Bei der evangelischen Kirche Biberach steht eine Fusion an

Aus drei wird eins: Die evangelischen Kirchengemeinden Stadtpfarrkirche (l.), Heilig-Geist-Kirche (oben r.) und Bonhoefferkirche (unten r.) fusionieren zum 1. September. Fotos: Gerd Mägerle

Aus drei Kir­chen­ge­mein­den wird eine - Was das für die Gläubigen bedeutet
Biberach - Große Veränderungen stehen bei der evangelischen Kirche in Biberach an: Zum 1. September fusionieren die bislang eigenständigen Kirchengemeinden Stadtpfarrkirche, Heilig-Geist-Kirche und Bonhoefferkirche zu einer einzigen Gemeinde. Sie trägt dann den Namen Stadt-Kirchengemeinde und umfasst rund 5000 Gläubige.

Die von der Evangelischen Landeskirche beschlossene Pfarrstellenkürzung sowie der Rückgang der Kirchenmitglieder führen auch vor Ort in Biberach zu Veränderungen. "Die Gremien der drei Kirchengemeinden haben in den vergangenen Monaten mehrfach getagt und die Fusion vorbereitet und beschlossen", sagt der evangelische Dekan Hellger Koepff.

Notwendig werde dies durch den Wegfall von Pfarrstellen: So sind bereits vor zwei Jahren 25 Prozent der Pfarrstelle der Heilig-Geist-Gemeinde entfallen, im September fallen 50 Prozent der Pfarrstelle in der Friedenskirche weg. Weil aber ein Pfarrer für etwa 1600 Gemeindemitglieder zuständig sein soll, muss der Zuschnitt der Gemeinden neu geregelt werden.

So schließen sich die Kirchengemeinden Stadtpfarrkirche, Heilig-Geist-Kirche und Bonhoefferkirche zusammen. Die Gemeinden Friedenskirche und Versöhnungskirche (Ummendorf) wiederum bleiben eigenständig, geben aber Teilbereiche an die fusionierte Stadt-Kirchengemeinde ab. Aus dem Bereich der Friedenskirche sind dies die Gemeindemitglieder aus Mittelbiberach, aus dem Bereich der Versöhnungskirche sind es die Gläubigen aus dem Bereich Rißegger Steige.

Bekannte Gesichter bleiben


Die neue evangelische Stadt-Kirchengemeinde wird dann über drei 100-Prozent-Pfarrstellen verfügen. Mit Dekan Hellger Koepff sowie den Pfarrern Ulrich Heinzelmann, Daniela Bleher und Johannes Schüz sind diese mit in Biberach bekannten Gesichtern besetzt. Die drei bisher selbstständigen Kirchengemeinden sind dann Pfarrbezirke, für die dann jeweils ein Pfarrer zuständig ist, wenn es um Seelsorge, Taufen, Trauungen und Beerdigungen geht.

"Ein Vorteil der neuen Struktur ist sicherlich, dass wir uns mit Vertretungsregelungen künftig leichter tun werden", sagt Dekan Koepff. Für die Gläubigen bedeutet dies aber auch den Abschied von manchen Gewohnheiten. "Wir werden nicht mehr in jedem künftigen Kirchenbezirk das Vollprogramm anbieten können", so Koepff. So sei die simultan genutzte Stadtpfarrkirche St. Martin sicher das Zentrum, während die Bonhoefferkirche durch die Inklusionseinrichtung von Mariaberg einen klar diakonischen Schwerpunkt habe, während die Heilig-Geist-Kirche durch den sie umgebenden Friedhof geprägt werde. Diese verschiedenen Schwerpunkte sollen künftig stärker betont werden.

"Viele Gläubige werden auch künftig von ihrem bekannten Pfarrer betreut, allerdings mussten einige Straßenzüge einem anderen Pfarrbezirk zugewiesen werden", sagt Koepff. Auch der Weg zum Gottesdienst könnte an manchen Tagen etwas weiter werden.

Verändern werden sich auch die Leitungsgremien. Bislang verfügt jede der drei Kirchengemeinden über einen eigenen Kirchengemeinderat. Deren gewählte 25 Vertreter bilden ab 1. September das Leitungsgremium der neuen Stadt-Kirchengemeinde. "Am 1. Dezember 2019 sind wieder Wahlen, dann werden wir den Kirchengemeinderat auf zwölf Mitglieder reduzieren", sagt Ulrike Werthmann, zweite Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderats Biberach. Das sei eine Erleichterung, weil es immer schwieriger werde, Ehrenamtliche für eine Amtsperiode von sechs Jahren zu finden.

Zentrales Gemeindebüro

Für die Stadt-Kirchengemeinde wird ab Herbst auch ein gemeinsames Gemeindebüro als zentraler Anlaufpunkt eingerichtet. Dieses wird sich im Maliweg 9 befinden. Die Pfarramtsbüros im Köhlesrain und in der Sandgrabenstraße werden aufgelöst. Die Kreise und Gruppen, beispielsweise die Seniorenkreise der bisherigen Kirchengemeinden, bleiben bestehen und finden zu den bekannten Terminen an den gewohnten Orten statt. Es soll aber eine Absprache der Verantwortlichen geben, um gemeinsame Ausflüge oder Fortbildungen zu organisieren.

Neben den Vorteilen der Fusion weiß Koepff auch um die Skepsis, die es bei manchen gebe. Für die nächsten Jahre sei das nun gefundene Modell sicherlich zukunftsfähig. "Ob es in zehn Jahren andere Strukturen geben wird, kann ich aus heutiger Sicht nicht sagen", so Koepff, "das müssen dann unsere Nachfolger entscheiden.

Für die Gläubigen, die aus Mittelbiberach zur neuen Stadt-Kirchengemeinde kommen, gibt es am Samstag, 28. Juli, ab 19 Uhr einen "Übergabe"-Gottesdienst in Mittelbiberach. Die Fusion selbst wird am Sonntag, 16. September, ab 9.30 Uhr in der Biberacher Stadtpfarrkirche mit einem "Fusionsgottesdienst" gefeiert.

Text/Fotos  Gerd Mägerle