Gemeindebrief Laupheim Vorstellung "Ein herzliches Grüß Gott!"

Christian Keinath

Wozu ist Religion da, wozu christlicher

Glaube? Mir fallen zu dieser Frage starke
Eindrücke aus alpinen sportlichen Unternehmungen
ein. Bergtouren bringen oft
spannende Perspektivveränderungen
mit sich. Der Aufstieg aus einem Talkessel
bietet zunächst eingeschränkte Sicht.
Kurz vor oder auf dem Gipfel öffnet sich
dann der Blick beeindruckend in die
Weite, auch auf die der Aufstiegsroute
entgegengesetzte Seite des Gebirgsmassives.
 

Ähnliches finde ich im Glauben. Die
gewohnten Blickrichtungen in Bezug
auf die Gesellschaft, in der ich lebe, die
Umwelt und meine eigene Person und
ihr Handeln zu verändern, etwas in Frage
stellen und neu einordnen können – das
gehört für mich wesentlich zur christlichen
Religion.

Dagegen kann man zu Recht einwenden,
christlicher Glaube sei doch nicht
nur kritische Infragestellung. Religion
sei doch gleichzeitig etwas, das Stabilität
in Umbrüchen und Krisen bietet.
Auch das ist richtig. Der spanische Autor
Machado hat, frei wiedergegeben, in
den 1930er Jahren gedichtet: „Wanderer,
du hast keinen vorgegebenen Weg.
Dein Weg entsteht beim Gehen“. Das ist
eine Vorstellung von großer Freiheit und
gleichzeitig auch von Unsicherheit. Der
Wunsch nach Orientierung und nach
Vergewisserung, auf dem richtigen Weg
zu sein, ist daher selbstverständlich. Auf
die Frage von Jesus, ob denn Petrus und
weitere Jünger sich von ihm abwenden
würden, wie es gerade andere getan
hatten, antwortet Petrus: „Wohin sollten
wir gehen? Du hast Worte des ewigen
Lebens!“ (Johannes Evangelium, Kapitel
6). Das kann man auch so in eigenen
Worten ausdrücken: „Was du sagst, gibt
mir Orientierung, klärt mein Denken und
Handeln, gibt mir Sicherheit“.

Wie zwei Pole von etwas, das zusammengehört,
macht beides für mich aus,
was christlicher Glaube erfrischend und
dynamisch bedeuten kann: Im Horizont
des christlichen Glaubens mein Denken
und Handeln in Frage zu stellen und
gleichzeitig mein Denken und Handeln
zu orientieren und zu vergewissern.
Neben anderen Aufgaben sind beides für
mich Grundpfeiler dessen, wofür eine
Kirchengemeinde da ist.

Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann
und Studium der Evangelischen
Theologie in Bielefeld, Bonn und
Tübingen und einem Jahr in der Privatwirtschaft
habe ich Anfang der 2000er
Jahre in Stuttgart das Vikariat gemacht. Ab 2004 folgten 6 Jahre Gemeindepfarrdienst
auf den Fildern und an der
Schwäbischen Alb sowie zuletzt 8 Jahre
im Schuldienst in Ulm.

Ich freue mich darauf, ab kommenden
Februar mit Ihnen gemeinsam als
Evangelische Gemeinde in Laupheim
evangelischen christlichen Glauben zu
gestalten: In Gottesdiensten und Bildungsangeboten,
in der Arbeit für Menschen
vom Kindesalter bis zu Senioren,
in Zeiten der Stille und beim gemeinsamen
Feiern, in eigenen Angeboten
unserer Kirchengemeinde ebenso wie in
der Kooperation mit Partnern etwas von
der kritischen und bestärkenden Kraft
des Glaubens denkbar und erfahrbar zu
machen.

Ich freue mich dabei auf das Kennenlernen
und die Zusammenarbeit mit Ihnen
in Laupheim, in der Kirchengemeinde
und mit allen, die ihr Engagement als
Mitarbeitende einbringen.

Herzliche Grüße
Christian Keinath

Gemeindebrief Laupheim Vorstellung

Wozu ist Religion da, wozu christlicher Glaube? Mir fallen zu dieser Frage starke Eindrücke aus alpinen sportlichen Unternehmungen ein.