© Schwäbische Zeitung 28.02.2020

Pflegten den Dialog und diskutierten über aktuelle Herausforderungen in der Landwirtschaft: Benjamin Wagener, Leiter des Wirtschaftsressorts der „Schwäbischen Zeitung“, und Bernhard Schließer, Vertrauensmann des Evangelischen Bauernwerks in Wain. (Foto: privat)

Was Bäuerinnen und Bauern bewegt – dies hat am vergangenen Sonntag beim Familiennachmittag des Evangelischen Bauernwerks in Wain im Mittelpunkt gestanden. Der Bezirksarbeitskreis Biberach hatte Benjamin Wagener, Ressortleiter der Wirtschaftsredaktion der „Schwäbischen Zeitung“, als Referenten eingeladen.

Zum Auftakt betonten Bezirksbauernpfarrer Ernst Eyrich und Vertrauensmann Bernhard Schließer, dass Dialog in Zeiten der wachsenden Entfremdung immer wichtiger werde. Mit grünen Kreuzen, Mahnfeuern, Schlepperkonvois und Demonstrationen hätten Landwirte in den vergangenen Monaten auf ihre Lage aufmerksam gemacht und damit auch vermehrt das Interesse der Medien auf sich gelenkt. Oft sähen sich Bäuerinnen und Bauern aber in den Medien auch an den Pranger gestellt, wenn sie dem Idealbild von Landwirtschaft nicht entsprechen können.

Benjamin Wagener machte diese Entwicklung an mehreren Ursachen fest: Als Hauptursache sieht er als Gegenbewegung zur Globalisierung den Rückzug in Vertrautes, in häusliche und ländliche Idylle als Ort der Geborgenheit. Während er und seine Kollegen im Journalismus um Printauflagen kämpfen und sich im Wettlauf mit dem Internet befinden, verzeichnen Zeitschriften wie „LandLeben“ und „LandLust“ ungebremst Zuwächse. Die Sehnsucht nach Idylle in einer heilen Welt steige im gleichen Maß wie die Schattenseiten einer globalen Welt, sagte Wagener.

Doch diese Idylle habe wenig mit der Wirklichkeit der deutschen Landwirtschaft zu tun. Nach Überzeugung von Benjamin Wagener gibt es jedoch keine Alternative zur intensiven Aufklärung der Verbraucher zur Frage, warum auf eine bestimmte Art und Weise produziert wird. Er selbst habe durch persönliche Beziehungen zur Landwirtschaft von Kindheit an einen klaren Blick für die Sachzwänge der Branche und könne sie daher auch einfühlsam darstellen, wie etwa in seinem Essay „Bauernopfer – wie die Gesellschaft mit ihren Ansprüchen die Landwirtschaft überfordert“ (Schwäbische Zeitung, 2.11.2019).

In dem Essay ging Wagener den Ursachen der Entfremdung auf den Grund: Als Wirtschaftszweig sei die Landwirtschaft aus der Wahrnehmung der Bevölkerung weitgehend verschwunden. Es fehle das Vorstellungsvermögen, was es heute bedeutet, Bauer zu sein. Konkret bedeute es: 70-Stunden-Wochen, weitgehender Urlaubsverzicht, ständig wachsende Anforderungen und Auflagen sowie Zwang zur Kostendegression. Wie kann dies dem Verbraucher verständlich gemacht werden, welch immense Leistungen hier erbracht werden? Diese Frage beantwortet der Journalist wie folgt: Transparenz sowie eigene Überzeugung und Leidenschaft für den Beruf seien der Schlüssel, falsche Behauptungen und Darstellungen dürfe man nicht unwidersprochen lassen. Andererseits dürften tatsächliche Verstöße gegen den Tierschutz und grobe Missstände auch nicht verdeckt werden, sagte Wagener.

„Dieses Verständnis für die Situation tut uns gut“, betonte Bildungsreferentin Renate Wittlinger, die die anschließende lebhafte Diskussion moderierte. „Wie groß muss über die schwarzen Schafe berichtet werden?“, stand als Frage anlässlich der laufenden Prozesse wegen Tierschutzverstößen im Raum.

Die Kreisvorsitzende der Landfrauen, Doris Härle, bat um positive Berichterstattung über die regionale Landwirtschaft in der Presse. Sie als Milchviehbäuerin wünscht sich, dass gezeigt wird, wie viel Verantwortung die Familienbetriebe mit ihren großen Investitionen in moderne und tiergerechte Ställe übernehmen. Sie leisteten einen „unersetzlichen Beitrag als krisensicherer Nahversorger“ und auch als Arbeitgeber in vor- und nachgelagerten Branchen. Härle bezweifelte, dass die Presse nur mit Skandalen Gewinne macht; es gebe genügend und überwiegend gut geführte Betriebe, die gerne für „positive Schlagzeilen“ sorgen würden.

Gerhard Glaser, Kreisvorsitzender und Vize-Präsident des Bauernverbands, lobte den differenzierten Blick des Referenten, bat jedoch auch um Recherche hinsichtlich der aufkommenden Konkurrenz zu natürlich erzeugten Lebensmitteln. Industriell erzeugter Fleischersatz aus billigsten Zutaten dürfe nicht ungeprüft als Lösung für sämtliche Probleme angepriesen werden.

© Schwäbische Zeitung 17.02.2020

Die Gospelfriends haben für ein klangschönes Konzert gesorgt. (Foto: Günter Vogel)

Spirituals für die Heilig-Geist-Kirche
Die Biberacher Gospelfriends geben ein Benfizkonzert

von Günter Vogel, Biberach

Unter der Leitung von Maike Biffar haben die Biberacher Gospelfriends in der Heilig-Geist-Kirche konzertiert.

Die Heilig-Geist-Kirche ist seit Jahren renovierungsbedürftig: Die bei diesem Konzert erhaltenen Spenden sollen mithelfen, die notwendigen Arbeiten voranzubringen. Die 60 Chormitglieder, die seit 2013 zusammen singen, waren mit Begeisterung und tiefem Gespür für die alttestamentarischen und anderen christlichen Texte dabei. Maike Biffar leitete mit großem Einfühlungsvermögen und präziser Zeichengebung, unterstützt von Helga-Maria Zandel (Gitarre), Velga Kiesling (Klavier), Frank Miller (Bass) und Dora Kiesling (Cello).

Mit einem der ersten Sklaven-Spirituals „Jacob’s Ladder“ zog der Chor in die Kirche ein. Maike Biffar erläuterte dem Publikum in kurzen Sequenzen die gesungenen Lieder und ihre Herkunft. Die Dirigentin erklärte den Unterschied zwischen Spirituals, die aus den arbeitenden Sklavengruppen entstanden, durch Hören und Singen weitergegeben wurden und den später entstandenen Gospels, die komponiert worden waren, vielfach bereits unter dem Einfluss des aufkommenden Jazz. Die Spirituals entstanden durch ein Sprechverbot für die schwarzafrikanischen Sklaven auf den Südstaatenfarmen, singen durften sie. Biffar zitierte dazu E. T. A. Hoffmann: „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.“ Die ersten Spirituals entstanden bereits Anfang des 17. Jahrhunderts. Als nächstes dann hörte man „Sing To The Lord“, fröhlich-rhythmisch, nach Worten des Psalms 96. „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“ ist ein trauriges Adagio, ist ein Ausdruck von Schmerz und Verzweiflung, vermittelt die Hoffnungslosigkeit eines Kindes, das seinen Eltern entrissen wurde. Songs wie „Steal Away To Jesus“, sind Lieder, die nicht nur den Glauben an Gott betreffen, sondern auch versteckte Botschaften für Sklaven enthalten, davonzulaufen. „Soon I Will Be Done To Meet My Jesus“ kommt im schnellen trabenden Zweivierteltakt daher.

Der Song „Go Down Moses, Let My People Go“ ist eine Identifikation mit dem Volk Israel mit der Aufforderung an den Pharao, dieses verklagte Volk ziehen zu lassen. „Wade In The Water“ gehört zu den bekanntesten Spirituals. Der Text spricht von Moses und dem Waten durch Wasser und erinnert an die Flucht des israelitischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten.

„Were You There? Warst Du dort, als sie meinen Herrn kreuzigten?“ ist ein spät entstandener Spiritual von 1899. „Joshua Fought The Battle Of Jericho“ aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, erinnert an die im Buch Joshua geschilderte Belagerung des stark befestigten Jericho durch die aus Ägypten ausgezogenen Israeliten unter Führung Joshuas.

„I Can Tell The World“ spricht von der guten Nachricht für die Welt, sprich von Jesus. Der Song leitete nach den Spirituals über zu den Gospels. Bei dieser gefühlsmäßig positiver strukturierten Liedgruppe sah man die Chorsänger auch häufiger lächeln. „Hear My Prayer“, eine im fundierten Rubato-Stil kraftvoll bewegende Hymne, getextet und komponiert von Moses Hogan. „Good News“ bringt mit fröhlich-heiterem Grundton die Zuhörer zum rhythmischen Mitklatschen.

„In The Fold“ hat klassisch-romantischen Ursprung. Maike Biffar hat eines der großen Motive aus Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ für ihren Chor bearbeitet, der die große Melodie wunderschön zum Klingen brachte. „This Little Light Of Mine“ wurde in den 1920er-Jahren für Kinder geschrieben. „Lully, Lulla, Lullay“, ein englisches Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert, erzählt die Geschichte des Massakers von Herodes an den Babys der Israeliten.

„Yerushalayim“ „Jerusalem aus Gold“, ein populäres israelisches Lied von 1967, wurde im deutschsprachigen Raum vor allem durch die Schluss-Szene des Filmes „Schindlers Liste“ bekannt. „Evening Rise, Spirit Come“ beruht auf einer indianischen Volksweise, ist stimmungsvolle Mischung aus Fröhlichkeit und Sehnsucht. Zum Schluss dann der berühmte traditionelle Klassiker „An Irish Blessing“ Und als Zugabe wurde es modern: „You Raise Me Up“, ein Popsong von 2001.

Das war ein klangschönes und ob seiner musikalischen und textlichen Vielfältigkeit spannendes Konzert eines in Intonation, rhythmischer Präzision und fein abgestimmten Stimmregistern exzellent studierten Chors.

© Schwäbische Zeitung 11.02.2020

Der neue Vorstand der ökumenischen Sozialstation Rottum-Rot-Iller mit den kommissarischen Geschäftsführerinnen Christel Dickinson-Rogge (Zweite v. r.) und Dorothea Cerne (r.): Eberhard Lehmann (v. l.), Anton Schlegel, Ulrike Ebisch, Michael Weber, Walkler Caxilé und Alexander Weiß. (Foto: Tobias Rehm)

Sozialstation stellt sich neu auf

Neuer Vorstand bei Mitgliederversammlung gewählt – Wie es jetzt weitergehen soll


Ochsenhausen

Personeller Umbruch bei der ökumenischen Sozialstation Rottum-Rot-Iller: Bei der Mitgliederversammlung vor drei Wochen ist der Vorstand des Trägervereins komplett neu besetzt worden. Der neue Vorstand will nach den vergangenen unruhigen Monaten, in denen viel über die Zukunft der Sozialstation diskutiert und spekuliert wurde, wieder Ruhe in den Verein bringen. „Der neue Vorstand steht für Qualität und Stabilität“, sagt der neue Vorsitzende Michael Weber aus Tannheim. Man wolle Qualität erhalten und Stabilität herstellen.

Die ökumenische Sozialstation wird von den 19 katholischen und den drei evangelischen Kirchengemeinden der Region Rottum-Rot-Iller getragen. Sie alle waren bei der Versammlung vertreten, auch nahezu alle Bürgermeister waren der Einladung gefolgt. Der ehemalige Vorstand wurde entlastet. Peter Züllig, der die Geschäftsführung und das Amt des Vorsitzenden über Jahre hinweg in Personalunion ausgeübt hatte, hatte bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt, dass kein Mitglied des bisherigen Vorstands erneut zur Wahl stehen werde. Züllig wurde bei der Mitgliederversammlung ebenso verabschiedet wie Harald Notz. Der ehemalige Bürgermeister von Kirchdorf war 45 Jahre lang Vorstandsmitglied.

Zum neuen Vorstandsvorsitzenden wurde Michael Weber aus Tannheim gewählt. Pfarrerin Ulrike Ebisch aus Kirchdorf vertritt künftig im Vorstand die evangelischen Kirchengemeinden, Pfarrer Walkler Caxilé aus Erolzheim die katholischen. Komplettiert wird das Gremium durch die Beisitzer Eberhard Lehmann, Anton Schlegel und Alexander Weiß, alle aus Ochsenhausen. Letzterer wurde vergangene Woche vom Vorstand zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Laut Satzung stehen zwei weitere Plätze im Vorstand amtierenden Bürgermeistern aus dem Einsatzbereich zu. Von diesem Recht wird aktuell aber kein Gebrauch gemacht.

Bei einem Pressegespräch betont der neue Vorsitzende Michael Weber, dass die Sozialstation gut dastehe. „Ich war angenehm überrascht, wie gut die Zahlen sind.“ Die Mitarbeiter seien motiviert, die Fluktuation gering. Die Basis sei vorhanden, um die angestrebten Ziele zu erreichen: Zunächst bedeute dies, die Qualität zu erhalten und Stabilität herzustellen. Denn die Sozialstation blickt bekanntermaßen auf bewegte Monate zurück (SZ berichtete mehrfach). Nachdem Peter Züllig im Oktober vergangenen Jahres öffentlich gemacht hatte, dass die St.-Elisabeth-Stiftung möglicherweise den Geschäftsbetrieb der Sozialstation ab 2020 übernimmt, hatte es teils heftigen Gegenwind gegeben, auch von Mitarbeitern und Patienten. Daraufhin rückte der Vorstand von diesen Überlegungen wieder ab.

24 Monate Zeit

Der neue Vorstand hat nun bei der Mitgliederversammlung das Mandat erhalten, ein Konzept und einen „Überführungsplan in eine mögliche neue Rechtsform“ in den nächsten 24 Monaten zu entwickeln, erklärt Michael Weber. „Wir müssen in die Zukunft schauen, welche Organisationsformen für uns in Frage kommen.“ Dieser Prozess sei absolut ergebnisoffen. „Wir wollen auch in 15 Jahren noch eine Sozialstation haben, die ein gutes Ergebnis liefert.“

Ulrike Ebisch ergänzt, dass in den vergangenen zehn, 15 Jahren viele Sozialstationen in eine andere Rechtsform überführt worden seien. Deshalb müsse geprüft werden, wie die Sozialstation Rottum-Rot-Iller für die nächsten Jahre am besten aufgestellt sei. Die Bedürfnisse würden sich in allen Bereichen ständig weiterentwickeln. Ein Pfund, mit dem die Sozialstation wuchern könne, seien auf alle Fälle die „Querverbindungen in die Kirchengemeinden“. Diese könne man auch noch ausbauen.

Eberhard Lehmann ist im Zusammenhang einer möglichen Neuausrichtung wichtig zu betonen, dass die Sozialstation kein Sanierungsfall ist. „Wir sehen uns nicht als Sanierer, wir wollen die Sozialstation weiterentwickeln.“ Dazu könnte in den Augen von Alexander Weiß auch die Zusammenarbeit mit stationären Diensten und ambulanten Einrichtungen gehören: die Sozialstation als Netzwerk- und offener Kooperationspartner.

Der erste Schritt ist aber die Besetzung des Geschäftsführerpostens. Nachdem Peter Züllig vergangenen November von diesem Amt zurückgetreten war, hatten die beiden Leitungskräfte Christel Dickinson-Rogge und Dorothea Cerne die Geschäftsführung kommissarisch übernommen. Die Stelle soll zeitnah ausgeschrieben werden, die Besetzung dieses Postens sei nun der nächste Schritt, erklären die Vorstandsmitglieder. Auch eine Mitarbeiterversammlung sei geplant, in der sich der neue Vorstand vorstellt.

Die Vorstandsmitglieder weisen darauf hin, dass sie noch ganz am Anfang ihrer Tätigkeit und somit auch der Überlegungen, wie die Sozialstation „zukunftsfähig“ gemacht werden kann, stehen. Des Stellenwerts der 1974 gegründeten Einrichtung sind sie sich freilich bewusst. So sagt Anton Schlegel aus seiner Erfahrung als Allgemeinmediziner: „Die Sozialstation unterscheidet sich elementar von anderen Anbietern in diesem Bereich.“ Und Pfarrer Walkler Caxilé ergänzt: „Die Sozialstation ist wie eine Familie, das merkt man. So nehmen es die Leute nach außen auch wahr.“

© Schwäbische Zeitung 10.02.2020

Als Abschiedsgeschenk für die Pfarrerin Andrea Luiking und ihren Mann Michael gab es unter anderem eine Holzbank mit dem eingravierten Leitwort „Was gewachsen ist“. (Foto: Markus Dreher)

Mit einem Gottesdienst unter dem Wort „Was gewachsen ist“ (Jesaja 55, 10-11) hat die evangelische Kirchengemeinde Ummendorf ihre Pfarrerin Andrea Luiking verabschiedet. Wachstum bedeute Veränderung, sagte Luiking mit Bezug auf ihren Stellenwechsel nach Ulm. „Wachstum heißt, es geht weiter.“ Sie nehme viel an Erfahrungen mit und sei „neugierig“, was das Wort Gottes auch künftig „in mir und in euch“ bewirke.

Im Mittelpunkt stand der gemeinsame Rückblick auf die neun Jahre ihres Wirkens in der Versöhnungskirche. Die Kirchengemeinderäte sagten, Luiking habe eben nicht sämtliche Aufgaben selber übernommen. So mussten und konnten sich die Laien „auf das besinnen, was in der Gemeinde an Kompetenzen vorhanden ist“ und sie seien „aneinander und miteinander gewachsen“. Unter Luikings Leitung sei „die Gemeinde als Kommunikationsort entwickelt worden, der die Themen der Menschen aufnimmt“, lautete eine der im Wechsel vorgetragenen Würdigungen. Und eine andere: „Durch dich ist eine Form der Gemeindeleitung gewachsen, die nicht das Machen in den Mittelpunkt stellt, sondern das Wirken.“

Erwähnt wurden das Hineinwachsen in die Gesamtkirchengemeinde Biberach, veränderte Gottesdienstzeiten, das Lutherjahr, die Fortschritte in der Ökumene vor Ort, das Flüchtlings- und das Repair-Café sowie die Sanierung des Kirchendachs – um nur einige Stichworte zu nennen. Ein Projekt ende nun, aber „es landet nicht in der Ablage“. Auch der stellvertretende Dekan Gunther Wruck sagte: „Es liegen im Ackerboden der Gemeinde noch einige Saatkörner, die noch nicht aufgegangen sind.“

Dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, griff Luiking in ihrer Predigt auf. Damit das Wort Gottes wirke, dürfe es nicht an der Oberfläche bleiben wie ein Platzregen, müsse tiefer eindringen ins Innere. Und es sei nicht an den Einzelnen gerichtet, ziele vielmehr darauf, „dass wir es gemeinsam umsetzen“, sagte Luiking. „Aus dem Wort wachsen Taten, wenn wir’s ernst nehmen.“

Das Motto der Feier wurde auf vielfältige Weise widergespiegelt – typisch für Luiking, die in ihrer Zeit auch neue Elemente der Gottesdienstgestaltung angestoßen hatte: Zum Abschied nochmals durch Bilder von Beate Bitterwolf, die für die Pfarrerin „die wilde lebendige Kraft des Wachstums“ symbolisieren. Und durch das aus J. S. Bachs Musik herauszuhörende Motiv, wie Gottes Segen dem Regen gleich auf die Erde fällt und ganz viel aufblühen lässt.

Für diese und andere Musik sorgten Miriam Klüglich (Violine), Harald Sinot (Klavier), Manuela Stolz (Oboe) und Brigitte Eichhorn-Friedrich (Orgel). Als Übergang zum anschließenden Empfang erklang in der Kirche der Jazzklassiker „Take Five“ nach Dave Brubeck.

Die Kirchengemeinderäte schenkten Andrea Luiking und ihrem Mann Michael unter anderem eine Holzbank. Die Vertreter vieler Einrichtungen, die mit der Pfarrerin zu tun hatten, verabschiedeten sich persönlich. Die Kinder des evangelischen Kindergartens zum Beispiel mit einem Segenslied. Der katholische Pfarrer Jürgen Sauter sagte, Luiking habe seines Wissens als erste Protestantin in St. Johannes Evangelist gepredigt. Er dankte für das große gegenseitige Vertrauen, das für eine gemeinsame Feier von Eucharistie und Abendmahl nötig gewesen sei.

Bürgermeister Klaus B. Reichert sagte, Luikings Wechsel sei „für die Gemeinde und die Pfarrei ein großer Verlust, aber ich habe größtes Verständnis, dass Sie sich noch mal verändern wollen“.

Text/Foto Markus Dreher

© Schwäbische Zeitung 08.02.2020

Andrea Luiking in ihrem Element: Beim Gottesdienst zu ihrem Abschied aus Ummendorf spielen die beiden Bilder der Künstlerin Beate Bitterwolf eine Rolle. (Foto: Markus Dreher)

Mit einem Gottesdienst unter dem Wort „Was gewachsen ist“ (Jesaja 55, 10-11) hat die evangelische Kirchengemeinde Ummendorf ihre Pfarrerin Andrea Luiking verabschiedet. Wachstum bedeute Veränderung, sagte Luiking mit Bezug auf ihren Stellenwechsel nach Ulm. „Wachstum heißt, es geht weiter.“ Sie nehme viel an Erfahrungen mit und sei „neugierig“, was das Wort Gottes auch künftig „in mir und in euch“ bewirke.

Im Mittelpunkt stand der gemeinsame Rückblick auf die neun Jahre ihres Wirkens in der Versöhnungskirche. Die Kirchengemeinderäte sagten, Luiking habe eben nicht sämtliche Aufgaben selber übernommen. So mussten und konnten sich die Laien „auf das besinnen, was in der Gemeinde an Kompetenzen vorhanden ist“ und sie seien „aneinander und miteinander gewachsen“. Unter Luikings Leitung sei „die Gemeinde als Kommunikationsort entwickelt worden, der die Themen der Menschen aufnimmt“, lautete eine der im Wechsel vorgetragenen Würdigungen. Und eine andere: „Durch dich ist eine Form der Gemeindeleitung gewachsen, die nicht das Machen in den Mittelpunkt stellt, sondern das Wirken.“

Erwähnt wurden das Hineinwachsen in die Gesamtkirchengemeinde Biberach, veränderte Gottesdienstzeiten, das Lutherjahr, die Fortschritte in der Ökumene vor Ort, das Flüchtlings- und das Repair-Café sowie die Sanierung des Kirchendachs – um nur einige Stichworte zu nennen. Ein Projekt ende nun, aber „es landet nicht in der Ablage“. Auch der stellvertretende Dekan Gunther Wruck sagte: „Es liegen im Ackerboden der Gemeinde noch einige Saatkörner, die noch nicht aufgegangen sind.“

Dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, griff Luiking in ihrer Predigt auf. Damit das Wort Gottes wirke, dürfe es nicht an der Oberfläche bleiben wie ein Platzregen, müsse tiefer eindringen ins Innere. Und es sei nicht an den Einzelnen gerichtet, ziele vielmehr darauf, „dass wir es gemeinsam umsetzen“, sagte Luiking. „Aus dem Wort wachsen Taten, wenn wir’s ernst nehmen.“

Das Motto der Feier wurde auf vielfältige Weise widergespiegelt – typisch für Luiking, die in ihrer Zeit auch neue Elemente der Gottesdienstgestaltung angestoßen hatte: Zum Abschied nochmals durch Bilder von Beate Bitterwolf, die für die Pfarrerin „die wilde lebendige Kraft des Wachstums“ symbolisieren. Und durch das aus J. S. Bachs Musik herauszuhörende Motiv, wie Gottes Segen dem Regen gleich auf die Erde fällt und ganz viel aufblühen lässt.

Für diese und andere Musik sorgten Miriam Klüglich (Violine), Harald Sinot (Klavier), Manuela Stolz (Oboe) und Brigitte Eichhorn-Friedrich (Orgel). Als Übergang zum anschließenden Empfang erklang in der Kirche der Jazzklassiker „Take Five“ nach Dave Brubeck.

Die Kirchengemeinderäte schenkten Andrea Luiking und ihrem Mann Michael unter anderem eine Holzbank. Die Vertreter vieler Einrichtungen, die mit der Pfarrerin zu tun hatten, verabschiedeten sich persönlich. Die Kinder des evangelischen Kindergartens zum Beispiel mit einem Segenslied. Der katholische Pfarrer Jürgen Sauter sagte, Luiking habe seines Wissens als erste Protestantin in St. Johannes Evangelist gepredigt. Er dankte für das große gegenseitige Vertrauen, das für eine gemeinsame Feier von Eucharistie und Abendmahl nötig gewesen sei.

Bürgermeister Klaus B. Reichert sagte, Luikings Wechsel sei „für die Gemeinde und die Pfarrei ein großer Verlust, aber ich habe größtes Verständnis, dass Sie sich noch mal verändern wollen“.

Text/Foto Markus Dreher

© Schwäbische Zeitung 01.02.2020

Prälatin Gabriele Wulz (von links) und Pfarrer Gunther Wruck überreichen Ulrike Werthmann ihre Urkunde für 15 Jahre Ehrenamt. (Foto: Teresa Heinzelmann)

700 Jahre kirchliches Ehrenamt
Evangelischer Kirchenbezirk verabschiedet Kirchengemeinderäte

 

von Teresa Heinzelmann

Der evangelische Kirchenbezirk Biberach hat die Kirchengemeinderäte (KGR), die zu den Kirchenwahlen im Dezember nicht mehr angetreten waren, verabschiedet. Bevor im Martin-Luther-Gemeindehaus Urkunden für das Engagement im kirchlichen Ehrenamt überreicht wurden, trafen sich die KGR zu einem Gottesdienst mit Prälatin Gabriele Wulz in der Evangelischen Spitalkirche.

Die Prälatin nahm in ihrer Predigt Bezug auf Mose, der kurz vor dem Einzug des Volkes Israel in das gelobte Land sein oft störrisches und murrendes Volk noch einmal segnete. So mögen auch die jetzt ausscheidenden KGR nicht nostalgisch oder mit Blick auf manche Durststrecke auf ihre Zeit im Kirchengemeinderat zurückschauen, sondern mit Dankbarkeit und Hoffnung den Blick nach vorne richten

Pfarrer Gunther Wruck aus Ersingen, derzeit stellvertretend als Dekan tätig, hatte zusammengerechnet, dass die anwesenden Kirchengemeinderäte auf knapp 700 Jahre kirchliches Ehrenamt kamen. Rudolf Gerster aus Balzheim und Hans Schließer aus Wain waren jeweils 36 Jahre – und damit sechs Wahlperioden – dabei, Erwin Gering und Adelheid Olischläger engagierten sich mehr als drei Jahrzehnte ehrenamtlich für die Kirchengemeinde in Biberach.

Für Monika Schreiner, sechs Jahre KGR in Ummendorf, war es interessant, die Gemeinde zu „leiten und gestalten“. Zwei Projekte liegen ihr besonders am Herzen: das Begegnungscafé in Ummendorf, ein Treffpunkt für Geflüchtete und Einheimische, sowie das Repair-Café, das am letzten Samstag im Monat die Möglichkeit bietet, Gegenstände zur Reparatur auf Spendenbasis vorbeizubringen. Hinter dem Projekt steckt für sie auch der christliche Auftrag, Schöpfung und Umwelt zu bewahren, also Dinge lieber zu reparieren, anstatt sie wegzuwerfen. „Mir war es immer wichtig, über solche Projekte auch Menschen außerhalb der Kirche einzubeziehen“, erzählt Monika Schreiner.

Ulrike Werthmann, zwölf Jahre im Vorsitz des Biberach Gesamtkirchengemeinderats tätig, erzählt von den zum Teil schwierigen Prozessen, die in den vergangenen Jahren lange Diskussionen mit sich brachten: die Fusion dreier Kirchengemeinden zur Stadt-Kirchengemeinde, die Diskussionen um die Immobilien der Biberacher Gesamtkirchengemeinde, allen voran die Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Martin. Trotz auch stressiger Phasen schaut Ulrike Weltmann mit Freude auf ihre Zeit im Ehrenamt zurück, was vor allem an der Gemeinschaft im KGR liegt: „Ich hab ganz viele Menschen kennengelernt, die sich mit ihren vielseitigen Fähigkeiten eingesetzt haben.“

Ähnlich sieht es auch Witali Herzel, Kirchengemeinderat in der Stadt-Kirchengemeinde Biberach: Das Miteinander, die Erfahrung von Gemeinschaft ist das Schönste. „Ich habe eigentlich alles. Und darum will ich der Gesellschaft durch mein kirchliches Engagement auch wieder was zurückgeben“, begründet er seine Motivation, ehrenamtlich für die Kirche zu arbeiten. Rückblickend sei es ihm auch gelungen, etwas zurückzugeben. Und „weg vom Fenster“ sei er aufgrund der Verabschiedung noch lange nicht – auch weiterhin will er bei Veranstaltungen und Festen der Kirchengemeinde mithelfen.

 

 

© Schwäbische Zeitung 01.02.2020

Wer hier Klatsch und Tratsch vermutet, liegt falsch: In der Wainer Strickrunde steht vor allem der fachliche Austausch im Vordergrund. (Foto: Rebekka Eyrich)

Komme was Wolle
Frauen aus allen Altersgruppen stricken gemeinsam im Wainer Gemeindehaus

von Rebekka Eyrich

Stricken, häkeln, sticken – etwas für ältere Damen, die es sich hinter dem Kachelofen bequem gemacht haben? Nicht bei „ “, einem Stricktreff für Neueinsteiger und Erfahrene in der Handarbeit. Wöchentlich treffen sie sich zum fachlichen Austausch und selbst bei einem deutschen Rekord waren sie dabei.

Strümpfe, der Klassiker. Ein Loop, das Experiment. Die Weste, etwas für Profis. Bei „Komme was Wolle“, einer Kunkelstube von heute, kann man allerhand bestaunen, kommt die voran, die nicht weiter weiß oder noch nie mit der wollenen Materie zu tun hatte. Bis zu 15 Frauen, von der Grundschülerin bis zu Achtzigjährigen, sitzen im Wainer Gemeindehaus wie in einem Wohnzimmer zusammen und fachsimpeln in der Gemeinschaft über Pulswärmer und tunesisch Häkeln.

Die Leidenschaft geerbt

Der Kopf von „Komme was Wolle“ ist Andrea Schließer. Stricken ist ihre Leidenschaft. Vermutlich deshalb, weil sich so viel dahinter verbirgt. „Für mich ist Stricken Entspannung“, sagt die 56-Jährige. Mit jeder neuen Masche komme sie los vom Alltäglichen, kann ihren Gedanken freien Lauf lassen, sie ordnen. Und andererseits studiert Schließer englische Anleitungen, probiert gerne Neues, sucht die Herausforderung. Von ihrer Großmutter hat sie das Stricken gelernt, die Leidenschaft geerbt, sinniert sie.

Als die Idee an sie herangetragen wird, einen Stricktreff ins Leben zu rufen, zögert sie kurz: „Hat das Potenzial?“, fragt sie sich. Zwei, denen sie davon erzählt, sind begeistert. „Dann wären wir immerhin zu dritt“, überlegt sie. Sie gibt sich einen Ruck und veröffentlicht die Einladung im Amtsblatt. „Zum ersten Treffen sind zehn Frauen gekommen“, erinnert sich die studierte Werbefachwirtin.

„Hast du die Rundstricknadeln dabei?“, „Wie würdest du an dieser Stelle weitermachen?“ „Hast du die Anleitung mitgebracht?“ Kaum haben sich am Freitagabend um halb acht die Handarbeitsbegeisterten eingefunden, werden Fachfragen geklärt und sich in die Arbeit vertieft. Wer hier eine Tratsch- und Klatschrunde vermutet, liegt ganz offensichtlich falsch. Dass viele langjährige Erfahrung haben, das gefällt auch Sonja Wehr. „Man sieht etwas Neues, wird herausgefordert“, sagt sie, die aktuell tunesisch häkelt. „Außerdem komme ich mit Leuten zusammen, die ich sonst nicht treffen würde.“ Christa Böhringer, mit dem Klassiker beschäftigt, gefällt neben dem fachlichen Austausch die Geselligkeit. Geschichten von früher machen die Runde während Kerzen, Tee und Gebäck ganz nebenbei eine wohlige Atmosphäre verbreiten.

Anregungen zum Ausprobieren

Schließer freut sich, dass so unterschiedliche Menschen zusammenkommen. „Eine junge Frau wollte einen Loop stricken und sich das zeigen lassen“, erläutert sie. Die anderen Frauen waren ihr gerne behilflich. „Zu Hause fertigte sie den Hauptteil und kam dann zum Abschluss der Handarbeit noch einmal vorbei.“ Fachlicher Austausch, die gemeinsame Leidenschaft sind das eine. Das andere sind Anregungen, die Schließer zum Abschluss eines jeden Strickabends mitgeben möchte. Geschichten aus dem Leben sind das, die vermitteln, Gott ist da, kennt Dich, weiß um Dein Leben, Deine Freuden, Deine Sorgen. So geht es auf dem Heimweg so manches mal um den geistlichen Impuls.

Ein Höhepunkt für „Komme was Wolle“ war sicherlich, Teil der deutschlandweiten Strick-Community zu werden. Zehn Frauen fuhren im vergangene Sommer nach Memmingen, um dort am deutschen Strickrekord mitzuwirken. 189 Menschen versammelten sich, um 30 Minuten lang konzentriert ihre Handarbeit voranzubringen. Am Ende stellten sie den bestehenden deutschen Rekord ein. „Das war eine schöne Erfahrung, ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt Schließer und lacht, als sie an die ungewöhnliche Szenerie in der Memminger Stadtmitte denkt. Mit nach Hause gebracht haben sie einen Teil eines gestrickten Wimpels, der jetzt im Wainer Gemeindehaus hängt.

Text/Foto von Rebekka Eyrich