© Schwäbische Zeitung 15.09.2018

Sie suchen künftige Pflegebegleiter für einen Vorbereitungskurs in Laupheim: (von links) Irene Richter (Diakonie), Ursula Schulz (Caritas), Pfarrer Peter Schmogro (Diakonie-Bezirksstelle Biberach). Foto: Roland ray


Das Ziel: Pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge ent­las­ten
Pflegebegleiter-Initiative im Kreis Biberach bietet Vorbereitungskurs in Laupheim an

Von Roland Ray 15. September 2018

Laupheim - Weit über 5000 pflegebedürftige Menschen leben im Kreis Biberach, die Mehrzahl wird zu Hause betreut. Für die Angehörigen ist das oft eine kräftezehrende Situation. Caritas und Diakonie bilden ehrenamtlich tätige Pflegebegleiter aus, die ihnen zur Seite stehen. Am 10. Oktober beginnt in Laupheim ein Vorbereitungskurs.

"Die pflegenden Angehörigen sind der größte Pflegedienst in Deutschland", sagt Pfarrer Peter Schmogro, Gesamtleiter der Diakonie-Bezirksstelle Biberach. Für viele von ihnen sei es selbstverständlich, ein krankes oder gebrechliches Familienmitglied daheim zu betreuen; auch könne sich nicht jeder einen Platz im Pflegeheim leisten. Einen Pflegefall zu Hause zu versorgen, könne freilich an die eigene Substanz gehen, weiß Schmogro: "Menschen, die das leisten, fühlen sich häufig unter Druck und sind vielfachen Belastungen ausgesetzt. Die Pflegebegleiter-Initiative möchte sie ein Stück weit entlasten."

Seit 2010 gibt es dieses Angebot im Landkreis Biberach. Träger sind die Fachdienste "Hilfen im Alter" von Caritas und Diakonie; finanziell unterstützt werden sie vom Land, vom Landkreis und von den Pflegekassen. Drei Dutzend Ehrenamtliche - bisher ausnahmslos Frauen - haben die Ausbildung zum Pflegebegleiter durchlaufen. Sie treffen sich regelmäßig zum Austausch und zu Fortbildungen und werden ihrerseits fachlich begleitet. Die Jüngsten, die derzeit aktiv sind, sind um die 30, die Ältesten 80. Zwei Vorbereitungskurse fanden in Biberach statt, einer in Ochsenhausen.

"Mit dem neuen Kurs, der am 17. Oktober startet, wollen wir einen Schwerpunkt auf den Raum Laup-heim legen", sagt Irene Richter, hauptamtliche Mitarbeiterin der Diakonie. Er dauert bis April 2019 und umfasst 60 Unterrichtseinheiten, die sich auf elf Termine, immer mittwochs oder samstags, verteilen. "Unsere angehenden Pflegebegleiter werden intensiv geschult", erklärt Richter. "Niemand wird ins kalte Wasser geworfen." Vermittelt werden unter anderem rechtliche Gundlagen, wie man Gespräche führt und kranken und behinderten Menschen begegnet. "Darüber hinaus versuchen wir spezielle Interessen der Teilnehmer aufzugreifen. Sie können sich mit ihrem persönlichen und beruflichen Hintergrund einbringen und bei ihrem unentgeltlichen Wirken auch eigene Schwerpunkte setzen", sagt Ursula Schulz aus Tannheim, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Caritas; sie leitet zusammen mit Irene Richter den Kurs.

Zuhören, Lösungen suchen, Brücken schlagen

Was tun Pflegebegleiter? Sie nehmen auf Anfrage Kontakt mit pflegenden Angehörigen auf, oder aus eigener Initiative, wenn sie in ihrem Umfeld Unterstützungsbedarf erkennen. Sie verstehen sich als Vertrauenspersonen, unterliegen der Schweigepflicht, stehen für Gespräche, Telefonate und Treffen bereit, suchen gemeinsam mit den Angehörigen Lösungen, schlagen Brücken zu Behörden, Beratungsstellen und Pflegediensten. Nicht zuletzt ermutigen sie Pflegende, auch an sich und die eigenen Bedürfnisse zu denken, und zeigen Entlastungsmöglichkeiten auf. Die Pflegenden sollen Wertschätzung erfahren und sich nicht alleingelassen fühlen.

Die Pflegebegleiter bestimmen selbst den zeitlichen Umfang ihres Engagements. Sie übernehmen keine pflegerischen Tätigkeiten. "Auf diesem Gebiet machen wir niemandem Konkurrenz", betont Peter Schmogro. Es gibt keine konfessionellen Schranken.

Mit Blick auf die demografische Entwicklung und den aktuellen Pflegenotstand sagt Schmogro, es sei ein Gebot der Stunde, Strukturen vorzubereiten und vorzuhalten, um die Pflege alter und kranker Menschen künftig stemmen zu können. "Dabei muss vieles aus der Gesellschaft heraus geleistet werden. Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

Der Vorbereitungskurs in Laup-heim dauert von Oktober 2018 bis April 2019. Die Schulungstermine sind mittwochs von 14 bis 17 Uhr und samstags von 9 bis 16.30 Uhr, und zwar am 17. Oktober, am 7. und 17. November, am 5. Dezember, am 12. und 23. Januar, am 6. und 23. Februar, am 16. und 20. März und am 3. April. Schulungsort ist das Spitalstüble in Laup-heim, Marktplatz 11.

Die Kurskosten werden durch das Projekt getragen.
Anmeldung bis 10. Oktober bei: Irene Richter, Telefon 0174/5836736,
richter@diakonie-biberach.de; und bei Ursula Schulz, Telefon 08395/9108670, ursula_schulz51@gmx.de.

Weitere Infos unter www.netzwerk-pflegebegleitung.de.

© Schwäbische Zeitung 04.09.2018

Der Posaunenchor Biberach brachte zwei Seifenkisten an den Start.

In der Not ist eine Er­satz­mut­ter schnell ge­fun­den

Das Wainer Seifenkistenrennen hat hohen Unterhaltungswert: Mit Bremsfallschirm und verstellbarem Heckspoiler geht es bergab

Besorgter Anruf am Sonntagmorgen bei Markus Schließer: Wird das Seifenkistenrennen wegen des Nieselregens verschoben? "Ach was", flachst der 51-Jährige, der den Wettbewerb 1999 initiiert hat, "über Wain scheint doch die Sonne." Um dann, von neusten Vorhersagen zuversichtlich gestimmt, zu verkünden: "Wir starten. Über Mittag klart es auf."

Nun ja, die Wolken hängen weiter tief über Auttagershofen, als ab 11 Uhr um die Wette gefahren wird. Es bleibt aber tatsächlich trocken - Piste frei für 24 Seifenkisten Marke Eigenbau, mit zum Teil unkonventionellen Zutaten von findigen Köpfen kreiert und von einem Renn-TÜV auf Fahr-tüchtigkeit geprüft. Väter, die schon vor bald 20 Jahren bergab sausten, haben mit ihren Söhnen neue Kisten gebaut, gestandene Männer ihre alten reaktiviert. Sie wollen auch 2018 mitmischen, was denn sonst!

Lieben muss man dieses vom Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde veranstaltete Rennen allein schon wegen der familiären Atmosphäre. Jeder kennt jeden. Einige Zuschauer säumen den mit Strohballen gesicherten unteren Teil der Strecke. Die meisten stehen oder sitzen, vorzüglich bewirtet, an der Ziellinie und feiern die Piloten.

Markus Schließer greift zum Mikrofon. Über Funk hält er Kontakt auf den Berg. Los geht's! Die jüngsten Piloten bilden eine eigene Rennklasse, die "Formel 1". Den Anfang macht Julian Unterweger, mit acht Jahren der Benjamin im Feld. Mit einem Lachen im Gesicht rollt er ins Ziel. Prasselnder Beifall ist ihm und den anderen fünf Junioren gewiss.

Im zweiten Lauf droht einem "Formel 1"-Boliden, der am Start steht, der technische K.o. An einer Seilklemme der Lenkung fehlt eine M 4-Mutter. Ein wichtiges Teil. "Kann jemand helfen?" fragt Markus Schließer. Na klar. Und Theo Böhringer schwingt sich auf seinen Motorroller und bringt die Ersatzmutter auf den Berg.

Nach einer Pause ist die "Formel 2" am Zug. Das sind in Wain die deutlich schnelleren Modelle, die Fahrer unterliegen keinem Alterslimit. Der Start wird einige Meter weiter bergauf verlegt, das bringt mehr Schwung. Dann sausen 18 Kisten im Minutentakt den Hang hinab. Der Unterhaltungswert ist enorm. Simon Böhringer betätigt fleißig die Hupe an seinem blauen "Bugatti", David Ruopp klappt im Ziel einen Bremsfallschirm aus. Der Renner von Matthias und Johannes Schließer verliert unterwegs ein Stützrad und eiert. Sven Ottingers Kiste, von der Rennkommission zur originellsten gekürt und mit einem Sonderpreis belohnt, verfügt über einen verstellbaren Heckspoiler - bei Spitzengeschwindigkeiten von fast 50 km/h durchaus zu empfehlen. Karin Frey, einzige Pilotin im Feld, chauffiert eine Konstruktion ihres 13-jährigen Sohnes Amos. Ihr Motto: "Dabei sein ist alles." Alle bleiben unfallfrei.

Die Gewinner der voraufgegangenen Rennen 2005 und 2011, Markus Neuhauser und Markus Schließer, wollen einander nur allzu gern übertrumpfen. Ehrgeiz blitzt auf, man frotzelt einander. Lachender Dritter und Sieger 2018 ist am Ende Stephan Schließer, hauchdünn hat sein Renner die Räder vorn. Die "Formel 1" gewinnt Jonas Fromm. Freilich: Der Spaß und das Gemeinschaftserlebnis sollen im Vordergrund stehen und jeder sich als Sieger fühlen. Deshalb gibt's am Ende auch für jeden Teilnehmer einen kleinen Preis.

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