Bischof Fürst grenzt sich von Vatikan-Papier ab

Bischof Fürst grenzt sich von Vatikan-Papier ab

Rottenburg/Stuttgart (epd). Bischof und Rat der Diözese Rottenburg-Stuttgart bewerten die neue Vatikan-Instruktion zur Leitung katholischer Pfarrgemeinden kritisch. Laut einer Mitteilung der Diözese vom Donnerstag will Bischof Gebhard Fürst an der "starken Beteiligung der Laien" in seinem Bistum festhalten. "Das Rottenburger Modell steht nicht zur Disposition", betonte er.

 

Fürst sagte, dass die Beteiligung von Laien in allen Gremien bis zum Diözesanrat, der in seinem Bistum auch das Haushaltsrecht habe, ein großer Vorteil für die Ortskirche sei. Sie sei zudem eine klare Konsequenz aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil und habe sich in den vergangenen 50 Jahren bewährt. Auch der Sprecher des Diözesanrats, Johannes Warmbrunn, sprach sich gegen eine "Klerikalisierung der Pastoral" aus.

 

Das Schreiben der Kongregation mit dem Titel "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" hatte in Deutschland für Skepsis gesorgt. Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hatten sich bereits am Mittwoch gegen die Instruktion gewandt, weil das Engagement von Laien für die Kirche nicht genügend wertgeschätzt werde. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der wichtigsten katholischen Laienorganisation, Thomas Sternberg, nannte die Instruktion "realitätsfern".

 

Laut dem Vatikan-Papier können Nicht-Kleriker keine Pfarreien leiten. Rom reagiert damit auf Reformansätze in verschiedenen Bistümern, die beispielsweise dem Priestermangel und sinkenden Mitgliederzahlen unter anderem mit der Zusammenlegung von Gemeinden oder der Übertragung von Pfarrei-Leitungen auf Laien begegnen wollten.

 

Bischof Fürst räumte ein, dass ihn das Schreiben aus Rom ebenso überrascht habe wie seine anderen Amtskollegen in Deutschland. Die gemeinsame Leitung der Kirchengemeinden durch Laien und Kleriker sehe er vollauf im Einklang mit dem Kirchenrecht. In einem Schreiben an die Vorsitzenden der mehr als 1.000 Kirchengemeinden der Diözese wolle er diesen den Rücken stärken, verbunden mit "großem Dank für ihr ehrenamtliches Engagement". (1882/23.07.2020)

epd

 

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