© Schwäbische Zeitung 13.02.2021

Pfarrer Jonathan Wahl (Foto)

Neuer Pfarrer für Erolzheim-Rot
Jonathan Wahl kommt am 1. März als evangelischer Pfarrer nach Rot an der Rot

Von Sybille Glatz

Die evangelische Kirchengemeinde Erolzheim-Rot bekommt einen neuen Seelsorger. Pfarrer Jonathan Wahl wird die Pfarrstelle zum 1. März übernehmen. Seit dem Weggang von Maximilian Jaeckel im Sommer 2019 war die Stelle vakant gewesen. Pfarrerin Margit Bleher hatte in dieser Zeit die Vertretung übernommen.

Für Pfarrer Wahl ist es seine erste eigene Pfarrstelle nach seiner Praxisausbildung, die zweieinhalb Jahre dauerte. Noch wohnt der 34-Jährige in Großerlach im Rems-Murr-Kreis. Doch zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern wird er demnächst in das Pfarrhaus in Rot an der Rot umziehen. „Wir freuen uns gemeinsam auf den Umzug nach Rot“, sagt der Pfarrer. Zwar hätten er und seine Familie sich in Großerlach wohlgefühlt, aber „es ist so wie in anderen Berufen auch“, meint Wahl. „Wenn der Beruf den Ort wechselt, geht die Familie mit.“

In Großerlach hat sich der junge Pfarrer bisher auch ehrenamtlich engagiert und zwar als aktives Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. In seiner neuen Kirchengemeinde werde er schauen, was es vor Ort gibt, sagt Wahl. Der Kontakt zu den Menschen ist ihm wichtig. „Ich werde nicht darauf warten, dass die Leute in die Kirche kommen, sondern ich gehe dorthin, wo die Leute sind.“ Eine echte Verbindung mit den Menschen liegt dem Seelsorger am Herzen, „in aller Menschlichkeit“, sagt Wahl. „Ich verstecke mich nicht hinter meinem Talar.“ Kontakt sucht Wahl dabei nicht nur im realen Leben, sondern auch in der virtuellen Welt. Der 34-Jährige bezeichnet sich selbst als „techniknah“. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch online echte Begegnung möglich ist“, sagt Wahl. Er spricht sich dafür aus, dass in der Corona-Pandemie „wir das Wenige, was wir tun können, auch tun“.

Sein bisheriger Lebensweg führte nicht geradlinig zu seiner neuen Stelle. „Ich habe evangelische Theologie studiert. Danach habe ich eine Zeit lang als Kommunikationstrainer gearbeitet“, sagt Wahl. Erst später folgte die Entscheidung: „Ich nehme meine Skills und bringe sie in die Kirche ein.“

Für den Theologen, der am Bodensee aufgewachsen ist, ist Glaube nichts Selbstverständliches. Er sei mit 14 Jahren zum Glauben gekommen, berichtet der Pfarrer - also in einem Alter, in dem der eine oder andere sich schon wieder von der Kirche entfernt. „Ich kann gut nachvollziehen, weshalb sich manche von der Kirche abwenden“, sagt Wahl.

Er fände es gut, wenn die Kirche wieder ein starkes Profil finden würde. Zwei Punkte sind es in seinen Augen, die dieses Profil ausmachen: das Evangelium und spirituelle Praxis. „Ich möchte, dass die Kirche ein offenes Haus ist, das den Leuten die Möglichkeit bietet, Glauben zu leben und zu entdecken“, sagt Wahl. „Glauben entdecken“ ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen. „Ich erwarte von niemandem, der kommt, dass er von vornherein glaubt“, sagt Wahl.

Offen zeigt sich der Pfarrer auch gegenüber anderen Konfessionen. „Ökumene ist ein zentraler Bestandteil meines Glaubens“, sagt Wahl. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den anderen Kirchen.“

Ein erstes Bild von seiner neuen Kirchengemeinde hat sich Wahl bereits machen können. „Ich habe den Kirchengemeinderat kennengelernt, als das noch möglich war.“ Er hatte dabei ein „gutes Gefühl“. „Die Kirchengemeinde ist sehr lebendig. Es gibt schon relativ viel vor Ort“, sagt Wahl. Als Pfarrer sieht er sich als Teil eines Teams. „Ich frage: Was braucht ihr von mir, wo kann ich helfen? Ich habe keinen Masterplan für die Gemeinde. Ich habe meine Fähigkeiten und ein großes Herz für die Probleme der Leute.“ Und er betont: „Als Einzelkämpfer haben wir im Reich Gottes selten eine Chance.“

Der Vorstellungsgottesdienst ist am 7. März um 10 Uhr in Rot an der Rot.

© Schwäbische Zeitung 06.02.2021

Die Stele enthält die wichtigsten Stationen aus Dietrich Bonhoeffers Leben. (Foto: Frank Mosthof)

Stele bietet Einblicke in Bonhoeffers Leben

Neues Schmuckstück in der Bonhoeffer-Kirche erfreut sich bereits großer Beachtung

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer war ein namhafter Vertreter der Bekennenden Kirche und wurde mit nur 39 Jahren - auch wegen seines Widerstands gegen den Nationalsozialismus - im KZ Flossenbürg ermordet. Eine der über 35 Kirchen, die nach ihm benannt wurden, steht in Biberach auf dem Mittelberg. Dort wurde nun, auf Anregung einiger kreativer Gemeindemitglieder, eine neue Stele angebracht, die Einblicke in Bonhoeffers Leben gibt. Gefertigt aus farbigem Glas, zeigt sie ein ansprechendes Foto des Theologen, seine Unterschrift und die wichtigsten Stationen seiner beeindruckenden Vita.

Das neue Schmuckstück, für dessen Finanzierung sich die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Angelika Schuck, und Pfarrer Uli Heinzelmann bei den Gemeindemitgliedern bedanken, sorgt für viel Beachtung und hat bereits einige anregende Gespräche über den Namensgeber verursacht.

Ende März steht für die Bonhoeffer-Gemeinde die nächste Neuerung an: Dann tritt Pfarrer Gunther Wruck auf dem Mittelberg seine neue Stelle an und beendet die fast zweijährige Vakanz in der Gemeinde, die gemeinsam mit der Stadtpfarrkirche und der Heilig-Geist-Kirche die Stadt-Kirchengemeinde bildet.