte positionieren. Nein, nicht Katharina von Bora, die „Lutherin“, Ehefrau des Reformators Martin Luther, sondern eine der führenden Schriftstellerinnen der Reformation: Argula von Grumbach, geb. von Stauff (1494 -1554).

Schriftstellerinnen der Reformation?, werden Sie fragen. Ja, die gab es! Argula von Grumbach, ein Spross des ältesten bayrischen Adels, der Stauffer, hegte als Andenken an ihren früh verstorbenen Vater eine deutsche Bibel. Sie hatte sie im Alter von 10 Jahren geschenkt bekommen. Es war vermutlich eine Koberger Bibel von 1483 aus Nürnberg. Durch diese dt. vorlutherische Bibel besaß sie eine beachtliche Bibelkenntnis. Argula von Stauff war vermutlich eine der ersten Menschen, die die Bibel in Deutsch gelesen hat. Die Familie von Stauff war ein intellektuell offener, hochadeliger Haushalt. So erhielt Argula am Hofe des Kaisers Maximilian I die beste Bildung. Die Schriften, die aus Wittenberg kamen, hat sie alle gelesen und argumentierte mit ihrem Inhalt.

Nicht nur das: Sie war mit den Reformatoren in persönlichem Kontakt. Melanchthon, beherbergte ihren Sohn Georg, während er in Wittenberg studierte in seinem Haus. 1522 widmete Luther ein Betbüchlein „der edlen Frau Argula von Stauffen zu Grumbach“. Im Sept. 1522 bis Herbst 1523 verfasste sie mehrere Sendschreiben an die Universität Ingolstadt und an die Stadträte in Nürnberg und Würzburg. Dazu kamen 16 Flugschriften, obwohl 1522 in Bayern ein strenges Verbot erlassen wurde, die Lehren und Schriften Luthers anzunehmen.

Auf Schloss Ehrenfels bei Regensburg trat sie mit ihren Schriften aus dem dunklen Raum heraus, der den Frauen verwehrte, sich in eine öffentliche Kontroverse mit ihren Argumenten einzubringen. Die neuen Medien, die Flugschriften, die als Distanzmedien den gesellschaftlichen Konformitätsdruck, der unter Anwesenden herrscht, verringerte, machten es nicht nur den Frauen leichter, ihre Argumente in der Öffentlichkeit zu positionieren.

Die neuen Medien
veränderten grundsätzlich die Streitkultur in der öffentlichen Debatte. Der Austausch von Argumenten und die gegenseitige Verständigung über gesellschaftspolitische Fragen in einem gewaltfreien Dialog ist und bleibt essentieller Bestandteil der Demokratie. Argula verfasste 16 Flugschriften in einem Jahr. Mit einer Auflage von 30 000 Exemplaren und einer bemerkenswerten Verbreitung, erhielt sie überregionale Aufmerksamkeit. 1523 wird an der Uni Ingolstadt ein junger Student namens Arsacius Seehofer mit Gewaltandrohung öffentlich gezwungen, die lutherischen Schriften zu widerrufen und dann zur Klosterhaft in Ettal verurteilt. „Weil ich keinen Mann sehe, der reden will…“, so begründet sie ihre Parteinahme als Frau.

„Schämt ihr euch nicht…“ fragt sie empört die Professoren, als sie darauf hinweist, dass der Ketzerverdächtige ein 18jähriger, ein Kind sei. Sie verschmäht Gewalt und sagt das auch: „Man kann leicht diskutieren, wenn man nicht die Schrift, sondern Gewalt gebraucht.“ Ihre Einmischung wurde als Selbstüberschätzung und Grenzüberschreitung wahrgenommen. Keine einzige Schrift wurde beantwortet. Allerdings wurde ihr streng katholischer Ehemann von seinem hochrangigen Posten bei Hofe entlassen, weil er es nicht vermocht habe, seine Frau zum Schweigen zu bringen. Hier erkennen wir den Ungehorsam als weltgestaltende Kraft.

1524 zieht sie nach Nürnberg um, weil in Bayern die Strafen zu hoch wurden. Argulas Plädoyer für Toleranz und Dialog und das Beharren auf stichhaltige Argumente, nimmt das vorweg, was uns heute selbstverständlich ist. So selbstverständlich, dass wir nicht immer merken, wie gefährlich das ist, wenn Gewalt und Ausgrenzung, sowie niveaulose Argumente zum Mittel des Austausches von Meinungen im öffentlichen Raum werden.                   

Pfarrerin Isabella Lehnert-Werner


Quellen:
- Matheson, Peter: Argula von Grumbach – A woman's voice in the reformation. Edinburgh, 1995
- Zimmerli-Witschi, Alice: Frauen in der Reformationszeit. Zürich 1981 (sehr gut)
- Henning P. Jürgens und Thomas Weller, Religion und Mobilität, Zum Verhältnis von raumbezogener Mobilität und religiöser Identitätsbildung im frühneuzeitlichen Europa, Auflage: 1,2010
- Henning P. Jürgens und Thomas Weller Streitkultur und Öffentlichkeit im konfessionellen Zeitalter, 2010
Barbara Mahlmann-Bauer, Gender – eine Kategorie bei der Analyse theologischer Streitschriften von Frauen, oder: Sind die vereinzelten Autorinnen der Reformationszeit »subalterne«? Seiten 179-214, 2013


Reformationsjubiläum ist Anlass für ein großartiges ökumenisches Projekt

Luther - Quelle Wikipedia

Luther - Quelle Wikipedia

Luther - Quelle Wikipedia

Reformationsjubiläum ist Anlass für ein großartiges ökumenisches Projekt

Balzheim - In zwei Jahren jährt sich zum 500sten Mal der Thesenanschlag Martin Luthers - der Beginn der Reformation. Dann wird das Zelt der evangelischen Landeskirche Württemberg Anfang Juli für zwei Wochen in Balzheim stehen.

Möglich ist das durch eine einzigartige Kooperation der Kirchengemeinden des Unteren Illertals und anderer geistlicher Institutionen. Mit im Boot sind die katholischen Kirchengemeinden Dietenheim und Kirchberg, die evangelischen Kirchengemeinden Wain, Dietenheim, Kirchdorf und Balzheim sowie die Liebenzeller Gemeinschaft, der EC, das Kloster Brandenburg und die Unita Dei Christiani. Somit ist die Zeltkirche 2017 ein großartiges ökumenisches Projekt vor dem Hintergrund des Reformationsjubiläums, was der Balzheimer Pfarrer Harald W. Losch zu würdigen weiß: "Was sich vor 500 Jahren gespalten hat, kommt für dieses Projekt zusammen."

Schon im Oktober 2014 hatten der zuständige Zeltpfarrer Thomas Wingert und der Zeltmeister Martin Heubach die Konzeption der Zeltkirche dem Balzheimer Kirchengemeinderat vorgestellt. Pfarrer Losch und das Kollegium begannen daraufhin, in der nächsten Umgebung Kooperationspartner zu suchen - mit Erfolg. Im Januar kamen zahlreiche Vertreter der Kirchengemeinden und Institutionen in das Hans-Ehinger-Haus, wo Zeltpfarrer Wingert sie wohl so überzeugen konnte, dass eine Zusage nach der anderen kam. In der Folgezeit gelang es Pfarrer Losch, auch das Kloster Brandenburg und die Unita Dei Christiani für das Projekt zu gewinnen.

Am 29. Juni wurde in Balzheim das Kernteam für die Organisation und Durchführung der Zeltkirche 2017 gebildet, bestehend aus 16 Personen. Bei der nächsten Sitzung im Oktober soll der Kernteam-Leiter gewählt werden, ausdrücklich kein Pfarrer, wie Losch betont. Das Team stellt Überlegungen zu Themen und zur Gestaltung des Programm an.

Damit nicht genug: Die neue Konzeption der Zeltkirche sieht die Einbindung der örtlichen Vereine und Institutionen bei der Gestaltung der Zeltabende vor. Das können sowohl kultur- als auch sporttreibende Vereine sein, aber auch Schulen, Kindergärten oder Seniorenkreise. Die Zeltkirche stellt selbst namhafte Referenten zur Verfügung. Die Abende haben einen festen theologischen Rahmen und Bezug, ansonsten können sie höchst unterschiedlich sein. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel ein Candlelight-Dinner in der Zeltkirche. "Wir wollen auf die Menschen zugehen", sagt Pfarrer Losch.

Vorige Woche inspizierte Martin Heubach auf dem Balzheimer Schul- und Sportgelände den voraussichtlichen Standort der Zeltkirche 2017. Im Moment herrscht in den Gemeinden schon eine gewisse Vorfreude auf das gemeinsame Projekt. Aufbruchstimmung ist zu spüren.

 Von Harald Kächler 25. Juli 2015


2017 steht Zelt­kir­che in Balz­heim

Reformationsjubiläum ist Anlass für ein großartiges ökumenisches Projekt

Balzheim - In zwei Jahren jährt sich zum 500sten Mal der Thesenanschlag Martin Luthers - der Beginn der Reformation. Dann wird das Zelt der evangelischen Landeskirche Württemberg Anfang Juli für zwei Wochen in Balzheim stehen.

Möglich ist das durch eine einzigartige Kooperation der Kirchengemeinden des Unteren Illertals und anderer geistlicher Institutionen. Mit im Boot sind die katholischen Kirchengemeinden Dietenheim und Kirchberg, die evangelischen Kirchengemeinden Wain, Dietenheim, Kirchdorf und Balzheim sowie die Liebenzeller Gemeinschaft, der EC, das Kloster Brandenburg und die Unita Dei Christiani. Somit ist die Zeltkirche 2017 ein großartiges ökumenisches Projekt vor dem Hintergrund des Reformationsjubiläums, was der Balzheimer Pfarrer Harald W. Losch zu würdigen weiß: "Was sich vor 500 Jahren gespalten hat, kommt für dieses Projekt zusammen."

Schon im Oktober 2014 hatten der zuständige Zeltpfarrer Thomas Wingert und der Zeltmeister Martin Heubach die Konzeption der Zeltkirche dem Balzheimer Kirchengemeinderat vorgestellt. Pfarrer Losch und das Kollegium begannen daraufhin, in der nächsten Umgebung Kooperationspartner zu suchen - mit Erfolg. Im Januar kamen zahlreiche Vertreter der Kirchengemeinden und Institutionen in das Hans-Ehinger-Haus, wo Zeltpfarrer Wingert sie wohl so überzeugen konnte, dass eine Zusage nach der anderen kam. In der Folgezeit gelang es Pfarrer Losch, auch das Kloster Brandenburg und die Unita Dei Christiani für das Projekt zu gewinnen.

Am 29. Juni wurde in Balzheim das Kernteam für die Organisation und Durchführung der Zeltkirche 2017 gebildet, bestehend aus 16 Personen. Bei der nächsten Sitzung im Oktober soll der Kernteam-Leiter gewählt werden, ausdrücklich kein Pfarrer, wie Losch betont. Das Team stellt Überlegungen zu Themen und zur Gestaltung des Programm an.

Damit nicht genug: Die neue Konzeption der Zeltkirche sieht die Einbindung der örtlichen Vereine und Institutionen bei der Gestaltung der Zeltabende vor. Das können sowohl kultur- als auch sporttreibende Vereine sein, aber auch Schulen, Kindergärten oder Seniorenkreise. Die Zeltkirche stellt selbst namhafte Referenten zur Verfügung. Die Abende haben einen festen theologischen Rahmen und Bezug, ansonsten können sie höchst unterschiedlich sein. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel ein Candlelight-Dinner in der Zeltkirche. "Wir wollen auf die Menschen zugehen", sagt Pfarrer Losch.

Vorige Woche inspizierte Martin Heubach auf dem Balzheimer Schul- und Sportgelände den voraussichtlichen Standort der Zeltkirche 2017. Im Moment herrscht in den Gemeinden schon eine gewisse Vorfreude auf das gemeinsame Projekt. Aufbruchstimmung ist zu spüren.

 Von Harald Kächler 25. Juli 2015


Warum wir Bilder brauchen

Pfarrerin Andrea Luiking, Versöhnungskirche Ummendorf

Pfarrerin Andrea Luiking, Versöhnungskirche Ummendorf

Pfarrerin Andrea Luiking, Versöhnungskirche Ummendorf

Sie reißen es von den Wänden. Geben es den Flammen zum Fraß. Alles was nach alter Macht aussieht. Statuen der Heiligen genau so wie Gemälde. Oft gestiftet von reichen Christen, von weltlichen Herren für ihr eigenes Seelenheil. Im Rausch der Macht der Aktivisten wird es zerhackt. Holz splittert. Die heiligen Räume machen ihnen keine Angst mehr. Keine Ehrfurcht lässt sie mehr leise auftreten auf dem Steinboden unter dem Gewölbe. Jetzt rauscht das Blut in den Ohren. Sie rufen sich lauthals Parolen zu und sind berauscht vom Gefühl, das Richtige zu tun. Klarheit schaffen. Befreiungsschläge gegen Stellvertreter aus Holz und Farbe.

Die Kämpfer der Reformationszeit, zumindest manche, wollten radikal Schluss machen mit allen falschen Ansichten. So zogen sie im Jahr 1522 auch ins Ulmer Münster und rissen alles von den Wänden. Viele Kunstschätze hat dieser scheinbar eindeutige Befreiungsschlag zerstört. Martin Luther sah sich gefordert, dem Einhalt zu gebieten. Er kam zurück aus seiner Zuflucht auf der Wartburg. Und begann zu predigen, um die Radikalen und Gewalttäter zurückzuholen. Zurück zum Prüfen der Gedanken mithilfe von Gottes Wort, der Bibel. Luther erklärte: Bilder können auch hilfreich sein. Was das Geschenk Gottes verdeutlicht, ist nicht schädlich.

2015 haben wir das Themenjahr Reformation - Bild und Bibel. Auf dem Weg hin zum großen Jubiläum 2017, wenn wir 500 Jahre Martin Luther feiern, denken wir in diesem Jahr über die Bedeutung von Bildern nach. Besonders für die evangelische Kirche eine spannende Frage.

In der Versöhnungskirche in Ummendorf hängen oft Bilder. Bilder von Künstlern, die im Kirchenraum in Dialog treten mit der Botschaft des Evangeliums. Für mich ist bildende Kunst wie die Musik eine wunderbare Möglichkeit, um mich auf vielen Ebenen von Gottes Botschaft berühren zu lassen. Sie stellen Fragen und eröffnen persönliche Bezüge. Ohne gleich Antworten zu geben, deutungsoffen.

In diesen Wochen hängen Bilder an den Wänden, die die Konfirmanden und Konfirmandinnen gestaltet haben. Die Jugendlichen haben auf langen Papierbahnen Bibelverse mit Schablonen und frei Hand gesprüht und gemalt. Was der Bibelvers dem Einzelnen bedeutet, wird sichtbar. Ein persönlicher Ausdruck von Glauben.

Du sollst dir kein Bildnis (von Gott) machen - das Gebot aus dem 2. Buch Moses gehört zur Frage nach Bild und Glaube dazu. Es bewahrt uns davor, Gott festzuschreiben. Ihn auf bestimmte Bilder festzulegen. Zu meinen, wir wissen, wie er ist. Nicht ein einzelnes Bildnis trifft es. Dennoch braucht mein Glaube Bilder. Alles, was in mir lebendig ist, benötigt innere Bilder. Bilder, die mehr zeigen als ein Mensch sehen kann. Der Maler Paul Klee sagte: "Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar."

Kunst öffnet uns für eine offene und spürende Betrachtung der Welt. Moderne Kunst stellt festgefahrene Bilder in Frage. Genau wie der Glaube an Gott, der weiß, dass Gott immer mehr ist als unsere Bilder von ihm.

Pfarrerin Andrea Luiking, Evangelische Versöhnungskirche Ummendorf




Reformation 2017

Weshalb feiern wir Jubiläen? Gemeinsam gehen wir nun auf das Jubiläum 500 Jahre Reformation zu. Dieses Jubiläum zu feiern, bedeutet zu fragen: „Wo kommen wir her?“ „Sind wir noch auskunftsfähig darüber, was es heißt, evangelisch zu sein?“ Der 31.10.1517 gilt als der Geburtstag der Evangelischen Kirche. Mit seinem Thesenanschlag hat Luther Existenzfragen gestellt: wem verdanke ich mich? Was ist heilsam gegen meine Lebensängste? Diese Fragen sind heute genauso aktuell und müssen für unsere heutige Zeit beantwortet werden. Auch heute müssen Lebensängste bewältigt werden. Am Anfang und am Ende des Lebens und genauso in der Lebensspanne dazwischen sind wir vor diese Fragen gestellt, immer da, wo Menschen suggeriert wird, dass eine Leistung, eine Entscheidung zu erbringen ist, wo wir doch in Wahrheit empfangen: das Leben, das Sterben, die Gesundheit, die Menschenwürde. Das tiefe Wissen, dass ich trotz meiner Fehler, meiner Schwächen, meiner Behinderung, trotz meines Unvermögens und meines Versagens in Gnaden angenommen bin durch Christus ist eine evangelische Grundwahrheit.

Der Anspruch, Dinge, die schon immer so waren, in Frage zu stellen und nach Gründen zu suchen, nach Gründen in Christus, der bezeugt ist in der Heiligen Schrift, das ist eine evangelische Tugend. Was soll sein nach der Schrift, das ist auch heute eine wichtige Frage zur Bewältigung der Probleme der Gegenwart. Um die Argumente und Worte richtig gewichten zu können, dazu ist Bildung nötig und zwar für alle. Auch das ist eine evangelische Grundwahrheit.

Das Themenjahr 2015 in der Lutherdekade behandelt „Bild und Bibel“. Das hört sich banal an, ist aber hochaktuell, denn Lucas Cranachs Werkstatt hat zusammen mit der Erfindung des Buchdrucks die Gesichter der Reformation zu einem Medienereignis gemacht. Hochaktuell heute, wo uns Bilder überall umgeben, wo Bildwelten uns erklären wollen, was die Wahrheit sein soll und uns Propaganda und Angst medial bis ins Wohnzimmer verfolgen. Die Macht von Bildern und die Verführung durch Bilder, das ist heute hochaktuell.

Weshalb also feiern wir das Lutherjubiläum? Wir wollen Antworten finden auf die Fragen unserer Zeit, angestoßen von den Fragen, die vor 500 Jahren die Herzen der Menschen bewegte.
Ihre
Isabella Lehnert-Werner


Reformationsjubiläum