Heiligabend im Parkhaus

Auf der Ebene 14 im Liebherr-Parkhaus in Kirchdorf wird die evangelische Kirchengemeinde an Heiligabend zwei Gottesdienste feiern. (Foto: Tobias Rehm)

Dort, wo sonst Autos parken, finden in Kirchdorf Gottesdienste statt - das ist der Grund
Wegen der Corona-Pandemie wird Weihnachten in diesem Jahr anders gefeiert als in den Jahren zuvor. Statt großer Familienzusammenkünfte gibt es Feiern im kleinen Kreis, statt live auf dem Biberacher Marktplatz kann man das „Christkindle ralassa“ im Internet verfolgen. Auch die evangelische Kirchengemeinde Kirchdorf geht neue Wege. Sie feiert die Heiligabend-Gottesdienste zum ersten Mal an einem recht ungewöhnlichen Ort: im Parkhaus der Firma Liebherr in Kirchdorf.

„Die evangelische Kirche in Kirchdorf bietet mit den coronabedingten Abstandsregeln nur circa 40 Menschen Platz für den Gottesdienst“, sagt Pfarrerin Ulrike Ebisch. „Das ist für Weihnachten natürlich zu wenig.“ Wie Ebisch schildert, habe sich daher der Kirchengemeinderat schon im Advent Gedanken gemacht, an welchem anderen Ort sie ihre Weihnachtsgottesdienste feiern kann. „Die Idee mit dem Parkhaus kam mir, als ich überlegte, ob es einen Ort gibt, wo man im Freien feiern könnte und damit das Infektionsrisiko gering hält und dennoch ein Dach über dem Kopf hat“, sagt Ebisch.

Die Kirchengemeinde fragte daraufhin bei der Firma Liebherr an, ob es möglich wäre, die Gottesdienste im Parkhaus abzuhalten. Mit Erfolg. „Die Geschäftsführung von Liebherr stimmte der Anfrage freundlich zu“, sagt Ebisch. „Und die Firma unterstützte die Kirchengemeinde bei der Umsetzung mit der Schaffung der technischen Voraussetzungen im Parkhaus.“ Auch bei der Gemeindeverwaltung Kirchdorf habe man keine Hinderungsgründe gesehen, nachdem die Kirchengemeinde ihr Hygienekonzept vorlegt hatte, so Ebisch. Die Gottesdienste werden im obersten Stockwerk des Parkhauses, der Ebene 14, gefeiert. Das Parkdeck ist überdacht. „Von dort geht der Blick über das Kirchdorfer Stadion weit ins Land. Bei gutem Wetter ist die ganze Alpenkette zu sehen“, sagt Ebisch. An Heiligabend werden zwei Gottesdienste dort stattfinden: ein Familiengottesdienst um 15 Uhr und ein Christvespergottesdienst um 17 Uhr. Wer an einem der Gottesdienste teilnehmen wollte, musste sich zuvor bei der Kirchengemeinde anmelden. „80 bis 100 Personen haben sich pro Gottesdienst angemeldet“, sagt Ebisch. Die Möglichkeit sich anzumelden gibt es mittlerweile nicht mehr. „Wir nehmen keine Anmeldungen für die Heiligabend-Gottesdienste mehr an“, sagt Ebisch.

So ungewöhnlich der Ort für die Gottesdienste ist, so ungewöhnlich ist auch der Ablauf. „Wir fordern die Besucher auf, mit dem Auto zum Gottesdienst zu kommen“, sagt Ebisch. Der Grund dafür: „Auf diese Weise werden Kontakte bei der Anreise vermieden“, erklärt die Pfarrerin. Parken können die Gottesdienstbesucher im Parkhaus auf der Ebene 13. „Dort ziehen sie dann die Maske auf, und gehen über eine Zugangsrampe zur Ebene 14“, erläutert Ulrike Ebisch.

Die Mund-Nasen-Bedeckung müssen die Besucher auch während des Gottesdienstes aufbehalten. Sie sitzen dabei auf Bierbänken, die zu diesem Zweck im nötigen Abstand aufgestellt wurden. „Von Haushaltsgruppe zu Haushaltsgruppe sind es zwei Meter Abstand“, sagt Ebisch. Sie informierte die Gottesdienstbesucher vorab per E-Mail über den Ablauf und das Hygienekonzept. „Wir haben von jedem angemeldeten Teilnehmer eine E-Mail-Adresse“, sagt sie. Die Daten der Besucher würden nach vier Wochen automatisch gelöscht.

Ursprünglich plante die Kirchengemeinde noch weitere Gottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen. So sollte am 25. Dezember ein Gottesdienst in der Kirche stattfinden und am 26. ein Gottesdienst im Freien zusammen mit der Kirchengemeinde Erolzheim-Rot. Doch die Planungen wurden kurzfristig am Dienstagabend geändert. „Der Kirchengemeinderat hat am Dienstagabend in einer aktuellen Videokonferenz noch einmal über die Gottesdienste beraten. Angesichts der hohen Infektionszahlen haben wir entschieden, dass bis zum 10. Januar nur die Gottesdienste stattfinden, die im Freien geplant sind, da an der frischen Luft das Infektionsrisiko bei Einhaltung der Abstände minimal ist“, sagt Ebisch.

Wie sie berichtet, schätzte die Mehrheit des Gremiums die Lage als ernst ein, insbesondere diejenigen, die im Gesundheitswesen arbeiten. „Der Kirchengemeinderat hält es nicht für verantwortlich, in unserer kleinen Kirche weiter zum Gottesdienst einzuladen“, sagt die Pfarrerin. Daher wird es an den Weihnachtsfeiertagen nur noch einen weiteren Gottesdienst geben, und zwar am 26. Dezember um 11 Uhr auf der Wiese am evangelischen Gemeindehaus. Für diesen Gottesdienst können sich Besucher noch über das Buchungsportal der Kirchengemeinde anmelden.

Darüber hinaus bietet die Kirchengemeinde gemeinsam mit der Nachbargemeinde Erolzheim-Rot einen Online-Videogottesdienst an, der in den evangelischen Kirchen in Kirchdorf und Erolzheim aufgenommen wurde. Die Pfarrerinnen Ulrike Ebisch und Margit Bleher sowie der Posaunen- und Kirchenchor haben den Gottesdienst gestaltet.

Für den Gottesdienst am 26. Dezember kann man sich unter https://ekkirchdorf.church-events.de anmelden. Der Online-Weihnachtsgottesdienst ist unter www.evkirche-kirchdorf.de ab dem Morgen des 24. Dezember abrufbar.

Text von Sybille Glatz, Kirchdorf