© Schwäbische Zeitung 30.09.2019

Mehrere Chöre sangen zur Einführung des neuen Liederbuchs. (Foto: Diana Hofmann)


Eine Begrüßung mit viel Gesang und Tanz
Die evangelische Kirchengemeinde Laupheim feierte die Einführung des neuen Liederbuchs


Von Diana Hofmann, Laupheim

Viel gesungen, musiziert und gelacht hat die evangelische Kirchengemeinde Laupheim am Sonntag im Gottesdienst. Und zum Schluss wurde sogar getanzt: Die beiden Zelebranten, Pfarrerin Martina Servatius und Pfarrer Christian Keinath, tanzten zu Walzerklängen, die Richard Brenner der Orgel entlockte, zur Kirche hinaus.

Anlass für diesen Gottesdienst der anderen Art war die Einführung des neuen Liederbuchs der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, „Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder - plus“. Es ergänzt das Evanglische Gesangbuch. Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde es bereits am Reformationstag 2018, in Laupheim erst jetzt, damit auch wirklich alle, die in der Gemeinde Musik machen, dabei sein konnten.

Swingender Auftakt


Den swingenden Anfang machte der Posaunenchor unter der Leitung von Matthias Spägele mit „Danke, für diesen guten Morgen“. „Wir wollen keinen Schulungsgottesdienst, sondern wir machen ein schönes Miteinander-Singen draus“, sagte Pfarrer Keinath in der Begrüßung der rund 80 Gottesdienstbesucher.

Das wurde es auch: Die Gemeinde sang zur Begleitung des Posaunenchors oder der Band „JPB - Jesse-Pfingst-Brüder“ (Akkordeon, Gitarre und Schlagzeug), das Kinderkirch-Team wurde begleitet von Pfarrer Keinath am E-Piano. Der Kirchenchor und der Chor „Chili con Vocale“, beide dirigiert von Stefan Hofmann, hatten gleich mehrere Einsätze mit und ohne Orgelbegleitung. Bei bekannten und weniger bekannten Liedern wie „Eingeladen zum Fest des Glaubens“, „Du bist der Weg und die Wahrheit“ und auch englischen Titeln wurde spürbar, was Servatius und Keinath in ihrer Predigt zur Apostelgeschichte 16,11-40 erklärten: Paulus und Silas im Gefängnis loben Gott, und das vermutlich gesungene Gotteslob löst ein Erdbeben aus, das die Gefängnismauern ins Wanken bringt und die Gefangenen befreit. „Das drückt die Kraft der Musik für den Glauben aus: das Ganzheitliche, verbunden mit Gottvertrauen“, so Keinath. „Lieder weisen über uns hinaus, weiten unseren Horizont und verbinden uns mit Christen in aller Welt“, ergänzte Servatius.

© Schwäbische Zeitung 30.09.2019

Sie nutzen den Freitagstisch im Gemeindehaus für ein Familientreffen in der Mittagspause: Sara Schick, ihr Ehemann Norbert Schick und ihr Bruder Marc Pfister. (Foto: cdi) Sie nutzen den Freitagstisch im Gemeindehaus für ein Familientreffen in der Mittagspause: Sara Schick, ihr Ehemann Norbert Schick und ihr Bruder Marc Pfister. (Foto: cdi)


Wo sich Generationen zum Mittagessen treffen

Seit Mai gibt es im Evangelischen Gemeindehaus den Freitagstisch - So wird das Angebot angenommen

Von Christoph Dierking, Laupheim

Tageslicht flutet den Speisesaal im evangelischen Gemeindehaus. Allmählich füllt sich der Raum, immer mehr Menschen holen sich an der Theke ein Tagesgericht ab: Nudeln mit Fleischküchle oder Spaghetti mit Rinderbolognese. Dann setzen sie sich an die gedeckten Tische, essen und plaudern. Unter ihnen sind auch Sara Schick und ihr Ehemann Norbert. „Wir treffen uns hier eigentlich jeden Freitag in der Mittagspause“, sagt die Laupheimerin und fügt lachend hinzu: „Dann muss ich nicht kochen.“

Seit Mai gibt es ihn, den Freitagstisch im evangelischen Gemeindehaus. Ins Leben gerufen haben das Angebot Sigrid Ritter und Elke Pfister. Es richtet sich an alle, die sich mit anderen Menschen treffen wollen: an Senioren, an Zugezogene, an Berufstätige, aber auch an die Jungen und Mädchen aus dem benachbarten Kindergarten Arche Noah. „Wir sind sehr zufrieden, die Nachfrage ist da“, sagen die beiden Laupheimerinnen. „Im Schnitt kommen jeden Freitag etwa 35 Leute.“

Begegnung von Generationen

Sigrid Ritter hat bereits ein ähnliches Projekt in Biberach mitbegründet. Die Idee, es auch in Laupheim umzusetzen, entwickelte sich Ende vergangenen Jahres. „Ich wollte einen Raum schaffen, in dem sich die Generationen begegnen können“, erzählt Ritter. Bei Elke Pfister rannte sie mit diesem Gedanken offene Türen ein. „Ich finde, so etwas hat in Laupheim gefehlt“, sagt die 54-Jährige. Beim Gemeinderat stieß das Projekt auf großen Zuspruch und so stand dem Start im Frühling nichts mehr im Wege. Aktuell sorgen sechs ehrenamtliche Helfer dafür, dass das Essen zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Außerdem koordinieren sie die Ausgabe, spülen das Geschirr und kümmern sich um die Dekoration - heute zieren rote Deckchen und kleine Vasen mit roten Rosen die Tische.

Das Essen liefert der Dornahof in Riedlingen, der Menschen in sozialen Notlagen unterstützt und Perspektiven aufzeigt. Menschen, die sozial ausgegrenzt sind oder es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. „So profitieren zwei soziale Projekt voneinander“, sagt Ritter. Für ein Essen zahlen Erwachsene 5 Euro, Kinder 3 Euro. „Meistens haben wir zwei Gerichte zur Auswahl, darunter oft ein vegetarisches“, erklärt ihre Mitstreiterin. Wer noch Lust auf einen Nachtisch hat, für den gibt es nach dem Hauptgang noch ein Stück Kuchen, außerdem Kaffee und Tee.

Pfarrer Christian Keinath kommt fast immer zum Freitagstisch. „Unsere Gemeinde zeichnet sich dadurch aus, dass sie allen offen steht“, sagt er. „Der Freitagstisch verkörpert für mich diesen Leitgedanken.“ Er sei neben dem Gottesdienst eine gute Möglichkeit, um mit den Gemeindemitgliedern ins Gespräch zu kommen. „Da nehme ich schon das ein oder andere Thema auf.“

Am Tisch, an dem der Pfarrer sein Mittagessen einnimmt, sitzt auch Gerald Wery, der viele Jahre für die Gemeinde als Kirchenpfleger gearbeitet hat. „Heute sind wir das erste Mal hier“, sagt er. „Wir wussten schon länger, dass es das Angebot gibt und dachten, jetzt ist es mal an der Zeit“, ergänzt seine Ehefrau Dorothea Wery. Und eine Gruppe Senioren, die ebenfalls am Tisch Platz genommen hat, ist sich einig: „Jede Woche kommen mehr. So langsam hat es sich herumgesprochen.“

Anmeldung erforderlich

Wer fertig ist, stellt sein schmutziges Geschirr auf einen kleinen Wagen, gleich neben der Theke. Einige Gäste, die in der nächsten Woche wiederkommen möchten, tragen sich in eine Liste am Ausgang ein. So können die Ehrenamtlichen die entsprechende Anzahl an Essen vorbestellen. „Damit wir am Ende nichts wegschmeißen müssen“, erklärt Pfister. „Spontane Besucher haben wir meistens versorgen können, aber einmal mussten wir jemanden wegschicken.“ Um das zu vermeiden, sei die Anmeldung wichtig.

Schließlich gehen alle ihres Weges: Pfarrer Keinath wirft sich die Jacke über und eilt zu einem Termin. Gerald und Dorothea Wery stellen ihr Geschirr auf den kleinen Wagen, bevor sie das Gemeindehaus verlassen. Und Sara Schick geht zurück in ihr Büro in der Zeppelinstraße, während ihr Ehemann in Richtung Ulmer Straße aufbricht, wo er in einer Autowerkstatt arbeitet.

Der Freitagstisch findet jeden Freitag von 11.45 bis 13.15 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Laupheim statt. Um Anmeldung wird jeweils zwei Tage im Voraus - bis mittwochs, 18 Uhr - gebeten per E-Mail an freitagstisch@online.de oder unter Telefon 07392/ 9389607.

© Schwäbische Zeitung 24.09.2019

„Wir müssen ganz konkret etwas machen und die Rettung von Menschen versuchen“, sagt Pfarrer Christian Keinath. (Foto: Anke Kumbier)


Interview: „Auftrag der Kirche ist die Rettung von Menschen aus der Not“
Pfarrer Christian Keinath erklärt, warum die Evangelische Kirche ein Schiff auf dem Mittelmeer einsetzt

Laupheim - Mitte September hat Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), bekannt gegeben, dass die Kirche ein Schiff zur Seenotrettung einsetzen möchte. SZ-Volontärin Anke Kumbier sprach mit Christian Keinath, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Laupheim, über diese Pläne und seine Haltung zu dem Vorhaben.

SZ: Herr Keinath, was genau hat die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) geplant?

Keinath: Die EKD möchte mit anderen Organisationen zusammen ein Boot ins Mittelmeer bringen, um Menschen zu retten. Es gibt Überlegungen, das Schiff einer bereits in der Seerettung tätigen Organisation wie beispielsweise Sea-Watch zu überreichen. Das halte ich für sehr sinnvoll, denn dann wäre es in den Händen einer Organisation, die sich mit Seenotrettung auskennt. Das Schiff soll über zusätzliche Spenden finanziert werden. Durch die Initiative der Kirche bekommt das Thema wieder einen Präsenzschub. Dabei sollte man aber nicht aus dem Blick verlieren, wer eigentlich bei der Seenotrettung gefordert ist, das sind primär die Staaten der europäischen Union.

Warum gerade jetzt?


Die Mission Sophia, die dazu eingesetzt war, den Menschenschmuggel über das Mittelmeer zu bekämpfen, aber faktisch Menschen gerettet hat, läuft gerade aus. Wir müssen deshalb natürlich nicht nur symbolisch, sondern ganz konkret etwas machen und die Rettung von Menschen versuchen.

Wie sollte es nach der Rettung weitergehen?

Dazu gehört auch eine gerechte Aufnahme und Verteilung von Flüchtlingen. Deutschland darf nicht nur das Signal senden, dass es bereit ist Flüchtlinge aufzunehmen, sondern muss das in die Tat umsetzen. Wenn wir die Menschen aufnehmen, stellt sich auch immer die Frage der Integration. Das ist eine Aufgabe der Gesellschaft, die allerdings Ressourcen braucht - menschliche und finanzielle. In der Bankenkrise wurden locker Milliarden verteilt, mit der gleichen Intensität müsste der Staat dafür sorgen, dass Menschen hier richtig integriert werden können.

Wie stehen Sie persönlich zu den Plänen der EKD?

Eine Frage, die ich für mich noch nicht abschließend beantwortet habe, ist, inwiefern die Kirche selbst Politik machen und inwiefern sie Politik lediglich ermöglichen sollte, indem sie Dialogforen schafft und thematische Impulse setzt. Die EKD hat sich in diesem Fall entschieden, Politik zu machen. Wenn man historisch fragt, ob Kirche und Christen in der Zeit des Nationalsozialismus viel zu wenig oder zu zögerlich politisch gehandelt haben, dann neige ich heute zur Antwort: lieber zu viel, als zu wenig politisches Handeln.

Warum gilt es, aus Ihrer Sicht, Menschen in Not zu retten?


Der Auftrag der Kirche und jedes einzelnen Christen ist die Rettung von Menschen aus der Not. In der Bibel steht das Doppelgebot der Liebe. „Du sollst Gott von ganzem Herzen lieben und deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Das Beispiel des Barmherzigen Samariters zeigt, dass mit dem Nächsten nicht nur derjenige gemeint ist, der einem emotional am nächsten ist. Denn die Samariter helfen einem am Boden liegenden Juden, obwohl Samariter und Juden eigentlich verfeindet sind. Als mein Nächster gilt also auch jemand, der mir auf den ersten Blick fremd ist.

Was würden Sie darauf entgegnen, dass man sich doch zuerst um diejenigen kümmern sollte, die vor Ort in Not sind?

Man darf die beiden Gruppen nicht gegeneinander ausspielen. Zumal sich die evangelische Kirche auch sehr stark vor Ort mit der Diakonie engagiert. Hinzu kommt, dass wir Europäer im 19. Jahrhundert auch nicht gefragt haben, ob wir nach Afrika dürfen, sondern wir sind mit unseren Soldaten und Kaufleuten einfach einmarschiert und haben jahrhundertealte Strukturen und traditionelle Organisationsformen des Gemeinwesens zerstört. Nach dem Ende der Kolonialzeit wurden willkürliche Gren- zen quer durch Sprachgrenzen und Ethnien hinterlassen. Wenige Länder profitieren wie Deutschland davon, dass wir nicht abgeschottet leben, sondern Handel treiben - oftmals auf Kosten weniger entwickelter Länder. Das ist Kolonialismus im 21. Jahrhundert. Kein Wunder, dass das bis heute Verwerfungen hervorruft und Menschen in die Flucht treibt.

Spielt es für Sie eine Rolle, aus welchem Antrieb Menschen fliehen?

Als Kirche und Gesellschaft kann man nicht aufs Mittelmeer schauen und sagen, je nachdem, was dein Antrieb zur Flucht ist, ziehen wir dich aus dem Wasser raus oder nicht. Eine einfache Lösung gibt es in einer komplexen Welt nicht. Das war aber schon früher so. Man muss Geduld haben und gleichzeitig mit Gottvertrauen das tun, was man als Gesellschaft, als christliche Kirche tun kann.

 

© Schwäbische Zeitung 16.09.2019

Julia Kaiser ist nun Pfarrerin

Festgottesdienst in der Christuskirche zur Ordination der Theologin - Anschließend Stehempfang

Riedlingen
Mit einem feierlichen Gottesdienst ist am vergangenen Sonntag Julia Kaiser in der Riedlinger Christuskirche als Pfarrerin für die Gemeinden Ertingen und Dürmentingen eingesetzt worden. Julia Kaiser ist bereits seit Mai dieses Jahres als Vikarin für die Gemeinden zuständig.

In der evangelischen Christuskirche in Riedlingen hatten sich viele Gemeindemitglieder, Weggefährten und Freunde von Julia Kaiser versammelt, um am Festakt und dem gemeinsamen Abendmahl teilzunehmen. Dekan Helger Koepff gestaltete zusammen mit seinen Pfarrkollegen Theo und Anne Mielitz den Gottesdienst und nahm Julia Kaiser das Ordinationsgelöbnis ab.

In seiner Predigt ging er auf das von Julia Kaiser gewählte Bibelwort ein: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ Dies sagte Jesus Christus nach seiner Auferstehung am Ostersonntag zu den versammelten Jüngern. Diese Worte können vielfältig interpretiert werden, so Koepff: Sie können Verführung bedeuten, Glücksgefühle hervorrufen oder auch das Gegenteil, nämlich den Druck des Überfordertseins. Doch dies „wird und muss so bleiben“, erklärte Koepff, der kurz vor seinem Ruhestand steht und viel Erfahrung als Seelsorger mitbringt. Es sei gut, wenn man zweifle. Er gab Julia Kaiser den Rat, immer wieder Bibeltexte neu zu lesen, zu durchdringen und so eine gute innere Haltung und inneren Frieden zu finden - gemäß dem Wort Jesu: „Friede sei mit dir/mit euch“.

Glauben heiße, länger hoffen und tiefer vertrauen als andere - hier zitierte Koepff den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Als Pfarrer könne man andere nicht bekehren, sondern nur helfen, bei der Verkündigung christlicher Inhalte. Kernaufgaben eines Pfarrers sind Gottesdienste, Unterricht und Seelsorge und diese Aufgaben solle sie als neue Pfarrerin mit einem „staunenden Glücksgefühl“ erledigen.

An die Kirchengemeinde appellierte Dekan Helger Koepff, dass sie ihre Pfarrerin gut stützen sollen, so dass sie ihrer inneren Berufung gerecht werden könne. Die Ordination mit Gelübde wurde unter Bezeugung durch alle Kirchengemeinderäte und weiterer kirchlichen „Funktionäre“ vorgenommen, die sich dazu im Altarraum aufgestellt hatten.

Offene Arme

Als Ordinationszeuginnen hatte Julia Kaiser Susanne Conza (Pfarrerin in Mühlacker) gewählt, eine langjährige Begleiterin und Freundin seit Studienzeiten sowie ihre Ausbildungspfarrerin Anne Mielitz, welche Kaiser mit offenen Armen aufgenommen habe. Anne Mielitz brachte ihre Freude zum Ausdruck, dass die Pfarrstelle in Ertingen so gut wiederbesetzt ist. „Wir sind Empfangende und geben weiter“, bemerkte Koepff, der die Gemeinde zum Abendmahl einlud, welches er gemeinsam mit Julia Kaiser austeilte.

Einen schönen musikalischen Rahmen erhielt der Festgottesdienst durch Lieder des Kirchenchors samt Orgelbegleitung. Zudem haben Gunnar und Susanne Volz (Gitarre und Gesang) gemeinsam mit Ute Giese, die diverse Blockflöten zum Klingen brachte, den Gesang der Kirchenbesucher verstärkt.

Unterzeichnung der Urkunde

Anschließend lud Kirchengemeinderat Paul Lenz zu einem Stehempfang ins Johannes-Zwick-Haus ein, wo die Gottesdienstbesucher Gelegenheit hatten, sich mit einem kleinen Imbiss zu stärken und natürlich auf das Wohl der neuen Pfarrerin anzustoßen. Hier begrüßte Kirchengemeinderat Jürgen Riedler aus Ertingen die vielen Gäste und moderierte die heitere Feierstunde, in deren Verlauf zunächst der offizielle Teil abgeschlossen wurde mit der Unterzeichnung der Ordinationsurkunde durch Helger Koepff, Julia Kaiser und die beiden Zeuginnen Susanne Conza und Anne Mielitz.

Echtes „Kaiserwetter“ sei heute in Riedlingen, schmunzelte ein Gemeinderat aus Vogt, der für seine ehemalige Vikarin einen ganzen Korb voll Spezialitäten aus den Teilgemeinden mitgebracht hatte, einschließlich eines Kohlkopfes aus Grünkraut.

Andrea Hoffmann hieß als Vertreterin der katholischen Kirche Julia Kaiser willkommen. Dietmar Holstein, Bürgermeister von Dürmentingen, sieht in der neuen Pfarrerin, wie Ökumene gezeigt und gelebt werde.

Rektor Markus Geiselhart begrüßte als Vertreter der Schulen Julia Kaiser, die dort auch Religion unterrichtet. Julia Kaiser strahlte und freute sich über die große Wertschätzung, die ihr entgegengebracht wurde.

Ihre eigene Fröhlichkeit war sehr authentisch und Nähe zeigte sie ihren vielen Gästen durch ehrliche und herzliche Umarmungen.

© Schwäbische Zeitung 13.09.2019

Bei der Vorstellung des neuen Festwagens freuen sich die Verantwortlichen über die Repräsentation der evangelischen Gemeinde beim Schussenrieder Magnusfest. (Foto: Luca Mader)

Beim Magnusfest rollt ein neuer Wagen mit

Die evangelische Kirche wird dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Schussenrieder Magnusfest repräsentiert

Bad Schussenried

50 Jahre nach der Grundsteinlegung ist die evangelische Christuskirche auch beim Schussenrieder Magnus-Festzug vertreten. Bei dem alljährlichen Festzug bestaunen die Besucher verschiedene Wagen, auf denen jeweils ein Modell eines bekannten Schussenrieder Bauwerks steht. Bei dem diesjährigen Umzug am 16. September wird die Miniatur-Christuskirche zum ersten Mal dabei sein.

Mit 1347 Mitgliedern ist die evangelische Gemeinde in Schussenried und Umgebung relativ groß. „Für uns war es immer ein bisschen traurig, dass die evangelische Christuskirche beim Umzug nicht dabei ist“, sagt Franz Mayerföls, Vorsitzender des Schussenrieder Vereins für Brauchtumspflege bei der Vorstellung des Modells. In dem neuen Festwagen würden rund 100 Arbeitsstunden stecken. „Wir feiern 50 Jahre Grundsteinlegung, was gibt es für einen besseren Anlass, um die Kirche in den Umzug zu integrieren“, sagt Ulrich Schmid, Vorstandsmitglied des Brauchtumspflegevereins.

Um das Projekt zu verwirklichen, habe Schmid die alten Pläne der Kirche hervorgekramt, um ein detailgetreues Modell anfertigen zu lassen. Gebaut wurde die Miniatur-Christuskirche im Holzbau-Unternehmen von Jörg Mayerföls. Gestrichen wurde sie von Ulrich Schmid selbst, der Malermeister ist. Für die Pflanzen um das Modell herum war die Schussenrieder Stadtgärtnerei zuständig. „Wir bedanken uns bei allen, die am Modell mitgearbeitet und sich Mühe gegeben haben“, sagt Schmid. Ein besonderer Dank gilt der Familie Ederle, die den Wagen gestellt hat und der Familie Schöttner, die das Modell durch eine großzügige Spende finanziert hat. „Viele Menschen haben dazu beigetragen, dass nun endlich unsere evangelische Gemeinde am Fest repräsentiert wird“, freut sich Schmid.

Bewegte Geschichte der Kirche

Bei der Vorstellung des Festwagens war unter anderem Schussenrieds evangelischer Pfarrer Georg Maile anwesend. Bei seiner Rede ging er auf die spannende Entstehungsgeschichte der Schussenrieder Christuskirche ein. „In den 1950er-Jahren wollte die evangelische Gemeinde eine eigene Kirche in Schussenried“, erklärt Maile. Die Planung und die Finanzierung gestalteten sich allerdings langwierig und so kam es erst 1969 zum ersten Spatenstich. Schon die Suche nach einem Platz für den Neubau war problematisch. Die Verantwortlichen entschieden sich damals dafür, die Kirche vor den Toren der Stadt zu bauen. „Diese Entscheidung war sehr mutig, aber auch genial“, so Maile.

Eine weitere Hürde für den Bau war der Wunsch nach einem Kirchturm. „Wir haben einen der letzten Kirchtürme hier in Schussenried. Nach unserem Antrag wurden unseres Wissens nach keine mehr genehmigt“, sagt Maile. Der Turm durfte letztendlich doch gebaut werden. Entscheidend dafür war vor allem das unermüdliche Engagement des stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, Ekkehard Dochtermann. Nachdem er und seine Kollegen ihr Vorhaben beim Oberkirchenrat in Stuttgart zur Genehmigung vorbrachten, seien sie recht unhöflich abgespeist worden sein. Durch einen Beschwerdebrief von Dochtermann bekamen er und der damalige Pfarrer Stoffel dann aber doch noch einen Termin beim Oberkirchenrat, bei dem das Bauvorhaben genehmigt wurde. „Nur wegen diesem Brief hat die Schussenrieder Christuskirche heute einen Turm“, sagt Maile.

© Schwäbische Zeitung 12.09.2019

Julia Kaiser wird am Sonntag als Pfarrerin ordiniert. (Foto: Berthold Rueß)

Schwellenentag“ nach turbulenter Zeit

Ernennung von Vikarin Julia Kaiser als Pfarrerin: Ende der Ausbildung

Ertingen

Im Mai hat Julia Kaiser die vakante Pfarrstelle der Evangelischen Kirchengemeinde für Ertingen und Dürmentingen übernommen. Am Sonntag wird aus der Vikarin eine Pfarrerin - in der Kirchengemeinde Riedlingen sei dies die erste Ordination.

Für Julia Kaiser bezeichnet dies als „Schwellentag“ auf einem langen Ausbildungsweg, den sie zurückgelegt habe. Sechs Jahre Studium liegen hinter ihr, zwei Examen, drei Jahre Vikariat in Vogt, Ravensburg-Weststadt und schließlich Ertingen, in dieser Zeit vier Mal Mutter geworden, die Trennung von ihrem Mann. „Es war eine turbulente Zeit mit Höhen und Tiefen“, sagt sie. Die Ordination als Pfarrerin sei deshalb ein wichtiger Meilenstein. Die Ordination ist die Bevollmächtigung zum kirchlichen Amt und gleichzeitig die Ernennung zur Pfarrerin auf Probe für zunächst drei Jahre.

Dabei kommt Julia Kaiser eigentlich aus einem katholischen Elternhaus. Aufgewachsen ist sie in Friedrichshafen. Einen Beruf innerhalb der Kirche habe sie immer gewollt. Sie habe sich sogar schon überlegt, Ordensschwester zu werden. Dass sie die Konfession gewechselt habe, um evangelische Pfarrerin zu werden, habe mit dem hierarchischen Verständnis zu tun. Sie wolle mit den Gläubigen auf Augenhöhe sein. Und Ökumene sei ihr ein wichtiges Anliegen: „Es kommt auf den Herrn der Kirche an. Der ist in beiden Kirchen der gleiche.“ In Tübingen war Julia Kaiser sogar in einer Freikirche aktiv: In einer Lobpreisband der Pfingstgemeinde in Tübingen habe sie Musik gemacht. „Die Wege zu Gott sind vielfältig“, sagt sie.

Kirche solle ein Begegnungsort sein, wo niemand ausgegrenzt wird, fordert die angehende Pfarrerin. Die Begegnung solle aber nicht auf die Kirche beschränkt sein: „Ich erwarte nicht, dass die Menschen in den Gottesdienst kommen“, betont sie. Deshalb sucht sie das Gespräch bei allen möglichen Gelegenheiten: etwa bei der Einweihung der neuen Sporthalle in Dürmentingen oder der Eröffnung des Supermarkts in Ertingen. „Ich will, dass Kirche authentisch ist“, beschreibt sie ihr Anliegen, „Christentum hat viel mit Authentizität zu tun.“

Sie selbst wolle kein perfektes Vorbild sein, sie habe viele Brüche in ihrem eigenen Leben. Umso wohler fühle sie sich in Ertingen: „Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Es ist eine tolle Gemeinde mit kreativen Leuten.“ Die Zusammenarbeit mit dem Pfarrehepaar Anne und Theo Mielitz sei beeindruckend. Besonders dankbar ist Julia Kaiser für das Verständnis, das man ihr für ihre familiäre Situation als Alleinerziehende entgegenbringe. Hilfreich sei für die unmittelbare Nachbarschaft zu Schule und Kindergarten mit kurzen Wegen für die Kinder im Alter von zwei, vier, sechs und acht Jahren. An der Schule hat Julia Kaiser einen Lehrauftrag für sechs Stunden Religionsunterricht.

Die große Familie und den Beruf unter einen Hut zu bringen sei nicht einfach räumt sie ein. Entspannung finde sie trotzdem beim Klavierspielen, Inlinefahren oder Spazierengehen. „Die Zeit muss ich mir nehmen“, sagt sie, „es ist eine Frage der Abgrenzung.“ Das habe sie von ihrem Vater, einem selbstständigen Handwerker, gelernt.

Die Ordination von Julia Kaiser mit Dekan Hellger Koepff findet am Sonntag, 15. September, um 10 Uhr in der Christuskirche in Riedlingen statt. Anschließend ist ein Treffen im Johannes-Zwick-Haus. In Ertingen und Dürmentingen finden an diesem Tag keine Gottesdienste statt.

© Schwäbische Zeitung 03.09.2019

Joshua und Marlis Glaser vor ihren Werken im Atelier. (Foto: Judith Ezerex)

So hat Biberach sein Gesicht verändert

Der „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag widmet sich Umbrüchen in Kunst und Architektur in der Stadt.

Von Gerd Mägerle, Biberach

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur lautet das Motto des Tags des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September. Auf die Besucher wartet in Biberach aus diesem Anlass ein interessantes Programm aus Führungen und Mitmachaktionen, die auch für Biberacher so manches bieten, was sie bisher noch nicht wussten. Die SZ gibt einen Überblick über einige spannende Programmpunkte.

Parcours „Umbrüche“ des Stadtforums Biberach (11 bis 16 Uhr): Wer heute durch Biberach geht, findet ein Stadtbild vor, das sich an vielen Stellen von dem der 1970er-, 1980er- und frühen 1990er-Jahre unterscheidet. Manche Gebäude wurden saniert, andere abgerissen, Straßen und Plätze umgestaltet. Der Verein Stadtforum Biberach hat neun Stationen in der Innenstadt ausgewählt, an dem man durch hölzerne Bilderrahmen auf ein Gebäude oder einen Platz blickt. „Daneben gibt es auf einer Staffelei Erklärungen, wie sich dieser Bereich verändert hat, außerdem sind Fotos aus früheren Jahren zu sehen“, sagt Cäcilie Sommer vom Stadtforum. Startpunkt ist der Schadenhof. Dort erhalten die Besucher einen Plan mit den verschiedenen Stationen, außerdem gibt es dort Bewirtung mit Zwiebelkuchen, Most und anderen Köstlichkeiten.

Führung „Vom Denkmal zum abstrakten Kunstwerk“ mit Dr. Uwe Degreif (11 Uhr): Finden sich heute im öffentlichen Raum in der Stadt vielfach abstrakte Kunstwerke, wurde zu Beginn des vorigen Jahrhunderts noch ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kesselplatz aufgestellt. Inzwischen steht es an der Ecke Memminger Straße/Eisenbahnstraße und wirkt seltsam aus der Zeit gefallen. Kunsthistoriker Uwe Degreif führt in der 90-minütigen Führung zu mehreren Kunstwerken, die diesen Wandel verdeutlichen. Start ist an besagtem Kaiser-Wilhelm-Denkmal (gegenüber dem evangelischen Friedhof).

Führung „Umbrüche am Altstadtring“ mit Biljana Wieland (12 Uhr): Nirgendwo hat Biberach sein Erscheinungsbild in den vergangenen Jahren so stark verändert wie am Ring. Zuletzt waren es vor allem die kubenförmigen Gebäude mit viel Glas, Stahl und Beton, die für Diskussionen sorgten. Aber auch in den Jahrzehnten zuvor war der Altstadtring die Promenadenstraße, an der die Reichen und Mächtigen die Bürger mit ihren Gebäuden zu beeindrucken versuchten. In der 90-minütigen Führung soll dem auf den Grund gegangen werden. Treffpunkt ist am Komödienhaus.

Stadtpfarrkirche St. Martin, Führung mit dem evangelischen Stadtpfarrer Ulrich Heinzelmann (15 Uhr): „Die Stadtpfarrkirche verkörpert Umbrüche gleich in mehrerer Hinsicht“, sagt Ingeborg Voss vom Stadtmarketing, die zusammen mit Bettina Steiner das Programm für den Tag des offenen Denkmals in Biberach organisiert hat. „Hier trifft Gotik auf Barock, katholisch trifft auf evangelisch und, es trifft nicht zuletzt seit der jüngst abgeschlossenen Innensanierung alte auf neue Bausubstanz.“ Diese Aspekte verdeutlicht Pfarrer Heinzelmann in seiner Führung. Treffpunkt ist am Hauptportal.

Führung durch das Wohngebiet Sandberg mit Jürgen Casper (13.30 Uhr): Das Wohngebiet Sandberg ist kein Denkmal im klassischen Sinne, wohl aber eine Besonderheit, weil es in den 1980er-Jahren „aus einem Guss“ unter der Leitung des Schweizer Architekten Rolf Keller geplant und gebaut wurde. Als „Cooperative Biberacher Architekten“ waren zahlreiche Planer aus der Stadt in einer einmaligen Form der Zusammenarbeit daran beteiligt - einer davon war Jürgen Casper. Er wird den Interessierten erläutern, wie es dazu kam. Treffpunkt ist am Rolf-Keller-Platz.

Haus Schulstraße 26 (11 bis 16 Uhr geöffnet): Ein zwar erst jüngst gekürtes Denkmal hat jedoch eine rund 700-jährige Geschichte. In seinem Kern ist das Haus Schulstraße sogar noch etwas älter als das bislang älteste Gebäude der Stadt in der Zeughausgasse 4 (dort gibt es um 13.30 Uhr eine Führung). Das noch nicht sanierte Gebäude Schulstraße 26 kann besichtigt werden. Dort steht auch eine alte Schreibmaschine, mit der Besucher ihre Anregungen tippen können, wie das Haus künftig genutzt werden soll.

Kinderprogramm: Für Kinder gibt es am Sonntag eine Stadtrallye. Die Zettel mit den zu beantwortenden Fragen erhält man vor dem Kleeblatthaus am Marktplatz. Außerdem gibt es von 11 bis 16 Uhr ein Kinderprogramm im Familienzentrum (Schulstraße 17).

Weitere Programmpunkte: Insgesamt gibt es am Tag des offenen Denkmals in Biberach 14 Programmpunkte. Sie sind alle im Flugblatt aufgeführt, das im Rathaus erhältlich und im Internet einsehbar ist.

Das gesamte Programm ist abrufbar unter www.biberach-tourismus.de