© Schwäbische Zeitung 26.05.2020

Landrat Heiko Schmid (links) begrüßt den neuen evangelischen Dekan Matthias Krack im Landkreis Biberach. (Foto: Landratsamt)

Landrat begrüßt neuen evangelischen Dekan

Landkreis Biberach

Landrat Heiko Schmid hat den neuen evangelischen Dekan Matthias Krack im Landkreis Biberach begrüßt. Das teilt das Landratsamt in einer Pressemeldung mit.

„Sie, lieber Herr Dekan, haben sich mit Biberach für den schönsten Kirchenbezirk der württembergischen Landeskirche entschieden, der den gesamten Landkreis Biberach und auch Teile des Landkreises Sigmaringen und des Alb-Donau-Kreises umfasst.“ Und dass das nicht nur so dahingesagt sei, könne er in der Kreisbeschreibung nachlesen, die er ihm zusammen mit einer Kreiskrawatte als Willkommensgeschenk überreichte.

Das Simultaneum in Biberach, die gemeinsame ökumenische Flüchtlingsarbeit und auch Notfallseelsorge seien wenige von zahlreichen Beispielen für das hervorragende Miteinander der evangelischen und katholischen Christen im Landkreis. „Es gibt im Landkreis Biberach eine wirklich gelebte Ökumene, die auch mit den politisch Verantwortlichen auf Kreis-, Stadt- und Gemeindeebene eng und vertrauensvoll zusammenarbeitet“, so der Landrat, der dieses gute Miteinander auch in Zukunft fortführen will.

© Schwäbische Zeitung 27.05.2020

An diesem Drahtgeflecht können Gebetsbänder für Menschen angebracht werden, mit denen man sich verbunden fühlt. (Foto: privat)

Bänder, die verbinden

Wie feiern Christen in Zeiten des Abstandsgebots das Pfingstfest, dessen Kernbotschaft doch lautet, dass Gottes Geist die Menschen miteinander verbindet? Diese Frage beschäftigte eine kleine Initiativgruppe, die sich ums Pfarramt der Friedenskirche geschart hat. Herausgekommen ist eine Mitmachaktion, zu der nun die Kirchengemeinde einlädt.

Seit einigen Tagen ist außen am Haupteingang der Friedenskirche, Krummer Weg 1, ein großes Banner zu sehen, vor dem ein Drahtgeflecht angebracht wurde. Hier ist nun ein Ort geschaffen worden, um Gebete und Wünsche für andere Menschen in Nah und Fern, mit denen man sich verbunden fühlt, anzubringen. Die Worte – selbstverständlich anonym – können auf circa 50 bis 60 Zentimeter lange Geschenkbänder geschrieben und dann ins vorbereitete Drahtnetz geknüpft werden. Diese frei wehenden Gebetsbänder sollen als Zeichen verstanden werden, wie Gottes Geist die Gedanken und Gebete zu den Menschen trägt. An dieser Mitmachaktion, die auch noch über die Pfingstfeiertage hinaus andauert, kann sich jeder beteiligen. Die ersten Bänder hängen bereits.

© Schwäbische Zeitung 23.05.2020

Laut den Corona-Schutzmaßnahmen der Evangelischen Landeskirche dürfen Blasmusiker im Freien spielen – diese Option nutzten sie beim Open-Air-Gottesdienst in Wain. FOTO: CHRISTIAN GEIGER

Feiertagsgottesdienst im Freien

An Himmelfahrt erklingen in Wain die Posaunen – Pfarrer Eyrich betont die Ökumene

An Christi Himmelfahrt hat die Evangelische Kirchengemeinde Wain den Gottesdienst im Freien abgehalten. Gemäß der aktuellen Corona-Verordnung dürfen an so einem Gottesdienst bis zu 100 Besucher teilnehmen. Auf der neu renovierten Gemeindehausterrasse hatten sich zahlreiche Gläubige versammelt.

Der Wainer Posaunenchor umrahmte die kirchliche Feier musikalisch. Laut Infektionsschutzkonzept der Evangelischen Landeskirche dürfen Bläserinnen und Bläser wieder musizieren, wenn sie einen Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten. Die Besucher applaudierten der Musik – gemeinsames Singen ist nach wie vor auch im Freien nicht gestattet. Eine Bläserin des Wainer Chores war begeistert von dem gemeinsamen Musizieren: „Das war richtig schön, das kann man gerne öfters so machen“, sagte sie. Es sei ein ganz besonderer Auftritt gewesen, weil der Posaunenchor wegen der Beschränkungen seit März keine Probe abgehalten habe.

 

Pfarrer Ernst Eyrich predigte am Feiertag über den Himmelfahrtsbericht im 17. Kapitel des Johannesevangeliums. Diesen bezeichnete er als Testament Jesu Christi. Der Leser müsse sich fragen, was der letzte Wille Jesu sei. Christus fordere von seinen Nachfolgern Einheit, auch in der Vielfalt, sagte Eyrich. Er führte als Beispiele Spaltungen in den Kirchen an, darunter die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg. Er betonte die Wichtigkeit der Ökumene der Christenheit in der heutigen Zeit.

 

Die Mesnerinnen und einige Helfer hatten Altar und Bänke auf der Gemeindehausterrasse so aufgebaut, dass die Gläubigen auch im Freien den notwendigen Sicherheitsabstand einhalten konnten. Einige nahmen auf der weitläufigen Wiese auf einer Picknickdecke Platz, Kinder nutzten den angrenzenden Spielplatz. Am Ende resümierte Pfarrer Eyrich: „Es war ein toller Open-Air-Gottesdienst hinter dem Gemeindehaus mit großartigem Blick auf die Michaelskirche, tolle Location.“ Er versprach, in Zukunft weitere Veranstaltungen dieser Art auf die Beine zu stellen.

© Schwäbische Zeitung 12.05.2020

„Wenn wir aus dieser Krise herausgehen, wird die Kirche wohl eine andere sein“, sagt Matthias Krack, der seit 1. Mai neuer evangelischer Dekan in Biberach ist. (Foto: privat)

"Das Simultaneum beeindruckt mich“
Matthias Krack ist seit Monatsanfang neuer evangelischer Dekan in Biberach


In einer schwierigen Zeit hat Matthias Krack zum 1. Mai das Amt des Dekans im Evangelischen Kirchenbezirk Biberach übernommen . Der gebürtige Esslinger studierte Theologie in Tübingen, Heidelberg und Jerusalem. Nach seinem Studium arbeitete er für fünf Jahre als Assistenz von Prof. Eberhard Jüngel in Tübingen, und forschte in den Grenzgebieten von Judentum, Christentum und Islam. Zuletzt war Matthias Krack als Pfarrer und stellvertretender Dekan in Leonberg tätig. Teresa Heinzelmann hat mit ihm über seine neue Aufgabe in Biberach gesprochen.

Herr Krack, in Biberach hat die Ökumene einen wichtigen Stellenwert. Welche Erfahrungen haben Sie mit der katholischen Schwesterkirche gemacht?

Ich bin im mittleren Neckarraum, der überwiegend evangelisch geprägt ist, aufgewachsen – und auch Leonberg ist eine evangelische Stadt. Aber in der Kirchengemeinde Mundingen habe ich die Diaspora-Situation erlebt und erfahren: In der Minderheit wird das Evangelisch-Sein in guter Weise noch einmal bewusster gelebt. Zum Anderen habe ich bisher nur gute ökumenische Erfahrungen gemacht – und die gemeinsame Initiative der beiden Stadtpfarrer hier in Biberach für Kirche in Corona-Zeiten – das ist ein starkes Zeichen. Überhaupt beeindruckt mich das Simultaneum: Das setzt ein unverrückbares Zeichen für eine selbstverständliche Ökumene.

Auf Ihre kommende Zeit in Biberach blickend: Worin liegt die Herausforderung für Sie?

Wir sind herausgefordert, Kirche neu zu denken. Das heißt für mich: Welche Strukturen brauchen wir von der Kirche, damit das Evangelium in guter Weise verkündet werden kann? Die Verkündigung des Evangeliums ist der bleibende Auftrag der Kirche, aber wir müssen stets neu und damit gut reformatorisch überlegen – das haben wir jetzt besonders in der Corona-Krise gemerkt – was ist Kirche? Ist Kirche nur der Gottesdienst am Sonntag, oder wo ereignet sich Kirche sonst noch? Wir müssen den Horizont weiten, um zu realisieren, dass ganz viel Kirche auch dort geschieht, wo wir es gar nicht vermuten.

In Ihrer Vorstellung im evangelischen „Kirchenboten“ zitieren Sie den Psalm „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Ich möchte mich als Ermöglicher und nicht als Verhinderer verstehen. Zu wagen, neue und andere Wege zu gehen anstatt ganz oft zu sagen: Das geht nicht. Das heißt aber nicht Beliebigkeit, also kein Anything Goes. Wichtig ist für mich, sich nicht zurückzuziehen, nicht zu sagen: Mir geht’s gut so, wie wir sind und ich möchte mich nicht ändern, sondern sich dem auszusetzen. Ein prägendes und wichtiges Wort von Bonhoeffer ist für mich: Kirche muss immer Kirche für andere sein. Er geht so weit, zu sagen, dass Kirche ganz in der Welt aufgehen soll. Das heißt nicht, dass wir uns im rechtlichen Sinne aufgeben, sondern dass wir falsche Sicherheiten loslassen.

Was glauben Sie verändert sich für die Kirche durch die Corona-Pandemie?

Ich denke, man muss nochmal neu ins Nachdenken kommen, welchen Beitrag die Kirche für die Gesellschaft und fürs Zusammenleben hat. Sind wir als Kirche systemrelevant? Wollen wir das sein oder haben wir nicht eine ganz andere Aufgabe? Wenn wir aus dieser Krise herausgehen, wird die Kirche wohl eine andere sein.

Sie sprachen sich im „Kirchenboten“ gegen einen Rückzug der Kirche aus der Öffentlichkeit aus. Wie kann und soll sich die Kirche in die Gesellschaft oder Politik einbringen, wenn in der Öffentlichkeit über Themen wie Klimawandel, Fridays4Future oder struktureller Rassismus debattiert wird?

Die Kirche muss weiterhin deutlich gegen Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und den wachsenden Antisemitismus ihre Stimme erheben. Was den Klimaschutz betrifft: Da sind wir als Kirche schon länger unterwegs. Der sogenannte Grüne Gockel, das Umweltmanagement der Landeskirche, ist hier vorbildhaft. Dies hier in Biberach einzuführen, ist eines meiner Ziele.

Abgesehen von diesen Einzelpunkten ist die Christengemeinde immer auf die Bürgergemeinde verwiesen und hat „der Stadt Bestes“ zu suchen. Was fehlt Ihrer Meinung nach unserer Gesellschaft?

Die Corona-Krise zeigt Defizite unserer Gesellschaft auf, auch wenn ich es schwierig finde, wenn man aus den Krisen einen Sinn herauslesen möchte. Corona ist einfach sinnlos. Durch den Lockdown kommen wir aber wieder ein Stück weit zur Besinnung. Die mannigfaltigen Ablenkungen fallen weg, ich muss und darf mich mir selber stellen. Im Schwäbischen gibt es das schöne Wort „B’senn’ de au!“ („Besinn’ dich auch!“) Es ist ein Mahnwort, aber auch ein gutes Motto: Denke mal wieder darüber nach, was Leben ist und dein Leben ausmacht. Außerdem merken wir, dass es Grenzen der Machbarkeit gibt. Ich bin froh über den Fortschritt und die Möglichkeiten, die wir haben. Es ist auch toll, was in der Corona-Pandemie – neben dem, was zum Teil in aufopfernder Weise an Menschlichem geleistet wird – an technischer und medizinischer Versorgung möglich ist. Aber wir sehen eben auch: Ich habe das Leben doch nicht im Griff, es ist mir letztlich nicht verfügbar. Das ist wichtig, kann aber auch sehr schmerzlich sein. Vielleicht haben deswegen Verschwörungstheorien und Fake News gerade Hochkonjunktur. Krisenzeiten verlangen nach Sicherheiten, und Verschwörungstheorien bieten das scheinbar. Durch eindeutige Erklärungsmuster sind Leute verführbar, weil die Wahrheit eben meistens komplexer ist, als man es sich wünscht. Manchmal gibt es mehr Fragezeichen als Antworten. Das ist die Herausforderung und die Spannung in und mit der wir leben müssen.

Was wünschen Sie sich, für die kommende Zeit in Biberach?

Ich wünsche mir, dass Kirche als wohltuend und befreiend erlebt wird. Man spricht ja viel von Dritten Orten in der Gesellschaft, und ich wünsche mir, dass die Kirche so einer bleibt und immer wieder wird. Ein Ort, an dem ich mich in Indikativen und nicht Imperativen erlebe; ein Ort, an dem nachgedacht wird – also „Bsenn’ de au!“ – und Denkräume und Freiräume ermöglicht werden. Ich wünsche mir von der Gesellschaft, von dem Zusammenleben, dass die Menschen bereit sind, miteinander ins Fragen und Nachdenken zu kommen und nicht immer nur in Antworten.

© Schwäbische Zeitung 11.05.2020

Kirchengemeinde in Wain feiert ihren ersten gemeinsamen Gottesdienst seit dem 8. März

– Gemeinsam Gottesdienst feiern, darauf mussten die Gläubigen wegen der Corona-Pandemie seit Wochen verzichten. Die evangelische Kirchengemeinde Wain hat am Sonntag den ersten Präsenz-Gottesdienst seit dem 8. März gefeiert.

Der Kirchengemeinderat hatte hierfür ein Infektionsschutzkonzept auf der Grundlage der Empfehlungen der Landeskirche aufgestellt. Um den Abstandsregelungen und Hygienevorschriften zu genügen, ist die Besucherzahl in der Wainer Michaeliskirche auf 55 beschränkt. Auf jeder Kirchenbank dürfen nur zwei Gläubige sitzen – mehr Menschen pro Bank sind nur erlaubt, wenn diese im selben Haushalt leben.

Die 30 anwesenden Gottesdienstbesucher, denen die markierten Plätze von einem Ordner zugewiesen wurden, mussten einen Erhebungsbogen ausfüllen, dessen Daten für eine Nachverfolgung von Infektionsketten im Falle einer Covid-19-Erkrankung herangezogen werden. „Kantate“ – „Singet!“, lautete der Name des vergangenen Sonntags im evangelischen Kirchenjahr. Doch ausgerechnet an diesem ersten öffentlichen Gottesdienst in der Corona-Zeit durften die Gottesdienstbesucher nicht singen. „Die Psalmen und Lieder dieses Sonntags fordern uns zum Singen auf, die Landeskirche fordert uns auf nicht zu singen“, kommentierte Pfarrer Ernst Eyrich das Paradoxum.

Beim Gottesdienst in der Michaeliskirche war es einzig Sarah Locher, die solistisch mit Gesang in Erscheinung trat. Ihr Ehemann Alexander spielte Gitarre, die Orgel spielte Michael Frey. „Heute am Sonntag Kantate können wir Gott nicht mit unserem Mund loben, aber wir können ihn mit unserem Leben singen“, sagte Pfarrer Ernst Eyrich in seiner Predigt. Er wünschte sich, dass die Gottesdienstbesucher bald auch wieder gemeinsam ihre Stimmen zum Lob Gottes erheben können.

Die Erfahrungen dieses ersten Präsenz-Gottesdienstes sind für den Wainer Kirchengemeinderat die Grundlage dafür, wie die Gottesdienste weiter geplant werden.

Text und Foto: Bernd Baur für Schwäbische Zeitung