200 Jahre Kirchenbezirk Biberach - Ein Grund zum Feiern

Dekan Hellger Koepff

Seit 1810 hat Biberach einen Dekan. 1806 kam die ehemals freie Reichsstadt nach 3 badischen Jahren zu Württemberg und wurde Oberamtsstadt. Das damit verbundene Provisorium wurde mit Dekret vom 23. November 1810 offiziell zum Dekanat erhoben.

 

Johann Wilhelm Volz, seit 26. Mai 1803 Churfürstlich Badischer 1. Special und Kirchenrat und ab 24. Februar 1807 Königlich Württembergischer Geistlicher Rat wurde erster Dekan in Biberach. Evangelische Christen gibt es seit den Tagen der Reformation in Oberschwaben. Sie waren und sind konfessionell meist in der Minderheit. In der Diaspora nahmen sie lange Wege auf sich, um

ihren Gottesdienst zu feiern oder die Kinder in eine evangelische Schule zu schicken. Diese Wurzeln prägen das Selbstverständnis vieler Kirchengemeinden bis heute.

 

Einige Orte sind seit Jahrhunderten evangelisch: Balzheim, Wain, Oberholzheim, Ersingen, Pflummern und Attenweiler. Die Stadt Biberach selbst ist in besonderer Weise von der Bikonfessionalität geprägt, die sich über die Jahrhunderte meist als Miteinander, gelegentlich auch als Gegeneinander ausdrückte. Die Stadtpfarrkirche St. Martin, einst von der Biberacher Bürgerschaft als ihre Kirche errichtet, wird mit der Einführung der

Reformation 1531 zur evangelischen Stadtpfarrkirche. 17 Jahre später räumt Kaiser Karl V. den katholischen Christen das Recht ein, hier so lange die Messe zu feiern, bis eine zweite angemessene Kirche errichtet sei. Das geschah bis heute nicht. So wird seit 13. August 1548 die Stadtpfarrkirche St. Martin ununterbrochen als Simultaneum von der evangelischen wie der katholischen Gemeinde genutzt.

 

Mit der Säkularisation und der Aufhebung der Reichsstädte ab 1803 wurde Oberschwaben württembergisch. Königliche Beamte und Eisenbahner kamen als Evangelische in den Landstrich zwischen Ulm und Bodensee. Entlang der „Schwäbischen Eisenbahn“ entstanden evangelische Gemeinden – etwa in Aulendorf.

 

Durch Flüchtlinge nach 1945, Arbeitsmigration und zuletzt durch die

Zuwanderung russlanddeutscher Evangelischer wuchsen die

Gemeindegliederzahlen bis 2006 kontinuierlich an.

 

Heute sind rund 40 Pfarrerinnen und Pfarrer in 25 Gemeinden Ansprechpartner für Seelsorge und Gottesdienst. Sie unterrichten in Schulen und begleiten die Aktivitäten der Gemeinden. Gemeinsam mit der katholischen Schwesterkirche und anderen christlichen Kirchen stellen sich der Kirchenbezirk und die Gemeinden der Aufgabe, das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat zu verkündigen. Damit wollen wir das Leben der Menschen in der Region sowie die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen im Geist Jesu Christi mitgestalten. In diesem Sinne sind wir auch als Minderheit Volkskirche. 

 

Dekan Hellger Koepff 

Bilder vom Ökumenischen Kirchentag 2010

Bilder vom Ökumenischen Kirchentag in München 2010

Bilder vom Ökumenischen Eröffnungsgottesdienst der Woche für das Leben