Marion Hohenhorst und Ella Emmerling erhalten höchste Auszeichnung der Landeskirche Erolzheim/Rot an der Rot

Marion Hohenhorst (v. li.) und Ella Emmerling werden am Sonntag mit der Brenz-Medaille ausgezeichnet. (Foto: Sybille Glatz)

„Es war eine ganz intensive Zeit“


Marion Hohenhorst und Ella Emmerling erhalten höchste Auszeichnung der Landeskirche


Erolzheim/Rot an der Rot

Der evangelische Gottesdienst am kommenden Sonntag in Rot an der Rot wird aus zwei Gründen ein ungewöhnlicher: Zum einen findet er „im Grünen“ statt, das heißt Pfarrerin Margit Bleher und die Gottesdienstbesucher versammeln sich ab 10 Uhr im Garten der Christuskirche. Zum anderen wird Bleher zweimal die Johannes-Brenz-Medaille verleihen.

 

Die Medaille ist die höchste Auszeichnung der württembergischen Landeskirche und benannt nach dem evangelischen Theologen und Reformator Johannes Brenz (1499–1570). Gestaltet hat die Medaille 1992 der renommierte Baden-Badener Medailleur Victor Huster. Die Landeskirche verleiht die Medaille an Gemeindemitglieder, die mindestens 30 Jahre lang ehrenamtlich in der Kirchengemeinde tätig waren. Je eine Brenz-Medaille in Bronze werden am Sonntag die zwei Kirchengemeinderätinnen Marion Hohenhorst und Ella Emmerling erhalten. Zusammengerechnet sind sie seit 62 Jahren ehrenamtlich in der evangelischen Kirche aktiv. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ blicken sie auf drei bewegte Jahrzehnte zurück.

 

„Der Pfarrer hat mich beim Taufgespräch für unseren zweiten Sohn angesprochen und gefragt, ob ich nicht für den Kirchengemeinderat kandidieren möchte“, berichtet Hohenhorst. Das war 1989. Hohenhorst, damals 30 Jahre alt, zögerte etwas. „Wer soll mich denn hier wählen?, hab ich mich gefragt. Hier kennt mich doch niemand“, erzählt sie. Hohenhorst stammt aus dem Münsterland und kam aus beruflichen Gründen zusammen mit ihrer Familie nach Oberschwaben. Sie ist kirchliche Religionspädagogin und unterrichtet als Religionslehrerin an Schulen. „Wir hatten hier keine Verwandten, kannten sonst niemanden“, berichtet Hohenhorst.

 

Trotz ihrer Bedenken sagte sie zu und kandidierte. Wie sich herausstellte, waren ihre Zweifel unberechtigt. „Ich erhielt mehr Stimmen als Kandidaten, die schon im Rat waren“, erinnert sie sich. Hohenhorst wurde Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats (KGR), allerdings nicht der Kirchengemeinde Erolzheim-Rot, sondern von Kirchdorf-Rot. Denn die Kirchengemeinde Erolzheim-Rot gab es damals vor 31 Jahren noch nicht. Sie wurde erst später gegründet, 2005. Die Gründung der neuen Kirchengemeinde erlebte Hohenhorst hautnah mit. „Es war eine ganz intensive Zeit“, berichtet sie.

 

Hohenhorst wechselte in den KGR der neu gegründeten Kirchengemeinde Erolzheim-Rot, zu der Erlenmoos, Erolzheim, Gutenzell-Hürbel, Rot an der Rot und Steinhausen an der Rottum gehören. Dort wurde sie abermals Zweite Vorsitzende. Im neu gebildeten Gremium sitzt auch Ella Emmerling. Wie Hohenhorst kommt Emmerling ebenfalls ursprünglich nicht aus Oberschwaben. 1974 zog sie von Heidelberg nach Ochsenhausen, weil sie dort eine Lehrerstelle bekam. „Ich kam nicht freiwillig ins Oberland“, sagt sie. Emmerling unterrichtete lange Zeit an der Realschule Ochsenhausen. „Als ich nach Ochsenhausen kam, war die Stadt noch sehr ländlich. Auf den Stufen des Rathauses saß eine Ente“, erinnert sie sich.

 

Auch in anderer Hinsicht unterschied sich Ochsenhausen in den 1970er-Jahren von heute. So waren die Unterschiede zwischen den Konfessionen noch stärker spürbar. „Eine Nachbarin fragte mich einmal, ob ich ,wüschtgläubig’ sei. Ich wusste gar nicht, was das Wort heißt, ,wüschtgläubig’“, erinnert sich Emmerling.

 

Ebenso wie Hohenhorst wird auch sie 1989 gefragt, ob sie nicht für den KGR der Kirchengemeinde Ochsenhausen kandidieren möchte. Emmerling, damals 37 Jahre alt und in der Jugendarbeit der Gemeinde aktiv, zögert nicht. „Ich habe sofort ja gesagt, weil ich das Gremium kannte.“ Weil sie in Steinhausen wohnt, wechselt auch sie 2005 in den KGR der neuen Kirchengemeinde Erolzheim-Rot. Hohenhorst und Emmerling sind seither beide ohne Unterbrechung im Gremium. Als eine große Herausforderung beschreiben sie den Bau des neuen Pfarrhauses in Rot, der 2010 abgeschlossen wurde. „Es hat sehr viel Zeit und Mühe gekostet, wir hatten sehr viele Sitzungen“, sagt Hohenhorst.

 

Im Rückblick sehen sowohl Hohenhorst als auch Emmerling einen entscheidenden Faktor in der Arbeit des KGR: „Es hängt sehr vom Inhaber der Pfarrstelle ab“, sagt Emmerling. Diese Sicht teilt Hohenhorst. „Es war unterschiedlich, wie stark wir als KGR in die Arbeit in der Kirchengemeinde eingebunden waren. Das war sehr vom jeweiligen Pfarrer abhängig“, sagt sie. Aktuell ist die Pfarrstelle in Erolzheim-Rot unbesetzt. Der vorherige Pfarrer Maximilian Jaeckel verließ Erolzheim-Rot zum 1. September 2019. Seither kümmert sich Pfarrerin Margit Bleher vertretungsweise um die Gemeinde. Bisher habe sich noch niemand auf die Stelle beworben, sagt Bleher.

 

Das Wissen, dass die Kirchengemeinde unter Umständen noch längere Zeit ohne Pfarrer auskommen müsse, sei für sie einer der Gründe gewesen, weshalb sie 2019 noch einmal kandidierte, sagt Hohenhorst. „Die Kirchengemeinde liegt mir sehr am Herzen. Ich habe viel Zeit und Arbeit in ihre Gründung investiert“, erklärt sie. „Man kann sich nicht hinsetzen und erwarten, dass andere alles machen und die Welt gut wird“, beschreibt Emmerling ihre Motivation. Auch sie kandidierte 2019 erneut. „Eine Kirchengemeinde könnte nicht existieren ohne Menschen wie Frau Hohenhorst und Frau Emmerling. Ich habe großen Respekt davor“, sagt Bleher. Daher habe sie beide bei der Landeskirche für die Brenz-Medaille vorgeschlagen.

„Es war eine ganz intensive Zeit“

Marion Hohenhorst (v. li.) und Ella Emmerling werden am Sonntag mit der Brenz-Medaille ausgezeichnet. (Foto: Sybille Glatz)