© Schwäbische Zeitung 29.06.2020

Dekan Matthias Krack (rechts) führt den neuen geschäftsführenden Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Walter Schwaiger, bei der Investitur am Sonntagmorgen in sein Amt ein. (Foto: Anita Metzler-Mikuteit)

Herzlicher Empfang für Walter Schwaiger


Investitur des neuen evangelischen Pfarrers – Ökumenisches Miteinander soll lebendig bleiben

Aufgrund der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen haben nur wenige Gläubige am Sonntagmorgen bei der Amtseinführung von Walter Schwaiger in der Christuskirche dabei sein können. Trotz der Abstandsregelungen ist es den Beteiligten im Rahmen des Investitur-Festgottesdienstes gelungen, dem neuen evangelischen Pfarrer einen persönlichen und herzlichen Empfang zu bereiten.

 

Nicht nur Walter Schwaiger stellt sich an diesem Vormittag der Gemeinde vor, sondern auch Matthias Krack. Der 51-Jährige war unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen und hat am 1. Mai als Nachfolger von Hellger Koepff das Amt des Dekans im Evangelischen Kirchenbezirk Biberach übernommen. „Walter Schwaiger wird vieles gleich mit großem Elan angehen“, sagt Matthias Krack, bevor der Nachfolger von Paul Bräuchle aus seinem beruflichen wie privaten Leben erzählt. Der 55-Jährige zeigt sich davon überzeugt, dass an seinem neuen Wirkungsort hier in Bad Saulgau die bisher über viele Jahre gesponnenen Fäden auf eine gute und stimmige Weise zusammenkommen, sich verbinden und verknüpfen lassen. Das Reich Gottes solle in Bad Saulgau weitergebaut werden, fährt er fort. Ein stabiler Grund dafür sei bereits gelegt.

 

In seiner ersten Predigt bezieht sich der zukünftige geschäftsführende Pfarrer zunächst auf Micha 7 der Lutherbibel. Hier geht es unter anderem darum, an seinem Zorn nicht ewig festzuhalten, sondern der jeweiligen Situation mit Gnade zu begegnen. An dieser Stelle nennt Schwaiger Beispiele aus bisher Erlebtem, die zeigen, dass Zorn und Groll „mühelos viele Jahre in unseren Seelen überwintern können“. „Bis er ausbricht wie ein Vulkan, der lange schlief.“ Zerstörerische Emotionen wurden dabei „gehegt und gepflegt“. Alles, was möglicherweise doch für die andere Sichtweise spricht, würde ignoriert und entwertet. „Wie gut ist es da, von Gott zu hören, dass er an seinem Zorn nicht ewig festhält..., wenn Groll und Zorn der Gnade weichen, der Versöhnung und Vergebung“, sagt Walter Schwaiger und thematisiert die Nachwirkungen dieses „Aktes der Befreiung“: Alle würden wieder aufatmen, sich am neuen Miteinander freuen, daran, dass das Leben sich wieder Bahn bricht, die Erstarrung sich löst und das Leben schließlich wieder fließen kann.

 

Er spricht sich dafür aus, in der Gemeinde vor allem auch die Menschen zu suchen und selig zu machen, die voller Groll sind, die einen schweren Fehler gemacht haben und sich diesen nicht verzeihen können. Oder die zu suchen, die tief verletzt wurden oder meinen, immer stark sein zu müssen. „Jeder Mensch hat seine ganz eigene Verlorenheit“, fährt er fort und spricht sich dafür aus, die Gemeinde zu einem Ort der Hoffnung zu machen. Hoffnung hin zu Veränderung, zu Vergebung und Heilung. „Und ich habe große Lust, mit ihnen zusammen diese Hoffnung zu wecken, sie zu leben, zu stärken, zu feiern und mit anderen zu teilen.“

 

Worte des Danks und großer Wertschätzung gibt es auch von den Investitur-Zeugen Nicole Gneiting und Klaus Backhaus. „Du verstehst es, Ökumene zu leben und wirst ein Gewinn für die Kirche hier sein“, sagt die dritte Zeugin Esther Rumpel von der evangelischen Kirchengemeinde Ostrach.

 

Dass das ökumenische Miteinander auch weiterhin so lebendig bleibt wie bisher, darauf hofft auch Dekan Peter Müller und erinnert in seinem Grußwort an die Zusammenarbeit mit Paul Bräuchle, die oft mit der Umschreibung „Peter und Paul“ einherging. „Auch wir werden wieder so ein Markenzeichen finden“, so Peter Müller schmunzelnd. Bürgermeisterin Doris Schröter lässt keine Zweifel aufkommen, dass es in dieser dynamischen Stadt mit ihren herzlichen Menschen weiterhin eine „hervorragende Zusammenarbeit“ mit der Verwaltung geben wird.

 

Weitere Grußworte kommen von Angelika Grimm von der katholischen Kirchengemeinde Herbertingen, Dr. Jite Erharhaghen von der Freien Christengemeinde, Magnus Hoppe, Bürgermeister von Herbertingen, Schuldekan Michael Pfeiffer und Pfarrerin Stefanie Zerfaß für die Kollegen des Kirchendistriktes.

 

Der erwartete Regen bleibt an diesem Sonntagvormittag aus, sodass der Posaunenchor im Garten des evangelischen Kinderhauses einen stimmigen musikalischen Abschluss gestalten kann. Deborah und Sebastian Lange haben zuvor den Festgottesdienst mit Musik und Gesang auf berührende Weise umrahmt.

© Schwäbische Zeitung 23.06.2020

Marion Hohenhorst (v. li.) und Ella Emmerling werden am Sonntag mit der Brenz-Medaille ausgezeichnet. (Foto: Sybille Glatz)

„Es war eine ganz intensive Zeit“

Marion Hohenhorst und Ella Emmerling erhalten höchste Auszeichnung der Landeskirche

Erolzheim/Rot an der Rot

Der evangelische Gottesdienst am kommenden Sonntag in Rot an der Rot wird aus zwei Gründen ein ungewöhnlicher: Zum einen findet er „im Grünen“ statt, das heißt Pfarrerin Margit Bleher und die Gottesdienstbesucher versammeln sich ab 10 Uhr im Garten der Christuskirche. Zum anderen wird Bleher zweimal die Johannes-Brenz-Medaille verleihen.

 

Die Medaille ist die höchste Auszeichnung der württembergischen Landeskirche und benannt nach dem evangelischen Theologen und Reformator Johannes Brenz (1499–1570). Gestaltet hat die Medaille 1992 der renommierte Baden-Badener Medailleur Victor Huster. Die Landeskirche verleiht die Medaille an Gemeindemitglieder, die mindestens 30 Jahre lang ehrenamtlich in der Kirchengemeinde tätig waren. Je eine Brenz-Medaille in Bronze werden am Sonntag die zwei Kirchengemeinderätinnen Marion Hohenhorst und Ella Emmerling erhalten. Zusammengerechnet sind sie seit 62 Jahren ehrenamtlich in der evangelischen Kirche aktiv. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ blicken sie auf drei bewegte Jahrzehnte zurück.

 

„Der Pfarrer hat mich beim Taufgespräch für unseren zweiten Sohn angesprochen und gefragt, ob ich nicht für den Kirchengemeinderat kandidieren möchte“, berichtet Hohenhorst. Das war 1989. Hohenhorst, damals 30 Jahre alt, zögerte etwas. „Wer soll mich denn hier wählen?, hab ich mich gefragt. Hier kennt mich doch niemand“, erzählt sie. Hohenhorst stammt aus dem Münsterland und kam aus beruflichen Gründen zusammen mit ihrer Familie nach Oberschwaben. Sie ist kirchliche Religionspädagogin und unterrichtet als Religionslehrerin an Schulen. „Wir hatten hier keine Verwandten, kannten sonst niemanden“, berichtet Hohenhorst.

 

Trotz ihrer Bedenken sagte sie zu und kandidierte. Wie sich herausstellte, waren ihre Zweifel unberechtigt. „Ich erhielt mehr Stimmen als Kandidaten, die schon im Rat waren“, erinnert sie sich. Hohenhorst wurde Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats (KGR), allerdings nicht der Kirchengemeinde Erolzheim-Rot, sondern von Kirchdorf-Rot. Denn die Kirchengemeinde Erolzheim-Rot gab es damals vor 31 Jahren noch nicht. Sie wurde erst später gegründet, 2005. Die Gründung der neuen Kirchengemeinde erlebte Hohenhorst hautnah mit. „Es war eine ganz intensive Zeit“, berichtet sie.

 

Hohenhorst wechselte in den KGR der neu gegründeten Kirchengemeinde Erolzheim-Rot, zu der Erlenmoos, Erolzheim, Gutenzell-Hürbel, Rot an der Rot und Steinhausen an der Rottum gehören. Dort wurde sie abermals Zweite Vorsitzende. Im neu gebildeten Gremium sitzt auch Ella Emmerling. Wie Hohenhorst kommt Emmerling ebenfalls ursprünglich nicht aus Oberschwaben. 1974 zog sie von Heidelberg nach Ochsenhausen, weil sie dort eine Lehrerstelle bekam. „Ich kam nicht freiwillig ins Oberland“, sagt sie. Emmerling unterrichtete lange Zeit an der Realschule Ochsenhausen. „Als ich nach Ochsenhausen kam, war die Stadt noch sehr ländlich. Auf den Stufen des Rathauses saß eine Ente“, erinnert sie sich.

 

Auch in anderer Hinsicht unterschied sich Ochsenhausen in den 1970er-Jahren von heute. So waren die Unterschiede zwischen den Konfessionen noch stärker spürbar. „Eine Nachbarin fragte mich einmal, ob ich ,wüschtgläubig’ sei. Ich wusste gar nicht, was das Wort heißt, ,wüschtgläubig’“, erinnert sich Emmerling.

 

Ebenso wie Hohenhorst wird auch sie 1989 gefragt, ob sie nicht für den KGR der Kirchengemeinde Ochsenhausen kandidieren möchte. Emmerling, damals 37 Jahre alt und in der Jugendarbeit der Gemeinde aktiv, zögert nicht. „Ich habe sofort ja gesagt, weil ich das Gremium kannte.“ Weil sie in Steinhausen wohnt, wechselt auch sie 2005 in den KGR der neuen Kirchengemeinde Erolzheim-Rot. Hohenhorst und Emmerling sind seither beide ohne Unterbrechung im Gremium. Als eine große Herausforderung beschreiben sie den Bau des neuen Pfarrhauses in Rot, der 2010 abgeschlossen wurde. „Es hat sehr viel Zeit und Mühe gekostet, wir hatten sehr viele Sitzungen“, sagt Hohenhorst.

 

Im Rückblick sehen sowohl Hohenhorst als auch Emmerling einen entscheidenden Faktor in der Arbeit des KGR: „Es hängt sehr vom Inhaber der Pfarrstelle ab“, sagt Emmerling. Diese Sicht teilt Hohenhorst. „Es war unterschiedlich, wie stark wir als KGR in die Arbeit in der Kirchengemeinde eingebunden waren. Das war sehr vom jeweiligen Pfarrer abhängig“, sagt sie. Aktuell ist die Pfarrstelle in Erolzheim-Rot unbesetzt. Der vorherige Pfarrer Maximilian Jaeckel verließ Erolzheim-Rot zum 1. September 2019. Seither kümmert sich Pfarrerin Margit Bleher vertretungsweise um die Gemeinde. Bisher habe sich noch niemand auf die Stelle beworben, sagt Bleher.

 

Das Wissen, dass die Kirchengemeinde unter Umständen noch längere Zeit ohne Pfarrer auskommen müsse, sei für sie einer der Gründe gewesen, weshalb sie 2019 noch einmal kandidierte, sagt Hohenhorst. „Die Kirchengemeinde liegt mir sehr am Herzen. Ich habe viel Zeit und Arbeit in ihre Gründung investiert“, erklärt sie. „Man kann sich nicht hinsetzen und erwarten, dass andere alles machen und die Welt gut wird“, beschreibt Emmerling ihre Motivation. Auch sie kandidierte 2019 erneut. „Eine Kirchengemeinde könnte nicht existieren ohne Menschen wie Frau Hohenhorst und Frau Emmerling. Ich habe großen Respekt davor“, sagt Bleher. Daher habe sie beide bei der Landeskirche für die Brenz-Medaille vorgeschlagen.

© Schwäbische Zeitung 03.06.2020

Pfingstjugendtreffen im Corona-Jahr als „Autokino“

Junge Wainer organisieren eine Liveübertragung aus Aidlingen

Wain

Über das Pfingstwochenende hat der Wainer Jugendkreis am Samstag- und Sonntagabend ein Jugendtreffen als „Auto-kino“ veranstaltet. Dafür gab es eine Liveübertragung aus Aidlingen bei Böblingen, wo sich seit Jahrzehnten Tausende junge Christen zum Pfingstjugendtreffen einfinden. Auch die Wainer Jugendlichen waren immer gerne zu dieser Großveranstaltung gereist, die dieses Jahr nicht in gewohnter Art und Weise stattfinden konnte.

 

„Letzten Sonntag nach dem Gottesdienst“, so Jasmin Walcher, sei diese Idee entstanden. „Wir waren einfach traurig, dass wir dieses Jahr nicht nach Aidlingen können, und dachten, dass man doch was organisieren könnte“, berichtet die junge Wainerin. So wurde die Idee einer Liveübertragung in die Tat umgesetzt. Den Regeln entsprechend haben sich die jungen Leute zum Autokino getroffen und den Livestream der Aidlinger Diakonissen unter dem Motto „Pfingstjugendtreffen@Home“ verfolgt.

 

Um diese Veranstaltung so durchführen zu können, waren ein paar Behördengänge notwendig; so wurden Polizei, Landratsamt, Gesundheitsamt, Ordnungsamt, das von Hermansche Rent- und Forstamt sowie die Gemeindeverwaltung angefragt. Den Aufwand nahm das Orgateam, bestehend aus Jasmin Walcher, Jonathan Schließer, Felix Geiger und Loris Rittner, gerne in Kauf. Unter den zahlreichen jugendlichen Besuchern fand sich auch der Besitzer der Wiese ein, Hans Schließer vom Oberbuchhof.