© Schwäbische Zeitung 09.08.2018

Zusammen mit Mitarbeitern der Firma Baugrund Süd freuen sich Bauhütte und Stiftung (mit den Simultaneumsschürzen) für die Stadtpfarrkirche St. Martin über den Beginn der Bohrungen. Architektin Christina Butz (auf dem Bagger) überwacht die Arbeiten, Roland Koenigsdorff (links) steht beratend zur Seite. Foto: privat

Grund­was­ser sorgt für Wär­me in der Kir­che

Bauarbeiten in der Biberacher Stadtpfarrkirche gehen weiter voran


Biberach - Die Renovierung der Biberacher Stadtpfarrkirche läuft auf Hochtouren: Am Montagmorgen wurde mit Brunnenbohrungen auf dem Kirchplatz begonnen. Vertreter der Bauhütte Simultaneum und der Gemeinschaftlichen Kirchenpflege ließen es sich nicht nehmen, auf diesen nächsten Schritt für die Temperierung der Stadtpfarrkirche anzustoßen.

Für die Temperierung soll künftig Grundwasser entnommen werden. Diesem wird Wärme entzogen, bevor es über einen zweiten Brunnen wieder dem Erdreich zugeführt wird. Dafür werden zwei Brunnenschächte 15 Meter tief gebohrt mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern. Knapp unter der Oberfläche wird eine Brunnenstube eingebracht, die die Pumpen aufnimmt.

"Die Energie für die Fußbodentemperierung soll nachhaltig gewonnen werden, dafür ist die Bauhütte immer eingetreten", betont Hans Beck, Vorsitzender des Fördervereins und freut sich, dass das technisch umgesetzt werden kann. "Mit dem Geld, das die Menschen uns anvertrauen, gehen wir sorgsam um, darum unterstützen wir eine nachhaltige Lösung, auch wenn die Baukosten höher sind als bei einer Gasfeuerung", ergänzt Ulrich Heinkele, stellvertretender Vorsitzender.

Gemeinsam mit Roland Koenigsdorff von der Hochschule Biberach wurde das Konzept entwickelt. "Wir sind für das Engagement der Hochschule sehr dankbar", unterstreicht Dekan Hellger Koepff als Vorstand der Stiftung, die Eigentümerin der Kirche ist. Pfarrer Ulrich Heinzelmann hebt die Ökumene am Simultaneum hervor: "Auch wenn niemand von den katholischen Kollegen heute früh da sein kann, wir sind froh, dass wir einander haben. Denn das können wir nur ökumenisch schaffen."

© Schwäbische Zeitung 07.08.2018

Ein gleichgeschlechtliches Paar vor seiner öffentlichen Segnung: Bundesweit ist dieser Schritt nur in der Evangelischen Landeskirche Württemberg noch untersagt.

Ul­mer Chris­ten wol­len Seg­nung für ho­mo­se­xu­el­le Paa­re

Gesamtkirchenbeirat stellt sich gegen Synodenbeschluss - Südwest-Kirche letzte Bastion der Segnungs-Gegner

Ulm - Der evangelische Gesamtkirchengemeinderat Ulm will es gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglichen, dass sie in Ulmer Kirchen ihren Segnungsgottesdienst feiern dürfen. Der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl sagte am Montag, dass das Gremium mit diesem Beschluss ausdrücklich die Bemühungen unterstütze, auch in Württemberg die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu ermöglichen. Bei der Herbstsynode der evangelischen Kirche in Württemberg war der Antrag, die öffentliche Segnung solcher Paare zu erlauben, knapp an der Zwei-Drittel-Mehrheit gescheitert. Gohl rechnet damit, dass die Synode spätestens im kommenden Frühjahr erneut über die öffentliche Segnung homosexueller Paare diskutieren wird.

Das Thema wird in der Landeskirche kontrovers diskutiert - einzelne Pfarrer haben erklärt, auch ohne entsprechenden Synodenbeschluss homosexuelle Paare öffentlich zu segnen. Dies lehnen Landesbischof Otfried July und auch die Ulmer Protestanten ohne kirchenrechtliche Grundlage ab: Man wolle die Institution nicht schwächen. Daher strebt July eine zeitnahe Einigung an - und das wird vom Ulmer Gesamtkirchengemeinderat nun ausdrücklich unterstützt.

Allerdings ist die Zahl der Paare, die sich eine kirchliche Segnung wünschen, überschaubar: In Tübingen gab es in den vergangenen fünf Jahren drei Anfragen, in zwei Fällen fand dann tatsächlich eine Segnung statt. "Ich rechne mit Schnitt etwa mit einer pro Jahr in Ulm", sagt Dekan Gohl.

Derzeit steht es homosexuell empfindenden Menschen in Württemberg nur offen, sich im Rahmen der Seelsorge privat segnen zu lassen. Dabei werden die Menschen gesegnet, nicht die Partnerschaft. In allen anderen Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sind öffentliche Segnungsfeiern oder gottesdienstliche Trauungen inzwischen möglich.

Mit der Ulmer Initiative könnte Bewegung in die festgefahrene Diskussion kommen, hofft Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Er hat die Erfahrung gemacht, "dass unsere Basis sich eine Lösung wünscht." Die Basis bilden in Ulm 20 000 evangelische Christen in sechs Gemeinden, die der Gesamtkirchengemeinderat Ulm vertritt. Der Blick auf homosexuelle Menschen habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Der Wunsch nach Segen sei besonders stark in Übergangsmomenten des Lebens wie der Taufe, der Konfirmation, dem Beginn des Zusammenlebens. Dann werde besonders deutlich, dass das Leben immer gefährdet und schutzbedürftig ist, sagt Gohl.

Gegner, vor allem die in Württemberg stark vertretenen Pietisten, begründen ihre ablehnende Haltung mit entsprechenden Bibelpassagen, die ihrer Meinung nach nicht mit Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren vereinbar sind. Die Bewegung "Lebendige Gemeinde" schreibt: "Die Ehe von Mann und Frau ist nach evangelischem Verständnis zwar kein Sakrament, aber eine göttliche Ordnung."

Die Gegner der homosexuellen Ehe führen weiter an, dass die Ehe zwar laut Luther ein "weltlich Ding" sei, dies aber nicht für Homosexuelle gelte. Diese könnten nur eine Partnerschaft eingehen und keine Ehe, weil diese nur Mann und Frau vorbehalten sei.

Regelung noch vor Kirchenwahlen


"Jesus hat sich mit keiner Silbe zum Thema Homosexualität geäußert", sagt der liberale Ulmer Dekan Gohl. Er will die Diskussion aus dem Vorfeld der nächsten Kirchenwahlen im November 2019 heraushalten: "Sonst wird es kein anderes Thema geben." Und sollte die Synode sich im Frühjahr 2019 nicht mit Zwei-Drittel-Mehrheit auf eine Regelung einigen können, dann soll eine Handreichung zur Gottesdienstordnung erstellt werden, für die eine einfache Mehrheit ausreicht. Wie Gohl betont, solle kein Pfarrer zur Segnung gleichgeschlechtlicher Pfarrer gezwungen werden. "Wenn Pfarrer, sagen, ich kann das mit meinem biblischen Verständnis nicht vereinbaren, ist das halt so."