© Schwäbische Zeitung 23.01.2020

Pfarrer Johannes Schüz wird am Sonntag, 23. Januar, 11 Uhr in der Bonhoefferkirche Biberach verabschiedet. (Foto Gerd Mägerle)

Die Zeit als „Feuerwehrmann“ geht zu Ende

Der evangelische Pfarrer Johannes Schüz verabschiedet sich am Sonntag von Biberach

 

Fürs Packen der Umzugskartons hat der evangelische Pfarrer Johannes Schüz noch etwas Zeit. Zwar wird er am Sonntag, 26. Januar, ab 11 Uhr in der Bonhoefferkirche auf dem Mittelberg offiziell in Biberach verabschiedet. An seine neue Wirkungsstätte in Ravensburg-Eschach wird er allerdings erst nach einer zweimonatigen Elternzeit umziehen.

Der 35-jährige Pfarrer, der verheiratet und Vater zweier kleiner Söhne (drei Jahre und zehn Monate) ist, freut sich auf die neue Stelle. „Es ist gut, in Eschach einen Platz zu haben, der mir und meiner Familie auf längere Sicht eine Perspektive bietet.“ Nach vielen Umzügen sehne er sich nach etwas mehr Konstanz.

Denn die Biberacher Zeit, die für den aus Schwäbisch Hall stammenden Pfarrer nach seinem Vikariat in Wangen/Allgäu im September 2016 in Ummendorf begann, war gekennzeichnet von einigen Wechseln. So war er im Kirchenbezirk als Pfarrer zur Dienstaushilfe zunächst bis Ende 2017 in Mengen, später dann schwerpunktmäßig in Biberach in der Bonhoeffergemeinde und in der Heilig-Geist-Gemeinde.

Diese Zeit als „Feuerwehrmann“ habe ihn allerdings auch weitergebracht. „Ich habe als junger Pfarrer hier Laufen gelernt und bin in meinem Beruf angekommen“, sagt er. So habe er in Mengen bereits eine große Verantwortung gehabt und in Biberach die Fusion der Kirchengemeinden miterlebt. „Dadurch habe ich Erfahrung und Sicherheit gewonnen“, sagt Schüz. Aber auch nach dreieinhalb Jahren gebe es immer noch „erste Male“ im Pfarrersberuf. „Zum Beispiel das Schreiben des ,Geistlichen Worts’ für die ,Schwäbische Zeitung’“, sagt er und schmunzelt.

Aus Biberach nehme er gute Erinnerungen mit. Beeindruckt habe ihn, welchen Stellenwert die Ökumene habe. „Die gehört ja auch ein bisschen zur DNA der Stadt.“ Auch den Umgang mit den Pfarrerskollegen habe er sehr geschätzt. „Das war hier sehr besonders und ist bestimmt nicht überall so“, meint Schüz.

Etwas traurig stimme ihn daher, dass noch nicht klar sei, wer seine Nachfolge antreten wird. „Dadurch, dass Dekan Koepff nun im Ruhestand ist und sein Nachfolger noch nicht begonnen hat und auch Pfarrerin Luiking Ummendorf verlässt, gibt es gerade sehr viele Wechsel, die für die Kollegen hier nicht einfach sind“, sagt er.

Schüz wurde 1984 in Herrenberg geborgen und ist in Schwäbisch Hall aufgewachsen. Sein Theologiestudium absolvierte er in Tübingen und Leipzig. Seine Investitur in Eschach wird am Palmsonntag, 5. April, sein. Besonders reizvoll sei für ihn, dass ein Schwerpunkt dort die Familienarbeit sein wird.

Text / Foto von Gerd Mägerle, Schwäbische Zeitung

© Schwäbische Zeitung 21.01.2020

Vereint im Dienst am Herrn: Die neuen und scheidenden Ratsmitglieder, die neue Pfarramtssekretärin, deren Vorgängerin sowie Pfarrer Ernst Eyrich und Kirchenpflegerin Andrea Schließer.

Hans Schließer scheidet nach 36 Jahren aus dem Rat aus

Wain (mu) Im Sonntagsgottesdienst hat Pfarrer Ernst Eyrich in Wain die neuen Kirchengemeinderäte eingesetzt. Eine neue Rätin ist hinzugekommen, Hans Schließer wurde aus diesem Gremium verabschiedet. Ebenso wurde die Pfarramtssekretärin Klara Villwock verabschiedet sowie Nicole Rechtsteiner als ihre Nachfolgerin eingesetzt.

Neun im Dezember gewählte Kirchengemeinderäte wurden von Pfarrer Eyrich in ihr Amt eingesetzt. Sieben Mitglieder des Gremiums kommen aus Wain (Christian Geiger, Manuel Mussotter, Markus Schließer, Melanie Springer, Traugott Unterweger, Martin Walcher und Frieder Wegmann); dazu kommen Monika Böhringer (Großschafhausen) und Ingeborg Neubert (Schwendi). Die Wainer Kirchenpflegerin Andrea Schließer sowie Pfarrer Eyrich gehören dem Rat ebenfalls an.

Auf eigenen Wunsch schied Hans Schließer nach 36 Jahren im Amt aus dem Rat aus. Eyrich bezeichnete Schließer in seiner Dankesrede als „Joker“, denn dieser brachte und bringt sich auf vielfältige Weise ins Gemeindeleben ein. Hans Schließer wurde mit der Johannes-Brenz-Medaille der Württembergischen Landeskirche in Bronze ausgezeichnet.

Klara Villwock dankte der Pfarrer für über 36 Jahre Arbeit als Pfarramtssekretärin. Über diesen langen Zeitraum habe sie sich mit großem Sachverstand und Einschätzungsvermögen in der Kirchengemeinde Wain engagiert, ebenso lange Zeit als Kirchengemeinderätin und als Vorsitzende des Rates der Stiftung Michaelskirche Wain. Zudem tragen nun die Wainer Kirchenbücher über diesen langen Zeitraum die Handschrift Villwocks, denn sie würden handschriftlich geführt, so Pfarrer Eyrich.

Besonders freute sich Eyrich über die Einsetzung der neuen Pfarramtssekretärin Nicole Rechtsteiner, die noch von ihrer Vorgängerin in ihre neue Aufgabe eingearbeitet worden war. Als Villwock 1984 das Amt übernahm, sei im Pfarramtssekretariat die elektronische Schreibmaschine mit eingezogen, mit Nicole Recht-steiner erhält das Büro nun einen eigenen Computer.

Alle eingesetzten Rätinnen und Räte und auch die Sekretärin des Pfarramtes versprachen vor der Gemeinde, ihr Amt im Aufsehen auf Jesus Christus wahrzunehmen.

Bildunterschrift: Vereint im Dienst am Herrn: Die neuen und scheidenden Ratsmitglieder, die neue Pfarramtssekretärin, deren Vorgängerin sowie Pfarrer Ernst Eyrich und Kirchenpflegerin Andrea Schließer. Foto mu

© Schwäbische Zeitung 22.01.2020

Thorsten Bleich musiziert an der Laute in der evangelischen Kirche Bad Buchau.

Mit Luthers Laute durch Oberschwaben nach Rom – Thorsten Bleich musiziert in Bad Buchau
Thorsten Bleich musiziert an der Laute in der evangelischen Kirche Bad Buchau.

Mit feingliedrigen Klängen seiner Renaissance-Laute hat Thorsten Bleich die Zuhörer in der evangelischen Kirche Bad Buchau in die Zeit des frühen 16. Jahrhunderts geführt. Alle vorgestellten Komponisten stammten aus dieser Zeit und ihre Musik hatte Verbindung zu Martin Luther und seiner Reise nach Rom.

Mit einer beeindruckenden Verbindung von akkordlichen Bausteinen und virtuosen Läufen auf seiner Laute bei „Tastar de corde“ von Joan Ambrosio Dalza aus dem 16. Jahrhundert begann Thorsten Bleich seinen musikalischen Gang anhand von Martin Luthers musikalischem Reisetagebuch seiner Fahrt nach Rom. Eine zauberhafte Melodie, vielfach feinsinnig umrahmt, passte zur Intimität des Kirchenraums und schuf so eine gemeinschaftsbildende Atmosphäre. Diese wird auch geprägt durch die in der Zeit der Renaissance typische Taktausrichtung.

„Martin Luther war ein musikalischer Mensch“, stellte Pfarrer Markus Lutz in seiner Anmoderation fest. „Er wusste von dem Nutzen der Musik, sie erfreut den Menschen, macht ihn fröhlich und beschwingt.“ Musik sei ein göttliches Geschenk, dem Satan und allem Bösen zuwider. Luther habe selbst auch Laute gespielt und immer wieder Kritik an den Fürsten geübt, die ausgerechnet an der Musik und den Kosten, die sie mit sich bringt, sparen wollten.

Zwischen 1474 und 1508 kamen alle Komponisten zur Welt, deren Werke Thorsten Bleich vorstellte. Und doch offenbarte jedes Werk sein spezielles Gesicht und seinen eigenen Charakter. Ob beim „Rey Moro“ von Luis de Narvarez oder einem Ricerare von Francesco da Milano, dem späteren Lautenisten des Papsts, immer wieder faszinierte die Kombination von heiter fließenden melodischen Teilen und klarer akkordlicher Mitgestaltung. So ging von Themen mit tänzerischem Taktgefühl stets ein besonderer Reiz aus. Solch durchdachte Strukturierung vereinte sich trotz erschwert eingebauter Synkopen mit erfrischenden Szenen von fast erdenferner Leichtigkeit zu ungestört musikalischem Genuss.

Dies gilt auch für ein beschwingtes französisches Chanson des Hoflautenisten Pierre Attaignant: Klar in der Melodie, vielfach mit kleinen Tonfolgen untermalt, verziert und aufgeheitert. Doch stets zu bestaunen die bewundernswerte Fingerfertigkeit des Künstlers Bleich.

Als Gegensatz dazu „De tous biens“ von Vincenzo Capriola. Klar ausgerichtet in fast marschähnlichen Komponenten erheben sich darüber virtuose Spielereien, die sich zu einem klingenden Gesamtkunstwerk vereinen. Melodisch breit ausladend der Beginn zu „Past Time“ von Henry VIII, wenngleich jeder der nachfolgenden klar voneinander getrennten Teile seinen eigenen Reiz versprühte.

„Martin Luther kam auf seinem Weg nach Rom mit Sicherheit durch Oberschwaben, vielleicht auch durch die Gegend um Biberach“, meinte Bleich. Die Zuhörer spürten, wie sehr der Künstler mit der Renaissance-Laute, auf der er musizierte, verwachsen ist und deren Klänge einen Teil seines Lebens bedeuten. So lädt Bleich die Zuhörer in der Stunde der leisen Töne zum Nachdenken ein, zum Sich-Zurücklehnen, zum Meditieren. Stets beeindruckend: die Virtuosität der Fingerfertigkeit, mit der er melodische Grundthemen mit ziselierender Ornamentik und klaren Begleitbausteinen zu einem hörenswerten Gesamtklang zu vereinen weiß.

Text/Foto Kurt Zieger, Bad Buchau

© Schwäbische Zeitung 15.01.2020

Foto 17a: Die Mitglieder des neugewählten KGR (von links nach rechts): Joachim Krämer, Sabine Martin, Paul Ortlieb, Margot Stooß, Sabine Schilberg, Christian Keinath, Ulrich Höchsmann, Nadja Schienke-Weigold, Fredy Wohnhas, Elisabeth Kilian, Andreas Henrich und Bernd Pfister. (Foto: Privat)

Es ist ein feierlicher Gottesdienst gewesen: Am vergangenen Sonntag ist der neue Kirchengemeinderat der Evangelischen Kirchengemeinde in sein Amt eingeführt worden. Die Wahl hatte am 1. Advent stattgefunden. In dem Gottesdienst verabschiedete die Gemeinde auch zwei ausgeschiedene Mitglieder, die sich nicht mehr zur Wahl gestellt hatten, und dankte ihnen für die geleistete Arbeit.

Pfarrer Christian Keinath betonte bei seinen Dankesworten, dass beide ihre positiven Spuren im Gremium und in der Kirchengemeinde hinterlassen. Martin Gröner habe sich insbesondere in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) engagiert. Lust an gelingender Ökumene und Leiden an den kirchenpolitischen Grenzen eines intensiveren Miteinanders von Christen unterschiedlicher Konfessionen seien bei ihm immer spürbar gewesen, sagte Keinath.

Spuren für die Ewigkeit

Marion Cascorbi hinterlasse Spuren für lange Zeiten, sagte Pfarrer Keinath der zweiten Ausscheidenden mit einem Augenzwinkern. Schließlich würden die von ihr als Schriftführerin verfassten Protokolle beinahe für „alle Ewigkeit“ archiviert. „Wer ein Ehrenamt antritt, darf das in der gleichen Freiheit auch wieder beenden“, betonte Keinath. Gleichzeitig würden beide vom Gremium als Persönlichkeiten vermisst.

In seiner Predigt zur Amtseinführung über die Taufe Jesu machte der Pfarrer deutlich, dass Vielfalt von Anfang an zum Christentum und seiner religiösen Überlieferung gehöre. Schließlich gebe die Bibel in den Evangelien vier ganz unterschiedliche Berichte von der Begegnung Jesus Christ mit Johannes dem Täufer wieder. Das sei ein theologischer Impuls, den Glauben und das Gemeindeleben auch heute vielfältig zu interpretieren und zu gestalten. Alle Getauften hätten letztlich Amt und Aufgabe, als „souveräne Söhne und Töchter Gottes“ zu leben, im religiösen Sinn Geschwister Christi zu sein.

Der Kirchengemeinderat habe eine besondere Verantwortung und die Aufgabe, mit den Hauptamtlichen auf Augenhöhe die Gemeinde zu leiten, erklärte der Pfarrer. Nach einer Zeit intensiven Wechsels bei den Pfarrern und im Diakonat der Kirchengemeinde stünde der KGR jetzt auch für ein Stück Kontinuität. Keinath wünschte dem neuen Kirchengemeinderat für die gemeinsame Arbeit in den kommenden Jahren Gottes Segen.

Bildunterschrift:
Die Mitglieder des neugewählten KGR (von links nach rechts): Joachim Krämer, Sabine Martin, Paul Ortlieb, Margot Stooß, Sabine Schilberg, Christian Keinath, Ulrich Höchsmann, Nadja Schienke-Weigold, Fredy Wohnhas, Elisabeth Kilian, Andreas Henrich und Bernd Pfister. (Foto: Privat)