© Schwäbische Zeitung 31.08.2018

Guter Dinge: Janis Unterweger startet am Sonntag mit dieser Seifenkiste, die er zusammen mit seinem Papa gebaut hat. Fotos: roland ray

In Wain rol­len die Sei­fen­kis­ten

Beim Rennen am Sonntag sind zwei Dutzend Fahrzeuge am Start

Wain -
Ein Hauch von Hockenheim weht durch Wain. Zwei Dutzend Piloten - Kinder, Jugendliche und Erwachsene - gehen am Sonntag, 2. September, beim 4. Seifenkistenrennen an den Start. Veranstalter ist die Evangelische Kirchengemeinde mit Posaunenchor und Kinderkirche. Seit Wochen tüfteln findige Köpfe an den "Boliden". Im Freien und in Garagen wird gehämmert und gebohrt, geflext und geschraubt, regelmäßig rücken Teams zu Testfahrten aus.

Auch in diesem Jahr sind etliche Neulinge dabei. Martin Walcher (54) und sein Sohn Timo (19) zählen dazu: "Wir haben uns gesagt: jetzt oder nie." Ihre Seifenkiste ist, wie vom Reglement gefordert, Marke Eigenbau. "Wir haben nur die Hinterachse und die vier Räder zugekauft", berichten sie. Alles andere war zur Hand und zeugt von Kreativität. Ein Holzbrett dient als Chassis, Vorderachse und Überrollbügel stammen von einem Bollerwagen. Mit dem Lenkrad wurde früher ein Skibob gesteuert, der Fahrersitz diente ehedem als Gartenstuhl. Der Stiel einer Axt fungiert als Bremshebel, mit dem man einen Gummipuffer geschwindigkeitsmindernd auf den Asphalt drückt.

Mit diesem Gefährt wollen die Walchers am Sonntag mitmischen. "Zwei Durchgänge werden gefahren, wir teilen uns das auf", sagt Martin Walcher, Berufskraftfahrer und voraussichtlich der Senior im Feld.

"Die läuft prima"

Zu den Jüngsten wird Janis Unterweger gehören. Sein Papa Hans-Jörg hat zusammen mit dem Zehnjährigen eine Seifenkiste konstruiert. Klassischer Holzaufbau, Hinterreifen und Rahmen stammen von einem Fahrradanhänger, gelenkt wird mithilfe von Seilzügen. Stolz schiebt der Junior den Renner auf die abschüssige Straße vor seinem Elternhaus, steigt ein und nimmt Tempo auf.

"Die läuft prima", lobt Markus Schließer (51). Er hat den Wettbewerb 1999 ins Leben gerufen. Als Leiter der Kinderkirche sann er damals nach Möglichkeiten, mit den vielen Jungs in der Gruppe die Freizeit zu gestalten, und hatte die zündende Idee: "Wir bauen Seifenkisten und tragen ein Rennen aus."

2005 und 2011, jeweils nach sechs Jahren, gab es eine Neuauflage. Dieses Mal sind sieben Jahre verstrichen - "im Luther-Jahr 2017 war so viel los, deshalb haben wir das Rennen auf 2018 verschoben", erklärt Schließer. Bei der Organisation stehen ihm unverändert Christian Geiger und Markus Neuhauser zur Seite. Gestartet wird in zwei Klassen: der "Formel 1" für Neun- bis 13-Jährige und der "Formel 2" (ab 14, ohne Alterslimit). In beiden Klassen werden zwei Läufe gefahren auf einer rund 500 Meter langen, von Strohballen gesäumten Strecke am "Brand", zwischen Auttagershofen und der Landstraße nach Dietenheim, unweit des Koblerhofs. "Die Piste weist ein ordentliches Gefälle auf", sagt Markus Schließer, und kurz vor dem Ziel eine Rechtskurve, die es in sich hat.

Schutzhelm und abriebfeste Kleidung sind vorgeschrieben. Beim "Seifenkisten-TÜV" am Samstag überprüfen Schließer und Co. die Sicherheit und Fahrtüchtigkeit der Boliden. Mängel müssen an Ort und Stelle behoben werden. "Zu unserem TÜV kommen immer ziemlich viele Leute", erzählt Schließer. "Die Teams sind neugierig, was die Konkurrenz auf die Räder gestellt hat."

Der Rennsonntag beginnt um 9 Uhr mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Wainer Michaelskirche. Danach chauffiert ein "Renn-Taxi" (Bulldog mit Anhänger) die Fahrer zur Strecke. Um 11 Uhr senkt sich die Startflagge für die "Formel 1", etwa ab 12.15 Uhr sind die älteren Piloten an der Reihe. Gegen 13.30 Uhr ist Siegerehrung.

"Wir stoppen die gefahrenen Zeiten", sagt Markus Schließer. Wer der Schnellste ist, das sei aber nicht entscheidend. "Der Spaß und das Gemeinschaftserlebnis sollen im Vordergrund stehen. Jeder, der teilnimmt, ist ein Sieger." Und deshalb bekommt auch jeder einen Preis überreicht. Die Jury prämiert zudem die originellste Seifenkiste mit einem Sonderpreis.

Das Seifenkistenrennen ist Teil des Sommerferienprogramms der Gemeinde Wain. Der Posaunenchor bewirtet die Zuschauer mit Grillfleisch, Wecken und Getränken, außerdem ist eine mobile Eisdiele vor Ort. Bei starkem Regen wird das Rennen um zwei Wochen verschoben.

© Schwäbische Zeitung 09.08.2018

Zusammen mit Mitarbeitern der Firma Baugrund Süd freuen sich Bauhütte und Stiftung (mit den Simultaneumsschürzen) für die Stadtpfarrkirche St. Martin über den Beginn der Bohrungen. Architektin Christina Butz (auf dem Bagger) überwacht die Arbeiten, Roland Koenigsdorff (links) steht beratend zur Seite. Foto: privat

Grund­was­ser sorgt für Wär­me in der Kir­che

Bauarbeiten in der Biberacher Stadtpfarrkirche gehen weiter voran


Biberach - Die Renovierung der Biberacher Stadtpfarrkirche läuft auf Hochtouren: Am Montagmorgen wurde mit Brunnenbohrungen auf dem Kirchplatz begonnen. Vertreter der Bauhütte Simultaneum und der Gemeinschaftlichen Kirchenpflege ließen es sich nicht nehmen, auf diesen nächsten Schritt für die Temperierung der Stadtpfarrkirche anzustoßen.

Für die Temperierung soll künftig Grundwasser entnommen werden. Diesem wird Wärme entzogen, bevor es über einen zweiten Brunnen wieder dem Erdreich zugeführt wird. Dafür werden zwei Brunnenschächte 15 Meter tief gebohrt mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern. Knapp unter der Oberfläche wird eine Brunnenstube eingebracht, die die Pumpen aufnimmt.

"Die Energie für die Fußbodentemperierung soll nachhaltig gewonnen werden, dafür ist die Bauhütte immer eingetreten", betont Hans Beck, Vorsitzender des Fördervereins und freut sich, dass das technisch umgesetzt werden kann. "Mit dem Geld, das die Menschen uns anvertrauen, gehen wir sorgsam um, darum unterstützen wir eine nachhaltige Lösung, auch wenn die Baukosten höher sind als bei einer Gasfeuerung", ergänzt Ulrich Heinkele, stellvertretender Vorsitzender.

Gemeinsam mit Roland Koenigsdorff von der Hochschule Biberach wurde das Konzept entwickelt. "Wir sind für das Engagement der Hochschule sehr dankbar", unterstreicht Dekan Hellger Koepff als Vorstand der Stiftung, die Eigentümerin der Kirche ist. Pfarrer Ulrich Heinzelmann hebt die Ökumene am Simultaneum hervor: "Auch wenn niemand von den katholischen Kollegen heute früh da sein kann, wir sind froh, dass wir einander haben. Denn das können wir nur ökumenisch schaffen."

© Schwäbische Zeitung 07.08.2018

Ein gleichgeschlechtliches Paar vor seiner öffentlichen Segnung: Bundesweit ist dieser Schritt nur in der Evangelischen Landeskirche Württemberg noch untersagt.

Ul­mer Chris­ten wol­len Seg­nung für ho­mo­se­xu­el­le Paa­re

Gesamtkirchenbeirat stellt sich gegen Synodenbeschluss - Südwest-Kirche letzte Bastion der Segnungs-Gegner

Ulm - Der evangelische Gesamtkirchengemeinderat Ulm will es gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglichen, dass sie in Ulmer Kirchen ihren Segnungsgottesdienst feiern dürfen. Der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl sagte am Montag, dass das Gremium mit diesem Beschluss ausdrücklich die Bemühungen unterstütze, auch in Württemberg die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu ermöglichen. Bei der Herbstsynode der evangelischen Kirche in Württemberg war der Antrag, die öffentliche Segnung solcher Paare zu erlauben, knapp an der Zwei-Drittel-Mehrheit gescheitert. Gohl rechnet damit, dass die Synode spätestens im kommenden Frühjahr erneut über die öffentliche Segnung homosexueller Paare diskutieren wird.

Das Thema wird in der Landeskirche kontrovers diskutiert - einzelne Pfarrer haben erklärt, auch ohne entsprechenden Synodenbeschluss homosexuelle Paare öffentlich zu segnen. Dies lehnen Landesbischof Otfried July und auch die Ulmer Protestanten ohne kirchenrechtliche Grundlage ab: Man wolle die Institution nicht schwächen. Daher strebt July eine zeitnahe Einigung an - und das wird vom Ulmer Gesamtkirchengemeinderat nun ausdrücklich unterstützt.

Allerdings ist die Zahl der Paare, die sich eine kirchliche Segnung wünschen, überschaubar: In Tübingen gab es in den vergangenen fünf Jahren drei Anfragen, in zwei Fällen fand dann tatsächlich eine Segnung statt. "Ich rechne mit Schnitt etwa mit einer pro Jahr in Ulm", sagt Dekan Gohl.

Derzeit steht es homosexuell empfindenden Menschen in Württemberg nur offen, sich im Rahmen der Seelsorge privat segnen zu lassen. Dabei werden die Menschen gesegnet, nicht die Partnerschaft. In allen anderen Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sind öffentliche Segnungsfeiern oder gottesdienstliche Trauungen inzwischen möglich.

Mit der Ulmer Initiative könnte Bewegung in die festgefahrene Diskussion kommen, hofft Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Er hat die Erfahrung gemacht, "dass unsere Basis sich eine Lösung wünscht." Die Basis bilden in Ulm 20 000 evangelische Christen in sechs Gemeinden, die der Gesamtkirchengemeinderat Ulm vertritt. Der Blick auf homosexuelle Menschen habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Der Wunsch nach Segen sei besonders stark in Übergangsmomenten des Lebens wie der Taufe, der Konfirmation, dem Beginn des Zusammenlebens. Dann werde besonders deutlich, dass das Leben immer gefährdet und schutzbedürftig ist, sagt Gohl.

Gegner, vor allem die in Württemberg stark vertretenen Pietisten, begründen ihre ablehnende Haltung mit entsprechenden Bibelpassagen, die ihrer Meinung nach nicht mit Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren vereinbar sind. Die Bewegung "Lebendige Gemeinde" schreibt: "Die Ehe von Mann und Frau ist nach evangelischem Verständnis zwar kein Sakrament, aber eine göttliche Ordnung."

Die Gegner der homosexuellen Ehe führen weiter an, dass die Ehe zwar laut Luther ein "weltlich Ding" sei, dies aber nicht für Homosexuelle gelte. Diese könnten nur eine Partnerschaft eingehen und keine Ehe, weil diese nur Mann und Frau vorbehalten sei.

Regelung noch vor Kirchenwahlen


"Jesus hat sich mit keiner Silbe zum Thema Homosexualität geäußert", sagt der liberale Ulmer Dekan Gohl. Er will die Diskussion aus dem Vorfeld der nächsten Kirchenwahlen im November 2019 heraushalten: "Sonst wird es kein anderes Thema geben." Und sollte die Synode sich im Frühjahr 2019 nicht mit Zwei-Drittel-Mehrheit auf eine Regelung einigen können, dann soll eine Handreichung zur Gottesdienstordnung erstellt werden, für die eine einfache Mehrheit ausreicht. Wie Gohl betont, solle kein Pfarrer zur Segnung gleichgeschlechtlicher Pfarrer gezwungen werden. "Wenn Pfarrer, sagen, ich kann das mit meinem biblischen Verständnis nicht vereinbaren, ist das halt so."