© Schwäbische Zeitung 19.02.2019

Die Diakonische Bezirksstelle unterstützt Menschen, die Probleme haben, in vielfältiger Weise: (v. l.) Albrecht Weil, Thomas Opitz, Peter Schmogro und Hellger Koepff

Sie helfen in schwierigen Lebenslagen

Thomas Opitz ist seit Kurzem Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle

Seit rund 100 Tagen ist Thomas Opitz Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Biberach der evangelischen Kirche. Damit dieser jahrhundertealte Grundauftrag der Kirche weitergeführt werden kann, muss der 53-Jährige sich ganz aktuellen Herausforderungen stellen.

Fragt man Passanten, was eigentlich "Diakonie" ist, bekommt man von vielen vermutlich die Antwort: "Irgendwas mit Kirche oder so." Das stimmt. Wie beides aber gerade im Bereich der evangelischen Kirche zusammengehört, wissen jedoch viele nicht. "Diakonie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Dienst". "Diakonie gehört seit jeher zum christlichen Glauben, und zwar als Auftrag, sich um die Menschen zu kümmern, die schwach sind, Hilfe brauchen oder in Schwierigkeiten stecken", sagt Dekan Hellger Koepff, Vorsitzender des Evangelischen Kirchenbezirks Biberach. Auf evangelischer Seite wird der Begriff "Diakonie" auch dafür verwandt, um die zuständigen Stellen zu benennen, die sich um die genannten Aufgaben kümmern.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Diakonie in den verschiedenen evangelischen Kirchenbezirken in ganz unterschiedlichen Bereichen ausgeprägt. So kam es in Biberach 1868 beispielsweise zur Gründung eines Krankenpflegevereins, der bis heute fortbesteht. "Die einzelnen Kirchengemeinden schaffen es nicht, sich um alle Themen zu kümmern, bei denen Menschen Hilfe benötigen", sagt Koepff. "Wir übernehmen deshalb auf der Ebene der Diakonischen Bezirksstelle die Dinge, die die Kirchengemeinden überfordern, zum Teil auch in Kooperation mit einzelnen Kirchengemeinden." So ist in Biberach neben den Hilfen im Alter, dem Gemeindepsychiatrischen Zentrum, der ökumenischen Flüchtlingsarbeit (in Kooperation mit der katholischen Caritas), verschiedenen Ladenprojekten auch der sogenannte Grunddienst bei der Bezirksstelle angesiedelt, ein niederschwelliges Beratungsangebot. "Jeder kann dort mit seinen Problemen zu uns kommen", sagt Diakoniepfarrer Peter Schmogro.

Zum Grunddienst zählt Beratung in den Bereichen Partnerschaft, Erziehungsfragen, psychische und materielle Probleme, Arbeitslosigkeit, schwierige Wohnverhältnisse, Probleme mit Behörden und auch Hilfe bei der Kurvermittlung. "Viele dieser Probleme hängen zusammen. Wir klären, wo man zuerst mit der Hilfe ansetzt und fungieren als Türöffner", so Koepff. Mit rund 250 Fällen, die meist mehrere Termine erfordern, haben es die sechs Berater des Grunddiensts pro Jahr zu tun. Rund 200 000 Euro stehen für diese Arbeit zur Verfügung. "Ich weiß, wie schnell man von der positiven Seite des Lebens auf die negative kommen kann", sagt Geschäftsführer Opitz. Der Bayreuther ist Sozialpädagoge und Betriebswirt. 16 Jahre war er in der beruflichen Weiterbildung tätig, des Weiteren Sozialdienstleiter bei der Diakonie in Bayreuth, zuletzt Leiter des Wohnverbunds Salzach-Inn, der sich um Wohnangebote für psychisch Kranke kümmert. Durch seine Partnerin, die aus Oberschwaben stammt, kam es im November 2018 zum Wechsel in die Diakonische Bezirksstelle Biberach. Hier ist er zuständig für rund 20 festangestellte und rund 150 ehrenamtliche Mitarbeiter.

"Ich bin hier zwar noch in der Lernphase, aber ich bringe einen großen Rucksack an Lebens-, Berufs-, und Leitungserfahrung mit", sagt Opitz. Eine zentrale Herausforderung, die er aktuell zu bewältigen hat, ist die Personalentwicklung. "Wir haben langjährige Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen, die bald in den Ruhestand gehen. Einerseits geht es darum, junge Kollegen gut einzuarbeiten, andererseits soll die Erfahrung der älteren Kollegen nicht verloren gehen", so Opitz.

Mehr Angebote für ältere Menschen

Inhaltlich ist ihm wichtig, sich den Herausforderungen des demografischen Wandels zu stellen. "Ältere Menschen sollen nicht nur im Bereich der Pflege gut versorgt sein, es geht auch darum, dass sie nicht vereinsamen, sondern ihre sozialen Kontakte erhalten. Dazu gehören zum Beispiel gute Verkehrsanbindungen und andere komplexe Themen, die man nur zusammen mit anderen Akteuren lösen kann." Auch bezahlbarer Wohnraum sei ein echtes Problem, so Opitz. Auch im Bereich Migration habe der Beratungsbedarf in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sagt Albrecht Weil, Vorsitzender des Diakonischen Bezirksausschusses.

© Schwäbische Zeitung 15.02.2019

Jutta Henrich aus Laupheim und Dekan Hellger Koepff aus Biberach treten für den Wahlbezirk Oberschwaben an. Biberach


Wahlen in der evangelischen Kirche
Jutta Henrich und Hellger Koepff kandidieren erneut für das Kirchenparlament


Am 1. Dezember wählen die Evangelischen die Kirchengemeinderäte vor Ort. Außerdem bestimmen sie, wer in die Landessynode, das "Kirchenparlament" der Württembergischen Landeskirche, entsandt wird. Wahlberechtigt sind Gemeindeglieder ab dem 14. Lebensjahr. Der Wahlkreis Oberschwaben reicht von Friedrichshafen am Bodensee über Ravensburg und Biberach bis fast nach Ulm und schickt zwei Theologen und zwei Laien in das Kirchenparlament.

In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gibt es ähnlich den Parteien im Landtag verschiedene "Gesprächskreise". Die "Offene Kirche" gilt als progressive und moderne Gruppierung, sie ist aus der Friedens- und Menschenrechtsbewegung hervorgegangen. Für den Wahlbezirk Oberschwaben wurden jetzt Jutta Henrich aus Laupheim und Dekan Hellger Koepff aus Biberach nominiert. Sie vertreten Oberschwaben bereits seit Anfang 2014 in Stuttgart.

Jutta Henrich arbeitet als Bibliothekarin in Laupheim. Seit nunmehr zwölf Jahren vertritt sie den Süden Württembergs in der Landessynode, von 2008-2013 den Wahlbezirk Ulm-Blaubeuren, seit 2014 die Dekanate Ravensburg-Biberach. Seit 2015 ist sie auch Mitglied der EKD-Synode. Ihr Anliegen ist es, dass die Kirche eine relevante Stimme in der Gesellschaft bleibt. Die Kirche müsse die menschenfreundliche und befreiende Botschaft des Evangeliums in gesellschaftliche Debatten einbringen. Einen Schwerpunkt stellt derzeit der Einsatz für die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare dar. Der Offenen Kirche ist es ein wichtiges Anliegen, dass lesbische und schwule Paare, die in eingetragener Partnerschaft leben oder staatlich getraut sind, auch kirchlich getraut werden können. "Wir sehen keinen theologischen Grund, das nicht zu tun", betont Henrich.

Hellger Koepff wirkt seit 2003 als Dekan in Biberach. Sein zentrales Anliegen ist es, die biblischen Texte mit den heutigen Herausforderungen ins Gespräch zu bringen. "Dann können Christen gar nicht anders, als im Geist Jesu das Leben mitzugestalten." So hat er das Biberacher Bündnis für Demokratie und Toleranz mitbegründet, um ein Zeichen für die freiheitliche demokratische Grundordnung zu setzen. "Kirche ist geistlich fundiert und darum politisch aktiv. Gut, dass Christen ökumenisch verbunden in der Notfallseelsorge und in der Arbeit für den Frieden aktiv sind", so der Dekan. Nach seiner Überzeugung müssen die Kirchengemeinden vor Ort gestärkt werden, damit die Kirche vor Ort bleibt. Darum lehnt er die Gründung und Finanzierung neuer evangelikaler Gemeindeformen in der Landeskirche ab.