Gottesdienste Dezember 2020 und Januar 2021

 

Januar 2021

01.              09.30 Uhr    Neujahrsgottesdienst in Wain  

03.               09.00 Uhr    Wain

 

06.              09.00 Uhr    Wain

10.              09.00 Uhr    Wain

17.              09.00 Uhr    Wain

24.              09.00 Uhr    Wain

31.              10.15 Uhr    Wain

 

 

Predigt 3. Advent und 4. Advent

3. Advent, 9.30 Uhr Unterbalzheim, 13.12.2020 – Vorfreude – die nahende Freude

4. Advent, 9 Uhr Wain, 20.12.2020 – Vorfreude – die nahende Freude

 

Schriftlesung

Mahnung zur Freude im Herrn

4 Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! 5 Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! 6 Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! 7 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. 8 Weiter, Brüder und Schwestern: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht! 9 Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut; so wird der Gott des Friedens mit euch sein.

 

Predigttext: Genesis 18, 1.2.9-15    3. Reihe neu

Der Herr bei Abraham und Sara in Mamre

1 Und der HERR erschien ihm (Abraham) im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. 2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde 3 und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber. 4 Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum. 5 Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast. 6 Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feines Mehl, knete und backe Brote. 7 Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes, gutes Kalb und gab's dem Knechte; der eilte und bereitete es zu. 8 Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen. 9 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. 10 Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. 11 Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. 12 Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt! 13 Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin? 14 Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. 15 Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht –, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

 

Liebe Gemeinde,

haben Sie heute schon gelacht? Worüber haben Sie gelacht? Wie haben Sie gelacht? Lachen ist nicht Lachen. Ein bestimmtes Lachen soll guttun und heilen. Für manche ist das Lachen sogar eine Therapie, also eine Möglichkeit gesund zu bleiben oder gesund zu werden. Ich möchte Ihnen eine kleine ausgedachte Begebenheit erzählen:

 

Sherlock Holmes und Dr. Watson machen miteinander Campingurlaub. Sie übernachten in einem Zelt. Mitten in der Nacht weckt Sherlock Holmes seinen Freund und sagt zu ihm: „Watson, schaue in den Himmel und sage mir, was siehst du?“ – Watson antwortet: „Ich sehe Millionen und Abermillionen von Sternen.“ – Sherlock Holmes fragt ihn dann: „Watson, und was sagt dir das??“ – Darauf antwortet Watson: „Astronomisch gesehen sagt es mir, dass es Millionen von Galaxien gibt und Milliarden von Planeten. Theologisch gesehen sagt es mir, dass Gott groß ist und wir Menschen klein und unbedeutend sind. Meteorologisch gesehen sagt es mir, dass wir morgen einen wunderschönen Tag haben werden. „Und was sagt es dir?“, fragt Watson schließen Sherlock Holmes. Sherlock Holmes antwortet darauf kriminologisch: „Nun gut, Watson, es sagt mir, dass in der Nacht jemand unser Zelt gestohlen hat!“

 

Haben Sie heute schon gelacht? Ich hoffe spätestens jetzt.

 

Wir hören den heutigen Predigttext aus Genesis 18, 1-15, in dem es auch um das Lachen geht.

 

Ja, Abraham und Sara war das Lachen vergangen. Die Leichtigkeit des Lebens war schon längst einer gewissen Hoffnungslosigkeit und Bitterkeit gewichen. Vor Jahrzehnten hatte Gott ihnen versprochen, dass sie einen Sohn geschenkt bekommen sollen. Einen Sohn der

Verheißung. Nichts ist daraus geworden. Abraham und Sara haben ein bisschen mit einer Art Leihmutterschaft nachgeholfen. Abraham schwängerte mit Zustimmung Saras die Magd Hagar. Ismael wurde geboren. Die Familienstreitigkeiten waren vorprogrammiert: Eifersucht, Neid, Angst, Machtkämpfe zwischen Sara und Hagar. Schließlich wurden Hagar und Ismael von Abraham im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt. Dieser dunkle Schatten ihrer Lebensgeschichte begleitete sie durch die Jahre. Sie sind schuldig geworden. Nun sind sie alt und doch kinderlos geblieben. Gott hat nicht Wort gehalten. Abraham bedeutet doch „Vater eines Volkes“. Sein Name verspottet ihn Tag und Nacht. Nichts Besonderes erwartete das altgewordene Paar. Sie zogen von hier nach dort mit ihrem Nomadenzelt und versuchten den Alltag zu ertragen. Das Lachen und Lächeln war ihnen gewaltig vergangen.

 

Da bekommen sie Besuch. Gott kommt zu den beiden in Gestalt von drei Männern. Der Hebräerbrief spricht von Engeln. Gen 18: „Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ - Irgendwie ist alles klar, wer da kommt, und doch bleibt es wohl ganz bewusst unscharf. Und doch: Gott kommt in Gestalt eines Menschen, in Gestalt seines Ebenbildes.

 

Gott kommt oft verkleidet. Bei Noah kommt er in der Gestalt des Regenbogens, bei Mose in der Gestalt des Dornbuschs, bei Josef in der Gestalt eines Traumes, bei Maria in der Gestalt des Engels, bei Josef in der Gestalt des Traumes, bei den Magiern in der Gestalt des Sternes – alles Verkleidungen Gottes. Gott erfindet immer neue Verkleidungen. Er lässt sich nicht festlegen auf unsere Ideen und Denkmuster. Er hält es sich offen!

 

Zudem kommt Gott unangemeldet. Er kommt in den Alltag. Er kommt sogar in der Mittagshitze. Die Männer in unserer Geschichte kommen einfach vorbei. Sie rufen nicht vorher an, fragen nicht, ob´s denn auch passt. Keine Vorwarnung. Plötzlich sind sie da. Völlig überraschend! Abraham hat keine Chance, sein Zelt aufzuräumen, den Boden zu fegen, den Tisch zu decken. So ist das, wenn Gott kommt. Er kommt auch mitten in unseren Alltag. Du hast keine Chance, dich vorzubereiten. Er kommt während der Schularbeiten, in den Stress mit deiner Freundin, manchmal auch in die Langeweile. Und ist da! Und sieht dich, wie du gerade bist. So unangemeldet aufzutauchen – das ist aber auch wie bei ganz guten Freunden! 

 

Abraham sieht die Fremden kommen und läuft ihnen entgegen. Mich erinnert das an die Geschichte vom „Verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater“ aus Lukas 15. Abraham verneigt sich bis zur Erde (machen Sie das einmal!) und bedrängt seine Gäste zum Bleiben.

 

Die Mittagshitze ist die Zeit, zu der der Wanderer einkehrt, um Schatten und Ruhe zu suchen. Die drei Männer bleiben vor Abraham stehen. „Das Stehenbleiben war der Sitte nach die bescheidene Anrufung der Gastfreundlichkeit“ (Delitzsch). – Das Stehenbleiben entspricht dem bittenden Anklopfen. Der Besuch eines Fremden war für den Halbnomaden, der Abraham ja auch war, eine willkommene Abwechslung, um etwas aus der Welt zu erfahren. Es gab ja noch keine Zeitungen und kein Internet. Zudem ist es eine hohe Ehre, besucht zu werden.

 

Es folgt das ganze Programm der Gastfreundschaft. Gott ist leibhaftig gegenwärtig! Die Szene darf nicht „vergeistlicht“ werden. Gott isst! Gott trinkt! Gott ist kein Vegetarier und schon gar kein Veganer! Abraham empfängt seine Gäste fürstlich: Füße waschen, sich im Schatten eines Baumes niederlassen, einen Bissen Brot, dass ihr euer Herz labt. Wörtlich heißt es da: Die Besucher sollen „ihre Herzen stärken“. Speise und Trank galten nach alttestamentlicher Anschauung als Herzensstärkung. Sie sind tägliche Stützen der Lebenskraft.

 

Inzwischen unterhält man sich. Die Gäste benennen den Grund ihres Besuches. Sie fragen nach Sara. Sie kennen Sara. Und sie wissen um die Kinderlosigkeit. Die tiefe Lebenswunde wird wieder aufgerissen. Die Besucher bringen sogar ein Gastgeschenk mit – wie sich das gehört - und packen es aus: Das Geschenk der drei Männer ist die Verheißung eines leiblichen Sohnes. Gott spricht zu Abraham: „Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr, siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben.“ – Es gibt nun eine Zeitschiene, keine ungefähre Angabe mehr! Sara steht hinter der Zeltwand und lauscht dem Gespräch der Männer und kichert vor sich hin: „Ich alte Frau sollte mich noch mal auf Liebeslust einlassen können? Und Abraham ist inzwischen ja auch nicht nur im Gesicht faltig geworden. Nein, nein, die Zeit der Liebe ist vorbei!“ Die biologische Uhr hat längst ausgetickt.  Den Sternenhimmel hat dieses alte Paar längst abgeschrieben (Genesis 15).

 

Wenn Gott kommt, unangemeldet und auch noch verkleidet, dann hat es etwas mit der Zukunft zu tun! Wenn Gott kommt und auch noch verkleidet, dann hat das was mit Liebe zu tun!

 

Wie ist das bei uns mit den Verheißungen Gottes? Vertrauen wir ihnen – noch? Werden sie uminterpretiert, wie von Abraham und Sara. Werden sie vergeistlicht? Das Körperliche wird ausgespart? Der Umgang mit Gottes Verheißungen, die sich nicht erfüllen ist gar nicht so einfach! Glaube und Zweifel – sie sind Zwillinge! Sie kommen meist im Doppelpack daher. 

 

Sara hört zu. Ob sie wunderfitzig war oder ob die Zeltwände einfach alles durchließen soll dahingestellt bleiben. Ausführlich wird die Reaktion der Sara beschrieben. Sara lacht (heb. zachak). Wie Sara die Verheißung durch die Zeltwand gehört hat, so hören die Gäste das Lachen der Sara. Sara begründet ihr Lachen – das ist für uns alle nachvollziehbar. „Nun, da ich verbraucht bin, soll ich noch Liebeslust empfinden? Und mein Herr (Abraham) ist alt!“ Verbrauchtsein (balah) wird von Kleidern gebraucht (Jos 9, 13) oder von Knochen, die alt und morsch sind (Ps 32, 3). Eine sehr derbe Sprache der Sara begegnet uns, fast vulgär!

 

Die Gottesboten setzen nun beim Lachen Saras ein, indem sie diese zugleich der Derbheit ihrer Sprache entkleiden.  Sie setzen dem Lachen Saras nach. Bereits Abraham hat schon wegen dieser Verheißung gelacht. In 1. Mose 17, 17 lesen wir nach der empfangenen Verheißung: „Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte. Einem Hundertjährigen soll noch ein Sohn geboren werden, und Sara, die neunzig Jährige, soll noch gebären?

 

Was bedeutet nun das Lachen Abrahams und Saras? Es gibt ja so viele unterschiedliche Formen und Deutungen des Lachens? Ist es überwältigende Freude? Ist es Wonne des Staunens? Ist es Zweifel, dass zwei so alte Menschen ein Kind bekommen sollen? Ist es Verwunderung? Ist es purer Zweifel, pure Verzweiflung, pure Verbitterung? In jeder dieser Antworten steckt wohl ein bisschen Wahrheit!

 

·       Es gibt das befreiende Lachen als Zeichen für eine Erlösung.

·       Es gibt das herzhafte Lachen als Zeichen der Freude und der Echtheit.

·       Es gibt das harmlose Lachen, das frohe und einfältige Lachen.

·       Es gibt das spöttische Lachen als Zeichen der Kritik,

das Grinsen als Zeichen der Bosheit.

·       Es gibt das Auslachen, Zeichen der Schadenfreude und des Zweifels.

·       Es gibt das Anlachen, Zeichen der Freude und Verbundenheit.

·       Es gibt das Mitlachen und künstliche Lachen als Zeichen der Unsicherheit.

·       Es gibt das verstohlene Lachen, das ablenken möchte.

 

Lachen Sara und Abraham, obwohl ihnen eher zum Weinen zu Mute ist?

 

Lachen ist nicht Lachen! Das Lachen spricht eine vielfältige Sprache. In den verschiedenen Deutungen des Lachens kommt die innere Zerrissenheit zum Ausdruck. Das Lachen Abrahams und Saras ist Zeichen dafür, wie Glaube und Unglaube, Enttäuschung und Hoffnung in ihrem Innersten hart miteinander ringen. Es ist ein staunendes Lachen und ein Lachen aus verzweifelter Enttäuschung nach Jahre langem vergeblichen Warten.

 

Aber Gott kann einer betagten Frau und einer Jungfrau ein Kind schenken. „Gott wird sein herrlich Werk vollenden, weil er der Welten Heil und Richter ist; er wird der Menschheit Jammer wenden, so dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist.“ (Karl Heinrich von Bogatzky, EG 241, 8 um 1750, bearbeitet von Albert Knapp um 1837).

 

Abraham und Sara lachen angesichts der wiederholten und doch unerfüllten Verheißung Gottes. Das Kind, das geboren werden soll, gehört allerdings mit in die Genealogie Jesu Christi. In Matthäus 1 lesen wir, dass es 14 Generationen von Abraham bis David sind, von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft wieder 14 Generationen und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Jesus Christus wieder 14. Die Verheißung des Isaak gehört in die Heilgeschichte Gottes mit dieser Welt, die seine Welt ist. Das gesamte jüdische Volk basiert also auf einem Lachen Gottes, denn aus Isaak entwickeln sich das Volk Israel. Auch das Heil in Jesus Christus basiert auf diesem Lachen Saras, Abrahams und Gottes. Genesis 18 könnte auch so überschrieben werden: Sachen zum Lachen! 

 

“Sollte Gott etwas unmöglich sein?” - Abraham und Sarah werden zum Vertrauen herausgefordert. Unmöglich ist bei Gott unmöglich! Gott steht zu seinem Wort, zu seiner Verheißung. Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen. „Geld kann dir nur Jener geben, der es hat. Anders verhält es sich mit dem Ehrenwort.“

Eleonore van Straten-Sternberg.

 

Der Sohn, der Abraham und Sara nach einem Jahr geschenkt wird heißt Isaak. Die Wurzel dieses Namens lautet jedenfalls l a c h e n. Isaak wird durchaus unterschiedlich übersetzt: Gott lacht bzw. Gott hat mir ein Lachen geschenkt. Gott lacht und wir dürfen mit ihm lachen. Es soll ein erlöstes Lachen sein. Ein Lachen der Freude und ein Lachen, das befreit. Isaak soll schließlich geopfert werden. Das ist Vorbild für das Kreuz Jesu. Hier wird das Heil der Welt geschaffen. Die Erlösung! Darauf dürfen wir mit dem Osterlachen antworten. Der Tod wird ausgelacht! Dieses Lachen ist Ausdruck unserer Auferstehungshoffnung!

 

Genesis 18 ist die älteste Bibelstelle zum Thema Lachen. Pfarrerin Crüwell interpretiert sie so: "Sara und Abraham lachen Gott aus. Sie können nicht glauben, was ihnen, den Uralten, verheißen wird. Aber Gott ist nicht verärgert über ihr Lachen, sondern er lacht mit. In Isaak lacht Gott über die menschliche Kleingläubigkeit. Diese Geschichte zeigt einen Gott, der selbst den lachenden Zweifel des Menschen aushält und ihn in ein glückliches Lachen der Freude verwandelt, in das er selbst einstimmt."

 

Jesus: Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen (griech. gelao). Lukas 6, 21

Wer zuletzt lacht, lacht am besten!

 

Die Christenheit hat aus der Osterhoffnung immer ihre Zuversicht für das Heute und damit für die Gegenwart bezogen. „Das ist die Frechheit des Glaubens, der sich nicht damit erschöpft, `morgen oder übermorgen` zu sagen. Christlicher Glaube lebt und hofft im Jetzt! Heute ist er – Jesus Christus - `durch des Todes Tür gebrochen`. Ja, vielleicht kann man es eher singen als sagen. Aber man kann es singen. Welche Gnade, dass man zitieren kann. Wir haben die alten glaubensgewissen Texte, in die man sich von allen eigenen Bedenken wegstürzen kann.“ (Fulbert Steffensky).

 

Deswegen müssen wir Ostern feiern, richtig feiern! Auch im Advent und an Weihnachten.  – „Durch die Auferstehung Jesu Christi ändert sich alles. Der Tod ändert sich. Er war immer das Ende, jetzt ist er der Anfang des Lebens!“ (Max Lucado).

 

„Freuet euch in dem HERRN allewege, und abermals sage ich euch! Freuet euch! Der HERR ist nahe!“ Philipper 4, 4.   AMEN

 

Lieder (EG)   3. Advent, 9.30 Uhr Mauritiuskirche Unterbalzheim

18, 1+2           Seht, die gute Zeit ist da

761                  Lobgesang der Maria

10, 1-3            Mit Ernst, o Menschenkinder

16, 1+2           Die Nacht ist vorgedrungen

13, 1+3           Tochter Zion

 

Lieder (EG)   4. Advent, 9 Uhr Michaelskirche Wain

18, 1+2           Seht, die gute Zeit ist da

741                  Psalm 102

19, 1-3            O komm, o komm, du Morgenstern

16, 1+2           Die Nacht ist vorgedrungen

13, 1+3           Tochter Zion

16, 4                Noch manche Nacht

 

 

Weiteres zum Lachen

Der Mann vom Geheimdienst

Ein Mann kommt aus der Kirche. Der missionarische Pfarrer zieht ihn beiseite: "Du musst auch in die Armee des Herrn eintreten." Der Mann antwortet: "Aber ich gehöre schon zur Armee des Herrn!" "Warum sehe ich dich dann nie in der Kirche, mein Sohn?" Der Mann schaut verstohlen zur Seite und flüstert: "Ich bin beim Geheimdienst..."

 

Gehet hin in das ewige Feuer!

Im Schaukasten hängt die Ankündigung für einen Vortrag, der Mittwoch, 19 Uhr im Gemeindesaal stattfindet. Prof. Tischel spricht zum Thema "Gehet hin, ihr Verdammten, in das ewige Feuer!" Eintritt frei.

 

Gesegnete Mahlzeit

Der Dorfpfarrer setzt sich zu Tisch und beginnt zu essen, ohne sein übliches Tischgebet gesprochen zu haben. Als ihn die Haushälterin darauf aufmerksam macht, meint er nur: "Über allem, was sich auf diesem Tisch befindet, wurde schon mindestens dreimal der Segen gesprochen..."

 

Feuerzungen auf dem Kopf

In seiner Predigt am Pfingstfest schildert Pfarrer Krause, wie der Heilige Geist sich als feurige Zunge auf den Köpfen der Apostel niederließ. Da flüstert Hans dem Emil zu: "Jetzt weiß ich, warum die Mönche Tonsuren tragen."

 

Fliegende Tauben

Im Religionsunterricht lässt sich der Lehrer von den Schülern die vielen wunderbaren Heilungen Jesu aufzählen: "Die Aussätzigen machte er rein." - "Die Blinden sehend!" - "Die Gelähmten konnten wieder laufen." Eines vermisst der Lehrer noch: "Und was tat er mit den Tauben?" "Die ließ er fliegen!"

 

Die Hölle und der Chor

"Das Thema der morgigen Abendveranstaltung heißt: 'Die Hölle – was ist das?' Und wenn Sie früher kommen, hören Sie bereits die Probe unseres Chors..."

 

Das Bauwerk, wo die Leute klagen

Ein Tourist im Heiligen Land weiß leider nicht, was auf Englisch Klagemauer heißt. So sagt er dem Taxifahrer: "Fahren Sie mich zu dem Bauwerk, wo die Leute klagen." Kurz darauf steigt er vor dem Finanzamt aus.

 

Kaffee oder Regen

Beim Frühstück sagt die Haushälterin zum Kaplan: "Sieht nach Regen aus." Darauf der Kaplan: "Ja, aber man merkt, dass es Kaffee sein soll."

 

Taufe mit Sektflasche

Klaus hat im Fernsehen schon etliche Male eine Schiffstaufe gesehen. Als in der Familie der Tante die Taufe des neu angekommenen Babys ansteht, fragt der Junge die Mutter: "Wird auch eine Sektflasche an seinem Kopf zerschlagen?"

 

Dinosaurier-Beichte

Ein Betrunkener kommt zur Beichte: "Ich muss etwas beichten. Ich habe soeben einen Dinosaurier überfahren!" "Sie haben was?", fragt der Pfarrer ungläubig, "Dinosaurier sind ausgestorben!" Da fängt der Betrunkene schrecklich an zu weinen: "Das habe ich doch nicht gewollt!"

 

Buchtipp

Die Witze auf dieser Seite stammen aus zwei Büchern des St. Benno Verlags:

Der liebe Gott hat gut lachen. 365 Witze. 376 Seiten, 7,95 Euro, St. Benno Verlag, Leipzig 2012.

 

 

Gottesdienst Rogate (Betet) am 17. Mai 2020

Rogate (Betet), 17.05.2020, 9 Uhr
in der Wainer Michaelskirche /Gemeindehaus oder bei Ihnen zuhause

·       Liturgie und Predigt: Pfarrer Ernst Eyrich

 

Glocken der Wainer Michaelskirche oder der umliegenden Kirchen

In der Wainer Michaelskirche brennen die Altarkerzen

 

Orgelvorspiel

 

Eingangslied EG 133, 1+5    Zieh ein zu deinen Toren

 

Votum

Im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. AMEN

 

Wochenspruch

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66, 2

 

Wochenpsalm 118 – EG 747

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

Der Herr ist meine Macht und mein Psalm

            und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Die Rechte des Herrn ist erhöht;

die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des Herrn Werke verkündigen.

Der Herr züchtigt mich schwer;

aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,

dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Das ist das Tor des Herrn;

die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast

und hast mir geholfen.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,

ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen

und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

 Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

 Ehr` sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist …

 

Eingangsgebet und Stilles Gebet

Allmächtiger, heiliger, ewiger Gott! Wir danken dir, dass du uns hörst, wenn wir dich im Gebet anrufen. Wir danken dir, dass du dich uns zuwendest, wenn wir dich um deinen Heiligen Geist bitten. Wir preisen deine Barmherzigkeit, mit der du dein Ohr zu deiner Gemeinde neigst und deine Kirche in dein Herz aufnimmst.

Wir bitten dich im Namen Jesu Christi: Sei du mitten unter uns. Dein Wort soll uns treffen, damit wir uns von dir verändern lassen. Nimm das Lob unserer Lieder an und höre auf unser Gebet. AMEN

 

Wir beten weiter in der Stille, mit einander und füreinander …

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von uns wendet.

 

Schriftlesung aus Lukas 11, 5-13    Der bittende Freund

5 Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. 9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? 12 Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

 

Lasst uns antworten auf das Wort der Heiligen Schrift mit den Worten unseres Glaubens:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.   Amen.

 

Wochenlied EG 344, 1-5

 

Predigttext: Matthäus 6, 5-15 – Vom Beten. Das Vaterunser

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.] 14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.       

 

Predigt

Liebe betende Gemeinde, 

ein Gebet umspannt die Welt. Es ist das Vaterunser. Es ist das Gebet des Herrn. Es ist das Gebet schlechthin. Es wird in jedem Augenblick irgendwo auf dieser Welt von irgend-jemandem gebetet oder gesungen. Es umspannt die Welt. Wir sind ein Teil dieser Beter und Beterinnen. Zig-fach vertont wurde dieses Gebet. Wir gehören mit zu diesen Sängern und Sängerinnen, liebe Gemeinde. Wir nehmen regelmäßig an dieser Gebetsgemeinschaft, an diesem Weltenchor teil. Wir beten es gemeinsam im Gottesdienst. Wir beten es aber auch allein zuhause. Erst neulich hat mir jemand gesagt: Ich bete es jeden Abend!

 

In Jerusalem steht auf dem Ölberg die Paternoster-Kirche, die Vaterunser-Kirche. Es ist der Ort, an dem Jesus das Gebet seinen Jüngern beigebracht hat. Als ich dort stand und das Vaterunser betete, war ich tief bewegt. Das war mehr als ein Gänsehautmoment. Ort und Wort waren so dicht beieinander und sind miteinander verschmolzen. Bereits im Jahr 330 n. Chr. ließ Helena, die Mutter des Römischen Kaisers Konstantin, dort eine Kirche errichten (Helena bedeutet: Die Leuchtende. Sie wurde zu einer Schlüsselfigur der Verbreitung des Evangeliums und des Christentums). Die von Helena errichtete Kirche wurde im Jahr 614 n. Chr. von den Persern vernichtet. 1874/75 wurde die heutige Paternoster-Kirche errichtet und wird von französischen Karmeliterinnen betreut. An den Wänden der Vorhalle und des Kreuzganges wurden Tafeln mit dem Text des Vaterunsers in 140 Sprachen angebracht. Im Innern der Kirche findet man sogar eine Tafel des Vaterunsers in Blindenschrift. Fürwahr: Ein Herz und Sinn bewegender historischer Ort.

 

Ja, das Vaterunser ist das Gebet schlechthin. Wir dürfen es kennen und wir dürfen es beten. Vier Prominennte möchte ich nun erwähnen, was sie zum Vaterunser gesagt haben: Bonhoeffer, Luther, Thielicke und Matthias Claudius. Dazu noch eine fünfte Person, eine gänzlich unbekannte Frau.

 

Bonhoeffer: „Wenn wir Jesu Gebet beten dürfen, wenn er uns auf seinem Wege zu Gott mit hinaufführt, dann sind wir von der Qual der Gebetslosigkeit befreit. Das aber will Jesus Christus. Er will mit uns beten, wir beten sein Gebet mit und dürfen darum gewiss und froh sein, dass Gott uns hört.“ – Wir müssen das Vaterunser nicht beten, liebe Gemeinde. Wir dürfen es beten. Es schenkt uns Worte, wenn uns Worte fehlen, wenn wir meinen, nicht beten zu können. Es befreit uns aus der Qual der Gebetslosigkeit. Wenn wir nicht wissen, was und wie wir beten sollen – solche Situationen gibt es im Leben zuhauf – da ist das Vaterunser keine billige Alternative, sondern das passende Gebet. Im Vaterunser ist alles enthalten, was uns bewegt, liebe Gemeinde. Das ist ein schöner Gedanke von Bonhoeffer: Das Vaterunser befreit uns aus der Qual der Gebetslosigkeit. Es kann auch still und leise gebetet werden, wenn wir merken, dass gebetet werden sollte, weil wir uns in einem schwierigen Gespräch oder in einer gefährlichen Situation befinden. Es ist ein ganz persönliches Gebet und ein Allround-Gebet. Es verbindet Himmel und Erde und es verbindet Menschen, Völker und Rassen.

 

Martin Luther ging regelmäßig zum Frisör. Er sagte allerdings nicht Frisör, sondern Barbier. Sein Barbier hießt Peter. Eines Tages hat sich der Barbier Peter von Martin Luther eine Anweisung zum Beten gewünscht.

 

„Lieber Meister Peter, ich geb’ s euch so gut, wie ich’s habe und wie ich selber mich beim Beten verhalte. Unser Herr Gott gebe es euch und jedermann, es besser zu machen. Amen.

 

Erstlich, wenn ich fühle, dass ich durch fremde Geschäfte oder Gedanken kalt und ohne Lust zu beten geworden bin, wie denn das Fleisch und der Teufel stets das Gebet abwehren und hindern, nehme ich mein Psälterlein, laufe in die Kammer oder, wenn’s der Tag und die Zeit ist, in die Kirche zu den Leuten und fange an, die zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und, je nachdem wie ich Zeit habe, etliche Sprüche Christi, des Paulus oder der Psalmen mündlich für mich selbst zu sprechen, ganz und gar wie die Kinder tun. Darum ist’s gut, dass man das Gebet morgens früh das erste und abends das letzte Werk sein lasse. Und man hüte sich mit Fleiß vor diesen falschen, betrügerischen Gedanken, die sagen: Warte ein wenig, in einer Stunde will ich beten; ich muss dies oder jenes zuvor erledigen. Denn mit solchen Gedanken kommt man vom Gebet in die Geschäfte, die einen dann halten und umfangen, so dass aus dem Gebet den ganzen Tag nichts wird.“ Luther hat also regelmäßig festvorformulierte Texte gebetet.

 

Weiter schreibt Luther an seiner Barbier Peter: „Mit dem Gebet ist es wie bei einem guten, fleißigen Barbier. Der muss seine Gedanken, seinen Sinn und seine Augen ganz genau auf das Schermesser und auf die Haare richten und darf nicht vergessen, wo er im Strich oder im Schnitt ist. Wenn er aber zugleich viel plaudern und anderswohin denken oder gucken will, so würde er einem leicht Mund und Nase, und die Kehle dazu abschneiden. Also will ein jegliches Ding, wenn es richtig gemacht werden will, den Menschen ganz haben mit allen Sinnen. Wie viel mehr verlangt das Gebet das Herz einzig, ganz und allein haben, wenn es ein gutes Gebet sein soll!“

 

Beim Beten geht es also um unser Herz. Es geht darum, dass unser Herz zu sprechen beginnt. Darum ist Jesus wohl auch so deutlich in seinen Worten: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.“

 

Plappern wie die Heiden! Jesus nimmt hier Bezug auf das, was in der griechischen und römischen Welt üblich war. Die langen Gebete zu den vielen Göttern und Götzen sollten die Götter und Götzen müde machen (fatigare Deos – die Götter müde machen!). Wir kennen das auch aus unserer Zeit: Da wird man dermaßen zugetextet, dass man nur noch seine Ruhe haben möchte. Man ist von dem vielen Reden des anderen müde geworden und total erschöpf und macht Zusagen, die man eigentlich gar nicht machen wollte. Man will eben seine Ruhe haben. Fatigare Deos nannten das die Römer: Die Götter müde machen. 

 

Helmut Thielicke spricht vom Vaterunser als einem Prisma, in welchem „das ganze Licht des Lebens eingefangen ist. Keiner wird sagen dürfen: Mich lässt er leer ausgehen oder an meine Lebensnot hat er nicht gedacht. Es kann an den Wiegen und an den Särgen gesprochen werden.“ Lob Gottes, sein Wille, tägliches Brot, Vergebung, nicht in Versuchung führen, Erlösung, dein ist das Reich – Doxologie als Abschluss.

 

Eine Frau erzählte einmal, sie bete das Vaterunser täglich. Von Jugend auf habe sie das so gehalten. Früher sei sie schnell damit fertig gewesen. Auch wir wissen, dass das Vaterunser schnell heruntergespult und unbedacht gebetet werden kann. Also früher sei sie schnell mit dem Vaterunser fertig gewesen. Je älter sie werde, umso länger brauche sie für das Vaterunser. Ihr Gegenüber fragte sie, wie sie das meine! Darauf antwortete sie: „Manchmal, wenn ich mit der Bitte fertig bin `und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern `, dann möchte ich schnell weitersprechen `und führe uns nicht in Versuchung`. Aber ich weiß, ich habe meinem Nachbarn noch nicht vergeben, und wenn ich jetzt weiterbete, bin ich schon der Versuchung erlegen: also wiederhole ich wieder und wieder `wie wir vergeben unseren Schuldigern` und manchmal schlafe ich darüber ein.“

 

Ja, man kann schnell mit dem alten – vielleicht zu sehr vertrauten – Vaterunser fertig sein. Wenn wir recht beten wollen, genügt es nicht, die vorgegebenen Worte nachzuplappern. Wenn ich mich recht entsinne war es Martin Luther, der das Vaterunser einmal als den größten Märtyrer der Kirche und der ganzen Kirchengeschichte bezeichnet hat. In der Tat kann das Vaterunser missbraucht und heruntergeleiert werden – wer es aber ernsthaft und gewissenhaft betet, der ist nie mit ihm fertig. Selbst derjenige, der es nur herunterleiert, kann vom Heiligen Geist überrascht werden und plötzlich von der einen oder anderen Zeile überrascht und sogar überwältigt werden.

 

Das Vaterunser bleibt frisch und neu, kraftvoll, tröstend und doch auch anspruchsvoll. Es bewegt uns, es zeigt uns, dass wir gar nicht so gut sind. Es zeigt uns, dass das Reich Gottes kommt und es auch zu uns kommen soll, und wir uns verändern lassen sollen zum Handeln in dieser Welt, dass auch durch uns das Reich Gottes kommen möge. Was für eine hohe Auszeichnung, die uns Jesus in seinem Gebet verleihen möchte und das er uns anvertraut hat! Um das Kommen des Reiches Gottes kann ehrlich nur jemand beten, der an einem Teil dafür sorgt, dass Gottes Wille geschieht und erlitten wird. Beten und Tun des Gerechten (Bonhoeffer) gehören zusammen.

 

Matthias Claudius an seinen Freund Andres

„Das Vaterunser ist ein für allemal das beste Gebet, denn du weißt, wer`s gemacht hat. Aber kein Mensch auf Gottes Erdboden kann`s so nachbeten, wie der`s gemeint hat; wir krüppeln es nur von ferne, einer immer noch armseliger als der andere. Das schad`t aber nicht, Andres, wenn wir`s nur gut meinen; der liebe Gott muss so immer das Beste tun, und der weiß, wie`s sein soll.“

 

Das Vaterunser weist weg von mir. Es weist hin auf Gott. Sein Wille soll auch in meinem Leben geschehen. Das Gebet bringt auch zum Ausdruck, dass ich nicht mir selbst gehöre. Mein Leben gehört Gott.

 

Herr, lehre uns beten!   AMEN

 

Lied nach der Predigt: EG 344, 6-9

 

 

Fürbittengebet

Allmächtiger, heiliger, ewiger Gott! Du gibst uns alles, was wir zum Leben brauchen.

 

Wir bitten dich für alle, die ein Leben lang vergeblich unrealistischen Wünschen und Zielen hinterherlaufen. Lass sie erkennen, dass deine Fülle sich auch im Unvollendeten und im Abgebrochenen und Zerbrochenen offenbart. Wir rufen dich an: Herr, erhöre uns!

 

Wir bitten für alle, die dem Wahn erliegen, alles selber richten zu müssen und die sich dabei doch nur überfordern, überschätzen und übernehmen können. Lass sie erkennen, dass uns alles Wesentliche im Leben als Geschenk von dir widerfährt. Wir rufen dich an: Herr, erhöre uns!

 

Wir bitten dich für alle, die sich immerfort nur zurücknehmen und dir und sich selber zu wenig oder nichts zutrauen. Lass sie erkennen, dass ihre Gaben gefragt sind und du auch aus dem kleinen Anfang Großes wachsen lassen kannst. Wir rufen dich an: Herr, erhöre uns!

 

Wir bitten dich für alle, die es immer wieder neu wagen, sich im Gebet an dich zu wenden. Dass sie – ja, dass wir alle erkennen, dass du zwar nicht alle unsere Wünsche, aber alle deine Verheißungen und Zusagen erfüllst. Wir rufen dich an: Herr, erhöre uns!

 

Um nichts mehr bitten wir dich, als um das, was du uns schon längst schenken willst, wenn wir uns an dich wenden mit den sieben Bitten des Vaterunsers. AMEN

 

Vater unser im Himmel …

 

Lied nach dem Vaterunser

NLplus 8, 1-4             Bist zu uns wie eine Vater

 

Abkündigungen

 

Schlussvers EG 99 – Christ ist erstanden

 

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.

 

Dreifaches AMEN (dazu kann das Kreuz geschlagen werden)

 

Orgelnachspiel