© Schwäbische Zeitung 21.01.2021

Die Mitarbeiter der Diakonie-Sozialstation Biberach ziehen noch im Januar um. (Foto: Katharina Stohr)

Diakonie-Sozialstation Biberach zieht um - Neue Adresse und neue Telefonnummer ab dem 25. Januar

Die Diakonie-Sozialstation Biberach zieht um. Ab dem 25. Januar ist der ambulante Pflegedienst der Zieglerschen Altenhilfe im Gemeindehaus der Bonhoefferkirche im Köhlesrain 10 zu finden. Neben der Adresse wird sich auch die Telefonnummer ändern.

Pflegedienstleitung Jochen Späth und sein Team freuen sich, in zentraler Lage schöne Räumlichkeiten zur Anmietung gefunden zu haben. „Unsere neuen Büros sind zentral, barrierearm und ein guter Ausgangspunkt für die Touren zu unseren pflegebedürftigen Kunden in und um Biberach“, so Späth. „Toll ist, dass wir künftig einen großen Besprechungsraum haben, den wir auch für Infoveranstaltungen nutzen können. Darüber hinaus können wir im Obergeschoss bis zu drei Auszubildenden eine Wohnmöglichkeit anbieten.“

Und nicht nur die Diakonie-Sozialstation Biberach zieht um, auch die Betreuungstage für pflegebedürftige Menschen, die aktuell noch im evangelischen Gemeindehaus in der Sandgrabenstraße sind, werden voraussichtlich ab Mitte Februar in der Bonhoefferkirche stattfinden. „Hier wäre ohnehin in nächster Zeit ein Umzug angestanden, da das Gebäude in der Sandgrabenstraße für einen Kindergarten benötigt wird“, erzählt Späth. Für sein Team bedeute diese räumliche Zusammenführung von Station und Betreuungstag eine logistische Erleichterung, weil künftig alles an einem Ort stattfinde.

Sobald die Corona-Pandemie es zulässt, planen Jochen Späth und sein Team eine Einweihungsfeier. „Uns ist es sehr wichtig, auch künftig die Beziehung zu den Bürgerinnen und Bürgern von Biberach und auch zu den Kirchengemeinden und dem Krankenpflegeverein zu pflegen und im engen Austausch zu bleiben“, sagt er.

Neue Ideen für die Zeit nach Corona haben Jochen Späth und sein Team ebenfalls bereits entwickelt: „Wir wollen neben den bestehenden Angeboten einmal pro Monat betreute Tagesausfahrten anbieten“, kündigt er an.

Der Umzug findet unter strengstmöglichen Hygieneauflagen statt, unter anderem werden die Mitarbeitenden der Diakonie-Sozialstation keinen Direktkontakt zur Umzugsfirma haben.

Die neue Adresse der Diakonie-Sozialstation Biberach ist ab dem 25. Januar im Köhlesrain 10 in Biberach. Ab diesem Zeitpunkt sind die Mitarbeiter unter der neuen Telefonnummer zu erreichen: 07351/800910.

© Schwäbische Zeitung 18.01.2021

Traueranzeigen“ wie diese standen am Samstag vor etlichen Ladengeschäften in Laupheim. (Foto: Roland Ray)

„Traueranzeigen“ entfachen Diskussion
Unbekannte haben sie „Verlierern der Coronamaßnahmen“ gewidmet und in der Stadt platziert

Laupheim - Mit „Traueranzeigen“ für „Verlierer der Coronamaßnahmen“, vor Geschäften, Restaurants und andernorts in Laupheim platziert, haben Unbekannte am Wochenende Diskussionen entfacht. In Sozialen Medien erntete die Aktion zum Teil herbe Kritik; es gab aber auch Zustimmung, weil sie auf die schwierige Lage von Einzelhändlern, Gastronomen und Dienstleistern aufmerksam mache.

Harry Remane, Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Treffpunkt Laupheim“, und etliche seiner Kolleginnen und Kollegen entdeckten die „Anzeigen“, nebst Gestecken und Kerzen auf Holzbrettchen drapiert, Samstag früh vor ihrer Ladentür. Im Text wird des geschätzten, angeblich verblichenen Einzelhandels gedacht, den die Regierung nicht für systemrelevant halte. Darunter der Hinweis: „Aktion von Laupheimer Bürger/Innen - Geschäftsinhaber ist nicht verantwortlich“.

Er finde es löblich, „dass Bürger auf unsere Situation aufmerksam machen wollen“, kommentierte Remane auf seiner Facebook-Seite. Das sei in diesem Fall aber „leider mit etwas drastischen und schockierenden“ Mitteln geschehen und ohne Absprache mit den Händlern. Remane betont: „Wir sind nicht die Initiatoren dieser Aktion und haben damit nichts zu tun.“ Und: „Absprachen würden wir in Zukunft begrüßen, falls weitere Aktionen anstehen. Der Handel ist gesprächsbereit.“

„Total unmöglich“ findet dagegen eine Geschäftsfrau, Mitglied beim „Treffpunkt“, die Aktion. Sie habe das Arrangement vor ihrem Laden sofort entfernt, postete sie in die Facebook-Gruppe „Wir lieben Laupheim, wer noch?“. Sie habe sich erschrocken und gedacht, es wäre jemand gestorben. Die Schließung der Geschäfte im Lockdown sei zwar schlimm, „aber nicht mit dem Verlust eines Menschenlebens zu vergleichen“.

Mehr als 200 Kommentare sind bis Sonntag bei dieser Facebook-Gruppe und der Gruppe „Laupheimer ist, wer/wenn...“ eingegangen. Geschmacklos und daneben sei die Aktion angesichts von 1000 Menschen und mehr, die täglich in Deutschland an und mit dem Virus sterben, finden die einen. „Auch in Laupheim verlieren Menschen ihre Liebsten“, mahnt ein Schreiber. Vor diesem Hintergrund verurteile er „so eine populistische und feige anonyme Aktion, die nur spaltet“. Über Corona-Maßnahmen könne man diskutieren, „aber nicht so“.

Mehrfach wird den Urhebern der Aktion angekreidet, dass sie anonym und über die Köpfe der Betroffenen hinweg vorgegangen seien. Wer Handel und Gastronomie helfen wolle, möge am Ort bestellen und kaufen und nicht bei den großen Anbietern im Internet; auch Gutscheine und Essen „to go“ seien aktuell ein probates Mittel der Unterstützung. Wenn sich alle an die Beschränkungen halten würden, wäre der Lockdown schneller vorbei.

Eine Schreiberin ist besorgt, dass das Geschehen politisch aufgeladen sein könnte. Sie sei sich nicht sicher, ob es sich um eine „missglückte gutgemeinte Aktion“ handele oder Kräfte am Werk waren, die Corona leugneten und „ganz bewusst Unfrieden stiften möchten“.

Verschiedene Kommentare stufen die Aktion ganz anders ein. Sie sei geeignet, auf die prekäre Lage vieler Einzelhändler und Dienstleister aufmerksam zu machen, und könne dazu beitragen, dass „der eine oder andere sein Einkaufsverhalten vielleicht überdenkt“. Es komme Besorgnis zum Ausdruck, „was in unseren Städten passiert, wenn der Einzelhandel stirbt“. Das dürfe man so darstellen, zumal es ja keine personalisierte Traueranzeige sei, findet eine Schreiberin. „Danke, dass sich jemand so viel Mühe macht und ein Zeichen setzt“, lobt eine andere.

Nicht nur um Handel, Gastronomie und Dienstleistungen wurde „getrauert“, sondern beispielweise auch um das Kulturleben und um den Pressekodex, der Journalisten zu Wahrhaftigkeit, Sorgfalt und Achtung der Menschenwürde verpflichtet; auch er ist nach Meinung der Urheber der Aktion entschlafen.

Die „freie Religionsausübung“ wähnen sie ebenfalls zu Grabe getragen, wie eine „Traueranzeige“ vor der evangelischen Kirche suggeriert - weil man sich zum Gottesdienst anmelden und bei begrenzter Teilnehmerzahl auf Abstand sitzen müsse und nicht singen dürfe.

Pfarrer Christian Keinath will Text, Kerzen und Gesteck erstmal stehen lassen. Er sehe die Aktion zunächst vor allem positiv, sagte er der SZ, denn „in dem Text sprechen die Leute positiv davon, was jetzt fehlt“.

Die aktuellen Lockdown-Maßnahmen seien notwendig, sagt Keinath, erzeugten aber Frust. Das nehme er zahlreich wahr. Es müsse vorsichtig damit umgegangen werden, wenn Menschen den Lockdown schmerzvoller wahrnehmen als man selbst. Wie belastend die Situation empfunden werde, hänge auch stark von der jeweiligen Persönlichkeit ab. „Jedenfalls erlebe ich in Gesprächen Menschen, die die Situation - obschon als nötig angesehen - als ungut empfinden, und ich erlebe Menschen, denen die Einschränkungen innerlich sehr stark zusetzen.“ Umso wichtiger sei, dass es auch hierüber einen gesellschaftlichen Austausch gibt. Keinath fände es verheerend, wenn Menschen den Eindruck hätten, dass es außer in obskuren Internetkanälen kein Forum gibt, in dem sie sich äußern können.

Für ein gesellschaftliches Gespräch sei es freilich nötig, die Absender von Botschaften zu kennen, so der Pfarrer. „Deshalb würde es mich freuen, wenn jemand in den nächsten Tagen auf dem Textblatt vor der Kirchentür noch eine Kontaktmöglichkeit anbringt oder direkt mit mir Kontakt aufnimmt.“

In zwei Punkten widerspricht Keinath den Urhebern der Aktion. Erstens: Seit April und bis Dezember musste sich niemand zu den evangelischen Gottesdiensten in Laupheim anmelden; der Zustrom sei immer so gewesen, dass niemand weggeschickt werden musste. Jetzt seien die Präsenzgottesdienste bis Anfang Februar ausgesetzt. Und zweitens: Die freie Religionsausübung könne man sowohl zu Hause als auch in der nicht verschlossenen Kirche als Einzelner oder als Familie praktizieren.

Text/Foto von Roland Ray, Schwäbische Zeitung Redaktion Laupheim